Deutscher Reichstag.
Die staatlichen gewerbegerichtlichen Einigungsämter dürften wohl in erster Linie berufen sein, bei eintretenden Differenzen, insbesondere vor Erneuerung bestehender Tarifverträge vermittelnd zu wirken. Die von den Organtsationen selbst geschaffenen Einrichtungen zur Wahrung des Friedens sollen durch das Amt weder beseitigt noch ge= schwächt werden. Dieses darf erst eingreifen, wenn die Verbände erwiesenermaßen ihren Zweck nicht zu erreichen vermögen. Die Erzwingung der Annahme eines Schiedsspruches möchte man aber nicht empfehlen, weil die freie Entwicklung dadurch gehemmt würde. Je gewaltiger Industrie und Gewerbe in Deutschland emporwachsen ,, um so mehr ist zu erwarten, daß sich allmählig eine Unternehmerund Arbeiterdiplomatie ausbildet, die die Kunst des richtigen Verhandelns untereinander erlernt.
Die zwette Lesung der Reichsversicherungsordnung wurde am Freitag beim 4. Buche Invaliden- und Hinters bliebenenversicherung" fortgesetzt. Aus der Debatte, die Aenderungen der Kommissionsfassung nicht ergab, ist hervorzuheben, daß von sozialdemokratischer und freisinniger Seite versucht wurde, die Frage der Privatbeamten- Benfionsversicherung im Rahmen der Reichsversicherungsordnung mitzuregeln. Namens der Nationalliberalen erklärte Abg. Stresemann, daß sich seine Fraktion auch auf diesen Weg gedrängt sehen würde, wenn nicht eine bestimmte Erklärung der Verbündeten Regierungen abgegeben würde, daß das Sondergesetz alsbald dem Reichstage vorgelegt wird. Staatssekretär Delbrück machte darauf die mit allsettigem Beifall aufgenommene Mitteilung, daß der Entwurf dem Reichstage in den allernächsten Tagen zugehen werde. Weiterhin spielte die von freisinniger und sozialdemokratischer Seite beantragte Herabsetzung der Altersgrenze vom 70. auf das 65. Lebensjahr eine wesentliche Nolle während des letzten Teils der Sizung. Staatssetretär Delbrück hob die großen Neubelastungen hervor, die die Reichsversicherungsordnung bringe, die ziffernmäßig berechenbaren und die indirekten. Die Herabsetzung der Altersgrenze würde Ausgaben zur Folge haben von 9 Millionen für das Reich und 45 Millionen für die Versiche= rungsträger, nachdem die Kommissionsbeschlüsse schon rund 135 Millionen, davon 27 Millionen für das Reich ergeben. Zu den Folgen der Herabsetzung würde die Verkürzung der Beitragsdauer während der Zeit vom 65. bis 70. Lebensjahre gehören. Die Frage fiele immer weniger ins Gewicht, da die meisten, wenigstens die industriellen Arbeiter in den Genuß der Invalidenrente kämen, bevor sie Altersrente erhalten würden. Der Staatssekretär verlieh seinen Erklärungen besonderen Nachdruck und Bedeutung durch die Mitteilung, daß sie das Ergebnis einer eben stattgehabten Konferenz mit dem Reichskanzler seien. Schatzsekretär Wermuth erläuterte dann die Undurchführbarkeit der Herabsetzung noch eingehend vom finanziellen Standpunkt. Auch in der anschließenden Besprechung hob Ministerialdirektor Caspar die Unabänderlichkeit des Beschlusses der Verbündeten Regterungen hervor. Vertreter der anderen bürgerlichen Parteien stellten sich im Einklang Hiermit auf den Boden des Kommissionsbeschlusses. Die Herabsetzung der Altersgrenze wurde dann mit 160 gegen 146 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Man hat ge= rade 80 Paragraphen erledigt, so daß, wenn wirklich am Sonnabend die zweite Lesung zu Ende geführt werden soll, für diesen Tag ein Arbeitspensum von über 500 Paragraphen übrig bleibt.
Der drohende Berliner Bäckerstreik.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Keine preußische Wahlrechtsreform. Eine Berliner Nachrichtenstelle verbreitet die angeblich gut verbürgte Meldung, daß die preußische Regierung beabsichtige, im Januar eine neue Wahlreform im Landtage einzubringen. Bon anderer Seite wird dagegen versichert, daß diese Nachricht völlig unbegründet sei. Jedenfalls bestand vor furzem nicht die Absicht, vor Zusammentritt des neuen Reichstages irgendwelche Schritte in dieser Angelegenheit zu tun.
