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Vor dem zweiten Aft.

Gambons nene Vorschläge.

Botschafter Cambon wird, wie verlautet, der deut­schen Regierung einen neuen Vorschlag zur Regelung der Maroffofrage unterbreiten. Danach soll Deutsch­land das französische Protektorat über Ma­roffo anerkennen, wogegen Frankreich wieder Deutschland volle wirtschaftliche Gleich­heit zusichert. Dieses erhält ferner einen größeren Teil der Kongofolonie, tritt aber dafür an Frankreich einen Streifen des Kamerungebietes ab. Man glaubt in Paris zuversichtlich, daß dieser Vorschlag zu einer Verständigung mit Deutschland führen werde.

Englands Rat an Frankreich.

In einem Leitartikel über die Maroffofrage be= merkt die ministerielle Londoner Westminster Gazette", Frankreich habe England dafür entschädigt, daß es seine Ansprüche auf Marotto aufgab. Deutschland sei daher auch berechtigt, eine Kompensation zu fordern. Es verfolge eine rein geschäftsmäßige Politik. Frankreich müsse sich flar machen, daß es für das, was es, haben wolle, zahlen müsse. Der Gedanke, der bet einigen deutschen Zeitungen vorherrsche, daß England Frankreich zu einer aggressiven und unvernünftigen Haltung aufreize, set grundlos, wie auch der Gedanke, England erschwere ein Arrangement, um Deutschland an der westafrikanischen Küste einzuengen. Unser Rat an Frankreich," schließt der Artikel, geht dahin, einen ehrenhaften Abschluß der Verhandlungen allein im Auge zu behalten und nicht zu fnidern, wenn es wirk­lich dessen sicher ist, was es erhält."

Keine Kriegsgefahr.

Entgegen verschiedenen pessimistischen Preßäuße­rungen Brüsseler Blätter verlautet nach einer Brüsseler Meldung zuverlässig, daß die belgische Regierung aus Paris einen amtlichen Bericht erhielt, nach dem die Möglichkeit eines deutsch- französischen Marokkokrieges völlig ausgeschlossen ist. Auf Grund dieses Berichtes unterläßt die belgische Regierung die Maß­nahmen, die sie im Falle einer Kriegsgefahr treffen müßte.

Rundschau oom Cage.

Politisches.

Beim bevorstehenden Kaisermanöver wird eine der belden gegeneinander fämpfenden Armeen aus dem 2. und 9. Armeekorps, die andere aus dem Gardefprps und einem tombinierten Armeekorps bestehen. Dieses tombinierte Armeekorps wird der Generalleutnant Scholtz, Kommandeur der 21. Division in Frankfurt a. Main, befehligen. Als Führer einer der beiden täm­pfenden Armeen nennt man den Generaloberst Fret­herrn von der Golß. Das Gelände des Katjermano­vers erstreckt sich nördlich von Berlin und dürfte öst= Itch von der Oder, westlich von einer Linte Wismar­Schwerin und der unteren Elbe begrenzt werden.

Die Reichsfinanzen bessern sich. Im Etat für 1910 erschienen als Einnahmen aus der Reichsfinanzreform etwas über 290 Millionen Mart. Dieser Etatsanschlag ift, wie heute mitgeteilt werden darf, durch die Wirk­lichkeit um 18 Millionen Mart it berschritten wor­den. In dem Etat fitr 1911 ist der Anschlag auf über 320 Millionen Mart erhöht worden. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird dieser Anschlag nicht nur von der Wirklichkeit erreicht, er dürfte vielmehr mit einer Summe überschritten werden, die noch über den Ueber­schuß des Jahres 1910 hinausreicht.

Noch keine Bestimmungen über den Termin für die Reichstagswahlen. Gegenüber Berliner Zeitungsmel­dungen, daß der 15. Januar 1912 als Termin für die Reichstagswahlen in Aussicht genommen fet, wird dem Wolfffchen Teleoraphenbureau von amtlicher Seite mit­geteilt, daß darüber noch keinerlei Bestimmung ge= troffen fet.

Behörden und Futternot. In mehreren preußischen Provinzen veröffentlichen die Behörden Aufrufe, in de­nen die Landwirte aufgefordert werden, ihr Vieh trotz der Futternot durchzuhalten. Es wird den Gemeinden empfohlen, die Wiesen- und Ackerflächen, die nicht abge­erntet werden konnten, als gemeinsame Weideplätze zut benuben. Gleichzeitig sind vielfach gemeinnüßige Ein­faufsstellen fitr Futtermittel im Ausland gebildet wor den, die bereits zu schleunigen Bestellungen auffordern. Außerdem halten diese Stellen Futtersaaten zu einer Herbstbestellung zum Einkaufspreis berett.

