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Unsere finanzielle position.

Gegen böswillige Ausstreuungen des Auslandes.

Gegenüber den in lezter Beit vom Auslande ver­breiteten Nachrichten über die finanziellen Verhältnisse und den Stand der Banten in Deutschland tann nach einer offiziösen Erklärung der Noród. Allgem. 8tg. nicht scharf genug betont werden, daß sie durchweg der Begründung entbehren und zumeist auf ein bireftes Uebelwollen gegen Deutschland zurückzu führen find. Sie begannen mit der Beurteilung der scharfen Rüdgänge an einer der lezten Börsenwochen, obgleich bereits vorher in Paris, ferner in London, Neu­gort und Brüffel sich gleichartige Schwierigtetten im Börsenverkehr gezeigt hatten. Am Berliner Blaze sind die damaligen Kursverluste überwiegend bereits wieder eingeholt worden; ebenso sind die gleichzeitig auftreten ben Gerüchte von umfangreichen Angstabhebungen bei den Sparkassen nicht ernst zu nehmen und schießen weit über das Biel hinaus; denn tatsächlich find fie rein( q. taler Natur und ohne die geringste Bedeutung. Die Abhebungen insgesamt bei den in Betracht kommenden pter Sparkassen beziffern sich auf einige Mil­( tonen Mart gegenüber einem Einlagebestand von ca. 16 Milliarden Wart bet den Sparkassen überhautp.

Die finanzielle Lage Deutschlands hat thre 28tder­standskraft in der letzten Bett zur Genüge u. a. darin erwiesen, daß die hierher gegebenen ausländischen Guthaben, die anfangs des Jahres auf fast 800 Millionen geschätzt wurden, bis auf einen geringen Be­stand zurud gezahlt worden sind, ohne daß der hte­fige Gelomartt irgendwelche Erschütterungen erlitten hätte. Im übrigen hat es fich babet wiederum im Ge­gensatze zu den hierüber verbreiteten Meldungen, ket neswegs um Kündigungen des Auslandes, sondern le­Diglich um ohnehin fällige Verbindlichkeiten gehandelt. Die Diskonterhöhung der Reichsbant war allseitig er­wartet worden und tritt fast alljährlich um diese Beit ein, weil gerade der Septembertermin nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in allen anderen Ländern tr den Geldmarkt eine schwere, oft sogar die schwerste Beit im Jahre bedeutet.

mache. Es ist dies das erstemal, daß in Paris sowohl Deutschlands Rechte in Marotto als auch die auf Kom­pensationen offen anerkannt werden, und schon daraus vermag mor den Stimmungsumschlag zu erkennen, der dort Plaz gegriffen hat.

Die Kompenfationen.

Baris, 22. September. In den Kreisen der Be­rufspolitiker zeigt sich jetzt eine gewisse Neigung, ein­zelne Mitglieder des kabinetts, besonders den Premier­minister Caillaur dafür verantwortlich zu machen, daß Frankreich ein so überaus erhebliches Stid des Kongo opfere. Auch an dem Verhalten des Botschafters Cam­bon, welcher angeblich nicht standhaft genug gewesen fet, wird kritik geübt.

Die belgische Nationalbank war mit ihrer Herauf­Jetzung der Bankrate schon vorangegangen. Die deutsche Reichsbant folgte und ihr werden in allerfürzester Zeit alle anderen europäischen Zentralnotenbanken sich an­Ichließen. Es ist damit zu rechnen, daß der diesmalige Quartalsauswets sich für uns etwas schwieriger ge taltet als sonst, weil die fremden Gelderfehlen, ba jedes Land mit sich zu tun hat. Aber Besorgnisse außergewöhnlicher Art brauchen wir nicht zu hegen. Es muß um so mehr mit aller Entschiedenheit gegen Nach­richten Front gemacht werden, die den Stempel dér Beunruhigung und der B 68 will tgtett nur zu deut­lich an der Stirn tragen und nur dazu bestimmt sind, gegen unfere finanzielle und wirtschaftliche Lage im Ausland Stimmung zu machen.

Stimmungswechsel in Paris.

Freundliche Ausblicke auf der ganzen Linie.

Cambon bei seinem englischen Kollegen.

Berlin, 22. September. Der französische Bot­schafter Cambon stattete gestern in den Abendstunden dem englischen Botschafter einen Besuch ab und hatte etne längere Unterredung mit ihm. Es ist sehr wahr­fcheinlich, daß Cambon seinem englischen Kollegen Mit­tellung von dem glücklichen Abschluß des auf Marotto bezüglichen Teiles der Verhandlungen gemacht hat.

