Ausgabe 
22.4.1911 Erstes Blatt
 
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von der Stadt als Armenunterstützung gewährt wurde, zumal noch für Dung und Sämereien Aufwendungen zu machen wären. Die Stadtverwaltung hat daher in Aus= Acht genommen, zu dem alten Modus der Armenpflege wie­ber zurückzukehren, falls die wärmere Witterung die Ar­men nicht doch noch zur Bearbeitung des Landes antreibt.

Ein geschmadloser Aprilscherz. Zu einem im Berl. Tgbl." gemeldeten Aprilscherze der Primaner in Osterode ( Ostpr.), die eine Puppe mit einer Primanermüze auf dem Kopfe auf einen Baum hängten, um die Schüler­selbstmorde zu verspotten, wird jetzt dem Blatte aus Oste­rode noch geschrieben: Der Hauptanstifter dieses Aprilscher­zes wurde von der Schale verwiesen; ebenso noch ein zwei­ter, babet beteiligter Schüler. Ein dritter, der gefragt wurde, ob er sich daran beteiligt haben würde, wenn ihm der Plan bekannt gewesen wäre, und der mit ja geant­wortet hatte, erhielt vier Stunden Karzer.

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Jm Varitee schwer verunglückt. Jm Deutschen Thea­ter in München, dem größten Varitee der Stadt, ist der dreißigjährige Artist William Diabolo, alias Wid aus Berlin, bei seiner sogenannten Höllenfahrt mit dem To­dessprung verunglückt. Der Artist fuhr auf einem 80 Pfund Schweren Fahrrad auf einem schmalen Brett von der Ga­lerie steil herab auf die Bühne. Das Brett ist zwischen Parkett und Bühne durch eine Lücke unterbrochen, die mit dem Fahrrad zu überspringen ist. Am dritten Abend ver­fehlte der Artist jedoch, mit dem Hinterrad hängen blet­bend, das Ziel und schlug topfüber auf die Bühne, er er­litt eine Gehirnerschütterung und sonstige Verlegungen. Wid, der seinen richtigen Apparat noch nicht in München hat, hatte schon am Ostersonntag das Ziel verfehlt, ohne Jedoch zu verunglücken. Die Polizei hat nunmehr die Vor­führung der Nummer verboten.

Polizei gelang, den Mann ihrer Gewalt zu entreißen. Ein zweiter Mann, der sich in Begleitung des Verhafteten be­fand, konnte flüchten.

105 Jahre alt. Wenn auch die Zahl der bis zu einer sehr hohen Altersgrenze gelangenden Leute in Deutschland ziemlich groß ist, so dürfte doch ein Alter von 105 Jahren bemerkenswert sein. Dieses hohe Alter erreicht am 24. Juni d. J. der sogenannte Alte Boppel" aus Obermoschel tn der Nordpfalz. Der alte Herr, der mit seinem richtigen Namen Jakob Boppel heißt, ist jetzt noch imstande, bei halb= wegs guter Witterung seinen Spaziergang zu machen, und vermag noch zu lesen und zu schreiben. Im vorigen Jahre schrieb er noch längere Briefe. Das Gehör, sowie die Au­gen haben allerdings in den letzten Jahren etwas gelitten. Von Beruf war er ursprünglich Wagner, er soll jedoch spä= ter längere Zeit Notariatskutscher gewesen sein. Zahlreiche Kinder des Greises leben in Amerika. Er selbst wohnt bei einem Sohne tn Obermoschel. Der alte Boppel" ist der älteste Mann der Pfalz. Er erinnert sich noch lebhaft der Beit, als( 1812/13) dte Franzosen durch die Pfalz kamen. Die Militärmufit ist keine schöne gewesen," sagte er, ste bestand nur aus Querpfeifern." Tief in der Nacht verlangt deralte Herr noch mitunter seinen Wein zu trinken, und am Effen läßt er es dann auch nicht fehlen. Als ihm vor etlichen Jahren der Gesangverein Neustadt a. H. ein Ständ­chen brachte, bedankte er sich und meinte: Lebt so wie ich, eßt so wie ich und trinkt so wie ich, dann werdet ihr auch so alt wie ich!" Die Eltern des alten Beppel sind beide über 90 Jahre alt geworden.

