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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amtl. Bekanntmachungen

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Erscheint Redaktion:

oierteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­angabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Dienstage, Dounerstags, Samstags. Betesdeg 88.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuftripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 189.

Telephon: Nr. 362.

Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen, Hessen- Nassau und Waldeck im Juli 1911.

Der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amtes Behörden Oberheffens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.

Leider lassen die Berichte über die Lage des Ar­beitsmarktes nicht genügend erkennen, ob und in welchem Umfange die anhaltende Hiße auf die Lage des Arbeits­marktes und auf den Geschäftsgang eingewirkt hat. Immerhin ist aus einigen Mitteilungen zu entnehmen, daß in einer Reihe von Branchen eine derartige Ein­wirkung zu beobachten gewesen ist. So wird in Frank­furt a. M. darüber Klage geführt, daß für Backer, Auslaufer und Hausburschen die Arbeitsgelegenheit schlecht war. Das wird darauf zurückzuführen sein, daß bei einer großer Zahl von Branchen des Handels: gewerbes die Kauflust des Publikums eine geringe ge­wesen ist. Dagegen konnte für die Industrie ein schlechter Geschäftsgang infolge der Hitze nicht festge­gestellt werden, wenigstens handelte es sich in solchen Fällen nur um Ausnahmen. So z. B. wird in der Industrie der Steine und Erden nach einem Bericht aus Mainz der Geschäftsgang als schlecht bezeichnet. In Wezlar dagegen waren die Marmorschleifereien und Cementwerke gut beschäftigt; auch die Hütten- und Walzwerke sind im vollem Gange. Von der Metallin­dustrie wird in Frankfurt a. M. die Lage als gut bezeichnet.

Aus der Portefeuilleindustrie wird berichtet, daß gegen= über dem Vormonat teine Besserung eingetreten ist und daß im ganzen die Konjunktur etwas schlechter ist als im Vorjahr. In der Industrie der Holz- und Schnitz­stoffe berzet net Frankfurt a. M. einen flotten Geschäfts. gang. Gießen und Wildungen berichten von einem Mangel an Schreinergesellen. Aus dem Bekleidungs­gewerbe wird über Mangel an Schuhmachern geklagt. Im Baugewerbe war die Lage in den einzelnen Städten verschieden. Bei den Buchdruckern hat sich die Lage verschlechtert. In der Landwirtschaft wurde im Berichts monat ein starker Mangel an Arbeitskräften fühlbar. Ebenso machte sich auf dem Lande der Dienstboten: mangel wieder stark bemerkbar.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 26. August 1911.

* Erledigte Lebrerftelle. Eine evangelische Lebrerstelle zu Holzmühl, Kr. Lauterbach. Mit der Stelle ist Lektordienst verbunden. Dem Inhaber fann eine Oriszulage bewilligt werden.

* Die diesjährige Einstellung der Re= fruten wird erfolgen bei der Infanterie am 13. Of tober, bet der Kavallerie, der reitenden Feldartillerie und beim Train am 5. Oftober, bei der fahrenden Feld artillerie, der Fußartillerie und den Pionieren am 12. Oftober, bei den Jägern am 13 Oktober, bei den Militär Krankenwärtern und Dekonomie- Handwerkern am 3. Oktober, und für die Bespannungsabteilung am 5. Oktober.

* Zur Marollofrage erläßt die Leitung des Deutsch bundes in Gotha folgende Erklärung: Dem Leutschbund erscheint ein Abkommen mit Frankreich ohne eine irgendwie geartete Wahrung der deutschen Belange in Marokko als mit der deutschen Ehre un verträglich. Sollte ein derartiger Ausgang der Ver­handlungen zu befürchten sein, so wäre es besser, sie zer­schlügen sich und die Deutschen blieben bo Agadir.

( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag, den 26. August 1911.

mit der Bezeichnung Zeitfignal Hamburg" anzumelden.| Die Zeitfignalverbindung wird wie eine gewöhnliche Verbindung mit Hamburg hergestellt und berechnet. Nach 3 Minuten wird sie getrennt. Die Hauptuhr der Sternwarte ist durch eine Signalleitung on das Fern. Sprechamt in Hamburg angeschlossen. Das Zeitsignal besteht aus einem sirenenartigen Tone, der von der 55. bis 60. Sekunde jeder Minute zu hören ist. Das Ende des Tons zeigt die Vollendung einer Minte an. Auf den Sirenenton folgt ein schnarrendes Geräusch, das sich aus kurzen und langen Tönen zusammensetzt und erkennen läßt, welche Minute einer Periode bon 10 Minuten verstrichen ist. In der übrigen Zeit der Minute, also bis zur 55. Sekunde, ertönt ein regel mäßiges Ticken. Interessenten erhalten von dem hie­figen Telegraphen Amt gerne weitere Auskunft.

* Einen Scherz erlaubte sich heute früh ein Spaßbogel, der ein mit Blauftift geschriebenes Getra­Blatt" folgenden Inhalts an dem Tor Seltersweg 83 befestigte:

"

Luftkreuzer, Schwaben" unterwegs nach Stassel; berühit Gießen vormittags 10 Uhr. Zahlreiche Passanten blieben stehen, um die neueste" Nachricht mit großem Interesse zu lesen; auch wurde verschiedentlich bei uns telephonisch angefragt, ob die Sache auf Wahrheit beruhe. Selbstverständlich handelt es sich wie schon eingangs angedeutet einen Scherz.

nur um

* Bad Nauheim, 26. Aug. Der Kontrolleur bei der Saline und Badeanstalt Bad Nauheim, Kanz­leirat Peter Aletter wurde auf sein Nachsuchen vom 1. Oktober d. J. ab in den Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlaß wurde ihm die Krone zum filberneu Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

n Grünberg, 25. Aug. Eine der ältesten Kir chen in Oberhessen, das Gotteshaus der Gemeinden Behrheim und Stangenrod, wurde feierlich eingeweiht. Die Kirche ist um 1200 erbaut worden. Die Renovierungs: arbeiten begannen im Sommer 1910 und erforderten rund 14000 Mt.

* Rendel b. Vilbel, 26. Aug.( Priv.- Tel.) Heute morgen um 5 Uhr ermordete der Sohn einer hiesigen wohlhabenden Bauernfamilie, Wilhelm Gunderloch, die aus fünf Köpfen bestehende Familie Friedrich Eberhardt. Der Täter flüchtete im Automobil nach Gronau zu. Ueber den Beweggrund der grauen collen Tat verlautet noch nichts bestimmtes. Zur Untersuchung der Mord­affäre sind heute vormittag Staatsanwalt Dr. Brill, Kriminalkommissar Müller sowie ein Schuhmann mit Kriminalkommissar Müller sowie ein Schußmann mit vier Polizeihunden von Gießen nach Nendel im Kraft­wagen abgefahren.

* Von der mittleren Bergstraße, 24. August. Da die Metzger trotz billigen Einkaufs mit Fleisch- und Wurstwaren nicht abschlagen, schlachten seit einigen Tagen die Bauersleute vielerorts selbst und verkaufen sämtliche Fleisch- und Wurstwaren für 65 Pfg. pro Pfund.

