Ausgabe 
22.4.1911 Zweites Blatt
 
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Kleide dich nie schlottrig und nachlässig, das verrät immer einen trägen und

schwachen Geist.

( Cervantes: Don Quichote.)

Das Reich der Frau.

Was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand.

( Seneca: Troades.)

Der Bosenrock.

Wir haben bereits unseren Leserinnen einen der neuen, das Tagesgespräch bildenden Hosenröcke im Bilde vorgeführt. Er wurde in England auf einer Bühne gezeigt und erregte dort Sensation. Inzwischen hat dieser Hosenrock seinen Seldzug angetreten und außer den Bühnensternen und den Probierdamen, die in Paris und Berlin die Mode einzuführen haben, hat man bereits auf den Straßen einiger Modestädte an Damen den Bosenrock bewundern können. Bewundern? Mit Spott und ohn wurden die Trägerinnen überschüttet, sodaß sie von der Straße verschwinden mußten. Doch von wem ging der meiste Spott aus? Don den Männern. Sie bekämpfen nicht

Sie Rivalin auf dem Gebiet ihrer Kleidung, sondern sie fürchten, mit

der Bose, die bisher ihr Vorrecht war, auch

so manches andre aus ihren Bänden ent gleiten zu sehen. Ich glaube jedoch, daß der Sinn jener Srauen, die mit soviel Begeisterung dieser Variation der Bose ent. gegenjubeln, wohl nicht allzusehr nach den Rechten des Mannes steht.

Merkwürdig! Im gewöhnlichen Leben benützen wir das Worf Beinkleid. Keine gutgewöhnte Waschfrau würde in unserer Gegenwart Hose oder Unterhose sagen. Plötzlich steigt ein neuer Begriff auf, und das Wort Bose" hat seine Anstößigkeit verloren. Wenn die Männer eine ganze Schleuse von mehr oder weniger spitzigen Bosheiten über uns loslassen, können wir uns kaum wehren. Das kommt davon, weil Poiret die ganze antike Welt absuchte nach Motiven für unsere Erscheinung, und da kam er eben auch an die Bosen. Die Srauen der arktischen Völker benutzen sie immer, die Sennerin auf der Alm auch, ohne klassische Studien und aus praktischen Gründen. Tragen die Sennerinnen von Unterinntal und Schliersee die Beinkleider nur zur Arbeit auf der Alm, so sehen wir die Srauen von Champern im Kanton Wallis nur in den Beinkleidern und zwar sind es die gleichen wie die ihrer Männer. Aber der Orient liefert uns viele Erempel, weil man dort von seßhafteren Gewohn heiten und Gedanken ist, und sich Trachten erhalten, die weit zurück verfolgt werden können und zugleich zu bestimmten merk. malen von Rassearten sich ausgebildet haben. So trägt sich die Srau von Nordchina anders als die in den südlicheren Provinzen, die von Japan anders als die Koreanerin. Dann teilt sich die Tracht wieder durch Standesunterschiede, die in jenen Ländern

Der Salon bosenrod.

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11, VIII.

Drei Punkte find es, die dem Kinde beim Schulbeginn am markantesten entgegentreten: der Lehrer, die Mitschüler und endlich die Regelmäßigkeit der Stunden und damit die des ganzen Tages.

3u gleicher Stunde geht es täglich zur Schule, zur selben Stunde kommt es nach Hause. Damit nun das Kind keinen körperlichen Schaden erleidet, muß auch die Beiteinteilung zu Hause geregelt sein. Stets zu gleicher und sehr früher Stunde muß das Kind zur Ruhe gebracht werden, und stets regelmäßig müssen die Mahlzeiten eingenommen werden. Hier sündigen viele Mütter an ihren Kindern, indem sie diesen zu jeder Stunde und sehr oft kurz vor den Mahlzeiten etwas Eßbares in die Hände geben. Wie kann auf diese Weise der Körper an regelmäßiges Essen gewöhnt werden, das für ein gesundes Leben unbedingt notwendig ist?

