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Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Am Freitag begann im Reichstag die Debatte über die Privatbeamtenversicherung, die erfreulicherweise eine verhältnismäßig schnelle Erledigung fand. Der Gesez­entwurf wurde in erster Lesung der ehemaligen Kom­mission für die Reichsversicherungsordnung überwiesen, nachdem sich außer der Sozialdemokratte die Redner fämtlicher Parteten zustimmend zu der Vorlage aus­Sonnabend hat der gesprochen hatten. Am Reichstag die zweite Lesung des Gefeßent= wurfs über den obersten Kolonial: und Konfulargerichtshof erledigt. Die Debatte war sehr be­wegt. Es handelte sich um die Fragen: soll in dem Ge­richt außer den vier Berufsrichtern ein wechselnder, von der Regierung zu bestimmender Verwaltungsrichter sit­zen oder nicht, und zweitens soll das Gericht nach Ham­burg verlegt werden oder nach Berlin. Die Kommission hatte dem Wunsche der Regierung gegenüber sowohl für den Verwaltungsbeamten wie für Berlin entschieden. Die an dem Gerichtshof interessierten Streife, zumal in den Kolonten, nahmen einen gegenteiligen Standpunkt ein. Die große Mehrheit des Zentrums stimmte mit der Linken gegen die Regierung, so daß nach den Beschlüs sen der zweiten Lesung der Konsulargerichtshof sich aus fünf richterlichen Beamten zusammensetzen wird, wäh­rend die Regierung nur das Recht hat, einen Sachver ständigen zu entsenden, der an den Verhandlungen von Amts wegen teilnehmen kann. Dafür hatte die Regie­rung auf der anderen Seite den Triumph, daß zum Size des Konfulargerichtshofes nicht Hamburg, son­dern Berlin gewählt wurde. Hier hatte also da sun­annehmbar", das der Staatssekretär von Lindequist im Namen des Bundesrates gegen Hamburg aussprach, den gewünschten Erfolg gehabt. Am Montag kom­men Interpellationen über die Lebensmittelteuerung zur Verhandlung.

Grafen Zeppelin gewinnen jetzt festere Gestalt. Nach Ulmer Depeschen hat die nationalliberale Partet im 14. württembergischen Reichstagswahltreise beim Gra­fen Zeppelin angefragt, ob er unter Umständen berett fet, eine Reichstagskandidatur anzunehmen. Nach der Antwort des Grafen darf mit der Annahme der Kan­didatur gerechnet werden. Auch maßgebende Kreise der Volkspartei stehen der Kandidatur sympathisch gegen­über. Unter diesen Umständen hat die nationalliberale Partet des 14. Reichstagswahlkreises beschlossen, der Volkspartet die Einigung auf diese Kandidatur vorzu­schlagen. Der Wahlkreis Geislingen- Heidenheim- Ulm war seit 1903 durch den Volksparteiler Storz vertreten, der aber kürzlich erklärte, mandatsmüde zu sein.

Eine Denkschrift des deutschen Landwirtschaftsrats zur Lebensmittelteuerung ist den Mitgliedern des m desrats und des Reichstaas zugegangen. In der Denk­schrift wird zum ersten Mal der Versuch gemacht, das gesamte Material der amtlichen Statistik über die Ent­wicklung des Bydenertrags und der Viehproduktion, fer­ner über die Bewegung der Preise und daran an= schließend über die Bewegung der Löhne in den letz­ten 30 Jahren übersichtlich dazustellen.

Im Reichstag soll demnächst eine Unterbrechung der Plenarsizungen eintreten, um der Kommission zur Be­ratung des Angestelltenversicherungsgesetzes möglichst viel Zeit zur Beratung zu lassen. Es wird deshalb be= absichtigt, nach Erledigung der noch ausstehenden In­terpellationen eine etwa zehntägige Pause eintre­ten zu lassen. Man nimmt an, daß diese Bause etwa am Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche beatn­nen und bis zum 7. November dauern werde. Gewisses wird morgen der Seniorenkonvent befchließen.

Die Parlamentswahlen in Elsaß- Lothringen. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen über die am Sonntag in Elsaß- Lothringen zum ersten Mal auf Grund der neuen Verfassung bei ganz außerordentlich reger Beteiligung vorgenommenen Wahlen zur zwei­ten Kammer sind gewählt zwet Liberale, dret Na­tionalisten, 19 Kandidaten des Zentrums, fünf Soztal­und ein unabhängiger Agrarier. Nachwahlen haben, so­weit bis jetzt bekannt. in 24 Kreisen stattzufinden.