* Lützellinden, 25. Aug. 3ahlreiche Fische im Kleebach sind gestorben. In Allendorf konnte man vor 14 Tagen die ganze Oberfläche des Baches mit toten Fischen bedeckt sehen, die stromabwärts trieben. Die Ursache des Fischsterbens scheint der niedere Wasserstand des Baches zu sein,

-h- Ehringshausen, 25. August. Unser neues Freitag haben die ersten Kranken Aufnahme gefunden. vo Krankenhaus wurde dieser Tage abgenommen. Am * Man schreibt uns: Die Deutsche Band: wirtschafts Gesellschaft macht darauf aufmerk sam, daß die Anmeldefrist für die Beteiligung am dies. jährigen Preisbewerb für Bäuerliche Buch­führung am 1. Oktober ds. Js. abläuft. Zu dem Preisbewerb zugelassen werden Buchführungen rein bäuerlicher Betriebe aus dem diesjährigen Ausstellungs gau, der umfaßt Großherzogtum Hessen, Hessen Naussau, Waldeck und die Thüringischen Staaten. Es stehen in 2 Klassen Preise im Einzelbetrage von 75 Mart bis zu 200 Mark zur Ve fügung, deren Anzahl je nach den Anmeldungen derart festgesezt wird, daß in der Regel auf 3-4 Bewe ber ein Preis zur Verteilung kommt. Die näheren Bedingungen, sowie der für die Anmel dung vorgesehene Fragebogen sind von der Betriebs­Abteilung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft, Berlin SW. 11, Dessauerstraße 14 erhältlich.

* Man schreibt uns: Den Teilnehmern an allen Ortsfernsprechnegen, die zum Sprech­verkehr mit Hamburg zugelassen sind, wird es nach et ner Neuerung des Reichs Postamts künftig zu jeder Beit möchlich sein, ihre Zeit mit derjenigen an der Hauptuhr der Hamburger Sternwarte( genaue mittel­europäische Zeit) zu vergleichen. Zu diesem Zwed ist lediglich erforderlich, be. dem Fernamt cine Verbindung

-u. Launsbach, 25. Aug. Die Hebamme Sch. erhielt drei Monate Gefängnis, weil sie durch Fahr­lässigkeit den Tod einer Wöchnerin herbeigeführt hat.

t: Stockhausen, 25. Aug. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. beauftragt, einen ausführlichen Ent­wurf für eine Nebenbahn von Stockhausen ( Gießen- Koblenz) nach Beilstein( Dillfreis) aufzustellen. Die neue Strecke wird ein reiches Industriegebiet, vor allem viele Grubenfelder, Ton- und Basaltlager auf schließen und eine direkte Verbindung zwischen der Bahnbahn und der neuen Westerwaldqueibahn( Driedorf) schaffen.

m- Limburg, 25. Aug. In einer hier ab­gehaltenen Sigung der Gesamt Ausschüsse der Land­wirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurden weitere intensive Maßnahmen gegen die Fut­ternot beraten. Es wird eine Zentralstelle für den

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Inseraten zeile. Stellens gesuche und Familienanzeigen 10 fs. Die 90 mm breite Zeile in: Neklameteil 50 fg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und whe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Sahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Domburs in Wegfall. Plagvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Bettung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Verkauf von Straftfutter eingerichtet, die Landwirte sollen durch Flugblätter über die Maßnahmen aufge­flärt und vor der Viehverschleuderung gewarnt werden. Zur zweckmäßigen Verwertung des Viehs wurde eine Organisation gegründet.

* Frankfurt a. M., 25. Aug. In der geftrigen außerordentlichen Hauptversammlung der Buderus'schen Eisenwerke, in der Mt. 6 643 000.- Aftienkapital ber­treten waren, wurde die in der Juli- Versammlung lab. gelehnte Fusion mit der Bergbau Aktiengesellschaft Massen auf der alten Grundlage einstimmig genehmigt. Die Verwaltung der Zeche Massen hält aber aus for. melleu Gründen die nochmalige Genehmigung der Fusion durch eine außerordentliche Generalversammlung von Massen für erforderlich, die auf den 16 September ds. Js. einberufeu werden soll.

Eingesandt.

Die Sucht nach hellen Zigarrenfarben.

