Ausgabe 
25.3.1911 Zweites Blatt
 
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- Wetzlar, 25. März. Trotz aller Warnungen betrachtet das Publikum die von den Brauereien, Sel­terswasserfabriken, Wirten, Händiern 2c. überlassenen Flaschen als Eigentum und benutzt dieselben zu ande­ren Zwecken. Der anderweitige Gebrauch der Bier- u. Selters wasserflaschen ist als Unterschlagung anzusehen und wird nach dem Strafgesetzbuch in Gemäßheit des

§ 246 bestraft. Die Flaschen vertrauen die betreffenden

Geschäfte dem Publikum nur zum vorübergehenden Ge­brauche an und sie müssen dem Lieferanten zurücker­stattet werden.

* Wallau. Ob mit dem 1. Mai die Eröffnung der Eisenbahn Oberscheld- Wallau tatsächlich erfolgen kann, ist noch sehr fraglich; denn wenn die Neubaustrecke auch bis zu diesem Zeitpunkt fertiggestell, ist, so sind die Er­weiterungsbauten auf Bahnhof Wallau noch sehr im Rückstande.

* Breidenba ch. Die Grunderwerbsunterhand­lungen zwischen dem Bahnfiskus und den beteiligten Besitzern an der Strecke Oberscheld- Biedenkopf fanden ihren Abschluß. Es werden im Durchschnitt 80 bis 95

Pfg. für den Quadratmeter Aderland und 0,90–1.25

Mt. für Wiesenflächen bezahlt. Während ein Teil der Eigentümer sich mit der Entschädigung zufrieden gibt,

fällt es der Grunderwerbskommission schwer, sich mit

dem anderen Teil der Besitzer der Grundstücke abzu­finden.

Eberstadt. Ein hiesiger Geschäftsmann hatte vergessen, seinem Lieferanten die letzte Sendung zu be­zahlen; trotzdem bestellte er, um sein Lager zu vervoll­ständigen, neue Ware. Der schlaue Lieferant schickte eine Kiste gegen Nachnahme. Diese Kiste wurde angenom­men, aber es befanden sich darin keine neuen Waren, sondern nur Steine und Stroh.

*) Darmstadt. Generalmajor v. Francois, der Kommandeur der 49. Infanterie- Brigade( 1. Groß­herzoglich Hess.) ist zum Generalleutnant ernannt wor­den und hat die Führung der 13. Division erhalten.- Als neuer Brigadekommandeur und Generalmajor der 49. Jnf.- Brigade wurde v. Branconi( bisher Oberst des 166. Inf. Rgts.) ernannt.

* Marburg. In der letzten Sitzung beschäf tigte sich das Gericht mit einer Anklage gegen einen

Zum Briefgeheimnis.

Von Ernst Mum m.

Die Frage, ob der Mann das Recht habe, die an us a a

be

haften, meist recht wenig erfreulichen Auseinandersetzun­gen geführt. Die einen nehmen dieses Recht energisch für

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Konsequenz der durch die Ehe begründeten Gemeinschaft und behaupten, daß eine Ehe, in der es zwischen den beiden Gatten irgendein Geheimnis gebe, keine wahre Ehe, sondern ein trauriges Nebeneinanderleben sei. Die andern dagegen wollen ein Recht, fremde Briefe zu öffnen, unter keinen Umständen anerkennen. Sie meinen, es sei ein Gebot des Taktes und der guten Erziehung, fremde Briefe unberührt zu lassen, und halten die Wahr­ung des Briefgeheimnisses zwischen Ehegatten ebenso mit Rücksicht auf die individuelle Freiheit eines jeden der beiden Gatten wie im Hinblick auf die Person des Ab­senders für absolut notwendig.

Welcher dieser einander entgegenstehenden Meinungen ist beizupflichten? Wie ist die Frage vom Rechtsstand punkte aus zu beurteilen? Welche Vorschriften enthält überhaupt das Recht, um die Wahrung des Briefge­heimnisses zu sichern?

Einen Schutz des Briefgeheimnisses stellte zuerst das

Preußische Landrecht auf. Es untersagte das Deffnen der Briefe eines anderen ohne dessen Willen und ohne gegen dieses Verbot mit einer Gefängnisstrafe von drei bis vierzehn Tagen. Dem Beispiel Preußens folgten bald andere deutsche Staaten. Die Bestimmungen, die fie zum Schutze des Briefgeheimnisses erließen, gingen jedoch zum Teil beträchtlich weiter als die des preußi fchen Rechts. So erklärte das Bayrische Strafgesetzbuch nicht bloß das Deffnen, sondern auch das Lesen und Abschreiben von Briefen und ähnlichen Schriftstücken für strafbar, und eine Vorschrift des Sächsischen Strafgesetz­buches richtete sich ganz allgemein gegen jedes Eindrin gen in fremde Geheimnisse auf unerlaubte Weise".

besondere Befugnis und bedrohte Zuwiderhandlungen

Wir entnehmen mit Genehmigung der Deutschen Ver­lags- Anstalt, Stuttgart, dem soeben erschienenen achten Heft der bekannten Monatsschrift Arena" im Auszuge die obige Einleitung des bekannten Rechtsgelehrten über das interessante Thema des Briefgeheimnisses und möch­ten unsere verehrten Leser bei dieser Gelegenheit auf die besonders aufmerksam machen.

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einen Mitschüler anscheinend veranlaßt, seinen Eltern nach und nach Geldbeträge bis zur Höhe von 140 Mk. zu entwenden. Dieses Geld hatten sie dann gemeinsam verjubelt. Auch hatte er sich bares Geld geben lassen. Das Gericht verurteilte den Jungen zu 2 Monaten Ge­fängnis.

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Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Gießen. Sonntag, den 26. März, Lätare. Gottesdienst

In der Stadtkirche.

Vorm. Uhr: Pfarrer Schwabe.

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Dienstag und Freitag abends um Uhr ist Fa stenandacht.

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Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus- Ge­Pfarrer Schwabe.

meinde.

Abends 6 Uhr: Geistliche Musikaufführung.

Montag, den 27. März, abends 8 Uhr: Versamm­lung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäus­gemeinde.

In der Johanneskirche. Vormittags Uhr: Pfarrassistent Schorlemmer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrassistent Schorlemmer. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kon­firmanden der Lukasgemeinde.

Pfarrer Bechtolsheimer.

Abends Uhr: Versammlung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Lukasgemeinde. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den 29. März, abends 6 Uhr: 5. Pas sionsanda ch t. Pfarrer Bechtolsheimer.

Batholische Gemeinde Samstag, den 25. März.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge­legenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 26. März.

4. Fasten- Sonntag. Fest Mariae Verkündigung. Vorm. von Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.

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