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bis auf eine ganz schmale Brücke am äußeren Augen­winkel abgertffen worden. Das Lid hing ganz lose her­ab und war, als die Kleine dem Arzte zugeführt wurde, bereits etwas geschrumpft. Troßdem wurde das Lid wieder angenäht; es rollte sich aber dermaßen nach außen, daß die kleine Patientin ganz entstellt aussah. In der Folge mußten dann noch zwet operative Ein­griffe vorgenommen werden, durch welche die narbig geschrumpfte Haut des Lides verlängert wurde. Es ge lang auf diese Weise, nicht nur das Augenlid zu erhal= ten, sondern auch eine Entstellung zu vermeiden. Das Auge fann dabet mühelos geschlossen und geöffnet wer= den.

Eine Frau mit fünf Männern. Die Neuyorker Zeitungen bringen einen Gerichtsbericht, nach dem eine Frau Klara Roach in Baltimore eingestanden hat, fünf Männer zu besigen. Das Gericht nimmt sogar an, daß die sehr schöne 45jährige Frau deren noch mehr hat. Sie erklärte dem Staatsanwalt, sie wolle allen ihren Männern gegenübergestellt werden. Zwei davon wa­ren bereits an Gerichtsstelle. Frau Noach rechtfertigte fich folgendermaßen: Ich habe leider vergeblich gesucht, einen Geist zu finden, der mit dem meinigen überein­stimmte. Ich würde noch weiter gesucht haben, wenn man mich feßt nicht leider ins Gefängnis gesteckt hätte." Ihr letter Mann, Roach, rief, als er vor thr stand: Also Du wußtest, daß Du ein Verbrechen begingst, als Du Dich mit mir verheiratetest?" Die Gefangene ant­wortete: Nein, das wußte ich nicht, sondern ich habe bet allen meinen Trauungen auf die Frage des Prte­sters, ob ich den Mann an meiner Seite haben wollte, geantwortet: Ich will." Frau Roach hat dem Staats­anwalt ganz offen die genauen Adressen ihrer fünf Männer mitgeteilt, von denen vier auch gefunden wor­den sind.

gustav nagel als Barfußtänzer". Den Naturmen schen gustav nagel konnte man dieser Tage in Chem­nig t. S. als Barfußtänzer" bewundern, und das kam so: Gleichzeitig mit dem Vortragsabend gustav nagels in der Linde" hielt in einem anderen Saale des glet­chen Etablissements der Chemnizer Naturheilverein I fein 43. Stiftungsfest mit Ball ab. Man lud gustav nagel ein, an der Festlichkeit teilzunehmen; er kam der Einladung gern nach und beteiligte sich auch mit großem Vergnügen am Tanz, wobet er recht geschickt Rund­und Kontertänze mit bloßen Füßen tanzte.

Ein legter Gruß aus den Lüften. Eine feltene Eh­rung wurde am Sonnabend dem kürzlich verunglückten Aviatiker Pietschker bet seiner Betseßung in Potsdam zuteil. Als sich der Trauerzug auf dem Wege nach dem Kirchhof befand, erschien in den Lüfter ein Zweidecker, der sich bald im Glettflug senkte und den Trauerzug begleitete. Der Doppeldecker, der an seiner Spize einen Trauerwimpel trug, überflog dann den Kirchhof und fein Pilot warf aus einer Höhe von 50 Metern einen Lorbeerkranz in dem Augenblick nieder, als der Sarg in die Gruft gesenkt wurde. Auf der Schleife des Kran= zes standen die Worte: Letter Gruß aus dem Aero­plan." Der Insasse des Aeroplans, der Aviatiker Witte, überflog noch einige Male die Grabstätte und nahm dann seinen Kurs nach Teltow zurück.

Errichtung billiger Speiseanstalten für Eisenbahn­bedienstete. Wte wir erfahren, kommt die Fürsorge der Eisenbahnverwaltung für das Wohl ihrer Bediensteten neuerdings bet der Errichtung besonders billiger Spei­seanstalten auf größeren Bahnhöfen zum Ausdruck. Derartigen Veranstaltungen soll die Unterstützung der Verwaltung in geeigneten Fällen stets zuteil werden. Eine solche Anstalt ist am Schlesischen Personenbahn­hof in Berlin errichtet worden. Unter Ausschaltung des Trinkzwanges sollen dort außerordentlich billige Speisen aller Art geliefert werden. Die Eisenbahnver­waltung hat auf diese Wohlfahrtseinrichtung besonders aufmerksam gemacht und den Besuch den Bediensteten angelegentlichst empfohlen. In der Speiseanstalt wird ein Mittagessen( Suppe, Gemüse, Fleisch und Kartof­feln) zu 35 Pfennig verabfolgt. Ohne Suppe stellt sich der Preis auf 30 Pfennig, während eine Portion, be­stehend aus Gemüse und Kartoffeln, nur 13 Pfennig toftet. Eine große Tasse Kaffee mit Zucker und Milch wird für 10 Pfennig, eine große Tasse Milch für 7 Pfennig und eine Tasse Kakao für 15 Pfennig und ein halbes Liter Bier ebenfalls für diesen Preis verab= folgt.

