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Eine Liebestragödie im Passagierluftschiff. In dem Bassagierluftschiff, das täglich von der Luftschiffhalle in St. Louis aufsteigt und sich eines großen Zuspruches er­freut, spielte sich, wie aus Neuyort geschrieben wird, vor einigen Tagen eine eigenartige Liebestragödie ab. Das Luftschiff weist nach dem Muster der Deutschland" eine Passagiertabine auf, die auf beiden Seiten weite Fenster hat. Unter den Passagieren befand sich auch ein Franzose François Delcrozier, der in Begleitung einer Dame an bem Fluge teilnahm. Während die Frau sich lebhaft an den Gesprächen der Passagiere beteiligte, blidte der Mann stets mürrisch vor sich hin. Er schien nur einen jungen Mann, den Amerikaner What, argwöhnisch zu beobachten, mit dem sich die junge Frau des öfteren ziemlich intim un­terhielt. Die fröhliche Unterhaltung der Passagiere wurde plötzlich durch eine schreckliche Szene unterbrochen. Del­crozier sprang ganz unvermutet auf, stieß einen Fluch aus und zog blitzschnell einen Revolver aus der Tasche, mit dem er auf seine Frau und auf den Amerikaner zwei Schüsse abgab. Während der Verwirrung, die jetzt entstand, ver­suchte er sich aus dem Luftschiff in die Tiefe zu stürzen. Die Passagiere und die Luftschiffleiter stürzten sofort hinzu, um den Wahnsinnigen von seinem Vorhaben abzubringen und die Sicherheit der Fahrt nicht zu gefährden. Es ge­lang, den Rasenden zu bändigen und ihn so lange festzu halten, bis er von den Bedienungsmannschaften des Luft­Schiffes gefesselt werden konnte. Glücklicherweise war die Dame ohne jede Verlegung geblieben, während der junge Mann einen leichten Streisschuß erhalten hatte.

Das Drosselnest in der Laterne. Auf dem Hofgarten bes Schöneberger Polizeipräsidiums befindet sich über der Hoftüre eine große sechsscheibige Gaslaterne, die seit Jah­resfrist, nach Errichtung der elektrischen Beleuchtung, außer Betrieb gesetzt ist und an der eine Scheibe fehlt. Diesen Umstand hat sich ein Schwarzdrosselpaar, das in den letzten beiden Jahren in einem inzwischen gefällten Kastanten­baum nistete, zunuze gemacht und sein Nest diesmal in der Laterne gebaut. Aus den Fenstern des Polizeipräsidiums Fönnen die Beamten jetzt beobachten, wie in dem haus" das Drosselweibchen brittet.

Glas­

Der Amtsstil entwickelt in allen Kulturländern mert würdige Wortgebilde. Die österreichische Steuerbehörde hat einen Karlsbader Kurarzt deshalb höher eingeschäßt, weil seine Patientel" zumeist sehr vermögenden Frem den besthe. Bei dieser Schöpfung wird die erfindungs­reiche Steuerbehörde nicht stehen bleiben. Sie wird dem­nächst dem Wiener Scharfrichter eine höhere Einschätzung augehen lassen, weil sich seine Delinquentel" in den letzten Jahren stark vermehrt hat.

