Ausgabe 
22.3.1911 Erstes Blatt
 
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folge ein anderer englischer Spion bereits vor einigen Ta­gen nach England abgereist sein soll. Bisher ist von dieser neuen Persönlichkeit, die angeblich die Führung in der Spionageaffäre gehabt haben soll, noch nichts befannt ge­worden. Man ist im Gegenteil davon überzeugt, daß der verhaftete Engländer allein seine Pläne durchgeführt hat, da er unauffällig arbeiten wollte und wegen seiner Ver­bindungen mit deutschen Werftarbeitern irgend einen auf­fälligen Verkehr mit einem englischen Landsmann nicht un­terhalten durfte. Dagegen ist zu bemerken, daß die Spiona­geversuche anscheinend auch auf die Wilhelmshavener Werft übergegriffen haben, wo der Ersatz für den klei= nen Kreuzer Condor" sich im Bau befindet. Alle weiteren positiven Mitteilungen, die über die Spionageaffäre gemacht werden oder gemacht wurden, sind aber, wie uns mitge= teilt wird, lediglich Kombinationen, da weder von der Un­tersuchungsbehörde noch von den Direktionen der in Frage tommenden Schiffswerften irgend eine Mitteilung gemacht morden ist.

Deutscher Reichstag. Die fortgesette Beratung des Etats des Reichsamts des Innern brachte am Montag fast ausschließlich Reden der Linken und Einzelbeschwerden, die vom Regierungstisch Ihre Beantwortung fanden. Zunächst wurden solche beim Reichsversicherungsamt von dem Abg. Eickhoff( fr. Vv.) we­gen einer Entscheidung über die Versicherungspflicht der Heimarbeiter in der Solinger Stahlindustrie, vom Abg. Hanken( Däne) wegen der Rentenverhältnisse ausländischer Arbeiter und vom Abg. Sachse( Soz.) wegen Verwendung der Mittel der Landesversicherungsanstalten zum Vortrag gebracht. Der Ministerialdirektor sagte wegen der Heimar­beiter Prüfung zu, erwiderte dem zweiten Redner, daß die ausländischen Rentenempfänger entsprechend dem jezi­gen Rechtszustand, der durch die Reichsversicherungsordnung zu ihren Gunsten geändert werde, behandelt würden. Eine lebersicht über die einzelnen Empfänger von Darlehn der 30 Landesversicherungsanstalten würde etwa 900 Seiten umfassen. Beim Kanalamt fanden Beschwerden des Abg. Severing( Soz.) über die Beschäftigung ausländischer Ar­beiter ihre Erledigung durch Ausführungen des Ministe­rialdirektors. Trotz der Schwierigkeiten der Kanalarbeiten ist es gelungen, 70 Prozent deutsche Arbeiter zu beschäfti= gen. Der Abg. Dr. Hahn( f.) trat sehr nachdrücklich und lebhaft für den Schutz der Förderung der Kleinschiffahrt im Nordostseekanal ein. Spethmann( f. Vp.) und Wommels= dorf( natl.) befürworteten eine Resolution auf Einsetzung einer Kommission von 14 Mitgliedern, zur Prüfung der Frage, wie der projektierte Eckernförder Kanal im Reichs­Interesse am besten zu fördern sei. Der Ministerialdirektor äußerte sich jedoch ablehnend. Die Millionen würden ins Wasser geworfen sein. Auch die Hamburger Reeder stän den diesem Projekt sehr fühl geenüber. Die Resolution zugunsten des Eckernförder Projekts wurde schließlich abge= lehnt. Dann kam eine die Presse start interessierende Frage zur Verhandlung, nämlich die Abonnentenversiche= rung. Das Zentrum wünscht das gesetzliche Verbot schlank­weg, während eine Resolution Bassermann vorerst eine amtliche Denkschrift über den Umfang der Abonnentenver­ficherung durch Zeitungen fordert. Den Zentrumsantrag begründete der Koblenzer Chefredakteur Marcour und für den nationalliberalen Antrag sprach Abg. Junck, der die Frage, ob Mißstände in dem behaupteten Umfange tatsäch lich vorhanden sind, noch nicht für so geklärt hielt, daß ein grundsätzliches Verbot gerechtfertigt sei. Auch die Regie­rung gehört nicht zu den Gegnern der Abonnentenversiche= rung. Direktor Caspar wies auf die hohen Summen hin, die auf diesem Wege schon dem Publikum zugute gekom­men sind. Die meisten Versicherungen stünden unter Kon­trolle des Aufsichtsbeamten. Von der Sozialdemokratie, die der Sache recht fühl gegenübersteht, sprach der Abg. Schwarz- Lübeck. Abg. Potthoff( fortschr. Vp.) warnte vor allzu optimistischen Auffassungen, lehnte aber den Zen­trumsantrag als zuweitgehend ab. Weiter tadelte er den neuen Standpunkt der Regierung zu den Werkpensionskas­sen, worauf der Staatssekretär antwortete. Er bezweifelte int ber Frage ber Abonnentenversicherung, ob mant mit Preßgesetzen etwas gegen Auswüchse des Konkurrenzkam­pfes erreicht. Die allgemeine Moral und die Gesinnung der Presse könne man nicht durch Gesetz in Ordnung hal­ten. Die Resolution Hahn wurde abgelehnt, die beiden Resolutionen über Abonnentenversicherung wurden ange= nommen. Am Dienstag geht die Etatsberatung weiter.

