Ausgabe 
22.4.1911 Erstes Blatt
 
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Eine neue Maroffo- Expedition.

Was nach den früheren Erfahrungen zu erwarten war, ift nunmehr beschlossene Sache: Frankreich wird einen neuen Vorstoß in Marokko unternehmen. Einige Kom­panien französischer Truppen, verstärkt durch zuverlässige Mannschaften der Eingeborenenstämme, die unter die Füh­rung französischer Offiziere gestellt werden, sollen Fez dem Sultan Muley Safid zurückerobern. Gleichzeitig wird auch die in Oran stehende Division unter General Toute vor­rüden; und so stehen wir am Vorabend einer neuen groß­zügigen französischen Expedition. Daß man die Einge­borenentruppen hinzuziehen will, ändert hieran nichts. Es ist nur eine Maskerade, die die Welt darüber hinwegtäu­fchen soll, daß nicht Mulen Hafid, sondern Frankreich gegen ble Rebellen im Felde steht. Dabet haben die Franzosen noch den besonderen Vorteil, daß sie ihr eigenes Menschen­material schonen können. Als Kanonenfutter verdienen die Eingeborenen jedenfalls den Vorzug vor Franzosen, ja selbst vor der Fremdenlegion.

Die Diplomaten werden sich natürlich durch diese durch­fichtigen Manipulationen nicht hinters Licht führen lassen. In Spanien steht man denn schon auf dem Sprunge, der französischen Expedition eine spanische folgen zu lassen. Schon seit längerer Zeit hat man für alle Fälle in mögs Itchst unauffälliger Weise die Besazung von Ceuta und Melilla bedeutend verstärkt und weitere Truppen werden in den spanischen Häfen bereit gehalten und können inner­halb weniger Stunden nach Afrika übergesetzt werden. Na­türlich leugnet man auch in Spanien alle triegerischen Ab­fichten und stellt sich, als ob die Maßnahmen nur dem Schutze der spanischen Besitzungen dienen sollten. In Wahr­heit dürfte es auf die Städte Tetuan und Larasch abge­sehen sein, die den Spaniern schon lange in die Augen ge­tochen haben. Der spanischen Staatstasse liegt allerdings der lezte Riffeldzug, der 100 Millionen verschlungen hat, noch schwer im Magen. Da aber ein grenzenloser Opti­mismus einer der hervorstechendsten Charakterzüge der Spanier ist, so wird man sich durch diese Lehre kaum von neuen Abenteuern abschrecken lassen. Vor allem darf man nicht hinter Frankreich zurückstehen, und so dürfte denn auch in Marokko der Kampf alsbald wieder auf der ganzen Linie entbrennen.

Ueber die Lage in Fez

geben Briefe Aufschluß, die der Vertreter der Londoner Daily Mail" in Tanger aus der belagerten Hauptstadt des Sultanats erhalten hat. Aus ihnen geht hervor, daß die Rebellen die Stadt vollständig eingeschlossen hatten und daß eine Panik unter den Bewohnern herrschte. Dte Artil­lerie des Sultans zwang aber die Aufständischen zum Rück­zug, worauf der Sultan Boten mit großen Geldsummen an die Führer der aufständischen Stämme schickte und von Ihnen verlangte, daß sie nach Hause zurückkehren sollten. Die Boten wurden jedoch von den Aufständischen mißhandelt. Man nahm ihnen das Geld ab und schickte sie nackend mit einem Strid um den Hals nach Fez zurück. Bald darauf tam ein Stamm aus dem Süden mit 800 Rettern an und fein Führer erklärte, er sei berett, dem Sultan zu helfen unter der Bedingung, daß alle Europäer aus Fez wegge­schickt werden. Auch von anderen Stämmen erhielt der Sultan Briefe, in welchen dieselben Forderungen gestellt waren. In einigen wurde sogar verlangt, daß die Euro­päer mit Gewalt dazu gezwungen werden, maurische Ge wänder zu tragen, damit man sie nicht als Weiße erkennen tönne.