Der

Des Riesen Abschied. Aus Wien wird den Münch. N. N." geschrieben: Die vielumstrittene Frage, wer wohl der größte Mann des Jahrhunderts ist, kann jezt als gelöst angesehen werden. Weder Graf Zeppelin, noch der Polar fahrer Peary, noch Max Reinhardt können ihren Anspruch auf diesen Ehrentitel gleich überzeugend darlegen, wie der Russe Feodor Machnow, der dieser Tage nach einem vier­wöchigen Aufenthalt in Wien von unserer Stadt Abschied nimmt. Der biedere Ruffe hat zwar nicht den Nordpol er­reicht, auch nicht den Ruhm eines Pioniers der Luftschiff­fahrt oder eines Pfadfinders auf dem Gebiete der Regie­kunst, wohl aber eine Größe von 2 Metern und 78 Benti­metern: so daß er füglich behaupten kann, er überrage seine Zeitgenossen um mindestens eines Meters Länge. Riese, der zweifellos beseelt von gewissen verwandtschaft­lichen Gefühlen für den Stefansturm nach Wien ge= kommen ist, hat als Mann von Welt auch den Zeitungs­redaktionen Besuche abgestattet. Und da konnte man es deutlich sehen, daß es heute ebenso wenig angenehm ist, wie au Swifts Betten, den Gultser im Lande der Zwerge zu pielen. Er kam trotz strenger Kälte in einem Auto gefahren, ( denn in einem geschlossenen Wager hätte er feinen Platz gefunden), verfolgt von fleinen und großen Gassenbuben, tteg mit einem Schritt über den Chauffeur hinweg, der die Wagentüre aufmachen wollte, und trippelte mit ängstlich vorsichtigen fleinen Zweimeter- Schritten durch das weit ge­öffnete Tor ins Haus. Langsam und gebückt ging er über die schmerzlich knarrenden Dielen, stieg troß der größten Vorsicht mit seinem Schädel die Türpfosten entzwet, be schädigte ein wenig die Drähte der elektrischen Leitung und wagte erst wieder den Kopf zu erheben, als er in den fiche­ren Hafen des Redaktionszimmers eingelaufen war. Und nun endlich konnte, nachdem sich der hohe Gast auf den stärksten Seffel niedergelassen hatte und der Interviewer einen Stuhl bestiegen hatte, von Angesicht zu Angesicht ein Bokalaugenschein vorgenommen werden. Der Riese, der ein merkwürdig kindliches, sympathisches Geficht besitzt, ließ etn wenig verlegen die wortreichen Erklärungen seines Impre= sarios über sich ergehen. Einen Zylinderhut, in dem fich ein normal gebauter 12jähriger Knabe bequem einquartte­ren fönnte, etnen Stegelring, durch den ein Fünffronen= Stück gemütlich hindurchgleitet, nennt Feodor Machnow, der sich während der Zeit seines Wiener Aufenthaltes in einem Banoptikum einquartiert hatte, sein etgen. Und auch sein Appetit ist von ähnlich überlebensgroßen Dimensionen: so versicherte wehmütig lächelnd der Impresario. der für feine Ernährung sorgen muß. Nur ku einer Beziehung gleicht er allen übrigen Menschen. Dieser fürchterliche Riese besitzt eine niedliche kleine Frau und hübsche Kinder von normaler Größe. Und wenn sein gutmütiges Aussehen nicht trügt, dann kann man ruhig annehmen, daß der Koloß unter einem winzigen Pantoffel bequem Platz gefunden hat. Das Weinberglein der Witwe. In einem bekannten aber ungenannten Weinorte der unteren Haardt in ber Rheinpfalz erhielt nach Besichtigung der abgeriebenen Wingerte das Wort kommt von Weingarten her

-

eine Witwe, die auch ein kleines Weingärtlein besitzt, von der hohen Oberkontrollkommission folgenden Befehl: Die Witwe und Weinbergbesitzerin N. N. wird nach Besichti gung ihres Besigtums von der Oberkontrollkommission auf­gefordert, ihr hinteres Teil besser abzureiben."

Im Bahnhofs- Restaurant. Passagier: Das Bier ist heute famos!" Wirt: Und ob! Der Dicke da in der Ecke hat schon dreimal an seine Frau telegraphiert: Anschluß verpaẞt"."