Weiteres über die Hamburger Spione.

Wie der Korrespondenz Heer und Politik" von maß­gebender Marinejeite mitgeteilt wird, bestätigt sich die Mit­teilung, daß in Hamburg umfassende Spionageversuche, un­Sere Marine betreffend, festgestellt wurden, in vollem Um­fange. Es hat den Anschein, als ob es sich dabei um ernste Vorgänge handelt. Von der Persönlichkeit des verhafteten englischen Spions wird angenommen, daß es fich um einen Offizier handelt. In Marinefreisen hegt man den Verdacht, daß es nicht ein einzelner, völlig für fich unabhängiger Fall, set, sondern nur ein Glied eines umfangreichen Spionagesystems, zu dem auch die jüngst ab= geurteilten Spionageversuche der beiden englischen Offiziere French und Brandon gehören. Es dürfte sich also nach der in Marinekreisen weit verbreiteten Anschauung um einen intimen 3usammenhang zwischen diesen beiden Spionageversuchen handeln. Die intensivere Spionage scheint in Hamburg getrieben worden zu sein, wo auf zwei Werften mehrere große Kriegsschiffe sich im Bau be= finden, nämlich auf der Werft von Blohm& Voß der Pan­zerkreuzer Moltke" und", der fast fertig ist, sodaß sein Stapellauf voraussichtlich noch in diesem Jahre erfolgen wird. Auf der Vulkan- Werft befindet sich der Ersatzbau für das Linienschiff Heimdall". In Bremen dürfte es sich bei den Spionageversuchen um die beiden Ersatzbauten für " Bussard und Cormoran" handeln. Diese beiden klei= nen Kreuzer liegen bekanntlich auf der Weserwerft und stehen kurz vor ihrer Fertigstellung. In welchem Umfange die Spione, unter denen sich vier deutsche Verräter

Rundschau vom Cage.