Rundschau vom Cage. Politisches.

hauses ein wertvolles Kompensationsobjekt hätten ab­geben fönnen. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite festgestellt, da ßHerr v. Bethmann Hollweg nicht der Mann ist, der einen anderen die Verantwortung für das tragen läßt, was er selbst mit seinem Namen deckt, daß das Gerücht also völlig unbegründet ist.

Dernburg tein Tabatindustrieller. In letzter Zeit tauchte in Zigarrenindustriellenkreisen vielfach das Ge­rücht auf, daß der frühere Staatssekretär des Reichskolo­nialamtes, Dr. Dernburg, beabsichtige, ein Aktienunter­nehmen der Tabakindustrie ins Leben zu rufen. Gegen dieses Gerücht wendet sich nun Exzellenz Dernburg in einem Schreiben an die Redaktion der Süddeutschen Tabatzei­tung", worin er darauf hinweist, daß dieses Gerücht in feiner Weise den Tatsachen entspricht.

Ein Bürgerlicher in der Garde- Kavallerie. Es ist be reits wiederholt zum Ausdruck gekommen, daß mit dem Grundsah, bestimmte bevorzugte Regimenter nur mit ad­ligen Offizieren zu besetzen, allmählich gebrochen wird. Während diese Absicht bisher nur bei den Fußtruppen und der Artillerie der Garde zum Ausdruc tam, scheint ste jetzt auch bei der Garde- Kavallerie verwirklicht zu werden. So enthält das letzte Militär- ochenblatt die Versehung des Oberleutnants Rausch, der bisher die Uniform der 7. Kü­rassiere trug und zur Botschaft in Rom kommandiert war, zum Garde- Küraffterregiment.

Die Erörterungen über die Herbsttagung des Reichs­tages und den Schluß der gegenwärtigen Legislaturperiode werden in der Presse eifrig fortgesetzt. Gegenüber den Mel­dungen der Münchener Neuesten Nachrichten" und ande­rer Blätter, daß in Regierungskreisen die Absicht bestehe, noch dem gegenwärtigen Reichstage das Budget für 1912 porzulegen, erfährt der Berliner Vertreter der Königs­berger Hartungschen Zeitung" im Reichsamt des Innern, daß eine solche Absicht nicht bestehe und daß die Beratung des Etats für 1912 unter allen Umständen dem neu zu wählenden Reichstag vorbehalten bleiben wird.

Der Kriegsminister erläßt im Staatsanzeiger" die folgende Bekanntmachung: Es wird hiermit zur allgemei­nen Kenntnis gebracht, daß den Unteroffizieren und Mann­schaften der Armee dienstlich verboten ist, innerhalb ihrer eigenen oder einer fremden Truppe oder Behörde Zivil­personen oder den Handwerksmeistern der Truppe und der militärischen Anstalten usw. zur Ausübung des Gewerbe­betriebes Beihilfe zu leisten, insbesondere durch Vermit­telung oder Erleichterung des Abschlusses von Kaufgeschäf­ten, Versicherungsverträgen und dergleichen. Den Unter­offizieren und Mannschaften ist befohlen, von jeder an sie ergangenen derartigen Aufforderung ihren Vorgesetzten Meltung zu machen.

Ueber das Schicksal des Staatssekretärs des Innern verbreitet ein Berliner Blatt das Gerücht, Dr. Delbrück stände vor der Aussicht, über die elsaß- lothringische Ver­fassungsreform zu Fall zu kommen. Begründet soll dies Gerücht damit werden, daß Herr Delbrück die drei Bun­desratsstimmen der wieder zusammenberufenen elsaß- lo­thringischen Reichstagskommission sofort angeboten habe, statt zu warten, bis sie bei den schwierigen Fragen der Wahlkreiseinteilung und der Zusammensehung des Ober­

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Des Nätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm de. ( Nachdruck verboten.)

