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Jm Lande der Blutapfelsinen.
Sizilianischen Sauptstadt, er birgt das schönste Denkmal ihrer Schutzheiligen, der heiligen Rosalie, die Palermo einst von der furchtbaren Pest befreit haben soll. Auch dieses Denkmal hat Goethe auf seiner ersten italienischen Reise besucht und bewundert; er sagt, es scheine zu atmen, zu leben. In einer düstern Felsschlucht jenes Berges, in einer in den Fels gehauenen kleinen Kapelle liegt ihr Marmorbild, wie in sanftem Schlummer hingegossen. Unten in Palermo aber, in den prächtigen Hallen des hohen Domes, ruhen ihre Gebeine in silbernem Schrein. Die Kathedrale birgt auch die sterblichen Reste der deutschen Kaiser Heinrichs VI. und Friedrichs II.
Gegen Abend, wenn eine erfrischende Brise von der See her die Gluthitze des Tages mildert, belebt sich allmählich die herrliche Promenade der Piazza Marina. An ihren Seiten befinden sich die Paläste des Adels, und an ihrem Ende liegt der Garten der Flora reale. Hier trifft sich die vornehme Welt beim Korso, die Damen lassen sich in ihren Equipagen eine fühlende Limonade oder Sorbetto( Eis) reichen und empfangen den Besuch eleganter Ravaliere. Alles atmet Lebenslust und Seiterkeit; selbst die ärmere Bevölkerung der Stadt scheint sich ihces Daseins in dieser herrlichen Natur zu erfreuen, denn die Stadt mit ihrer blühenden Industrie und ihrem großartigen Handel bietet ihr günstige Lebensbedingungen. Die Palermitaner behaupten mit Recht, ihre Stadt stehe auf gleicher Höhe mit Rom, Neapel, Mailand, Florenz und Bologna, und der Hafen von Palermo werde eines Tages das„ Genua des Südens" sein. Palermo als sizilianische Großstadt bietet an Theatern, Konzerten, Bällen usw. natürlich mehr, als andere Sizilianische Städte. Wer einen Abend auf dem„ Foro Italico", wo sich die Gesellschaft von Palermo ein Rendezvous zu geben pflegt, zugebracht hat, dem werden die Szenen, die sich seinen Augen darboten, unvergeßlich bleiben. Um ihn herum himmelanstrebende Palmen, herrliche Oleander-, Pfefferhaine und Zy pressen, zwischen denen unzählige Leuchtkäfer ihr neckisches Spiel treiben; dort der Monte Pellegrino, über dem der Abendstern wie eine elektrische Flamme schillert, hier das Rauschen und Glitzern des im Mondschein schimmernden Meeres, die lustigen Klänge der konzertierenden Kapelle, die auf und ab promenierende, lachende, scherzende und kokettierende bunte Bevölkerung der Stadt, das alles gibt ein unterhaltendes Gesamtbild, welches dem Gedächtnis so leicht nicht wieder entschwindet.
Palermo voran, bringen dem Schulwesen große Opfer. Universitäten bestehen heute drei: zu Palermo, Catania und Messina. Auch für Pflege der Kunst ist gesorgt; das Museum von Palermo ist namentlich durch griechische Kunstwerke sowie durch mittelalterliche und neuere Werke der Skulptur und Malerei ausgezeichnet. Der Volkscharakter der Sizilianer zeigt außerordentliche Lebhaftigkeit und Beweglichkeit, natürliche Intelligenz, Witz und Sprachgewandtheit, rasches Aufflammen in Liebe und Haß. Der Sinn für Bildung, Wissenschaft und Kunst ist jedem Sizilianer eigen und hat sich, seit der Druck des Despotismus gewichen ist, rasch wieder zu zeigen begonnen. Das ganze Land ist heute in raschem materiellen und geistigen Aufschwung begriffen. Der Grundbesitz ist als eine Erbschaft der Feudalzeit bisher noch in wenigen Hän
Sizilianischer Scherenschleifer.
Interessante Städte sind auch Catania das von den Norddeutschen Dampfern der MittelmeerLevante- Linie angelaufen wird, und in dessen Nähe sich die malerisch gelegene, im Jahre 1232 von Friedrich II. gegründete alte Safenstadt Augusta befindet, die von den Italienern für den Tripolis- Feldzug als Operationsbasis dient, Trapani, Marsala, Girgenti und das alte Syrakus.
Die Bevölkerung Siziliens ist als eine mannigfach gemischte zu bezeichnen; zu dem alten sikulischen Element sind als Hauptbestandteile Griechen im Osten, später Araber und Verber im Westen hinzugekommen, beide noch physisch, in Sprache und Sitte nachweisbar. Von geringerer Bedeutung, wenn auch noch heute in einigen Orten abgesondert erhalten, sind die Einwanderungen von Lombarden und Griechisch redenden Albanesen gegen Ende des Mittelalters. Der sizilianische Volksdialekt, der schon im dreizehnten Jahrhundert am Hofe Friedrichs II. zur Sprache der Poesie ausgebildet wurde, und in dem zahlreiche, sich durch Tiefe und Wärme auszeichnende, noch immer fortlebende Volkslieder_gedichtet sind, unterscheidet sich wesentlich von den Dialekten des Festlandes. Die Bevölkerung verteilt sich auf wenige Wohnplätze( 357 Gemeinden mit durchschnittlich 9759 Einwohnern). Die Volksbildung war bis 1860 etwas vernachlässigt und hat sich seitdem sehr gehoben. Besonders die großen Städte,
den ver
einigt;
Aqua!
