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einem Liter Milch zu einer Woche Kerker und Ueberwet­fung an eine Zwangserziehungsanstalt verurteilt worden war. In einem hinterlassenen Briefe gab er das harte Urteil und die Angst vor der Zwangserziehung als Grund bes Selbstmordes an.

Im Scherz einen Knaben erschossen. Nach der Heimkehr von der Musterung legte der Arbeiter Vonzenhoff in Alten­effen im Scherze auf einen 12fährigen Knaben mit einer geladenen Vogelflinte an. Die Waffe entlud sich und traf ben Knaben, der alsbald starb.

Gewiffenlose Automobilisten. In dem rheinischen Orte Fachbach wurde ein Kind von einem Automobil über­fahren. Die Insassen fuhren davon, ohne sich um die Leiche bes Kindes zu kümmern.

Verhaftung von Eisenbahnattentätern. Der Koblenzer Kriminalpolizei ist es gelungen, jene ruchlosen Burschen festzunehmen, die in den letzten Wochen mehrfach Anschläge auf oberrheinische Personenzüge verübten, indem sie schwere Steine gegen die Fenster der Züge warfen oder Revolver­schüsse auf die Waggons abgaben. In mehreren Fällen trugen die Passagiere Verletzungen davon.

Von einem Personenzug überfahren wurden Sonnabend nachmittag unterhalb Bahnhof Andernach zwei bet Glets­arbeiten beschäftigte Arbeiter. Der eine wurde getötet, der andere schwer verletzt.

Ein dreister Raub im Postamt wurde in Kingsland Road im Londoner Distrikt Shoroditch verübt. Einbrecher brangen in das Amt ein, und schleppten den Geldschrank, der Marken, Postanweisungen und bares Geld im Betrage von 20 000 M enthielt, weg. Weder die Polizei noch die Nachtwächter des Postamts haben irgend etwas von dem Vorfall gemerkt.

Eine schwere Eisenbahnkatastrophe hat sich am Sonn­abend in Kapstadt ereignet. Einem Telegramm aus Gra­hamstowe zufolge stürzte ein Personenzug von der Blau­franzbrücke, die eine tiefe Schlucht in der Nähe von Port Alfred überspannt, ab. 21 Personen wurden getötet.

Aus den Gerichtssälen.

Ein Prozeß wegen verschluckter Hundertmarkscheine. Aus Schweidniß wird den L. N. N. geschrieben: Die Hun dertmarkscheine haben in letzter Zeit viel Stoff geboten, barüber zu reden. Die Hundertmarkscheine mit dem freten Felde und der Reklame darauf, oder den Notizen, die men darauf findet, sind noch nicht das Sensationellste, was über den Hundertmarkschein zu sagen ist. In Schweidnitz wurde türzlich ein Prozeß geführt, der sich um einige verschluckte Hundertmarkscheine drehte. Der Esser dieser kostbaren Spetse war der Handelsmann Robert Winkler, der mit seinen Gläubigern gar oft in Konflikt geriet. Nun ließ ihn einer seiner Hauptgläubiger, der Gastwirt Franke, allenthalben von dem Gerichtsvollzieher verfolgen, um wenigstens in den Besitz eines Teiles seines Geldes zu gelangen. Der unglückliche Schuldne: hatte nun eine Anzahl Fichten­pflanzen im Gesamtwerte von 215 Mark verkauft und wollte mit seinem Gelde, das er dafür eingenommen, eben ver­gnügt losziehen, als das Schreckgespenst seines Lebens, der Berichtsvollzieher, sich ihm nahte und das Geld mit Be­schlag belegte. Winkler sah im Geiste schon, wie die beiden blauen Rappen" verschwanden. Das war ihm aber durchaus nicht recht, zumal er absolut nicht die Absicht hatte, davon feine Gläubiger, wenn auch nur teilweise, zu befriedigen. Er wußte sich keinen anderen Nat, als daß er die beiden Hundertmarkscheine, die eben noch so verlockend auf dem Tisch lagen, in den Mund steckte und verschluckte. Die bet­den Hundertmarkscheine htelten sich nicht lange in dem Ver­stecke auf, sondern kamen bald wieder zum Vorschein und wurden von der Reichsbank gegen zwei andere blaue Lap­pen eingetauscht. Winkler jedoch hatte sich durch das Ge­nießen dieser fostbaren Speise" eine Anklage zugezogen, da er das Geld gefliffentlich dem Zugriffe der Gläubiger entzogen hatte, und mußte den Genuß der beiden blauen Lappen mit vier Monaten Gefängnis büßen. Die Speise ist ihm also durchaus nicht gut bekommen.

