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des Leipziger 107. Infanterieregiments. Richter hat vor furzer Zeit die Fliegerprüfung bestanden und das Zeugnis erhalten. Das interessanteste an dieser Mitteilung ist, daß der Infanterist seine Fliegerprüfung wie alle seine Flüge auf einem Flugapparat eigener Konstruktion bestanden hat. Richter ist bereits seit mehreren Monaten mit dem Bau eines Flugapparates beschäftigt gewesen, als unsere Seezesverwaltung noch keinerlei Antäufe gemacht hatte. Nach der Ablegung der Fliegerprüfung, die in Gegenwart seiner Vorgesetzten stattfand, wurde von dem Regiments­tommandeur verfügt, daß der fiegende Soldat" von dem größten Teil des Dienstes zu befreien sei, um weiterhin feinen Studien obliegen zu können.

Der deutsche Kronprinz in Lebensgefahr. Aus Co­lombo wird der Deutschen 3tg." geschrieben: Unser Kron­prinz hat sowohl hier, wie auf der indischen Reise eifrig gejagt. In Ceylon ist er dabei in Lebensgefahr geraten. Das war an einem der legten Novembertage, als er in den Dschungeln pürschte. An jenem Tage sah er sich im dichten Unterholz plötzlich auf wenige Schritte einem Ele­fanten gegenüber. Der Prinz führte ein mit Fernrohr versehenes Gewehr mittleren Kalibers, wie wir es in Deutschland gegen Hochwild benutzen. Trotz der geringen Entfernung hatte seine Kugel nicht die gewünschte Wir-. fung, und das verwundete Tier nahm ihn an. Die Be­wegungen des anscheinend plumpen Dickhäuters fönnen außerordentlich schnell werden; sein schwaches Gesicht wird durch feines Gehör und scharfen Geruchsinn vollkommen ersetzt, und ein Schlag mit dem Rüssel genügt, um einen Menschen zu töten. Vor anderthalb Jahren habe ich das bei einem Treiben auf Elefanten in der Gegend von Anuradhafura selbst gesehen. Ein Unglück schien unver­meidlich, denn der Kronprinz hatte keine Zeit für einen zweiten Schuß. Aber der Gouvernementsagent die Stellung entspricht ungefähr der des preußischen Landrats Murty, der sich in dem kritischen Augenblick dicht hinter Prinz Wilhelm befand, legte den vorbrechenden Koloß mit einem guten Schuß seiner Elefantenbüchse zwischen die Augen um. Die Laufmündung befand sich beim Abdrücken dicht am Ohre des Prinzen, und dieser fuhr bei dem un­vermuteten Krachen des Schusses überrascht herum.

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Der erste Sosenrod" in Berlin. Am letzten Sonn­tag hatte um die Mittagsstunde die Tauentzienstraße in Berlin, die um diese Zeit von einer eleganten Menge be­völfert wird, eine kleine Sensation. Der erste Hosenrock ist nämlich den erstaunten Fußgängern vorgeführt worden. Gegen 1 Uhr mittags tam vom Kurfürstendamm her eine großgewachsene Dame von schlanker Figur, die von zwei Herren zu beiden Seiten flankiert war. Schon von wei­tem sah man, daß diese kleine Gruppe der Gegenstand der allgemeinsten Aufmerksamkeit war. Man lächelte, tuschelte, stieß sich mit den Ellbogen an und blickte verwundert nach. Die Dame schritt aber unbekümmert, nur ein kleines iro­nisches Lächeln um die Lippen, zwischen ihren Begleitern dahin und schien sich dabei gar wohl zu fühlen. Sie hatte nämlich die Fesseln des Humpelrodes" abgeworfen und trug zum ersten Mal den Pascha- Rock" oder Hosenrock, den wir jetzt, nachdem wir ihn gesehen haben, viel treffender ben Chinesenrock" bezeichnen möchten. Denn er ähnelt tatsächlich der Kleidung eines männlichen Chinesen viel mehr, als der eines türkischen Paschas. Es sollen ja vom Sosenrod eine erfleckliche Menge von Abarten vorhanden sein. Das Kostüm war in lila gehalten. Wenige Zenti­meter über den Knöcheln schloß sich um jedes Bein fest ein völlig gesondertes Kleidungsstüd aus lila Seide, das sich nach oben zu trichterförmig erweiterte und eine Pluder­hose bildete. Dazu trug die Dame einen langen Mantel aus lila Samt, der geteilt war und den Hosenrock zu bei­den Seiten bedeckte, ganz genau, wie wir es bei den Chi­nesen zu sehen gewohnt sind. Die Dame trug dazu lila seidene Strümpfe und sehr elegantes Schuhwerk. Die weib­liche Hose zeigte übrigens im Gegensatz zur männlichen, auffallenderweise vier scharfe Bügelfalten, und zwar vorn und hinten und an den beiden Seiten. Der Mantel und bie Hose waren überdies mit sehr schönen Spitzen bedeckt und ließen dadurch nicht den Eindruck eines männlichen Kleidungsstückes aufkommen. Interessant ist die Feststel­lung, daß dieses neue Modell nur dann als Hose wirkte, wenn die Dame ging. Als sie sich einen Augenblick hin­stellte, um ein Auto zu besteigen, war von dem Hosenrock nichts mehr zu sehen und er wirkte vollkommen als nor= males Kleidungsstück.