Rundschau oom Cage.

Politisches

Dem diensttuenden Generaladjutanten des Kaisers, Generalobersten( mit dem Range als Generalfeldmar­Schall) von Plessen, der am Donnerstag sein 50­fähriges Militärjubiläum feiert, sind vom Kaiser die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen wor­den.

Staatssekretär von Lindequist soll sich nach den Mittellungen einer Berliner Korrespondenz mit Rück­trittsgedanken tragen, und zwar wegen nicht genügen­der Berücksichtigung des Reichskolonialamis bei den Marottoverhandlungen. Hierzu wurde auf Anfrage im Reichskolonialamt mitgeteilt, daß dort von Ritdtritts­absichten des gegenwärtig in Urlaub wellenden Staats­sekretärs zurzeit nichts bekannt set.

Der Wiederbeginn des Reichstages. Wie halbamt­Itch mitgeteilt wird, beabsichtigt der Präsident des Reichstages Graf Schwertn- Löwiß die nächste Plenar­fizzung des Reichstages auf Dienstag, 17. Oftober an= zuberaumen. Das bedeutet eine fletne Sinaus­chiebung des ursprünglich in Ausficht genommenen Termins. Graf Schwerin- Löwiß wird sich, wie das in solchen Fällen immer geschieht, vorher mit dem letten­den Staatsmann ins Einvernehmen gesetzt haben. Bielleicht ist es sogar Herr von Bethmann Hollweg selbst gewesen. von dem der Wunsch nach einem fpä­teren Zusammentritt des Reichstages ausgeht, und es Itegt nahe, diesen Wunsch mit der Marokkofrage in Zu­fammenhang zu bringen.

Zum ersten Male sett Wiederaufnahme der Berlt­ner Verhandlungen tritt in Paris ein wirklich offenher­alger und überzeugter Optimismus zutage, der nicht den Anschein erweckt, als fet er nur fonventionell oder zur Beruhigung der Finanzen bestimmt. Es wird nitit, mit nur geringen Abweichungen im Detail, folgendes Bild vom Stand der Maroffo= Unterhandlungen entworfen: Alle wesentlichen Punkte, die Ma­roffo betreffen, find geregelt, namentlich auch die Frage der wirtschaftlichen Beteiligung deutschen Kapt­fals bel französischen Unternehmungen, ein Punkt, der noch vor wenigen Tagen heiß umstritten war, nun aber durch das Entgegenkommer Deutschlands aus der Welt neschafft ist. Die Pariser Blätter beglückwünschen sich zu diesem Ergebnis, geben aber nicht näher darauf ein, weil dies ja der Vergangenheit angehöre. Es wird nur wiederholt, ein Maroffo mtt besonderen deutschen Vor= rechten sei fein französisches Maroffo. Nur zwei Punkte find, wie allfeitig zugegeben wird, zurzeit noch in der Schwebe: die Frage der Konsular Gerichts= barkett und die der maroffanischen Sch it is befoh= Ienen. Es wird hier ausdrücklich betont, daß Frank­retch auch in diesen beiden Grundfragen unter feinen Umständen nachgeben könne, noch werde. Ein franzö fisches Protektorat set undenkbar, wenn Deutschland das Recht habe, Marokkaner zu Schutzbefohlenen zu machen und sie somit der französischen Gewalt zu entziehen. Deutschland aber, so wird bereitwillig hinzugefügt, habe sowohl ein Recht auf Rompensationen, da es nicht, wie England, Spanien und Italten, anderwetttg abgefunden worden fet, und es set auch im Recht, zu fordern, daß die anderen Signatarmächte ebenfalls der Abschaffung der Konsulargerichtsbarkeit und der Beset­flgung der Schutzbefohlenen zustimmen. Dies werde aber von den anderen Mächten unschwer zu erlangen fein, zumar menn Deutschland bei den betreffenden Ver handlingen feinen Einfluß in diesem Sinne geltend

1)

Aus Eifersucht. Roman von Mar Hoffmann. ( Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

laden wurde, ist dort zum Preußischen Kommerzienrat ernannt worden.

Abnormitäten des Jahres 1911. In den Rheinlan­den sieht man völlig entlaubte Kirschbäume, die zum zweitenmal reife, ausgewachsene Früchte tragen und von neuem schöne, vollentwickelte Blüten angesetzt haben. Neue Arbeiterbewegung in der Metallindustrie. 10 000 fret und christlich organisierte Metallarbetter in Bielefeld find in eine Lohnbewegung eingetreten, sie fordern Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit.