Was bedeutet das? Es muß doch so viel in Ihrer Kasse sein!" erwiderte der General ärgerlich.

Ich habe- doch fünfzehnhundert Mart heraus: gegeben, zum Auszahlen-an Woltersdorf," stotterte der Rentmeister.

Der Vorstand des Preußischen Lehrervereins hat den Kultusminister gebeten, daß die Militärdienstzeit der Leh­rer auf die zur Erlangung der Amtszulage für erste Leh­rer und alleinstehende Lehrer sowie der Ostmarkenzulage erforderliche, im Schuldienste zurückgelegte Zeit angerech­net wird, wenn sie mit dieser in unmittelbarem Zusam­menhange steht.

,, Sooo? Warum denn schon heute?- Uebermor­gen ist doch erst Löhnungstag!"

Die deutsche Vertretung in Megito. Wie die Natio­nalzeitung" erfährt, hat Konteradmiral von Hinze die Reise nach Merito angetreten, um die dortige Gesandt­schaft zu übernehmen. Das Blatt bezeichnet es als auffäl­lig, daß er nicht über Neuyork, sondern direkt von Ham­burg nach Veracruz fährt, so daß er die amerikanisch- meri­fanische Grenze nicht zu überschreiten braucht.

Raben hat auf diesen Einwand nur eine sehr tonfuse Ausrede, so ungeschickt, wie sie eben ein Mann, der an Lug und Trug nicht gewöhnt, nur haben kann.

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Kommt mir denn doch etwas wunderbar vor. So muz Woltersdorf das Geld sofort wieder herausgeben." Mit diesen Worten rannte der General davon, um seinen Inspettor aufzusuchen. Derselbe kommt gerade herein und läuft dem erregten Herrn fast in die Arme. Natürlich weiß er von nichts, was der General fast schon vermutet nach Rabens ganzem Benehmen.

Kleine Nachrichten."

Der 20. Delegiertentag des Deutschen Werkmeisterver­bandes fand dieser Tage in Straßburg statt. Bezüglich des Entwurfes eines Privatbeamten= Versicherungsgesetzes wurde anerkannt, daß dieser Entwurf eine brauchbare Un­terlage für das zu schaffende Gesetz bilden könne, wenn die bisher laut gewordenen Wünsche der Angestellten dabei berücksichtigt würden. Der nächste Delegiertentag soll im Jahre 1918 in Berlin abgehalten werden.

Hanptmann von Oidtmann. Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird. befindet sich Hauptmann v.Didtmann vom Feldartillerieregiment Nr. 75 in Halle, der Führer des in Dresden verunglückten Vallons Nordhausen" auf dem Wege der Besserung. Danach bestätigt sich also glücklicher­weise die Dresdener Meldung nicht, nach der Hauptmann v. Didtmann gestorben sein follfe.

,, So bin ich also wieder einmal betrogen, wieder ein­mal von einem Menschen elend hintergangen, auf dessen Treue ich hätte Häuser bauen mögen!" ruft er in höchstem Zorn aus und eilt mit großen Schritten zurück in des Rentmeisters Kontor. Er hat sich oft seines Scharfblides gerühmt, und derselbe hat ihn manchmal nicht be= trogen, heute aber täuscht ihn derselbe gänzlich, indem er ihm so deutlich sagt: Der alte Raben braucht viel Geld, damit sein Sohn, der Herr Referendar, standesgemäß auf­treten kann. Er weiß, ich fümmere mich nicht um die Kasse, hat darum das Geld einfach genommen und würde es, ohne daß Huhn oder Hahn danach krähen, verrechnen. Wer weiß, ob es das erste Mal ist?"

ergoß seinen Inhalt auf die unter dem Gleise beschäftigten Arbeiter. Einer wurde getötet und zwei schwer verletzt.

