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far en waren als Zuschauer noch der Direktor der Agenzia della Navigazione Generale Italia", Bastia­nint, mehrere Beamte der Gesellschaft, drei Professoren und der Wirt und die Wirtin des Hotels bet den Ex­perimenten zugegen, die sich für die Wahrheit der Tat­fachen verbürgen. Die Versuche fanden in einem völlig Iceren Zimmer statt, in dem 5 Stühle aufgestellt was ren. Auf 4 nahmen vier Marabuts Plab, während zwet andere standen. Auf dem fünften Stuhl wurden 6 mtt scharfer Spize versehene Dolche, mehrere Zentimeter lange Nägel und ein haarscharf geschliffener Säbel nte­dergelegt. Gegenstände, die jeder der Anwesenden ge­nau untersuchen konnte. Nachdem die 6 Marabuts ein inbrünstiges Gebet verrichtet hatten. ergriff er eine et­nen Dolch und durchstach sich den Mund, die Wangen, die Kehle und den Unterarm, ohne daß auch nur ein Tropfen Blut aus den tiefgehenden Wunden geflossen wäre. Als man das Eisen aus der Wunde zog, war an den betreffenden Stellen nichts weiter zu sehen, als ein fleiner Riß in der Haut. Das gleiche Resultat war bet einem anderen Marabut zu beobachten, der sich mit dem Dolch den Unterleib durchbohrt hatte. Dann schlugen die Marabuts einen fleinen Tisch in Stücke, die ste mit Del begofien und anzündeten. Die brennenden Scheite führten sie dann in den Mund ein, den sie wett öffneten, damit jeder die hellodernde Flamme deutlich sehen konnte. Auf das Kommando basta" zogen sté die brennenden Holzschette aus dem Munde, dessen In­nenraum, wie der Augenschein zeigte, feucht und unver­sehrt geblieben war, nicht einmal die Barthaare waren auch nur leicht angefengt.

Wunderbare Rettung eines Kindes. Ein merkwür= diger Unfall trug sich Montag nachmittag in Straßburg t. E. zu. Aus der Mansardenwohnung eines fünfstöckt­gen Hauses in der Steinstraße fiel in einem unbewach­ten Augenblick ein zweijähriges Kind auf das schräge Dach und blich in der Dachrinne liegen. Ein unten wachhabender Schußmann hörte andauernd Kinderge­schrei und fah pben zwei zappelnde Kinderarme. Er stürzte sofort in das Haus und machte die Bewohner auf das Eretanis aufmerksam. Unter großen Schwierigket­ten konnte das Kind aus seiner gefährlichen Lage be= freit und den Eltern übergeben werden, die das Kind noch gar nicht vermißt hatten.

Eine merkwürdige Kirchturmuhr. Einer höchst merkwürdigen Uhr scheint sich die Stralsunder Marten­firche zu erfreuen. Die Stralsunder Zeitung" berichtet nämlich: Längst schon ist unsere Marienkirchenuhr Ge­genstand des öffentlichen Mißfallens geworden, hat fe­doch schon seit Monaten aufgehört, überhaupt zu gehen, und schon lange Zeit vorher durch unrichtige Zeitan gaben manchen irregeführt. Sieran trägt aber nicht der die Uhr aufziehende und ihren Gang regulierende Stadtuhrmacher die Schuld. sondern diese ist allein der eigenartigen Bauart der Uhr zuzuschreiben, die nicht von einem gelernten Fachmann, sondern von einem Dt­lettanten in den vierziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts hergestellt und der Kirche übereignet sein soll. In der Uhr befindet sich ein Minutenrad, das mit einer Flüssigkeit, wohl Spiritus, gefüllt ist. Diese Flüssigkeit tst nun seit etwa 30 Jahren nicht ergänzt, in dieser Bett aber wohl etwas verdunstet oder verbraucht worden und darum der Nachfüllung bedürftig, die, ohne daß die gan­ze Uhr auseinandergenommen wird, nicht zu ermöglt­chen ist. Diese Arbeit wird jetzt von einem Mechanifer versucht, der gleichzeitig an der Uhr einen Regulator anbringen wird, um einen dauernd sicheren Gäng zu ermöglichen.