auf

Politisches. Ausschußßigungen der liberalen Parteien haben vorge­stern in Berlin stattgefunden. In der Sigung des Zentral­vorstandes der nationalliberalen Partei erstat tete Reichstagsabgeordn. Bassermann das Referat über die Borbereitungen zu den nächsten Reichstagswahlen, das eine eingehende Aussprache hervorrief. Schließlich wurde mit allen gegen fünf Stimmen folgende Resolution beschlossen: Der Zentralvorstand ist überzeugt, daß die Parteifreunde im Lande sich des Ernstes der politischen Lage und der Ver­antwortung bewußt sind, die der bevorstehende Wahlkampf ihnen zuweist, und spricht die Erwartung aus, daß die Wahltreisorganisationen vor der endgültigen Aufstellung von Kandidaten und vor dem Eingehen taktischer Wahl­abkommen sich mit dem geschäftsführenden Ausschuß des Zentralvorstandes ins Einvernehmen sehen. Wird Wunsch oder im Einverständnis von Landesorganisationen oder, wo sie schit, von Wahlkreisen eine Verständigung mit anderen Gejomtparteien vom geschäftsführenden Aus­schuß herbeigeführt, so sind die hierbei getroffenen Verein­barungen von den betreffenden Wahlkreisen oder Landes­organisationen als verbindlich anzuerkennen." In der Zentralausschußsitzung der Fortschrittlichen Volks partei sprach Abg. Naumann über die nächsten Wahlen, insbesondere über das Verhältnis zu den Nationallibera­len. Redner betonte, daß sich die Einigung der Linkslibe­ralen so gut bewährt habe, wie es auch die größten Opti­misten nicht geglaubt hätten. Der Eindruck wirklicher Ge­schlossenheit sei da. Aus allgemeinen politischen Gründen trat Scaun ann für eine parteitaktische Verständigung mit den Nationalliberalen bei den nächsten Mahlen ein und erklärte eine größere Zentralisation in der Kandidatenauf­stellung für nötig. Abg. Fischbeck teilte mit, daß vorläufig von der Fortschrittspartei 132 Kandidaturen aufgestellt seien.

befinden, von den Plänen der betreffenden Kriegsschiffe Kenntnis genommen haben, ist augenblicklich noch nicht be= kannt, da sich der Fall noch im Stadium der Untersuchung befindet und Einzelheiten darüber nicht verlautbar werden. Es ist fraglich, ob eine Zeitungsmeldung zutrifft, der zu­

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Das Familiengeheimnis.

Roman von L. Walter.

( Nachdruck verboten.) ,, D, ich denke nicht daran, sie dem Geschäfte entziehen zu wollen!" rief Selma. Aber bei der Veränderung, die eingetreten, muß ich doch auf meine Sicherstellung bedacht sein."

" Und ich muß bedacht sein auf den ehrenvollen Fort­bestand der Firma, der durch Deine Forderung in Frage gestellt wird. Glaube mir, liebe Tante, ich würde wahr­lich nicht auf Vorlage eines Dokuments dringen, wenn die Pflicht der Selbsterhaltung mich nicht dazu zwänge. Bei der Redlichkeit und Ordnungsliebe meines verstor­benen Vaters ist es kaum begreiflich, wie ein solcher Posten in den Büchern hat unberücksichtigt bleiben können. Lei­der habe ich keine Notierung gefunden ich bin erbötig, Dir die Bücher vorzulegen. Der Verstorbene hat diese Angelegenheit nirgends erwähnt es liegt darin eine Bestätigung, die mir ebenso wichtig erscheint als Deine Behauptung. Du stehst nicht mir, Du stehst dem Vater gegenüber. Ich kann nur die Verpflichtungen erfüllen, die geschäftsmäßig verzeichnet stehen. Ebenso wenig werde ich Forderungen eintreiben, die nicht gebucht sind. Sezen wir nun den Fall, daß Du nun zu dem letzten Mittel greifst und einen Prozeß gegen mich anstrengst...

,, Dahin wird es doch nicht kommen!"

,, Dann muß ich auf Befragen den Einwand geltend machen; ich glaube nicht, daß Tante Selma im Besitze einer so großen Summe je gewesen ist..." ,, Karl! Karl!"

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Zur nationalliberalen Stichwahlparole in Gießen­Grünberg- Nidda erfährt die Freisinnige Zeitung", der Entschluß der Nationalliberalen, für Werner einzutreten, sei dadurch zustande gebracht worden, daß zu der Sitzung nicht alle Mitglieder des nationalliberalen Wahlaus­schusses eingeladen worden seien, sondern nur diejenigen, von denen man von vornherein annahm, daß sie für Wer­ner zu haben wären. Ob diese Behauptung den Tatsachen entspricht, wird sich ja bald herausstellen. Die Ortsgruppe des Hansabundes in Gießen hat beschlossen, in der Frage der Stichwahlparole sich jeder Stellungnahme zu enthalten.