Der Todessturz des Einbrechers. Eine Flucht über die Dächer hat in Berlin in der Nacht zum Dienstag ein Einbrecher versucht, der in der Dresdener Straße bei einem Einbruch in einen Zigarrenladen überrascht wurde. Der Einbrecher floh vom Hause Dresdener Straße 93 über die Dächer bis zum Hause S0, stürzte dort vom Dache in einen Lichtschacht und blieb tot liegen. Sein Kom­plice versuchte die Flucht in der Weise, daß er mit dem Kopf in des Schaufenster des nebenan liegenden Lokals rannte. Er wurde ergriffen und nach dem Polizeirevier gebracht.

Die geprellte Armendirektion. Vor einigeur Zeit starb in Berlin ein Krüppel, der seit mehr als zwanzig Jahren von der Berliner Armendirektion mit einem an­sehnlichen Betrage unterstützt wurde, weil er äußerst hilfs= bedürftig war. Der unterstützte Friedrich Kögler han­delte in der Potsdamer Straße mit Posamentwaren und hatte einen recht guten Verdienst. Bei seinem Tode stellte sich heraus, daß sich Kögler ein kleines Vermögen erspart hatte, das bei der Berliner Sparbank hinterlegt war. Die Berliner Armendirektion erhielt von der Angelegenheit Kenntnis und beschlagnahmte die von Kögler während der Dauer seines Lebens gesparten Beträge, die sich auf 18 094 Mark stellten. Rögler hat es verstanden, die Ar­mendirektion über seine Vermögensverhältnisse 20 Jahre lang geschickt zu täuschen. Er wohnte in einem finsteren, engen Raume, der einem Loche glich, und in einem luft­losen Hause einer alten Mietskaserne lag. Rögler führte, obgleich er aus den Mitteln der Armendirektion, aus seinem Verdienst und den etwa 700 Mark betragenden 3insen seines Vermögens ein genügendes Einkommen hatte, ein überaus dürftiges Leben.

Die erste Hundertmarkschein- ,, Blüte". Die Ausgabe neuer Reichstassenscheine bringt für zwei Erwerbsstände siemliche Unbequemlichkeiten mit sich, für die gewerbs= mäßigen Hersteller von Blüten", d. h. Falsifikaten, und Die Fabrikanten von unechten Blüten", jenen bekannten Berierscheinen, mit denen man guten Freunden am 1. April eder kei sonst passender Gelegenheit eine Freude" macht. Ehe sich der neue Hundertmarkschein im Publi­dum eingebürgert hat, wird er nur zu leicht für eine solche Blüte" gehalten. Schon als die letzten Fünfmarkscheine zum ersten Mal im Publikum auftauchten, weigerten sich Zahlreiche Personen, das fremde Papiergeld in Empfang au nehmen. Es ereignete sich. wie aus Waldenburg ge­