Die Mannheimer Schülertragödie, über die gestern berichtet wurde, hat ein weiteres Opfer gefordert: Der Vater des uralücklichen Knaben, der sich wegen einer schlechten Weihnachtszensur erhängte, der Friseur Chri­stian Moll, ist wahnsinnig geworden. Der Junge hatte in sein Nottzbuch furz vor der Tat die Worte geschrie­ben: Liebe Eltern! Ich tröste Euch, ich gehe zu Emmi." Emmi war die einzige Schwester des Knaben. Sie ge­riet vergangenes Jahr unter einen Wagen der elekfrt­schen Straßenbahn und wurde getötet. Der Junge, der damals das Schwesterchen hätte beaufsichtigen sollen, quälte sich fettdem mit Selbstvorwürfen und ließ auch In der Schule nach. Am Sonnabend brachte er ein schlechtes Zeugnis nach Hause. Er schämte sich, dieses zu zeigen, obwohl er keine Büchtigung zu erwarten hatte, da sich der Vater mit der Sache bereits abgefun­den hatte und den Knaben aus der Schule nehmen wollte. Der Verlust nun auch des zweiten Kindes brachte den Vater zur Verzweiflung.

Von der Schwiegertochter erwürgt. In der Nacht zum Sonntag eretanete fich im 16. Wiener Bezirk von Ottakring ein psychologisch bemerkenswerter Mord. Der Kutscher Greiner hatte vor etwa Jahresfrist eine wte­berholt vorbestrafte Berson geheiratet, womit seine steb­zigtährige Mutter durchaus nicht einverstanden war. Zwischen den beiden Frauen gestaltete sich das Zusam= menleben von Tag zu Tag unleidlicher. Als G. Sonn­tag abend beim Nachhausekommen das Zimmer feiner Mutter aufsuchen wollte, bemerkte er, daß die alte Frau auf seinen Anruf nicht antwortete. Beim Näherkommen fah er, daß die Mutter tot war, glaubte aber, daß sie etnes natürlichen Todes gestorben wäre. Er unterhielt fich auch noch über das plößliche Ableben seiner Mutter mit der Frau die ihm ruhig und ohne eine Spur von Erregung antwortete. Bet der behördlichen Untersu chung wurde aber festgestellt, daß die alte Frau er witrat worden war. Als Täterin konnte nur dte gedenkt Ihr beide nun zu tun, wenn Ihr wieder fret feld?"

Majewski warf seiner Freundin einen Seitenblick zu. Ich möchte hetraten," sagte er letse. Dann wird man ein ganz anderer Mensch. Wenn nur diese Po­Itzelaufsicht nicht wäre."

Wären Sie denn damit einverstanden?" fragte der Untersuchungsrichter das Mädchen.

Ste nickte lebhaft.

Das ist schön," erklärte Scharffenstein befriedigt. Ihr könnt versichert sein, daß man Euch, wenn Ihr wieder fret fetd, so wentg wie möglich behelligen wird. Nehmen Ste, Majewski, sich aber dann auch zusammen und arbetten Sie endlich in Ihrem Handwerk, damit Sie wieder ein nützliches Mitglied der menschlichen Ge­sellschaft werden!"

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Das verspreche ich Ihnen, Herr Untersuchungs­richter!" versicherte Majewski treuherzig.

Als sie wieder hinaus waren, sagte Mallmit ver­ächtlich: Der dumme Kerl kennt natürlich seine eigene Natur nicht. Er wird selbstverständlich gleich wieder rückfällig werden."

Der kleine Herr sah ihn scharf an. Herr Assessor, Ich muß Ihnen den Rat geben, durchaus nicht den Glau­ben an die Menschheit zu verlieren. Dieses beständige Mißtrauen, das Ste jedem entgegenbringen, ist durch­aus unwürdig. Und wie haben Sie sich in diesem Falle Marleben bewährt? Gar nicht! Sie haben im Gegent= tell die unsinnigsten Theorien aufgestellt und hinter meinem Rücken in gonz unverantwortlicher Weise der Untersuchung durch Ihre falschen Maßnahmen entgegen­gearbettet

Swiegertochter in Frage tommen; fte war inzwischen geflüchtet, fonnte aber schon in derselben Nacht auf der Straße aufgegriffen werden. Sie gestand schließlich zu, den Mord begangen zu haben, um die Ursache vieler häuslicher Zwistigkeiten zu beseitigen".