Eine verwickelte Verwandtschaft ist dieser Tage in einem Dorf der Neumark zustandegekommen. In Düh­ringshof bei Landsberg a. W. haben ein 53jähriger Bauerngutsbesitzer und dessen 26jähriger Sohn zwet Schwestern geheiratet. Der junge Mann nahm sich das 24jährige Mädchen zur Frau, während der Vater die 19­jährige Schwester ehelichte. Der Stand der gegenwärtigen Verwandtschaft ist, daß der Vater und Sohn Schwägers leute geworden sind und die 19jährige Schwester die Schwiegermutter ihrer 24jährigen Schwester. Die Schwie­gertochter des Bauerngutsbesitzers ist seine Schwägerin, seine Frau die Schwiegermutter und Schwägerin ihres Schwiegersohnes. Die 19jährige Gattin ist die Stiefmut­ter ihres 26jährigen Schwiegersohnes und gleichzeitig des= Jen Schwägerin geworden. Noch viel komplizierter wird aber die Berwandtschaft erst, wenn aus der Doppelehe Kinder hervorgehen. Die respektiven Cousins oder Cou­tnen werden dann gleichzeitig Onkel und Neffen. Der 63jährige Bauerngutsbesitzer und seine 19fährige Gattin werden dann zu den Kindern ihres Sohnes gleichzeitig Großvater respektive Großmutter, Onkel und Tante. Die Kinder, die aus der Ehe des älteren Gutsbesizers ent= [ prießen, werden zu ihrem Onkel, dem jungen Gutsbesizer, Bruder oder Schwester. Wie die Verwandtschaftsverhält­nisse sich aber in einer dritten Generation gestalten, dürfte späteren Generalogen arges Kopfzerbrechen verursachen.

Das

Das Schulwesen in Südwestafrika gewinnt umso grö­ßere Bedeutung, als der kulturelle Einfluß des nun ge­einigten Südafrika gewaltige Fortschritte zu machen ver­spricht. In der Realschule zu Windhuk muß eine Quarta eingerichtet werden. Man hofft, daß die Regierung den nötigen zweiten Oberlehrer dazu anstellen wird. Die Serta wird von 14, die Quinta von 15 Schülern besucht. Die Serta der Realschule zu Swakopmund hat 14 Schüler. Die in Lüderitzbucht für 1911 geplante Realschule hat schon 15 Anmeldungen für die Serta aufzuweisen. Die Zahl der Regierungsschulen 1898 gab es erst dret im Lande dürfte im laufenden Jahre weiter zunehmen. Die Ein­führung des Schulzwanges machte es bei den großen Ent­fernungen der Farmer nötig, Kosthäuser bei einzelnen Schu­len zu errichten, in denen die Schüler auch wohnen kön= nen. In Okahandja ist der Bau einer Pension nötig. In Omaruru sind die auswärtigen Kinder in einer Privat­pension untergebracht. Da der Schulzwang für ärmere Eltern deren es leider sehr viele gibt, große Opfer fordert, wenn diefelben weit weg von Schulen wohnen, so wäre es billig, daß für Bedürftige Pensionsbeihilfen gezahlt werden.

Ein Streit um die Vornamen wird aus Gießen be= richtet: Im Jahre 1909 hatte der Amtsrichter, der hier die Aufsicht über das Standesamt führte, eine Verfügung er­lassen, wonach alle abgekürzten und zusammengezogenen Bornamen als Verkürzung der richtigen Namen nicht ein­tragungsfähig für neugeborene Kinder in die Liste des Standesamts sein sollen. Als solche Namen wurden u. a. betrachtet Minna, Erna, Anneliese und Lieselotte. Nun hatte vor einigen Monaten ein Vater, dem man für sein Töchterchen den Namen Lieselotte verweigerte, dagegen Beschwerde eingelegt und beantragt, man möge die ganze schwarze Liste" von Vornamen zurückziehen, evtl. wenig­stens den Namen Lieselotte für eintragungsfähig erklären. Das Amtsgericht hatte diesen Antrag abgelehnt. Landgericht trat zwar der Ansicht des Amtsgerichts bei, daß der Beschwerdeführer die Berechtigung nicht habe, die Zurückziehung der schwarzen Liste zu verlangen; doch hat das Gericht anerkannt, daß es dem Verbot der Vornamen an jeder gesetzlicher Grundlage fehle. Der Name Lieselotte wurde für eintragungsfähig erklärt, und zwar mit der Be­gründung, daß der Vater berechtigt sei, seinem Kinde einen Namen zu geben, und dabei imf allgemeinen nicht be= schränkt sei. Allerdings habe er Rücksicht zu nehmen, daß der gewählte Name nicht unanständig sei, nicht gegen die guten Sitten und auch nicht gegen die Religion verstoße. Dieses alles aber treffe bei dem längst eingebürgerten Na­men Lieselotte nicht zu.

