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der deutschen Schiffbautndustrie gespendet. Vor mehreren Wochen Itef der Dampfer Prinzeß Frene" des Norddeutschen Lloyd etne Werft in Newport- News an, um sich den bei einer Grundberührung abgebrochenen Rubersteven ersetzen zu laffen. Die Werft erklärte sich fedoch außer Stande, einen gleichen Ersatz zu liefern mit dem Bemerken, daß es ausgeschloffen fet, ein so großes Gußstück und von solch hervorragender Beschaf fenheit in den Vereinigten Staaten herzustellen; man müffe den Rudersteven in drei einzelnen Teilen Itefern.
Opfer der Size in Berlin. Der gestrige Sonntag war der heißeste fett Menschengedenten. Die Temperatur betrug 32 Grad Celsius im Schatten. In BerIn und Umgegend wurden zahlreiche Personen von Sibschlägen getötet. Ein Bierfutscher aus Spandau fiel Infolge sigschlages vom Wagen, wurde überfahren und blieb auf der Stelle tot. Dem am Nachmittage heraufziehenden Gewitter fielen mehrere Personen zum Opfer. Im Freibad Müggelsee schlug der Blizz in eine Gruppe Badender. Ein zwanzigjähriges Mädchen wurde getroffen und fofort getötet. Ein Kaufmann und seine Frau wurden schwer verletzt. In der Wuhlheide traf ber Blizz eine Arbeiterfrau mit ihrer fünfjährigen Pflegetochter. Das Kind war auf der Stelle tot. Die Frau wurde vollständig gelähmt.
Bereiteltes Eisenbahnattentat. Auf der badischen Station Langenbrücken der Hauptbahnlinie FrankfurtHeidelberg- Basel entdeckte vorgestern abend ein Stretfenwärter bet setnem Kontrollgang, daß eine Verbindung zwischen zwet Schienen an einer Stelle losgeschraubt war, fodaß der eben fällige Abendschnellzug Bruchsal- Heidelberg- Frankfurt bei voller Fahrt hätte entgleisen müssen. Glücklicherweise gelang es ihm noch im letzten Augenblick, den Zug zum Stehen zu bringen und den Schaden auszubessern. Nach Ansicht etnes fofort zur Untersuchung erschienenen Karlsruher Beamten wäre ficher ein Unglück passiert. Von fünf als Täter in Betracht kommenden Personen wurde auf Grund der mit Hilfe von zwei Polizeihunden geführten UntersuHung einer verhaftet. Man nimmt an. daß er die Tat aus Rache gegen einen Streckenwärter verübt hat.
Wie man Säumige aufs Steueramt treibt. Vor turzem beschlossen die Gemeindebehörden in Zeulenroda in Thüringen, die Namen der Einwohner, die mit ihrer Steuerpflicht im Rückstand geblieben sind, öffentlich in den Wirtshäusern in Beulenroda auszuhängen. Ferner wurde verfügt, daß kein Wirt das Recht habe, den auf der Liste Stehenden trgend etwas zu verab= reichen. Ebenso haben dem Ortsstatut zufolge die Vereinsvorstände die Pflicht, alle, die auf der Liste stehen, bet Vereinsfestlichkeiten aus dem Saale zu weisen. Das Mittel hat schnell geholfen. Das„ Beulenrodaer Tageblatt" schreibt jetzt: Auf den Verzeichnissen der böswilligen Steuerrestanten mehren sich die schwarzen Striche, die die Namen der reumütigen Sünder, welche es plötzlich sehr ellig haben, ihren Steuerpflichten nachzufommen, mit dem„ Mantel der Liebe" bedecken. Jeden Tag fast erscheint eir Schußman: in hen Wirtschaften, um, mit Pinsel und Tusche ausgerüstet, ciner dürstenden Seele durch einen einzigen schwarzeit Stetch die Wirtshausehre" wiederzugeben. Wenn mcn bedenkt, baß vor gar nicht langer Beit noc 30 bis 60 solcher böswilliger Steuerrestanten vorhanden waren, während zett thre Zahl etwa 15 beträgt, muß man otc praktische Wirkung des Ortsstatuts unbedingt anetlemon.