ermäßigte sich auf 32 Kilometer. Um nicht direkt bei Ge­genwind zu fahren, wurde beschlossen, von der Bahnlinie Berlin- Hannover, die bisher als Wegweiser gedient hatte, abzufchwenken und in deren Nähe zu freuzen. Gegen Mit tag war bei Isenbüttel der Wind aber außerordentlich hef= tig geworden, das Luftschiff fam faft gar nicht von der Stelle, wurde mehrmals vom Winde gedreht, und man befürchtete, die Zwischenstation Minden, wo gelandet und übernachtet werden sollte, nicht mehr zu erreichen. Kurz vor Isenbüttel hatte Oberleutnant Stelling einen Defekt am Leinensystem bemerkt, und er beschloß, um die Mannschaft nicht in Ge­fahr zu bringen, an möglichst geeigneter Stelle in der Heide eine kurze Landung vorzunehmen, um den Schaden zu re­parieren. Die Landungsstelle war aber schwer zu finden, denn man befand sich tief in der Heide mit Sümpfen und Waldbestand. Als das Luftschiff endlich zur Erde ging, wur­de es in 10 Meter Höhe von einer schweren Böe erfaßt, breit­seits gedrückt und mit aller Kraft auf die Erde gestoßen, wo­bet der hintere Tell der Ballonhülle in den Bäumen hängen blieb und die Hülle einen großen Riß bekam. Die Mann­schaft in der Gondel wurde durcheinandergeworfen, mehrere Personen fielen bet dem starken Aufstoßen aus der Gondel, und der Führer Oberleutnant Stelling und ein Ober­maschinist wurden an den Beinen verlegt. Die Gefahr, in welcher die Mannschaft schwebte, erkennend, hatte der Füh­rer sofort die Reißleine gezogen, um ein Wiederaufsteigen und Forttreiben des Luftschiffes durch den Wind zu ver­hindern. Die beiden Leichtverletzten wurden in eine nahe­gelegene Jagdhütte transportiert, wo ihnen ein bald hinzu­kommender Arzt einen Verband anlegte. Allmählich trafen auch die Zuschaver aus der Umgegend an der Unfallstelle ein; Bahn- und Plantagenarbetter waren bei dem Zusam­menlegen der Ballonhülle behilflich und machten sich bei den Aufräumungsarbeiten nützlich. Durch das starke Aufstoßen der Gondel waren Gestänge und Stabilisierungsflächen schwer beschädigt, die Motore sind jedoch tntakt geblieben. Während des Nachmittags war die Unfallstelle von Neu­gierigen stark umlagert; die Gendarmerie mußte Absper­rungen vornehmen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit war das Luftschiff vollständig auseinandergenommen und die einzelnen Teile konnten nach dem 10 kilometer entfernten Bahnhof Isenbüttel geschafft werden.

Oberleutnant Stelling ist über seinen Mißerfolg sehr ntedergeschlagen; er hatte bestimmt gehofft, mit dem Luft­schiff spätestens Sonntag in Amsterdam sein zu können, wohin ihm seine Gattin schon vorausgeellt ist. Er hatte sich auf Anraten der Meteorologen zu der Fahrt entschlossen, dte gutes Wetter für die nächsten Tage festgestellt hatten. Das Luftschiff soll in Bitterfeld schleunigst repariert und dann die Fahrt mit hoffentlich besserem Erfolg wiederholt werden.

Auf schiefer Bahn.

Die Unterschlagungen bei der Deutschen Bank beschäftigten am Freitag die Straffammer in Berlin. An­geklagt waren wegen fortgesetter Unterschlagungen bezw. Begünstigung der Oberkaffterer Gustav Höfling, der Raffierer Richard Krause, der Kassierer Friz Giese und der Kaufmann Frit Weber. Letzterer befindet sich auf fretem Fuße, während die dret anderen aus der Unter suchungshaft vorgeführt wurden. Der Anklage liegen bet der Deutschen Bank verübte Unterschlagungen in Höhe von 78 500 M zugrunde. Die Angeklagten waren mit Ausnahme Webers in der Depofitenkaffe der Deutschen Bank in der Königstraße angestellt; sie führten sich nach leder Richtung hin tadellos, sodaß ihnen großes Bertrauen entgegenge bracht wurde. Spiel und Nennwetten waren die Triebfeder zu einer Rethe von Vergehen, die die bisher unbescholtenen Leute vor den Staatsanwalt brachten. Um die schon vor Jahren begonnenen Unterschlagungen zu verdecken, wurde folgende Methode angewandt:

Auf irgend eine Weise wurde bet der Bank stets vor­her bekannt, wann die Reviston stattfinden sollte. Die An­geklagten behielten dann einfach von den vorher einge­gangenen Geldern Beträge in Söhe der bisher begangenen Unterschlagungen zurück und legten sie in ihre Kasse. Wenn dann die Revisionsbeamten erschienen, wurde diese in schön­ster Ordnung befunden. Als schließlich die vorhandenen Eingänge nicht mehr zur Dedung der Unterschlagungen ausreichten, belasteten sie das Konto eines größeren Konto inhabers zum Schein mit dem entsprechenden Betrage; nach der Revision wurde dann bem betreffenden Inhaber der Betrag wieder gutgeschrieben, so daß auch in dieser Bezie­hung keine Entdeckung zu befürchten war. Ueber die fe­wetlige Höhe der Unterschlagungen wurde von den Ange­tlagten genau Buch geführt. Als die Unterschlagung end­lich durch einen Zufall zur Entdeckung kam, ergriffen Krause und Giese die Flucht. Beide fuhren nach Antwerpen; von dort aus setzte sich Krause mit dem ihm befreundeten Mit­angeklagten Weber telephonisch in Verbindung und bat um Geldmittel, da thnen das Reisegeld ausgegangen war. Weber fuhr auch nach Antwerpen und überbrachte den Flüchtlingen 1300 M zur Fortsetzung der Flucht. Hierin er­blickte die Anklage eine Begünstigung. Von Antwerpen aus flüchteten die beiden nach Lille, wo ihre Verhaftung er­folgte, nachdem Weber der Kriminalpolizei ihren Aufent­halt mitgeteilt hatte.