Vermischtes.

Eine Riefentelefunkenstation für die Ostsee. Aehn­lich der Telefunkenstation in Norddeich soll noch in diesem Jahre mit dem Bau einer großen Station in Swinemünde begonnen werden, so daß man mit der Inbetriebsetzung im nächsten Frühjahr rechnen dürfte. Diese Station soll genau denselben Dienst für die Ostsee übernehmen, wie ihn die Station Norddeich für die Nordsee vorsieht. Lezz­initionen tere Station hat gegenwärtig drei besondere zu erfüllen. Einmal findet zurzeit ein Probebetrieb( mit­tags und nachts) mit der drahtlosen Uebermittelung der neuesten Wolffschen Telegramme nach Telefunkenschiffen statt, die Zeitungen an Bord herausgeben. In Betracht tommen ca. 30 Schiffe der Linien von Hamburg und Bre­men nach Neuyork und Südamerika. Dann hat die Sta­tion täglich die Zeit zu geben, die ihr vom staatlichen Ob­servatorium in Wilhelmshaven mittags automatisch über­mittelt wird, und ferner die Sturmwarnungen der Wetter­warten in Hamburg und Bremen drahtlos an Schiffe mit Telefunkenapparaten weiterzugeben. Die endgültige Reich­weite der Station Norddeich ist noch nicht fertig auspro­biert. Man rechnet damit, daß sie die bisher größte Reich­weite von 5200 Kilometer übertreffen wird.

Wieder eine Pariser Standalaffäre. Eine neue pein­liche Angelegenheit, die mit den Machenschaften im fran­zösischen Ministerium des Aeußern im Zusammenhang steht, beschäftigt die Pariser Blätter. Es handelt sich darum, daß um den geringfügigen Preis von 500 Frank eine Kon­zession in Tunis vergeben wurde, nnd zwar durch den Ein­fluß eines hervorragenden Politikers. Nachträglich stellte es sich heraus, daß diese Konzession Millionen wert set. Der erste Konzessionär aber stützte sich darauf, daß die ihm zugestandenen Rechte in aller Form verliehen wurden und strengte eine Klage gegen jenen aktiven Politiker an. Das Gericht wird nun zu entscheiden haben, inwieweit jener Politiker berechtigt war, im Namen des Staates die Kon­zession zu verleihen. Man erwartet sehr interessante Ent­hüllungen.

Die Defraudationen beim Roten Krenz für die Kolo­nien. Zu den auf über 200 000 M bemessenen Unterschla­gungen beim Deutschen Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien in Berlin meldet die B. 3. a. M." folgen­de Einzelheiten: Das Ergebnis der Kassenprüfung, die meh­rere Monate in Anspruch nahm, war ein geradezu nieder­schmetterndes. Es stellte sich heraus, daß der städtische Bau­meister Wölfer, der Schatzmeister des Vereins, in den zehn Jahren ständig Unterschlagungen begangen hatte. An das eigentliche Vermögen des Vereins, das bei der Seehandlung deponiert war, konnte Wölfer trotz seiner Eigenschaft als Schabmeister nicht heran. Dagegen hatte er vollständige Verfügung über die Depots des Vereins. Der Verein hat fast täglich größere Einnahmen und auch größere Ausgaben für die Schwestern, die nach den Kolonien reisen, oder für von dort zurückkehrende. Die Summen, die manchmal an etnem Tage einlaufen und ausgezahlt werden, belaufen sich mitunter auf 1000 M. Von diesen eingegangenen Beträgen hat Wölfer erhebliche Summen für sich verwandt. Zur Ver­beckung hat er einfach eingegangene Beträge nicht ver­bucht und Ausgaben in die Bücher eingetragen, die von ihm tatsächlich nicht gemacht worden sind. Wölfer ist verhei­ratet und hatte in der Halleschen Straße eine Fünfzimmer­