" Und der Richter wird fragen: wie ist die Klägerin zu dem Gelde gekommen, das sie dem bedrängten Bruder geliehen haben will! Die Familie Halling ist von jeher nur arm gewesen; das Vermögen hat meine verstorbene Mutter eingebracht... Du hast nun, Tante, die Beweise zu liefern, daß Du erstens die Summe wirklich besessen

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pro Stück zu haben. An eine Neuauflage ist jetzt nicht zu denken. Dagegen wird neuerdings beabsichtigt, zum 25 Regierungsjubiläum des Regenten, das auf den 10. Junt fällt, doch noch Jubiläumsmarken zu 5 und 10 Bfg. in grö­ßerer Auflage herzustellen.

Verlorener deutscher Boden. Die geschiedene Gräfin Ella v. Schlieffen in Groß- Lichterfelde bei Berlin verkaufte die von ihr vor Monatsfrist von dem ehemaligen Pariser Botschafter Fürsten Radolin für 2 Millionen Mark er­worbene, 3500 Hektar große Waldherrschaft Ponoschau im Kreise Lubliniß an den polnischen Grafen Max Mielzynski im Kreise Lissa.

An den chinesischen Prinzregenten hat der deutsche Kaiser eine lange und warm gehaltene Depesche gesandt, worin er sein tiefstes Bedauern darüber ausdrückt, daß die Reise des Kronprinzen abgebrochen und der Besuch in Pe­fing aufgeschoben werden mußte. Der Regent antwortete mit der gleichen Herzlichkeit und drückte die Hoffnung aus, daß der Kronprinz im nächsten Jahre nach China kommen werde. Die japanische Presse erklärt, daß der Abbruch der Reise des Kronprinzen inbezug auf Japan nicht ge= rechtfertigt sei, da Japan in keiner Weise durch die Pest berührt worden sei. Das Aufgeben der Reise erscheint der japanischen Presse als Beweis für den Willen des Kai­sers, sich das Vertrauen Chinas zu erwerben, und mehrere japanische Blätter bedauern, daß Deutschland so sehr zu China hinneige, während doch Japan so große Fortschritte auf dem Gebiete der Zivilisation gemacht habe.

Kleine

Nachrichten.

Ein Opfer treuefter Pflichterfüllung ist auf einem Bahn­hof in Rouen in Frankreich ein Beamter geworden. Eine Frau wollte mit einem Knaben auf dem Arm das Glets überschreiten. Plötzlich brauste ein Zug heran. Der Sta tionsvorsteher Guerin stürzte hinzu. Es gelang ihm auch, die Frau rechtzeitig vom Gleise wegzureißen, er stürzte da­bet jedoch, und die Räder der Maschine gingen über ihn hinweg. Zu einer formlosen Masse zermalmt, war er so­fort tot.

Die bayrischen Jubiläumskarten, die noch in der letzten Woche den ziemlich festen Preis von 1 Mark pro Stück im Straßenhandel erzielten, während in Geschäften 5 Mark und mehr dafür verlangt wurden, sind jetzt um 50 Pfg.

und zweitens, daß Du sie dem Bruder geliehen hast. Dann wird das Geschäft auch ohne Weiteres zur Rückzahlung verurteilt."

Selma hatte den Ring an ihrem Finger malitiös lächelnd betrachtet.

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Der amerikanische Silberkönig" David Moffat ist in Neuyork gestorben. Er hinterläßt 240 Millionen Mark. Moffat verdankte seinen Reichtum hauptsächlich den reichen Silberminen Kolorados und Merikos.

Die Einwohnerzahl Indiens beträgt nach dem vorläu figen Ergebnis der letzten Volkszählung 315 Millionen, etwa fünfmal so viel als die des Deutschen Reiches.

Aus Geiz ließ der Ackerer Hirsch in Limbach in der Pfalz seine Pferde und sein Rindvieh buchstäblich verhun­gern. Was noch am Leben ist, steht bis auf weiteres unter polizeilichem Schutz. Bei einem eingegangenen Pferde wurde festgestellt, daß das Tier Sand und seinen eigenen Kot verzehrt hatte.

