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Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweignusgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 46.
Telephon: Nr. 362.
Reichstagswahlvorbereitungen."
Alsfeld. Die Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte für den Kreis Alsfeld be= faßte sich mit dem Ansuchen der nationalliberalen Parteileitung um Unterstützung der Kandidatur Haberkorn durch den Bund der Landwirte. 22 Teilnehmer stimm ten für Bindewald, 8 für Haberkorn. Kommenden Sonntag tagen noch 2 Versammlungen des Bundes der Landwirte in gleicher Sache für die Kreise Lauterbach und Schotten. Dann erfolgt erst die endgültige Stellungnahme des Bundes für die Reichstagskandidatur des 3. Oberhessischen Wahlkreises.
Man schreibt uns:
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Im Wahlkreise Gießen Grünberg- Ni d- da ist die nationalliberale Partei nach wie vor eifrig bei der Arbeit. So hatte sie für Samstag und Sonntag insgesamt 19 Versammlungen, vornehmlich im nordöstlichen Teil des Kreises anbercumt. Während die Samstag nachmittag abgehaltenen Versammlungen infolge der ungünstigen Zeit nicht allzu zahlreich besucht waren, zeigte sich in den übrigen ein solches politisches Interesse, daß der größte Teil der Lofale bei weitem nicht für den Andrang ausreichte. In Gedern kam es zu einer ausführlichen Auseinander setzung mit dem sozialdemokratischen Kandidaten Beckmann, der dabei ein geistig und politisches Niveau verriet, das für einen Vertreter des deutschen Volkes im Reichstage auch bei bescheidensten Ansprüchen nicht genügt. Während in den übrigen Versammlungen Gegner sich nicht zum Wort meldeten, ergab sich in Gelnhaar eine interessante Auseinandersetzung mit dem Freisin n. Als der freisinnige Redner die Behauptung aufstellte, Professor Gisevius habe das Programm des Bundes der Landwirte unterschrieben und sich überdies diesem gegenüber verpflichtet, weder Hansa-, noch Bauernbund in Anspruch zu nehmen und, auf die Unrichtigkeit dieser Behauptung aufmerksam gemacht, sagte, er werde so lange an ihr festhalten, bis der Kandidat ihm das Gegenteil bewiesen habe, fand er sogar bei seiner sozialdemokratischen Resonanz spöttische Mienen. Der nationalliberale Vertreter, Redakteur Ackermann wies die sonstigen Angriffe mit Nachdruck zurück. Als später der nationalliberale Kandidat Professor Gisevius eintraf, nahm auch dieser selbst Gelegenheit, die oben wiedergegebene Behauptung für unwahr zu erklären. Dort dürfte daher der Freisinn sonderlich gute Geschäfte schwer lich gemacht haben, wie denn überhaupt überall dem Lande die Aussichten der Fortschrittlichen Kandidatur auf Stimmen nur durch eine Dezimalzahl ausgedrückt werden können.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Februar.
auf
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amtes
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Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Donnerstag den 23. Februar 1911
*) Gießen. Der neugegründete„ Oberh. Verein für die Basler Mission", veranstaltet am 5. März in den Gemeindesälen( Kirchstraße) seine erste Jahres= versammlung, verbunden mit öffentlichen Vortrag des Pfarrers Dipper über„ Lage und Aufgabe der Basler Mission in der Gegenwart".
*) Gießen. Als der Kirchendiener unserer Stadtfirche am Montag mit der Herrichtung für eine Konzertprobe beschäftigt war, erfolgte eine Gas Explo= i on. Die vom Turm in die Kirche führende schwere Tür wurde eingedrückt und zwei Fensterscheiben zertrümmert. Der Kirchendiener erlitt im Gesicht und an den Händen erhebliche Brandwunden.