Der 15. Januar als Wahltag vorgesehen? Nach den Informationen der Germania" soll der mit dem 17. Oftober beginnende letzte Sessionsabschnitt des Reichstags etwa bis zum 10. Oktober dauern. Als­dann soll der Reichstag formell aufgelöst und Neuwahlen angeordnet werden, für die der 15. Ja­nuar nächsten Jahres als Wahltag vorgesehen set.

Das Luftschiff Schwaben", das ursprünglich gestern die Rückfahrt von Düsseldorf nach Baden antreten wollte, wird seine Abfahrt wegen der unsicheren Wit­terung erst Sonnabend oder Sonntag vornehmen. Im September erfroren. Zum Beweise, wie die Temperatur in Nordtirol heruntergegangen ist, wird mitgeteilt, daß dieser Tage ein Webermeister er froren aufgefunden wurde.

Die Stichwahl in Düsseldorf. Die Reichstagsstich­wahl im Wahlfrets Düsseldorf zwischen Haberland ( Soz.) und Dr. Friedrichs( 3tr.) findet, am Freitag den 29. September statt. Die Sozialdemokraten haben gegen die Gültigkeit der auf Dr. Breitscheid lautenden Stimmzettel Einspruch erhoben, weil daraus die Jden­tität des Kandidaten nicht zweifellos hervorgehe. Tat­sächlich enthielt der Stimmzettel keinerlei Angabe über den Wohnort Breitscheids. Wenn der Einspruch Erfolg hat, ist der sozialistische Kandidat Haberland im ersten Wahlgange gewählt.

In dem großen Zimmer, dessen dichtverhängte Fen­ster nach dem Vorgarten der Villa gingen, hörte man nur ab und zu die Seufzer des im Bett Itegenden alten kranken Herrn. Jede der dret außerdem noch anwesen­den Personen bemühte sich, die Stille des Krankenzim mers so menig wie möglich zu stören, und es herrschte fene gedämpfte Stimmung, in der einer den anderen schen anblickt, um ängstlich auf dessen Antlitz etwas un­aussprechliches zu lesen, voll Furcht, daß jeden Augen­blick das Tritbe, Schreckliche und doch Unabwendbare eintreten könne.

Wissenschaft, Runst und Litteratur.

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Kein Bernähen der Wunden mehr. Einige bedeu tende Schulen von Chirurgen haben stetig daraufhin gearbeitet, das schwierige Bernähen von Operations und anderen Wunden durch ein einfacheres, ebenso wirf­fames und noch zweckmäßigeres Mittel zu erseßen. Je­der, der einmal genäht" worden ist, erinnert sich wahr scheinlich mit Grausen an die Qualen, die ihm die Ent fernung der Operationsnähte verursachte. Man bedient fich immer mehr statt der Nähte, die übrigens selbstver­ständlich mit einem ganz besonderen Material von be timmten Eigenschaften der Haltbarkeit und Geschmet­digkeit ausgeführt werden müssen, der Metallflammern. Man nennt diese fleinen Instrumente gewöhnlich Agraffen. In vielen Kliniken haben sie bisher freilich noch gar feinen Eingang gefunden. Sie werden aber namentlich von dem berühmten Wiener Chirurgen v. Eifelsberg ausgiebig benutzt. Viele Vorzüge werden diefem Verfahren nachgerühmt, denen nur zwet Nach­telle entgegenstehen, die Gefahr einer geringeren Halt­bartett und einer geringeren Biegsamkeit der Wund­ränder. Diese beiden Mängel mitßten freilich durchaus beseitigt werden, was jedoch nach der Erfahrung von Dr. Andrews, der diesem neuen Verfahren im Jour nal der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung" eine eingehende Besprechung widmet, sehr wohl ge­schehen kann. Es handelt sich dabei übrigens nicht etwa um den Verschluß oberflächlicher Wunden, sondern auch um Operationswunden innerer Organe.

Ueber die Nenbesekung des Vostens des russischen Ministerpräsidenten erfährt der Petersburger Korrespon­dent der Cöln. 3tg." aus diplomatischen Kreisen, daß es am wahrscheinlichsten set, daß einstweilen ein Inte­rimistifum eintrete, bis der Kaiser aus dem Süden zu­ritagekehrt sei, und daß der Finanzminister sokow= zem einstweilen den Bosten verwalte. Wie verlau­tet, soll der Bar den Wunsch geäußert haben, daß der Prozeß des Mörders Bagrow öffentlich unter Ge­währung eines Verteidigers für den Angeklagten ver­handelt werden soll. Wahrscheinlich wird die Regierung dem Wunsche des Zaren Folge leisten. Der Prozeß tommt in Petersburg zur Verhandlung.