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Drahtnachrichten und Deuestes.

P. 6 auf der Fahrt nach Holland.- Eine unfreiwillige Landung bei Hannover.

Berlin, 21. April. Das Luftschiff P. 6 ist heute morgen 4% Uhr zur Fahrt nach Amsterdam aufgestiegen. Es soll versucht werden, die Fahrt ununterbrochen durchzu­führen. Es befinden sich zehn Herren in der Gondel. Debisfelde, 21. April. Das Luftschiff P. 6 hat um 10 Uhr Debisfelde überflogen.

Fallersleben, 21. April. P. 6 erschien um 11 Uhr über der Stadt. Es hat gegen starken Wind anzufämpfen. Hannover, 21. April. Das Luftschiff P. 6 ist um 12% Uhr zwischen Isenbüttel und Leiferde niedergegangen und hängt an einer Birke. Näheres ist noch nicht bekannt. Die Brände im Grunewald.

Berlin, 21. April. Die gestrigen Brände im Grune­wald werden auf die außerordentliche Hitze und Trocken­heit der letzten Zeit sowie auf die Unachtsamkeit der Spa­ziergänger zurüdgeführt. Am Hohenzollerndamm brannten etwa 12 Morgen 15jährigen Waldbestandes. Es mußte eine nicht weniger als 450 Meter lange Schlauchleitung herge­stellt werden, um Wasser zum Löschen zu geben.

Kinderprämien und Besteuerung der Ledigen. Die ge­setzgebenden Körperschaften der nordamerikanischen Bundes­staaten lassen es sich mit unermüdlichem Eifer angelegen sein, dem fortschreitenden Uebel der Geburtsabnahme durch entsprechende steuerpolitische Maßnahmen Halt zu gebieten. So hat neuerdings erst wieder das Repräsentantenhaus des Staates Illinois ein Gesetz angenommen, daß jeder Ehefrau, die innerhalb von zwei Jahren nach der Verheira­tung ein Kind zur Welt bringt, eine Staatsprämie von 400 Mark zuerkannt und für jedes weitere Kind, das inner= halb von zwei Jahren nach der Geburt seines Vorgängers geboren wird, weitere 400 Mark zusichert. Das Gesetz be= stimmt, daß die Mittel für diese Prämienzahlungen durch eine Junggesellensteuer aufgebracht werden sollen, die in Höhe von 40 Mark pro Jahr von jedem über 35 Jahre alten unverheirateten Mann erhoben wird. Für die Geburt von Zwillingen und Drillingen sind besondere Extraprämien vorgesehen. Die Junggesellensteuer von Illinois findet ihr Gegenstück in der Jungfrauenftener, die ein im Repräsen tantenhaus von Wisconsin eingebrachter Gesetzentwurf für fede unverheiratete über 25 Jahre alte Frau mit einem Jahresbetrag von 20 Mark in Vorschlag bringt. Die Vor­lage verlangt des weiteren die Einsetzung einer Heirats= Commission", die auf Antrag jedes liebebedürftigen Mäd­chens ihres Amtes zum Zwecke der Chevermittelung zu walten hat.

Deckung. Wirt: Es scheint schon wieder zu regnen; die Studenten im Garten haben alle die Schirme aufgespannt!" Kellner: Nein, es ist nur ein Schneidermeister hereinge­tommen!"