schrieben wird, eine tragikomische Geschichte in dem schle­fischen Orte Peterswaldau im Kreise Reichenbach. Hier hatte ein Gutsbesitzer in einer Mühle einen neuen Hun­dertmarkschein in Zahlung genommen. Auf seinem Sie­geszuge tam der Gutsbesitzer auch in die Ortsschenke, wo das Schauobjeft gebührend bewundert wurde. Als bald darauf ein Bekannter des Gutsbesizers ins Zimmer trat, rief ihm dieser zu: Kannst Du ihn wechseln?", worauf der Angeredete erwiderte: Sofort!" Darauf faltete der Naive den Echein, riß ihn in acht Teile und legte ihn so gewechselt auf den Tisch. Durch die Bestürzung des Guts­besitzers und das allgemeine Gelächter wurde der Wechs­ler" erst gewahr, daß er einen echten Hundertmarkschein, den er irrtümlich für eine Blüte" gehalten, in acht Teile zerlegt hatte. Der Schaden wurde indes wieder repariert.

Die ersten Lehrerinnen für China. In dem für mo­derne Bestrebungen immer zugänglicher werdenden Reich der Mitte soll jetzt auch das Frauenelement auf dem Ge­biete der Pädagogit Verwendung finden. Wie aus Schang­hai gemeldet wird, steht man in dortigen Missionskreisen mit Spannung der Ankunft von 11 amerikanischen Lehre­rinnen entgegen. Zum ersten Male sollen Frauen zum Unterricht chinesischer Kinder herangezogen werden. Ge­lingt der Versuch, dann werden mehrere Missionen Lehre­rinnen für ihre Schulen kommen lassen. In chinesischen Schulen unterrichten bisher nur Männer.

Ein eigenartiger Unglüdsfall. Als so meldet der Berliner Polizeibericht die Ehefrau des Sattlers Ds= wald Rumpf aus der Grimmstraße in ihrer Küche ,, Grog fochen" wollte und ein Gefäß mit Rum auf das Feuer setzte, schlugen die Flammen des Gaskochers, wohl infolge von Zugluft, hoch auf und entzündeten den Rum, der sich über die Kleider der Frau ergoß. An der Küchentür hängende Kleidungsstücke gerieten in Brand, der auf die Hilferufe der Frau herbeieilende Ehemann wurde gleich­falls von den Flammen ergriffen und lief in seiner Angst zu einer Nachbarin, die ihm Kleidungsstücke überwarf und so die Flammen erstickte. Dann stürzte sie zur Küche des Rumpfschen Ehepaars, wo Frau Rumpf am Fußboden lag, und löschte deren Kleider ebenfalls durch Ueberwerfen von Sachen und durch Begießen mit Wasser. Hausbewohner brachten dann das Ehepaar nach dem Krankenhaus. Die Frau ist durch Brandwunden schwer verletzt worden.

Ein guter Gatte. Meine Frau ist wirklich zu nett jede Arbeit sucht sie mir abzunehmen! Als ich zum Bei­spiel am Tage nach unserer Hochzeit abends vom Bureau kam, da hatte ste, ohne daß ich etwas davon wußte, an sämtliche Vereine, deren Mitglied ich bisher war, meine Austrittserklärung geschrieben Ich brauchte nur meinen Namen darunter zu setzen!"

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Funksprüche über große Entfernungen. Zwischen den Telefunkenstationen des Eiffelturms und der Glace- Bat in Kanada fand dieser Tage ein vollständig gelungener De­peschenaustausch mittelst sogenannter musikalischer Funken statt. Die Entfernung beträgt über 6000 Kilometer. Ferner soll es von San Francisco aus gelungen sein, in drahtlose Verbindung mit dem über 9000 Kilometer ent fernten Tschofi Schimosa an der japanischen Küste zu treten. Als einzige Zwischenstatton diente der Dampfer einer ame= rikanischen Linie in einer Entfernung von 5200 Kilometer.