Die Reichstagskommission für den elsaß- lothringischen Verfassungsentwurf erledigte am Freitag in zweiter Lesung das Wahlgesetz unter Einführung der gleichen Wahl und nahm dann das Verfassungsgesetz mit zwei von der Reichspartei beantragten Paragraphen über die Freiheit des religiösen Bekenntnisses und die Sprache mit 19 Stimmen der Reichspartei, des Zentrums, der Nationalliberalen, der Volkspartei und Sozialdemokraten an. Dadurch erscheint die reichsländische Verfassungsreform gesichert.
Das nahende Pfingstfest ist von der schlimmen Aussicht bedroht, daß der Brotkorb höher gehängt werden muß. Von den fast vier Millionen Bewohnern Groß- Berlins werden bet Ausbruch des Bäckerstreiks mindestens dreieinhalb Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, denn nur in drei Vororten ist eine Einigung im Bäckergewerbe erzielt worden. Streit und Boykott erheben ihr dräuendes Haupt, und ein Kampf von ungeheurer Ausdehnung wird den sozialen Frieden in bitterster Weise stören, wenn es nicht noch gelingt, eine Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen. Die staatlichen Behörden find in Ansehung der Schwere eines Notstandes, wie ihn die Arbeitseinstellung im Bäckereibetriebe hervor rufen würde, auf indirektem Wege in eifrigster Weise bemüht, den Zwiespalt zu schlichten, aber die Hoffnung auf ein Gelingen ist recht gering, zumal die großen Innungsverbände der Meister die Forderungen der Gesellen durch= weg ablehnen, weil die Grenze der Nachgiebigkeit längst erreicht set. Da eine Teuerung des Brotes bei dem Eintritt des Streifs zu erwarten steht, indem mit einer Einfuhr von auswärts gerechnet werden muß, so werden die weniger bemittelten Hausstände am härtesten betroffen werden.
Durch die kritische Sachlage wird erklärlicher Weise die Frage wieder aufgerollt, wie den Lohnkämpfen durch Schiedssprüche Einhalt getan werden kann, denn durch die Erschütterungen des Arbeitsmarktes leidet die gesamte Volkswirtschaft schweren Schaden.
für Spanisch- Nordafrika und Spanisch- Guinea für zuläß fig erklärt wird.
Die Gefahren der portugiesischen Republit. Nach Mitteilung der portugiesischen Regierung ist ein bis ins fleinste ausgearbeiteter Plan zur Wiederherstellung der Monarchie aufgedeckt worden. Die Bischöfe sollten unter dem Vorwande der durch die Kirchentrennung geschaffenen Lage alle Kirchen schließen und so zunächst eine religiöse Bewegung hervorrufen. Die Regierung trifft Vorbereitungen, die Bewegung im Keime zu erstiden.
Eine Erklärung des Zentralverbandes deutscher Industrieller. Die„ Berliner Politischen Nachrichten" schreiben:„ Die schon bei früherer Gelegenheit aufgestellte und auf das bündigste widerlegte Behauptung, als ob Berufsgenossenschaften, die Mitglieder des Zentralverbandes Deutscher Industrieller sind, Beiträge für den Agitationsoder Wahlfonds des Zentralverbandes gegeben hätten, ist neuerdings im Reichstage wieder zur Sprache gekommen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß von den Berufsgenossenschaften niemals auch nur ein Pfennig für den Agitations oder Wahlfonds des Zentralverbandes zur Verfügung gestellt worden ist."
In der Gesellschaft für soziale Reform hat jüngst der frühere Staatsminister Frhr. v. Berlepsch über die Be= gründung eines Reichseinigungsamtes bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Er erblickte in den Kämpfen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern die Ursache schwerer, unserem Wirtschaftsleben zugefügten Schädigungen, die mit der fortschreitenden Ausgestaltung der beiderseitigen Organisationen an Größe und Verderblichkeit zunehmen. Ge= schädigt würden nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern weite andere Kreise, selbst die Allgemeinheit. Daher set es erforderlich, daß Zwistigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern geschlichtet werden, bevor es zum Kampfe kommt. Am wirkungsvollsten hätten sich bisher die Ta= rifverträge mit ihren paritätischen Einrichtungen erwiesen, deren fortschreitende Ausgestaltung und Ausbrettung Dr. v. Berlepsch warm befürwortete.
3wei Kirschen an einem Stengel.
11)
Roman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten.)
