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trozen als die Willenskraft, zfigellose Antriebe zu hemmen.

Gemeindeanteile bei der Zuwachssteuer. Das ist ein Verbrechertypus unserer Zeit: nicht der Starke,

Die zwette Lesung des Wertzuwachssteuergesetzes wur­de am Dienstag bei den an meisten umstrittenen Bestim= mungen fortgesetzt, die die Verteilung der Grträge unter Reich, Bundesstaaten und Gemeinden, die Berechtigung der Gemeinden zur Erhebung von Zuschlägen zu der Reichs­steuer für eigene Rechnung und die eberlassung des bis­herigen Ertrages an die Gemeinden betreffen, die schon vor dem 12. April 1910( der Einbringung der Vorlage im Reichstage) eine Zuwachssteuerordnung hatten.

Hier setzten wieder Abänderungswünsche in großer Zahl ein. Nach den Kommissionsbeschlüssen soll das Reich 50 Prozent erhalten, 10 Prozent die Bundesstaaten für Er­hebung und Verwaltung der Stener, 40 Prozent die Ge= meinden. Abg. Cuno( f. Vp.) wünschte, den Gemeinden 50 Prozent auf Kosten des Reiches zuzuweisen, Abg. Weber ( natl.) 47% auf Kosten der Bundesstaaten. Weitere Anträge vom Zentrum und von den Konservativen bezogen sich auf die Regelung der Beziehungen zwischen Gemeinden und Gemeindeverbänden, die nach der Vorlage durch Lan­desgesetz bis zum Erlaß derselben durch die Landesregie­rung erfolgen soll, sowie auf die Handhabung hinsichtlich des Gemeindeanteils während dieser Uebergangszett. Abg. Trimborn( 3.) beantragte, den Festungen, die durch das Rayongesetz in ihrer freien Entwicklung beschränkt seien, 60 Prozent zuzuerkennen und begründete als erster Redner diesen Antrag eingehend, vorzugsweise in Beziehung auf Cöln.

Ungebändigte überspringt die Schranke zwischen Recht und Gewalt, sondern der Schwache, und besonders das allzu schwache Weth. Die Sorge aber, die im Angesicht solcher Vorfälle erwacht, heißt: Ist dieser Typus ein Symptom des allgemeinen Verfalles, der so oft genannten Dekadenz"? Darauf mag nur mi tdem Hinweise erwidert werden, daß ja diese scheinbar häufigen Fälle nur einen winzigen Pro­zentsats darstellen, und daß dagegen so unendlich viel wirk­lich lebensfähige Elemente stehen. Aber immerhin mag dtese neueste Sensation allen denen warnend vorgehalten werden, die thre zart besaiteten Nerven mit besonderem Stolz zur Schau tragen, statt sie zu stählen.

Andere Anträge betrafen die Begrenzung der Gemein­dezuschläge; nach der Vorlage können sie bestehen in der Er­höhung des Steuertarifs, in Außerachtlassung der Ermä­Bigungen desselben oder darin, daß die Hinzurechnungen bei Feststellung des Erwerbspretses verschiedenartig gestaltet werden. Reichssteuer und Zuschlag sollen 30 Prozent der Wertsteigerung nicht überschreiten. Das Zentrum wollte durch einen Antrag bestimmen, daß die Zuschläge nach Pro­senten zu berechnen sind und im einzelnen Falle 100 Pro­zent des der Gemeinde resp. dem Gemeindeverband zu­fließenden Betrages nicht übersteigen dürfen. In diesem dalle sollen nach einem fonservativen Antrage 30 Prozent der Wertsteigerung durch Reichssteuer und Zuschlag nicht überschritten sein. Auch hinsichtlich der Entschädigungen der Gemeinden mit Zuwachssteuerordnung aus der Zeit vor dem 12. April 1910, die bis 1915 gewährt werden sollen, wurden auch jetzt wieder Aenderungen zugunsten der Gemeinden bcontragt.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Vor Kaisers Geburtstag. Man erwartet, so schreibt man uns aus Berlin, eine Reihe von wichtigen Personal­veränderungen an dem bevorstehenden Geburtstag des Kaisers. Namentlich in der Armee sollen zahlreiche Er­nennungen bevorstehen. Man sagt, der Chef des Stabes des Gardekorps Generalmajor von Eberhardt werde das Kommando einer Division bekommen, und auch der Chef des Stabes des 14. Armeekorps in Karlsruhe, von Böck­mann, soll einen Nachfolger erhalten. In politischen Kreisen erzählt man sich daß mehrere Personen, die im Vordergrunde des öffentlichen Lebens stehen, aus aller­höchstem Vertrauen ins preußische Herrenhaus auf Lebens­zeit berufen werden sollen, doch wird über ihre Namen noch Stillschweigen bewahrt.