Frankreichs Jugend und Deutschenha. bemofraten, neur Kandidaten des Lothringer Blocks

Die Schulbücher für die französischen Volksschulen find, wie der Korrespondenz Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, eine wahre Fund­grube des Chauvinismus und scheinen nichts wetter zu betreiben, als den Deutschenhaß der heranwachsenden Jugend zu fördern. Besonders in dem Moralunter­richt", der den Ersatz für den in den französischen Volks­schulen fehlenden Religionsunterricht bildet, wird meh­rere Male in der Woche aus dem Lehrbuch von Patót den kleinen Jungen und Mädchen Politik vorgetragen. In einer Schriff Revange!" hat der Deutsche Karl Reichenbach, der die Verhältnisse aus eigener Anschau­ung fennt, die Zustände genau geschildert.

So enthält z. B. nach seinen Mitteilungen das oben­genannte Lehrbuch für die Volksschulen einen kleinen Aufsatz mit dem Titel: Reizbare und strettsüchtige Na­tionen". In diesem Artikel wird ausgeführt, daß es unglücklicherweise zänkische und schlachtfüchtige Natto­nen gibt. Diese Nation ist natürlich Deutschland, das ein Verbrechen begeht, als es die Bevölkerung Elsaß­Lothringens trob thres Einspruches annettterte. Et= nige weitere Abschnitte lauten: Die Zukunft der Repu­bitt beruht auf jedem von Euch. Wenn ein feder von Euch seine Pflicht tut, wird die Republik stark genug sein, um uns eines Tages die Brüder wieder zu geben, die wir verloren haben, nämlich die Brüder von El­faß- Lothringen. Oder: Frankreich erwartet mit uner­fchütterlicher Zuversicht die Stunde der Vergeltung."

In dem Buch, aus dem die französische Schuljugend die Geschichte Frankrefths lernt, sagt der Verfasser die­ses Buches aus Anlaß der Schlacht von Sedan wörtlich folgendes: Beim Angriff auf Bazailles haben die Bayern grausame Verluste gehabt. Um sich zu rächen, verbrennen fie im Dorfe 360 Häuser, sie erschießen 100 Einwohner, darunter einen Greis von 86 Jahren, und werfen eine Frau mit ihren beiden Kindern in einen Brunnen." Zur größeren Aufmunterung der lernen­den Schuljugend ist diese schöne Beschreibung der Schlacht noch mit Bildern versehen, auf denen man se­hen kann, wie ein bayerischer Soldat ein Kind in den Brunnen schleudert, wie andere Soldaten alte Frauen zu gleichem Zwecke heranschleppen und wie deutsche Offiziere diefem Schauspiele lächelnd zusehen.

Das ist der französische Moralunterricht" und die Friedensliebe, von der die Franzosen gar nicht genug Aufhebens machen können. In dem Lehrbuch werden fernerhin die Deutschen noch mit Namen bedacht, wie " Sauerkrauteffer"," Städtebombardierer" und anderen ftebenswürdigen Ausdrücken.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser wird am 5. November als Jagdgask des Fürsten von Fürstenberg zur Teilnahme an den gro­Ben Fuchsfagden in Donaueschingen eintreffen. Die Gerichte über eine Reichstagskandidatur des

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Aus Eifersucht.

Roman von Mar Hoffmann.

( Nachdruck verboten.)

Ich vermute, daß es für Ste etwas Neues sein wird," sagte sie nach einer Pause. Ich kann Ihnen zwar nicht den verabscheuungswürdigen Täter nennen oder eine bestimmte Spur bezeichnen, auf der Ste thn finden könnten; aber ich kann doch einem Unschuldigen Hilfe bringen."

,, Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein," unterbrach er Re, habe ich das Vergnügen, in Ihnen die Tochter des Herrn Justizrats Heinroth zu sprechen?"

Allerdings, mein Herr."

,, Wenn Sie nun Angaben zu machen haben, wertes Fräulein, warum machten Sie diese nicht einfach Ihrem Herrn Vater, damit er uns die Sache mittetle?"

" Well= well" ste suchte zögernd nach Worten. Endlich rtef fie in gequältem Ton: Mein Gott, ich habe fa mit Papa darüber gesprochen, aber er ist nach met­nen Eröffnungen wie umgewandelt und will nichts mehr mit der ganzen Sache zu tun haben, während er doch vorher" ste hielt stockend inne.