Frau Regierungsrat von Marleben, die junge Frau des Kranken, stand am Kopfende des Bettes und be­trachtete mit auffallender Ruhe in den schönen Zügen den ganz zusammengefunkenen, weißhaarigen Gatten; die hochgewachsene Krankenpflegerin, eine Diakonissin, machte sich im Hintergrunde an den auf dem Tisch ste henden Flaschen au schaffen, und Friz, der Sohn, saß mit vorgebeugtem Körper auf einem Sessel, hatte den Kopf in die Hände gelegt und starrte mit ditsteren Blicken auf den Teppich. Er bleibt lange", sagte er endlich. Die schwülle Stille schten ihm offenbar peinlich zu sein.

" Das finde ich nicht", versetzte die junge Frau. Vor einer Stunde ist er benachrichtigt worden, und da kann er gewiß nicht so schnell abkommen."

" Vom wem sprecht Ihr?" fragte der Kranke stöh­nend. Ach so, von dem Justizrat! Wenn er nur erst da wäre. Ich fühle mich so sehr schwach."

Kleine Nachrichten.

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Selbsthilfe gegen die Tenerung. Der Magistrat der Stadt Weiden in der Pfalz beschloß, angesichts der hohen Fleischpreise Schlachtungen in städtischer Regie in Aus­ficht zu nehmen und die Abhaltung eines städtischen Le­bensmittelmarftes beschleunigt zu betreiben. Der Ge meinderat in Ulm hat die Wiedereinführung des städtt­schen Seefischmarktes beschlossen.

" War's denn überhaupt nötig, Bapa?" fragte Frizz freundlich. Um ein Testament zu machen, dazu genügt boch jetzt ein einfaches Schriftstick mit eigenhändiger

Karl Sagenbeck, der bekannte Hamburger Tierim­porteur, der vom Kaiser auf sein Gut Cabinen einge­

Unterschrift. Damit wäre die Sache erledigt gewesen, auch ohne den Justizrat."

Aus den Gerichtssälen.

Das Zeugnis und die Kündigung. Nach einer Ent scheidung des Kaufmannsgerichts Leipzig ist es nicht geschäftsüblich, in einem Zeugnisse zu bemerken, daß der Angestellte ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündi gungsfrist entlassen worden ist. Die Dauer des Engage­mentsverhältnisses bedeutet nicht die tatsächliche Dauer desselben, sondern die rechtliche Dauer. Wenn ein Ant­gestellter zu Unrecht vorzeitig entlassen wurde, so ist das Zeugnis bis zit dem Tage auszustellen, an dem die gesetzliche Kündigungsfrist abgelaufen wäre.

" Nein, nein," versetzte der Kranke erregt. Besser tst besser. Ich bin noch vom alten Schlage, und es muß alles seine richtige Ordnung haben. Nicht wahr, Berta?" Er warf ihr einen zärtlichen Blick zu, den sie etwas ge­zwungen erwiderte.

Ganz, wie Du es haben willst, Iteber Mann. Ob­wohl Du weißt, daß ich der Meinung bin, auch Friz mitßte-

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Unter der Anklage des Kindesmordes stand eine Verkäuferin aus Mühlhein am Rhein vor dem Schwur gericht. Das junge Mädchen hatte am 14. Juni in sel­ner Dachwohnung einem Kinde das Leben gegeben. Es fiel nach der Geburt in Ohnmacht. Als es wieder erwachte, erdrosselte es mit einem Tuch das neuegebo­rene Kind. Die Geschworenen traten der Auffassung des Verteidigers bei, daß die Angeklagte in einem Bu stande gestörter Geistestätigkeit gehandelt habe und sprachen ste frei.

,, Nein, nein", warf der junge Mann rasch dazwł­schen. Ich verzichte von vornherein. Hab's ja nicht nö­Hg, während Ste, Frau Mutter, den Betrag sehr wohl brauchen können. Im übrigen, Iteber Papa, ist es ja nach meiner Ansicht bloß eine Form. Denn Du wirst bald wieder hergestellt sein und Dich noch eine ganze Belt Deines Lebens freuen."

