Ausgabe 
25.2.1911 Zweites Blatt
 
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Das, was man mit Maß nicht tut,

Mimmer kann es werden gut.

Das Reich der Frau.

Ein Wort zur Berufswahl der weiblichen Jugend.

Wiederum naht die 3eit, da eine große Schar der Jugend die Schule verläßt, um ins Leben treten. Gleich dem Knaben soll auch das junge Mädchen für den Erwerb ausgebildet werden und so tritt auch an sie die Notwendigkeit, fich für eine bestimmte Tätigkeit zu entscheiden, zu lernen In den Tagen der Jugend. Denn nie trägt man schwer an der Last des Wissens, wohl aber kann die Unwissenheit zu Boden drücken.

Daß Befähigung und Begabung entscheidend sein müssen bei der Berufswahl ist selbst. verständlich und doch werden beide gerade bei der weiblichen Jugend so oft außer acht gelassen. Es kann aber nur jene Tätigkeit befriedigen und dadurch von Erfolg gekrönt sein, die wir gern und freudig tun. Wie viele junge Mädchen werden ohne Talent dem Lehrerinnenberuf zugeführt zum Unglück für fich und der ihnen anvertrauten Kinder, nur weil es zu den üblichen Gepflogenheiten gehörte, während sie in häuslicher Tätigkeit hervorragendes leisten würden.

An uns liegt es, daß unserer Arbeit auch von andern Achtung entgegengebracht wird. Noch weniger Rücksicht aber findet die körperliche Veranlagung und doch ist diese Rücksicht mitunter weniger einschneidend, als es vielleicht mancher glaubt. Es genügt ja so oft, wenn wir dem schwachen, in der Entwicklung begriffenen Körper Zeit lassen, sich erst zu stärken, ehe wir bereits neue Anforderungen an ihn stellen.

Und warum nehmen so wenige Eltern die so unbedingt notwendige Rücksicht? Weil der Schein mitunter gegen jene Berufe ist, die der Gesundheit und der körperlichen Entwicklung am zu träglichsten find. Bierher gehört vor allen Dingen die häusliche Tätigkeit.

Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß wir die häusliche Tätigkeit der Chefrau so hoch schätzen, an der unverheirateten Srau aber gering achten. Und doch erfordert die Sührung eines fremden Baushaltes, die Erziehung fremder Kinder mehr Disziplin und Selbstüberwindung und sehr oft auch mehr Können und Wissen als der eigene, meistens bedeutend einfachere Baushalt und die genen Kinder. Und warum ist dies? Weil die Unverheiratete um des Geldes willen arbeitet. Kommt dies in der Ehe nicht auch sehr oft vor? Und beruht nicht unser ganzes Leben auf Gegenleistungen? Wir möchten nun an alle Eltern, vor allem aber an die Mütter die dringende Bitte richten, ihre Tochter, wenn sie körperlich nicht sehr kräftig sind, ein Jahr aussetzen zu lassen. Dies gilt besonders für jene, deren Berufstätigkeit eine fitzende Lebensweise bedingt, wie z. B. im Kontor. Dieses Jahr braucht nicht verloren zu sein in füßem nichtstun; das junge Mädchen soll und muß thre Kräfte regen, aber sie soll es tun in einer Tätigkeit, die dem Körper förderlich ist und das ist bie Arbeit im Baushalt.

Es wird soviel geklagt, allerdings oft mit Unrecht, daß der berufstätigen, weiblichen Jugend das Interesse für die Bausarbeit verloren ginge. Wenn es wirklich ganz und gar verloren geht, dann war es auch nie groß vorhanden. Allerdings bedürfen wir vom berufstätigen oder dem Studium obliegenden Mädchen nicht verlangen, daß sie neben ihrer Arbeit noch die volle Hausarbeit Abernimmt. Das tut denn unsere männliche Jugend außerhalb ihrer Bureaur- und Lernstunden? Wir gönnen ihnen von Herzen die freien Stunden, in denen ihnen Gelegenheit geboten wird, den Körper zu stählen, aber, wenn die jungen Mädchen die gleichen Pflichten haben sollen, dann müssen als gerechte Gegenleistung ihnen auch die gleichen Rechte eingeräumt werden. An der Mutter liegt es, daß diese Erholungsstunden in richtiger Weise ausgenutzt werden.

