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von der Baronin Brinden für die Herzogin in Rußland| bestellt, aber von der Auftraggebertn nicht abgenommen worden war, zur Auktion. Bugegen waren außer den Nächstbeteiligten, der Baronin Brinden selbst und deren Bertreter, sowie dem Vertreter der Herzogin, nur we nige ernsthafte Reflektanten. Dementsprechend wurde auch nur mit geringer Lust geboten. Für 4000 M. wurde die Spigentoilette dem Vertreter der Herzogin von Ko­burg, Justizrat Rupprecht, zugeschlagen.

Untertunnelung des Aermeltanals. Die englische Presse beschäftigt sich neuerdings mit der Frage des Aer­melfanal- Tunnels. Bezüglich der finanziellen Beteilt­gung wird mitgeteilt, daß England 160 und Frankreich 200 Millionen der Kosten zu tragen habe. Diese Sum­me bezeichnen die Blätter als Maximum, um so mehr, da amerikanische Ingenieure versichert haben, die Ar­beiten unter bedeutend günstigeren Bedingungen aus­führen zu können. Französischerseits hat man sich be­reit erklärt, die Arbeiten sofort in Angriff zu nehmen, sobald England seine Zustimmung erteilt. Die Arbeiten follen in 5 Jahren beendet sein.

Todessturz eines Fliegers. Der Ingenieur Tacke aus München, der seit einigen Monaten in Schnever­dingen mit einem Eindecker neuer Konstruktion für ein Hamburger Unternehmen Flugversuche veranstaltete, ist Sonnabend nachmittag nach einem Flug von etwa zehn Minuten Dauer bei der Landung tödlich verunglückt. Es scheint, daß er, von der Sonne geblendet, eine Ge ländefalte nicht bemerkte, bei der nun der Apparat, den Piloten unter sich begrabend, sich überschlug. Die Ma­schine wurde vollständig zertrümmert, der Flieger so schwer verletzt, daß er nach wenigen Minuten, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb.

Das Ende der rotbraunen Handschuhe in der Ar­mee. Seit langem werden in der Armee Klagen über die rotbraunen Handschuhe geführt, die im Dienst von den Offizieren getragen werden müssen. Der Handschuh ist wenig dauerhaft, färbt ab, ist bestenfalls einmal zu waschen und steht nach kurzer Tragezeit unansehnlich aus. Da sich auch die von den Truppen dem Kriegs­ministerium eingereichten Berichte über die Erfahrun gen mit der felbgrauen Uniform gegen das Rotbraun ausgesprochen haben, das Schmusstreifen auf dem grauen Tuch hinterläßt, so find jetzt Versuche mit an­Bersfarbigen Handschuhen in die Wege geleitet worden. Die Abschaffung der kurzlebigen rotbraunen Uniform beigabe darf mit Sicherheit erwartet werden.

Ueber die Ehrung eines deutschen Kriegsveteranen In Frankreich wird aus Koblenz berichtet: Ein in Mayen bei Koblenz wohnender Veteran des Krieges 1870/71 steht nunmehr fett 40 Jahren mit seinen da­maligen Quartierleuten in Briefwechsel. Vor kurzem hat er nun der Einladung, nach Frankreich zu kommen, Folge geleistet und ist herzlich empfangen worden. Be sondere Aufmerksamkeiten wurden dem Veteran von dem Bürgermeister der ehemaligen Festung Péronne, zwischen Amiens und St.- Quentin, erwiesen. Der Bür­germeister und einige Stadtverordnete zeigten dem Deutschen alle neuen Sehenswürdigkeiten, und abends wurde zu seinen Ehren ein Bankett veranstaltet, wo­bet man auf die tapferen Deutschen und Franzosen trant.