Das Schicksal eines deutscher Deervesesionärs. Der Sohn eines angesehenen abritbesters in der Nähe von Cöln befindet sich fett längerer Zeit in der französischen Fremdenlegion in her Garrison Sidi bel Abbes in Algter. Der junge Mann ist durch preußt= sches Gerichtsurtell als nicht dispositionsfähig erkannt und entmündigt worden. Trok dieser Tatsache und trot mehrfacher Vorstellungen bei dem luswärtigen Amt, das sich amtlich in dieser Angelegenheit in Paris bemüht hat, ist es bisher nicht gelungen, den jungen Mann frei zu bekommen. Neuerdings hat das Auswärtige Amt wiederum Vorstellungen in Paris erhoben.
Der König von Graudenz. Am Sonntag fährte sich zum hundertsten Male der Todestag des berühmten Verteidigers von Graudenz, Wilhelm Reinhard de l'Homme de Courbiere, der einer von den wenigen war, die in dem Sturz von 1806/07 den Kopf oben behielten. Er war Kommandeur der von Friedrich bem Großen selbst angelegten Festung und 73 Jahre alt, als seitens der Franzosen die Aufforderuno crging, sich zu ergeben. Auf seine Weigerung ließ thm der französische General sagen, es gäbe feinen König von Preußen mehr. Die Antwort war:„ Nun, dann bin ich König von Graudenz." Er hielt die Stadt dann auch in einer elfmonatigen Belagerung. Nach dem Frieden von Tilfit wurde er deshalb zum Generalfeldmarschall und Gouverneur von Westpreußen ernannt. Er hat Graudenz auch nach dem Tode nicht verlassen, sondern hat fein Grab auf der früheren Bastion 3 gefunden. Auch ein einfaches Denkmal ist ihm in der Festung gesetzt worden mit der Inschrift: hm, dem unerschütterlichen Krieger. verdankt König und Staat die Erhaltuna diefer efte." Die hundertste Wiederkehr des Todestages Courbieres erinnert übrigens nicht nur an seinen un= beuafamen Mut, sondern auch an einen andern edlen Rua feines Charakters, an das Herz, das er für setne Peute hatte. Als der Könia nach dem Frieden den gretTent Helden zum Generalfeldmarschall und Gouverneur von Westureitken ernannte. stellte er ihm auch aletchAeitia fret. fich etne Gnade zit erbittert. Courbiere wünschte aber nichts für fich fondern bat. der Besakuna möchte nicht, wie damals üblich. alle fünf Tage. sondern alle drei Tage ein Brot verabreicht merden. Dies geschah, und mindestens bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist an dem Brauche festgehalten worden.
Eine heitere Begebenheit spielte sich dieser Tage in einem hinterpommerschen Dorfe ab. Die Braut hatte fich zur Trauung als Trauspruch den bekannten Text aus Ruth gewählt:„ Wo du hingehst, da will ich auch hingehen." Nachdem der Pastor seine Ansprache beendet und den Tert erläutert hat, richtet er an das Brautpaar die Frage: und wo willst du hingehen?" Da erhebt sich der Bräutigam und sagt mit Nachoruck:„ Vorläufig nach Berlin."
Ueber die Waldbrände in Amerika werden neue entseßliche Einzelheiten aus Neuvort berichtet. So wird von drei Grubenarbeitern erzählt, daß sie auf einem steilen Felsen Zuflucht suchten, und als die Hize durch die stets höher schlagenden Flammen unerträglich wurde, unter Lebensgefahr bis zur Spitze des Felsens fletterten. Aber auch hier sollte ste thr grausames Schicksal erreichen. Sie wurden lebendig verbrannt. Man fand thre verkohlten Leichen vor. Mütter haben vielfach thr eigenes Leben aufs Spiel gesezt, um das ihrer Kinder zu retten. Eine Frau wies einen Platz im Rettungsboot zurück, da ihr Mann noch am Ufer weilte. Zwei Stunden lang stand sie im Wasser, das thr bis über die Süften reichte, und als sie erfuhr, daß ihr Mann verbrannt set, verblieb sie noch weiterhin im Wasser, um die Leiche thres Gatten in Empfang zu nehmen. Aus Chicago wird berichtet, daß sich die Zahl der Todesopfer des Huronsees weit über 200 beläuft. Viele Tausende find durch die Waldbrände obdachlos geworden. Ueberlebende der Waldbrände berichten fiber grauenhafte Szenen, deren Augenzeugen fte waren. Auf der rafen
den Flucht vor den Flammen fielen viele zu Boden. Für die gab es fein Entrinnen mehr. Ganze Blehherden nahmen Reißaus und viele menschliche Flüchtlinge wurden von den Hufen der Tiere zermalmt.
