Ausgabe 
22.3.1911 Erstes Blatt
 
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Die Säuglinge in der Tat zu dem 3wede, den Richter milde ju stimmen, von guten Bekannten ,, entliehen".

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neuer Souffleurkasten. In den Petersburger Theatern ist ein neuer Soffleurkasten eingeführt worden, ber den Vorteil bieten soll, daß das Publikum auch nicht einen Ton von dem vernimmt, was der Souffleur spricht, während der Schauspieler auf der Bühne das Wort seines Helfers, wenn er auch noch so leise spricht, mit auffallender Klarheit hört.

Der neue Bühnen- ,, Gedächtnisbehalter", die Erfindung eines Moskauer Schauspielers, stellt eine Art Muschel dar, die in ein großes Gehäuse eingebaut ist. Die Wände sind aus trodenem Holz, das mit einer be= sonderen Lackart überzogen und von zwei übereinander­Hegenden Schichten Filz und gepreßtem Papier bedeckt ist. Der Souffleur, der in diesm Kasten sitt, befindet sich in einem Versted von viel beträchtlicherer Tiefe als sonst, er geniert deshalb die Zuschauer nicht im mindesten.

24-36

Aerztliche Beobachtungen an einem Verschütteten. Ein junger Italiener wurde zusammen mit anderen Arbeitern bei einem Tunneleinsturz verschüttet und kam so zwischen Balfen zu liegen, daß er fast unbeweglich eingeklemmt war. Sofort nach dem Einsturz sammelte sich Wasser an bis an die Achsel. Der Verschüttete blieb in diesem Dauerbad von 11-15° ohne Nahrung, aber bei genügender Luft und der Möglichkeit, Wasser zu schöpfen, zehn Tage unter der Erde. Bei der Rettung half er mit, jedoch war der Körper von den Hüften an vollständig starr, unbeweglich, falt, empfin­dungslos, intensiv grün gefärbt, mit teilweise unter der Haut liegenden Schorfen. Nach einem Aufenthalt von 20 Etunden im Hospital war der Mann bei vollem Bewußt­sein, er sprach fortwährend und gab an, er fühle sich sehr wohl. Füße und Beine waren tief rot, doch konnten nach Stunden die Beine wieder vollständig bewegt wer= den. Merkwürdig waren aber die geistigen Störungen, die auftraten. Eo wußte der Kranke nicht, in welcher Jahres­zeit er lebte, er glaubte, er habe ein Jahr unter dem Schutt gelegen. An den folgenden Tagen traten große Blasen und Schmerzen an den Beinen auf. Dann stellte sich auch wie­der die Orientierungsfähigkeit ein, doch machte der Kranke auch jetzt noch sehr lückenhafte Angaben über seine Erleb­nisse. Nach 50 Tagen ging er strammen und elastischen Schrittes und das Erinnerungsvermögen war wieder völ lig vorhanden. Bemerkenswert ist in dem Falle der riesige zehn Tage lang dauernde Wärmeentzug; man muß beden­fen, daß letzterer im Wasser achtmal so groß ist wie beim unbekleideten Körper in der gleich temperierten Luft. Be­merkenswert ist ferner, daß die Funktionsfähigkeit der Nerven nach einer so langen Kältewirkung und Unterer­nährung sich nach wenigen Stunden wieder eingestellt hat, nach 24-36 Stunden auch wieder die Beweglichkeit der Muskeln.

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Krönungsgeschenke für Königin Mary. Einige Lon­doner Handwertergilden werden der Königin Mary zur Krönungsfeier Geschenke überreichen. Am Krönungstage die Königin z. B. Handschuhe tragen, die natürlich völlig englisches Erzeugnis von der Handschuhmacher­gilde eigens hergestellt werden. Was für eine Art Hand­Schuhe angefertigt werden, steht noch nicht fest; vielleicht ähneln sie den Krönungshandschuhen der Königin Alexan­

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Familie mit viel weniger als hundert Kronen, vielleicht sehr mäßiger Verpflegung und nicht immer sehr anständiger Be­handlung unterschlüpfen fann. Die Sache wäre also nach Wunsch verlaufen, wenn nicht ein Protest des Rektors ge= fommen wäre, der am schwarzen Brett der Universität auf den Konflikt zwischen Kellnerberuf und studentischer Ehre aufmerksam gemacht hat. Es fragt sich nur, wer aus dem Kampf zwischen Hunger und Stolz als Steger hervorgehen wird. Der Besizer des Hotels ist sicher in Amerika ge= wesen, sonst hätte er nicht den Mut zu seiner Aufforderung gehabt. Er weiß, daß die gute Hälfte aller amerikanischen Studenten sich Brot und Unterrichtsgeld durch schwere Ar­beit verdient und im Sommer nach allen Badeorten strömt, um ohne Bedenken Gäste zu bedienen, die vielleicht ein paar Jahre später wieder sie bedienen werden.