Todessturz vom Kirchturm. In Neubrandenburg wur de der zwölfjährige Sohn des Buchhändlers Bortenkow beim Läuten der Glocken der St. Martenkirche von Schwin­del befallen und stürzte aus beträchtlicher Höhe vom Kirch­turm auf die Straße. Der Knabe erlag nach kurzer Zeit den Verlegungen.

Nach der Hochzeit in den Tod. Die am Mittwoch erst getraute Ingenieursehefrau Marie Brand in Leipzig ist ge stern plößlich verstorben. Es wurde festgestellt, daß Ver giftung vorlag. Die Frau hat infolge Unwohlseins Natron zu sich nehmen wollen und statt deffen Bitterkleesalz er­griffen.

Furchtbarer Sturm in Oftbengalen. Nach einer Mel­dung aus Kalkutta wurde die Stadt Santehar an der oft­bengaltschen Eisenbahn von einem furchtbaren Sturm heim­gesucht. Ueber 60 Häuser sind vollständig zerstört. Ein Et­senbahnzug wurde vom Sturm die Böschung hinabgewor= fen; eine große Anzahl Personen wurde verlegt, es sollen auch viele getötet worden sein.

Totenblaß ist des alten Rabens Gesicht. Er vermag fich, wie der General nun mit zornfunkelnden Augen wie­der hereinstürzt, nicht vom Stuhl zu erheben. Völlig ver­

Selbstmord auf offener Straße. In München hat sich ein junger Bauer, der sich von der Polizei verfolgt glaubte, in der belebten Weinstraße vor den Augen der Passanten erschossen, nachdem er den Revolver zuvor vergeblich auf eine vorübergehende Dame abgedrückt hatte.

Tödlicher Sturz von der Luftschaukel. In Steinach in Meiningen stürzte ein 13jähriges Mädchen von der Luftschaukel. Es erfitt einen Schädelbruch, der den sofor­tigen Tod zur Folge hatte.

Das leichtsinnige Umgehen mit einer Schußwaffe hat abermals einen bedauerlichen Unfall herbeigeführt. Ein 17 Jahre alter Arbeitsbursche in Berlin zeigte einem gleich­altrigen Kollegen eine Pistoie. Diese entlud sich dabei und die Kugel drang dem letzteren ins Gehirn. Bei seiner Ver­nehmung gab der Schüße an, daß er die Waffe erst kurz vorher gekauft und nicht gewußt habe, daß sie geladen set.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

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Die Ausgrabungen auf Korfu. Da jetzt eine Giebel­ecke des Tempelreliefs bet den Ausgrabungen in Gariza in Gegenwart des Kaisers gefunden worden ist, hat Pro­fessor Dörpfeld nunmehr einen Teil des Giebels, der der hintere des Westgiebels des Tempels war, rekonstruiert. In der Mitte des Giebels steht die fliehende Riesengorgo, die Verkörperung des Bösen, die mit einem Gotte, dem Sinnbild des Guten, kämpft. Links von der Gorgo steht ein Pferd mit( wahrscheinlich) einem Reiter, rechts von thr die kämpfende Gottheit. Auf beiden Seiten des Gie­bels schaut je ein liegender Riefenlöwe dem Kampfe zu. In der schmaler werdenden linken Giebelspitze befindet sich eine fißende Göttin, auf die ein Speer geschleudert wird, dahinter ein Altar, und in der äußersten linken Giebelede ein gefallener, auf dem Boden liegender Kämpfer. Da­mit ist mehr als die linke Hälfte des Westgiebels bis auf einige Kleinigkeiten wiederhergestellt. Professor Dörpfe glaubt, daß der Tempel durch ein Erdbeben umgestürzt ist. Die Tempelbreite schätzt er auf ungefähr 25 Meter bet min­destens 50 Meter Länge. An der Schmalseite erwartet er den Fund von etwa sechs großen dorischen Säulen. Am Donnerstag nachmittag fanden sich bei den Ausgabungen ein: der Kaiser und die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der König der Hellenen, der Kronprinz und die Kronprin­zeffin von Griechenland und die Königin- Mutter_von_Eng= land. Bei Abschuß de rArbeiten vor den griechischen Oster­tagen teilte der Kaiser an die Arbeiter Geld aus. Der Kö­nig der Hellenen hat dem Kaiser das Recht an der Ausgra­bung des Tempels überlassen.

