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25.3.1911 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

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allen Fragen der internationalen Politik zur Erhaltung des europäischen Friedens nicht zweifeln. Zu fest ist die Grundlage dieses Bundes, als daß er nach menschlichem Er­messen so leicht jemals erschüttert werden könnte. Aber im­mer wieder darf man sich darüber freuen, wenn eine Be­kräftigung der Freundschaft zwischen Deutschland und Desterreich- Ungarn zutage tritt. Denn man darf nicht vergessen, daß Besuche Kaiser Wilhelms in Wien so häufig stattgefunden haben, daß auch nur eine Verlängerung der Intervalle, in denen sie bisher ausgeführt wurden, von mißgünstigen Neidern als Beweis dafür ausgelegt werden würde, daß das Verhältnis nicht mehr das alte ist. Aehn­lich, wie man es jetzt versucht hat, aus dem Fernbleiben des deutschen Kaisers von der Jubelfeier in Rom heraus­zurechnen, daß unbedingt eine Lockerung im Dreibunde die Folge davon sein muß. Aber auch davon kann nicht im Entferntesten die Rede sein. Nach wie vor bildet der Dretbund die festeste Stütze des Friedens in der Welt, da er auf dem Willen der Herrscher sowohl und der Einsicht der Regierungen, aber eben so sehr auf den Wünschen der verbündeten Völker aufgebaut ist. Diese dreifache Grund­lage gewährt ihm die Dauerhaftigkeit und innere Stärke, die selbst zeitweilige Verstimmungen leicht überwindet.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Besuch Kaiser Wilhelms in London bildete den Gegenstand einer Unterhaltung in der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses. Ein Liberaler fragte an, ob an den deutschen Reichskanzler eine besondere Einladung ergehen werde, den Kaiser bei seinem Besuch in London zu begleiten, um den Abschluß eines Uebereinkommens zwi­schen Großbritannien und Deutschland über die zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen zu beschleunigen. Staatssekretär Gren erwiderte: Der deutsche Kaiser wird dem König auf dessen Einladung einen Privatbesuch ab= statten. Eine andere Erklärung über diese Angelegenheit vermag ich nicht zu geben."