Ein gelehrter Sadträger. Wir lesen im Bester Lloyd": Auf der Liste der Sadträger der Neumannschen Spiritusfabrit in Arad steht seit einiger Seit auch der Name des unitarischen Geistlichen und diplomierten Juristen Dr. Johann György, der unverdrossen die schwere Tagelöhnerarbeit verrichtet. Dr. György, ein fanatischer Anhänger Tolstois, ein Apostel des Radikalismus, hat in seinen Bestrebungen, die Idee der Boltsbeglückung zu verwirklichen, bereits große Enttäuschungen erfahren. Sein intensives Interesse für Theologie ließ thn eine Zeitlang in Siebenbürgen als Professor dieses Fachs, dann als unitarischen Geistlichen wirken, doch trieb ihn ein Studieneifer alsbald nach Orford, wo er seine photophtschen Kenntnisse erwetterte. Im Laufe weniger Jahre bereiste er Rußland, England und Amerika. Nach seiner Rückkehr in dte Heimat erhielt er von dem Kollegium der Unitarier dte Stelle eines Profeffors, die er nach dreijähriger TäHgfett wegen seiner raditalen reformatorischen Ideen wieder verlassen mußte. Seit einem Jahr streifte er als Arbeiter im Bande herum und jetzt schleppt er die schweren Mehlsäcke in Arad. Er bewohnt eine fletne Hütte in der Vorstadt und arbeitet in den Abendstunden an seinem Werke, von dessen Erscheinen er die Erlöfung der Menschhett erwartet.
Der Sarg als Geburtstagsgeschenk. Von einem feltfamen Familienbranch in China erzählt eine engItsche Wochenschrift. Wenn der Vater oder die Mutter thr 55. Lebensjahr erreichen, will es die Sitte, daß die Ilebenden Kinder sich zusammentun und den Eltern zu dem Freudentage mit ihrem Glückwunsch einen regelrechten Sarg zum Angebinde überreichen, der dann spä ter beim ersten Todesfall benutzt wird. So reklärt es sich auch, daß der Reisende im inneren China so oft im chinesischen Hause einen leeren Sarg stehen sieht, der geduldig auf die Erfüllung seiner Bestimmung wartet.
Von einem unglaublichen Noheitsaft berichten rusfische Blätter aus Tscheljabinst in Südrußland. Der Bürgermeister Tastajew fuhr dieser Tage nach der Kretsstadt, um Knechte für die Erntearbeiten anzuwerben. Es war bereits Nacht geworden, als er im Wagen mit seiner Frau den Rückweg antrat. Dem betrunfenen Dorfgewaltigen schien es, als ginge das Pferd zu langsam. Er spannte es aus und zwang seine Frau, die Stelle des Bugtteres einzunehmen. Weinend bat die Bedauernswerte um Mitleid, aber der Trunkenbold war unerbittlich und schlug in seiner vom Alkohol angestachelten Wit erbarmungslos auf die Frau ein. Nachdem so einige Werst zurückgelegt waren, sank die arme, blutig geschlagene Bäuerin zusammen und starb buchstäblich in den Sielen. Der Bürgermeister Iteß sie ruhig liegen und spannte wieder sein Pferd ein, mit dem er nach einigen Stunden im Dorf ankam. Sier besaß er noch die Frechhett, seine Heldentat im Wirtshaus zu erzählen. Diese Unmenschlichkeit war jedoch selbst den gewiß nicht zärtlich mit ihren Frauen umgehenden Bauern zu viel. Ste prügelten den Unmenschen derart, daß er halbtot vom Blaze getragen werden mußte. Anzüglich. Fräulein( erzählend): zum Schluß erbat sich einer der Studenten meinen Pantoffel, füllte ihn mit Bier und trank ihn dann hintereinander aus!" Freundin:„ Na, der konnte aber unheimlich trinken!"