Die Carnegieftiftung für Lebensretter hat in lezz­ter Beit umfangreiche Prämien ausgezahlt. Erst fest wieder erhielten ein Dienstmädchen und ein Handels­gärtner für die Rettung von Menschenleben vom siche= ren Tode des Ertrinkens te 30 M. Diefe Prämten wer­den ohne Rücksicht gezahlt, ob der Lebensretter die Ret­tungsmedaille, etne Geldbelohnung oder vom Regie­rungspräsidenten eine öffentliche Belobigung erhält. Ursprünglich nur für die Hinterbliebenen verunglückter Lebensretter bestimmt, hat die Carnegiestiftung für Le­bensretter einen Schatz zur Belohnung hervorragender Rettungstaten abgezweigt.

Die Erbschaft des Verschollenen. Vor kurzem kehrte der jetzt 71 Jahre alte Ackerer und Ziegeletarbeiter Ja­fob Dawo aus Ommersheim, Bezirk St. Ingbert, aus Amerika zurück, wo er sich ununterbrochen vierzig Jahre aufgehalten hatte. Groß war das Erstaunen des völlig mittellofen Greises, als er hörte, daß thn inzwischen seine Brüder gerichtlich für tot erklären ließen und über fein Erbteil von 4000 verfügt hatten. Der alte Mann will nun den Beweis führen, daß er seinen Brüdern von Zeit zu Zeit von seinem amerikanischen Wohnorte geschrieben habe, und daß diese also wußten, daß er noch am Leben set. Wenn ihm dies gelingen sollte, mütẞ= te dem angeblich Verschollenen sein Erbteil wieder wer­den, vorausgesetzt, daß die Geschwister noch etwas davon hinter sich haben. Vor allem aber müßte die gerichtliche Todeserklärung wieder rückgängig gemacht werden.

Die Glückszahl des Papstes. Angesichts der besorg­ntserregenden Beitungsmeldungen über das gegenwär­tige Befinden des Papstes scheint folgende Anekdote an= zudeuten, daß der Papst selbst wahrscheinlich dem Laufe der Dinge weit gelassener zusieht. Der Papst vertraut fest auf die Zahl der Musen und hat im Sommer 1903, furz bevor er Bapst wurde, einem Freunde erzählt, wie die Neun sein Leben beherrscht: 9 Jahre lang", so saate er, war ich Schulfunae, 9 Jahre lang Student in Pa­

" Was dachten Ste?" unterbrach er mich bestimmt. " Doch nicht etwa, daß ich bis heute ganz ohne Gefühl für das andere Geschlecht durchs Leben gegangen set? So töricht wird doch ein modernes Mädchen, wie Ste, Itebes Fräulein, Emmi, nicht sein! Aber das kann ich Ihnen versichern," fügte er leidenschaftlich hinzu, daß Ste meine erste wahre, meine einzige echte Liebe sind. Man sagt, trren set menschlich. Soll sich dann dies allein auf den Verstand beziehen? Ist nicht auch das Herz mannigfachen Irrtümern ausgesetzt? Das Herz, das boch Eindrücken viel zugänglicher, das doch viel leichter zu lenken ist, als der kühle wägende Verstand?"

Durch solche Reden wußte er meine Entrüstung zu besiegen, denn ich mußte mir sagen, daß er recht hatte. Und nun betchtete er mtr ausführlich das weit zurück­Itegende Erlebnis mit Minna Rant, wie ste alsmäd­chen gehetßen hatte. Es war die so vielfach sich abspielen­de Geschichte etner Studentenliebschaft, wo der männ­Itche Teil in geistiger und, sowett es in seinen Kräften steht, auch in materieller Hinsicht das gebende, der ande­re das nehmende Element tft.

