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Weihnachten im Weißen Hause.
den Vereinigten Staaten der Truthahn. Sucht bei Dame des Landes" nicht mit einer Schürze am Küchenuns der Ürmste seine letzten Groschen für ein Bäumchen herd, und statt der alten farbigen ,, mammies" in ihren zusammen, so gibt der Amerikaner den letzten Dollar baumwollenen Kleidern und bunten Kopftüchern ist ein für einen Truthahn aus, und der arme Neger, scheut ,, Chef de cuisine" und ein Heer von weißgekleideten sogar vor der Bekanntschaft mit dem Strafrichter nicht Unterköchen und anderen Assistenten in der Küche des zurück, um sich auf verbotenem Wege in den Besitz des heißbegehrten Festbratens zu setzen.
Seit der Erbauung des„ Weißen Hauses" hat der Truthahn auf keiner Weihnachtstafel gefehlt. Die Chronik berichtet von zwei besonders fetten ,, hand raised and hand fed" Truthähnen aus dem Fairfax- Bezirk in Virginien, die beim ersten ,, Christmas dinner" im , Weißen Hause" verzehrt wurden. Das war im Jahre 1800, als dort Abigail Adams als„ Erste Dame des Landes" präsidierte. Der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, John Adams, war im Oktober 1800 in das damals gerade
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" Weißen Hauses" tätig. Aus dem substantiellen Weihnachtsessen der Kolonialzeit ist ein Dinner up to date geworden. Gerichte mit für die Amerikaner unaussprechlichen französischen und italienischen Namen haben das geröstete Spanferkel mit dem Apfel im Maul, das gebackene Possum nach VirginiaArt und den Pudding von ,, Indian corn" mit Butter und Sirup verdrängt. Statt des Pop corn, der gerösteten „ Kastanien" des selbstgemachten Sirupzuckerwerks usw. gibt es heute importierte Käsearten, Südfrüchte und andere fremde Erzeugnisse als Dessert. Dolly Madison, die Gattin des vierten Präsidenten der Vereinigten Staaten, überraschte ihre
Das ,, Weiße Haus" in Washington.
vollendete, Weiße Haus" gezogen. Frau Abigail Adams galt für eine musterhafte, neu- englische Hausfrau, aber die Einrichtungen in dem neuen ,, Landespalast" waren so dürftig, daß die Präsidentengattin nicht ein noch aus wußte und das erste Weihnachtsfest im
, Weißen Hause" unter etwas ungemütlichen Umständen gefeiert wurde. Die großen Zimmer fonnten nur schwer erwärmt werden, die Beleuchtung ungenügend, und die Kücheneinrichtungen ließen viel zu wünschen übrig. Außerdem herrschte
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Weihnachtsgäste mit einem selbst zubereiteten ,, Rabbit potpie"( RaninchenPastete), zu dem thre farbige Röchin „ Tante Hannah" das Rezept geliefert hatte. Auf Dolly Madison ist auch die Sitte zurückzuführen, dem gerösteten Spanferkel einen glänzenden roten Apfel ins Maul zu stecken. Pyramiden von roten Äpfeln bildeten in der Kolonialzeit neben Zeder= und Stechpalmenzweigen den Hauptschmuck der Weihnachtstafel im Weißen Hause". Heute zieren kostbare Blumenarrangements, goldene und silberne Aufsätze sowie eine Auswahl der feinsten Kristallgläser und wertvollsten Porzellangeschirre die Weihnachtstafel.
Arbeitszimmer des Präsidenten im Weißen Hause.
eine fürchterliche Zugluft. Trotzdem nahm das erste Weihnachtsessen einen animierten Verlauf. Die Gattin des Präsidenten hatte selbst in der Küche gewaltet und mit Hilfe der farbigen mammies( Köchinnen) ein vortreffliches Weihnachtsmenü zusammengestellt. Heute entsprechen die Kücheneinrichtungen des„ Weißen Hauses" allen modernen Anforderungen. Der Truthahn wird nicht mehr wie im Jahre 1800 über einem lodernden Herdfeuer am Spieß geröstet, sondern im gut geheizten Bratofen hergerichtet. Auch steht heute die ,, Erste
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Es ist Sitte für jeden neuen Präsidenten, nach den Bestimmungen der jeweiligen„ Ersten Dame des Landes" ein neues Porzellanservice anfertigen zu lassen. Das bisher benutzte Geschirr wird dann auf dem Boden verpackt. Als Frau Roosevelt in das„ Weiße Haus" 30g, bestellte sie ein aus 1320 Stücken bestehendes Tafel
Hüben und drüben.