Reichsschatzsekretär Wermuth sprach sich mit Nachdruck insbesondere gegen den Antrag auf Bevorzugung der Festungen wie überhaupt auf eine Besserstellung der Ge­meinden aus. Er erinnerte daran, daß das Gesetz seinem Grundgedanken nach nicht zu einem Beneficium für die Gemeinden umgestaltet werden dürfe, bei dem für das Reich nur nebenher etwas abfalle und daß sie den Festungen aus ihrer Eigenschaft als Garnison auch wesentliche Vor­teile verdanken.

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Kleine Nachrichten.

100000 Mark für die Veteranen stiftete der Magistrat der Stadt Nürnberg aus Anlaß des 90. Geburtstages des Prinzregenten.

Reichstagsabgeordneter Singer, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, ist erneut schwer erkrankt. Man spricht von einer Lungenentzündung. Singers Freunde find in ernster Besorgnis um ihn.

Kaisertage auf Korfu. Wie dem Neuen Wiener Tageblatt" aus Korfu gemeldet wird, sieht man dort der Ankunft Kaiser Wilhelms Anfang März mit Bestimmtheit entgegen. Der Schloßverwalter hat von dem Oberhofmar­schallamt in Potsdam den Auftrag erhatlen, vom 26. Feb­ruar ab die erforderlichen Mengen von Petroleum und Benzin für den Automobilpark des Kaisers bereit zu halten.

An der Besprechung waren außer den Genannten die Abgg. Brithne( Soz.), Feldmann( kons), Jaeger( Bentr.) Böhle( Soz.), Giesberts( 3entr.), Erzberger( Bentr.), Raab ( W. Vg.), Leber( Soz) und der Abg. Arendt( Reichspartei) beteiligt. Die Verteilungsgrundsätze im§ 49 werden un= verändert nach der Kommiffionsvorlage angenommen: 50 Proz. für das Reich, 10 Proz. für die Bundesstaaten, 40 Proz. für die Gemeinden. Inbezug auf die besonderen Gemeindezuschläge wird der Antrag Weber( natl.) ange­nommen. wonach die Zuschläge für die verschiedenen Grundstücksarten verschieden festgesetzt werden sollen. Wei­ter wird der Antrag Müller- Fulda( Bentr.) angenommen, wonach die Zuschläge nicht höher sein dürfen, als der( nach dem obigen Verteilungsmaßstab) der betreffenden Gemein­de aus der Reichssteuer zufließende Betrag; desgleichen der Antrag Graf Carmer( kons), daß Reichssteuer und Zuschlag zusammen 30 Prozent der Wertsteuer nicht übersteigen dür­

Fen.

Der Prozeß Herberich

Ein Rathaus unter Wasser. In Simbach am Inn ist durch Bruch der Wasserleitung das neue Rathaus über­schwemmt worden, da der Defekt längere Zett nicht bemerkt wurde. Der Festsaal, das Bürgermeisterzimmer, das Stan­desamt, der kleine Stzungssaal, sämtliche Bureaus und das Untergeschoß stehen unter Wasser. Der Schaden ist sehr groß.

