Eine neue Maroffo- Expedition.
Was nach den früheren Erfahrungen zu erwarten war, ift nunmehr beschlossene Sache: Frankreich wird einen neuen Vorstoß in Marokko unternehmen. Einige Kompanien französischer Truppen, verstärkt durch zuverlässige Mannschaften der Eingeborenenstämme, die unter die Führung französischer Offiziere gestellt werden, sollen Fez dem Sultan Muley Safid zurückerobern. Gleichzeitig wird auch die in Oran stehende Division unter General Toute vorrüden; und so stehen wir am Vorabend einer neuen großzügigen französischen Expedition. Daß man die Eingeborenentruppen hinzuziehen will, ändert hieran nichts. Es ist nur eine Maskerade, die die Welt darüber hinwegtäufchen soll, daß nicht Mulen Hafid, sondern Frankreich gegen ble Rebellen im Felde steht. Dabet haben die Franzosen noch den besonderen Vorteil, daß sie ihr eigenes Menschenmaterial schonen können. Als Kanonenfutter verdienen die Eingeborenen jedenfalls den Vorzug vor Franzosen, ja selbst vor der Fremdenlegion.
Die Diplomaten werden sich natürlich durch diese durchfichtigen Manipulationen nicht hinters Licht führen lassen. In Spanien steht man denn schon auf dem Sprunge, der französischen Expedition eine spanische folgen zu lassen. Schon seit längerer Zeit hat man für alle Fälle in mögs Itchst unauffälliger Weise die Besazung von Ceuta und Melilla bedeutend verstärkt und weitere Truppen werden in den spanischen Häfen bereit gehalten und können innerhalb weniger Stunden nach Afrika übergesetzt werden. Natürlich leugnet man auch in Spanien alle triegerischen Abfichten und stellt sich, als ob die Maßnahmen nur dem Schutze der spanischen Besitzungen dienen sollten. In Wahrheit dürfte es auf die Städte Tetuan und Larasch abgesehen sein, die den Spaniern schon lange in die Augen getochen haben. Der spanischen Staatstasse liegt allerdings der lezte Riffeldzug, der 100 Millionen verschlungen hat, noch schwer im Magen. Da aber ein grenzenloser Optimismus einer der hervorstechendsten Charakterzüge der Spanier ist, so wird man sich durch diese Lehre kaum von neuen Abenteuern abschrecken lassen. Vor allem darf man nicht hinter Frankreich zurückstehen, und so dürfte denn auch in Marokko der Kampf alsbald wieder auf der ganzen Linie entbrennen.
Ueber die Lage in Fez
geben Briefe Aufschluß, die der Vertreter der Londoner Daily Mail" in Tanger aus der belagerten Hauptstadt des Sultanats erhalten hat. Aus ihnen geht hervor, daß die Rebellen die Stadt vollständig eingeschlossen hatten und daß eine Panik unter den Bewohnern herrschte. Dte Artillerie des Sultans zwang aber die Aufständischen zum Rückzug, worauf der Sultan Boten mit großen Geldsummen an die Führer der aufständischen Stämme schickte und von Ihnen verlangte, daß sie nach Hause zurückkehren sollten. Die Boten wurden jedoch von den Aufständischen mißhandelt. Man nahm ihnen das Geld ab und schickte sie nackend mit einem Strid um den Hals nach Fez zurück. Bald darauf tam ein Stamm aus dem Süden mit 800 Rettern an und fein Führer erklärte, er sei berett, dem Sultan zu helfen unter der Bedingung, daß alle Europäer aus Fez weggeschickt werden. Auch von anderen Stämmen erhielt der Sultan Briefe, in welchen dieselben Forderungen gestellt waren. In einigen wurde sogar verlangt, daß die Europäer mit Gewalt dazu gezwungen werden, maurische Ge wänder zu tragen, damit man sie nicht als Weiße erkennen tönne.
Rundschau vom Cage. Politisches.
hauses ein wertvolles Kompensationsobjekt hätten abgeben fönnen. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite festgestellt, da ßHerr v. Bethmann Hollweg nicht der Mann ist, der einen anderen die Verantwortung für das tragen läßt, was er selbst mit seinem Namen deckt, daß das Gerücht also völlig unbegründet ist.
Dernburg tein Tabatindustrieller. In letzter Zeit tauchte in Zigarrenindustriellenkreisen vielfach das Gerücht auf, daß der frühere Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Dr. Dernburg, beabsichtige, ein Aktienunternehmen der Tabakindustrie ins Leben zu rufen. Gegen dieses Gerücht wendet sich nun Exzellenz Dernburg in einem Schreiben an die Redaktion der„ Süddeutschen Tabatzeitung", worin er darauf hinweist, daß dieses Gerücht in feiner Weise den Tatsachen entspricht.