Das Geständnis der Angeklagten.

Die unterbrochene Fernfahrt des P. 6. Börsenspekulationen eingelassen, wozu ihm Gelder feiner

Die am Freitag früh von Berlin unternommene Fahrt des Parseval 6 nach Amsterdam hat, wie gemeldet, kurz nach Mittag bei Isenbüttel in der Provinz Hannover ein jähes Ende gefunden. Ueber das Mißgeschick des Ballons über­mittelt der Sonderberichterstatter des Hannov. Cour." seinem Blatte folgende Einzelheiten:

Infolge eines Defektes am Leinensystem war man mit­tags zu einer Landung gezwungen. Durch widrige Winde wurde dabei das Luftschiff erheblich beschädigt und die Fahrt fonnte nicht fortgesetzt werden. Wie der Führer des Par­feval", Oberleutnant Stelling, mitteilte, war die Fahrt von Berlin bis Debisfelde schr leicht, und das Luftschiff fuhr anfänglich mit 50 Kilometer Stundengeschwindigkeit. Gegen 10 Uhr vormittags wurden die Winde lebhafter und schwere Böen machten dem Luftschiff viel zu schaffen. Von Stunde zu Stunde nahm der Wind an Heftigkeit zu, der Führer, der anfangs das Luftschiff in 150 Meter Höhe ge­halten hatte, ging auf 30 bis 40 Meter Herunter, in der An­nahme, in dieser Höhe das Luftschiff beffer vorwärts bringen zu können. Eine Zeitlang ging auch alles gut, das Tempo

Der Angekl. Giese erklärte, daß er zunächst durch Berleihen von Geldbeträgen aus der unter ihm stehenden Kaffe an Beamte auf eine schiefe Ebene geraten fet. Erst als er wahrnahm, daß der ihm gegenüberfibende Krause, der ein Konto auf der Bank hatte, allerlei Manipulationen auß­führte, die auf Täuschung der Revisoren berechnet waren, und von diesem zum Stiüschweigen gebeten wurde, habe er sich dazu hergegeben, auch für sich Beträge aus der Kaffe zu entnehmen. Er habe damals ein festes Gehalt von 2900 M und Nebeneinnahmen in Höhe von etwa 700 M gehabt. 8u­erst habe es sich um kleinere Beträge gehandelt, dann sei aber das Defiatt immer größer geworden, und er habe an­gefangen, mit Kraufe zusammen zu wetten, um das Defizit glatt zumachen. Das set leider nicht gelungen. Der Ange­flagte Krause ist nach seiner Angabe zunächst Buchhalter, dann Oberbuchhalter und schließlich Kassierer gewesen. Er behauptet, nur ein Gehalt von 132 M monatlich bezogen zu haben, das sich durch Nebeneinnahmen bis auf 150 M gesteigert habe. Damit sei er nicht zurecht gekommen und habe sich, um sich etne Nebeneinnahme zu verschaffen, auf Verwandten zur Verfügung gestellt worden waren. Er habe dabet aber immer Nackenschläge erhalten, und er sei immer ttefer hineingeraten. Dann habe er es mit Renn­wetten versucht, sei aber immer weiter hinabgeglitten. Von Jahr zu Jahr fet das Defizit, für das er aufzukommen habe, größer geworden; er habe ganz unsinnig zu wetten angefangen und täglich Beträge bis zu tausend Mark ver­wettet. Schließlich habe das Manfo 50 000 M betragen. Er habe jedoch nicht die Absicht gehabt, die Bank zu schädigen und geglaubt, daß er in der Lage gewesen sei, die von ihm entnommenen Gelder wieder zu ersetzen. Der Angeklagte Weber ist nur beschuldigt, seinem zukünftigen Schwager Krause Beistand geleistet zu haben, um ihn der Bestrafung zu entziehen. Er gibt alles unumwunden zu. Höfling behauptete, daß er ein Anfangsgehalt von 8150 M bezogen habe und daß er durch Krankheit seiner Frau und seines erstgeborenen Kindes zu den Unterschlagungen veranlaßt worden sei. Er habe seine Ehe schon mit Schulden begon­nen und set schließlich von Krause, auf dessen Schuldkonto Unterschlagungen in Höhe von etwa 50 000 M fallen, zut den Veruntreuungen verleitet worden.