In der Donnerstagfißung wurden zunächst, nachdem in der vorigen Sibung die Debatte über die Verwendung der Kaliabgaben und damit die zweite Lesung des Reichsamts des Innern zum Abschluß gebracht war, zwei namentliche Abstimmungen vorgenommen. Der Antrag Ablaß( f. Vp.), wonach an politische Vereine" Kalipropagandagelder nicht gegeben werden sollten, wurde mit 197 gegen 130 Stimmen abgelehnt, der sozialdemokratische, die Mittel aus den Ka= Itabgaben nicht zur Hebung des Kaltabsatzes, sondern für sozialpolitische Zwecke zu verwenden, mit 237 gegen Stimmen. Dann trat man in ote zwette Lesung des Kolo­nialetats ein. Man hat sich zwar darüber verständigt, daß die Kultur- und Wirtschaftsfragen, die zu zeitraubenden Aussprachen führen, der Baumwollanbau, die Förderung der Wollschafzucht, die Diamanten- und die bergrechtlichen Fragen jetzt ausscheiden sollen, aber trotzdem gibt es der grundsätzlichen Fragen und Einzelheiten die Fülle, sodaß die Reden sich sehr ausführlich gestalteten. Als erster Red­ner sprach Abg. Erzberger( 3tr.) in durchaus kolontal= freundlichem Sinne. Das finanzielle Ergebnis biete ein getreues Spiegelbild der günstigen wirtschaftlichen Entwick­lung. Die Hauptsorge sei die richtige Behandlung der Ein­geborenen. In staatlicher 3wangsarbeit lägen die Keime zu Reibereten und in weiterer Folge schließlich zu Auf­ständen. Die Gründung einer Landeskreditanstalt für Süd­westafrika sei ein Gebot im Interesse der Farmer. Ferner behandelte Erzberger die Steuerfragen und sprach sich für möglichst baldige etatsmäßige Anstellung der Kolonialbe­amten aus, wenn sie sich bewährt hätten. Damit hatte er dem konservativen Redner Dröscher, wie dieser selbst be= merkte, den ganzen Kuchen aufgegessen. Abg. Dröscher schloß sich im übrigen der Bemerkung der sparsamen und sachgemäßen Aufstellung des Etats voll an und legte die Gründe für seine Auffassung dar, daß die Kolonien sich in einer glücklichen Weiterentwicklung befinden. Bis in die Kreise der Sozialdemokratie hat die Erkenntnis der Be­deutung unserer Kolonien für die deutsche Volkswirtschaft und für die deutsche Arbeiterschaft Wurzel geschlagen" meinte der konservative Redner. Herr Ledebour von den Sozialdemokraten bemühte sich aber dann sogleich um den Nachweis, daß dies denn doch nicht durchgängig der Fall ist. Redner verlangte wie in den früheren Jahren, daß den Hereros genügend Land zur Verfügung gestellt werde, da­mit sie ihre Viehzucht wie vor dem Aufstande treiben tön­nen. Für die fortschrittliche Volkspartei nahm dann der füddeutsche Abgeordnete Goller das Wort. Er wies die so­zialdemokratischen Angriffe auf die kolonialfreundliche Schwenkung der Freisinnigen nachdrücklich zurück und ging dann auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Schußge= bieten, insbesondere auf den Plantagenbau, der durchaus der Eingeborenenkultur überlegen set, näher ein. In Süd­west herrsche jetzt unter den Farmern ein gesunder Op­timismus, und die dortige deutsche Landwirtschaft befinde sich in einem erfreulichen Aufschwunge. In ähnlicher Weise wie der Vertreter der Fortschrittler drückte auch Abg. Paasche( natl.) sein Vertrauen zu der in langjähriger fo­lonialer Praxis erprobten Tüchtigkeit des jebigen Staats­sekretärs aus. Dann rühmte er die Verdienste Dernburgs um die Entwicklung der Schutzgebiete. Unerhört sei es ge­radezu, wenn von gewisser Seite behauptet würde, dte Dernburgschen Verträge seien im Interesse einer Speku­lantengruppe abgeschlossen worden. Abg. von Liebert ( Rp.) verglich die Zeit, wo er Gouverneur von Deutsch­Ostafrika war, mit der Gegenwart. Damals hätte er we nig Freude an dem Amte gehabt; jetzt sehe es dort viel beffer aus, und das stille Daressalam werde bald in die Reihe der Welthäfen eintreten. Mit warmen Worten pries er u. a. die heldenhafte Tätigkeit deutscher Aerzte bei der Bekämpfung der Schlafkrankheit und anderer Epidemien, Als er geendet, nahm als zweiter sozialdemokratischer Red­ner der Abg. Noste das Wort, der davor warnte, Geld in koloniale Einrichtungen zu stecken. Zum Schluß der De­batte antwortete Staatssekretär von Lindequist. Man sei in erster Linie bestrebt, dem Mutterlande durch die Lieferung von Rohprodukten entgegen zu kommen. Das gelte beson­ders für Baumwolle und Wollschafe. Der Staatssekretär ging dann auf die einzelnen Reden der Abgeordneten ein und sagte überall Prüfung und möglichste Berücksichtigung zu. Der Etat für das Reichskolonialamt war damit er­ledigt. Am Freitag stehen die Etats der einzelnen Kolo= nien zur Beratung.

Die Kaiserbegegnung in Wien.

einer bisher noch nicht festgestellten Periode. Ein großer Teil der Skelette zerfiel an der Luft zu Staub.