Warnung vor einem englischen Weihnachts- Schwin­del. Eine Londoner Gaunerbande ist wieder emsig am Wert, um durch einen alten, neu aufgefrischten Schwin­del sich auf Kosten der Leichtgläubigen die Taschen zu füllen. Die Gesellschaft sendet zur Weihnachtszeit Tau­sende von Briefen nach dem Kontinent, und zwar vor­zugsweise an Handwerker. Die Anschriften haben un­gefähr folgenden Wortlaut: Herrn N. N. Durch un­fere Filiale in Neuport wurde uns ein Wertpaket fitr Sie überwiesen. Dasselbe wird Ihnen gegen Erstattung der Spesen fitr Porto, Deklaration, Zoll usw. mit 8,70 Mart ausgeliefert." So plump der Schwindel ist, fallen trotzdem Hunderte darauf hinein. Denn welcher Hand­werksmeister hätte nicht unter den Millionen Deutschen der Vereinigten Staaten irgendeinen nahen oder ent­fernten Verwandten, oder einen Freund, der sich seiner zu Weihnachten erinnern könnte? Manche denten auch an eine unvermutete Erbschaft, furz, in 99 Fällen von 100 geht das verlangte Geld an die im Briefe genannte Schiffsagentur. Damit hat diese ihr Geschäft gemacht; es rentiert sich so ausgezeichnet, daß die saubere Firma allein einige Dußend Beamte beschäftigt, die nichts wet­ter zu tun haben, als in den neuesten Adreßbüchern des Kontinents passend erscheinende Opfer auszusuchen und sie mit den Anschreiben zu beglücken. Es sei daher vor den Geldbeutelschneidern, die sich gerade die Weihnachts­zett für ihre Operationen ausgesucht haben, aufs drin­gendste gewarnt.

Nenyork, die größte Stadt der Welt. Die Ameri­faner sind nicht wenig stolz darauf, die größte Stadt der Welt zu besitzen. Denn nach amerikanischer Rechnung gilt Neuport als die größte Stadt, da sie von London nur City gelten läßt. Wenn man es so nimmt, so be­sitzt Neuyork tatsächlich mehr Einwohner, da es bereits im Jahre 1910 4 766 883 Seelen zählte, während die Lon= doner City es in diesem Jahre erst auf 4 522 961 Ein­wohner gebracht hat. Für Neuvork bedeutet das eine Zunahme von 1329 681 Personen in den letzten zehn Jahren oder 38,7 Prozent, bei der Ctty von London ist dagegen eine Abnahme um 13 300 Seelen zu konsta­tieren, die einem Bevölkerungsverlust von 0,3 Prozent entspricht. Trotzdem bleibt London natürlich die größte Stadt der Welt und wenn sich der amerikanische Stolz noch so sehr dagegen sträubt. Die City von London ist mit ihren Vorstädten und Vororten so eng zusammen­gewachsen, daß London gar nicht anders als ein. al= lerdings ungeheueres- Gemeinwesen zu betrachten ist.