Wasserverkäufer.
auch der Verkauf der Kirchengüter seit Ende der 70er Jahre in kleinern Losen hat bei der Mittellosigkeit der Menge keine Änderung herbeigeführt. Die Latifundienbesitzer, meist mit Fürsten-, Herzogs- und Markgrafentitelnausgestattete Adelige, leben meist in den Städten und besuchen fast nie ihre Güter. Verwalter bewirtschaften dieselben und vermitteln zwischen dem unbekannten Herrn und den zahlreichen kleinen Pächtern. Die Landwirtschaft ist in Sizilien die Beschäftigung der weitaus überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Die wichtigsten Produkte sind: Weizen, Gerste, Sülsenfrüchte, Flachs, Wein, wovon besonders die Gewächse der Nord- und Ostküste, so die Weine von Milazzo, Messina( Faro), vom Atna( Mascali, Riposto), von Syrakus und Vittoria ( Muskat), sowie der Marsalawein geschätzt sind; ferner Olivenöl und Agrumen, besonders Orangen und Limonen, wovon ein großer Teil( auch in der Form von Saft und Schalen) ausgeführt wird. Wichtig ist noch, namentlich in der Provinz Palermo, die Kultur des Sumachs als Gerbstoff und Tabak.
Sizilianische Karren.
Tripolis.
vielen nomadischen Stämmen ist ein weiter Spielraum gegeben: Mitten durch die Wüste ziehen seit alters die Karawanenstraßen, die den Verkehr des Südens mit den Küsten des Mittelmeers herstellen. Auf ihnen zogen als lebendige Ware die Neger des Sudans nach Norden; durch Ghat und Fessan kamen nach Sievers noch 1850 jährlich 3000 bis 4000 Sklaven.
Hemd, bauschigen Hosen, Gesichtstuch und Sandalen; die Tibbu tragen ein faltiges Hemd und den Turban neben dem Gesichtstuch. Raub- und Plünderzüge sind diesen Sahariern nicht fremd.
Für die meisten Besucher von Tripolis genügt ein kurzer Aufenthalt, da dem Touristen außer der Besichtigung der Stadt nur noch ein Ausflug in die nähere Umgebung zu empfehlen ist, während eine Reise ins Innere des Landes, wozu die Genehmigung der Hohen Pforte einzuholen ist, höhere Anforderungen an Ausrüstung, Leistungsfähigkeit und Kenntnis des Landes und Volkes stellt, als daß sie für den gewöhnlichen Touristen in Frage kommen würde.
Viele blieben bei den Wüstenbewohnern zurück; daher rühren die heute noch unverkennbaren Mischrassen unter dem Scharavolke, die Tibbu und Tuareg, deren Gebiet vom tripolitanischen Mursuk bis an die Nordspitze des Tschadsees reicht, entsprechend der uralten Karawanenstraße, die von Tripolis über Mursuk bis an diesen gewaltigen Binnensumpf Afrikas führt. Die Tuareg tragen die vollständige Kleidung der Afrika- Völker; in ihrer rötlich gelben Hautfarbe sind sie den Südeuropäern stark ähnlich; die Tuareg sind Berber, stark mit Arabern vermischt, und mit ihrer kräftigen Muskulatur und dem europäischen Gesichtsausdruck vielleicht der schönste Menschenschlag Afrikas. Die Tuareg tragen ein Gesichtstuch, das den Mund verhüllt, die Frauen gehen trotz Mohammedanismus unverhüllt. Die Tibbu hausen im Südosten von Mursuk; sie sind Herren der Landschaften Tibesti und Borku und werden zu den negroiden Völkern gerechnet; ihre Hautfarbe geht vom Dunkelbraun bis zum Kupferrot. Die Kleidung bei den Tuareg besteht in weitem, faltigem jedem unvergeßlich bleiben.
Die Stadt selbst bietet zwar im einzelnen nicht viel besondere Sehenswürdigkeiten, aber der Gesamteindruck ist ein großartiger. Die Stadt mit ihren weißen Häusern, den schlanken Minaretten türkischen Stils, den grünen Gärten, die Palmengruppen, die rötlichgelben Dünen aus Saharaflugsand, das tiefblaue Meer, überstrahlt von der blendenden Sonne, bieten einen wunderbaren Anblick. Der poetische Reiz eines schönen Frühlings- oder Herbstabends, wenn der glutrote Sonnenball hinter den Palmengruppen im Westen untertaucht und sich bei dem Gebetsruf der Muezzin eine feierliche Stille über die Landschaft legt, wird
Etraßenszene in Tripolis an einem Festtage.


