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Hus dem Reiche der Technik.
Neue Versuche mit Schnellzugwagen. Seit Jahren tt es das Bestreben der Bahnverwaltungen, eine ruhtgere Gangart der Schnellzugwagen herbeizuführen, um bie Annehmlichkeit des Reifens zu erhöhen. Man suchte dies bisher durch eine Vermehrung der Wagenachsen zu erreichen, deren Zahl sich im Laufe der Zeit von drei auf vier und dann sechs erhöhte. Neuerdings werden gar schon Vorschläge für achtachfige Wagen gemacht. Auf einem ganz anderen Wege will nun die preußische Etsenbahnverwaltung die Gangart der Wagen verbessern, nämlich durch Erweiterung der Fahrspur. Bekanntlich passen die Wagenräder nicht genau auf die Schienen, sondern haben zur leichteren Ueberwindung der Kurven einen Spielraum nach der Seite von etwa 10 Millimeter. Da die Ansichten darüber, welche Größe des Spielraums die günstigste ist, geteilt sind, Iteß die Bahnverwaltung schon vor mehreren Monaten ver= fuchsweise auf der Strecke Berlin- Cassel- Frankfurt a. M. einige Wagen laufen, deren Näder einen Spielraum von 20 Millimeter zwischen den Schienen hatten. Diese Versuche führten jedoch zunächst zu feinem Ergebnis, weil, wie man annimmt, der einzelne Versuchswagen durch den unruhigen Gang der übrigen ungünftig beeinflußt worden ist. Deshalb sollen die Versuche jetzt so wieder aufgenommen werden, daß sämtliche Wagen eines D- Zugpaares sowohl der Strecke BerlinGaffel- Frankfurt a. M. wie anderer Linten mit dem erweiterten Spielraum ausgestattet werden. Man glaubt auf diese Weise zu einem befriedigenden Ergeb nis zu kommen. Die Beobachtung der Versuchszüge soll längere Zeit hindurch fortgesetzt werden.
Vermischtes.
Was ein Polizeihund alles kann. Im Luckenwalder Krankenhaus waren einem Patienten seine neuen Schnürstiefel gegen ein paar alte abgetragene Schuhe vertauscht worden. Um nun den Uebeltäter zu ermitteln, wurde der Bolizeihund„ Cara" zu Hilfe genom men. Die Stiefer sämtlicher Patienten wurden auf einen Saufen geworfen, der mutmaßliche Täter herausgerufen und„ Cara" nahm von ihm Witterung. Er fuchte dann kurze Zeit unter den Stiefeln und setzte die alten vertauschten dem Verdächtigen ohne wetteres vor die Füße. Nachdem der Spürhund dies mehrere Male
threm Nachbar zur anderen Seite, einem Kavallerieof= fister, angelegentlich unterhält. Der Dame scheint die neue Signachbarin nicht zu behagen, denn sie riidt möglichst weit von ihr hinweg." Nig für ungut, Fräul'n," sagt resolut die Debstlerin, aber für vierzehn Heller tönnen net auf jeder Seiten an Kavallerieoffizier haben." Auf den Gesichtern der Passagiere erschten ein vergnügtes Schmunzeln über diese Aeußerung echten Wiener Voltshumors.