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Der Untergang des ,, Jltis"
am 23. Juli 1896.
Am Sonntag waren 15 Jahre verflossen, seit das deutsche Kanonenboot 3ltis" in den ostasiatischen Gewässern im Sturme ruhmvoll unterging. Um eine Erfundungsfahrt nach Setautschou zu unternehmen, verließ der Iltis bet schönem Wetter am 23. Jult 1896 Tschifu. Bald wurde es regnerisch; der Wind wurde abends 10 Uhr so start, daß die Sturmsegel gesetzt werden mußten. Das Schiffchen, das jetzt unter Kapitänleutnant Braun stand, hatte schon Stürme gezag durchgemacht und sich ftets vortrefflich bewährt. Niemand dachte an Gefahr. Da, etwa 30 Minuten spacer, erschütterten heftige Stöße das Kanonenboot." Alle Mann aus dem Zwischendeck, Das Schiff sitzt fest," erscholl das Kommando. Wasser stürzte in den Maschinenraum, so daß die Feuer ge= löscht wurden. Das Maschinenpersonal konnte das Dect nicht mehr erreichen. Allen anderen Leuten und auch den Kranken gelang es zwar, aber auf dem Deck sah es hoffnungslos aus. Der Wind orkanmäßig, stockfinstere Nacht! Hagel- und Regenschauer peitschten vom Himmel herab, brüllend tobte die brandende See, unheimlich heulte der Sturm. In nächster Nähe des Schiffchens erhoben sich schwarze zackige Felswände. Jeder wußte, daß es hier zum Tode ging, aber mit etferner Ruhe sahen Offiziere und Mannschaften ihm ins Auge.
Da, ein Ruck, und der Jltis brach mitten auseinander. Durch gewaltige Wogen wurde das Hinterschiff neben das festsigende Vorderschiff auf die Klippen geschleudert, und in wenigen Minuten war alles vollbracht. Auf der Kommandobrücke hatte bis jetzt der Kommandant Kapitänleutnant Braun, gestanden; setne Stimme übertönte noch das Heulen des Sturmes und das Wüten der See mit einem dreimaltgen Hurra auf den Kaiser. Donnernd stimmte die Mannschaft, die fast sämtlich auf das Hinterdeck geflüchtet war, ein. Aber der Kapitän war nicht mehr auf seiner Kommandobrücke; eine überbrechende See hatte thn von der Brücke gerissen und mit sich genommen in die dunkle Tiefe des Meeres. Aber ein anderer der Helden, der Oberfeuerwerksmaat Raehm stimmte jenes Lied von der Flagge schwarz- weiß- rot an, in das alle anderen, dte die Flut bis fett verschont hatte, einfielen, damit ihre Treue bis zum Tode besiegelnd.
Mit diesem später zum Schlachtruf unserer Marine gewordenen Treuschwur wurden die auf dem Hinterschiff Wellenden, als dieses kenterte, unter den Trümmern begraben; nur zwei Mann wurden von den Wogen weit weggeriffen und erreichten schwimmend das Land. Neun Mann hatten sich auf dem Vorschiff in die Wanten des stehen gebliebenen Fockmastes gerettet; da aber das Unweter auch während des nächsten Tages und der Nacht andauerte, mußten fie noch bis zum zwetten Tage ohne Nahrung und Schlaf auf dem Wrack zubringen, bevor chinesische Boote ihnen Hilfe brachten. Der Obermatrose Kühl und der Bootsmannsmaat Moslehner sind die beiden, die die Wellen bis zum chinefischen Dorfe Djit Das getragen hatten. Die Dorfbewohner,- zu ihrem Ruhme muß es hervorgehoben werden boten den Fremden menschenfreundlich die nötige Kost und Kleidung und trafen Anstalten, um die noch auf dem Vorschiffe Weilenden in Sicherheit zu bringen. Es war ein schweres Wagnis, denn noch immer stand die hohe Brandung auf den Klippen. Aber den wackeren Chinesen gelang die Rettung der Schiffbrüchigen. Am 25. Juli brachten die Eingeborenen die Nachricht von dem Untergange des Schiffes nach dem Leuchtturme des Schantung- Vorgebirges. Sofort be gab sich der Wärter desselben, ein Deutscher namens Schwilp, nach der Unglücksstätte und nahmt sich der Geretteten hilfreich an. Einer von diesen, der Schreiber Westbank, meldete an den Chef der Kreuzerdivision,
Konteradmiral Tirpis, und in die deutsche Heimat: 77 Mann der Besabung des Iltis, unter ihnen der Kapitän und Offiziere, find ertrunken, nur 11 Mann gerettet; das Fahrzeug ist ein vollständiges Wrack."