Er bemühte sich, seiner Stimme einen recht schonen­den Klang zu geben. Um was für besondere Dinge Handelt es sich, wenn es nicht indiskret ist, danach zu fragen?"

Ihre Stimme zitterte merklich, als sie erwiderte: " Es ist die Verbindung, in die man Herrn Dr. Waldow mit jener schrecklichen Angelegenheit gebracht hat."

Und Sie wollen etwas gegen ihn aussagen?" Um Gotteswillen, nicht gegen thn! Ganz im Ge­genteil! Ich bin fest von seiner völligen Unschuld über­

Im zweiten Berliner Reichstagswahlkreise wurde am Sonntag von einer Vertrauensmännerversammlung der fortschrittlichen Volkspartet der bisherige Abgeord­nete für Danzig, Momsen, als Kandidat aufgestellt. Der Wahlkreis wird gegenwärtig durch den Sozial­demokraten Fischer vertreten

Die Organisation des Hansabundes umfaßt nach Mittellung des Direktoriums zurzeit 59 große Landes­und Bezirksgruppen, 624 Ortsgruppen und 1400 Ber­trauensmänner. Die Zahl der ihm angeschlossenen wirtschaftlichen Korporationen beträgt 730 aus allen Kreisen der Industrie, des Handwerks, der Detaillisten und der Angestellten.

Die Stichwahl in Konstanz wird nach amtlicher In­formation bestimmt am 27. Oftober stattfinden. Nach amtlicher Mitteilung hat Schmid( natl.) 11 439 ſtatt 11 234 Stimmen erhalten. Der liberale Vorsprung be­trägt mithin rund 1200 Stimmen.

Kleine Nachrichten.

Renß ä. L. voran! Im Fürstentum Reuß ä. L. wird eine Art von Junggesellensteuer eingeführt. In der Steuergesetzgebungsfommission des Landtages wurde beschloffen, daß ledige Personen eines bestimmten. Al­ters, die feinerlet Unterhaltungspflicht anderen gegen­über haben, einen Steuerzuschlag zahlen soll.

Kontrolle öffentlicher Tanzvergnügen. Wie die Allgemeine Hotel- Rundschau" aus unterrichteter Quelle erfährt, hat der preußische Minister des Innern bet den übriaen Bundesstaaten angeregt, in nächster Reit einmal sämtliche öffentliche Tanzvergnügungen in allen Lokalen in einer bestimmten Zeit zu kontrollte= ren. Es soll besonders Jagd auf jugendliche Personen gemacht werden.

Bekämpfung der Trunksucht in Rußland. Der rus­sische Ministerrat hat eine Gesetzesvorlage eingebracht, in der gefordert wird, die Bekämpfung der Trunksucht zur Aufgabe des Staates zu machen.

Ein portugiesischer Krenzer gescheitert. Der portu­gtestsche Kreuzer Sao Rafael" ist nördlich von Borto gescheitert und gilt als verloren. Die Besagung ist ge= rettet.

Eine fapanische Bulverfabrik ervlodiert. Am Sonn­abend ist in Tokio die staatliche Pulverfabrik explodiert. Zwölf Personen wurden getötet, neun verwundet. 4000 Kilo Pulver ſind vernichtet und zwei Gebäude zerstört worden.

Sabotage auf einem franzöfifchen Linienschiff? Auf dem Lintenschiff Mirabeau" haben infolge einer Ur­laubsverweigerung die Vorrichtungen zum Unterwasser= feßen der Munitionsräume nicht funktioniert. Die Un­tersuchung ergab die Anwesenheit von Etsenfellspänen, Glassplittern, Schmirgelvulver und anderer Fremdkör­per in den Apparaten. Die Untersuchung wurde eröff= net, dret Mann der Besatzung des Schiffes wurden ver­haftet.

zeugt und bin der Ansicht, daß er lediglich durch einen unglücklichen Zufall in die Sache verwickelt worden ist."

,, Das mag sein. Und ich will Sie gleich von vorn= herein etwas beruhigen, indem ich Ihnen erkläre, daß die Tat nicht von ihm selbst begangen sein kann. Es ist mit Sicherheit nachgewiesen worden, daß er in jener Nacht zu Hause wellte. Es handelt sich also nur um das Geld, das in seinem Bestß gewesen war. Wie kam es in seine Hände? Und warum machte er sich durch das merkwürdige Verlassen seiner Wohnung und das planlose Umherstreifen verdächtig? Nun, über das al­les denke ich morgen Auskunft zu erhalten, wenn ich thn eingehend verhöre. Der Physikus tellt mir heute mit, daß er jetzt vollständig vernehmungsfähig set."