Tragödie eines Tauchers. Aus Petersburg wird der " Inf." geschrieben: Bei den Iwanowski- Stromschnellen der Newa, die einer Reinigung unterzogen werden sollten, er­eignete sich vor einigen Tagen eine entsetzliche Katastrophe, bet der ein Taucher durch eigenartige Umstände sein Leben lassen mußte. Der Taucher Alexander Nekrassow war ge­mietet worden, um die Iwanowski- Stromschnellen von den vielen Steinen auf dem Grunde der Newa zu reinigen. Er begab sich mit der vorschriftsmäßigen Taucherkleidung aus­gerüstet, an sein gefahrvolles Werk. Kaum war er auf dem Boden des reißenden Stromes angelangt, als sich eine ei­serne Kette, mit der er einen schweren Stein befestigen wollte, um sein Luftrohr schlang und ihm die Luft abschnitt. Der Taucher machte in seiner Todesangst die größten An­strengungen, die Kette von dem Luftrohr fret zu bekommen. Er zerrte en ihr heftig und riß an der Signalleine, um den Leuten oben das Zeichen zu geben, daß er sich in Gefahr befinde. Sein heftiges Zerren wurde aber von den Arbei­tern im Kahne als Zeichen angesehen, daß der Stein schon befestigt sei und von ihnen hochgezogen werden sollte. Sie zogen daher die Kette an. Erst als der Taucher unten gar fein Lebenszeichen von sich gab, wurde er herausgezogen. Ein entsetzlicher Anblick bot sich den Leuten dar. Das Luft­rohr war völlig durchgeschnitten und an der Kette hing der leblose Körper des Tauchers. Man löste ihm sofort den Taucherhelm, aber es war vergebens, der Tod war schon eingetreten.

die damals von einer Privatfirma angefertigt wor= den waren. Es war ein Paar bis über die Ellbogen reichender Musketierhandschuhe, die anstelle der gewöhn­lichen Raupen auf dem Handrücken die königliche Krone und den Anfangsbuchstaben des Namens der Königin tru­gen. Durch den Rand war ein goldener Faden geschlungen, der an den Enden in Quasten auslief. Eine andere Zunft, die der Ehre teilhaftig geworden ist, die Königin zur Krö­nung zu beschenken, ist die der Nadler. Ihr Geschenk wird, wie bereits feststeht, in einem goldenen Nadelkästchen be= tehen, das auf der einen Seite die königliche Krone und den Anfangsbuchstaben des Namens der Königin trägt, während die andere das Abzeichen der Gilde zeigt. Weitere burch die gleiche Gunst ausgezeichnete Gilden sind die Fä­chermacher und die der Gärtner.

Kaufmannsdeutsch. Von einem Juristen wird der Frts. 3tg. geschrieben: Immer und immer wieder kann man, und mit Recht, Klagen über das Juristendeutsch fin­den; und gerade der Kaufmann pflegt mit scharfer Kritik über ein sprachlich schlecht abgefaßtes Urteil herzufallen.

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Wissenschaft, Kunst und Literatur.

beschrieb

Verunglückte deutsche Ballons.