es klang so mild und feierlich durch den Raum, als ob wirklich ein Engel durch das Zimmer geflogen wäre. Sie sangen's bis zu Ende und der Alteste sang wacker mit; die praktische Erziehung, die nichts von Weihnachtsmann und Christbaum wissen will, vermag doch nichts gegen den Zauber dieser herrlichen Melodie. Sie sangen's bis zu Ende und Großmütterlein freute sich des Zaubers, den das Lied ausgeübt. Rasch, ehe die Kinder aus ber Weihnachtsstimmung den Weg in die nüchterne Wirklichkeit zurückgefunden, spann sie den Faden ihrer Erzählung und schilderte in leuchtenden Farben die Herrlichkeiten, die das Christkindchen aufgestapelt hat, die prachtvollen Spielsachen, die lieblichen Leckereien, die kostbaren Geschenke damit hatte sie es aber herzlich schlecht getroffen. Wenn fie glaubte, daß sie ihren Enkeln mit den Herrlichfeiten imponieren konnte, die sie in jungen Jahren einst entzückt hatten, wenn sie von den plumpen, einfachen Puppen schwärmte und den grob aus Holz ge schnitten Tieren der Arche Noah und den schwerfälligen Holzsoldaten, die auf der Schere marschierten, und den viereckigen, grell bemalten Eisenbahnen, den struppigen giftiggrünen Bäumen und
den komischen Häusern, deren bunter Anstrich sich zu bereit= willig den kleinen Fingerchen und Mäulchen mitteilte, wenn sie von all diesen Herrlichfeiten vergangener Tage erzählte, dann rümpften die Kleinen verächtlich die Näschen.
„ Liebe Großmama," sagte das Mädchen, ich war vor ein paar Tagen mit Mama im Christkindchen- Laden; da könntest du Puppen sehen! Weißt du, wenn heutzutage eine Puppe nur Mama und Papa sagen kann, das ist schon gar nichts mehr; ich habe dort eine gesehen und gesprochen, die eine ganze Rede hält, die hat nämlich einen fleinen Phonographen in der Brust."
" Das soll gewiß eine Suffragette sein!" bemerkte der allweise Bruder.
Weihnachtseinläufe.
Der älteste hielt es an der Zeit nun seinersetts auch das Neueste aufzutischen:„ Ihr müßt mal die prachtvollen Maschinen und Modelle sehen, die haufenweise ausge Und alles mit stellt sind. elektrischem Betrieb; es ist für einen Jungen schon nichtz Besonderes mehr, wenn er zu Weihnachten einen kleinen Motor bekommt oder ein richtiges Miniaturtelephon. Da gibts noch ganz andere Dinge: drahtlose Telegraphen, richtige Kinematographen, elektrisch betriebene Druckerpressen, Unterseeboote und Luftschiffe, Dreadnoughts mit Torpedoausrüstung und automatischen Geschützen. Sogar ein großmächtiges Modell eines der neuesten OzeanSchnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, die zwischen Deutschland und Amerika verkehren, das bis in die kleinsten Details stimmt, kann man im Spielwarenladen kaufen."
Ein verschneites Blockhaus im Westen.
,, Früher galt es auch als etwas Besonderes, wenn eine Puppe die Augen schließen konnte. Das ist nun schon was Altes, Großmama; jetzt hat man Puppen, die so gut kokettieren wie wirkliche Mädchen."
Die erste Ausfahrt im Weihnachtsgeschent.
Der Alten, mit ihrem in der Anspruchslosigkeit einfach gebliebenen Menschenverstand, summte und brummte der Kopf von all den Neuigkeiten; nun wundert es sie freilich nicht mehr, daß die Kinder von heute über die Märchen hinaus sind.... und sie sah ein, daß es nicht einmal der Kinder Schuld, daß es der Fehler der modernen Erziehung" mit ihrem ins Unglaubliche gesteigerten Raffinement ist.
„ Kinder" sagte die Großmutter ,, bas muß aber doch eine Unmenge Geld kosten?"
,, Großmutter, was es fostet, geht uns nichts an, dafür hat ja Papa sein Checkbuch" rief der Älteste.
Großmütterchen hatte genug gehört; sie besaß soviel gesunden Menschenverstand, um zu wissen, daß man die Menschen so nehmen muß, wie sie sind, nicht wie sie sein sollten.
Es war dunkel geworden in dem Zimmer, und die Großmutter hatte es nicht bemerkt und die Kinder hatten es nicht bemerkt, denn in ihrem Herzen glühte und strahlte die Weihnachtsfreude.
Es klingelte!
Die Türen öffneten sich, in Glanz und Pracht und Herrlichkeit strahlte der Weihnachtsbaum; würziger Tannenduft und Wachsferzengeruch legte sich wohlig auf die Nerven und im Chor flang es durch den Raum:„ O du selige, o du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit!"