Rur Arbeitslosenversicherung nahm auch der deutsche Handwerks- und Gewerbefammertag in Düffel­dorf Stellung. Er verwirft prinzipiell fede Arbeitslo­ferversicherung, die auf einer anderen Basis als der der

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Wetterwolken.

Roman von M. v. Bu ch.

( Nachdruck verboten.) Nach Aufhebung der Tafel begaben sich die Gäste, um sich von den Anstrengungen der kulinarischen Ge­nisse zu erholen, in den Garten. Auch die Majestäten geruhten, noch ein wenig frische Luft zu schöpfen, ehe sie ihre Sänfte zum Rückwege befahlen.

Sie promenterten mit den übrigen Gästen des Brühlschen Hauses in den Wegen der kunstvoll ge­schnittenen Buchen- und Tarusbecken des Gartens. Da­bet plauberte man von Festen und Schäferspielen, man sprach von den Festen, die man mitgemacht, von denen, die in nächster Zeit stattfinden würden, und tat, als ob das ganze Leben ein einziger Freudentag set.

In zwanglosen Gruppen oder paarweise wanderten die Herrschaften. Baron Malzahn sab den österreicht­schen und den französischen Botschafter Arm in Arm an einer plätschernden Fontäne stehen und beobachtete... Da wurde er plötzlich von der Gräfin Brühl an gesprochen:

Mein lieber Baron, Ihren Arm, wenn ich bitten darf. Die lange Sigung im Speisesaale hat mich ein wenig ermitdet. So, danke. Verzeihen Sie, wenn ich mich ein wenig stütze."

Und die schöne Frau lebnte ihren vollen Arm auf die dargebotene Stitze des Barons, der sich nicht ver­sagen konnte, ihn ein wenig, ein ganz klein wenig aut drücken. Aus dem flatternden, mit echten Perlen über­fäten Spizenärmel schimmerte der Arm so rosig- so schön so weich...

Kurz und gut, Baron Malzahn konnte sich nicht ver­fagen, ihr ein Kompliment darüber zu machen.

Ste lächelte geschmeichelt und fragte: Können die Preußen auch liebenswürdig sein?"

" Aber, meine Gnädtaste, sollte unsereiner in solch

Selbsthilfe beruht. Er hält insbesondere die Verwen dung gemeindlicher Mittel für eine ungerechtigkeit ge­genüber denjenigen Ständen, welche wie der Handwer­fer und der Kleingewerbetreibende noch schwerer um ihre Eristenz ringen als der gewerbliche gelernte Ar­beiter. Er empfiehlt als vorbeugende Maßnahmen eine forgfältige Pflege und einen systematischen Ausbau des Arbeitsnachweises sowie die Bereitstellung öffentlicher Mittel zu Notstandsarbeiten. Zur Bekämpfung des Borgunwesens empfahl der Kammertag die Gründung von Einziehungsgenossenschaften nach ein­heitlichem Muster.

Maroffo und die deutsche Industrie. Der Zentral­verband deutscher Industrieller wies in einer Eingabe an den Reichstanzler auf die unbedingte Notwendig­keit hin, das deutsche Interessengebiet in Maroffo un­geschmälert zu erhalten und die deutschen wirtschaftli chen Interessen sicherzustellen. Das sei der entschiedene einmütige Wille des deutschen Boltes und vor allem der deutschen Industrie. Die Eingabe weist darauf hin, daß deutsches Kapital schon mit vielen Millionen in Maroffo beteiligt sei und gedenft der großen Möglich­fetten, die durch die Erzlager, Wollschafzucht und An­bau von Rohbaumwolle sich der deutschen Eisen- und Textilindustrie darböten.

1800 Millionen für die franzöfifche Flotte werden in dem von der französischen Marinekommission er­statteten Bericht über das neue Flottenprogramm gefor= dert. Davon sollen 1200 für die Erhaltung und 600 Millionen für die Vermehrung der Flotte verwendet werden. Diese außerordentlichen Ausgaben sollen auf die Budgets von 1912 bis 1919 verteilt werden. In ausführlicher Weise beschäftigt sich der Bericht auch mit der Luftschiffahrt im Dienste der Marine und befennt dabet, daß Deutschland die einzige Macht sei, die gegen­wärtig eine Flotte von Lentballons und zahlreiche Schuppen besitze

Kleine Nachrichten.