Millionen- Poftraub in Frankreich. Ein ungewöhn= lich verwegener Raub, der durch den enormen Wert der den Tätern in die Hände gefallenen Beute das größte Aufsehen erregt, wurde in einem Postzuge der Mittelmeerbahn zwischen Lyon und Marseille verübt. Dret Waggons wurden erbrochen und beraubt. Die Täter hatten die oberen Wagenfenster eingedrückt und waren von der Decke aus ins Innere gelangt. Unter den vermißten Bostsäcken sind für Indien und den fer­nen Osten bestimmte deutsche, englische und belgische Sendungen, deren Wert sich auf mehrere Millionen be­läuft. unberührt wurden die für die französische Bot­schaft in Konstantinopel bestimmten Postsäcke Itegen ge­laffen. Die Untersuchung ist dadurch erschwert, daß man den Diebstahl erst spät entdeckte. Es scheint sich um eine weitverzweigte Bande zu handeln, die über den Inhalt

Der Justizrat fuhr fort: Es liegt da ein bös­artiges Schelmenstück vor. Der, der jenen unvollende­ten Satz geschrieben hat, wollte den Anschein erwecken, als wenn Ihr Herr Vater den geschrieben hätte, um da­durch ein für alle Mal frei von jedem Verdacht zu sein. So Itegt die Sache für mich."

Wer aber sollte es geschrieben haben?" Das ist natürlich der Haken. Um das zu wissen, mitßten wir erst wissen, wer das gestohlene Geld hat. Nun, der wird sich schon noch verraten, darauf baue ich ficher."

Frau Heinroth und Tochter warteten bereits am Wagen auf die langsam nachkommenden Herren, und der Justizrat stieg zu ihnen, nachdem er vorher noch einmal gebeten hatte, Friß und Felicia möchten den Silvester­abend in seiner Familie verleben.

Friz brachte Felicia nach ihrem eleganten Heim, das sie sich nach Verlassen jener Pension gemietet hatte. Möchtest Du mir nicht endlich sagen, was für einen Plan Du nach fener spiritistischen Sizung gefaßt hat­test?" bat er.

"

Einen Plan meinte ich nicht", erwiderte sie. Es waren nur ein paar Gedanken. Jener Mensch, der Det­nen Vater sagen ließ: Ich bereue!" scheint mir nämlich von irgend einer Seite inspiriert gewefen zu sein, um Deinen Vater zu verdächtigen. Das deckt sich ganz mit diesen Ideen des Herrn v. Bardekow, von denen Du zu mir sprachst. Welches Interesse hatte nun jener Mensch daran, die Verfolgung der Spur nach dieser Richtung zu lenten?"

" Ich glaube, gar keins."

" Sehr richtig. Aber der, der ihn vorher instruierte, batte ein Interesse daran. Und das kann niemand an­ders gewesen sein als Assessor Mallmiz." Friz sah sie betroffen an. Wann sollte er das getan Baben?"

der einzelnen Briefsäcke gut unterrichtet gewesen zu sein schetnt.

Die Rache des abgewiesenen Freiers.

Zu der schon gemeldeten Schreckenstat des Haus­Jehrers Matkowitsch, der in Wien die Tochter und die beiden Söhne des Seftionschefs im Justizministerium Frhru. v. Holzknecht und dann sich selbst erschoß, wer­den noch folgende Einzelheiten berichtet:

Dr. Matkowitsch war sechs Jahre lang Hauslehrer in der Familie des Sektionschefs. Er hatte am vergan­genen Sonnabend um die Hand der vierundzwanzig­jährigen Tochter des Sektionschefs Marie, die Lehrerin war, angehalten. Eeftionschef von Holzknecht wies ihn aber mit den Worten: Sie sind noch zu fung, der Al­tersunterschied zwischen Ihnen ist zu groß in der freundschaftlichsten Weise ab. Dr. Matkowitsch durfte aber der. Plan zur Tat schon vor einigen Tagen gefaßt haben, denn am Mittwoch faufte er einen großen Brow= ningrevolver. Während er sonst jeden Tag zwischen 6 und 7 Uhr dent iüngsten Sohne Georg, der Gymnasial­schüler ist, Unterricht erteilte, telephonierte er am Don­nerstag, daß er schon um 4 Uhr nachmittags kommen werde.