Ein lustiges Stückchen, dem der Versuch einer Nachahmung des Gentestreiches des Schusters Voigt zugrunde lag, wird aus dem märkischen Städtchen Werneuchen berichtet. In dem dortigen Rathaus erschien dieser Tage ein etwa 35jähriger, sehr elegant gekleideter und forsch auftretender Herr, der den Bürgermeister der Stadt zu sprechen wünschte. Da dieser aber verreist war, wurde er von dem Stellvertreter des Stadtoberhaupies, dent Gutsbesitzer Wiese, empfangen. Der Besucher stellte sich in hochfahrendem Tone als höherer Beamter der Potsdamer Regierung vor, der den Auftrag erhalten habe, eine Anzahl märkischer Ortsverwaltungen zu inspizteren. Ohne weiteres setzte sich der " Herr Rat" an den Schreibtisch, um seine Revisionstätigkeit zu beginnen. Er verlangte fategorisch von dem stellvertretenden Bürgermeister die Vorlegung der Kassenbücher und die Herbeischaffung der Barbestände. Dann machte er sich daran, ein formgerechtes Protokoll aufzunehmen. Der Gutsbesitzer hörte sich eine Zeitlang ruhig die vielen Wünsche und Bemängelungen des Herrn Vorgesetzten" an. Als ihm aber die Sache zu bunt wurde, setzte er den Besucher furzer Hand an die Luft. Der über diese unerwartet schnelle Beendigung feiner Tätigkeit verduste„ Herr Revisor" mochte wohl eingesehen haben, daß er dem riesenhaften stellvertretenden Bürgermeister nicht gewachsen war und zog es vor, so rasch wie möglich zu verschwinden, allerdings nicht, ohne dem Bürgermeister gedroht zu haben, er werde diese Respektlosigkeit und unbotmäßigkeit dem Herrn Oberpräsidenten melden. Zweifellos handelt es sich um einen Schwindler, der gehofft hatte, durch sein sicheres Auftreten den Bürgermeister einzuschüchtern und dabet eine größere Geldsumme zu erbeuten. Wie sich herausstellte, war der Fremde vor seinem Besuche bei dem Bürgermeister bereits auf der Hauptkasse gewesen, wo er aber von den Beamten, die ebenfalls Verdacht ge= fchöpft hatten, an den Bürgermeister verwiesen wurde.
wiederholt hatte, gab der Beschuldigte den Diebstahl Der Palast des Erichahs von Persien.
schließlich zu.
Ein Liebesdrama im Walde. In cinent Brivatwäldchen bei Bad Ems schoß gestern abend der Etser= bahnpraktikant Duefer aus Saarbrücken auf seine Geliebte Emilie Weiß aus Langenlonsheim und verießte sie schwer. Dann tötete er sich selbst. um ihre Durstqualen zu stillen, troch das Mädchen vorwärts und fiel einen Abhang herab. Dort blieb es, da ihre Hilferufe ungehört verhalten, bis zum Abend liegen. Ein zufällig vorbeikommende Gärtner, den sie um ein Glas Wasser bat, sorgte dafür, daß sie ins Krankenhaus far, wo man erst den Sachverhalt erfuhr. Nach längerem Suchen wurde auch die Leiche des jungen Mannes ocfunden. Wie es heißt, bestanden unüberwindliche Gle hindernisse für die beiden wegen Verschiedenhet re Konfession. Das Mädchen scheint einen Lungens( r= halten zu haben und wird kaum mit dem Leben bevontommen.
Wie weit Gaunerfrechheit manchmal geht, eig folgende Borfall, den der„ Thür. Waldbote" ch Am 8. d. M. war einem Herrn auf dem Schützenfest ta Ohrdruf das Fahrrad und mit diesem ein Wettermortel gestohlen worden. Dieser Tage sandte der noch unbefannte Dieb nun in Gestalt einer Postkarte eine Dantfagung. Sie lautet: Wölfts, den 8. Jult 1911. Geerter Här D...! Daf Rat ist gut und gut erhalten. ch tanke noch dafür. Es schenieri mich die zweterlet Bettale. Ich werde mich ein neues faufen, oder haben sie eins? ch gäbe thnen taß Mändelgen was ich nicht tragen fan. Ich tue es auf ten Fälsenkeller. Die roten Kriffe sind ab und die Nummer ist verbocht. Mit bästen Krus thr Rattieb." Auf der Rückseite der Karte ist der Vorgang ffizztert, wie der Langfinger das Rad an sich nimmt.