Die Ernst Haeckelspende, die dem Jenaer Gelehrten zu seinem 77. Geburtstage als Ehrengabe von seinen Anhän­gern überreicht wurde, hatte eine Höhe von 5000 Mark. Haeckel will diese Summe zur Ausschmückung des Archivs im Phyletischen Museum verwenden. Es werden in die­sem Museum die wichtigsten Dokumente über die Abstam= mungslehre und die monistische Philosophie gesammelt.

Vom Buchbindergesellen zum Heldentenor. Aus Adorf i. V. wird den 2. N. N." geschrieben: Der Sohn des Kar­tonnagenfabrikanten Scheidhauer im benachbarten Asch, Fer­dinand Scheidhauer, ist vom Stadttheater Augsburg als Heldentenor engagiert worden. Dieser Tage war der erst 23jährige Sänger zum ersten Male vor die Oeffentlichkeit getreten und sang den Stegmund in der Walküre" mit genügendem Erfolge. Vor wenigen Jahren noch Buchbin­dergeselle in Adorf t. V., hat er dann seine Ausbildung auf Kosten eines Ascher Musik- und Kunstfreundes unter Leitung hervorragender Meister genossen.

Der Kaiser als Vortragender.

Der persönliche Vortrag des Kaisers über Moor­fultur im Deutschen Landwirtschaftsrat hat in weiten Kreisen Interesse und Sympathie, wohl aber auch einiges Staunen darüber erweckt, daß der König vom Preußen und deutsche Kaiser höchstselbst am Vortragspult erscheint, um einen Bericht zu erstatten, dessen Verlesung auch durch ir­gend einen Hofbeamten oder Verwalter hätte besorgt wer= den können. Das persönliche Hervortreten des Kaisers als Vortragsredner erklärt sich, wie der Magdeb. Ztg." aus Berlin geschrieben wird, aus einem Wesenszuge, von welchem auf politischem Gebiete schon so viel kritisches ge= sprochen oder geschrieben worden ist, daß es die Gerechtig­feit und Billigkeit erfordert, auch die interessante und durch­aus sympathische Seite dieser Charakteranlage hervorzu­heben. Ein bedeutender Künstler und Hofmann, der häu­fig als Gast des Kaisers in dessen nächster Umgebung weilt, drückte sich mir gegenüber über dieses Problem recht an­schaulich in folgender Weise aus: Die große geistige Reg­samkeit und Mitteilsamkeit des Kaisers gerät bei unzäh­ligen Gelegenheiten immer wieder vor iene Schranke, die durch Fürstenwürde und dynastische Stellung aufgerichtet ist. Die Hofetikette verbietet bekanntlich jedem, der mit dem Monarchen spricht, die Initiative in der Aussprache. Thema und Gang der Unterhaltung wird vom Fürsten bestimmt. Dadurch leidet aber der persönliche Kontakt des Gespräches außerordentlich. Kaiser Wilhelm empfindet dies nur zu deutlich und hat viel und start darunter gelitten. Sein eifriger Wille geht dahin, die Schranke zwischen sich und einer möglichst großen Umgebung zu durchbrechen, und dies vermag er nur dadurch, daß er jede Gelegenheit benutzt, um sich aufzuschließen", seine Gedanken recht vielen Bu hörern selbst vorzutragen, dadurch Resonanz und schließlich persönlichen Kontakt zu erzeugen. Man kann diesen fee­lischen Kampf geradezu das Charakterproblem Kaiser Wilhelms II. nennen! Es erklärt sich so vie= les rein menschlich, was an seimen offiziellen Reden oft all­zu streng politisch aufgefaßt und beurteilt wird. Es erflä­ren sich z. B. auch die Schiffs predigten, die der Kai­ser auf seiner Hohenzollern" selbst vorträgt. Man muß da zugehört haben, um aus Ton, Geste und Haltung zu verstehen, wie sehr auch da der Kaiser das Verlangen hat, als Mensch zum Menschen zu sprechen und persönliche Fühlung mit denen zu gewinnen, über die ihn seine Mc­narcheneigenschaft unnahbar zu entrücken droht. Es ist ein häufiger Ausdruck des Kaisers: Ich möchte das recht vie­len gesagt heben!" In dem berühmten Babel Bibel= Brief an Admiral Hollmann schrieb er auch als Poſt­ffriptum: Sie können von diesen Zeilen den ausgiebig­sten Gebrauch machen; wer will, kann sie lesen." Als er die Reform höherer Schulen einleitete, regte er die Ein­ladung von 45 Vertrauensmännern an, um ähnlich wie fest im Landwirtschaftsrat selbst einen Vortrag zu halten,