Ein schweres Brandunglück hat sich Montag früh in der Manteuffelstraße in Berlin zugetragen. Dort brach in der Kellerwohnung des Klempners Bleß Feuer aus, das die Möbel und Betten erfaßte. Nur zwei Personen konn­ten sich rechtzeitig durch ein Kellerfenster in Sicherheit bringen. Bleß selber vermochte nicht mehr zu flüchten und verbrannte.

,, Du verfährst raffiniert, auch ich muß so verfahren. Deine Auseinandersetzungen, die wirklich klar und bündig sind, erwecken in mir den Verdacht, daß Du nicht ganz un­vorbereitet bist. Gestehe es nur: Du hast über diese An­gelegenheit nachgedacht, sie ist Dir nicht fremd! Ach, wie Du errötest! Karl, vergiß nicht, daß ich die Schwester Deines Vaters bin, sonst müßte auch ich vergessen, daß Du der Sohn meines Bruders bist! Wähnst Du denn, Vater hätte mich in dem Hause geduldet, wenn er nicht triftige Gründe dazu gehabt hätte? Würde er frei­willig mit mir Geschäftsangelegenheiten beraten haben? Ich bin sehr leichtsinnig gewesen und habe dem Bruder rückhaltlos vertraut: Karl schände den Vater nicht im Grabe!"

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Streifende Dodarbeiter mißhandelten in Toulon zwei aus Marseille eingetroffene Hafenarbeiter und warfen einen von ihnen ins Meer. Er wurde von Matrosen aus deur Wasser gezogen lehnte es aber ab, Strafanzeige gegen seine Angreifer zu erstatten.

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Automobilunfall des Prinzen Friedrich Karl. Sonnabend fuhr ein Automobil des Prinzen Friedrich Leo­pold, in dem sich seine Söhne, die Prinzen Friedrich Sigis­mund und Friedrich Karl, mit ihrem militärischen Beglei­ter Oberleutnant v. Steuben befanden, durch die Neue Königstraße in Potsdam nach der Kriegsschule. Am Ber­liner Tor rannte das Auto mit einem Wagen der Pots= damer Straßenbahn zusammen, wobei Prinz Friedrich Kart eine Quetschung am Ellenbogengelenk davontrug. Die Verlegung war so unerheblich, daß der Prinz in einer Droschke die Fahrt nach der Kriegsschule fortsetzen konnte.

Der junge Mann fühlte eine brennende Glut auf sei­nen Wangen. Selma hatte den rechten Fleck getroffen. Er mußte sich doch sagen, daß er nicht ganz auf rechtem Wege sich befand, daß er listig zu erstreben suchte, was voller Offenheit zu erlangen seine Pflicht gewesen. Die Lüge, die er gesprochen, fiel ihm schwer auf das Herz. er vermochte kaum seine Verwirrung zu verbergen. Der des alten Kassieres stand ihm zu hoch, als daß er

mit

Rat

ihn nicht hätte befolgen sollen; Horn war ein ehrlicher, ein erfahrener Mann, der kein unbedachtes Wort äußerte. Und wie er, der junge Mann, so würde der alte Kassierer gehandelt haben. Dazu kam der Gedanke: Das Geschäft steht auf dem Spiele und Auguste ist verloren, wenn die

Von der Galerie ins Parkett gestürzt. Während der Nachmittagsvorstellung im Ambigutheater in Paris er­eignete sich am Sonntag ein schwerer Unfall. Ein fünf­zehnjähriger Schlosserlehrling, der nach einem Zwischenakt auf seinen in der obersten Galerie in der ersten Reihe be­legenen Platz zurückkehren wollte, sprang aus einer der hinteren Bankreihen auf seinen Play, verfehlte diesen aber, schlug auf die Brüstung auf, tippte über und fiel ins Parkett hinunter auf eine junge Dame, die dort saß; sie fam mit einigen leichten Kontusionen davon. Der junge Mensch blieb bewußtlos liegen; ein Arzt konstatierte einen Bruch des rechten Oberschenkels.