In angestrengtem Studium und verhältnismäßiger Burückgezogenheit hatte Karl Waldow seine ersten Stu­Stenjahre zugebracht, als er sein neues Heim im Norden der Stadt bet der Witwe Frau Rank bezog. Es war eine von jenen Frauen, die einen unverwüstlichen Drang nach Verbesserung ihrer Lage, etn Sehnen nach höheren Regionen, in die sie gelangen möchten, besitzen, und wenn ihr selbst das auch nur mäßig gelungen war, so erhoffte sie doch für thre einzige Tochter ein folches Glück. Ste wurde in der zuversichtlichen Hoffnung, daß thr dies gelingen werde, durch die immer mehr erblü­hende Schönheit der Tochter bestärkt. Mit den zwiefach geschärften Augen des hochstrebenden Wetbes und der fltrsorglichen Mutter hatte ste rasch erkannt, daß der Kandidat der Medizin Waldom bet setnem Fletß und

dua, 9 Jahre lang Aurat in Tombolo, 9 Jahre lang Priester in Salzalo, 9 Jahre lang Domherr in Treviso, 9 Jahre lang Bischof in Mantua, 9 Jahre lang bin ich Kardinalpatriarch in Venedig, und vielleicht werde ich so lange es Gott gefällt, wahrscheinlich wie­der für 9 Jahre, da diese Zahl in meiner Laufbahn vorherbestimmt erscheint."

Papst,

Fener an Bord des Kreuzers von der Tann". An Bord des Panzerkreuzers v. d. Tann" entstand, während das Schiff im Trockenbock an der Katferlichen Werft in Kiel lag, am Sonnabend in einem im 3wi­schendeck befindlichen Aufbewahrungsraum Feuer. Die gesamte Besatzung wurde fofort alarmiert, und die Flammen, die in den dort aufgestapelten, leicht brenn baren Stoffen, wie Werg, Del und Spiritus reichlich Nahrung fanden und sich schnell ausbretteten, wurden in etwa einer halben Stunde erstickt und die Gefahr be­fettigt. Der angerichtete Schaden ist verhältnismäßig gering. Der Brand wird auf Selbstentzündung zurück­geführt.

Ein großer Schwindel mit Carnfobilletts wurde Freitag abend im Hamburger Stadttheater bei der Auf­führung des Maskenball begangen. Ein unbekannter Mann hatte sich Galeriebilletts in großer Zahl in der gleichen Farbe wie die richtigen Billetts drucken lassen und vor dem Theater verkauft. Für die Karten Iteẞ er sich bis 40 Mark pro Billett bezahlen. Erst später, als die Ueberfüllung der Galerie auffällig wurde, kam man dem Schwindel auf die Spur. Man hat jedoch die Besucher mit den falschen Billetten die Vorstellung ru= htg zu Ende sehen lassen. Der Polizet wurde fofort Anzeige erstattet. Bisher konnte der Schwindler noch nicht entdeckt werden.

Der Kampf um Benghasi.

Die militärische Promenade der Jtaltener nach Tri­polts nimmt an einzelnen Stellen der afrikanischen Küste einen etwas ungemütlichen Charakter an. Nur soweit thre Schiffsgeschüße reichen, tönnen sich die Ita­Itener an Land trauen, und auch da finden sie, wie die Vorgänge in Benghast und Derna bewiesen haben, energischen Widerstand. Am Sonnabend wurde bet Benghast eine italienische Landungskolonne von den Türken überfallen. Die Italiener verloren ihren Kom­mandanten und dreißig Mann, die Türken fünf Mann. Auch an anderen Stellen sollen die türkischen Truppen einen Erfolg gehabt und die gelandeten taltener zu­rückgeworfen haben. Die türkischen Streitkräfte bestan­den nach italienischen Meldungen außer den türkischen Truppen aus wenigstens 2000 Beduinen. Man glaubt, daß sich die türkischen Truppen mit zwölf Kanonen auf dte Hochebene zurückgezogen haben. Die Verluste der Türfen werden auf wenigstens 200 Tote und eine große Anzahl Verlegte geschäßt.

In dem hart umstrittenen Benghast, das jetzt im Best der italienischen Truppen ist, hält sich auch eine deutsche Familie, der Kaufmann Sparing, Vertreter der Leipziger Firma Weipert und Eucke mit Frau, Kind und einer Grateherin, auf, deren Schicksal bet dem Aus= bletben aller näheren Nachrichten über etwaige Verwü­stungen der Stadt durch die Beschteßung noch unge­wiß ist.