Also ist der Herr Doktor genesen?" fragte fte mit schwach unterdrückter freudiger Erregung.

" So ziemlich. Und seine Besserung schreitet rasch vorwärts."

" Noch vor etlichen Tagen wurde ich am Kranken­haus abgewiesen, als ich ihn sprechen wollte," sagte ste schmollend.

" Das wollten Ste tun, Fräulein?" fragte er er­staunt.

" Weshalb nicht?" fragte sie unbefangen. Ich bin zu vollständiger Selbständigkeit erzogen, und meine El­tern lassen mich fret handeln, wie ich will. Ste wiffen, daß ich nichts unrechtes tue, und ich fühle mich durch thr Vertrauen zugleich erhoben und verpflichtet."

an.

Er sah ste pritfend, aber nicht ohne Bewunderung Eine neue Generation ist da herangereift, dachte er bet sich. Wenn alle Früchte so sind, wie diese, könnte man sie sich schon gefallen lassen!

,, Sie wollten mir bestimmte Mittellungen machen?" fragte er laut.

Ja, ich denke und hoffe, daß Ste Herrn Doktor Waldom nüglich sein werden."

Der Eugen Richter- Turm in Hagen wurde am Sonntag unter großer Beteiligung von Parteimitglie dern und Abgeordneten eingeweiht. Die Feftrede hielt Abgeordneter Wiemer.

Der Aeroplan in Tripolis. Sonntag vormittag führte der italienische Hauptmann Piazza auf einem Bleriotapparat in Tripolis einige Flüge aus, die unter den Arabern großes Erstaunen und heftigen Schrecken hervorriefen.

Volkswirtschaftliches.

Zur Bekämpfung der Güterschlächteret ist von den Bauern der Dorfgemeinde Subingen ein Boykott ins Werk gesetzt worden, dem sich die Bauern des gesamten Landkreises anschlossen. Hier waren die Güterschlächter ganz besonders eifrig am Werke. Die Bauern beschlossen Barum, zur Selbsthilfe zu greifen. Bet der Landverstet gerung enthielten sich nun alle Bauern eines jeden An­gebotes. Aus den Nachbargemeinden des Landkreises waren über 100 Bauern erschienen, die auch den Boy­tott über die Güterschlächter verhängt hatten. Der Zu sammenschluß der Bauern hatte zur Folge, daß die Ver­steigerung der Ländereten völlig ergebnislos verlief. Die Selbsthilfe war also von größter Wirksamkeit.

Aus den Gerichtssälen.

Das Urteil im Becker- Prozeß. Die Straffammer des Landgerichts Stettin verurteilte den früheren Rit tergutsbesizer Becker auf Bartmannshagen wegen Be leidigung des Grimmer Landrats v. Malzahn in dret Fällen zu einer Gesamtstrafe von dret Monaten Ge­fängnis. In zwei Fällen erfolgte die Freisprechung. Der Schutz des Paragraphen 193 mußte dem Angeklag ten versagt werden. Strafverschärfend wurde angenom men, daß die Beleidigung nicht in der Hiße des Wahl­fampfes gefallen ist und der Angeklagte ein gebildefer Mann ist, der die Tragweite seiner Aeußerungen zu ermessen vermag. Auf der anderen Seite wurde zugebil­ligt, daß er nach seiner besten Ueberzeugung gehandelt habe und daß er durch verschiedene Verfügungen des Landrats in dieser Hinsicht bestärkt worden set. Die Kosten werden, soweit Freisprechung erfolgte, der Staatstaffe auferlegt. Vom Landgericht Greifswald war Becker bekanntlich zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

Das Reichsgericht über die Talonstener. Das Reichsgericht entschied in Uebereinstimmung mit dem Landgericht und Oberlandesgericht Rostock in dem Pro­zeß der Mecklenburgischen Hnvotheken- und Wechselbank mit dem Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Kreditver­ein, daß der Kreditverein mit Rücksicht auf die von ihm ausgegebenen Pfandbriefe die Talonsteuer selbst zu tragen habe. Es ist damit nun endgültig festgestellt, daß die Talonsteuer nicht von dem Besitzer, sonderm vom Aussteller der Wertpaptere getragen werden muß.