Alsbald eilten die Schiffe des deutschen Geschwa ders herbei, um für die Bergung der Leichen zu for gen. Während eines 14tägigen Aufenthaltes gelang es, 27 Leichen aufzufinden; mehr gab die See von ihren Opfern nicht wieder heraus. Die meisten aufgefundenen Körper befanden sich in einem trostlosen Zustande. Dem einen war ein Arm abgerissen, dem andern klaffte die ganze Seite offen; viele waren ganz nadt. Die Let chen des Kommandanten und der Leutnants von Hol bach und Praffe fonnten festgestellt werden; mehrere Leute mußten als unbekannt eingefargt und beerdigt werden.
Nahe der Unglücksstelle ruben die Toten des alten Jutts in der fremden Erde; getreue Kameraden haben sie dort gebettet und dann ist ihnen auch in Schangbat ein Denkmal errichtet worden. In der Nähe der verhängnisvollen Klippen liegt Riautschou, wo heute die deutsche Flagge auch zu Ehren jener Getreuen weht, deren letzter Gedanke ihr Kaiser und ihre Flagge war. Hermann, Hauptmann a. D.
Ein Riesenbrand in Konstantinopel.
2000 Säufer niedergebrannt.
Gestern brach in Stambul und zwar gleichzeitig Int zwet Stadtteilen Feuer aus, das infolge des starten Windes schnell nach mehreren Richtungen sich ausbrei tete. Mehrere Stadtteile sind eingeäschert. Alle Büros des Generalstabes brannten nieder. Die Dokumente des Archivs konnten gerettet werden. Ueber den Brand Itegen folgende Drahtmeldungen vor:
Ronstantinopel, 24. Jult. Der Riesenbrand dauert mit unverminderter scraft fort. Die Feuerwehr ist machtlos. Bisher sind etwa 2000 Säufer und Kaufläden niedergebrannt. Die Obdachlosen sind meistens Mohammedaner. Der Brand wurde als großes Unglück empfunden, das umsomehr Eindruck macht, als es sich am Abend des Nationalfestes ereignet hat. Konstantinopel, 24. Jult. Das Feuer begann gleichzettig an sechs verschiedenen Stellen. Der Brandherd umfaßt mehr als 1% Quadratkilometer. Bisher sind 14 fleine Moscheen niedergebrannt. Der Kriegsminister Mahmud Schewket Pascha ist durch einen herabstürzenden Balken schwer verletzt worden. Die zum Nationalfest glänzend illuminierte Stadt ist von einem unge heuren Feuerschein umrahmt. Das Ende des Brandes ist noch nicht abzusehen. Fast die ganze Gar nison wurde zur Hilfeleistung herangezogen, die durch Wassermangel sehr erschwert ist.
Konstantinopel, 24. Juli. Hier ist allgemein das Gerlicht verbreitet, daß die Feuersbrunst, die zu un= ruhen ausgenutzt werden soll, auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Das Kriegsministerium wird durch einen starken Truppenfordon bewacht. Wie verlautet, ist der Marineminister angeblich in besonderer Mission nach England abgereist.
Drabtnachrichten und neuestes.
Unfall auf der elektrischen Taunusbahn.