Der Kranke schüttelte energisch den Kopf. Daran ist gar nicht zu denken. Ich fühle, es geht mit mir au Ende. Und ich ziehe das auch einem Leben vor, wie ich es in der letzten Bett gehabt habe. Diese Schmerzen möchte ich nicht mehr länger ertragen. Der Arzt ist doch auch bestellt?"

Vermischtes.

Folgenschwerer Schiffszusammenstoß. Der britische Kreuzer Hawfe" stieß mit dem neuen englischen Rie­sendampfer Olympic", der gestern früh von Southamp ton nach Neuport abgegangen war, vor Osborne bet der Insel Wright zusammen." Olympic", die 3000 Menschen an Bord hatte, wurde stark beschädigt und nahm eine große Menge Wasser auf, wurde aber durch die wasserdichten Schotten gerettet. Beide Schiffe fub­ren in derselben Richtung. Der Kreuzer streifte die Steuerbordseite der Olympic" und riß thr dabei ober­halb und unterhalb der Wasserlinie ein großes Loch. Der Bug des Kreuzers ist start beschädigt. Die Olym pic" fährt lanasam nach Southampton zurück.

Frau Berta sah auf die Diakoniffin. Fräulein Magdalene hat es besorgt, und Doktor Waldow will heute abend noch einmal kommen."

" Ja, er muß mir eine Morphtumeinspritzung ma­chen, damit ich einige Linderung habe."

Es klingelte draußen und die Diakonissin ging hin­aus, um gleich darauf einen jovial aussehenden Herrn in den sechziger Jahren einzulassen.

" Justizrat Heinrot ist da", wandte sich Fraut Berta ait ihrem Mann, und der Gemeldete trat teilnahmsvoll an das Bett.

Maßnahmen gegen die Waffernot im weftlichen In­dustriegebiet. Bei der anhaltenden Trockenheit hat sich die Wassernot im rheinisch- westfälischen Industriegebiet zu einem so empfindlichen Notstand herausgebildet, daß die Regierung sich veranlaßt gesehen hat, außerordent­liche Maßnahmen zu ergreifen. Zu diesem Zwecke hat in Essen eine von der Düsseldorfer Regierung einbe rufene Konferenz der Regierungs- und Kommunalbe­hörden stattgefunden. Es wurde beschlossen, die jeßigen Ansprüche auf Wasserabgaben aus der im westfälischen Teil des Ruhrlaufes gelegenen gewaltigen Talsperre auf das notwendigste zu beschränken. Ferner soll das

Dank, daß Du gekommen bist, lieber Freund", sag­te der Regierungsrat. Ich ich möchte gern erst einige Worte mit Dir allein fprechen."

Die anderen Anwesenden zogen sich auf diesen Wunsch sofort zurück, und die beiden alten Herren wa­ren allein.

Du weißt, daß meine Krankheit unbeilbar ist und daß meine baldige Auflösung bevorsteht", begann der Regierungsrat ruhig und gefaßt. Und auf eine abweh­rende Bewegung des Justizrats fuhr er mit Bestimmt­heit fort: Nein, nein, gib Dir nur feine Mühe, mir et­was vorzureden! Wir alten Jugendfreunde wollen uns doch gegenseitig nichts vormachen. Also, um gleich aut dem springenden Punkt zu kommen: Meine Frau wird fa eine gute Bension haben, aber ich möchte sie doch auch sonst sicher stellen, soviel in meinen Kräften steht. Diese Villa und mein sonstiges Vermögen soll ihr ganz allein gehören."

Alles?"

Ja, alles. Mein Sohn hat sich in Amerifa ein Vermögen erworben und braucht nichts von mir. Ste aber ist von Hause aus arm und recht unerfahren im Leben- und ich liebe sie so sehr-"

-

" Wird aber Dein Sohn unter allen Umständen ein­verstanden damit sein?"

Ich habe schon mit ihm darüber gesprochen. Ja, er ist einverstanden. Er gönnt ihr alles, obwohl er ge rade sonst nicht gut auf sie au sprechen ist."

Er war ja wohl mit Deiner Wiederverhetratung vor vier Jahren nicht einverstanden?"

" Du lieber Himmel, so ist es immer, wenn ein alter Mann noch einmal Frühlingsgefühle in sich erwachen fühlt. So wurde auch ich von ihm und von manchem meiner Freunde scheel angesehen, als ich als Zweiund­sechzigjähriger das vierundzwanzigjährige, blühende Mädchen hetratete."

Und Du verlorst Deinen Sohn dadurch", warf der Justizrat mit einem Anflug von Bitterkeit etn.

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