König Peters Reise nach Paris. Am Freitag vormittag ist König Peter von Serbien in Begleitung des Ministers des Auswärtigen und zahlreichem Gefolge zum Besuch des Präsidenten Fallieres über Wien nach Paris abgereist. In Basel, wo er die Reise für zwei Nächte und einen Tag unterbricht, wird der König in einem Hofsonderzug des Präsidenten Frankreichs die Reise fortsetzen. Bei der Abreise beglückwünschten am Bahnhof die ganze Stupschtina, die Minister, die Staatswürdenträger und eine sehr große Volksmenge den König lebhaft.
Sieg der deutschen über die englische Industrie. Wie dem Londoner ,, Daily Chronicle" aus Konstantinopel ge= meldet wird, hat sich der Einfluß Deutschlands, der in der türkischen Armee und Verwaltung schon start vorherrscht, nunmehr auch auf die türkische Marine ausgedehnt. Der türkische Marineminister soll die Armierung für die noch zu bauenden türkischen Dreadnoughts der Firma Krupp in Essen übertragen haben. Der Vertreter der englischen Firma Armstrong, die die technische Kommission vorge schlagen hatte, ist aus Konstantinopel nach London zurückgefehrt.
Kathis Augen gingen suchend durch den Saat, sie entdeckte die beiden nicht.„ Aberst hüt kumme sie nit her zu Tanz?" fragte sie.
,, Na, freilich," gab er ihr zur Antwort, die Rosemarie danzt für ihr Lebe gern, sie hupft so munter wie a Bachstelz und fühlt sich im Arme so lichte wie a Feder."
Kleine Nachrichten.
Der Präsident der Reichsbank Havenstein hat sich in Berlin einer Blinddarmoperation unterziehen müssen. Die Operation ist gut verlaufen. Sein Befinden hat sich daher gebessert.
Berufung eines deutschen Gelehrten an die Reichsuniversität Peking. Dr. Ernst Becker, der bisherige Assistent am Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg, ist zum Professor für Mineralogie an die Reichsuniversität in Peking berufen worden.
Deutschlands und Japans Werdegang. Die offiziöse Japan Times" vergleicht in einem offenbar inspirierten Leitartikel aus Anlaß der Rede des deutschen Reichsfanzlers in Heidelberg Japan mit Deutschland. Aus der Aehnlichkeit der jetzigen politischen und kommerziellen Lage Japans mit der Deutschlands im Jahre 1870 zieht sie die Hoffnung auf einen gleichen Aufschwung für Japan. Das Blatt führt dann weiter aus: Es gäbe feine Reibungsfläche mit Deutschland, der Handelsvertrag biete eine gute Aussicht auf eine sichere Zukunft und auf ein gutes Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler.
Häst allweil probiert mit ihr?" Kathi drehte sich Scharf zu ihm hin.
Ju doch, hüt nachmittag uf de Wiese. Der Peter hätt gepfiffe, und wir zwei hätt getanzt."
Wenn Dirs so gut gefalle hätt, funnst ja hernach noch immerzu mit ihr hüpfe!"
Werd ich ök!"
Rasch waren sich Rede und Gegenrede aufeinander gefolgt, wie Sprühteufelchen platzten die Worte aneinander.
Massenaussperrung westfälischer Textilarbeiter. Für etwa 12 000 christliche Textilarbeiter in Emsdetten wird die Generalaussperrung heute perfekt. Die Unternehmer verlangen schriftliche Mitteilung, daß die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen wird, was die Arbeiter für unmöglich erklären.
Ein Distanzritt Danzig- Konstantinopel wurde Frettag vormittag von Langfuhr bei Danzig von dem Leutnant v. Braun vom 1. Leibhusarenregiment Nr. 1 angetreten. Der Offizier will den ganzen Dauerritt auf einem fünfjährigen Halbblutwallach zurücklegen. Sein Weg führt ihn über Bromberg, Ratibor, Budapest und Belgrad. Leutnant v. Braun ist seit Februar 1906 Offizier.
Ein Friedensfest wurde am Donnerstag in allen Schulen Brüssels abgehalten, um den Jahrestag der Gründung des Haager Schiedsgerichts zu feiern. Die Kinder brachten Blumen mit in die Schule, und Lehrer und Lehrerinnen hielten Vorträge über den Frieden. Schüler und Schülerinnen sagten Gedichte auf und Lieder wurden gesungen, die den Frieden verherrlichten.