Die geplagten amerikanischen Miltonäre. Verschtedene amerikanische Millionäre protestieren energisch gegen eine Uebersteuerung, die thnen von den amerikantschen Behörden auferlegt wird. Die Folge würde sein, daß sie Amerika verlassen und sich in anderen Ländern anfäffig machen, wo weniger Steuern erhoben werden. So kämpft der reichste Mann der Welt, Mr. Rockefeller, gegen die Besteuerung seines Landbesites in Clevelayd mit 6 Millionen Dollar. Der Senator Clarks, der bekannte„ Kupferkönig", sagt, daß die ihm auferlegte Summe von 3% Millionen Dollar um die Hälfte zu Hoch set.
Ein erschütternder Unfall hat sich gestern nachmit= tag in der Hermannstraße zu Rigdorf zugetragen. Dort wohnt die erst vor wenigen Tagen zur Witwe gewordene Frau Kühn, die fortgegangen war, um eine Besorgung in der Nachbarschaft zu machen. Ihr kleines, vierfährtges Töchterchen blieb derweil allein in der Wohnung zurück. Um der Mutter nachsehen zu können, kletterte das Mädchen an das offenstehende Fenster und beugte sich hinaus. Es sah auch die Mutter; um sie aber noch weiter mit den Blicken verfolgen zit können, rutschte das Kind noch mehr vor, verlor dabet das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße hinab. Die erlittenen Berlegungen waren so schwerer Natur, daß das Mädchen fast auf der Stelle starb.
Welches Land stellt der Schweiz die meisten Be fucher? In Bern ist soeben die Statistik der schmetzerischen Fremdenverkehrs veröffentlicht worden. Ste zeigt, daß in der lebten Zeit seltsame Verschiebungen eingetreten sind, was die Heimat der die Schweiz besuchenden Fremden angeht. Bis vor etwa 10 Jahren war die Zahl der deutschen Touristen in ständigem Steigen, während die der Engländer ebenso ständig abnahm. Seit dem Anfang des neuen Jahrhunderts aber hat der Besuch der Deutschen langsam nachgelassen, während die Engländer wieder in größerer Menge die Schweiz aufsuchen. Noch auffälliger aber ist die gleichmäßig wachsende Zahl der Franzosen, die nach der Schwetz retsen; fie nehmen heute bereits die zette Stelle unter den Nationen, deren Angehörige auf ête Schweizer Alpen steigen, ein.
Eine tolle Gründergeschichte wird von Philadelphia getabelt, wo dieser Tage dret„ Direktoren" wegen Befruges verhaftet wurden. In der Voruntersuchung stellte sich heraus, daß die dret nicht weniger als ein Dußend Versicherungsgesellschaften" auf dem Gewissen hatten, die ihnen etwa 120 000 M. im Monat einbrachten. Die Gauner sollen viele Tausende, meist von der Sorte, die nicht alle werden, geschädigt haben. Nach einer wetteren telegraphischen Meldung beträgt die Zahl diefer Schwindelgesellschaften sogar 14, mit einem Gesamttapital von nicht weniger als 6 Millionen Dollar gleich 25 Millionen Mart.
Eine Abfuhr. Folgende nette Szene auf der Wiener Tram hat ein Leser des„ Extrablatts" beobachtet: Beim Naschmarkt steigt etne Marktfrau in einen Wagen der elettrischen Straßenbahn ein und kommt neben eine sehr elegante junge Dame zu fizzen, die sich mit
Der Erschah son Persien, Mohammed Alt, befindet sich durch seinen Staatsstreich wieder auf persischem Boden, von dem er vor 2 Jahren verbannt worden ist, und wird in furzer Zeit voraussichtlich in Teheran in seinem Palaste Einzug halten. Es wird darum eine Schilderung des Palastes von Interesse sein, welche die„ Inf." cinem Berichte des englischen Reisenden William Streson entnimmt, der als Gast des Schahs von Persien in Teheran weilfe:
Sowie man den Toreingang des Königspalastes durchschritten hat, fühlt man sofort den Atem der Ränke, der Tyrannet und der geheimen Grausamketten. Der Palast wird von einer hohen Mauer umgeben und gleicht einer finsteren Raubrttterburg. Seine Einrichfung zeigt noch ganz den Charakter der Gewaltherrscher, und trägt das Wesen fener graufigen Zeiten, wo Fath Alt Schah und der blutige Nadir hier ihre unerhörten Gewalttaten verübten. Von dem kleinen Vorraum aus gelangt man nämlich in ein Labyrinth niedrtger Gänge, die nach allen Richtungen hin in schwarze Finsternis verlaufen, und die so recht den Schauplatz Hinterlistiger Ermordungen und Torturen bilden konnfen. Sie meisten Zimmer haben einen ähnlichen Charakter und zeech mur durch ihre kostbare Einrichtung von den vergitech Feichtum der Perserkönige. Umgeben wird der Baia von einem alten, prachtvollen Bart, der von dem seltsamen Kunstverständnis des Schahs Zeugnis ablegt; denn alle fünf Schritte finden sich hier Rche, 3werge, und andere Schmuckgegenstände", tie zum Teil( us Terracotta angefertigt sind, zum Teil aus Gußcisen stehen und in der Form ganz roh sind.