Der deutsche Kronprinz beendete seinen Jagdaufent­halt in Hopfreben. Die Abfahrt erfolgte am Donners­tag mittag im Automobil über Oberstdorf und Immen­stadt. Die Kronprinzessin verbleibt in Hopfreden.

Die Strecke Karibib- Windhut eröffnet. Nach einem der Firma Arthur Koppel in Berlin zugegangenen Te­legramm ist der Betrieb auf der Umbaustrecke Karibib­Windhut in Deutsch- Südwest am 22. d. M. durch Ein­treffen des ersten fahrplanmäßigen Zuges in Windhuk eröffnet worden.

Ueber den Diebstahl der Mona Lisa im Pariser Louvre hat die eingeleitete Untersuchung ergeben, daß die Diebe durch eine für jedermann offene Tür, die das Museum mit einem Saale für Gypsabgüsse ver­bindet, ungestört das Frete erreichen konnten. Durch einen Versuch ist festgestellt worden, daß ein geschickter Arbeiter ein Bild von der Größe der Mona Lisa in 2 Minuten von der Wand entfernen tann. Bisher fehlt noch jeder Anhalt über den Verbleib des Bildes.

Die Steuerhinterziehungen des verstorbenen Reichs­rats Dr. v. Clemm, von denen sett Wochen in der Presse die Rede ist, sind nunmehr amtlich festgestellt worden. Die hinterzogenen Steuern erstrecken sich auf die Jahre 1891-1898 und betragen fitr den langjährigen Wohnsitz des Reichsrats 46 400 Mart, während sie fitr die Stadt Ludwigshafen 167 000 Mart betragen. Die Gemeinde Saordt, wo v. Clemm die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, wird sicher eine ebenso hohe Summe erhalten.

Berhandlungen zur Beilegung der Differenzen in der Metallindustrie find in Leipzig bereits eingelettet, und es ist Aussicht vorhanden, daß die weitere Aus­sperrung am 26. August, die einen gewaltigen Umfang angenommen hätte, unterbleibt.

Das Opfer von Bahnhofsdieben ist in Königsberg t. Pr. eine Reisende geworden. Bet Abfahrt des Schnell­zuges Eydtkuhnen- Berlin wurde der Dame eine Hand­tasche mit Juwelen im Werte von 40 000 Mark ge­stohlen. Der Täter ist noch nicht ermittelt.

Einsturakatastrophe in einem galtzischen Gottes: hause. In Bleniom stitrate während des Gottesdienstes der Chor ein und begrub 82 Personen; davon wurden 23 erdrückt und 59 erlitten tells schwere, teils leichte Verletzungen. Der Geistliche wurde ohnmächtig.

Den Weltrekord im Ueberlandflua schlug gestern der amerikanische Luftschiffer Atwood. Er leate mit set­nem Biplan die 1200 Meilen betragende Strecke St. Louis- Neuvort in elf Tagen ohne jeden Unfall zurück. Die tatsächliche Flugdauer betrug 27 Stunden. Der bis­herige Weltreford war 1164 Mellen.

Diamantenraub auf offener Straße. Als der Lon­doner Diamanthändler Hopton gestern morgen mit Dia­manten im Werte von 60 000 Mart, die er in einem Eleinen Handkoffer bet sich trug, nach seinem Bureau ging, wurde er von zwei elegant gekleideten Indipt­buen überfallen. Während der eine ihn würgte, be­raubte thn der andere seiner Juwelen. Beide sprangen in eine in der Nähe wartende Autodroschke und ent­famen.

Itebenswürdiger Gesellschaft das nicht lernen können?" Und Malzahn blickte seine Begleiterin bewundernd an. Als Wirtin und Gastgeberin haben sich Frau Gräfin heute selber übertroffen. Ein brillantes Diner, muster­hafte Ausschmückung und jetzt, hier die Promenade, ist fie nicht allerliebst? Uebrigens," fuhr er nach einer Kleinen Bause fort, wo ist die Komtesse? Gräfin Beate ist zu meinem Erstaunen nicht zur Tafel erschienen. Aus welchem Grunde, wenn ich fragen darf?"

Beate

Die Gräfin zuckte die vollen Achseln. sträubte sich, zu diesem Diner zu erscheinen," sagte sie. Warum, weshalb? Gott weiß es. Sie behauptet, daß sie nicht wohl sei. Ja, mein lieber Herr Baron, Heut­autage sind die Mädchen kränklich. Zu meiner Zeit war es anders."

" Ist die Komtesse leidend?"