Der erste Hutnadelprozeß fand gestern in Wien statt. Eine Frau hatte Paffanten auf der Straße durch thre Hut­nadel belästigt. Sie bertef sich darauf, daß die heutige Hut mode das Tragen großer Hutnadeln nötig mache, und daß alle Damen solche Hutnadeln benutzten. Das Urteil lau= tete auf zwei Kronen Geldstrafe, eventuell 12 Stunden Arrest.

Güterdiebstähle in großem Umfange wurden auf dem Bahnhofe in Charlesville in Frankreich festgestellt. Eine scharfe Kontrolle führte zur Entdeckung, daß sich eine ganze Bande von Bahnangestellten, die in benachbarten Ortschaf­ten wohnte, bei Plünderung von Güterwagen beteiligt hat. Einige der diebischen Beamten sind bereits hinter Schloß und Riegel. Haussuchungen haben zur Entdeckung mehre= rer Warenlager in ihren Wohnungen geführt.

Die Mannschaftsgelder in der Marine. In der Stzung der Budgetkommission des Reichstages vom Diens­tag wurde längere Zeit über eine vorliegende gemein­same Resolution von nationalliberalen und Zentrums­abgeordneten verhandelt, an dem Titel Stellenzulagen 400 000 Mark zuzusetzen und bei zwei anderen Titeln je 200 000 Mark zu streichen, damit den Heizern die ihnen entzogenen Zulagen wieder zufämen. Es trat in der Aussprache, an der Staatssekretär v. Tirpitz und Schatz­sekretär Wermuth sich beteiligten, zutage, daß die Schat­verwaltung in ihren Wünschen auf Streichungen noch er­heblich viel weiter gegangen ist, als ihr die Marinever­waltung in der Zurückstellung der von ihr für notwendig gehaltenen Ansprüche hat folgen können. Der gemein­same Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Damit hat die Budgetkommission wenigstens zum Teil das Unrecht wieder gutgemacht, das an dem unteren Personal der Marine begangen werden sollte.

Ein brennender Güterzug wurde auf der Station Schidlow an der polnischen Grenze angehalten. Mehrere Wagen mit Waren wurden eingeäschert. Der Schaden ist bedeutend. Wie der Brand entstanden ist, weiß man nicht.

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Ein Opfer seines Berufes ist der Assistenzarzt an der föniglichen Kinderklinik in Breslau, Dr. Ernst Blumen­thal, geworden. Der im Alter von 28 Jahren stehende Arzt, der Sohn eines Fabrikbesizers in Berlin, war Sta­tionsarzt der Scharlachabteilung; er infizierte sich vor fünf Tagen und erlag gestern der Krankheit.

Eine Renderung der Prüfungsordnung für Einjäh­rige hat die Dresdener Handelskammer beim Ministerium beantragt. Sie wünscht, daß als Ersatzfächer für die in erster Reihe vorgesehenen wissenschaftlichen Prüfungs­fächer auch kaufmännische Fächer zugelassen werden.

ist zu Ende, und die Frau, die ihren Gatten getötet hat, verschwindet für vier Jahre hinter Kerkermauern. Wieder ein Ehedrama, wieder dieses unheimliche Gemälde, aus Liebesleidenschaft und Blut geschaffen! Steinheil, Schoene­beck, Tarnowska, Herberich. Die Häufung so ähnlicher Fälle kann das besorgte Interesse daran nicht mindern, sondern nur steigern. Fürwahr, eine ernste Sorge ist es, die den Beobachter dieser traurigen Heldinnen anwandelt und die stärker ist als die Beunruhigung über die Frage nach Schuld oder Unschuld im einzelnen Falle. Denn wir ha ben es hier mit einem ganzen Typus zu tun, und viel­leicht mit einem für unsere Zeit recht bezeichnenden Typus. In allen diesen Fällen hat dem Gerichtspsychiater eine wichtige Stimme gebührt; und jedesmal kam er zu einem Urteil, das merkwürdig schwankend klingt und doch so deut­lich umrissen ist. Die Angeklagten waren nicht normal, aber auch nicht wahnsinnig; nicht unzurechnungsfähig, aber auch nicht im Vollbewußtsein der Tragweite ihrer Hand­lungen. Das heißt, sie befanden sich auf jener Zwischen­stufe zwischen zurechnungsfähigkeit und Frrsinn, die das Zeichen gänzlich herabgekommener Nervensysteme tst. Der Intellekt vermag diesem Zustand gegenüber länger zu