Die augenblicklich herrschende Vorliebe der Raucher für helle Farben bei dem Einkauf von mit Sumatra und Java gedeckten Zigarren bereitet Fabrikanten arge Schwierigkeiten, denn Sie sehen sich hierdurch gezwungen, beim Einkauf von Sumatra und Javadectabaken auf hellfarbige Partien in ganz besonderer Weise ihr Augen­merk zu richten. Hierdurch werden natürlich im Konkur renzkampfe die Preise für hellfarbige Tabate ganz außerordentlich in die Höhe getrieben, sodaß der Fabri fant gezwungen ist, durch Ersparnisse an dem sonstigen Inhalt der Bigarre auf Kosten der Güte einen Aus­gleich zu suchen. Es ist ja nicht ganz unbegründet, daß Raucher, die in der Lage sind, verhältnismäßig hohe Preise für ihre Zigarre anlegen zu fönnen, gern Bigarren faufen, die mit schönen hellfarbigen Tabaken gedeckt find. Wenn aber auch bei Zigarren mittlerer und selbst billigster Preislage solche hellfarbigen Decker berlangt werden, für deren Herstellung dem Fabrikanten bezüglich des Einkaufes des dazu nötigen Tabakmaterials absolute Grenzen in den Preisen gezogen find, die er, um nur einigermaßen seine Rechnung zu finden, nicht überschreiten kann, so muß das zu einem Mißverhältnis führen. Schon die überseeischen Pflanzer suchen die Menge des Hellfarbigen Deckmaterials durch Pflücken vor der Neife zu mehren. Eine weitere Folge ist, daß die Fabrikanten häufig mit Einverständnis threr Kunden das Deckblatt umgekehrt, nämlich die Unterseite der Blätter, die immer heller ist als die Oberseite, nach Außen rollen lassen. Dadurch erscheinen die Farben allerdings heller und grauer, aber der Raucher raucht tatsächlich dunkelfarbige Deckblätter, ohne es zu wissen. Naturgemäß liegen dann bei diesen sogenannten Links rollen auch die Adern der Blätter falsch, sodaß die Er­höhungen, welche durch die Adern hervorgerufen werden, anstatt nach Innen nach Außen zu liegen kommen. Dies gibt, namentlich wenn die Blattadern etwas start find, den Zigarrn ein unschönes Aussehen. Abgesehen von dem unschönen Aeußeren der Zigarre wird aber auch der Brand derselben durch diese Manier des Links­rollens ungünstig beeinflußt, da die Zigarren beim Brennen einen schwarzglasigen Rand ansehen und nicht so flott weggbrennen, als wenn sie rechts gerollt find. Da das schlechte Brennen der Zigarren aber wieder die Güte des Geschmackes herabsetzt, so hat der Raucher also auf diese Weise von seiner allzustarken Vorliebe für helle und graufarbige Zigarren nur Nachteile. Es fann ihm deshalb nur empfohlen werden, einmal einen Versuch mit weniger hellfarbigen Zigarren zu machen. Er wird dann finden, daß er hierbet bedeutend besser fährt. Daß die Qualität durch etwas dunklere Farben schwerer wird, ist bei den an sich leichten Qualitäten der Sumatra- und Javatabafe, die doch fast ausschließ­lich in Frage kommen, so gut wie nicht der Fall, nament­lich nicht bei schönen Mittelfarben.

Literarisches.

Hans von Hefethusen, Ich finde den Weg. Elegant broschiert 4 Mf., in Leinen gebunden 5 Mk. Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Zu den erfreulichsten Erscheinungen des diesjährigen Bücher. marktes gehört Hans von Hefethusens Roman Ich finde den Weg". Eine Fülle origineller Charattere iſt darin geschildert, das Band einer spannenden Handlung hält diese Fülle zusammen, der Stil ist lebhaft und anregend, packende Naturschilderungen geben einen Der Verfasser bersteht es, anziehenden Hintergrund. mit rein künstlerischen Mitteln das Interesse des Lesers von der ersten bis zur legten Seite zu fesseln.