Sremd ist dem Kinde der Lehrer, der leider von so vielen Eltern als Schreckgespenst hingestellt wird, statt dem Kinde Liebe und Vertrauen zum Lehrer einzuflösen. Wie ist aber eine ersprießliche und erfolgreiche Tätigkeit möglich ohne gegenseitiges Vertrauen? Und woher kommt das Mißtrauen? Wer trägt Schuld daran? Die Mutter, die so gern das Wort, wenn du erst in der Schule bift", als Mittel gebraucht, um das Kind zum Gehorsam zu zwingen. Arme Mutter, die eines solchen Mittels bedarf.

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Neu ist dem Kinde der Verkehr mit den vielen gleichaltrigen, aber so verschieden gearteten Mitschülern und Mitschülerinnen. Jetzt heißt es, sich einfügen, sich unterordnen. Hier sind nun zwei Sehler, vor denen die Mutter ihr Kind aufs strengste bewahren muß, weil man so leicht, ohne daß man es merkt, diesen Sehlern verfällt, Sehler, die später so schwer auszurotten sind und so großen Schaden zufügen können. Es sind die Unverträglichkeit und die Klaschsucht. Besonders Kinder, die zu Hause allein sind oder leichter Kränklichkeit wegen von der Mutter zu sehr verwöhnt werden, neigen stark zu Unverträglichkeit. Sie sind gewohnt, stets das Wort zu führen, zu tun, was fie wollen und ihre Wünsche erfüllt zu sehen. Im Bause sind sie gewöhnlich der Mittelpunkt, um den fich alles dreht. Nun kommen sie zur Schule, wo sie sich zunächst mit schwerem Herzen der Ordnung und dem Lehrer fügen müssen und sich nun auch beim Spielen so manchem Wunsch eines Mitschülers unterordnen sollen. Wieviel Streit und Bank wird durch solche Unverträglichkeit hervorgerufen, und wie manches Kinderherz verbittert und verhärtet sich. Und gibt es ein größeres Bemmnis im Leben des Menschen als die Unverträglichkeit? Sache der Mutter ist es nun, das kind energisch und ziel. bewußt darauf hinzuweisen, daß jeder Mensch, ob groß oder klein, sich unterordnen muß, und daß nur der einst zu herrschen versteht, der zu gehorchen gelernt hat. Außerdem muß man ihm das Wohltuende eines friedfertigen Berzens vorstellen.

Der zweite Sehler ist die Klatschsucht, der sich meistens die Uebertreibung zugesellt. Und gerade die kleinen Kinder fallen so leicht in diesen Sehler. In dem Verlangen, alles, jede geringste Begebenheit in der Schule der Mutter zu erzählen, ist es selbstverständlich, daß sie auch die Dinge erzählen, die die anderen Kinder angehen, und daß sie dabei leicht die Grenzen der Wahrheit über. sehen. Bierbei ist es nun ein leichtes, das Sinnen und Denken des Kindes in die richtigen Bahnen zu lenken, und ihm zu zeigen, wie unschön es ist, wenn man über die Sehler der anderen spricht und wie leicht das Geschehene übertrieben wird. Ein vorzügliches Mittel ist, wenn man das Kind immer wieder an das bekannte Sprichwort erinnert:" Was du nicht willst, daß man dir tut, das füg' auch keinem andern zu." Doch das befte und eindringlichste Mittel bleibt stets das gute Beispiel. Wenn ein Kind von seinen Eltern nie häßlich über andere sprechen hört, sondern sieht, daß man eventuell Sehler zu entschuldigen sucht, wie soll ein solches Kind dazu kommen, in den häßlichsten aller Sehler zu fallen? Darum, liebe Mütter, hütet eure Bungen und gebt euren Kindern கு. ein gutes Beispiel.

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Der türkische Bosenrod.

Der Straßen bosenrod nach Poiret.

Der Bosenrod der Schweizer Sennerin.

Dev Bosenrod der bayerischen und österreichischen Sennerin.

Wann sollen wir unsere Kleinen zur Schule schicken?

feststehende Gesetze find. Die uns zunächst lebenden Türkinnen tragen ebenfalls Beinkleider aus Seide und bis zum Knöchel reichend.