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Aber Pauline! Ein reicher Franzose in Parts woll­te jüngst bei der Hochzeitsfeier seiner Tochter seine Gäste überraschen und stellte dazu die Schnelligkeit der Kine­matographie in feine Dienste. Die Hochzeitstafel war eben zu Ende, gerode wollte man sich erheben, als der Brautvater seine Gäste bet, noch einen Augenblick fiben zu bleiben. Man erwartete noch eine Rede, aber plötz­lich wurde das elektrische Licht ausgedreht, die Musik spielte einen Hochzeitsmarsch, und nun erschten an der Wand des Sales die wohlgelungene Wiedergabe des Hochzeitszuges. Die Brautführer und das Brautpaar zeitsgäste, und feder sah mit Befriedigung, wie gut ge­schritten voran, dann folgte der lange Zug der o rade seine Aufnahme gelungen war. Schon war die Hälfte des Zuges zwischen der Menge der Zuschauer hindurch in der dunklen Kirchentür verschwunden, da unterbrach plöblich ein erschreckter Ausruf die schwei­gende Bewunderung der Hochzeitsgäste: Aber Pau­Itne!" Alles sieht einen Augenblick nach dem Sprecher und erkennt dann, wie Pauline sehr geschickt, doch nicht so geschickt, daß der mitleidslose Kinematograph es nicht hätte sehen können, einem Herrn des Ruges, der aber nicht ihr Gatte ist, ein Briefchen zusteckt.

Die Welt geht unter. Der in Portland lebende Prediger Sandford predigt den Weltuntergang. Der Prediger, der unter dem Namen Elias 2. der Füh­rer einer Sette ist, die sich Heiliger Geist set bet uns" nennt, wurde unter Anklage gestellt, da er durch seine überspannten religiösen Forderungen sechs seiner An­hänger bet einer Reise durch Amerika, die siebzehn Mo­nate dauerte, den Tod gefunden haben. Sandford wurde daraufhin in Portland zu zehn Jahren schweren Ker­fers verurteilt. Er erklärte, daß die Welt untergehen würde, wenn ihn menschliche Richter wirklich zur Re­chenschaft ziehen sollten.

Die Gesundheit der Zarin. Gerüchte von einer an­geblichen Verschlimmerung des Befindens der Barin ha­ben während der allerletzten Zeit auch in Deutschland Verbretfung gefunden. Diese Gerüchte sind, wie die N. G. C." von zuständiger Sette hört, durchaus unbegrün­det. Daß die Zarin von schwächlicher Konstitution ist, weiß man. Aber die Kur, die sie in Nauheim, auf deut­schem Boden, gebraucht hat, ist ihr vortrefflich bekom­men und hat Wirkungen hinterlassen, die sich noch jetzt in erfreulichster Weise bemerkbar machen. Die Barin hat nicht nur an einer Reihe von Diners, sondern so= gar an einem Balle teilgenommen, und dies ist, da sie sich sonst von Festlichkeiten fernzuhalten pflegt, gewiß der beste Bewets, daß gar kein Grund vorliegt, Be­sorgnisse über ihren Gesundheitszustand zu hegen.

Ein eigenartiges Bergwerksunglück hat sich nach einer Meldung aus St. Etienne in einem Steinkohlen­

Aber Herr Rat

,, Entgegengearbeitet." wiederholte Scharffenstein in gehobenem Ton. Sie haben gezeigt, daß Sie erst noch einer längeren Uebung in kleineren Verhältnissen be­dürfen. Es ist deshalb Ihre Versetzung nach Neuto­mischel beschlossen worden. Das betreffende Schreiben wird Ihnen heute oder spätestens morgen zugehen."

Er nahm etne Prise und begann eifrig zu schreiben. Mallmiz war hochrot geworden. Er wollte etwas ſa= gen, aber er unterließ cs. Was hätte es auch genützt! Sein Unglück war beschlossene Sache, und er mußte zu­sehen, wie er sich mit diesem Elend abfinden konnte.

Während so der schneidige Herr Assessor mit langem Gesicht einherwandelte, herrschten in der Familie Hein­roih nur fröhliche Mienen. Denn es gab eine Doppel­hochzeit, Fritz und Felicia, Emmt und Doktor Waldow heirateten zu gleicher Zeit.

Die Feter sollte nur ganz klein werden, und doch waren es über sechzig Bersonen. die man nicht hatte übergehen können und die der Einladung gern Folge geleistet hatten.