wohnung. Seine öffentliche Rebensführung war nach den bisher angestellten Ermittelungen ziemlich bescheiden. Doch hat Wölfer jedenfalls ein Doppelleben geführt. Während er nach außen hin der brave, pflichtgetreue Beamte war, der bescheiden auftrat, hat er in Wirklichkeit mehrere Ge= liebte gehabt, er hat viel beim Toto gespielt und soll auch an der Börse spekuliert haben. Nach der Entdeckung der Defraudation meldete sich Wölfer krank und wurde auf Grund eines ärztlichen Attestes von seiner Familie nach einem Sanatorium gebracht. Dieses Attest hat er auch sei­ner vorgesetzten Behörde, dem Berliner Magistrat einrei­chen lassen.

Die Totenglocke des Glöckners. Der Glöckner des Ar­senals von Cherbourg hat auf eigentümliche Weise seinen Tod gefunden. Der Glöckner Germain hatte täglich etwa 20 Minuten lang mit einem Gehilfen zu läuten, um den Beginn der Arbeitsstunden anzuzeigen. Es scheint nun, daß ihm am Freitag das Seil aus der Hand geglitten ist und sich um seinen Hals schlang, wodurch der Mann von der Glocke in die Höhe gezogen und von dem Seil erdrosselt wurde.

Eine hessische Fürsorgeanstalt vor Gericht.

Caffel, 24. April. In dem aufsehenerregenden Prozeß gegen 6 Diakone der Fürsorgeerziehungsanstalt Rengs= hausen wegen Körperverlegung wurde am Sonnabend nach zweitägiger Verhandlung vor der hiesigen Straffam­mer das Urteil gesprochen. Ueber die Verhandlung werden folgende Einzelheiten gemeldet:

Am zweiten Verhandlungstage wurde mit der Verneh­mung der gemißhandelten Zöglinge der Fürsorgeerziehungs­anstalt Rengshausen fortgefahren. Im Mittelpunkt des Interesses und der allgemeinen Teilnahme stand der Für forgezögling Kohl aus Hanau, der jetzt in Hanau als Gold­arbeiterlehrling tätig ist und sich nach jeder Richtung hin tadellos führt. Der junge Mensch erweckte auch von vorn­herein einen sehr sympathischen Eindruck; ihm ist jedenfalls sehr übel in Rengshausen mitgespielt worden, weshalb sich sein Vater, der Goldarbeiter Kohl aus Hanau, als Neben­Kläger angeschlossen und gegen den Hausvater Betz beson­ders Strafantrag hatte stellen lassen; ihm zur Seite stand der Rechtsanwalt Dr. Krück aus Wiesbaden. Kohl gab un­ter seinem Eide über die ihm in Rengshausen zu Teil ge= wordene Behandlung folgende Einzelheiten an: Als er von Hanau nach Rengshausen kam, wurde er auf der Bahn­station von dem Diakon Welfer in Empfang genommen. Da er nach Ansicht des Welker nicht schnell genug Itef, stach ihn dieser mit der Epiße seines Stockes in die Beine, daß sie bluteten. Nachdem Welker bei seiner Einlieferung in der Anstalt dem Hausvater Betz berichtet hatte, daß er nicht schnell genug gelaufen sei, Holte Betz aus und schlug ihn ohne weiteres mit dem Gummischlauch mehrere Male heftig über Kopf, Rücken und Beine. Als er nun am Abend in seiner Zelle nach Trinkwasser verlangte, wurde ihm unter Hinweis auf das Waschbecken bedeutet, daß es Wasser zum Saufen" genug enthalte. Da Kohl nun zu anderen Zög­lingen gesagt hatte, daß er nicht in der Anstalt bleiben woll­te, was dem Anstaltsvoter hinterbracht worden war, so sei ihm dieser besonders aufgesessen gewesen. Als er einmal nicht schnell genug auf den Hof gekommen war, habe ihm Bezz befohlen, dice Holzschuhe anzuziehen und damit an= zutreten. Die Holzschuhe waren so schwer, daß er kaum die Füße bewegen konnte. Bez nahm einen Gummischlauch und hieb nun unbarmherzig auf Kohl ein, ihn dadurch zum Schnellaufen anzutreiben. Als er ermattet hinfiel, habe Bez unbarmherzig auf ihn eingeschlagen und ihm minde­stens 30-35 Stebe versetzt. Es set damit aber nicht genug gewesen; als er eines Tages die Treppen nicht schnell genug hinaufgegangen war, habe Betz folgende Tortur mit ihm angestellt. Er, Bet, und der Diakon Lindemann nahmen je einen Gummischlauch, und nun mußte Kohl unzählige­male die Treppe hinauf und hinunter laufen, wenn er dies den Ansichten der beiden Angeklagten entsprechend nicht schnell genug tat, erhielt er mit dem Gummischlauch tüchtige Prügel. Dabei set er die Treppe hinabgefallen und von Betz ganz furchtbar verprügelt worden, fodaß er bewußt los liegen blieb. Als er dann von Welfer ins Bett ge= bracht wurde. habe er gesehen, daß er am ganzen Körper rote, schwarze und blaue, blutunterlaufene dicke Striemen hatte. Sein Urin sei infolge dieser Quälereien mehrere Tage hindurch mit Blut durchsetzt gewesen. Auf Befragen des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektors Dr. Wege, erklärte Geheimer Medizinalrat Dr. Faber- Rotenburg, daß es sehr gut möglich set, daß eine Nierenblutung dadurch eintreten fönnte, wenn infolge einer schweren Mißhandlung ein oder mehrere Schläge die Nierengegend treffen. Die 3eugin Reiher und einige andere Anstaltsangestellte ergänzen und bestätigen teilweise diese Aussagen Kohls; so hat die Zeugin Reiher den Dauerlauf des Kohl auf dem Hofe mitangesehen, wie er in dicken Holzschuhen laufen mußte und dabei von Betz mit dem Gummischlauch verprügelt worden sei; diese Zeugin schätzt die Dauer dieses Spießrutenlaufens auf etwa 20 Minuten, jedenfalls länger als eine Viertelstunde. Von einem Mitzögling des Kohl habe sie gehört, daß dieser ge­sagt hätte, er habe dabei Qualen érduldet, die keine Feder beschreiben könnte. Damit das Schreien der Zöglinge in der Anstalt nicht zu hören war, mußte gesungen werden, wenn welcher verprügelt wurden. Kohl sagte bei der Vernehmung zu einem anderen Fall, daß er irgend ein Verbrechen begehen wollte, um aus der Anstalt zu kommen. Er hatte sich da= her mit einer Eisenstange bewaffnet und wollte seinen Mit­zögling Hilges erschlagen, wurde daran aber verhindert und wieder furchtbar verprügelt, weil er den Hilges verletzt hatte. Es wurden dann noch eine ganze Anzahl anderer Zöglinge vernommen. So wird bestätigt, daß der Zögling. Hanz nach einer furchtbaren Prügeltracht aus dem Fenster sprang, in der Absicht, sich das Leben zu nehmen. Es kommt zur Sprache, daß die Zöglinge bet zugefrorener Wasserlei­tung den in den Eimern angesammelten Urin zum Aufputzen der Korridore verwenden mußten, weiter, daß Zöglinge die Strohhalme ihrer Bettsäcke zählen mußten und dann unter dem Vorwande geschlagen wurden, daß sie sich ver­zählt hätten. Es sei an der Tagesordnung gewesen, daß man die Zöglinge mit Schimpfnamen wie Säue" und ähn= liches angeredet hatte und überhaupt so heftig und roh wie nur denkbar zu ihnen war.

Es wurden dann einige Sachverständige vernommen. Zunächst wurde über das geistige Befinden des Hauptbe­lastungszeugen Kohl der Oberarzt Prof. Dr. Weber- Göttin­gen vernommen, der zwei Monate hindurch in Göttingen den Zeugen Kohl auf seinen Geisteszustand untersucht hatte. Das Ergebnis der Untersuchung ist, daß Kohl nicht geistes­frank, wohl aber degeneriert und zu Phantastereien veran­lagt set. Anstaltsleiter Frhr. v. Lepel- Hannover ist ein entschiedener Gegner des Gummischlauches als Erziehungs­mittel. Erster Staatsanwalt Ganslandt hielt die als Zeu­gen aufgetretenen Zöglinge nicht für glaubhaft und bean= tragte aus diesem Gesichtspunkte die Freisprechung aller An­geklagten. Rechtsanwalt Krück- Wiesbaden, der Nebenkläger des Kohl, erwidert, daß der Erste Staatsanwalt die gesamte Sachlage zu milde beurteilt habe und auch zu weit gehe, wenn er den ehemaligen Fürsorgezöglingen nicht glauben wollte. Das würde doch den Verzicht auf Justiz in solchen Fällen bedeuten. Wenn ein Vater seinen Sohn mit 200 Sieben mittels Gummischlauches traftieren würde, erhielte er gewiß schon eine Strafe, um wie viel mehr hätte sich erst der Hausvater Betz schuldig gemacht, der Sinn und Zweck des Fürsorgewesens gänzlich verkannt hätte. Der Verteidiger der Angeklagten beantragte auch die Freispre= chung. Das Gericht verurteilte nach mehr als einstündiger Beratung den Hausvater Betz wegen der Mißhandlungen