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

Einen merkwürdigen Selbmordversuch machte der 60 Jahre alte Tischler Wieprecht in Berlin. Er legte sich, nach­dem er sich ausgekleidet hatte, zu Bett und stieß sich ein schmales Stemmeisen in die Brust. Ein von Hausbewoh­nern herbeigerufener Arzt legte ihm einen Notverband an und sorgte für seine Ueberführung nach der Charitee. Be­weggrund: ein altes, schmerzhaftes Nervenleiden.

Eine Absage an das Staatsarbeiterkartell. Wie aus Essen gemeldet wird, hatte das Staatsarbeiterkartell in einer Eingabe den Reichskanzler gebeten, auf eine Lohn­erhöhung hinzuwirken. Von der Reichspostverwaltung und der preußischen Eisenbahnverwaltung ist dem Tele­graphenarbeiterbund und dem Eisenbahnerverband da= raufhin eröffnet worden, daß Eingaben des Kartells nicht berücksichtigt würden. Die Staatsarbeiter sollten ihre Wünsche den vorgesetzten Stellen zur Kenntnis bringen.

15) ,, Das trifft sich gut, sie liegt dicht neben diesem Pa­villon!" rief White, und ohne weiter ein Wort zu reden, hob er die Fremde wie eine Feder empor und nahm den Weg zu ihrer Kabine.

Einem schweren Irrtum zum Opfer gefallen ist ein 71­jähriger Maurer in Zerbst. Er trank in der Meinung, Bier vor sich zu haben, aus einer Flasche mit Säure. Dadurch zog sich der Mann so schwere innere Brandwunden zu, daß er starb.

Während der Schulpause ertrunken sind in dem Dorfe Bargeshagen bei Doberan in Mecklenbg. 3 Mädchen. Sie entfernten sich während der Frühstückspause aus der Schu­le und wagten sich auf das Eis des Dorfteiches. Sic bra­chen ein und ertranken, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte.

Der volkswirtschaftliche Ausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses nahm gestern mit Zustimmung des Handelsministers Weiskirchner einen Antrag gegen jede Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf der Elbe an. Die Anregung, die Entscheidung eines internationalen Schieds­gerichts anzurufen, wurde auf Wunsch der Regierung zu­rückgewiesen.

Die also Behandelte war so verblüfft, daß sie keine Worte fand; aber das tatkräftige Eingreifen des jungen Mannes gefiel ihrer zielbewußten Natur.

Im Zorn zum Mörder geworden. Eine schwere Aus­schreitung ließ sich der Lehrer Strohbusch in Bottrop in Westfalen zuschulden kommen. Strohbusch liegt schon seit längerer Zeit mit mehreren Einwohnern in Streit. Ge­stern bespritzte ihn die 17jährige Tochter einer im gleichen Hause mit ihm wohnenden Witwe bei dem Reinigen der Straße aus Versehen mit Wasser. Der Lehrer zog darauf= Hin seinen Revolver und gab mehrere Schüsse auf das Mädchen ab, das tot zusammenstürzte. Der Täter wurde verhaftet.

Der Voranschlag für die österreichische Kriegsmarine fordert insgesamt 312 Millionen Kronen für den Bau von vier Dreadnoughts, drei Kreuzern, sechs Torpedobooten, zwölf Hochseetorpedobooten und sechs Unterseebooten.

König Manuel läßt bekannt machen, daß weder er noch die Königin Maria Pia bisher das Geringste von der re­publikanischen Regierung erhalten hätten. Er habe nie­mals auf die Krone Portugals verzichtet und sei entschlos= sen, seine Rechte zu behaupten, wenn man ihn willkürlich um sein Eigentum zu bringen suche.

