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Deutsche Kriminalisten.

Die gegenwärtig in Berlin tagende deutsche Landes­gruppe der internationalen kriminalistischen Vereinigung hat sich in außerordentlich interessanter Weise mit dem Vor­entwurf des zukünftigen Strafgesetzbuches beschäftigt. Die meisten Redner, in erster Linie der hochangesehene Kriminalist Geh. Justizrat Professor Dr. v. Liszt, erflär­ten, daß der Entwurf trotz mancher Schwächen und Fehler eine Reihe von großen Vorzügen aufweise und insbesondere eine geeignete Grundlage für ein weiteres Arbeiten bilde. Der Entwurf hat eine Reihe von kriminalpolitischen For­derungen, die von unseren besten Kriminalisten seit langer Beit erhoben werden, in weitem Umfange berücksichtigt, wie die bedingte Verurteilung, die Rehabilitation, die be­sondere Behandlung der vermindert zurechnungsfähigen, die Maßregeln für Trunksüchtige usw. Die Strafbestim mungen sind, wie Geheimrat Liszt ausführte, kurz und knapp gehalten. Dem freien richterlichen Ermessen ist der größte Spielraum gelassen, eine Tatsache, die der Referent, Geheimrat v. Liszt besonders lobend erwähnte.

denheit zwischen dem Reichskanzler und dem Staatssetre­tär Delbrück inbezug auf die elsah- lothringische Frage wissen wollten. Ist schon die Annahme grundfalsch, der Reichskanzler fönnte in einem Scheitern der Vorlage für sich einen Anlaß zum Rücktritt sehen, so ist es geradezu blödsinnig, ihm unterschieben zu hollen, er werde in diesem Falle einen Mitarbeiter zum Sündenbod machen, der sich mit aller Kraft um das glückliche Gelingen des Werkes be= müht hat." Ueber weitere Rüdtrittsgerüchte lesen wir im B. T.", daß für den Fall eines Scheiterns der elsaß- lothrinigischen Verfassungsvorlage der Statthal­ter Graf von Wedel von seinem Posten zurücktreten werde, während andererseits versichert wird, daß Staatssekretär Zorn von Bulach nur das Zustandekommen des Entwurfes abwartet, um sich dann ins Privatleben zurückzuziehen.

Die Vernehmung des Cölner Pfarrers Jatho vor dem Oberkirchenrat in Berlin hat am Freitag stattgefunden. Die Aussagen Jathos über seine seelsorgerische Tätigkeit und über seine Stellung in und zu seiner Gemeinde in Cöln wurden zu Protokoll genommen. Nunmehr steht ihm zur Abgabe weiterer Erklärungen noch eine Frist von vier Wochen offen. Nach Ablauf dieser Frist und nachdem even­tuell noch weitere Zeugen vernommen sind, erfolgt die Uebergabe der Aften an den Vorsitzenden des Oberkirchen­rats und des Spruchkollegiums. Dieser beraumt dann den Termin zur Hauptverhandlung vor dem Spruchkollegium an, die in etwa 5 bis 6 Wochen zu erwarten sein dürfte.