Gewissenlose Automobilinen. Zwischen Solingen und Cöln wurde ein Arbeiter auf der Heimkehr von einem Au­tomobil überfahren und tödlich verletzt. Die Insassen Ite­ßen den Bedauernswerten auf der Straße liegen und ent­kamen unerkannt. Der Verlebte ist in der Nacht gestorben.

Ein folgenschweres Unglück hat sich auf der Rolands­hütte in Weidenau an der Steg ereignet. Dort tippte ein mit glutflüssiger Hochofenschlacke gefüllter Wagen um, und

nichtet fühlt er sich. Ohne Widerrede hört er seines Herrn Worte an, von denen jedes sein Herz wie ein Dolch­stich trifft.

Es muß sich ja alles bald aufklären!" das ist sein einziger Trost.

" Also gestehen Sie es ein, Herr Raben, daß ich recht habe?" fragte der General jetzt. Sie befanden sich in Geldverlegenheit und glaubten, niemand würde etwas merken, wenn Sie eine so eringfügige Summe der Kasse entnehmen würden."

Dabei schaute er den alten Mann an, als wollte er ihn mit seinen Blicken durchbohren. Aber plötzlich schwin= det der Ausdruc grimmigsten Zornes aus seiner Miene. Die ihm eigene Gutmütigkeit, das Mitleid des edlen Her­zens stegte, wie er sieht, daß sein alter, in mehr als dreißig Jahren bewährter Rentmeister vergebens nach Worten ringt, wie derselbe seinem Aussehen nach eher ein Toter als ein Lebendiger, sich an der Stuhllehne festhält, um nicht ganz zusammen zu brechen. Gott wird alles auf­klären," stammelt er jetzt, mehr vermag er nicht über die blassen Lippen zu bringen.

Aus den Gerichtssälen.

Ein recht merkwürdiges Leben hat der jeßt 40 Jahre alte Technifer Konrad Krüger hinter sich, der sich vor der Straffammer des Landgerichts München wegen Betrugs zu verantworten hatte. Der Angeklagte stammt cus einer an­gesehenen Familie, besitzt aber eine gewisse phantastische Veranlagung, die ihn nicht lange in einer Stellung auß= harren läßt. In jüngeren Jahren verliebte er sich einmal unsterblich in eine Profefforentochter, er er unter den größten Entbehrungen eine Zeitlang nachreiste. Geradezu schwärmerisch war seine Vorliebe für das Theater. Auf seinen Fahrten kam er auch nach Berlin, wo er eine Stel­lung als Laufbursche annahm. Da er mit seinem Wochen­lohn sein Theaterbedürfnis nicht befriedigen konnte, ließ er sich verleiten, cinen kleinen Betrag zu unterschlagen, wo­für er einige Tage Gefängnis erhielt. In München fand er Beschäftigung in einer Gummiwarenfabrik. Sobald er einige Mark zusammengesvart hatte, besuchte er das Prinz­regenten- Theater. Wegen eines Selbstmordversuchs war er einige Wochen in die Psychiatrische Klinik gebracht. In einer Versammlung von Wiedertäufern lernte er ein Mädchen kennen, das ebenfalls für Theater und Kunst schwärmte. Er stellte sich als Architekt und Mann von Ver­mögen vor und wußte das Mädchen zu veranlassen, mit ihm eine Vergnügungsreise ins Gebirge zu machen. Hier gin= gen dem Paar allerdings bald die Geldmittel aus, so daß das Mädchen seine Schmucksachen versehen mußte. Als auch der Ertrag hierfür alle war, verlegte sich Krüger auf Hotel­schwindeleien. Die Mutter des Mädchens veranlaßte schließ­Itch die Verhaftung des Angeklagten, der vor Gericht be­hauptete, er habe die ernste Absicht gehabt, seinen Verpflich­tungen nachzukommen. Das Urteil laute auf 4 Monate und 15 Tage Gefängnis.