Die Geburtstagsfeier des Zaren. Dem Gottesdienst aus Anlaß des Geburtstages des Zaren in der Palaisfirche zu Zarskoje Selo wohnten der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin bei. Darauf fand im Hauptsaale des Großen Palais eine Frühstückstafel zu 500 Gededen statt. Der Kaiser nahm den Mittelplatz der Tafel ein. Ihm gegenüber saß die Kaiserin Alexandra, zu seiner Rechten die Kaiserinmutter und links von ihm die Kronprinzessin, der Kronprinz saß neben der Kaiserin Alerandra. Der Kaiser trank auf das Wohl des kronprinzlichen Paares. Die Musik spielte die deutsche Nationalhymne. Am Abend fand Diner statt.
Ruland, in der richtigen Erkenntnis, daß der liebe Brausetopf an seiner Seite sich noch nicht zufrieden geben würde, wollte ihr das Wort abschneiden, faßte sie bei setner letzten Erwiderung um die Taille und wirbelte mit ihr fort.
Das geschah so plötzlich, und das Tempo, das Hans angeschlagen, war so stürmisch, daß dem Mädchen beinahe der Atem verging, und ihr jede weitere Bemerkung für den Augenblick unmöglich gemacht wurde.
Eine spanische Fremdenlegion? Aus Madrid wird gemeldet, daß die mit der Fassung des Gesetzes über den obligatorischen Militärdienst beauftragte Kammerkommission den Entwurf auf Errichtung eines Kolonialforps an= genommen habe, für das die Anwerbung von Ausländern
Als Ruland endlich innehielt, hatte er den vorhin in thm aufsteigenden Aerger so ziemlich überwunden; nicht so die Kathi, deren eifersüchtige Regung von neuem angefacht wurde, als Rosemarie mit ihrem Bruder jetzt in den Saal trat und sie bemerkte, wie die drei einen freundlichen Gruß miteinander austauschten.
Hans wandte sich an sie. Der zweite Kirmestag soll morge nachmittag uf de Wiese im Walde gefeiert werde," sagte er ,,, de Pfefferküchler aus de Stadt, de Schlachter mit
Ein gewaltiger Heidebrand wütete gestern in dem HoHen Moor bei Lehe( Hannover). Mehr als 1000 Morgen fielen ihm zum Opfer, darunter ein junger Nadelforst. Die Bewohner der ganzen Umgegend wurden zum Ret tungswerke aufgeboten. Der Schaden, der nur teilweise durch Versicherung gedeckt ist, beläuft sich auf Hunderttausende. Es wird böswillige Brandstiftung vermutet.
de Wurstvergnüge und de Gastwirt mit a gute Trunk, die werde Bude da aufschlage. Die Musik fummt of, und wenns Wetter so bliewt, fanns ganz lustig werde."
Wieder ein Flieger abgestürzt. In der Umgegend Lon dons stürzte der Flieger Hucks mit einer Flugmaschine Eine ab, nachdem er wenige Meter zurückgelegt hatte. Schraube des Propellers hatte sich gelöst, infolgedessen fippte der Apparat nach vorn um und stürzte mit voller Wucht zur Erde. Hucks erlitt lebensgefährliche Verlegungen.
Sie spielte mit den langen Enden ihre sBlondzopfes. " Da wünsch ich Di und Din Bekannte viel Pläsier dazu," meinte sie, ohne ihn anzusehen.
Die Rosemarie und ihr Bruder seien morge nit dabi, die kriege selbst Besök," antwortete er ihr,„ aberst Du, Kathi, bist doch allweil dabi!"
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Ein Kind an einem Maikäfer erstickt. In einer Wohnung in Münster( Westfalen) beaufsichtigte ein etwa siebenjähriger Knabe sein kleines Brüderchen, ein Kind im Alter von sechs Monaten. Er setzte dem Kinde einen Maikäfer an die Lippen, den das kleine Wesen dann in den Mund schob. Als Hilfe kam, war es bereits zu spät und das Kind erstickt. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen.
Sie zuckte die Achseln.„ Wer weiß, es war halt die Red davon, daß wir morge anderwärts hinfahre wüllt, der Better wüllt die Glaskutsch bestelle."
Er war aufs äußerste erstaunt:„ Mädel, Du wüllst weg, wenn in Din egen Dorf hier Kirmes gefeiert wird? Jch säg Di, das paßt sich partu nit, das geht nit!"
Nun kam der Troß über sie.„ Es wird mich doch keiner hier festbinde wulle."
Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich bei Tissul im sibirischen Gouvernement Tomsk ereignet. Dort fuhr ein Schnellzug infolge falscher Weichenstellung in einen Güterzug und zertrümmerte 22 Wagen. Eine große Anzahl Personen erlitten schwere Verlegungen. Der schuldige Weichensteller erhängte sich und der diensthabende Stationsbeamte verlor vor Schreck den Verstand.