Sogar die treffliche Frau Schulze war zugegen. Als ihr Waldow und Emmi vorgeschlagen hatten, als Wirt­schafterin des jungen Paares mit nach Chicago zu gehen, hatte sie begeistert zugesagt und ausgerufen: Nein, welches Glück auf meine alten Tage! Da habe ich fa einen Neffen, der dort eine gute Stellung in einer Braueret hat. Ich hatte es schon aufgegeben, den Jun­gen jemals wieder zu sehen. Und nun wird es doch der Fall sein. Nein, welches Glück!"

Professor Sauermann kam diesmal nicht um seine

bergwerk in der Nähe der Stadt zugetragen. Ein Berg arbeiter war mit Arbeiten am Rande des 300 Meter Hefen Schachtes beschäftigt und hatte sich zum Schuße gegen einen etwaigen Absturz angefeilt. Plöglich ris fedoch das Seil, und der Arbeiter stürzte in den Schacht. Im Fallen ftitrate der Arbeiter, nachdem er den ersten Querschlag in einer Höhe von 100 Metern erreicht hatte, auf einen anderen Arbeiter, der durch den Anprall zer schmettert wurde. Ferner riß der Fallende noch einen weiteren Arbeiter mit sich, der in einem tieferen Quer schlage arbeitete. Der letztere wurde jedoch von einem Balfen aufgehalten und fam mit dem Leben davon.

Soldatenbriefe vom Kriegsschauplah.

Die Mailänder Zeitung Secolo" veröffentlicht jetzt einige Soldatenbriefe, in denen die Ereignisse, die am 26. und 28 November auf den tripolitanischen Kriegs­schauplägen spiegelten, lebendig und einfach und darum Interessant beschrieber werden. Wenn Ihr nur sehen fönntet, wie sie trotz des Feuers vorwärts stürmen, diese Araber, mit terer eisernen Ruhe!" so ruft ein Soldat bei der Beschreibung des Gefechts um Benghast( 28. No vember) aus. Eine Abteilung unserer Kavallerie wurde, als sie sich in Sumpfland befand, von arabisch­türkischen Reitern angegriffen, die Distanz war ganz gering: unsere Reihen wurden von Panik erfaßt, einen Augenblick lang; dann überschütteten sie die Angreifer mit Gewehrfeuer und zerstreuten sie unter großen Ver Iuften. Hierauf hatte das 68. Infanterieregiment feine Feuerta'ife zu bestehen; die Leute hielten sich außeror dentlich tapfer. Ein Schauspiel aber, das ich nie verges sen kann, ist das vom Abend des 28. nach diesem Ge fecht: noch jetzt habe ich vor meinen Augen ganze Wa­gen voll Verwundeter: zwet Mönche mit umgehängtem Karabiner gehen neben ihnen her...

Die Einnahme des Forts Meßrt schildert ein Ser­geant des 50. Infanterieregiments: Um 4% Uhr riid ten wir aus dem Lager, es war noch tiefdunkle Nacht; wir wußten: jetzt beginnt der Vormarsch, und wir fann­ten auch unsere Aufgabe. Diese war: unser linker Flüt­gel follte die Eroberung von Fort Meßrt unterstützen, der rechte aber zu seinem Schuße weiter vorwärts ge= hen. So marschierte unsere Kolonne schweigend beim schwachen Lichtschein: als wir Sidt- Meßrt erreichten, schimmerte die erste Morgenröte. Hier ordnete sich unser Regiment zum weiteren Vormarsch. Keiner von uns war noch im Feuer gestanden, daher wohl in allen ein wenig zitternde Unruhe, aber die Späße einiger Uner­schrockener halfen uns darüber hinweg. Gegen 6 1hr begann die eigentliche Aktion, und sofort donnerten die Kanonen. Gänzlich ohne Deckung marschierten wir mit­ten in der Wüste, während der Feind im Schutz des Forts und der Oasen lag. Gleich sollten wir ihn kennen Ternen.