Ein Ballon über einem Waldbrand. In eine eigen­artige und nicht ungefährliche Lage kam am Ostermontag der Ballon Saarbrücken" der Sektion Saar- Mosel" des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, der mittags % 12 Uhr in Pirmasens zu seiner zweiten Fahrt aufgeftie­gen war. Dieser Ballon, der erst jüngst in Saarbrücken getauft wurde, ist der Ersatz für den Ballon Saar", dessen unglückliche Fahrt über die Nordsee noch in trauriger Er­innerung ist. Der Ballon überflog bei vrachtvollem, son­nigen Wetter das ganze Pfälzerwaldgebiet, und gelangte gegen 12 Uhr mittags in die Nähe von Neustadt a.d. Haardt, wo das Haardtgebirge zur oberrheinischen Tiefebene ab= fällt. In diesem Randgebirge wütete seit dem frühen Vor­mittage ein großer Waldbrand, der über 150 Morgen Kie­fernwald der Gemeinde Hambach vernichtete, und erst ge= gen 4 1hr nachmittags gelöscht werden konnte. Der Ballon näherte sich dem Waldbrandgebiet in west- nordöstlicher Nich­tung in einer Höhe von etwa 1500 Metern und befand sich bald über demselben. Von dem Ballon aus gesehen schien der Waldbrand zu beiden Setten einer großen Straße zu wüten; die brennende Waldfläche bot einen schaurig- schö­nen Anblick. Da dem Ballon durch die hoch in die Luft geschleuderten Funken Gefahr drohte, indem die mit 1600 Kubikmeter Gas gefüllte Kugel hätte anbrennen und ex­plodieren können, so ging der Ballonführer, Oberleutnant Leeb- Zweibrücken, von 2020 Meter auf 2200 Meter hinauf, sodaß der Ballon den Waldbrand ungefährdet überflog. Der Ballon gelangte in 2800 Meter Höhe über die Rheinebene, um seine Fahrt über Heidelberg ins Neckartal fortzusehen. Von den zahlreichen Touristen, die am Waldbrandgebiet wellten, wurde das Ueberfliegen des brennenden Bergwal­des durch den Ballon mit Interesse beobachtet. Wie eine filberne Kugel schwebte der Ballon in majestätischem Fluge über das fnisternde und sprühende Funkenmeer.

Erminister Alberti im 3uchthaus.

Unfälle bei einer Massenaufführung im Zirkus Busch. Berlin, 21. April. Die Aufführung von Richard III. im Zirkus Busch wurde gestern durch einen Unfall gestört. Bei den großen Umzügen der Ritter stürzten hinter der Bühne zwei Mitwirkende so unglücklich vom Pferde, daß sie den Fuß brachen. Die scheu gewordenen Tiere schlugen wild um sich. Bonn selbst und ein Darsteller wurden der­artig verletzt, daß ihnen Verbände angelegt werden mußten. Vom Blizz erschlagen.

Dichatz, 21. April. Gestern abend wurde der auf dem Rittergute Sandhausen beschäftigte 40jährige Brenner 3schische, als er mit zwei anderen Leuten vom Felde heirt­tehrte, vom Bliß getroffen und getötet. Seine Begleiter kamen mit dem Schrecken davon.

Ein russisches Dorf durch Fener zerstört. Breslau, 21. April. Das Dorf Wozkowice- Koscielne an der schlesisch- russischen Grenze ist durch Feuer zerstört worden. 30 Häuser sind niedergebrannt.

Flüchtiger Theaterkassierer. Bochum, 21. April. Der Theaterfassierer Borchardt ist nach Veruntreuung von 10 000 Mart flüchtig geworden. Wieder ein Waldbrand in Westfalen. Oberhausen, 21. April. Ein gewaltiger Waldbrand zerstörte gestern nachmittag bei Gladbeck 600 Morgen Fich­tenbestand. Die Waldungen sind Eigentum der Firma Thyssen und des Grafen Wolff- Metternich.

Vier Kinder verbrannt. Essen, 21. April. In zwei Gemeinden verbrannten vier Kinder beim Spielen mit Zündhölzern. Große Textilarbeiteraussperrnng. Nürnberg, 21. April. Die Aussperrung der Arbeiter in der Textilindustrie erreicht die Zahl 5000.

Verhafteter Mädchenhändler.

Rotterdam, 21. April. Der nach Kanada von Hamburg abgegangene Dampfer Ida" wurde gestern hier auf Er suchen der Hamburger Behörden nach einem Zwischendecks paffagier Rosenfeld durchsucht, der als Mädchenhändler be­fannt ist. Kurz vor Abfahrt des Dampfers wurde der Ge­suchte gefunden. Es befand sich in seiner Begleitung ein Mädchen, das als seine Frau in die Passagierliste einge­tragen war. Beide wurden verhaftet.

Das Opfer einer beleidigten Schauspielerin. Wien, 21. April. Ein Offizier stellte einen Schauspie­ler, der während der Vorstellung eine Kollegin aus dem Text zu bringn versucht hatte, zur Rede und versetzte ihm zwei so kräftige Ohrfeigen, daß er zu Boden fiel. Die Schauspielerin eilte nun auf den am Boden liegenden Kollegen zu und bearbeitete ihn mit dem Stiefel. Passanten riffen die Schauspielerin von ihrem Opfer.