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Gießen, 23. Febr. Das eingetretene Tauwetter hat der Eisbahn ein schnelles Ende bereitet. Vor wenigen Tagen bot sie noch ein buntbewegtes' Bild, aber nun ist alles still. Das Eis geschmolzen, das Wasser abgelassen, hier und da einige Wassertümpel, das lange Gasrohr zur Beleuchtungsanlage, welches sich lange Zeit diskret verborgen hielt, sichtbar, bietet sie jetzt einen troſtlosen Anblick. Aber die Grasspitzen, die schon hier und da hervorlugen, lassen ahnen, daß bald ein grüner Rasenteppich Abwechselung in das monotone Einerlei bringen wird.
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Unter
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Wetzlar, 22. Febr. Der Regierungspräsident gibt den„ Allerhöchsten Erlaß" betreffend die CarnegieStiftung für Lebensretter bekannt, dem wir folgendes entnehmen: Mit dem von Andrew Carnegie zur Verfügung gestellten Kapital von 1 Millionen Dollar wird unter dem Namen„ Carnegie- Stiftung für Lebensretter" eine Stiftung errichtet. Zweck der Stiftung ist die Linderung der finanziellen Cotstände, welche sich aus heldenmütigen Anstrengungen zur Rettung von Menschenleben im Gebiete des Deutschen Reiches und seiner Gewässer ergeben, sei es für die Lebensretter selbst durch deren vorübergehende oder dauernde Erwerbsunfähigkeit, sei es, im Falle des Todes derselben, für ihre Hinterbliebenen. In erster Linie sind dabei diejenigen Unglücksfälle ins Auge gefaßt, welche sich bei Ausübung friedlicher Berufe, z. B. derjenigen der Bergleute, Seeleute, Aerzte, Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Eisenbahn- und Polizeibeamte, ereignen. ,, Lebensrettern" werden auch diejenigen Personen standen, deren heldenmütige Anstrengungen zur Rettung von Menschenleben von Erfolg nicht gekrönt worden sind. Die von dem Kuratorium zu bewilligenden Beihilfen sind einmalige oder fortlaufende. Letztere sollen a) für Lebensretter auf die Dauer ihrer völligen oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit, b) für Hinterbliebene von Lebensrettern und zwar für Witwen bis zur eventuellen Wiederverheiratung und für Kinder bis längstens zur Erreichung eines zur selbständigen Ernährung befähigenden Alters gewährt werden. Für besonders befähigte Kinder können zu ihrer Erziehung für einen gehobenen Beruf inbezug auf die Höhe und Dauer der Unterstützung außergewöhnliche Aufwendungen gemacht werden. Den Hinterbliebenen können gleichgeachtet werden andere nähere Verwandte, welche mit dem Ver= storbenen einen Haushalt gebildet und in ihm den Ernährer verloren haben. Sämtliche Bewilligungen aus der Stiftung erfolgen unter Voraussetzung der Würdigkeit und Bedürftigkeit der Empfänger, die fortlaufenden dementsprechend mit dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr zutref= fen. Vor Entziehung der Beihilfen soll den Empfängern jedoch Gelegenheit gegeben werden, sich wegen des ihnen zur Last gelegten Betragens oder der eingetretenen Aenderungen ihrer finanziellen Lage zu äußern. Vor der Bewilligung von Beihilfen ist seitens des Kuratoriums zu prüfen, ob den Empfängern gegenüber Behörden, Organisationen, Rassen, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen 2c. ihrer etwaigen Pflicht zur Gerecht geworden sind. Nur insoweit die hierdurch erlangten Mittel für die Berechtigten nicht als ausreichend anerkannt werden, soll die Stiftung helfend eingreifen. Insbesondere soll von dem Kuratorium darauf gesehen werden, daß die bestehende Fürsorgepflicht des Staates, der Kommunen, Berufsgenossenschaften, öffentlichen Anstalten 2c. nicht durch die Tätigkeit der Stiftung in irgend einer Weise beeinträchtigt oder abgeschwächt wird. Die Gießen. Die Oberlehrerin an der Aliceschule, Stiftung tritt mit dem Tage ihrer landesherrlichen Genehmigung in Kraft. Anträge auf Gewährung von BeiFrl. Moeser, gründete Ende vorigen Jahres unter dem Namen„ Gießener Fröbel- Seminar" eine mit einer Pen- hilfen an Lebensretter oder deren Hinterbliebenen fönnen bei den Ortsbehörden zur Weitergabe an das Kusion verbundene Anstalt, welche berufen ist, günstig auf die Erziehung unserer Töchter zu wirken. Das Seminar ratorium der Stiftung in Berlin, Wilhelmstraße 64, gewill jungen Mädchen Gelegenheit geben, sich für den Be- stellt werden. ruf einer Kindergärtnerin auszubilden, oder das zu lernen, was eine jede Frau und Mutter als das wichtigste in ihrem Leben erkennen soll.