Mit vollem Recht wurde in der Versammlung die For­derung erhoben, daß gleichzeitig mit dem zukünftigen Straf­gesetzbuch der Strafvollzug einheitlich geregelt wird. In dieser Beziehung wurden aus der Mitte der Versamm­lung eine ganze Reihe von humanen Wünschen geäußert. So wandte sich u. a. der Wirkliche Geheime Oberregierungs­rat Dr. Krohne, die erste Autorität auf dem Gebiete des Gefängniswesens, gegen das nach seiner Ansicht nur schlecht wirkende Haupthaar- und Bartabschneiden bei den Buchthäuslern. Man darf, so meinte er, niemals das auch bei den schwersten Verbrechern noch vorhandene Ehrgefühl abstumpfen. Noch radikaler äußerte sich der Professor Graf Gleispach Prag, der sich überhaupt für die Beseitigung der Zuchthausstrafe aussprach, weil sie mit den Besserungs­bestrebungen der Internationalen kriminalistischen Vereini­gung im schärfsten Widerspruch steht. Echt humanistische Anschauungen waren es auch, die der berühmte Breslauer Verteidiger Justizrat Dr. Mamroth, in der Versamm­lung äußerte. Er tadelte den heutigen Vollzug der Un= tersuchungshaft, der für die Gefangenen häufig eine viel schlimmere Strafe als die Strafe selbst darstelle. Ju­stizrat Mamroth beklagt auch die Demütigungen, die oft unseren Untersuchungsgefangenen unnüberweise in den Gefängnissen zugefügt werden. Er sieht die Ursache in der Willkür der Gefängnisbeamten und ein bischen auch in der Willkür der die intersuchung führenden Richter. Die Briefkontrolle und die Kontrolle der Unterhaltung der Un­tersuchungsgefangenen mit ihren Angehörigen findet er in vielen Fällen übertrieben rigoros.

Bezüglich der im zukünftigen Strafgesetzbuch geplanten Strafverschärfungen war es außerordentlich inte­ressant zu hören, daß, wie der Geh. Justizrat Meter= Dresden mitteilte, sich die sächsische Regierung im Bundes­rat gegen die Strafverschärfungen: Dunkelarrest, hartes Lager usw. ausdrücklich ausgesprochen hat. Geheimrat Meter ist der Ansicht, daß, wenn derartige Straf= verschärfungen wirklich im Strafgesetzbuch aufgenommen werden, sie bei der nächsten Revision wieder beseitigt werden müssen.

Wegen bedentender Unterschlagung amtlicher Gelder verhaftet wurden in Siegen( Westfalen) die Postassistenten Thomas und Stieving vom Postamte Gladenbeck. Thomas machte einen vergeblichen Selbstmordversuch.

Beim Umschaufeln von Getreide, das in großen Maffen aus einem Speicher herabgeschüttet wurde, geriet der Ar­beiter Neumann in Königsberg i. Pr. mit einem Fuß in ein Loch der Diele, aus dem er sich nicht befreien konnte. Der Bedauernswerte wurde so von den nachfolgenden Ge­treidemassen rebendig begraben. Nach zwei Stunden wurde erst sein Fehlen bemerkt. Man fand seine Leiche schlteh­lich nach largem Mühen unter dem Getreideberge.

Die hessische Wahlrechtsänderung gesichert. Der Wahl­rechtsausschuß der ersten hessischen Kammer beschloß bezüg= lich der noch bestehenden Unstimmigkeiten bei der Wahl­rechtsvorlage, den Beschlüssen der zweiten Kammer in allen Punkten beizutreten. Damit ist die Annahme der Vorlage gesichert. Durch die Vorlage wird bekanntlich anstelle der indirekten die direkte Wahl und eine Alters­pluralstimme eingeführt.

Wenn man auch nicht hoffen kann, daß alle in der Ver­sammlung geäußerten Anregungen bei den maßgebenden Kreisen Anklang finden werden, so darf man doch von der zukünftigen Reform des Strafgesetzbuches manches Gute erwarten.

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Vom Spiel in den Tod. In einer Laubenkolonie zu Charlottenburg spielte eine Anzahl Kinder, unter denen sich auch die vierjährige Tochter eines Tischlers befand. Beim Laufen kam die Kleine zu Fall und stürzte kopfüber in eine in die Erde eingegrabene Tonne, die fast bis zum Rande mit Wasser gefüllt war. Ehe das Kind herausge zogen werden konnte, war es ertrunken.

Eine Familientragödie hat sich in Hverde( Westfalen) abgespielt. Der Fabrikarbeiter Schollas erschoß wegen zer rütteter Familienverhältnisse seine Ehefrau. Er wurde, ehe er Hand an sich selbst legen konnte, verhaftet.