Die angeblichen Bündnispläne der Türkei.

Hinter den Kulissen der hohen Politik wird sehr aktiv gearbettet. Die Andeutung des Großwesirs, die Türket wolle Anschluß an eine der beiden großen eu­ropäischen Mächtegruppen suchen, veranlaßte am Sonn­abend fowohl den deutschen wie den österreichischen Bot­schafter, den Großwesir aufzusuchen. Freiherr von Mar­schall fonferterte mit ihm fast zwet Stunden. Darauf Sprachen beide Botschafter mit dem Minister des Aeu­Bern. Bestunterrichtete Kretse halten an der Behaup= tung feft, daß eine Annäherung der Türket an Ruß= land und England unverkennbar ist.

Die Revolution in China.

In Beting eingetroffene Nachrichten aus Hankau bestätigen, daß die Regierungstruppen nach dem Kampfe am 18. Oktober sich zurückziehen mußten. Ebenso ist das Geschwader des Admirals Sah flußab­wärts zurückgegangen. Die Hauptarmee der Regierung ist noch nicht im Aufstandsgebiet eingetroffen. Weiter ist in Peking ein Telegramm eingetroffen, daß der Jamen des Vizekönigs von Tsinanfu( etwa 200 Kilometer füd­lich von Tientsin) niedergebrannt ist. Amerika­nische Missionare in der Provinz Tschilt find von Stu­denten warnend darauf hingewiesen worden, daß mor­gen in der Nähe von Peking etne revolutionäre Bewe gung zu erwarten set. Es tst bemerkenswert, daß ähn­fiche Warnungen den Missionaren in Wutschang zugin­gen, bevor der Aufstand dort ausbrach. Konsularberichte aus Itschang, das mehrere Tage isoliert war, bestätigen die Nachricht, daß die Stadt in den Händen der Aufstän­dtschen ist. Die Furcht in der Hauptstadt ist so groß, daß man glaubt, eine ernsthafte Niederlage der tatser­Itchen Truppen würde bewirken, daß ganz China wie etne retfe Frucht den Rebellen in den Schoß falle.

dem großen Ansehen, das er nicht blos unter seinen Kameraden, sondern auch bet den Professoren genoß, eine schöne Zukunft haben müsse, und ihre Tochter der­etust als Frau etnes tüchtigen, vielleicht berühmten Arztes zu sehen, dieser verlockende Gedanke wurde so reiflich von thr erwogen, daß ihr ein Schettern thres Planes unmöglich schien. Es währte auch in der Tat nicht lange, so war der junge Mediziner ganz durch die Retze der Tochter gewonnen. Die bescheidene Zurück­haltung, in der er bisher gelebt hatte, Iteß ihn um so schneller der Verführung unterliegen. Er war von nun an häufig in der Gesellschaft von Damen, fühlte sich verpflichtet, auch für ihr Vergnügen zu sorgen, und so kam es, daß er ste öfters ausführte. Minna war in th= ren Ansprüchen inbezug auf Theaterpläge, Spetsen in den Wetnrestaurants und Geschenke durchaus nicht be= schetden, und als diese Ausgaben den dürftigen Etat des jungen Mannes weit überschritten, schämte er sich plößlich, sein unvermögen einzugestehen und griff zit dem Mittel des Schuldenmachens. Dabet quälte ihn fehr bald beständig der Gedanke, daß er bet dem kühl berechnenden Charakter des jungen Mädchens, der ihn mehr und mehr abstieß, unglücklich mit einer solchen Frau werden müsse. Endlich kam die Erlösung für thn aus dieser ebenso unwürdigen wie bedauernswerten Lage. Die Mutter, in thren Ansprüchen allzu unver­schämt geworden und ihn schon wie einen Schwieger­sohn behandelnd, der dazu berufen set, sie beide zu er= halten, brachte es unbewußt zum Bruch. Sein gerader Verstand lehnte sich gegen eine derartige Doppelherr­schaft, auf er zog von der gefährlichen Frau weg und wurde dadurch auch innerlich fret. Nur ab und zu Iteß er sich noch bei den Damen sehen, indem er die Tatsache vorschützte, daß er sehr viel durch sein Examen in An­spruch genommen set. So merkte auch Minna, daß sich sein Herz immer mehr von thr loslöste, aber sie suchte doch immer noch ab und zu ein Stelldichein mit ihm