Firma nicht fortbesteht. Zum ersten Male in seinem Le­ben befleißigte sich Karl der Verstellung, die er bis dahin gehaßt hatte. Es handelte sich um seine Existenz, um sein Lebensglüd, um die Ehre der Firma, um alles, was ihm heilig war. Auch lagen ja der Gründe genug vor, der schlauen Selma zu mißtrauen.

Die Baby- Komödie im Gerichtshof. Einem eigenarti gen Trick, der wohl schon häufig mit bestem Erfolg ange= wendet worden ist, kam dieser Tage ein Dubliner Polizei­richter auf die Spur. Wegen Feilbietens von Fischen auf offener Straße wurde eine größere Anzahl von Händlerin­nen vor Gericht zitiert. Der erste Trupp junger Frauens­personen erschien mit Säuglingen auf dem Arm und wurde mit einer Verwarnung entlassen. Merkwürdig", meinte der Richter lächelnd, als die Frauen den Saal verließen, ,, daß alle fast gleichaltrige kleine Kinder hatten." Gleich darauf kam der zweite Schub wegen desselben Vergehens notierter Fischweiber herein. Auf dem linken Arm trug jede der Vorgeladenen ein Baby. Es dünfte dem erstaun­ten Richter, als hätte er manches dieser Kleinen nur eben erst auf einem anderen Arm erblickt. Und plötzlich ging ihm ein Licht auf. Salt!" rief er, das geht denn doch nicht an. Ich werde es verhindern, daß man mich in dieser Weise täuscht. Jede von Euch muß einen Schilling zahlen, oder bis 4 Uhr hier inhaftiert bleiben." Sprach es und ließ die jammernden Frauen abführen. Wie es sich heraus­stellte, hatten die meisten dieser Fischverkäuferinnen sich

,, Du deutest mein Erröten zu Deinem Vorteile," mur­melte er betroffen; wahrlich, ich muß erröten, daß Du eine Mahnung an mich richtest, die bei meiner Pietät für den Vater überflüssig ist. Ich wiederhole Dir, daß ich mein Geschäft zum Opfer bringe, wenn es gilt, wohl­begründete Ansprüche zu befriedigen. Ich stehe als Ver­Wollte mittler zwischen Dir und dem Verstorbenen

ich Dir ohne weiteres glauben, so fonstatiere ich eine Un­redlichkeit des Vaters, und wahrlich, es ist eine Unredlich­feit, die Summe von fünfundsiebzigtausend Talern nicht zu buchen, zumal wenn die einzige Schwester sie in das Geschäft gegeben. Ich nenne dies nicht Nachlässigkeit, ich nenne es geradezu Betrügerei!" fügte er entrüstet hinzu. Der ehrliche Kaufmann hält Ordnung in seinen Büchern; der Schuft schafft Unordnung, um daraus Nugen zu ziehen. Vermagst Du es, so gib mir einen Fingerzeig, Tante, daß ich den Weg aus diesem schrecklichen Labyrinthe finde." Jetzt ward Selma betroffen.

" Ja, es ist ein Labyrinth!" flüsterte sie. Laß mir Wozu?"

Beit!"

Ich werde überlegen." Gut, Tante!"

Aber glaube nicht, daß ich einen Fingerbreit zurüc

weiche.

"

,, Wie Du willst."

,, Mein Entschluß steht fest, ich fordere Sicherheit. Da rüber, wie ich zu dem Gelde gekommen bin, brauche ich keine Rechenschaft abzulegen."

,, Der Richter wird bestimmen."

" Willst Du mich wirklich an das Gericht verweisen?" Ich weiß kein anderes Auskunftsmittel, wenn Du feine Dokumente aufweisen kannst."

,, Karl, ich bedauere, daß ich es sagen muß: Dein Va ter war zu rechtlich, um eine Schuld zu ignorieren, Du hast die Beweise vernichtet!"

Ich werde Dir die Bücher vorlegen!" entgegnete falt der junge Mann. ( Fortsetzung folgt.)

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