Der berüchtigte Ein- und Ausbrecher Räuberhaupt mann Stratmann, auf dessen Ergreifung die Essener Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 1500 Mark ausge­setzt hatte, wurde Donnerstag nachmittag in Oberhausen festgenommen. Stratmann, dem eine Reihe schwerer Ein­bruchsdiebstähle zur Last gelegt werden, ist mehrfach aus Frrenanstalten ausgebrochen und hat noch eine Zuchthaus­strafe von 13 Jahren zu verbüßen. Auch bringt man thn in Zusammenhang mit dem vor einigen Wochen erfolgten Ueberfall auf den Transport von 96 000 Mark Lohngeldern des königlichen Bergfiskus bei Gladbeck.

Zu dem Stichwahlergebnis in Gießen- Nidda nimmt auch die parteiamtliche Nationallib. Korr." das Wort, in­dem sie schreibt: Die Stichwahl hat das erfreuliche Ergeb­nis gezeitigt, daß das Mandat vor dem Uebergang in sozialdemokratische Hände bewahrt bleibt, womit der Zweck der von der nationalliberalen Wahlkreisorganisation aus­gegebenen Parole erfüllt ist. Daß diese sozialdemokratische Niederlage nur durch die Unterstützung und den Sieg des antisemitischen Kandidaten, noch dazu eines Kandi­daten von den persönlichen Qualitäten des nunmehrigen Reichstagsabgordneten Dr. Werner erreicht werden konnte, bleibt gewiß schmerzlich und bedauerlich. Es konnte und durfte aber die Persönlichkeit des bürgerlichen Mandatbe­werbers die Gießener Wählerschaft nicht abhalten, im In­teresse der bürgerlichen Solidarität gegen die Sozialde­mokratie selbst dieses schwere Opfer zu bringen."

Auf der Reise nach Korfu, wohin Katser Wilhelm eilt, nm Erholung zu suchen, nach einem Winter der stärk­ften politischen Arbeit, hat er es sich nicht nehmen lassen, einen Tag in Wien zu verweilen, um seinem Verbündeten und Freunde wieder einmal persönlich die Gefühle auszu­drücken, die ihn und das deutsche Volk gegenüber Defter­reich- Ungarn und seinem Herrscher beseelen. Der heutige Tag ist dieser Begegnung gewidmet, die der politischen Welt beweisen soll, daß das alte Verhältnis zwischen den beiden Reichen und seinen Monarchen in ungetrübter Herzlichkett und Treue besteht. Freilich ein äußerer Beweis dafür tut nicht not. Auch der mißtrauischste Polttiker kann an dem Busammengehen Deutschlands und seines Verbündeten in

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Das Familiengeheimnis.

Roman von L. Walter.

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Eine heftige Explosion ereignete sich Donnerstag früh in der chemischen Fabrik in Mombach bei Mainz. Der Destillationskessel für Holzgeist flog dabei in die Luft. Die Detonation war so heftig, daß der Fabrikraum dieser Ab­teilung nahezu zerstört wurde. Der Matertalschaden soll fich auf etwa 100 000 Mart belaufen. Ein Verlust von Men­schenleben ist nicht zu beklagen.

Der Termin der Reichstagswahlen. Wie die Deut­sche Tageszeitung" angeblich zuverlässig hört, ist für die allgemeinen Reichstagswahlen ein Termin in dem letzten Drittel des Januar 1912 in Aussicht genommen.

( Nachdruck verboten.) " Bald, bald; jetzt habe ich nur noch Vermutungen. Die leiseste Gemißheit teile ich Ihnen mit."

Eine verhängnisvolle Explosion im Schulgebände eretg­nete sich in Grabow im Bezirk Merseburg. Der 10jährige Schulknabe Schulze hatte eine Dynamitsprengkapsel gefun­den und stocherte während der Pause im Schulzimmer mit dem Schieferstift in der Kapsel herum. Plötzlich er­folgte eine Explosion. Dem Knaben wurde die rechte Hand weggerissen, die linke schwer verletzt. 3wet weitere Schul­kinder wurden an Gesicht und Händen verletzt, die übrigen blieben unversehrt.