Ernste Nachrichten aus Marokko.

O Madrid, 21. April. Nach Beendigung des gestrigen Ministerrates teilte Ministerpräsident Canalejas den Ver­tretern der Presse mit, daß sich die pessimistischen Gerüchte über die Lage in Marokko zu bestätigen scheinen. Der vom spanischen Konsul in Fez entsandte Eilbote ist bisher nicht in Tanger angekommen und dürfte wohl ermordet worden sein. Die Meldungen aus Maroffo scheinen zu bestätigen, daß Fez von den Rebellen überfallen und viele Europäer dort umgebracht worden sein.

0 Madrid, 21. April. Die Nachrichten aus Maroffo machen hier tiefen Eindruck. Alle Meldungen bestätigen, daß der Aufruhr allgemein ist. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß alle Europäer in Fez umgebracht worden sind. Berliner Getreide- und Schlachtviehmarktbericht

Die diesmalige mit dem 19. April schließende Be­richtswoche umfaßte nur drei Geschäftstage. In der allge­meinen Situation des Getreidehandels hat sich nicht viel ge= ändert, aber die feste Tendenz hat sich nicht nur erhalten, sondern die Preise haben auch den Zug nach oben in ent­schiedener Weise fortgesetzt. Es mehren sich die Berichte, wonach der Saatenstand nicht so befriedigend erscheint, wie man bis gegen Ende des vorigen Monats glaubte mit eini­ger Sicherheit annehmen zu können. Die schon längere Zeit andauernde sehr trockene Witterung vermehrt die Be­sorgnisse hinsichtlich der neuen Ernte. Wenn diese Umstände schon hinreichend Gründe geboten haben, die Kauflust att­zuregen, so tam noch hinzu, daß die Landwirtschaft wegen Behinderung durch dringende Feldarbeiten wenig Ware dem Markt zugeführt hat. Gleichwohl haben die Preise für Brotgetreide nur mäßig angezogen, und dies ist Haupt­sächlich der allgemein herrschenden Ansicht zuzuschreiben, daß die Vorräte sowohl in den Export- wie in den Import­ländern recht erhebliche sind. Futtergetreide erzielte ni­folge starker Nachfrage beträchtliche Preissteigerungen. Die Notierungen für Lieferung im Mai stellten sich am letzten Tage der Berichtswoche wie folgt: Weizen 202,25 Mart, Roggen 156,50 Mark, Hafer 162,25 Mart, Mais 134,50 Mart. Preise des städtischen Schlachtvieh- Marktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, unge­tocht 79 bis 86 Mart, b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73-82 Mart, c) mäßig genährte funge und gut genährte ältere 70-74 Mark, d) gering ge­nährte jeden Alters-- Mart. 2. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes 73-78 Mart, b) vollfleischige jün= gere 71-76 Mart, c) mäßig genährte jüngere und gut ge­nährte ältere 68-74 Mart, d) gering genährte Mark.