Wenn wir das junge Mädchen ein Jahr lang im Bause arbeiten lassen, verbinden wir zwei Totwendigkeiten, indem wir ihr einerseits die Kenntnisse zur Sührung des Haushaltes beibringen and gleichzeitig dem Körper die notwendige Beit lassen, sich zu kräftigen. Allerdings muß die An. Leitung in der richtigen Weise erfolgen.

nun gibt es aber viele Mütter und Bausfrauen, die ihr Töchterchen in der Arbeit noch nicht mit nehmen, lieber eine Arbeit selbst tun, als daß sie diese ein, vielleicht auch zweimal zeigen. Dom Busehen allein lernt man nicht; man muß tüchtig mit anfassen, muß schließlich auch mal etwas ausprobieren, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß es falsch ist. Durch Schaden wird man klug und jeder muß seinen eigenen Kopf anstoßzen.

Im gewöhnlichen Leben lagt man, Theorie und Praxis müssen hand in hand gehen; im Kaushalt können wir ruhig sagen, die Praxis muß vorherrschen.

Das Bauptaugenmerk muß die Mutter darauf richten, daß jede Arbeit genau ausgeführt wird, venn sie vorerst auch etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, und daß in der Tätigkeit die richtige Zeiteinteilung herrscht. Gerade im Haushalt hängt davon so unendlich viel ab. Doch hiervon später sinmal mehr. p. Gratz.

Das Halten und Führen der Kinder.

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Es ist schon so viel über die Art und Weise geschrieben und gesprochen worden, wie man Kinder halten foll und besonders wie man den kleinen gefallenen wieder auf die Beinchen hilft. Und doch kann man täglich beobachten, wie leichtsinnig kleine Kinder vom Boden aufgehoben und überhaupt geführt werden.

Die meisten schlechten Siguren, so manche Verkrüppelung stammen aus der Kinderstube, denn als Krüppel werden die wenigsten Kinder

Wie man Rinder nicht aufhebt.

geboren. Die Muskeln und Knochen der Kinder find überaus zart und reagieren deshalb besonders stark auf jeden Einfluß, sei es durch zu enge Kleidung oder durch eine falsche Stellung im Stehen und Gehen. Um nun beim Sühren auf der Straße zufolge der ver. schiedenen Größen von Er. wachsenen und Kind einen Ausgleich zu finden, ist es dringend notwendig, öfter mit der führenden Band zu wechseln; dadurch wird der verschiedenen Schulterhöhe vorgebeugt.

Den größten Schaden kann das unrichtige Auf­heben des zu Boden ge. fallenen Kindes anrichten. Man darf es niemals, wie die erste Abbildung zeigt, an der Band anfassen und am Arm in die Höhe ziehen; man muß im Gegenteil mit beiden Bänden dem Kind unter die Achselhöhle greifen und es so in die Bohe heben. Durch das einseitige und schroffe Emporreißen können so leicht die zarten Muskeln und Sehnen verrenkt, bezw. auseinander gezerrt werden.

Wie man Rinder aufhebt.

Das gleiche gilt für das Sühren beim Emporsteigen der Treppe. Um ein 3erren zu vermeiden, muß das Kind vor den Erwachsenen gehen, so daß es sich in der Höhe der führenden Band befindet. Tiemals darf es hinter den Erwachsenen die Treppe hinaufsteigen, wobei ein 3erren unvermeidlich ist.

Schönheitspflege.

Wie mancher nimmt an diesem Worte Anstoß und doch ist allgemein genommen Schönheits­pflege nichts anderes als die Pflege der Gesundheit, denn jeder Schönheit muß die Gesundheit zu Grunde liegen, wie jeder gesunde Körper eine gewisse Schönheit atmet. Wir wollen den Körper und damit Gesundheit und Schönheit pflegen, um sie zu erhalten, wie wir alles pflegen, damit es nicht porzeitig zugrunde geht. Pflegen heißt, etwas in seinem natürlichen, der Zeit unterworfenen Zustand chalten, nicht aber Dinge vorspiegeln, wo keine sind oder solche, die Daseinsberechtigung hätten, perschwinden lassen.

Es ist die erste Pflicht gegenüber dem nächsten, sein Aeußeres angenehm zu gestalten auf dem olderon Mittelweg zwischen Gleichgültigkeit, bezw. nachlässigkeit und Eitelkeit und Koketterie. Diesen Mittelweg nicht zu erlassen, ist Sache unserer Selbsterziehung.

Frauen!

Anmut, die uns entgegenlacht, Jst des Weibes höchste Macht.

L. Jacobn.

Von diesem Standpnukt aus foll in dieser Rubrik die Pflege des Körpers und der Schönheit behandelt werden, um die Gesundheit der Srauen und dadurch die der kommenden Generationea zu erhalten.

Beschäftigen wir uns heute besonders mit der Pflege des Teint, dem die scharfe, rash wechselnde Srühjahrsluft manchen Schaden zufügen kann.