Nach einer Meldung aus San Franzisko beträgt die von den chinesischen revolutionären Agenten bisher aufgebrachte Summe fir die Unterstützung der Revo­lution in China 10 Millionen Mart. Den Geld­gebern wird über die von ihnen geliehene Summe von ben chinesischen Agenten ein Schuldschein ausgestellt, deffen Bezahlung erfolgen soll, sobald die republikanische Regierung in China am Ruder tst.

Heute meldet der Draht:

London, 23. Oktober. Nach einer Reuter- Mel­dung aus Hankau haben sich die faiserlichen Truppen nach einem Gefecht mit den Aufständischen nach Norden zurückgezogen. In Nanchang werde noch weiter ge­fämpft.

Schanghai, 23. Oktober. Während des Gefechts am Mittwoch bei Hankau verfeuerte, in der deutschen Niederlassung aufgefundene Geschosse stellten sich bei der Untersuchung als Holzgeschosse heraus die mit Metall­farbe bestrichen waren. Dies beweist, daß die Armee­verwaltung noch ebenso forrumpiert ist, wie zur Zeit des Krieges gegen Japan. Bei der Flotte soll sich ein Mangel an Munition gezeigt haben.

Peking, 23. Oftober. Durch eine Bekanntma­chung der Regierung werden Rekruten fitr die kaiser­liche Armee gesucht. Gleichzeitig wird eine Verstärkung der Polizet um 2000 Mann angeordnet.

Stambul in Flammen.

Die Hauptstadt des türkischen Reiches ist abermals von einem großen Brande heimgesucht worden. Sonn­abend nachmittag brach das Feuer plötzlich in zwet Stadtvierteln aus und legte mehrere hundert Hänser in Asche. Ein heute aus Konstantinopel eingetroffenes Te­legramm übermittelt folgende Einzelheiten über den Brand:

Der Brand in Stambul erlosch erst gegen 2 Uhr nachts. Die Ausdehnung des Feuers ist dem Wasser­mangel zuzuschreiben. Die abgebrannten Stadtviertel sind ausschließlich von Türken, meistens wohlhabenden Leuten, bewohnt. Mehrere Konats, die persische Schule und eine Moschee sind niedergebrannt. Das Feuer brach in einem Konak aus. Die genaue Zahl der abgebrann­ten Häuser ist nicht bekannt; sie soll aber 400 übersteigen. Die Schäßungen des Materialschadens schwanken zwt= schen 200 000 und 400 000 fund. Ein Verlust an Men­schenleben ist nicht zu beklagen. Der erste Bolizeibericht: erklärt, daß das Feuer durch unvorsichtigkeit entstanden set. Während des Brandes wurden über 50 Diebe ver= haftet. Der Brand rief in Stambul große Aufregung hervor, da ein Uebergreifen auf die angrenzenden dicht bevölkerten Stadtviertel befürchtet wurde. Der Minister des Innern und der Kriegsminister erschienen auf der Brandstätte.