Die Ueberfüllung der Universitäten. Wiederum zeigen die Ergebnisse der letzten Immatrikulationen an den deut­schen Universitäten eine starke Zunahme der Studierenden. Es sind an den deutschen Hochschulen im Wintersemester 1910/11 immatrifuliert 54,822 Studierende gegen 52,407 im Wintersemester 1909/10. Das ergibt eine Zunahme von 4,6% zu einer Zeit, wo die Bevölkerung um durch= schnittlich 1,4% zugenommen hat.

Der erste Termin in der Prozeßangelegenheit war vorüber. Der Advokat hatte am Morgen die Nachricht davon gebracht. Darauf hatte der Kampf begonnen. Kurz vor drei Uhr verließ Horn heimlich die Kasse. Als er den Hausflur betrat, fam ihm Selma entgegen; sie grüßte freundlich und verließ das Haus.

Den eigenen Vater ermordet. In Moskau hat der acht­zehnjährige Sohn eines reichen Restaurafeurs eines Fa­miltenzwistes wegen seinen Vater im Schlaf ermordet. Der Mörder tst geflüchtet.

Die Bevölkerung Ungarns samt Kroatien und Sla­vonien beträgt 20 850 700, gegen 19 254 700 im Jahre 1900. Die natürliche Zunahme der Bevölkerung in Ungarn be­trägt für das Jahrzehnt nur 8,3 Prozent gegen 10,3 in der vorangegangenen Dekade. In den letzten zehn Jahren find etwa 900 000 Personen ausgewandert.

Es ist richtig!" dachte der Alte. Heute werde ich wohl Gewißheit erlangen."

Kleine Dadridten.

Eine Frau, die über 110 Jahre alt ist, lebt in Woytin a. d. Nezze. Sie verfügt noch über ein sehr gutes Seh- und Hörvermögen. Von ihren 20 Kindern leben nur noch die betden jüngsten.

Aus den Gerichtssälen.

Schwere Strafe für einen Brunnenvergifter. Das Schwurgericht Augsburg hat den Bauern Rottanger in Tötting, der seinem in tödlicher Feindschaft mit ihm leben­den Nachbarn den Brunnen mit einem Tierkadaver ver­giftet hatte, zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und den Sohn des Bauern wegen Beihilfe zu Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verur­teilt. Die ganze neunföpfige Familie des Nachbarn war an dem vergifteten Wasser schwer erkrankt. Der medizi nische Sachverständige erklärte, die Brunnenvergiftung sei derartig gewesen, daß sie sehr wohl den Tod eines Men­schen hätte herbeiführen können.

Die ersten Kiebigeier sind am Donnerstag in Berlin eingetroffen. Doch standen dem städtischen Verkaufsvermitt­ler in der Zentralmarkthalle nur 26 Stück zur Verfügung. Es wurden für das Stück 1,95 Mark erzielt.

Eine Ballonlandung auf den Eisenbahnschienen. Ein in der Nähe der Blockstation Sachsenwald bet Hamburg ge­landeter Freiballon aus Hamburg geriet in große Gefahr, da er in dem Augenblick auf dem Gleise der Berlin- Ham­burger Bahn niederging, als der Schnellzug von Berlin heranbrauste. Nur durch die Aufmerksamkeit des Block­wärters fonnte der Schnellzug kurz vor der Landungsstelle zum Stehen gebracht werden.

Er ging in den Hof, wo Fässer und Kisten aufgespei­chert lagen. Die Arbeiter waren in den Magazinen be­schäftigt. Eine große Säule trug das Vordach, das zum Schuße der Waren diente. Das Pflaster am Fuße der Solzsäule war locker; hier hatte Horn einigemal den Kom­mis Schwarz gesehen, wie er sich geneigt und unter dem Steine einen kleinen Gegenstand hervorgeholt hatte. Schwarz war überhaupt seit einiger Zeit der Gegenstand der Beobachtung des Greises gewesen. Horn sah um sich; es war kein Arbeiter im Hofe. Rasch neigte er sich, griff unter den Stein und holte ein kleines Papier hervor, auf dem die Worte standen:" Heute abend neun Uhr in der Laube unseres Gartens." Nachdem er den Inhalt gelesen, legte er das Papier unter den Stein zurück. Alles war in einer halben Minute geschehen.