Einige Minuten vorher hatten der Sektionschef und feine Frau die Wohnung verlassen. Wie gewöhnlich, öffnete das Stubenmädchen die Tür. Ohne die geringste Erregung fagte Dr. Matfowitsch guten Tag" und ging direkt in das Zimmer Georgs. Der junge Mann saß an einem kleinen Tischchen, vor sich eine Mathematif= buch, mit dem Rücken zum eintretenden Hauslehrer. Matfowitsch muß ohne ein Wort des Grußes an der Türschwelle die Pistole gezogen und sofort Georg von Holzknecht von rückwärts erschossen haben. Er traf ihn in den Hinterkopf. Die Kugel drang dem unglücklichen Jüngling bei der Nasenwurzel wieder hinaus und schlug in eine Wand. Er sank tot im Sessel nieder. Rechts vom Zimmer Georgs lag das Zimmer seiner Schwester Marie. Marie von Holzknecht muß im Augenblick, da der Schuß fiel, beim Bett mit ihrer Toilette beschäftigt gewesen sein

Als sie die Detonation hörte, riß sie den Vorhang vor ihrem Bett zurück und stürzte in das Zimmer ihres Bruders. Sie hatte feine zwei Schritte getan, als sie eine Kugel Matkowitschs in den Mund traf. Sie fant sofort tot zu Boden. Links vom Zimmer des ersten Opfers liegt das Gemach des ältesten Bruders Robert von Holzknecht Er saß bei einem kleinen Toiletten­tischchen und rasterte sich. Er hat vielleicht auch den Versuch gemacht, sich auf den Mörder zu stürzen. In der offenen Tür traf ihn eine Kugel in die rechte Lunge. Robert von Holzknecht stürzte weiter dem Ausgang zu; Matkowitsch schoß ihm nach, der Schuß streifte ihn an der Itufen Gesichtshälfte. Eine dritte Kugel verletzte Ro­bert von Holzfnecht am Oberschenkel. Im Zimmer set­nes ersten Opfers begina Matkowitsch Selbstmord, in­dem er sich in die rechte Schläfe schoß. Robert von Holz­fnecht lief noch auf den Korridor und schrie um Hilfe. Das Stubenmädchen und Polizeibeamte trafen ihn bet vollem Bewußtsein an. Sein Zustand ist hoffnungslos. Als man Ritter von Holzknecht in das Zimmer führen mollte, wo seine Kinder lagen, schrte er: Räumt die Leichen weg, ich will meine Kinder so im Gedächtnis ha= ben, wie ich sie gestern bet meiner silbernen Hochzeit fah."

Berichte vom Kriegsibauplatz.

Nach mehrtägiger Pause Itegen heute wieder ein­mal einige Meldungen vom türkisch- italienischen Kriegs­schauplatze vor. Die Berichte entstammen fetts italte­nischen, teils türkischen Quellen und lauten günstig so= wohl für die eine als auch die andere friegführende Partet. Der italienische Bericht meldet, daß der türkische Kommandant in Tripolis den Arabern ge­stattet habe, sich abzulösen und in ihrer Heimat die Fel­der zu bestellen. Ein Mann, der von der tunesischen Grenze fam, erzählte, daß er Handelskarawanen ge= sehen habe, die nach dem Landinnern zogen oder dort­him tamen und Lebensmittel transportierten. Unter den Arabern soll große Unzufriedenheit herrschen, da sie von der Feldarbeit abgelenkt und zum Kampfe ge= zwungen werden sollen. Wenn sie sich widersetzten, würden ihre Haustiere getötet und ihre Saaten mit Be­schlag belegt werden. Gleichzeitig wird versichert, daß viele Araber ihre Waffen an Eingeborene von Tunis verkaufen. Der türkische Kriegsbericht lautet: Frettag nachmittag verließ die feindliche Flotte den Ha fen von Tripolis. Unsere Truppen benutzten die Ge­legenheit, die jüngst von den Italienern wegen der Ueberschwemmung gewählte Position bet Bumiliana plöblich anzugreifen. Die Jtaltener wurden im Ba­fonettkampf zurückgeworfen. Ste hatten über 400 Tote und Verwundete. 23 Soldaten und ein Offizier wur den gefangen genommen. Wir verloren 130 Mann und erbeuteten 70 Gewehre und schoben unsere Linien der­art vor, daß wir hoffen, die Stadt zu erobern, wenn das schlechte Wetter die italienische Flotte andauernd fernhält.

" Ich sah ihn vor der Sizung eine ganze Weile mit fenem blassen Herrn sprechen. Und den Grund zu seinem Verhalten kann ich mir wohl denken. Frizz, er haßt Dich!"

Mich? Weshalb?"

Weilweil er mich Dir entreißen möchte!" Friz mußte kurz auflachen. Woraus schließt Du das?"