Ein Bürgerlicher in der Garde- Kavallerie. Es ist be reits wiederholt zum Ausdruck gekommen, daß mit dem Grundsah, bestimmte bevorzugte Regimenter nur mit adligen Offizieren zu besetzen, allmählich gebrochen wird. Während diese Absicht bisher nur bei den Fußtruppen und der Artillerie der Garde zum Ausdruc tam, scheint ste jetzt auch bei der Garde- Kavallerie verwirklicht zu werden. So enthält das letzte Militär- ochenblatt die Versehung des Oberleutnants Rausch, der bisher die Uniform der 7. Kürassiere trug und zur Botschaft in Rom kommandiert war, zum Garde- Küraffterregiment.
Die Erörterungen über die Herbsttagung des Reichstages und den Schluß der gegenwärtigen Legislaturperiode werden in der Presse eifrig fortgesetzt. Gegenüber den Meldungen der Münchener Neuesten Nachrichten" und anderer Blätter, daß in Regierungskreisen die Absicht bestehe, noch dem gegenwärtigen Reichstage das Budget für 1912 porzulegen, erfährt der Berliner Vertreter der„ Königsberger Hartungschen Zeitung" im Reichsamt des Innern, daß eine solche Absicht nicht bestehe und daß die Beratung des Etats für 1912 unter allen Umständen dem neu zu wählenden Reichstag vorbehalten bleiben wird.
Der Kriegsminister erläßt im Staatsanzeiger" die folgende Bekanntmachung: Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee dienstlich verboten ist, innerhalb ihrer eigenen oder einer fremden Truppe oder Behörde Zivilpersonen oder den Handwerksmeistern der Truppe und der militärischen Anstalten usw. zur Ausübung des Gewerbebetriebes Beihilfe zu leisten, insbesondere durch Vermittelung oder Erleichterung des Abschlusses von Kaufgeschäften, Versicherungsverträgen und dergleichen. Den Unteroffizieren und Mannschaften ist befohlen, von jeder an sie ergangenen derartigen Aufforderung ihren Vorgesetzten Meltung zu machen.
Ueber das Schicksal des Staatssekretärs des Innern verbreitet ein Berliner Blatt das Gerücht, Dr. Delbrück stände vor der Aussicht, über die elsaß- lothringische Verfassungsreform zu Fall zu kommen. Begründet soll dies Gerücht damit werden, daß Herr Delbrück die drei Bundesratsstimmen der wieder zusammenberufenen elsaß- lothringischen Reichstagskommission sofort angeboten habe, statt zu warten, bis sie bei den schwierigen Fragen der Wahlkreiseinteilung und der Zusammensehung des Ober
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Des Nätsels Lösung.
Roman von Ludwig Blüm de. ( Nachdruck verboten.)
Was bedeutet das? Es muß doch so viel in Ihrer Kasse sein!" erwiderte der General ärgerlich.
Ich habe- doch fünfzehnhundert Mart heraus: gegeben, zum Auszahlen-an Woltersdorf," stotterte der Rentmeister.
Der Vorstand des Preußischen Lehrervereins hat den Kultusminister gebeten, daß die Militärdienstzeit der Lehrer auf die zur Erlangung der Amtszulage für erste Lehrer und alleinstehende Lehrer sowie der Ostmarkenzulage erforderliche, im Schuldienste zurückgelegte Zeit angerechnet wird, wenn sie mit dieser in unmittelbarem Zusammenhange steht.
,, Sooo? Warum denn schon heute?- Uebermorgen ist doch erst Löhnungstag!"
Die deutsche Vertretung in Megito. Wie die„ Nationalzeitung" erfährt, hat Konteradmiral von Hinze die Reise nach Merito angetreten, um die dortige Gesandtschaft zu übernehmen. Das Blatt bezeichnet es als auffällig, daß er nicht über Neuyork, sondern direkt von Hamburg nach Veracruz fährt, so daß er die amerikanisch- merifanische Grenze nicht zu überschreiten braucht.
Raben hat auf diesen Einwand nur eine sehr tonfuse Ausrede, so ungeschickt, wie sie eben ein Mann, der an Lug und Trug nicht gewöhnt, nur haben kann.