Nachdem White seine schöne Last mit zartester Scho­nung in die Kabine niedergelegt hatte, rief er die Wär­terin und befahl ihr, sich der Leidenden anzunehmen. Ein Schiffsarzt befindet sich auf jedem Lloyddampfer. Auf der Virginia" war es ein alter, freundlicher Mann, ein Deutscher. Nachdem White ihm das Nötige mitgeteilt, schickte sich Dr. Brauser sofort an, seine Patientin zu be= Suchen. Der linke Fußknöchel war angeschwollen, eine eichte Verstauchung war die Ursache. Der Arzt legte eine Urnita- Kompresse auf und meinte, der kleine Unfall wer­de in einigen Tagen vorüber sein, ohne eine Spur zu hin­terlassen

Das Spielen mit dem Revolver hat abermals ein Menschenleben gefordert. In Marloffstein bei Erlangen wurde im Wirtshaus ein Maurer durch eine ins Fenster geflogene Pistolenkugel getötet. Im anstoßenden Schul­Haus hatte ein 12jähriger Knabe mit der Pistole eier Leh­rers gespielt und geschossen.

erhöhte Daseinsfreude lief durch seinen kraftvollen Kör­per. Gegen Abend ließ er sich nach dem Befinden der Amerikanerin erkundigen. Es ginge ihr leidlich, hieß es. ,, Sie muß eine Frau oder eine Witwe sein," schloß White aus ihrem Benehmen, ein junges Mädchen würde doch nicht ganz allein die weite Reise unternehmen. Nun, ich werde ja bald ihren Namen erfahren, sie selbst wird ihn mir sagen."

Meine Reise fängt recht interessant an," dachte White. Ich bin der Ritter einer jungen Dame gewor den, und was für einer reizenden dazu! Noch nie sah. ich ein so schönes Gesicht."

Nachdem Clairon White mit dem Kapitän die Ver­abredung bezüglich seines Namens getroffen hatte, er= wartete er Dr. Brauser, der ihn über das Befinden der Verunglückten- wenn man sie so nennen wollte- be= ruhigte.

Die Virginia" schwamm auf hoher See; die Lotsen aus Toulon hatten sie verlassen. Blau und majestätisch lag das Meer da, und Frankreichs Mittelmeerküste ent­schwand den Augen. Glückauf zur Reise," dachte Robert Chite wohlgemut, und seine Pulse Klopften schneller, eine

Aus den Gerichtssälen.

Abenteuer zweier Ausreißer. Schweren Kummer ha ben zwei leichtsinnige Jungen ihren Eltern in Braun­schweig gemacht. Sie besuchten, im Alter von 15 und 16 Jahren stehend, in Helmstedt die dortige Industrieschule. Eines Tages im Mai gingen sie von Helmstedt, nur mit ge-­ringen Barmitteln versehen, fort, lediglich um Abenteuer aufzusuchen. Sie zogen erst planlos zu Fuß umther, ſetz­ten sich dann auf die Eisenbahn und führen ins Land. In Erfurt gingen ihnen aber bereits die Mittel aus; der ältere von ihnen versetzte deshalb seine Uhr. Weiter ging nun die Wanderung und so kamen sie unter mannigfachen Ent­behrungen bis Bamberg. Dort hatten sie fein Geld mehr, mieteten aber unter Angabe falscher Namen ein Zimmer und speisten dann bei einem Wirte mehrere Tage lang anf Kredit. Als sie bezahlen sollten verschwanden sie, nachdem sich jeder noch mit einem Paar erschwindelter Schuhe ver= schen hatte. Die nächste Station war Elsendorf, wo sie wiederum ein Zimmer mieteten unter dem Vorwande, sie seien Schüler und wollten sich einige Zeit hier in der Som merfrische aufhalten. Fünf Tage lang dauerte das gute Leben. Die leichtsinnigen Burschen hatten inzwischen aus

Nach einem auserlesenen Nachtmahl und einem an­genehm verlebten geselligen Abend suchte White seine Ka­bine auf, und bald schlief er auf dem weichen Lager fest und traumlos.