Das Feuer entstand im Stadtviertel Sultan- Bala­zid, einer der ältesten, kulturhistorisch interessantesten Teile Stambuls. Dort liegt eins der schönsten Bau­werke, die Bajazid- Moschee, der Zielpunkt aller Tou­risten, wo Hunderte von zahmen Tauben den Vorhof des Heiligtums bevölkern. Es ist in diesem Jahre be= reits der zweite Brand, von dem Stambul heimgesucht wird. In Konstantinovel stehen Riesenbrände von feher nicht vereinzelt da. Die größte Brandtatastrophe, die am 5. Juni 1870 ausbrach, zerstörte das Europäer­viertel Bera.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Die deutsch- französischen Verhandlungen vor dem

Abschluß.

Paris, 23. Oftober. Die der Regierung nahe­stehenden Blätter geben heute in bestimmter Form der Versicherung Ausdruck, daß die deutsch- französischen Ver­handlungen in längstens acht Tagen erledigt fein wer­den. Wetter melden die Blätter: Vorgestern abend hatte Cambon eine Unterredung mit Kiderlen- Wächter. Ge­stern wurde hier bestimmt erklärt, daß die Spitzen der betden Teile, die Deutschland im französischen Kongo zugestanden sind, den Kongofluß berühren. Jeder die­fer Tellspiben ist etwa 5 bis 6 tlom. brett. Dieser Tell der Verhandlungen kann als beendet angesehen werden. Jetzt wird noch über den Umfang der Abtre­tung vom Kamerungebiet, tm Entenschnabel, an Frank­reich verhandelt. In diesem Punkte sieht man keine großen Schwierigkeiten und erwartet deshalb, daß der ganze Vertrag Ende dieser Woche beendet und unter­zeichnet sein wird.

Sturmwetter im Kanal.

London, 23. Oftober. 60 Jachten und kleine Boote erlitten bet dem gestrigen Sturm im Kanal Schiffbruch. Die Landungsbrücken in Dover sind zum größten Teil zerstört. Man befürchtet auch den Verlust von Menschenleben.

Ermordet und beraubt.

Brünn, 23. Oftober. In Stefanau wurde eine sechzigjährige Hausbefizerin von einer mastierten Ber­fon erschossen und beraubt. Als Täter wurde der Neffe der Ermordeten ein Realschulabiturient, verhaftet.

herbetzuführen. Denn so falt und auf ihren Vorteil be­dacht auch thr ganzes Wesen war, so Itebte sie ihn doch ilure Auvo ja Examen glänzend bestanden hatte, bot sich ihm Gelegen­heit, sich in einer Provinzstadt praktisch niederzulassen, er griff zu und zeigte es den Ranks schriftlich an. Min­na sah ihn noch einmal und gab thm bet diesem Zusam­mentreffen zum Andenken ihre neueste Photographie. Es war das letztemal, daß er sie als Mdächne sah."

Fräulein Heinroth hatte das alles ziemlich rasch und lebhaft erzählt. Mit wohlklingender Stimme zeig= te sie sich als Meisterin darin, thren Gedanken Ausdruck zu geben, und der kleine alte Jurist hörte mit sichtlt= chem Wohlgefallen thre Auseinandersetzungen an. Ihr vorher so blasses Gesicht hatte sich in der Erregung mit einem leichten rosigen Schein überzogen, und er be­merkte erst jetzt, daß thre Büge nicht bloß, was ihm vorhin aufgefallen war, sehr flug, sondern auch sehr lieb­Itch waren. Als fte geendet hatte, sagte er freundlich:

Das war mir ja recht interessant, verehrtes Fräu letn, was Sie da in so offenherziger Weise erzählt ha ben. Denn es zeigt mir die Person des ein Wellchen unter so schwerem Verdachte stehenden Mannes in kla­rem Licht, und tch glaube zu sehen, daß er ein durchaus ehrenhafter und tadelloser Mann ist. Woran ich übri= gens noch nie gezweifelt habe," setzte er sich rasch verbes­fernd hinzu.

Ste blickte thn strahlend an. Nicht wahr? Und nun wird doch hoffentlich dieser gräßliche Verdacht schwin­den und dieses abscheuliche Gerede in den Zeitungen aufhören?"

( Fortsetzung folgt.)