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Kommt mir denn doch etwas wunderbar vor. So muz Woltersdorf das Geld sofort wieder herausgeben." Mit diesen Worten rannte der General davon, um seinen Inspettor aufzusuchen. Derselbe kommt gerade herein und läuft dem erregten Herrn fast in die Arme. Natürlich weiß er von nichts, was der General fast schon vermutet nach Rabens ganzem Benehmen.
Kleine Nachrichten."
Der 20. Delegiertentag des Deutschen Werkmeisterverbandes fand dieser Tage in Straßburg statt. Bezüglich des Entwurfes eines Privatbeamten= Versicherungsgesetzes wurde anerkannt, daß dieser Entwurf eine brauchbare Unterlage für das zu schaffende Gesetz bilden könne, wenn die bisher laut gewordenen Wünsche der Angestellten dabei berücksichtigt würden. Der nächste Delegiertentag soll im Jahre 1918 in Berlin abgehalten werden.
Hanptmann von Oidtmann. Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird. befindet sich Hauptmann v.Didtmann vom Feldartillerieregiment Nr. 75 in Halle, der Führer des in Dresden verunglückten Vallons Nordhausen" auf dem Wege der Besserung. Danach bestätigt sich also glücklicherweise die Dresdener Meldung nicht, nach der Hauptmann v. Didtmann gestorben sein follfe.
,, So bin ich also wieder einmal betrogen, wieder einmal von einem Menschen elend hintergangen, auf dessen Treue ich hätte Häuser bauen mögen!" ruft er in höchstem Zorn aus und eilt mit großen Schritten zurück in des Rentmeisters Kontor. Er hat sich oft seines Scharfblides gerühmt, und derselbe hat ihn manchmal nicht be= trogen, heute aber täuscht ihn derselbe gänzlich, indem er ihm so deutlich sagt:„ Der alte Raben braucht viel Geld, damit sein Sohn, der Herr Referendar, standesgemäß auftreten kann. Er weiß, ich fümmere mich nicht um die Kasse, hat darum das Geld einfach genommen und würde es, ohne daß Huhn oder Hahn danach krähen, verrechnen. Wer weiß, ob es das erste Mal ist?"
ergoß seinen Inhalt auf die unter dem Gleise beschäftigten Arbeiter. Einer wurde getötet und zwei schwer verletzt.
Todessturz vom Kirchturm. In Neubrandenburg wur de der zwölfjährige Sohn des Buchhändlers Bortenkow beim Läuten der Glocken der St. Martenkirche von Schwindel befallen und stürzte aus beträchtlicher Höhe vom Kirchturm auf die Straße. Der Knabe erlag nach kurzer Zeit den Verlegungen.
Nach der Hochzeit in den Tod. Die am Mittwoch erst getraute Ingenieursehefrau Marie Brand in Leipzig ist ge stern plößlich verstorben. Es wurde festgestellt, daß Ver giftung vorlag. Die Frau hat infolge Unwohlseins Natron zu sich nehmen wollen und statt deffen Bitterkleesalz ergriffen.
Furchtbarer Sturm in Oftbengalen. Nach einer Meldung aus Kalkutta wurde die Stadt Santehar an der oftbengaltschen Eisenbahn von einem furchtbaren Sturm heimgesucht. Ueber 60 Häuser sind vollständig zerstört. Ein Etsenbahnzug wurde vom Sturm die Böschung hinabgewor= fen; eine große Anzahl Personen wurde verlegt, es sollen auch viele getötet worden sein.
Totenblaß ist des alten Rabens Gesicht. Er vermag fich, wie der General nun mit zornfunkelnden Augen wieder hereinstürzt, nicht vom Stuhl zu erheben. Völlig ver
Selbstmord auf offener Straße. In München hat sich ein junger Bauer, der sich von der Polizei verfolgt glaubte, in der belebten Weinstraße vor den Augen der Passanten erschossen, nachdem er den Revolver zuvor vergeblich auf eine vorübergehende Dame abgedrückt hatte.
Tödlicher Sturz von der Luftschaukel. In Steinach in Meiningen stürzte ein 13jähriges Mädchen von der Luftschaukel. Es erfitt einen Schädelbruch, der den sofortigen Tod zur Folge hatte.