Ein Offiziersaustausch zum Studium der Organisa­tion und Taktik ist von Berlin aus vor einiger Zeit bei Desterreich Ungarn und Italien angeregt worden. Zu­nächst sollen deutsche Offiziere nach Desterreich- Ungarn und Italien, und dann österreichisch- ungarische und italienische Offiziere nach Deutschland gehen. Bei den Heeresleitungen der drei Staaten besteht die Absicht, nur erfahrene Offi­ziere zu kommandieren. Uebrigens soll der Plan für die Einführung des Systems der Austauschoffiziere auch in England, Frankreich und Rußland bestehen. In Frank­reich erwartet man hiervon nebst rein militärischen auch politische Vorteile.

Die letzten Nachwahlen zum Reichstage fönnen jetzt als abgeschlossen gelten. Sollte wirklich noch ein Mandat erledigt werden, so wird es kaum zu einer Er­fabwahl so kurz vor den Neuwahlen kommen. Es haben außerordentlich viele Nachwahlen stattgefunden, nämlich 45. Es sind also etwa 12 v. H. aller Mandate erneuert worden. Bet 29 von diesen Nachwahlen behaupteten die beteiligten Parteien ihren Besitzstand. Im übrigen gestaltete sich das Ergebnis der Nachwahlen folgendermaßen:

Aus den Gerichtssälen.

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Verurteilung eines Fortbildungsschülers. Ein Berli­ner Fortbildungsschüler wurde kürzlich mit 14 Tagen Ge= fängnis bestaft, weil er den Anordnungen eines Lehrers nicht Folge gegeben und sich dem Lehrer, als dieser ihn aus der Schulbank und Klaffe entfernen wollte, tätlich widersetzt hatte. Die vom Vater beim Reichsgericht eingelegte Re­vision gegen das Erkenntnis der Strafkammer wurde zu rückgewiesen, so daß das Urteil zur Vollstreckung gelangen und der junge Mann die Gefängnisstrafe zu verbüßen ha= ben wird.

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Hat der Fortbildungsschullehrer das Züchtigungsrecht? Diese leidige Frage hat wieder einmal, wie aus Gleiwit berichtet wird, das Gericht zu entscheiden. Der angeklagte Lehrer steht seit 18 Jahren im Schuldienst und unterrichtet sett 6 Jahren auch in der Fortbildungsschule. Seine Vor­gesetzten stellten ihm das beste Zeugnis aus. Zuletzt unter­richtete er die Fleischerlehrlinge, die sich ganz außerordent­lich frech benahmen. Schließlich sah er sich gezwungen, von seinem vermeintlichen Züchtigungsrecht Gebrauch zu ma chen, und dafür wurde er von dem Vater eines Lehrlings angezeigt. Es wurde vom Gericht festgestellt, daß der Leh­rer das Züchtigungsrecht, das dem Volksschullehrer zu steht, nicht überschritten habe. Er glaubte sich auch im Recht, da das Reichsgericht in einer aus den Reußischn Landen stammenden Klage am 10. April 1902 entschieden hatte, daß das Züchtigungsrecht auch dem Fortbildungsschullehrer zu­stehe. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte auch die Gleiwißer Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen den beschuldigten Lehrer nicht erhoben, wenn nicht die Oberstaatsanwaltschaft in Breslau zu der Feststellung gekommen wäre, daß die er­wähnte Reichsgerichtsentscheidung nur für die Reußischen Lande, nicht aber auch auf Preußen zutreffe, weil in dem letteren Staate die Fortbildungsschule nicht wie in Reuß auf der Volksschule aufgebaut ist, sondern einem besonderen Ministerium unterstehe. Die Gleiwißer Straffammer fam zu einem Freispruch, well sich aus der Hauptverhandlung ergeben habe. daß auch ein Fortbildungsschullehrer unbe­dingt das Recht der Züchtigung haben müsse, und der Ange­flagte sich im übrigen korrekt benommen habe. Die Staats­anwaltschaft hat aber, um eine prinzipielle Entscheidung herbeizuführen, beim Reichsgericht Revision angemeldet.