Herr Raben, ich weiß, daß Sie die bittere Not zu diesem Schritt getrieben hat", fährt der General in ge­mäßigterem Tone fort. Ich will Sie nicht ruinieren und Ihrem Sohn die Karriere nicht verderben. Würde ich den Vorfall zur Anzeige bringen- nun, Sie wissen, was die Folge wäre. Ich werde das nicht tun und über die Sache schweigen, soweit das mir möglich. Aber meine Gelder dürfen Sie nicht länger verwalten. Herr Wolters­dorf wird einstweilen Ihren Posten übernehmen. Es tut mir leid, aber anders kann ich nicht. Warum wandten Sie sich nur nicht offen und ehrlich an mich? Ich hätte Ihnen doch helfen können! Weiter habe ich nichts zu sagen. Ich reise heute noch ab zu meinem Sohne ins Aus­land."

Lange hatte der General das Kontor bereits verlassen und der alte Raben sak noch immer wie ein Schwerkranker,

Vermischtes.

Die Verteilung von Aderland an Ortsarme in Span dau als eine neue Form der Armenunterstützung scheint nicht den erhofften Erfolg zu zeitigen. Das zur Verteilung gebrachte Stild Aderland liegt noch vollständig unbearbei­tet da. Die Leute sind der Meinung, daß ihnen der Ver­kauf aus der Ernte nicht die Summe einbringe, die ihnen

wie ein vom Schlaganfall betroffener auf seinem Stuhl, regungslos, machtlos.

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So fand ihn seine Frau, die bereits durch den Kastellan in alles eingeweiht war. Was der General verschweigen wollte, wußte schon jetzt das ganze Schloßpersonal. Mochte das daran liegen, daß des erregten Herrn Stimme gar zu weit gehört worden, oder daran, daß Woltersdorf nicht reinen Mund gehalten, genug, der ehrliche, alte Rent­meister war als Dieb gebrandmarkt.

,, Reine Stunde länger bleiben wir hier!" feuchte Ras ben, als er, auf den Arm seiner Frau gestützt, in seiner Wohnung angelangt war. Vor der Gattin pflegte er feine Geheimnisse zu haben, darum erfuhr dieselbe alles sofort ganz ausführlich, auch, was er vermutete.

Die Folge war, daß Frau Raben einen ihrer nur zu häufig auftretenden Krampfanfälle bekam.

*

Woltersdorf triumphierte. Das alles so ablaufen würde, hatte er nicht erwartet. Das paßte ihm natürlich ganz vorzüglich. Da hatte er nicht nur 1500 Mart spielend ,, verdieni", sondern das heißersehnte Ziel zugleich erreicht. Was ging ihn jetzt noch die Familie Raben an. Nun hatte er ja auch einen guten Vorwand, die Verlobung mit Erna aufzuheben.

Bon seiner Seite wurde dem Rentmeister und seiner durch diesen Vorfall fast wahnsinnig gewordenen Gattin tein Trost.

Was sollte jetzt nur werden? Verzweifelt rang Ra ben die Hände. Das franke Weib, des Sohnes Zukunft, Erna und schließlich er selber gebrochen und un­fähig, den Kampf ums Dasein mit Tatkraft aufzunehmen. Der arme Hans. Als Sohn eines Spizbuben würde er niemals des Geheimrats Schwiegersohn werden.

( Fortsetzung folgt.)

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