Das leichtsinnige Umgehen mit einer Schußwaffe hat abermals einen bedauerlichen Unfall herbeigeführt. Ein 17 Jahre alter Arbeitsbursche in Berlin zeigte einem gleichaltrigen Kollegen eine Pistoie. Diese entlud sich dabei und die Kugel drang dem letzteren ins Gehirn. Bei seiner Vernehmung gab der Schüße an, daß er die Waffe erst kurz vorher gekauft und nicht gewußt habe, daß sie geladen set.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
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Die Ausgrabungen auf Korfu. Da jetzt eine Giebelecke des Tempelreliefs bet den Ausgrabungen in Gariza in Gegenwart des Kaisers gefunden worden ist, hat Professor Dörpfeld nunmehr einen Teil des Giebels, der der hintere des Westgiebels des Tempels war, rekonstruiert. In der Mitte des Giebels steht die fliehende Riesengorgo, die Verkörperung des Bösen, die mit einem Gotte, dem Sinnbild des Guten, kämpft. Links von der Gorgo steht ein Pferd mit( wahrscheinlich) einem Reiter, rechts von thr die kämpfende Gottheit. Auf beiden Seiten des Giebels schaut je ein liegender Riefenlöwe dem Kampfe zu. In der schmaler werdenden linken Giebelspitze befindet sich eine fißende Göttin, auf die ein Speer geschleudert wird, dahinter ein Altar, und in der äußersten linken Giebelede ein gefallener, auf dem Boden liegender Kämpfer. Damit ist mehr als die linke Hälfte des Westgiebels bis auf einige Kleinigkeiten wiederhergestellt. Professor Dörpfe glaubt, daß der Tempel durch ein Erdbeben umgestürzt ist. Die Tempelbreite schätzt er auf ungefähr 25 Meter bet mindestens 50 Meter Länge. An der Schmalseite erwartet er den Fund von etwa sechs großen dorischen Säulen. Am Donnerstag nachmittag fanden sich bei den Ausgabungen ein: der Kaiser und die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der König der Hellenen, der Kronprinz und die Kronprinzeffin von Griechenland und die Königin- Mutter_von_Eng= land. Bei Abschuß de rArbeiten vor den griechischen Ostertagen teilte der Kaiser an die Arbeiter Geld aus. Der König der Hellenen hat dem Kaiser das Recht an der Ausgrabung des Tempels überlassen.
Gewissenlose Automobilinen. Zwischen Solingen und Cöln wurde ein Arbeiter auf der Heimkehr von einem Automobil überfahren und tödlich verletzt. Die Insassen Iteßen den Bedauernswerten auf der Straße liegen und entkamen unerkannt. Der Verlebte ist in der Nacht gestorben.
Ein folgenschweres Unglück hat sich auf der Rolandshütte in Weidenau an der Steg ereignet. Dort tippte ein mit glutflüssiger Hochofenschlacke gefüllter Wagen um, und
nichtet fühlt er sich. Ohne Widerrede hört er seines Herrn Worte an, von denen jedes sein Herz wie ein Dolchstich trifft.
„ Es muß sich ja alles bald aufklären!" das ist sein einziger Trost.
" Also gestehen Sie es ein, Herr Raben, daß ich recht habe?" fragte der General jetzt. Sie befanden sich in Geldverlegenheit und glaubten, niemand würde etwas merken, wenn Sie eine so eringfügige Summe der Kasse entnehmen würden."
Dabei schaute er den alten Mann an, als wollte er ihn mit seinen Blicken durchbohren. Aber plötzlich schwin= det der Ausdruc grimmigsten Zornes aus seiner Miene. Die ihm eigene Gutmütigkeit, das Mitleid des edlen Herzens stegte, wie er sieht, daß sein alter, in mehr als dreißig Jahren bewährter Rentmeister vergebens nach Worten ringt, wie derselbe seinem Aussehen nach eher ein Toter als ein Lebendiger, sich an der Stuhllehne festhält, um nicht ganz zusammen zu brechen.„ Gott wird alles aufklären," stammelt er jetzt, mehr vermag er nicht über die blassen Lippen zu bringen.
Aus den Gerichtssälen.