Das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat in Portugal wird demnächst veröffentlicht werden. Die Republik gewährleistet die Gewissensfreiheit und hebt die fatholische Religion als Staatsreligion auf. Der öffentliche Kultus wird gewissen Beschränkungen unterworfen. Die Lasten des Kultus werden von Kultusvereinigungen ge­tragen. Die Vereinigungen dürfen sich nicht in die Er­ziehung und den Unterricht mischen. Das Gesetz bestimmt dann Näheres über die Gebäude und Kirchengüter. Die Kathedralen und Kirchen, die als notwendig angesehen werden, werden den Vereinigungen unentgeltlich für den Kultus überlassen. Den Priestern, die zur Zeit der Er­flärung der Republik im Amte waren, werden Ruhege­hälter zuerkannt. Päpstliche Erlasse dürfen ohne Erlaub­nis der Regierung nicht veröffentlicht werden.

Die So zi a idemokraten gewannen 9 Mandate und verloren keins. Die Fortschrittliche Volk8­partet gewann 2 und verlor 2 Mandate. Die Natio= nalliberalen gewannen 3 und verloren 6 Mandate. Das Zentrum gewann 1 und verlor 1 Mandat. Die Welfen gewannen 1 und verloren kein Mandat. Die Antisemiten verloren 3 Mandate und die Konser= vativen 4 Mandate, beide Parteien eroberten kein neues Mandat. Einen wirklichen Gewinn haben also nur die Sozialdemokraten und die Welfen erzielt.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Die Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt des Staatssekretärs Delbrück, die von vornherein als völlig haltlos betrachtet werden mußten, erfahren jetzt in der " Köln. 3tg." in einer anscheinend offiziösen Auslassung eine scharfe Zurüdweisung. Das Blatt meldet in einem Berliner Telegramm: Wir sind bereits den falschen Ges rüchten entgegengetreten, die von einer Meinungsverschte

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümce. ( Nachdruck verboten.)

Das Vorgehen Frankreichs in Maroffo erzeugt in Madrid nachhaltige Erregung. Die Erklärung der Regierung, daß Spanien nicht eingreifen werde, wenn seine nordafrikanischen Besizungen unbehelligt bleiben, be= ruhigt wenig, denn man befürchtet, daß die neuen franzö­sischen Operationen Marokko in solche Wirren stürzen wer­den, daß Spanien, ob es will oder nicht, zu den Waffen werde greifen müssen.

Nachdem er sich soweit gefaßt, daß er wieder flar denten konnte, schrieb er an Hardi einen langen Brief. In aller Bescheidenheit sprach er darin seinen Verdacht aus und beschwor den Herrn Leutnant, als Edelmann zu handeln und einem Unglücklichen aus unverschuldetem Elend zu retten.

Kleine Nachrichten.

Eine große Tropfsteinhöhle, die wunderbare Steinge­bilde zeigt, ist bei dem Dorfe Thalheim im Westerwald entdeckt worden. Es ist bisher nur gelungen, 25 Meter in die Höhle rorzudringen, da herabfallendes Gestein wei­teres Vordringen verhindert. Der Ausblick zeigt aber, daß fich die Höhle sicher mehrere hundert Meter in das Innere der Erde erstrect.

Wie Hardi in den Besitz des Schriftstückes gelangte, da mußte sein erster Gedanke sein: der gute Raben hat sei­nen Verstand verloren! Der Worte in dem Briefe waren eben zu viele, und der Sinn war darum nicht so ganz tlar.