Diese Srage scheint insofern müßig, als ja durch das Gesetz der Eintritt in die Schule geregelt ift, und zwar bestimmt es für Norddeutschland das vollendete sechste, für Süddeutschland das vollendete siebente Lebensjahr. Die verschiedene gesetzliche Auffassung läßt die verschiedenen Ansichten der Eltern begreiflich erscheinen. Mit diesen Gesetzen ist der Beitpunkt gegeben, nach dem das Kind eingeschult werden muß. Wir wollen uns hier mit der Srage beschäftigen, wann es eingeschult werden soll; denn mit dem Beginn des betreffenden Alters kann es die Schule besuchen. So kann 3. B. ein Kind, das im Sommer das 6. bezw. 7. Jahr vollendet, bereits von Ostern ab die Schule besuchen.

Natürlich erscheint auch diese neueste Modeschöpfung in den verschiedensten Variationen und in Paris streiten sich bereits die Modekünstler, wer ihn zuerst herausgebracht hat.

Bei jeder Sache, die wir in einer Angelegenheit des Kindes vornehmen, fragen wir uns, oder sollten es wenigstens tun, ist dies sein Bestes und ist es unbedingt notwendig für das Kind. Merkwürdigerweise wird diese Srage so oft da am wenigsten beachtet, wo es fich um das notwendigste des Kindes handelt, um sein körperliches und geistiges Wohl. Bestimmte Regeln lassen sich natur­gemäß hier nicht aufstellen, dazu ist eben die Beschaffenheit der Kinder zu verschieden.

Der oben erwähnte englische Bosenrock ist dem geteilten Reitrock, der für den Berrnsitz erforderlich ist, nachgearbeitet nur natürlich bedeutend enger. Der französische zeigt teilweise dieselbe Grundform; darüber fällt ein kurzer, fußfreier Rock, der zu beiden Seiten bis oben geschlitzt ist und dadurch den Eindruck von zwei Schürzenteilen erweckt. Eine weitere Variation bildet der Pascharock, dem fich das echte Türkenbeinkleid gesellt, wie wir es auf der Abbildung ersehen. Dieses Beinkleid wird größtenteils unten eingereiht, weshalb es nur aus Seide oder ähnlichen leichten Stoffen gearbeitet werden kann. Der darübertretende Rock ist lang und entweder an den Seiten geschlitzt oder die Ränder treten in der vorderen Mitte breit übereinander, wodurch das Beinkleid nur im Sitzen be. sonders hervortritt.

Poiret, der in letzter Beit so viel genannte Modeschöpfer, schlitzte einfach die Röcke in der vorderen und hinteren Mitte und verband durch eingesetzte Keile die Hälften zum Beinkleid. Ob er fiegen wird der Bosenrock?

3wei Punkte pflegen die Beweggründe für den allzufrühen Schulbesuch unserer Kleinen zu sein: die Eitelkeit und die Bequemlichkeit; die einen find stolz, wenn ihre Kinder recht früh zur Schule gehen, die andern, hier handelt es sich um die Mütter, find froh, wenn sie die Kinder für einige Stunden des Tages los sind. Dieser Beweggrund ist der schlimmste, denn entweder ist er das Produkt der Verhältnisse, so daß die Mutter glücklich ist, für einige Stunden ruhig arbeiten zu können, oder er ist das Produkt der Erziehung, d. h., daß die Mutter mit dem Kinde nicht mehr fertig wird.

Einige der vornehmen französischen Geschäfte lehnen ihn vollständig ab mit den Worten: Sein Genre ist nur für bestimmte Srauen, die ebenfalls nur durch die Sensation bestehen." Damit ist er auch wohl für den größten Teil der deutschen Srauen abgetan.

Wenn auch nicht mit gleicher Entrüstung, so doch immerhin entrüstet wurde der Kumpelrock abgelehnt. Und das Resultat? Sah man ihn nicht allenthalben?

Der frühe Schulbesuch ist auf keinen Sall von Vorteil; direkt schädlich wird er, wenn das Kind körperlich zart und deshalb auch geistig nicht so rege ist, wie ein körperlich gesundes Kind. Wie oft verlieren die Kleinen nur allzu schnell ihren guten Appetit, ihre frische Sarbe. Was bedeutet ein Jahr in der Erziehung des Kindes, das für ein ganzes, nicht immer leichtes Leben gerüstet werden soll. Und lehrt nicht die Erfahrung, daß sich so oft zum Nutzen des Kindes die Natur selbst hilft? War und ist nicht so manche Krankheit, die das Kind in früher Jugend befällt, nur die Solge des zu frühen Schulbesuches? Glücklich das Kind, wenn es sich ohne dauernden Schaden hindurch arbeitet. Und nehmen wir nicht jedem Kinde, das zu frühe zur Schule muß und dem deshalb die geistige Beweglichkeit fehlt, jede Sreude am Lernen und am Studium?