des Kohl und des Zöglings Sanz, dem er nach Ansicht des Gerichts 150-200 Schläge mit dem Gummischlauch verab folgt hatte, zu 100 M Geldstrafe oder 20 Tagen Ge­fängnis und verurteilte ihn in die durch diese Fälle ent­standenen, sehr erheblichen Kosten. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, da nicht der Nachweis zu erbringen war, daß sie vorsätzlich das ihnen nach Ansicht des Gerichts zustehende Züchtigungsrecht überschritten hatten; die auf ste entfallenden Kosten trägt die Staatskasse, soweit Betz nicht dafür aufzukommen hat.

Drabtnachrichten und neuestes.

600 Jahrfeier der Berliner Fleischerinnung. Berlin, 24. April. Die Feier ihres 600jährigen Be stehens wurde gestern von der Berliner Fleischerinnung unter großer Teilnahme von Jnnungsdeputationen von Groß- Berlin begangen.

Jm Jähzorn erschossen.

Berlin, 24. April. Eine unglaubliche Roheitstat, die ein Elternpaar der Unterstützung ihres Sohnes beraubte, wurde von einem 25jährigen Telegraphenarbeiter began­gen. Dieser schoß nach einem kurzen Wortwechsel einen ihm gänzlich unbekannten Eisenbahnarbeiter nieder. Er ergriff die Flucht, wurde aber eingeholt und der Polizei übergeben.

Tödlicher Unfall eines Kutschers.

Berlin, 24. April. Als der Kutscher Gustav Pjuht einen zweispännigen Wagen in den Hof eines Grund­stückes führen wollte, wurde er von den Pferden in der Durchfahrt des Hausflures gegen eine Mauer gedrückt. Dabei drang dem Unglücklichen die Deichselspitze in den Unterleib. Obgleich sofort Hilfe zur Stelle war, starb der Verunglückte doch nach kurzer Zeit an den Folgen innerer Verblutung

Vom Zuge überfahren und getötet.

Wittenberg, 24. April. Amtliche Meldung. Gestern nachmittag wurde von einem Zug auf dem Niveauüber­gang der Chaussee Gräfenheinischen- Bitterfeld das dem Landwirt Wilhelm Müller in Gröbern gehörige, mit Pfer­den bespannte Fuhrwerk überfahren und dabei die In­sassen, der Besizer und sein 17jähriger Sohn, getötet. Das Gespann durchfuhr die für den Bug bereits geschlossene Schranke.

Familiendrama.

Frankfurt a. M., 24. April. Gestern morgen gegen 9 Uhr hat sich in einem Hause Ecke Ginnheimer- und Häuserstraße die 51jährige Frau des Oberaufsehers Lück von der Straßenbahn nebst ihrer 22jährigen Tochter und dem zwölfjährigen Sohn mit Leuchtgas vergiftet. Die Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Tat ist darauf zurückzuführen, daß die Tochter vor drei Jahren von einem nach Frankfurt kommandierten argentinischen Offizier unter Versprechung der Ehe veranlaßt worden war, mit ihm nach Argentinien zu reisen. Sie fehrte vor drei Wochen unvermählt in das Elternhaus zurüd. Verhaftete Brandstifter.