Der vermißte Usedomer Bürgermeister Trömel, der be­fanntlich vor einiger Zeit in Paris ermittelt wurde, ist in der Nacht zum Freitag bei seiner Familie wieder in Usedom eingetroffen. Wie es heißt, ist gegen ihn das Dis­ziplinarverfahren eingeleitet worden.

Kurz und bündig schrieb er deshalb zurück, daß er nicht der Dieb wäre, Herrn Raben aber, nach dem, was sich an jenem Abend zugetragen, gern den Verdacht verzeihe.

Die Sperre des Berliner Viehhofs, die am 15. April wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche verhängt worden war, ist am Freitag nach Beendigung der vorge­schriebenen Desinfektionsarbeiten wieder aufgehoben wor­den.

Was er zur Aufklärung tun fonnte, sollte geschehen. Nach seiner Meinung wäre ein solcher Verdacht geradezu lächerlich. Ein schwacher Trost, wie alles lag. Erna war zu ihren Eltern, die einstweilen im Dorf eine sehr be­cheidene Wohnung gemietet hatten, zurückgekehrt. Sie wußte alles, wußte auch, daß der Vater unschuldig war, benn sie kannte ihn und hatte auch unbegrenztes Ver­trauen zu ihm.

Vermischtes.

Durch Konfekt vergiftet. Das bei dem Kaufmann August Kurda in Guttentag in Schlesien bedienstete Kin­derfräulein Ziegler war während der Osterfeiertage zu Besuch bei seinen Verwandten in Beuthen. Bei seiner Rückkehr brachte es aus Beuthen Konfekt mit, von dem es furz vor dem Schlafengehen und davon auch dem Dienst­mädchen gab. Beide Mädchen wurden am anderen Mor­gen tot aufgefunden. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte Bergiftung fest. Durch Zufall wurde noch ein schwereres Unglück verhütet. Das Kinderfräulein wollte auch den drei Kindern des Kurda von dem mitgebrachten Konfekt au fosten geben. Frau Kurda verbot es ihm aber. Konturs eines Karnevalspräsidenten. Aus Cöln wird dem ,, B. L.-A." berichtet: Aus Gesundheitsrücksichten legte hier, wie es in einer öffentlichen Ankündigung hieß, als­bald nach dem diesjährigen Karneval der langjährige Lei­ter einer angesehenen Karnevalsgesellschaft sein Amt nie­der. In Wirklichkeit geschah es, weil 24 Stunden später der allgemein im Rufe eines reichen Mannes stehende Prä­fident in Konkurs geriet und bekannt wurde, daß ihn eine Schuld von über 200 000 M drückte. Zahlreiche kleine Leute, die ihre ganzen Ersparnisse hergaben, sind, da in der Masse höchstens 6-7 Prozent stecken, an den Bettel­stab gebracht. Eine hiesige Bank ist angeblich mit 24 000 Mark engagiert. Wahrscheinlich wird sich auch das Ge­richt mit dieser Angelegenheit zu befassen haben.

hatte er nur ein bedauerndes Kopfschütteln. Die Sache läge so, daß daran nichts zu ändern wäre, meinte er.

Am nächsten Morgen schrieb er Erna sehr kurz und fühl, daß er es unter den traurigen obwaltenden Um­ständen für das Beste halte, die Verlobung aufzuheben. Sie hätte ja doch nie die Liebe für die ihn empfunden, die er als Bräutigam billig hätte fordern können, und nach dem, was vorgefallen, wäre seine Geduld erschöpft.

Erna weinte darum feine Träne, sie sah in Wolters­dorfs Brief vielmehr in allem Unglück ein Glück und dankte dem Himmel, daß es so gekommen. Für ihren Vater frei­lich war das ein neuer harter Schicksalsschlag.