persönlich den Bericht zu erstatten über Dinge, die mein Herz bewegen", wie er damals fagte und wie einer seiner Lieblingsausbrücke überhaupt ist. Und weil der Kaiser fett von seinem geliebten Nadinen sprach, sei aus der Erinnerung hervorgeholt, was er im Jahre 1899 über die dortigen Arbetterwohnungen zu der Gemahlin des Landrats von Estorff gesagt hat: In Kadinen muß noch manches anders werden. Ich meine besonders die Arbets terwohnungen. Dies scheint überhaupt noch ein leber hier im Osten zu seint. Der schöne Vichstall in Kadinen ist ja ein wahrer Palast den Arbeiterwohnungen gegenüber. Es muß dafür gesorgt werden, daß nicht etwa die Schwet neställe besser sind als die Arbeiterwohnungen." Auch diese Worte, humorvoll bis zur Derbheit, verraten deutlich, was wir andeuten und erklären wollten: Den brennenden Wunsch des Kaisers, nicht immer unnahbar auf der Menschheit Höhen zu wandeln, sondern dte Kluft zwischen sich und seinen Zeitgenossen nach Kräften zu überbrücken."

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Lohnerhöhung der Eisenbahnarbeiter. Berlin 22. Februar. Der Eisenbahnminister empfing dte Lohnkommission des Verbandes deutscher Eisenbahn­handwerker und Arbetter und erkannte die Wünsche nach einer allgemeinen durchgreifenden Lohnerhöhung an. Der Minister stellte eine Vermehrung der Stellen der Lokomo­tivheizer und Führer sowie die Ueberführung der Güter­boden vorarbeiter in die Ladeschaffnerstellen in Aussicht.

Vermißter Ballon.

Berlin, 22. Februar. Der Ballon Para 1909 vom Luftschifferbataillon stieg gestern nachmittag 1 Uhr mit dret Offizieren an Bord in Tegel auf. Er flog in beträchtlicher Höhe mit großer Geschwindigkeit westwärts. Bis zur spä­ten Abendstunde fehlte jede Nachricht.

Ein Irrsinniger im D- Zuge.

Weimar, 22. Februar. Der Rittergutsbesitzer Brauns aus dem benachbarten Solsdorf hatte gestern abend im D- Zuge Berlin- Frankfurt ein ernstes Renkontre mit einem anscheinend irrsinnigen Russen. Dieser bedrohte un­terwegs den Zugführer und Brauns mehrmals mit dem Revolver, bis es schließlich Brauns gelang, den Russen un schädlich zu machen. Da sich auf dem Bahnhof in Weimar fein Polizeibeamter befand, wurde der Mann in Erfurt fest­gehalten, wo seine Personalten festgestellt wurden.

Großes Schadenfeuer.

Erfurt, 22. Februar. In dem benachbarten meima­rischen Dorfe Querburg sind in der vergangenen Nacht die fast noch neuen massiven Scheunen zweier Landwirte ab­gebrannt. Auch viele Futtervorräte und landwirtschaftliche Maschinen sind dem Brande zum Opfer gefallen.

Ausschreitungen weiblicher Zwangszöglinge.

0 München, 22. Februar. Im Kloster zum guten Hirten, einer Zwangserziehungsanstalt für Mädchen, zer­schlugen die Zöglinge die Fenster und zertrümmerten ver­schloffene Türen. Die Schwestern waren dem wüsten Tret­ben gegenüber machtlos. Schließlich mußten Schuhleute her­beigeholt werden.

Die Agitation der Impfgegner.