Ein entlassener Zuchthäusler hat einer Kopenhagener Zeitung verschiedene Züge aus dem Zuchthausleben des früheren dänischen Justizministers Alberti mitgeteilt, mit dem er in der Strafanstalt zu Horsens zusammengetroffen ist. Aus dem interessanten Bericht sei folgendes wiederge= geben: Die Ankunft des Eriustizministers war für alle In­faffen ein großes Ereignis. Mit Blizesschnelle wurde es in den verschiedenen Arbeitsstuben ruchbar, daß Alberti eingetroffen set. Und alle wettetferten, um einen Blick von ihm zu bekommen. Dies war in der ersten Zeit doch nicht gerade leicht. Nach der Zuchthausordnung darf ein neuan­gekommener Sträfling drei Monate lang nach seiner An­kunft in der Einzelzelle bleiben, und von diesem Recht hat Alberti Gebrauch gemacht. Erst vor kurzer Zeit hat er in die gemeinsamen Arbeitsstuben übersiedeln müssen. Bei seiner Ankunft mußte ein neues Bett für thn hergestellt werden, da er zu lang und zu breit war, um in einem der gewöhnlichen Buchthausbetten liegen zu können. In der letzten Zeit hatte ich Gelegenhett, Alberti zu sehen, beson­ders wenn er im Hofe am gemeinsamen Spaziergang" teil­nahm. Er macht mit langsamen, würdigen Schritten die Runde mit. Nichts stört seine Ruhe. Er ftedt fortwährend die Daumen in die Hosentaschen und starrt geradeaus vor sich hin, blickt weder nach rechts noch nach links. Kein Laut, tein Gespräch berührt ihn oder nimmt seine Aufmerksamkeit gefangen. Ohne sich jemals aus der Ruhe bringen zu lassen, wandert er im gewohnten Kreise herum. Dieselbe uner­schütterliche Ruhe habe ich einmal in der Buchthauskirche an ihm beobachten können. Mein Plaz war zufällig neben thm, und ich bereue es jetzt. einen Augenblick ließ ich mich von meiner Schadenfreude hinreißen, ihm zuzuflii­stern: Na, wie gefällt es dir denn hter, Albertt?"( alle Zuchthäusler reden sich mit dem kollegialen du" an). Al­berti wandte sich wütend gegen mich um, seine Augen blih­ten: Wiffen Sie, wer ich bin?" fragte er. Und ob ich weiß!" antwortete ich.... Hierauf nahm sein Gesicht wie­der den früheren stereotypen Ausdruck an Und ohne eine Miene zu verziehen oder auch nur einen Augenblick sett­wärts zu sehen, saß er während des ganzen Gottesdienstes steif wie eine Säule da. Eine der lustigsten Episoden da drüben oder vielmehr das einzige Mal, wo ein Schimmer von Heiterkett über unser trauriges Dasein fam, war um die Weihnachtszeit, und jene Episode steht eben mit Alberti in Zusammenhang. Mit der Weihnachtspost kamen gegen 300 Ansichtskarten an, welche die Adresse trugen: Herrn Al­bertt, Justizminister a. D., im Zuchthause zu Horsen." Der allergrößte Teil jener Karten stammte von Kopenhagener Verbrechern, die jetzt ein Vergnügen darin fanden, an einen Kollegen" zu schreiben. Prosit Neujahr, alter Junge!" oder Ein frohes Weihnachtsfest wünscht dir ein alter Zuchthauskollege" oder Auf Wiedersehen, du hast dem Stande Ehre gemacht!" so lauteten die meisten jener eigen­tümlichen Weihnachtsgrüße. Selbstredend wurden die Karten von der Zuchthausdirektion konfisziert. Alberti bekam sie nie zu sehen." So weit der Bericht des Zuchthaus­kollegen Albertis. Ueber den Zuchthausaufenthalt des Er­ministers verlautet im übrigen, daß sich Alberti tadellos benehmen soll; er richtet sich in jeder Beziehung aufs pein­Itchste nach den bestehenden Vorschriften und hat zu keiner­lei Klage Anlaß gegeben.

Ausschreitungen in einer Kirche. In dem holländischen Orte Oudenbusch kam es kürzlich zu einem förmlichen Auf­ruhr. Nach der Beendigung der Messe sprang ein junger Mann auf den Altar und erklärte, er sei von Gott gesandt. Er erklärte weiter, daß er der Antichrist sei. Gleichzeitig perbreitete sich das Gerücht, daß ein Mordanschlag auf die Prtefter erfolgt sei. Man fand bei dem Manne einen ge­ladenen Revolver und mehrere Messer. Eine nach Tausen­den zählende Menge stürzte sich auf ihn und schleppte ihn unter schweren Mißhandlungen nach dem Gemeindehause. Die Menge hielt das Haus so lange umlagert, bis es der

3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 70-77 M, b) vollfleischige ausgemä stete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 65 bis 72 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut ent wickelte jüngere Kühe 60-65 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 51-60 M, f) gering genährtes Jungvieh( Fres ſer) M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 111-113 M 6) feinste Mastfälber 108-115 M, c) mittlere Mast- und beste Sangkälber 100-108 M, 5) geringe Saug­fälber 67-87 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 80-86 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 74-78 M c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 68-77 Mart. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Le= bendgewicht M, 6) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über 2% Zentner Lebendgewicht 57 bis 58 M, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreu­zungen bis Zentner Lebendgewicht 56-58 M, 6) flet­schtge Schweine 56-58 M, e) gering entwickelte Schweine 55-57 M, f) Sauen 54-55 M.