Der am Sonntag in Düsseldorf aufgestiegene Ballon Düsseldorf 4" wurde, wie schon telegraphisch gemeldet, in die Zuidersee getrieben. Der Ballonführer, Metallwaren­fabrikant Paul Kayser vom Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt, ertrank. Der Mitfahrer Otto Schröder wurde schwer verletzt. Der Ballon war am Sonn­tag morgen bei günstigem Wetter in Krefeld aufgestiegen, um einen Ausflug nach Holland zu machen. Alles ging gut bis Harderwijk, wo man, anstatt zu landen, auf die unselige Idee, wie Herr Schröder sich ausdrückte, tam, noch weiter zu gehen und vielleicht in der Nähe von Amsterdam zu landen. Der Vorrat an Ballast, Sack, wurde aus­geworfen, und der Ballon stieg bis zu 1600 Metern. In dieser Höhe angelangt, bemerkten die Insassen, daß die Wind­richtung sich geändert hatte. Der Ballon wurde in nord­westlicher Richtung über die Zuidersee getrieben. Allmäh­lich ging er nieder, so daß er während furzer Zeit ganz in der Nähe eines der Zuiderseeboote blieb. Die Luft­schiffer meinten, daß das Boot ihnen folge. Gegen 24 Uhr nachmittags war man östlich von der Insel Wieringen an= gelangt. Den Ballon konnte man aber nicht lange halten, der Ballonkorb wurde dann und wann durch das Wasser geschleift. Alles wurde über Bord geworfen, mit Ausnahme der Instrumente. Dadurch stieg der Ballon einige Meter, ging aber bald wieder nieder. Die Luftschiffer beschlossen nun, als sie Land in der Nähe erblickten, die Seile, die den Ballon mit dem Korb verbinden, zu durchschneiden. Well sie aber von der Kälte erstarrt waren, gelang ihnen das nicht. Sie wurden schließlich vom heftigen Wind gegen einen Basaltdamm geworfen. Schröder, der auf dem Rande des Korbes stand, wurde durch den Stoß hinausgeschleudert und fiel auf den Deich, wobei er am Kopf verwundet wur de. Kayser überschlug sich mit dem Ballon über die Deiche und gelangte in das Dudeveer, ein Binnenwasser, nicht breiter als 200 Meter. Obwohl er in dieser einsamen Um­gebung bemerkt wurde, war es bei der vollkommenen Ab­wesenheit von Hilfsmitteln unmöglich, ihm zu helfen und er ertrant. Schröder fand Aufnahme in einem Landhaus, wurde hier mit Kleidung versehen und verpflegt.

Photographische Aufnahmen des Meeresbodens vom Ballon aus. Ein niederländisch- indisches Blatt fürzlich eine mit dem Ballon Batavia" an der Küste des Javameeres und entlang den Mündungen der sich darin ergießenden Flüsse gemachte Fahrt, bei der man vom Ballon aus durch das Wasser eine genaue Aufnahme der Beschaffen­heit des Meeresbodens mit seinen Erhöhungen und Tiefen, Klippen usw. machen konnte. Es war, als ob die Luft­schtffer eine Karte des Meeresbodens vor oder vielmehr unter sich ausgebreitet gesehen hätten. Ein indischer Ma­rineoffizier hat nun in einer Schrift auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und die Regierung aufgefordert, diese Erfahrung für die Untersuchung des Fahrwassers der in­dischen Meere auszunüßen, die bis jetzt noch in sehr unge­nügender Weise untersucht seien; denn abgesehen davon, daß mit dieser Methode viel Zeit, Geld und Mühe erspart wer­den könne, dürfe man auch auf eine größere Sicherheit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse der Tieffeeforschung rechnen. Dieser Gedanke scheint an maßgebender Stelle auf empfäng­lichen Boden gefallen zu sein: das indische Marinedeparte­ment hat beschlossen, mit einem solchen" Ballonschiff" einen Versuch zu machen.

auch in den kaufmännischen Briefwechsel hat sich, wie man wohl weiß, allmählich ein Stil eingeschlichen, der jenem vielgeschmähten Juristendeutsch an Falschheit und Sprachwidrigkeit nichts nachgibt. Vcr mir liegt der Be­gleitbrief einer Filiale einer unserer ersten Großbanken, mit dem sie ihren Kunden Rechnungsauszüge übersendet. Wir überreichen Ihnen einliegend" den Auszug Ihrer Rechnung." Wer liegt denn ein? Die Filiale der X- Bank iny? Würde das Schreiben unverständlicher, wenn man dieses ganz überflüssige einliegend" einfach weg­ließe? ,, Belieben sie solchen zu prüfer und rechtfindend" unter gefälliger Anzeige gleichlautenden Vortrag zu machen." Der rechtfindende Jurist könnte das rechtfin­dend" nicht sprachlich schlechter anwenden, als es hier ge= schieht. Und nun der Gipfelpunkt: Wir begleiten Ihnen anbei ein Verzeichnis Ihrer bei uns guthabenden Effet­ten." Seit wann ist denn begleiten" gleichbedeutend mitbeilegen", als Beilage senden"?" Ihrer bei uns guthabenden Effekten." Diese schöne Floskel steht auf einer Stufe mit dem in Todesanzeigen vielfach zu lesenden ,, uns betroffenen Unglüd". Der ganze legte Saz ließe sich doch durch folgenden ersehen: ,, Gleichzeitig übersenden wir Ihnen ein Verzeichnis Ihrer bei uns hinterlegten Wert­papiere", wobei noch das Fremdwort Effekten" durch ein deutsches Wort ersetzt wäre. Gerade Banten, die an der Spitze des deutschen Wirtschaftslebens stehen, sollten es als eine Ehrenpflicht betrachten, auch ein sprachlich richtiges und reines Deutsch zu schreiben.