-ö Gießen. Gelegentlich des am 6. Mai stattfindenden allgemeinen hessischen BI um entages sollen fleine künstliche Blumen, die bereits gestiftet sind, auf der Straße an Passanten zum Preise von 10 Pfennig verkauft werden. Den Verkauf sollen junge Mädchen und Frauen aller Bevölkerungskreise übernehmen. Reinerlös findet bekanntlich zum Besten der Mutter- und Säuglingsfürsorge Verwendung und zwar in den Bezirken, wo er vereinnahmt wurde.
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*) Gießen. Die Hess. Vereinigung für Volks= funde hat sich bekanntlich die Sammlung der Flurnamen aller hessischen Gemarkungen zur Aufgabe gemacht. Die neuesten Mitteilungen der Vereinigung darüber besagen, daß von den 1009 Gemarkungen Hessens noch 500 ohne Sammler sind, weiter, daß Oberhessen mit seinen 446 Gemarkungen noch der Bearbeitung von 168 Gewährung einer Rente, Unterstützung oder Belohnung gemarkungen bedarf.
Gießen. Die neuerbaute Klinik für innere Tierfrankheiten, Gewährfehler und Hautkrankheiten an der Frankfurterstraße wurde am Dienstag durch einen in ternen Festakt ihrer Bestimmung übergeben. Der Direktor des Instituts Professor Dr. Gmeiner sprach in seiner Festrede über die Entwickelung der Tierheilkunde an der Universität Gießen.
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* Rodheim. Nach einer Bekanntmachung der Handwerkskammer Wiesbaden finden die Frühjahrsgesellenprüfungen statt: für Maurer, Zimmerer, Tüncher
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
vom 1. bis 15. Mai, für alle übrigen Handwerker vom 1. bis 30. April. Die Anmeldungen haben zu erfolgen bei den Vorständen der Prüfungsausschüsse, und zwar für Maurer, Zimmerer und Tüncher im Laufe des Monats April, für alle übrigen Handwerker in der Zeit vom 1. März bis 1. April. Die Prüfungsgebühr beträgt 6 Mark und ist vor der Prüfung an die Handwerkskammer einzuzahlen.
Löhnberg. Bei der Bürgermeister- StellvertreSpar- und Darlehnskassen- Rendant Wilhelm Knögel terwahl wurde das bisherige Gemeinderatsmitglied, von hier gewählt.
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Weilburg. Die Budgetkommission des Reichstages bewilligte für den Neubau und zur Ausstattungsergänzung der Unteroffizierschule in Weil= burg 1 100 000 Mark.
* Weilburg. Während des Jahres 1910 sind
1783 Ehejubiläumsmedaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Provinz Hessen- Nassau 123, auf den
Oberlahnkreis 3.
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Marburg. In einer Montag stattgefundenen deutsch- sozialen Wählerversammlung sprach Reichstags kandidat Schneidermeister Rupp aus Niederwalgern über das Programm der wirtschaftlichen Vereinigung, und Reichstagsabgeordneter Lattmann über die Finanzreform.