Sie ist zart, allein, um offen aut sein, ich glaube, Beate ist verliebt. Ihr Vater wollte sie neulich mit einem böhmischen Edelmanne verheiraten. Eine foge­nannte gute Partie. Aber das Kind wehrte sich mit Händen und Füßen. Auffallend, mein lieber Herr Ba ron. Nun, zwingen wollte der Graf seine Tochter nicht. Der Freter 30g ab. Veilà."

Baron Malzahn fah plötzlich sehr ernst aus. Sein braunes, scharf geschnittenes Gesicht mit der Hohen, bretten Stirne und dem festen Kinne, das Ener gie und Tatkraft ausdrückte, überzog sich mit einer Teichten Röte. Er hatte es längst bemerkt, daß er der schönen, dunkeläugigen Beate von Brühl nicht gleich­gültig war, aber. Ja, das Aber war in diesem Falle sehr groß.

Er selbst hätte an eine Verbindung mit dem hüb­schen Kinde nie gedacht.

Sie war Brühls Tochter, die Tochter eines Vaters, der als Sachsens allmächtiger Minister offen und ins geheim geaen Breuken konspirierte. Durfte und konnte

Aus den Gerichtssälen.

Wegen Bergehens gegen das Reichsviehfenchen gelet wurde von der Straffammer in Darmstadt als Berufungsinstanz der Landwirt Heinrich Schaard aus Dornheim zu einer empfindlichen Strafe verurteilt. Schaad hatte den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in seinem Stall bei dem Kreisveterinäramt nicht ange zeigt, auch die Milchlieferung nach auswärts fortgesetzt und geeignete Desinfektionsmaßnahmen unterlassen. Als schließlich in seinem Stall plöglich eine Kuh ver endete, wurde der Sachverhalt entdeckt und Anklage er hoben. Das Schöffengericht hatte daraufhin den Land wirt zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt. In der auf Veranlassung des Kreisamts von der Staatsanwalt schaft erzielten Berufungsverhandlung wurde Schaad im Hinblick auf die Gemeingefährlichkeit seiner Hand­lungsweise zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Fall schwerer Soldatenmißhandlung hat gestern vor dem Kriegsgericht der 19. Division in Hannover seine Sühne gefunden. Der Sergeant Mettner von der fünften Eskadron des Königulanenregiments stand un­ter der Anklage, dem Ülanen Schindewolf mit gezoge nem Degen zwei Hiebe über den Schädel und mehrere Hiebe über die Arme versetzt zu haben. Ferner wurde er beschuldigt, den Soldaten gewürgt und ihn mit ge zogenem Degen durch die Mannschaftsstube verfolgt au haben. Als sich der unglückliche Refrut seines Ver folgers nicht mehr erwehren konnte, sprang er aus dem zweiten Stock der Ulanenkaserne auf den Hof hinab, wo er mit inneren Verlegungen liegen blieb. Der Ser geant erhielt sieben Wochen Gefängnis.

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Die Luftschiffer beim Kaisermanöver. Das Lufts schifferbataillon wird sich voraussichtlich am 8. Septem ber ins Manövergelände zur Teilnahme an den dies fährigen Kaisermanövern begeben Der in Metz statio­nierte M 3 geht auf dem Bahnwege ins Manöver, eben­so der M 2 von Berlin aus. M 4, der bei seiner legten Füllung beschädigt wurde, dürfte für den Fall seiner rechtzeitigen Fahrbereitschaft in dec Salle zu Reiniden dorf stationtert werden. M 1 begibt sich zu den Festungsmanövern nach Thorn, die sich an das Kaiser­

Wenn Berlin aus den Ferien kommt. Bet der Rückkehr aus den Ferien sind, so wird aus Berlin be richtet, hinsichtlich der Beförderung von Gepäckstücken wieder sehr große Anforderungen an die Eisenbahnver­waltung gestellt worden. Während in der entsprechen den Zeit des Vorjahres auf den Fernbahnhöfen rund 245 000 Stück Gepäck antamen, betrug die Zahl der in der Zeit vom 1. bis 16. August d. J. eingetroffenen Ge­päckstücke rund 281 000 Stitc.