Richterhumor. Eine Perle des Humors vor Gericht

Johann Orths Todeserklärung.

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Auch der Ballon Reuß" des Düsseldorfer Luftschiff­fahrtvereins hatte Sonntag nachmittag in Holland eine we­nig glückliche Landung. Er war mit vier Insassen unter Führung des Dr. Mumm in Düsseldorf aufgestiegen. Bei Degstgeest, unweit Leiden, riß das Schlepptan einen Schorn­stein um und der Ballon wäre fast in den Rhein gefallen, erreichte aber noch glücklich das andere Ufer. Vor der Lan­dung prallte der Ballon gegen eine Telegraphenstange. Einer der Luftschiffer erlitt eine leichte Verlegung. betraf, ereignete sich Sonntag nachmittag. In Ravestein ( Nord- Brabant) landete ein Ballon aus Deutschland mit Noch ein drittes Unglück, das einen deutschen Ballon zwei Insassen, die einer großen Gefahr entrannen. Der Ballon streifte bei großer Schnelligkeit den Turm der fa= tholischen Kirche und gelangte dann noch zur rechten Zeit über die Maas hinüber. Der Ballon blieb schließlich in einem Baum hängen und die Luftreisenden mußten aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden. Der Ballon ist schwer beschädigt.

Die Frist, die den Gegnern der Todeserklärung Jo­hann Orths, des ehemaligen Erzherzogs Johann Nepomuk Salvator, Prinzen von Toskana, zur Erbringung eines Gegenbeweises eingeräumt war, ist verstrichen. Der treter des Erzherzogs Josef, des Neffen und Erben des Verschollenen, hat dem österreichischen Oberhofmarschallamt den Antrag unterbreitet, nunmehr auszusprechen, daß der verschollene Erzherzog den 21. Juli 1890 nicht überlebt und daher dieser Tag als sein Todestag zu gelten habe. Um die Person Johann Orths hat sich im Laufe der 20 Jahre seit seinem Verschwinden ein dichter Sagenkreis ge­woben. Immer wieder flatterten Gerüchte in alle Welt hi­naus, die von persönlichen Begegnungen mit dem Erzher­zog, bald in diesem, bald in jenem Winkel der Erde, zu melden wußten, doch niemals konnte eine einzige konkrete Tatsache vorgebracht werden. Die letzte von Johann Orth selbst herstammende Nachricht ist ein vom 12. Juli 1890 aus Porto La Plata datiertes Schreiben an seinen Rechtsfreund Haberer in Wien, aus dem unzweifelhaft hervorgeht, daß er an diesem Tage seine Seereise wirklich angetreten hat. Auch der letzte Brief seiner Lebensgefährtin Milly Stubel an ihre Mutter in Berlin und ein solcher eines seiner Schiffsoffiziere sind an diesem Tage geschrieben. Daß die Margarete" am fraglichen Tage in See gegangen ist, wird auch bestätigt durch die einwandfreie Bekundun geines feiner Schiffsoffiziere, der erst am Tage vor der Abfahrt aus den Diensten Johann Orths geschieden war, weil er vor der tollkühnen Fahrt um das Kap Horn gewarnt hatte. Johann Orth wies die Zumutung, die Fahrt aufzugeben, entrüstet zurück und gab sein Ehrenwort daß er doch segeln

findet sich in einer englischen Gesellschaftszeitschrift. Vor dem Richter John Day, der augenscheinlich eine Abneig= ung gegen die Aerzte hatte, kam ein Fall zur Verhandlung, wo ein Arzt einen Herrn auf Bezahlung einer Rechnung pon 170 Guineen für Behandlung seiner Frau verklagt hatte. Ter Arzt sollte nachweisen, daß diese außerordentlich hohe Forderung berechtigt sei und der Richter fragte: Wie oft haben Sie die Dame während ihrer Krankheit besucht?" ,, 170mal", lautete die Antwort. Lebt sie noch?" fragte Der Richter weiter, und als der Arzt Ja, gewiß", antwor­Bete, meinte er: Das wundert mich außerordentlich."