Das Urteil

lautete gegen Höfling auf 1 Jahr 6 Monate, gegen Krause auf 2 Jahre und gegen Giese auf 1 Jahr 6 Monate Ge fängnis. Weber wurde zu einer Geldstrafe von 30 M wegen Begünstigung verurteilt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Staat und Kirche in Portugal.

Lissabon, 22. April. Nach Mitteilungen aus der Provinz ist die Bekanntgabe des Trennungsgesetzes mit freudigen Kundgebungen aufgenommen worden. Der Re­gierung sind aus dem ganzen Lande zahlreiche Glückwunsch­telegramme zugegangen.

Verschwörungen gegen die portugiesische Republik. Oporto, 22. April. Ein Sergeant und ein Korporal sind unter dem Verdacht verhaftet worden, an einer Ver­schwörung gegen die Republik beteiligt zu sein. Auch meh rere Zivilpersonen sind festgenommen worden.

Fez von den Aufständischen gestürmt. Madrid, 22. April. Die Regierung hat ein aus Cita datiertes Telegramm erhalten, wonach ein gestern dort ein­getroffener Eingeborener, der von Tetuan kam, versichert, die Rebellen hätten Fez im Sturm genommen und die ganze maroffanische Garnison niedergemeßelt. Der Sultan habe sich in das französische Konsulat geflüchtet.

Streikausschreitungen in Hamburg.

Hamburg, 22. April. Gestern abend trafen 20 Mann Arbeitswillige aus Kiel ein. Sie wurden sofort von den Posten der seit Mitte März streikenden Tischler angehalten, und als die Aufforderung, gemeinsame Sache zu machen, Ablehnung fand, wurden sie von den Streifenden über­fallen. Es entstand auf dem Platz vor dem Bahnhof eine allgemeine Schlägerei, bet der sich auch Passanten aktiv be­teiligten. Die Polizet verhaftete sämtliche Streikposten. Bahlreiche Personen sind verletzt worden.

Verschollene deutsche Dampfer.

Hamburg, 22. April. Drei Slomann- Dampfer Pa­Termo, Slovenia und Genua sind gestern von dem Seeamt als verschollen erklärt worden. Die Schiffe, die in seetüch­tigem Zustand sich befanden, sind in den schweren Stürmen an der spanischen Küste vom 8.- 12. Dezember untergegan­gen, wobei über 60 Seeleute und fünf Fahrgäste, Angehörige des Sentorchefs der Reederei, den Tod in den Wellen fanden.

Eine Rabenmutter.

Bremen, 22. April. Eine böhmische Fabrikarbeiterin in Delmenhorst wurde wegen Kindesmordes verhaftet. Ste tötete ihr Kind nach der Geburt durch Stiche in den Kopf und die Brust und übergoß es dann mit Petroleum, um es zu verbrennen. Das gelang aber nicht, worauf fie gleichmütig zur Arbeit ging und abends die Leiche im Bor­kenhäuschen an der Graftpromenade trug, wo sie Spazier gånger fanden. Die Mörderin soll bei ihrem Geständnis ihren Schwager, einen Arbeiter, als Vater des Kindes an­gegeben haben, der sich darauf erhängte.

Vom Zuge überfahren und getötet.

Bezdorf, 22. April. In Niederschelderhütte wurde der Versicherungsreisende Nenn aus Klafeld, als er eine Straße überschreiten wollte, von einem Zuge der Gruben­bahn von Storch in Schönebeck erfaßt und so schwer verletzt, daß er alsbald starb.