Teure Liebesaffären. In ein eigenartiges Milieu führte eine Verhandlung, die gestern vor der 4. Straf­tammer des Landgerichts I Berlin stattfand. Unter der Anklage der Expressung hatten sich der Privatdetektiv Strölau und ein Fräulein Kaiser zu verantworten. Die Vorgeschichte des Prozesses ist folgende: Ein Berliner Ge­neralkonsul, der sich in sehr guten Vermögensverhältnissen befindet, hatte in einem vornehmen Lokal ein Ehepaar Groß kennen gelernt, das aus Desterreich stammte. Frau Groß war eine blendende Schönheit, zu deren Füßen bald eine ganze Anzahl von Mitgliedern der Hochfinanz, da­runter in erster Linie der Generalkonsul lagen. Die Frau Groß bewilligte dem verliebten Seladon bald ein Rendez­vous in ihrer Wohnung. Als sich der Generalkonsul zu dem Schäferstündchen eingefunden hatte, wurde er von dem Ehemann überrascht, der ihn stark verprügelte und ihn zwang, einen Wechsel über 15 000 Mark auszustellen. Der Wechsel wurde am nächsten Tage dem Generalkonsul prä­sentiert und von diesem prompt eingelöst. In der Folge­zeit soll das Ehepaar von diesem Manne noch weitere 17 000 Mark erpreßt haben. Auch einem anderen reichen Mitglied der Berliner Gesellschaft wurden beträchtliche Summen abgenommen, worauf das betriebsame Ehepaar mit einem Reinerlös von über 100 000 Mart ins Aus­land verschwand. Die Angeklagte Kaiser hatte von dem Abenteuer des Generalkonsuls Wind bekommen und nutzte ihre Kenntnisse aus, um von ihm 5000 Mark Schweige­geld zu erhalten. Schließlich tauchte auch noch der Pri­vatdetektiv Strölau auf dem Plane auf, der ebenfalls er= hebliche Beträge von dem Generalkonsul auf Grund seiner Kenntnis der Geschichte herausgeholt haben soll. Das Ge­richt verurteilte die Angeklagte Kaiser zu zwei Jahren und drei Tagen Gefängnis. Gegen den Angeklagten Strölau erkannte das Gericht auf ein Jahr Gefängnis.

Eine Totenstadt auf Sizilien. In der Nähe des sizilia­nischen Dorfes Spaccaforno wurde bei Ausführung von Erdarbeiten eine ausgedehnte Totenstadt entdeckt. Die zahl= reichen Gräber, die groß und rechteckig sind, stammen aus

,, Das wäre etwas!" dachte Horn. Es ist doch gut, wenn man die Augen stets offen hält. Selma fommt aus dem Hofe und Schwarz wird bald dorthin gehen. Es wird Rich wohl bald zeigen, ob meine Annahme richtig ist."

Und es war richtig. Kaum hatte Horn die Kasse be­treten, als die Komptoiruhr drei schlug. Er beobachtete burch die Glastür... fünf Minuten später hatte Schwarz fein Arbeitspult verlassen.

Er ist bei der Säule!" dachte der Greis. Selmas Papier liegt unter dem Stein."