Studenten als Kellner. Der Besißer eines Hotels am hönen Plattensee hat auf der Budapester Universität an­Andigen laffen, daß er für den Sommer Studenten als Rellner engagieren will. Eine Menge Studenten ging auf as Anerbieten sofort ein, was gar nicht wundern darf, da bnen hundert Kronen monatlich mit ganzer Verpflegung und sicher auch anständiger Behandlung zugesichert wurden. man weiß, wie froh so ein armer Student ist, wenn er für den Sommer irgendwo bei einer hochherrschaftlichen

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und sein Schiff selbst führen werde. Die Umsegelung von Kap Horn ist aber bekanntlich selbst bei normalen Witter­ungsverhältnissen äußerst gefährlich und bietet dem erfah­rensten Schiffer große Schwierigkeiten. Für Johann Orth und sein Schiff war die Gefahr noch größer, denn es war die erste Fahrt, die er als Kapitän auf offener See unter­nahm, und sie erfolgte unter einer geradezu verhängnis­vollen Wetterkonstellation. Aus den wissenschaftlichen Fest­stellungen der Seewarte in Hamburg geht hervor, daß die St. Margarete" ein Opfer eines in Seefahrerkreisen als der Kambysessturm bekannten Orkans geworden ist, der in seiner außerordentlichen Plöblichkeit und Stärke in der Geschichte der Meteorologie fast einzig dasteht. Die sofort nach dem Verschwinden des Schiffes eingeleiteten und oft wiederholten Hilfexpeditionen haben niemals ein Resultat ergeben, und die Versicherungsgesellschaften, bei denen die ,, St. Margarete" versichert war, haben sich daher auch be= reit erklärt, die Versicherungssumme auszubezahlen. Von allen Personen ferner, die die Unglücksfahrt am Kap Horn mitangetreten haben, hat keine einzige jemals mehr eine Nachricht gegeben, während der Teil der Besatzung, die in Buenos Aires aus Johann Orths Diensten getreten war, bis auf einen wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist.

Drabtnachrichten und neuestes.

Das Kaiserpaar in Kiel.

Berlin, 21. März. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute vormittag 8,34 Uhr vom Lehrter Bahnhof nach Kiel abgereist, wo die Ankunft nachmittags erfolgte. Der Sta­pellauf des Linienschiffes Ersatz Hildebrand", dem das Kaiserpaar beiwohnen wird, findet morgen vormittag statt. Ueberzeichnung einer Anleihe.

0 Berlin, 21. März. Auf die heute zur Zeichnung aufgelegten 160 Millionen Francs 4% ottomanische An­leihe sind die Anmeldungen in so großer Zahl eingegangen, daß die Subskription gleich nach Eröffnung wieder geschlos= sen wurde.

Auch wenn man nach den Motiven sucht, die Johann Orth bewogen haben sollten, sich bis auf den heutigen Tag verborgen zu halten, steht man vor einem Rätsel. Aus seinen Briefen geht vielmehr hervor, daß er wieder. heim­tommen wollte; seine Lebensfreude, seine Energie und sein Ehrgeiz, seine tiefwurzelnde Liebe zu Vaterland und Mutter zeugen ebenfalls wider die Absicht, sich für immer von der Heimat loszusagen.

Eine Interpellation über den Modernisteneid. Berlin, 21. März. Im preußischen Herrenhause haben die beiden Universitätsprofessoren Reinke- Kiel und Küster­Marburg eine Interpellation über den Modernisteneid ein­gebracht, in der es heißt: Was gedenkt die Königliche Staats­regierung zu tun, um die auch ihr anvertraute Würde der preußischen Universitäten, die durch die erfolgte oder auch nur mögliche Ablehnung des Modernisteneides seitens einer Anzahl ihrer Mitglieder gefährdet erscheint, zu wahren. Prinz Georg und die serbische Nation.