* Wiesbaden. Bürgermeister Rossel vom nahen
Doheim wurde mangels Beweise freigesprochen, Dittmar und Schmitz erhielten wegen Unterdrückung einer amtlichen Urkunde und Bestechung je 1 Monat Gefängnis, Herborn wegen Bestechung 75 Mark Geldstrafe, Weiß und Jäger wurden ebenfalls freigesprochen.
Soziales.
Ein gewerkschaftliches Fiasko
hat der sozialdemokratische Metallarbeiterverband mit seiner bisherigen Finanzwirtschaft gemacht. Mit einem Uebermaß im Unterstützungswesen versuchte er den andern Metallarbeiterverbänden Schmutzkonkurrenz zu ma= chen, was ihm auch bei vielen von denen, die nicht alle werden, gelungen ist. Die Folge davon war, daß in den letzten Jahren stets mit Defizit abgeschlossen wurde. Jetzt geht es nicht mehr weiter so. Der Vorstand des Verbandes macht der Pfingsten in Mannheim stattfindenden Generalversammlung zur Steuerung der Finanzmisere drei Vorschläge und zwar: 1. den Wochenbeitrag um 10 Pfg. zu erhöhen; 2. den Anteil der Lokalkasse am Wochenbeitrag von 14 auf 10 Pfg. zu kürzen; 3. bei großen Aussperrungen soll fürderhin für die ersten zwei Wochen Streitunterstützung nicht gezahlt werden, für die folgende Zeit wird die Streifunterstützung auf die Sätze der Erwerbslosenunterstützung, etwa die Hälfte, ermäßigt.
scheint
Der sozialdemokratische Metallarbeiterverband nach diesen Vorschlägen das Jahr 1910 ebenso wie seine beiden Vorgänger mit einem Defizit abgeschlossen zu haben. Die Jahre 1908 und 1909 brachtem dem roten Verband einen Vermögensrückgang von 769516 M. Der christliche Metallarbeiterverband hatte in derselben Zeit eine Vermögenszunahme von 265 557 Mt. Gehen die vom Vorstand des sozialdemokratischen Metallarbeiterverbandes gemachten Vorschläge durch, so erzielt dieser für seine Hauptkasse, wenn nur das unter 1 und 2 Gesagte berücksichtigt wird, eine jährliche Mehreinnahme von zirka 2 Millionen Mark. Hoffentlich verstehen die
christlichen Metallarbeiter allerorts dieses zu würdigen und durch vermehrte Agitation und Ausbau ihre Verbandsfinanzen ihre Position zu stärken.
Eingelandt.
Antwort auf die in Nr. 34 unter gleicher Rubrik gestellten Anfrage: 1. Der Arzt ist nur dann, und zwar nur in dringenden Fällen, zur Hilfeleistung gesetzlich verpflichtet, wenn die Obrigkeit ihn dazu auffordert. Diese Verpflichtung trifft in gleichem Maße jeden Deutschen. Da aber bei Unglücksfällen für gewöhnlich der Arzt als Fachmann am schnellsten helfen kann, so wird an ihn in erster Linie die polizeiliche Aufforderung ergehen, ob bei Tag oder Nacht ist gleichgültig. Ablehnen fann er die Hilfe nur aus zwingenden Gründen, wie Krankheit oder wenn er anderweitig dringend verhindert ist. 2. Für die Nichtbefolgung der polizeilichen Aufforderung wird er, wie jeder andere, der nicht Arzt zur Rechenschaft gezogen werden können. Es ist eine moralische Pflicht des Arztes, bei allen Notfällen die erbetene er ste Hilfe zu leisten, eine gesetzliche Pflicht nur, wenn die Behörde ihn auffordert. 4. Ist der Arzt vertraglich verpflichtet, wird die Sache selbstredend eine andere.
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