Das Todesurteil auf dem Billard. Ein frasser Fall verbrecherischer Roheit wird aus Paris berichtet: Vor einigen Tagen erschienen in einem Weinausschanke des Montmartreviertels mehrere Apachen und began nen eine Billardpartie. Das Spiel unterschied sich we fentlich von den dort üblichen Regelpartien", die ge­wöhnlich in wüste Kellereten auszuarten pflegen. Dies mal wurde mit größter Aufmerksamkeit und geheimnis vollem Eifer gespielt. Es handelte sich nämlich um ein Menschenleben. Die Apachen hatten ausgemacht, daß der Verlierer der Partie einen verhaßten Feind der Bande umzubringen hatte. Als das Spiel beendet war, nahm der Verlierer ohne Widerrede die Entscheidung an. Bald darauf wurde ein Arbeiter schwer verwundet vor der Tür eines Tanzlokals aufgefunden. Man setzte ihn in einen Wagen und brachte ihn ins Krankenhaus, wo er jedoch wenige Stunden darauf verschied. Die polizeiliche Untersuchung ergab nun, daß der Arbeiter von einem der beiden erwähnten Billardspieler erstochen worden war.

Die Schwefter" ein netter Bruder. Nicht ge­ringes Aufsehen erregt in Kustrin eine eigenartige Af­färe, deren Schauplatz das dortige Krankenhaus ist. War da seit mehrere Monaten eine Schwester Räte" be schäftigt, die sich bald durch ihr zuvorkommendes und bescheidenes Wesen die Zuneigung aller erwarb. Unter ihrem liebevollen Blick und den treusorgenden Händen genasen die Kranken zusehends, was wunder, daß " Säte" immer mehr der Liebling des Hauses ward. Und auf Sitte und Anstand hielt sie gar sehr. Ganz frei von weiblichen Lastern" war Räte nun allerdings nicht. Heimlich tranf und rauchte sie; außerhalb der Anstalt sogar unheimlich", wie böse Zungen zu behaupten wag­ten. Plötzlich eines Tages war Räte" verschwunden, und nimmer fehrte sie wieder. Alle Ermittlungen über thren Verbleib waren erfolglos, bis jetzt der Staatsan­walt Licht in das gebeimnisvolle Dunkel brachte und zu­aleich durch einen Steckbrief Rätes Persönlichkeit ent­hüllte. Käte war ein- Karl", ein langgefuchter schwerer Junge" aus Berlin, der sich geschickt als Schwester" den Nachforschungen der Behörden zu ents ziehen gewußt hat.

Schußmann und Fürsorgezögling. In der Schul­straße in Berlin sollte ein Fürsorgezögling namens Euler von einem Kriminalschutzmann festgenommen

er als treuer Diener seines Königlichen Herrn eine Ver­bindung mit dem Hause Brühl anstreben? Er hatte die Schönheit und Grazie der jungen Gräfin, mit der er in der Dresdener Gesellschaft oft zusammengetroffen war, bewundert, hatte ihr Huldigungen erwiesen, wie fie jeder junge Mann einem jungen Mädchen erweisen fann, allein das war auch alles. Wärmere Gefühle hatte er ihr nie gestanden, nie beabsichtigt, sich ihr zu nähern. Freilich, hätten die Verhältnisse anders ge­Tegen, so doch warum sich mit Sachen beschäftigen, dte außer jeder Berechnung liegen? Sein Verstand warnte thn vor unüberlegten Schritten.

Noch immer sprach die Gräfin Brühl von ihrer Tochter, und zwar, wie Malzahn dünfte, mit einem ganz eigenen, vertraulichen Ton. Ja, schließlich fragte fie: Mein Iteber Baron, ich glaube, Beate hat ganz besonderes Vertrauen zu Ihnen. Haben Sie wirklich gar keine Ahnung, weshalb sie sich vor der geplanten Verbindung gesträubt hat?"

Er erwiderte sehr höflich und sehr fühl: Erzellenz, wie käme ich dazu, das Vertrauen der Komtesse zu besitzen?" Und das war eine Antwort, die Erzellenz wenig zu befriedigen schlen.

Das Paar wanderte, von den übrigen Gästen ge­trennt, durch einen stillen Nebenweg. Plötzlich hörte man schlürfende Schritte, und hinter einer Tarus­wand, die wie eine Auliffe vorgeschoben war, trat fe mand hervor. Dieser Jemand war ein alter, weiß­haariger Mann mit gebeugtem Rüden, wie ihn die Ar­belt am Schreibtische zu verleihen pflegt.

Erstaunt betrachtete die Gräfin den ungebetenen Gast. Plötzlich begriff sie. Der da vor ihr stand, war Sekretär Menzel, der Vater ihrer Jungfer. ,, Unverschämter!" rief sie. Wie, Er wagt es, durch die Hinterpforte in den Garten zu bringen? mit ibm! Hier ist Seines Plates nicht!"

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