Zum Tode verurteilt. Der Arbeiter Mämecke aus Alrode im Braunschweigtschen, der beschuldkat mar, set­ne beiden Kinder ermordet zu haben, wurde vom Schwurgericht in Braunschweig wegen vorsätzlicher und überlegter Tötung zum Tode und 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Frau Mämecke ist wegen vorfäßlicher Tö­tung ohne Ueberleauna in zwei Fällen zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden.

Vermischtes.

Ein Bitterfelder Realschüler erschossen anfgefunden. Der 15jährige Oberrealschüler Gustav Genzel in Bitter feld mitrde in der Wohnung seiner Eltern erschossen auf­aefunden. G. ist der Sohn des Gefangenenauffehers am Amtsgericht. Seine Eltern find angesehene und beliebte Leute. Der funge Mann galt allgemein als ein begab­ter und fleißiger Schüler. Man forscht vergeblich nach irgendwelchen Ursachen, die die ganze Sache aufflären könnten, so daß die Frage, ob unglücksfall oder Selbst­mord vorliegt, wohl überhaupt unentschieden bleiben wird. Der funge Mann hat noch an dem Morgen, an dem das Unalück geschah. mit seiner Mutter zufammen am Kaffeetisch gesessen, ohne daß irgendwelche Anzeichen von nichtschen Störungen an ihm zu bemerken waren.

Ein schweres Verbrechen ist Donnerstag abend in Hamburg in letter Minute verhindert worden. Ein 21= fähriger Bankter war im Begriff, fetne funge Frau, mit der er sich vor zwei Monaten in London verheiratet hatte, in der Elbe zu ertränken um eine Versicherung auf deren Lebert von 300 000 Mark zit erhalten. Ein Chauffeur, dem für seine Mitwirkung 10 000 Mark ver­sprochen waren, hatte den Blan verraten, so daß die Kriminalpolizet den Mann noch verhaften konnte, ge­rade als er in Blankenese im Begriff stand, mit seiner Frau ein Motorboot zu besteigen, von dem aus die Frau ertränkt werden sollte.

Die Versteigerung der Snikentoilette. In der Bfandkammer in der Neuten Schönhauser Straße zu Berlin kam am Freitag vormittag die vielumstrittene Spitzentoilette der Herzogin von Koburg, die seinerzett

Er mußte lächeln. Das zit entscheiden, muß ich allerdings Ihrem Gefühl überlassen, mein Fräulein, da ich noch keine Ahnung von dem habe, was Sie mir sagen wollen."

Ich dachte nämlich an die Möglichkeit, daß Herr Doktor Waldow wieder auf Ihre Fragen die Antwort verweigern würde und daß er dann doch Unannehmlich­ketten haben könnte-"

" Das muß ich Ihnen freilich bestätigen. Ist er wieder so verstockt wie bet seinem ersten Verhör, so bleibt nichts weiter übrig, als thn in Untersuchungshaft zu nehmen."

,, Nein, nein," rief ste erregt, das darf nicht sein! Darum will ich sagen, was ich weiß und thn dadurch gewissermaßen zur offenen Aussage zwingen. Ich weiß, er schweigt nur aus übertriebener Ehrenhaftigkeit, um jene Frau noch nach dem Tode zu schonen. Hter aber hat die Pflicht des Schweigens ein Ende, wo es sich um seine eigene Ehre handelt. Also hören Ste! Schon vor langer Zett, als wir uns gegenseitig unsere Herzen ausschütteten, und ohne es auszusprechen, entdeckten, daß sie sich entgegenschlugen, erzählte er mir viel von seinem früherem Leben. Und als tch thn dann unter an derem fragte, weshalb er nte in etne Gesellschaft gehe, auf der Frau von Marleben zugegen set, und ob er sich vor thr fürchte, da sah er mich verdrießlich an und sagte: " Diese Frau hat einst eine Rolle in meinem Leben ge­sptelt."

Ste haben sie geliebt?" rief ich empört.

Ich weiß nicht, ob es Liebe war," versetzte er be­flommen. Aber eine gewisse Neigung habe ich setner­zett für sie gehabt, die sich allerdings bald verflüchtigte, als ich sie näher kennen lernte."

,, Und das wagen Ste mir zu sagen?" rief ich voller Entrüstung. Ich dachte-"

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