Frankfurt a. M., 24. Juli. Auf der elektrischen Taunusbahn Oberursel- Hohemart geriet gestern nach mittag an der Endstation furz vor der Abfahrt ein Bahnwagen in Abwesenheit des Fahrpersonals in Bewegung und sauste in rasender Fahrt bergab. Schließ lich tippte der Wagen um und legte sich quer über das Gleis. Im Zuge befanden sich sieben Personen, die fämtlich mit leichten Verletzungen davonkamen.
Eine Fahrt der„ Schwaben". Friedrichshafen, 24. Juli. Das Luftschiff Schwabent ist heute frith 4,26 Uhr unter Führung des Dr. Erchner zur Fahrt nach Basel aufgestiegen. An Bord befanden sich acht Passagiere.
Ein späteres Telegramm meldet über die Ankunft in Baden: Baden- Baden, 24. Juli. Das Luftschiff Schwaben nahm seinen Flug über den Schwarzwald und landete um 9,25 Uhr hier glatt vor der Luftschiffhalle.
Den eigenen Sohn auf der Jagd erschossen.
O Sangerhausen, 24. Juli. In dem benachbarten Obersdorf erschoß der Rechnungsrat Herrmann von hier, der sich mit seinen beiden Söhnen auf die Jagd begeben hatte, den jüngsten derselben, den 16jährigen Sefundaner Felix Herrmann. Der Vater hatte thn für einen Fuchs gehalten und auf ihn angelegt.
Großfener in Rostock.
Rostoc, 24. Juli. In der Altstadt wütet ein Großfeuer, das gestern abend in einer Sägerei zum Ausbruch fam. Das Feuer hat eine große Ausdehnung genommen.
Todessturz eines französischen Fliegers. Baris, 24. Juli. Gestern abend unternahm der 23jährige Flieger Jolln einen Aufstieg mit seinem Zwet decker. Er stürzte aus einer Höhe von 60 Metern ab und wurde unter den Trümmern des Apparates als schrecklich verstümmelte Leiche hervorgezogen.
Die Revolution anf Haiti.
Port an Prince, 24. Jult. Die Revolutionäre haben den General Thomas gefangen genommen und thn enthauptet. Port au Prince ist von Regierungstruppen entblößt. Die Aufständischen haben eine Kirche und die französische Kolonie ausgeplündert.
Handel und Verkehr.
Trockenheit und Saatenstand. Die einheimische Landwirtschaft, so schreibt die Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats in threm Wochenbericht, steht zurzeit mitten in der Roggenernte und im Beginn der Gerstenernte. Wenn die Trockenheit noch wetfer anhält, wird schon unmittelbar darauf die Haferund Weizenernte folgen. Hafer ist vereinzelt infolge Notreifens bereits geschnitten. Die Aussichten für Wintergetreide sind nach wie vor im allgemeinen befriedtgend, doch ist noch Vorsicht in der Beurteilung der Roggenerträge, besonders auf leichten Böden, geboten, da bisher nur wenig Erdrutschresultate vorliegen. Beim Winterweizen wird mehrfach Notreife befürchtet. Auch das Sommergetreide und die Sackfrüchte haben sich in den Gebieten, in denen Niederschläge stattgefunden haben, weiter entwickelt, doch lautet die Mehrzahl der beim Deutschen Landwirtschaftsrat eingegangenen Berichte auch jetzt noch überaus unaünitia für die Ernteaussichten beim Hafer. Für die Hackfrüchte, sowohl für Kartoffeln wie Rüben, ist in den meisten Gegenden durchdringender Regen erforderlich. Von den Kartoffeln, welche bisher vorzüglich im Kraut geftanden haben, wird vielfach berichtet, daß infolge der Trockenheit der Knollenansas ein geringer tit. Am ungünstigsten lauten wieder die Berichte über Futterpflanzen. Wiesen und Weiden sind in verschiedenen Gegenden zum Teil ausgebrannt, und auch die leefelder werden vielfach einen zweiten Schnitt nicht mehr liefern.
Gaffel, 22. Jult. Weizen( 100 g.) 19,75-20,50 M, Roggen( 100 g.) 17,00-18,00 M., Gerste( 100 g.) 15,50-16,50 M, Safer( 100 g.) 19,00-21,00 M, Heit ( Bentner) 3,00-4,75 M. Stroh( Bentner) 2,00-3,00 z