Wenn wir uns mit Bautpflege beschäftigen wollen, müssen wir vor allem deren Beschaffenheit kennen lernen. Man unterscheidet durchschnittlich zwei Hauptarten, den dunklen Teint der Brünetten und den hellen der Blondinen. Bei letzteren ist die Baut zarter und feiner, also armer an Sett und darum empfindlicher als die fettreichere, dunklere Baut. Diese Eigenschaften müssen wir der Wahl von Seifen, Crêmes, Salben etc. zugrunde legen.

Jm allgemeinen gebraucht der fettreiche Teint zur Pflege Eau de Cologne, Alkohol, Glnzerin und auch Benzoëtinktur, während für die fettarme Baut Salben, wie Daseline, Goldcreme und ähn liche verwendet werden müssen. In gleicher Weise muß im Bedarfsfall der Puder gewählt werden, d. h. die fettarme Baut braucht einen fetthaltigen Puder.

Um nun das Geficht den Temperaturschwankungen aussetzen zu können, ohne Schaden davon zu tragen, ist es notwendig, das Geficht abzuhärten. Sunächst darf das Gesicht weder in heißem noch in ganz kaltem Wasser gewaschen werden; nach der Behandlung mit einer guten, fettreichen Seife muß es sorgfältig in reinem Wasser abgespült und tüchtig abgetrocknet werden. Trotzdem aber soll man sich nicht vor wenigstens einer halben Stunde der scharfen Luft aussetzen. Damit fettarme Haut nicht spröde wird, fettet man sie mit den genannten Crême ein und benutzt nur bei großer Empfindlichkeit und starker Kälte Puder, der im Bause sofort mit einem weichen Lappen füchtts abgerieben werden muß.

Ein einfaches mittel, um sich die Baut weich und schmiegsam zu erhalten, besteht darin, daß man das Geficht abends im warmen Wasser tüchtig mit Seife wäscht und es hierauf etwas einfette morgens wird es dann mit kühlerem Wasser und ohne Seife abgewaschen.

Jenen, welche in der Voraussetzung, daß Seife für das Geficht schädlich sei, niemals folche verwendet, sei gesagt, daß Seife an fich nie schaden kann; es muß eben eine milde, reine Seife ohne allzustarken Salzgehalt, wie z. B. die bekannten Babyseifen, sein. Im übrigen muß man die. Wirkung einer Seife auf die Haut ausprobieren.

Sur Pflege der Bände. Um die Hände ohne besondere, zeitraubende Pflege immer weich und zart zu erhalten, darf man sie im Winter niemals in kaltem Wasser waschen. Es sollte ftets auf 28-30° C. erwärmt sein. Sind die Bände sauber, seift man fie noch einmal mit einer milden Seife ein, daß es tüchtig schäumt, gießt dann einige Tropfen flüssigen Glnzerin in die Handfläche und reibt die Hände leicht gegeneinander, worauf sie mit einem weichen Bandtuch abzutrocknen fb. Menschen mit empfindlichen Bänden sollten auf der Straße im Winter nur wollene oder Wildlederhandschuhe tragen.

Hausfrauen, deren Bände stark in Mitleidenschaft gezogen werden, tun gut, zwei. bis dreimal in der Woche folgende Prozedur vorzunehmen: Man gieße in eine kleine Waschschüssel sehr warmes Wasser, löse darin gute, schäumende Seife, füge etwa 1 Löffel Borax und Benzoëtinktur hinzu In diesem Wasser lasse man die Bände etwa 10 minuten liegen, wobei man zugleich die Baut am Tagelrand zurückschieben kann. Nach dem Waschen werden die Bände, wie oben beschrieben, mit Glnzerin eingerieben und getrocknet.

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Englische Ertravakanzen der Mode.