Ein recht merkwürdiges Leben hat der jeßt 40 Jahre alte Technifer Konrad Krüger hinter sich, der sich vor der Straffammer des Landgerichts München wegen Betrugs zu verantworten hatte. Der Angeklagte stammt cus einer angesehenen Familie, besitzt aber eine gewisse phantastische Veranlagung, die ihn nicht lange in einer Stellung auß= harren läßt. In jüngeren Jahren verliebte er sich einmal unsterblich in eine Profefforentochter, er er unter den größten Entbehrungen eine Zeitlang nachreiste. Geradezu schwärmerisch war seine Vorliebe für das Theater. Auf seinen Fahrten kam er auch nach Berlin, wo er eine Stellung als Laufbursche annahm. Da er mit seinem Wochenlohn sein Theaterbedürfnis nicht befriedigen konnte, ließ er sich verleiten, cinen kleinen Betrag zu unterschlagen, wofür er einige Tage Gefängnis erhielt. In München fand er Beschäftigung in einer Gummiwarenfabrik. Sobald er einige Mark zusammengesvart hatte, besuchte er das Prinzregenten- Theater. Wegen eines Selbstmordversuchs war er einige Wochen in die Psychiatrische Klinik gebracht. In einer Versammlung von Wiedertäufern lernte er ein Mädchen kennen, das ebenfalls für Theater und Kunst schwärmte. Er stellte sich als Architekt und Mann von Vermögen vor und wußte das Mädchen zu veranlassen, mit ihm eine Vergnügungsreise ins Gebirge zu machen. Hier gin= gen dem Paar allerdings bald die Geldmittel aus, so daß das Mädchen seine Schmucksachen versehen mußte. Als auch der Ertrag hierfür alle war, verlegte sich Krüger auf Hotelschwindeleien. Die Mutter des Mädchens veranlaßte schließItch die Verhaftung des Angeklagten, der vor Gericht behauptete, er habe die ernste Absicht gehabt, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Das Urteil laute auf 4 Monate und 15 Tage Gefängnis.
„ Herr Raben, ich weiß, daß Sie die bittere Not zu diesem Schritt getrieben hat", fährt der General in gemäßigterem Tone fort. Ich will Sie nicht ruinieren und Ihrem Sohn die Karriere nicht verderben. Würde ich den Vorfall zur Anzeige bringen- nun, Sie wissen, was die Folge wäre. Ich werde das nicht tun und über die Sache schweigen, soweit das mir möglich. Aber meine Gelder dürfen Sie nicht länger verwalten. Herr Woltersdorf wird einstweilen Ihren Posten übernehmen. Es tut mir leid, aber anders kann ich nicht. Warum wandten Sie sich nur nicht offen und ehrlich an mich? Ich hätte Ihnen doch helfen können! Weiter habe ich nichts zu sagen. Ich reise heute noch ab zu meinem Sohne ins Ausland."
Lange hatte der General das Kontor bereits verlassen und der alte Raben sak noch immer wie ein Schwerkranker,
Vermischtes.
Die Verteilung von Aderland an Ortsarme in Span dau als eine neue Form der Armenunterstützung scheint nicht den erhofften Erfolg zu zeitigen. Das zur Verteilung gebrachte Stild Aderland liegt noch vollständig unbearbeitet da. Die Leute sind der Meinung, daß ihnen der Verkauf aus der Ernte nicht die Summe einbringe, die ihnen
wie ein vom Schlaganfall betroffener auf seinem Stuhl, regungslos, machtlos.
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So fand ihn seine Frau, die bereits durch den Kastellan in alles eingeweiht war. Was der General verschweigen wollte, wußte schon jetzt das ganze Schloßpersonal. Mochte das daran liegen, daß des erregten Herrn Stimme gar zu weit gehört worden, oder daran, daß Woltersdorf nicht reinen Mund gehalten, genug, der ehrliche, alte Rentmeister war als Dieb gebrandmarkt.
,, Reine Stunde länger bleiben wir hier!" feuchte Ras ben, als er, auf den Arm seiner Frau gestützt, in seiner Wohnung angelangt war. Vor der Gattin pflegte er feine Geheimnisse zu haben, darum erfuhr dieselbe alles sofort ganz ausführlich, auch, was er vermutete.
Die Folge war, daß Frau Raben einen ihrer nur zu häufig auftretenden Krampfanfälle bekam.
*
Woltersdorf triumphierte. Das alles so ablaufen würde, hatte er nicht erwartet. Das paßte ihm natürlich ganz vorzüglich. Da hatte er nicht nur 1500 Mart spielend ,, verdieni", sondern das heißersehnte Ziel zugleich erreicht. Was ging ihn jetzt noch die Familie Raben an. Nun hatte er ja auch einen guten Vorwand, die Verlobung mit Erna aufzuheben.
Bon seiner Seite wurde dem Rentmeister und seiner durch diesen Vorfall fast wahnsinnig gewordenen Gattin tein Trost.
Was sollte jetzt nur werden? Verzweifelt rang Ra ben die Hände. Das franke Weib, des Sohnes Zukunft, Erna und schließlich er selber gebrochen und unfähig, den Kampf ums Dasein mit Tatkraft aufzunehmen. Der arme Hans. Als Sohn eines Spizbuben würde er niemals des Geheimrats Schwiegersohn werden.
( Fortsetzung folgt.)
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