Er war ernst geworden." Nein," sagte er, wen's eigne Herz und Wille nit hält, den möcht keiner festbinde wulle, auch wenn ers fünnt."
über den Einsturz der Landungsbrücke in Lome( Togo) sind bei Hamburger Exportfirmen weitere Meldungen eingegangen. Danach sind der mittlere Teil der Brücke in einer Länge von 150 Metern, drei Krane und 13 beladene Güterwagen in die See gestürzt.
Sie schwieg, und auch er sagte kein Wort mehr. ,, Tia tia tiati", quieften die Violinen und der Brummbaß warf seine Grundtöne dazwischen. Die Paare drehten sich und stampften an ihnen vorbei. Dem Mädchen erschien mit einem Male alles so wunderlich und närrisch, sie war doch eben noch so vergnügt gewesen, und nun hätte sie am liebsten geheult.
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Der Spielklub der Lehrlinge. Ein eigenartiges SpieTermilien" entrollte eine Verhandlung, die gestern vor der zweiten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts stattfand. Gegenstand des Prozesses war die Klage des Kaufmanns K. für seinen minderjährigen Sohn Friß auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses bei der Schal- und Tücherhandlung von F. Der junge K. Hatte bereits 2% Jahre bei der Firma gelernt, als er plötzlich entlassen wurde. In der Verhandlung machte der Beklagte geltend, Frizz K. set zu
Jetzt bemerkte sie den Vetter, wie der sich durchdrängte. Das war also das feine Kleidungsstück, der Frack! Wie zwei Schwalbenschwänze sahen die Dinger aus, die hinten baran hingen. Es zudte um ihren Mund, aber zum Lachen fam's nicht, ihr war so gar nicht lustig zu Sinn. Die wunderlichen Schwalbenschwänze, die ste sonst zur größten Heiterfeit gereizt hätten, ließen sie jetzt gleichgültig.
Die Musik verstummte, der Tanz war zu Ende. Der feine Stadtherr, den die dörfliche Jugend einigermaßen befremdet betrachtete, hatte sich bis zu Kathi durchaear
beitet und rief ihr winkend zu:„ Jetzt komme ich an die Reihe und hole mir mein versprochenes halbes Duzend Tänze!"
Ruland recte sich sehr gerade.„ Aha! De Vetter mit de Glaskutsch! Er dät sich ja a gut versorge!" Ohne ein weiteres Wort von den beiden abzuwarten, drehte er sich um und verschwand in dem Nebenraume.
Der feine Jultus hatte freilich zuerst mit einer ge= wissen Befremdung Kathi in ihrem Bauernanzug ange= sehen, aber die bis zum Knie herabhängenden dicken Zöpfe, das frische Gesicht, von den krausen Löckchen umrahmt, das alles paßte so harmonisch zusammen, wirkte so anziehend, daß er bei sich feststellte, so, genau so müsse das Cousinchen ihres Amtes in Friedenau in der noblen Restauration von J. Grüßner walten; auf der Straße aber, oder wenn sie sich wo anders sehen ließe als in jenen vier Wänden, dürfe sie nicht anders gekleidet erscheinen, als richtig städtisch und ganz modern.
In aller Eile hatte er in Gedanken diesen Ueberschlag gemacht und sich noch einmal vorgenommen, alle Liebenswürdigkeit, über die er gebot, ins Treffen zu führen, um das Mädchen für einen Besuch in allernächster Zeit zu gewinnen. An diesen ersten Blick in das Treiben der Großstadt, den sie ihr so verführerisch wie möglich gestal ten wollten, sollte sich dann ihre Zustimmung schließen, die Stelle am Büfett anzunehmen. Am besten wäre es, so stellte er fest, das hübsche Kind gleich mitzunehmen.
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Seinen vorgenommenen Bestrebungen gemäß sprudelte er über von lustigen Geschichten und von Aufmerkſamfeiten für das Cousinchen. Diese Rolle ihr gegenüber wurde ihm auch nicht schwer, denn es lag in seiner Natur, mit hübschen Mädchen gern Scherz zu treiben. Dazwischen flog er mit ihr durch den Saal und führte sie sicher durch alle die einander stoßenden und drängenden Paare hindurch. Kathi, wie ihrem Tänzer, entgingen nicht die Bemerfungen, die über sie gewechselt wurden.( Forts. folgt.)
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