Die große Sportfreudigkeit der Engländerin und der dadurch auf das Einfach Praktische gelenkte Sinn hat uns manche angenehm empfundene neuerung in der Mode gebracht, so der fußfreie Rock, die schlichte Hemdbluse. Seit einigen Tagen machte fich nun wieder eine auf das Praktische gerichtete feuerung bemerkbar, wobei es fich um den Doppel Röhrenrock, bezw. das Rockbeinkleid handelt. In dem Londoner Shaftes Burg Theater erscheint in dem Stück Die Arkadier" allabend eine große, schlanke Brünette in diesem geteilten Rock auf der Bühne, stets Aufsehen erregend. Der Weg für diesen Rock ist in England bereits vorbereitet, da man dort seit längerer Beit elegante Damen im geteilten Reitroch sieht, der das Rittlings. fitzen im Sattel erlaubt. Ob er sich auch bei uns mit der Zeit durch. setzt, muß dahingestellt bleiben. Auf jeden Sall erweist er sich für den Bergsport, fowie als Straßenrock bei schlechtem Wetter als praktisch. Weniger praktisch sind die kleinen silbernen Glöckchen, die Schuh und Strümpfe, sowie den Rand des Unterrockes der Amerikanerin zieren. Selbstverständlich sind diese Glöckchen nicht mit jenen zu vergleichen, die wir unsren Schoß hündchen umhängen, obgleich der Zweck der gleiche ist. Denn hier wie dort will man die Aufmerksamkeit auf sich lenken und da heute die raschelnde Seide und der sich zart bemerkbar machende Srou- Srou der Unterkleidung fehlen, weiß sich die praktische Amerikanerin zu helfen. Ein leises Klingeln und Rauschen, wie aus weiter Serne umgibt die Damen Amerikas und sie können, je nach Laune und Stimmung, dem Rythmus ihre Lieblings. melodie zugrunde legen. Beute heiter, morgen W traurig, werden durch den Gang alle Stim. mungen verraten.

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Eine Sammelmappe.

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Die zahlreichen Duplikate, die im Zeitenlauf von Behörden an Tauf., Crau. und sonstigen Scheinen ausgestellt werden, bezeugen, daß die wichtigsten Dokumente zuweilen zu ficher" fortgelegt werden. Es sollte deshalb in jeder Samilie eine bestimmte mappe für wichtige Personalpapiere vorhanden sein. Man lasse sich eine mappe mit verschiedenen Abteilungen oder einfach Aktendechel von festem Papier anfertigen, in die man alle Scheine hineinheftet für jedes Samilienmitglied ein Sonderheft. Aus dieser Art des Aufhebens lassen fich intereffante Ueberlieferungen für spätere Generationen herstellen. Man fügt den Urkunden" des Einzelnen persönliche Erinnerungen bei, wie z. B. wichtige mitteilungen oder Briefe bei bestimmten Lebensereignissen. Diese kleinen Zutaten lassen die Persönlichkeit für die Nachkommen noch plastischer hervortreten, machen die Charakteristik zuweilen überraschend scharf. Solche mappen find leicht einzurichten und erleichtern den Samilien­mitgliedern die Kenntnis ihrer Zusammengehörigkeit, was bei Erbschaften zuweilen von großem nutzen, für die Pflege des Samilienfinnes von nicht geringer Bedeutung ist. Die Pflege jeder guten Tradition ist nützlich, der Stolz auf edle Vorfahren spornt zur Nacheiferung an, wie auch manche heilsame Lehre, manche ernste Mahnung aus folchen Samilienpapieren zu sprechen vermag. m. Weiß.

Waschen vor

Allerhand Ratschläge.

Waschen von Seidenstoffen. Alle Seidenstoffe wie Taffet, Sürrah usw. werden stets in kaltem Wasser gewaschen; natürlich handelt es sich bei dieser Wäsche nur um kleinere Stücke, wie Bänder, Schals, Reste usw. Man hocht venetianische Seife in weichem Wasser auf, wobei auf 1 Liter Wasser etwa 6 Gramm Seife gerechnet werden. Man kann dem Wasser auch Weizenkleie zusetzen. In dem erkalteten Wasser, das man zwei bis dreimal erneuern muß, werden die Stoffteile gewaschen und dann in kaltem Wasser nachgespült. Hierauf hat man, die Tücher an den Echen haltend, die Seuchtigkeit auszuschütteln, worauf sie in cin trockenes Tuch gelegt und nach etwa einer Viertel­stunde, noch feucht, mit nicht zu heißem Eisen gebügelt werden.

Reinigen weißer Wildlederhandschuhe. Diese Bandschuhe dürfen nur in lauwarmen Waffer gewaschen werden, in dem man Denetianerfeife aufgelöst hat und dem ein Guß Salmiak und ein Löffel Gel, etwa Stearinöl, zugesetzt wurde. Man läßt die Handschuhe einige Zeit darin liegen und wäscht sie dann durch, worauf fie noch einmal eingeweicht werden. Hierauf zieht man in Sasson, weitet sie aus und hängt sie an einen luftigen Ort zum Trocknen auf, nicht an den Ofen und nicht in die Sonne. Während des Trocknens hat man sie mehrmals zu reiben, damit das Leder weich bleibt. Natürlich tut man gut, stets mehrere Paare zusammenkommen zu laffen.

Beachtet, lefet und abonniert die Empfehlt bei den Geschäftsleuten die

Giessener Zeitung.

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