Den ersten Gruß fandte er uns durch einige Schrap­nels und Granaten. Eine Woge von Unentschloffenhett ging durch unsere Reihen. Ein schrecklicher Anblick! Aber die Kommandorufe der Offiziere riffen uns auf, und trot des Hagels der todbringenden Gefchoffe ging es weiter. Schon waren einige meiner Nachbarn gefallen, der am Kopf verletzt, jener an den Beinen... aber troßdem begannen wir uns tett fchon an diesen Heren­sabatth zu gewöhnen. Um 9 Uhr begann das Bom bardement des Forts durch unsere Artillerie, ein filrch­terliches nicht zu beschreibendes Schauspiel! Dußend weise schlugen unsere Granaten dritben auf, und man­cher hatte Mitleid mit den Unglücklichen im Innern. In fnapp 10 Minuten war die Zerstörung des Forts voll­endet. Der Schreiber erzählt dann wetter, daß damit der Kampf noch nicht beendet war, daß vielmehr während der Besetzung der verlassenen Befestigungs­werke die Türfen und Araber noch dreimal den rechten ttalienischen Flügel bestürmten, daß die groben italient= schen Geschitte wiederholt eingriffen, und daß ihr Don ner erft um 2 1hr nachmittags schmieg. Yent meiß tch. was Krieg ist," schließt der Sergeant, das Schreck­Itchfte, was menschliche Phantasie fich ausdenken fann..."

Ein neuer Hohenzollernpring.

Der Familie unseres Kronprinzen ist eine ganz be­sondere Weihnachtsfreude zuteil geworden. Der Draht meldet: Berlin, 19. Dezember. Die Kronprinzessin ist hente nacht 1 Uhr von einem Prinzen entbunden wors den.

Zu dem frendigen Ereignis in der kronprinzlichen Familie meldet der Draht weiter:

Berlin 19. Dezember. Aus Anlaß der Geburt des Prinzen wurde heute vormittag 9 Uhr der übliche Salut gefeuert. In allen Schulen von Groß- Berlin und Umgegend fiel auf Befehl des Kaisers der Unter­richt aus. Alle öffentlichen Gebäude hatten geflaggt.

Berlin, 19. Dezember. Das tronprinzliche Hof= marschallamt veröffentlicht folgendes Bulletin: Die Frau Kronprinzessin und der Prinz befinden sich wohl. gez. Bumm."

In aller deutschen Gauen wird man aus Anlaß des freudigen Ereignisses der hohen Frau mit herz­Itchen Wünschen gedenken.

wohleinstudierte, mit dem atttschen Salz vieler klassischer 3ttate gewürzte Rede. Er versicherte auch dem Iteben Doktor Waldow, daß er sich von Herzen über das Glück, das er gefunden habe, freue. Zu verwundern set das ja freilich nicht, denn er habe es wohl verdient, was er auch schon immer gesagt habe.

Nicht wahr, Itebe Eulalia?" fügte er, zu seiner Gattin gewandt, hinzu, und diese stimmte ihm leb­haft bet.

Frau Heinroth blickte betrübt, als von der großen Netse der jungen Eheleute gesprochen wurde. Aber ihr Gatte tröstete sie. Meinst Du etwa, wir werden unsere Kinder nicht wieder sehen? Es ist ja nur ein Enten­teich, der zwischen uns und ihnen Itegen wird, und wir werden im nächsten Jahr hinüber fahren."

Nur einer war wirklich traurig, und das war der gute Onkel Muche. Er wußte es, er würde nicht über das ungeheure Weltmeer hinüberkommen, er würde die liebe Emmi nicht wiedersehen. Als sie noch ganz klein war, hatte er ste schon auf seinen Anten geschaukelt und sich über das reizende Kind gefreut. Dann hatte er ge= sehen, wie prächtig sie sich geistig und förperlich ent­wickelte, wie fle emporblühte zur herrlichen Jungfrau. Sie war sein Stolz, das einzige Glückt seines stillen Le= bens. Und nun würde sie von ihm scheiden für immer, für ewig, und er würde noch einsamer sein als bisher. Ein ganz klein wenig Elfersucht gegen den Doktor wollte fich in seinem Herzen regen. Aber er unterdrückte tapfer V die böse Regung und schwang sich zu vorgerückter Stunde sogar zu einem beifällig aufgenommenen Hoch auf die " Untersuchungsrichterin", Frau von Marleben, auf. Dann wischte er verstohlen aus jedem Auge eine Träne.