Mir dünkt der Hosenrock, bei dem das Beinkleid durch den Rock gedeckt wird, in mancher Beziehung dezenter als der um die Büften eng gespannte Rock, der schon lange getragen wird, und als der verponte Humpelrock.

P. G.

Ein Wort zum Schulbeginn an die Mütter!

Mit dem Beginn der Schulzeit, wenn die kleinen Erdenbürger zum ersten Male dem Schul. gebäude zueilen, dann beginnen für die Eltern, besonders aber für die Mütter, neue Pflichten und Aufgaben.

Nur die Arbeit trägt gute Srüchte, die freudig getan wird. Und wenn das Kind nun doch nicht mitkommt, felbst bei Bilfsstunden, muß dann nicht das Jahr doch geopfert werden? So manches, das zu Anfang, trotz des besten Willens nicht zu den besten Schülern gehörte, ist nach einem solch erzwungen wiederholten Jahre für immer der Erste geworden.

Bisher gehörte das ganze Sinnen und Denken des kleinen Menschenkindes ganz allein der Mutter und seinen Spielsachen. Mit dem Eintritt in die Schule öffnet fich ihm jedoch eine Neue Welt.

Ein weiterer Grund, der den späteren Schulbesuch befürwortet, ist der, daß das Kind für den Schulbefuch vorbereitet werden muß, soll er von Erfolg begleitet sein. Diese Vorbereitung darf aber nicht darin bestehen, daß Lehrer und Lehrerin als Menschen hingestellt werden, die das Kind nur quälen und fortwährend den Stoch in der Band haben. Wie oft muß man hören, daß die Schule als Schreckmittel für ungezogene und unerzogene Kinder gebraucht wird.

Die Mutter soll das Kind vorbereiten, indem sie es selbständiger werden läßt, sich nicht den ganzen Tag mit ihm beschäftigt und in allem nur seinen Willen tut; fie foll täglich, wenn auch nur eine halbe Stunde lang, mit ihm arbeiten und es dadurch an Aufmerksamkeit und ruhiges Sitzen gewöhnen. Ein Jahr lang täglich in dieser Weise mit dem Kinde gearbeitet und das scheinbar verlorene Schuljahr bringt tausendfachen Nutzen. Und mit welcher Sreude geht dann ein solches Kind zur Schule! Nur wo das Kind statt auf die Mutter, auf fremde Menschen angewiesen ist, ist der frühere Schulbesuch vorzuziehen, gute Gesundheit auch hier vorausgesetzt.

Frauen!

Beachtet, lefet und abonniert die

Empfehlt bei den Geschäftsleuten die

Ständer für butnadeln.

P. 6.

Die langen Butnadeln mit ihren großen, oft schweren Köpfen erfordern zur Aufbewahrung einen besonderen Ständer, der von geschichten Händen leicht felbst hergestellt werden kann. Die Vorlage unserer Abbildung war zirka 18 cm hoch und hatte etwa 5 cm Durchmesser. Als Unterlage kann eine vorhandene Schachtel oder Büchse dienen, andernfalls schneidet man fich vier gleich große Pappteile, die an ihren Längskanten durch angeklebte Papierstreifen verbunden werden. In gleicher Weise hat man auch den Boden zu befestigen; zuvor müssen die Pappteile von innen mit hellem Glanzpapier bekleidet werden, während man den Boden mit einer etwa 2 cm hohen Watteschicht belegt und mit Sutter bezieht. Die äußere Bekleidung fetzt sich aus verschiedenen Phantasieborten zu sammen, deren Breite so eingerichtet werden muß, daß die nähte stets an die Kanten treffen. Die nähte werden mittelst überwendlicher Stiche ausgeführt. Den oberen Rand deckt grober Silettüll am besten in gold, der den Pappteilen aufgeklebt wird. Die oberen Bortenränder sind dann dem Tüllrand anzunähen. nach Belieben kann man den Rand mit einem Spitchen begrenzen.

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