Ein Raubmord in der Silvesternacht aufgedeckt. Cöln, 22. April. Auf der Heimkehr von einem Silvester­ball war hier der 19fährige Sohn des Rentmeisters Borjan aus Fürstenberg in Westfalen verschwunden. Nach längerer Bett meldete sich die Frau eines Bäckermeisters, die mit­teilte, ste habe gesehen, wie ein junger Mann, der sich in Begleitung einer jungen Dame befand, in der Nacht von awei Männern niedergeschlagen worden set. Später hätten dte Männer den anscheinend Leblosen auf den Rücken ge­nommen und in den Rhein geworfen. Diese Mitteilung hat jetzt insofern eine Bestätigung erhalten, als die Leiche des Verschwundenen unter einem Floß im Rhein gefunden wurde. Das Geld und die Wertsachen des jungen Mannes waren verschwunden. Da er bei seinem Verschwinden über 200 Mark bei sich trug, scheint es sich zu bestätigen, daß er von fenen zwei Männern im Bunde mit einem Mädchen be= raubt, ermordet und dann in den Rhein geworfen wor= den ist.

Folgenschwerer Zugzusammenstoß.

Posen, 22. April. Auf dem Bahnhof Schneidemühl stießen ein Personenzug und ein Güterzug zusammen. Vom Personenzug entgleisten die Maschine und drei Wagen, vom Güterzug fünf Viehwagen. Der Lokomotiv- and der Zug­führer vom Personenzun sowie acht Reisende erlitten Ver­legungen.

Folgenschwerer Unfall einer Artillerieabteilung. Breslau, 22. April. Von einem schweren Unfall wurde das hiesige Feldartillerieregiment Nr. 6 heimgesucht. Gestern mittag hatte eine Batterie zu einer furzen Rast ein Bauerngehöft in Mochborn aufgesucht. Die Mann­schaft lagerte zum Teil auf der Erde, als durch einen Scharfen Windstoß ein Scheunentor zugeworfen wurde. Die Pferde eines Geschützes wurden dadurch scheu und rissen die anderen mit sich. Die Pferde raften mit dem schweren Geschütz über die zum Teil ruhenden Mannschaf­ten hinweg, wobei neun Soldaten verlegt wurden. Dem Kanonier Berger ging das Geschütz direkt über die Brust, so daß ihm mehrere Rippen in die Lunge drangen und er bald nach seiner Einlieferung ins Lazarett verstarb. Ein zweiter Soldat erlitt einen Oberschenkelbruch und eine Schädelverlegung, die anderen sieben wurden leichter ver­letzt. Ein Pferd stürzte und mußte erschossen werden. Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene Kanonier Berger hatte schon im vorigen Jahre einen Unfall er­litten, wobei er ein Schienbein brach.

Attentat auf einen Konsul.

Sofia, 22. April. Der hiesige englische Vizekonsul Hardie machte gestern einen Spazierritt außerhalb der Stadt. Unweit der Pionierkaserne famen mehrere Apachen in einem Wagen herbei und feuerten auf den Vizekonsul zahlreiche Schüsse ab, von denen aber feiner traf. Der Konsul gab dem Pferde die Sporen und jagte davon. Später gelang es, einen von den Attentätern in der Per­son eines 20jährigen Burschen zu fassen.

Französische Truppen für Marotto.

Paris, 22. April. Im Marseiller Hafen herrscht Seit 24 Stunden eine lebhafte Bewegung. Außer den 500 Mann Kolonialinfanterie, die aus Toulon, und den 180 Mann Kolonialinfanterie, die aus Perpignan eingetrof fen sind, werden dort im Laufe der nächsten Tage noch weitere 2000 Mann Truppen verschiedener Waffengattun= gen und 600 Pferde eingeschifft werden. Diesem Transport wird gleichfalls mit der Bestimmung Casablanca noch ein anderer folgen und zwar dirett von Algier aus, wo 1000 Mann, 124 Pferde und 100 Maulesel zur Einschiffung bereit sind. Von Toulon ist ein Transportschiff mit einer Abteilung Kolonialtruppen nach Marokko abgegangen. Der Dämon Gold.

Nenyork, 22. April. Das Schaufenster eines Juwelier, ladens am Broadway wurde durch schen gewordene Pferde zertrümmert. Die Polizei hatte Mühe, die Menge abzu. halten, Edelsteine und Schmucksachen, die auf der Straße lagen, an sich zu nehmen.