Dortmund, 22. Februar. Gegen den Oberlehrer Mi­rius hier, den Vorsitzenden des Verbandes deutscher Impf­gegnervereine, eröffnet das Münstersche Provinzialschul­follegium ein Disziplinarverfahren wegen öffentlichen agt tatorischen Auftretens gegen das Impfgesetz.

Schwerer Sturm an der norwegischen Küste. Christiania, 22. Februar. An der norwegischen West­küste herrschte in den letzten Tagen ein furchtbarer Schnee­orfan. Die Telegraphen- und Telephonverbindungen er­litten namentlich südlich von Drontheim große Störungen. Zahlreiche Schiffe havarierten.

Christiansund, 22. Februar. Während des Orkans sind gestern abend drei Fischerboote gesunken, wobei elf Mann ertranfen. Ein Boot wird vermißt.

Geheimnisvolle Mordaffäre.

Paris, 22. Februar. In Nancy geriet das Hotel Mi­chels in Brand. Als die Feuerwehr in den zweiten Stock eindrang, um die Möbel zu entfernen, fand sie in einem Wandschrank die Leiche eines schwarz gekleideten jungen Mädchens, dessen Gesicht schon halb verkohlt war. Der Kör­per der Toten trug die Spuren zweter Schußwunden. Bis­her wurde festgestellt, daß das Mädchen Kassiererin in einem Badeorte bei Nancy war. Der Gastwirt wurde in Haft ge=

nommen.

Untat russischer Banditen.

Warschaut, 22. Februar. Unbekannte Banditen erschossen zwei Schußleute. Auf der Flucht feuerten sie noch mehrere Revolverschüsse auf ihre Verfolger ab, wobei ein Knabe verletzt wurde.

Felssturz in einem Touristenort. Tetfchen, 22. Februar. Der in Touristenkreisen be­fannte Ort Laube in Böhmen wurde durch einen orfanar­tigen Sturm derart heimgesucht, daß sich zahlreiche Fels­blöcke loslöften und die Häuser gefährdeten.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 21. Februar. Viehmarktpreise vom 20. Feb. ruar. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen a) vollflei schige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt( Lebendgew.) M 48-52,( Schlachtgem.) M 87 bis 90, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere aus­gemästete( Lebendgew.) M 44-47,( Schlachtgew.) M 80-85, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgew.) M 39-44,( Schlachtgew.) M 72-81, d) gering genährte jeden Alters( Lebendgew.) M-,( Schlachtgew.) M B. Bullen a) vollfleischige ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Le­bendgew.) 46-50,( Schlachtgem.) M 76-83, 6) vollflet­schige jüngere( Lebendgew.) M 40-43,( Schlachtgew.) M 66 bis 71. E. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 44-47, ( Schlachtgew.) M 79-84, 6) vollsleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren( Lebendgew.) M. 41-44,( Schlachtgew.) M 76-79, c) 1. wenig gut entwickel­te Färsen( Lebendgew.) M 40-43,( Schlachtgew.) 77-83, dv. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe( Lebendgew.) M 35-40( Schlachtgew.) M 56 bis 74, d) mäßig genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 28-33,( Schlachtgem.) M 56-66, e) gering genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 22-27,( Schlachtgew.) M 50 bis 60. Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Lebendgew.) M 00-00,( Schlachtgew.) M00-00, 6) feinste Mast( Voll­milch- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgew.) M 56-60, ( Schlachtgew.) M 93-100, c) mittl. Mast- und gute Saugfäl ber( Lebendgew.) M 52-55,( Schlachtgem.) M 88-93, d) ge= ring. Sangfälber( Lebendgem.) M 50,( Schlachtgew.) M 85. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgew.) M 40-41,( Schlachtgew.) M 84 bis 86, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Le­bendgew.) M ( Schlachtgew.) M. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg. Lebendgewicht ( Lebendgew.) M 49-51,( Schlachtgem.) M 62-65, 6) vollflet­schige Schweine unter 80 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 47-49,( Schlachtgew.) M 60-63, c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 g. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 49-51, ( Schlachtgew.) M 62-64, 5) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 g. Rebendgewicht( Lebendgew.) M 48-50,( Schlacht­aew.) M 60-63.