Der Harem des Berserkönigs nimmt den ganzen Inken Flügel end ist der schönste Teil des Palastes. Der Fußboden ist mit Marmorfliesen belegt, in allen Teilen der schattigen Gartenanlagen plätschern versteckt Springbrunnen und überall liegen fleine Grotten verstreut. Den seltsamsten Anblick des Königspalastes bte= tet die Schatzkammer, die zuerst eine wahre Fundgrube prächtigster Runstgegenstände und reichster Kostbarfeiten zu sein scheint. Hier findet sich die herrlichste Indische Seide, die 300 Jahre alt ist, ein Schwert eines alten Perserschahs, das über und über mit walnußgroßen Brillanten im Griff besät ist, die den Schwertfnauf bilden. Daneben glänzt ein tostbarer Globus, bet dem das Wasser aus Saphiren und das feste Land aus Brillanten hergestellt ist, die Berge sind durch Rubinen und die Städte durch Smaragde gekennzeichnet. Neben ungeheueren alten goldenen Schüsseln findet sich aber auch ganz moderner Trödelfram, wie wir ihn in unseren Bazars kaufen fönnen. Neben den größten Kostbarkeiten der fämmerlichste Schund, der die Folte bildet. Am Ausgang der Schatzkammer steht eine der Herrlichsten chinesischen Vasen von 2 Meter Höhe, das Geschenk eines chinesischen Satsers, und daneben als Beichen modernen" Geistes etn... Grammophon.
Opfer des Aberglaubens.
Moch steht der tragische Fall des durch Volksheze zum Scbstmord getriebenen österreichischen Gemeindearztes Franz in Riedau in frischer Erinnerung und schon wird abermals der Fall einer brutalen Verfolgung eines österreichischen Gemeindearztes gemeldet, Ber, weil er seine ärztliche Pflicht erfüllte, durch böswillige Heze aus Amt und Brot getrieben wurde.