Cöln. 24. April. In den letzten Tagen haben sich in erschreckender Weise die Waldbrände gemehrt. Am Nieder­rhein, im bergischen Lande sowie an der holländischen Grenze wurden innerhalb der letzten drei Tage tausende von Morgen Waldbestand vernichtet. Wiederholt mußte Militär zur Unterstützung der Feuerwehr herangezogen werden. Von dem Waldbrande bei Rath wurden mehrere Feuerwehrleute, die dem Erstidungstode nahe waren, im bewußtlosen Zustande noch im letzten Augenblick von Sol= daten gerettet. In diesem Falle war ein aus der Anstalt Brauweiler entwichener Zuchthäusler der Brandstifter. In den andern Fällen haben halbwüsige Burschen, die alle verhaftet wurden, die Brände angelegt.

Das Mißgeschick der neuen Deutschland". Düsseldorf, 21. April. Die Reparaturen am Luftschiff Deutschland sind beendet, doch ist der aus Friedrichshafen an der Unfallstelle eingetroffene Ersappropeller während des Transports beschädigt worden.

Im Grubenschacht betäubt.

Dortmund, 24. April. Auf der Zeche Lucas" wur­den bei Untermauerungsarbeiten unter Tage durch Einat­men von Stickgasen ein Berginspektor und elf Bergleute betäubt und in das Krankenhaus eingeliefert. Bei den Rettungsarbeiten wurden auch zwei Feuerwehrleute be­täubt. Es wird festgestellt werden, ob sich noch weitere Opfer an der Unfallstelle befinden.

Dortmund, 24. April. Von den auf Zeche Lucas verunglückten Bergleuten sind neun bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Berginspektor Limberg hat bei den Rettungsarbeiten seinen Tod gefunden.

Bon einem Handwerksburschen erschossen. Eßlingen, 24. April. Ein aus der Herberge zur Heimat ausgewiesener, auf der Wanderschaft befindlicher Schmiedegeselle feuerte auf den Herbergsvater Jäger einen Revolverschuß ab und verletzte ihn so schwer, daß er an den erlittenen Verletzungen bald darauf starb.

Folgenschweres Straßenbahnunglück.

Regensburg, 24. April. Gestern abend 28 Uhr ers eignete sich auf der von Pruefening nach Regensburg füh­renden Straßenbahn ein schwerer Unglücksfall. Aus bis­her noch unaufgeklärter Ursache entgleiste ein mit Aus­flüglern besetzter Wagen mit den beiden Anhängewagen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden fünf Personen schwer und dreizehn leichter verletzt. Eine Frau hat so schwere Verletzungen erlitten, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

Verwegener Banditenstreich.

Breslau, 24. April. In Urbanowitz( Kreis Pleß) drangen gestern nachmittag neun maskierte Banditen mit hocherhobenen Revolvern in ein Gasthaus, riefen den An­wesenden zu: Hände hoch!" und raubten ihnen 900 Mark sowie sämtliche Schmucksachen. Sie entkamen unerkannt. Brand einer russischen Bahnstation.

Petersburg, 24. April. Die Station Jenessey der sibt­rischen Bahn steht mit allen Warenlagern in Flammen. Da jede Hilfe fehlt, muß der Brand mit der völligen Vernich­tung der ganzen Bahnansiedlung enden.

Folgenschwere Kesselerplosion.

Paris, 24. April. In Allennes bei Lille wurden in einer Spiritusfabrik durch die Explosion eines Keffels vier Arbeiter getötet und drei schwer verletzt. Ein Seitenfabriks, gebäude wurde zerstört.

Vom Fahrstuhl erschlagen. Rom, 24. April. Der Generaldirektor der italienischen Artillerie, General Castelant, wurde im Gebäude des Kriegsministeriums von einem Fahrstuhl erfaßt und er­schlagen.

Verhaftete Bombenwerfer.

Indianapolis, 24. April. Der Sefrtetär des Gifen­und Bauarbeitersyndikats Mac Namara ist unter der Be schuldigung des Mordes und der Beteiligung an dem Dyna­mitanschlag auf das Bureau der Zeitung Los Angeles Tt­mes, der im Oktober vorigen Jahres verübt wurde, ver­haftet worden. In der Zentralstelle des Syndikats wurde viel Dynamit und sonstige Sprengstoffe gefunden. Ein Bruder Mac Namaras und ein anderes Individuum sind ebenfalls festgenommen worden. Bet thnen wurden zwölf Bomben beschlagnahmt.