Das Wiener Oberhofmarschallamt wird jetzt, unbeein­flußt von aller phantastischen Legendenbildung, die Gestalt des verschollenen Erzherzogs in die rauhe Wirklichkeit zu­rückverseßen und die mit seinem Verschwinden im Zusam­menhang stehenden Tatsachen und Geschehnisse zu einer fe= Beweisfette zusammenfügen müssen, so daß es den Be­

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weis für den Tod Johann Orths als erbracht erklären kann. aber auch der Spruch ausfällt, die Phantasie wird sich

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zur Wehr sehen gegen die Wirklichkeit, und mit der To­deserklärung Johann Orths wird sein Geheimnis feines­wegs eine Lösung erfahren. Der Glaube, daß er lebt, wird bet unendlich vielen fortbestehen.

Belgrad, 21. März. Das Blatt" Politika" richtet ant den König einen Appell, die Schulden des ehemaligen Kron­prinzen Georg im Interesse des Ansehens und der Würde des Königshauses zu begleichen. Das Blatt führt hierbei an, daß die Erben eines fürzlich verstorbenen Bürgers, der dem Prinzen Georg 12 000 Francs ohne Zinsen vorgestreckt hatte, sich bisher vergeblich bemühten, zu ihrem Erbe zu ge langen. Die Angelegenheit ruft allgemein einen peinlichen Eindruck hervor.

Ermordung des russischen Gesandten in Befing? Wien, 21. März. Eine bisher noch nicht bestätigte Mel­dung der N. Fr. Presse" aus Petersburg besagt, daß der russische Gesandte in Peking ermordet worden sei.

Brand eines Lehrerinnenseminars.

O Coblenz, 21. März. Ein Brand in dem neuerbau­ten Lehrerinnenseminar auf der Rheininsel Oberwerth zer= störte in der vergangenen Nacht die Aula, die Kapelle und den Dachstuhl mit der dort befindlichen Habe der Schüle­rinnen. Heute vormittag dauerte der Brand noch an. Ver­letzt wurde niemand. Der Unterricht wurde eingestellt und die Zöglinge in die Heimat entlassen.

Ein Unfall des Aviatikers Grade.

Magdeburg, 21. März. Der Flug des Aviatifers Grade, der um das Kyffhäuserdenkmal stattfinden sollte, hatte eine nach Tausenden zählende Menschenmenge nach Frankenhau fen gelockt. Grade blieb eine Minute in der Luft. Dann überschlug sich der Apparat und stürzte zu Boden. Grade blieb unverletzt, während die Maschine beschädigt wurde. Ueberfallen und beraubt.

Schleiz( Reuß), 21. März. Gestern vormittag wurde int benachbarten Möschlitz ein 50jähriger Ortseinwohner na­mens 3schäschner von einem Unbekannten durch Hiebe auf den Kopf zu Boden geschlagen und seiner Barschaft beraubt. 3schäschner ist seinen Verlegungen erlegen. Gattenmord im Irrsinn.

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Neiße, 21. März. Im Irrsinn ermordete ein Gast­seine Frau durch Beilhiebe und Messerstiche und öff­

nete sich dann mit einem Rasiermesser die Pulsadern. Dynamitlager in die Luft geflogen.

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Zürich, 21. März. Für den Bau einer neuen Straße war in der Nähe von Bellinzona ein großes Dynamitlager errichtet worden. Dieses flog gestern in die Luft. Es bes steht der Verdacht, daß Rachsucht im Spiel ist.

Roheitsakt eines ungarischen Feldwebels.

Budapest, 21. März. Ein Aft großer Roheit hat sich nächtlicher Weile vor dem hiesigen Artilleriezeugdepot abge= spielt. Der dort postierte Pionier Jessenovics forderte den Feldwebel Rudolf vorschriftsmäßig zur Legitimation auf schoß, als diese nicht erfolgte, dreimal, ohne zu treffen,

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auf den Feldwebel. Dieser ließ nun den Mann ablösen und von dem neuen Posten an einen Baum binden, worauf er Befahl gab, Jessenovics zu erschießen. Der Ablösungs­posten kam, wie das Neue Pester Journal" meldet, dem Be­fehl zum Feuern nach: Jessenovics wurde mitten durch die Brust geschossen und dann viele Stunden lang in dieser Lage belassen. Rudolf wurde verhaftet.