Es handelt sich um den Gemeindearzt Josef Peer in Weibern in Oberösterreich. Am 3. Jult abends war dort die Näherin Rosa Enzer an tuberkulöser Hirnhautentzüdung und beiderseitiger tuberkulöser Rippenfellentzündung gestorben. Der zur Leichenschau berufene Dr. Peer ordnete angesichts der herrschenden Hize und, da die Leiche bereits Ausdünstungen verbreitete und es sich um Tuberkulose gehandelt hatte, pflichtgemäß eine beschleunigte Bestattung für den 5. Jult vormittags an. Die Familie wetgerte sich dieser ärztlichen Anordnung Folge zu leisten, und alsbald war der ganze Ort gegen den Gemeindearzt aufgehegt. Auch beim Gemeindevorstand fand er feine Unterstützung. Von diesem Augenblick ab wurden Dr. Peer und seine Gatttn von den Leuten nicht mehr gegrüßt und erhielten auf Grüße tetne Antwort. Dafür wurde Dr. Beer mit anonymen Briefen unflätigsten Inhalts belästigt. Wenige Tage später folgte dann eine geradezu empörende Szene. Es war abends nach 9 Uhr und Dr. Peer jaß am Klavier. Die Fenster standen wegen der großen Hize offen. Da wurde plößlich draußen höhnend ostentatto applaudiert, verspottende Burufe wurden laut. Blöblich ertönten schrille Pfiffe; an die Fenster flogen Steine und Sand und bis über das aut akustische Haus
dach hörte man Steine rollen, die von unten geworfen wurden. Bis nach 10 Uhr dauerte das Bombardement an. Mit Hilfe einer elektrischen Blendlaterne agnos zierte Dr. Peer die um das Haus herumschleichenden pfeifenden und fohlenden Leute, unter denen sich auch das Dienstpersonal seines Hausherrn befand. So oft Dr. Peer vor die Haustütre trat, verschwanden die Ruhestörer, um sofort zurückzukehren, wenn er wieder hineingegangen war. Erst gegen Mitternacht wurde es endlich still. Fortgeseßte anonyme Briefe gemeinsten Inhalts und die Furcht seiner Gattin vor wetteren nächtlichen Ueberfällen bewogen Dr. Peer zur Kündi gung feiner Stelle als Gemeindearzt, die auch von der Gemeinde fofort angenommen wurde.
Fast noch ärger ist ein zweiter Fall der aus Graz gemeldet wird: Am 26. Februar abends ging der Bauernbursche Franz Pus von Zeil nach Pöllau, um eine Medizin zu holen. Nach Uebergabe der Medizin führte der Apotheker Roberouer den Burschen mit einem Leuchter in der Hand zur Tür. Dabei scheint der Apotheker den Burschen im Geficht gestreift zu haben. Der Bauernfohn wurde von wildem Schreck erfaßt und hatte das Gefühl, als ob ihm der Apotheker etwas u11= fer die Nase gestrichen hätte. Es wurde ihm itbel, er erbrach und bekam Durchfall. Kaum batte er fich ctwas erholt, als er in wildem Laufe nach Hause eilte. In Pöllau herrscht nämlich der Aberglaube, daß jeder Apotheker das Recht habe, alle Jabre einige Menschen, mindestens ein Weib und einen Mann, aut töten, um die Körper auszukochen und daraus Medikamente zu machen.. Es dauerte keine acht Tage, so war die ganze aufgeregte Gegend von dem Märchen erfüllt, der Apothefer habe den jungen Puzz betäuben wollen, um ihn zit töten. Der Apotheker wurde voykottiert, sodaß er in einer Woche nicht eine einzige Krone einnahm. Nun verklagte der Apotheker den Bauernburschen und dessen Eltern als Verbreiter des Gerichts vor dem Bezirksgerichts Pöllau. Vor Gericht meinte der Bursche, der Apotheker habe ihn schon früher einmal verfolgt. Der Junge Putz wurde zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt, die Eltern aber mit der höchst merkwürdigen Begrindung freigesprochen, daß der Einfluß des Aberglaubens auf die Landbevölkerung es möglich erscheinen laffe, daß die Eltern den Worten ihres Sohnes Glauben schenkten.
Drabtnachrichten und neuestes.
Persien in Aufruhr.
Wien, 21. Jult. Ueber die Lage in Persien trafen hier sehr verworrene und sich start widersprechende Nachrichten ein. Nur soviel steht fest, daß int Lande vollkommene Anarchie herrscht. Besonders aus den südlichen Provinzen kommen besorgniserregende Nachrichten. In Chorasan und Astrabad fanden Zu sammenstöße der Unzufriedenen mit den Truppen statt. Der Bruder des Erschahs hat sich in Turkestan festge= setzt und fordert nach wie vor das Volk auf, unter die Herrschaft seines rechtmäßigen Gebieters zurückzukehren. Er soll bereits seit längerer Zeit von dort aus mit ſeinem entthronten Bruder in Verbindung gestanden und alle Vorbereitungen zu dessen Gewaltstreich getroffen haben.