Ein köstlicher, windstiller Tag rief die Reisenden auf Ded. Durch Dr. Brauser wurde White mit einigen Fa­milien bekannt gemacht. Es war eine ganz internationale Gesellschaft, die sich an Bord befand. Alle denkbaren Ty­pen waren hier zu sehen, alle möglichen Eprachen schwirr= ten durcheinander. Mit aalglatter Gewandtheit fand sich White zurecht. Sein feines. zuvorkommendes Wesen, sein hübsches Aeußere gefielen allgemein. Er machte Bekannt­schaften, lachte und unterhielt sich lebhaft. Um elf Uhr schrieb er einige Zeilen auf einen Bogen und versah sie mit seinem neuen Namen: Robert White aus New- Castle. Er adressierte nur: Cabine Nr. 112". Er wußte doch noch nicht, wie die schöne Unbekannte hieß.

White wunderte sich, wie stürmisch sein Herz pochte, als er ihre Antwort aus den Händen des Kellners empfing.

Tafel besorgte, denn selbst dieser Luxus durfte auf der ,, Virginia" nicht fehlen. White faufte einige schöne Ro­sen, dann wartete er voll Ungeduld auf die bezeichnete Stunde. Er fand Miß Lionel in dem kleinen Salon ne­ben der Schlafkabine. Sie lag in einem weißen, reich mit Stidercien besetzten Morgenkleid auf dem Sofa. Mit einem freundlichen Lächeln hielt sie White die schmale, weiße Sand entgegen. Er war so von ihrem Anblick be= troffen, daß eine jähe Röte in sein Gesicht schoß. Ritter­lich beugte er sich nieder und berührte die Finger mit den Lipper.

., Mr. White," schrieb die Dame, es geht mir recht gut. Ich bitte Sie, besuchen Sie mich um zwei Uhr, ich werde mich freuen, Sie zu sehen.

Mabel Lionel, Neuyork, Rose Cottage." Miehrere Maie las White die Worte. Mir gefällt ihre freie, offene Art," dachte er. sie ist ohne jede al­berne Zimperlichkeit, die so wenig onspricht." Robert ging zu dem Gärtner, der jeden Tag die Blumen für die

Das ist nicht amerikanisch," sagte sie lachend ,,, man sieht, daß Sie auf dem Kontinent lebten. Bei uns schüt= telt man sich einfach die Hand, so."

Sie tat es, denn er hielt noch immer ihre Hand fest. ,, Nehmen Sie Play, Mr. White," fuhr Mabel fort, auf ein Taburett neben ihrem Lager deutend. D, die schönen Rosen," sagie fic, als White ihr mit einigen höflichen Worten die Blumen überreichte, ich danke Ihnen dafür, sie sind meine Lieblingsblumen."

,, Rannten Sie darum Ihr Landhaus Rose Cottage ( Rosenvilla)?" fragte Robert, indem er sich setzte.

Ja, und weil der Rosenflor dort wirklich ein präch­tiger ist. Jeht allerdings blühen meine Lieblinge im Treibhause, aber im Sommer ist das ganze Haus davon umgeben. Es ist wie im Märchen, Sie müssen es sich an­sehen. Mr. White." Sie schien es für selbstverständlich zu halten, daß er sic nach ihrer Ankunft in Neuyork besuchte.

Ich werde mir gestatten, von Ihrer gütigen Erlaub­nis Gebrauch zu machen, Miß; Lionel," entgegnete White, ..aber bis zum Sommer werde ich nicht warten, ich komme schon früher."

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Er dachte fast mit Bedauern, daß er bis zum Sommer schon lange merifa verlassen haben würde, und daß er seinen Auftrag viel früher zum Abschluß bringen werde. ( Fortjehung folat.)

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