Wiederum verflossen fünf Minuten und Schwarz fam zurück. Unbefangen griff er zur Feder und arbeitete. Diese Wahrnehmungen behielt der Kassierer für sich. Abends Sieben Uhr verließ er wie gewöhnlich das Komptoir. Nach­dem er in seiner Wohnung ein einfaches Nachtessen einge= nommen, griff er zu Hut und Stock, sagte seiner Frau, daß er einen Spaziergang unternehme und schritt langsam zum Tore hinaus. Der Abend war sehr dunkel; der Himmel drohte mit Regen. Trotzdem war es mild und warm, und kein Lufthauch machte sich bemerkbar. In den Pro­menaden zeigten sich nur wenige Leute, die rasch vorbei­huschten. Nur der alte Kassierer ging langsam, die Hände auf den Rücken gelegt, zwischen den Bäumen hin, ihn füm­merte weder die Dunkelheit des Abends, noch der drohende Regen. Die Uhren in der Stadt schlugen.

Dreiviertel auf neun!" murmelte Horn. Nun ist es Zeit!"

Er verließ die Promenade und schlug eine Gasse ein, die von hohen Hecken gebildet ward. Der Alte kannte die Dertlichkeit; sicher, aber vorsichtig schritt er weiter, bis er eine Mauer erreichte, in der sich eine Tür befand. An dieser Tür schlich er vorüber. Zwei Minuten später er­reichte er ein Pförtchen, das er mit einem Schlüssel öffnete. Er befand sich in dem großen Garten Hallings.

,, Hier haben einst glückliche Menschen verkehrt!" dachte er seufzend. ,, Ach, wie furchtbar haben sich die Zeiten geändert! Bäume und Sträucher sind noch dieselben; aber die Menschen, die Menschen!"

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Drahtlos durch die Erde. Die deutsche Wissenschaft hat einen neuen Triumph zu verzeichnen: Zwei deutsche Ge­lehrte, Dr. Gotthelf Leimbach und Dr. Löwy, haben sett längerer Zeit Versuche mit der Lettung drahtloser Tele­graphie durch die feste Erde gemacht, und sind dabei zu den

Er ging leise weiter. An der Lindenlaube, die in der Mitte des Gartens lag, ließ er sich auf dem Boden nieder, um eine Stellung einzunehmen, die ihm erlaubte, lange auszuharren. Kaum hatte der alte Mann sich eingerich­tet, als er das Rauschen eines Frauenkleides hörte. ,, Selma fommt!" dachte Horn.

Es war Selma: sie betrat rasch die dunkle Laube, an

deren Blütenwand der lauschende Kassierer mit dem Rücken lehnte. Drei Minuten später ließen sich die raschen Schritte eines Mannes hören.

Sugo!" rief leise die Stimme einer Frau.. " Selma!" In diesem Augenblick schlug es neun Die Ungeduld, mit Dir zu sprechen, verzehrt mich. Ich glaubte schon, Du hättest mein Briefchen nicht ge= funden."

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,, Sei überzeugt, daß ich jeden Tag nach dem Piede stale der Säule sehe... drei Tage forschte ich vergebens." " Aha", dachte Horn, meine Ahnung hat mich nicht getäuscht. Ein Liebespaar... es wird wohl alles in Er­füllung gehen."

Die Liebenden mußten sich zärtlich begrüßen, denn erst nach einer Minute sagte Selma:

Ich hielt die äußerste Vorsicht für geboten, da man mich, wie ich glaube, scharf beobachtet. Wir müssen eine andere Art des Briefwechsels einführen... auch Dich könnte man einmal überraschen. Doch, wir sprechen spä ter darüber...jetzt muß ich einen anderen Punkt be­rühren..." Wie steht die Prozeßangelegenheit?" fragte rasch der Kommis.

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Meinem Neffen ist die Klage zugestellt, der Prozeß hat also begonnen. Der Advokat, dem ich die Vermutung ausgesprochen, mein Bruder könne das Kapital, das ich fordere, in sein Geheimbuch eingetragen haben, meinte, es täme alles auf den Ausweis dieses Buches an. Daß man die Vorlage des Geheimbuches verweigert, habe ich Dir schon gesagt. Hugo, Du hast also wirklich die Notiz auf das letzte Blatt geschrieben?"

Gewiß!" versicherte der Kommis. Wenn man nun entdeckt, daß die Handschrift nicht die meines Bruders ist?"

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