Schwere Ausschreitungen gegen in England lebende Chinesen.
Cardiff, 21. Jult. Gestern abend hat eine Massenversammlung stattgefunden, an der 50 000 Arbetter tetinahmen. Nach der Versammlung wurde ein Angriff auf die chinesischen Waschanstalten gemacht, Fenster wurden eingeworfen und die Geschäftslokale de= moliert. Eine Wäscherei wurde in Brand gesteckt. Bet dem Angriff war die Polizei nicht sofort zur Stelle. Die hauptstädtische Polizei ist an den Ort der Unruhen ge etlt, wo ernste Zusammenstöße erfolgen dürften.
Die Unsicherheit in Mexiko.
Neuyork, 21. Juli. Die Ausländer verlassen Mexifo in großen Scharen. Sie berichten über neue Unruhen in Puebla, Torreon sowie an anderen Orten des Landes. Die Unsicherheit im Lande wächst.
Neuyort, 21. Jult. Aus St. Antonio wird gemeldet: Zahlreiche hierher geflüchtete Ausländer berich ten, daß in der Stadt Torreon und im Staate Coahuila Anarchie herrsche.
Berliner Getreide und Schlastvichmarkt.
Auf Grund der bisherigen Berichte glaubt man den diesjährigen Ertrag an Weizen, dem Hauptartikel des Weltgetreidemarktes, auf mindestens die gleiche Menge wie in den beiden letzten Vorjahren veranschlagen zu tönnen. Die Ernte erfolgt allenthalben verhältnismäBtg frühzeitig, und dies kommt in dem schnellen Anwachsen der sichtbaren Vorräte zur Erscheinung. Namentlich macht sich dies in Nordamerika geltend. Diese Umstände haben ein Nachlassen der Weizenpreise am Weltmarkte in der am 19. Just beendeten Berichtswoche bewirkt. Im Berliner Getreidehandel ist hiervon nur ein geringer Einfluß bemerkbar gewesen. Auch Roggen hat nur für nahe Termine im Preise etwas verloren, hauptsächlich weil das Angebot russischer Ware drückte. Hafer war anfänglich wegen der andauernden Dürre recht fest und schließt gegen die Vorwoche zit erhöhten Preisen, trotzdem infolge günstiger gewordenen Wetters in den letzten Tagen eine Ermattung der Lendenz eintrat. Mais hat im Einklang mit dem Auslande sich ansehnlich teurer gestellt. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im September wie folgt: Weizen 197,75 M., Roggen 165,75 M., Safer 165,50 M, Mais 151,50 M.
Preise des städtischen Schlachtvieh= marktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, ungejocht 81 bis 86 M., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäftete 78-84 M. c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 74 bis 75 M. 2. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 73 bis 80 M., b) vollfleischige jüngere 71 bis 76 M. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 72 bis 74 M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bis M., b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 68 bis 72 M. c) ältere ausgemästete und we nig gut entwickelte jüngere ühe und Färfen 65 bis 69 M., d) mäßig genährte Kühe und Färfen 58 618 62 M., e) gering genährte ühe und Färsen bis 61 M., f) gering genährtes Jungvieh( resser) M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Maft 107 bis 136 M, 6( feinste Mastfälber 88 bis 97 M., c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 77 bis 85 Mb) geringere Mast- und gute Saugfälber 70 bts 79 M. e) geringere Saugfälber 51 bis 67 M. 5.Schafe: a) Mafflämmer und jüngere MastHammel 76 bis 84 M., b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte funge Schafe 58 bis 74 M, c) mäßig genährte Hammel und Schaje 58 bis 74 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Rentner Le bendgewicht 59 M., b) vollfleischige Schweine 240 bi 300 3fb. 58 bis 59., c) vollfleischige 200 bis 240 3fb. 57 bis 59, d) vollfleischige Schweine 160 bis 200 Pfd. 56 bis 58 M, e) vollfleischige Schweine unter 160 Pfd. 54 bis 56 M, f) Sauen bis- M