Trotzdem Woltersdorf wußte, daß seine Braut wieder bei den Eltern war, hatte er sich nicht sehen lassen. Ein Bufall aber fügte es wenige Tage nach Ernas Heimkehr, daß sie dem Elenden vor dem Dorfe begegnen sollte. Er begrüßte ste äußerst liebenswürdig und entschuldigte sein Fernbleiben mit der Ueberbürdung, die seine neue Tä­tigkeit als Rentmeister und Inspektor ihm auferlegt. Jh­tes Vaters Geschick bedauerte er mit recht dürren Worten und auf ihre Frage, ob er sich denn nicht berufen fühlte, alles aufzubieten, daß man den wahren Täter entdeckte,

Um den Lebensunterhalt und die Miete bestreiten zu fönnen, sahen Rabens sich gezwungen, von ihrem Haus­gerät und von allem, was ste sonst besaßen, alles nur ir­gend Entbehrliche zu verkaufen. Not und Sorgen hatten fein Ende. Erna wollte, sobald die Mutter sich ein we nig erholt, eine Stelle als Klavierlehrerin oder als Stüze annehmen, um auch Geld zu verdienen. Hans schrieb ganz verzweifelt.

8. Kapitel.

Wieder siegte das Mitleid über die Entrüstung! Der arme betrogene Hardi! Wie würde der niedergeschla­gen sein! Unbedingt mußte er ihn trösten und ein paar Tage bei ihm bleiben, trotzdem der älteste Sohn ihn sehn­süchtig erwartete.

Hardi war von der bitteren Enttäuschung, die ihm miderfahren, lange nicht so schwer betroffen als durch die Kunde von des Rentmeisters traurigem Geschick.

Auf seiner Reise ins Ausland machte der General in der Residenz ein paar Tage Station, um Hardi zu be­suchen und zu trösten. Er wußte nämlich bereits, daß aus den kühnen Heiratsplänen nichts werden würde, da der Assessor von der Komtesse bevorzugt worden war und es bereits öffentlich erzählte, daß er mit derselben verlobt wäre. Die offizielle Verlobung würde gefeiert werden, so­bald der Graf von der Reise zurückgekehrt set. So hatte man dem General noch wenige Stunden vor seiner um einige Tage verzögerten Abreise berichtet. Er war außer sich gewesen bei der Mitteilung.

Der Besuch des Vaters war ihm höchst willkommen, und das erste, was er nach der herzlichen Begrüßung sagte, galt dieser Angelegenheit. Wie konntest Du nur glauben, Papa, daß ein so altbewährter, treuer Mensch Dich be­stohlen haben sollte! Wie können wir dieses fürchter­liche Unrecht wieder gut machen?- Hier, lies Rabens Brief! Mich hält der arme Mensch für den Täter, und, nachdem ich reiflich über die Sache nachgedacht habe, liegt sein Verdacht sehr nahe. Lies nur erst, dann werde ich Dir alles erklären."

Es ist, als ob die ganze Hölle gegen mich losgelassen wäre!" hatte er ausgerufen. Alle meine Hoffnungen werden vernichtet! Enttäuschung über Enttäuschung, Lug und Trug überall!"

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Der General als einmal, las zweimal und dreimal, schüttelte den Kopf und konnte nur ausrufen: ,, Da steht mein Verstand still! Rätsel über Rätsel!"

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Papa, aus diesem Brief geht doch ganz deutlich her­vor, daß Raben vollkommen frei von jeglicher Schuld ist. Oder glaubst Du, traust Du ihm zu, daß dies hier Komödie sein soll?"

Er erzählte dann der Wahrheit gemäß, daß er an jenem Abend auf dem Schloß gewesen, um zweitausend Mark zu holen. Daß dieselben nicht zur Deckung neuer Schulden, sondern für einen Zweckt sein sollten, über den er leider schweigen müßte. Auch daß der Rentmeister sich trok seiner dringendsten Bitten geweigert, ihm Geld zu geben, da er es seinem Herrn früher einmal hätte ver­sprechen müssen, verschwieg Hardi nicht.

( Fortsetzung folgt.)

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