,, Hör zu: Heut hab ich endlich feststellen können, von wem immer die rätselhaften Blumenspenden waren, die ich in der letzten Zeit so verschwenderisch erhalten habe. Ste tamen von ihm!"

Fritz ließ einen pfeifenden Ton hören. ,, und heute schickt er mir ganz dreist zwet Karten zum Juristenball- für Dich und für mich!"

Was das für eine ungezogenheit tst", erklärte Friß. Wenn wir beide das Fest mitmachen sollen, hätte er doch die Karten an mich und nicht an Dich schicken müssen."

Freilich! Was mag sich dieser Mensch nur denken?" Man muß sich diesen Burschen mal kaufen!" stieß Frizz erregt hervor.

" Friz, um Gottes Willen, nur keinen Eflat!"

Friz lachte gutmütig. Hab nur keine Angst! Wenn ich mit ihm zusammentreffe, werde ich ihm ganz ruhig meine Meinung sagen und so talt dabet bleiben, daß thm hoffentlich ein für allemal die Lust zu weiteren Scherzen mit Dir vergehen wird."

Fritz war in der Tat ein viel zu gesetzter Mann, als daß er es auf einen wirklichen Skandal mit Mallmiş abgesehen hätte. So etwas widerstrebte seiner im Grunde friedlichen Kaufmannsnatur.

Nachdem er sich von seiner Braut verabschiedet hatte, ging er in ein Weinrestaurant und setzte sich still in eine Ecke, um über seine Lage nachzudenken. Er hoffte in zwei Monaten wieder drüben bet seiner Arbeit zu sein,

Schwere Brandtatastrophe.

Ein schweres Brandunglück hat sich am Sonntag morgen in der Stadt Sangerhausen ereignet. Bei dem Brande der dortigen Malzfabrik kamen zwei Feuer­wehrleute ums Leben und zwet andere erlitten schwere Verlegungen. Der Brandschaden ist bedeutend. Ueber das Unglück wird uns folgendes gemeldet:

X Sangerhausen, 20. November. Gestern morgen gegen 5% Uhr bruach in der Aktien- Malzfabrik Sanger. hausen Feuer aus. Die gewaltige Fabrikanlage mit th­ren drei großen fünfstöckigen Haupt- und mehreren Nebengebäuden wurde in wenigen Stunden fast voll ständig eingeäschert. Branddirektor Ludwig und Brand­meister Tack kamen bei den Löscharbeiten ums Leben. Schornsteinfeger Brandt wurde am ganzen Körper so schwer verbrannt, daß er kaum mit dem Leben davon= kommen dürfte. Schornsteinfegermeister Ernst erlitt eine schwere Rauchvergiftung, ein Korbmachermeister wurde durch eine umstürzende etferne Leiter am Kopfe erheblich verletzt. Etwa hunderttausend Zentner Malz und Gerste sind verbrannt. Der Brandschaden beträgt etwa zwei Millionen Mart.

Sangerhausen, 20. November. Die Entstehungs­ursache des verheerenden Brandes, der auf einem der zwölf Malzböden zum Ausbruch fam, ist noch nicht fest­gestellt. Das Feuer hat bis jetzt drei Opfer gefordert, da im Laufe des gestrigen Nachmittags Schornsteinfe germeister Brandt seinen schweren Verlegungen erle= gen ist. Außerdem wurden 22 Menschen teils schwer, feils leichter verlegt; einige davon liegen hoffnungs­los darnteder. Dem Brande ist für 800 000 Mart Ware zum Opfer gefallen.

Kirchenbrand in Münster.

Sonntag abend geriet die altehrwürdige Martini­firche in Münster, die erst vor kurzem mit einem Auf­wand von mehreren hunderttausend Mark vollständig restauriert worden war, in Brand. Das Feuer wittete spät abends noch fort. Der Turm ist eingestürzt. Meh rere Häuser der Nachbarschaft sind in Brand geraten. Der Brand erhellte die ganze Stadt. Inzwischen ist der Brand lokalisiert worden. Ein Telegramm meldet uns dazu:

Münster, 20. November. Der Brand ist nun­mehr lokalisiert. Der Turm ist vollständig ausgebrannt. Ein weiteres Umsichgreifen auf die Kirche erscheint ausgeschlossen. Außer den bereits erwähnten Häusern sind teine mehr in Brand geraten. Alle Wertsachen und Geräte aus der Kirche sind in Sicherheit gebracht wor­den.

Münster, 20. November. Es wird vermutet, daß der Brand durch die Unvorsichtigkeit einer der Leute, die gewöhnlich mit offenem Licht den Turm zum Läuten betreten, verursacht worden ist. Kurz nach 8% Uhr bemerkte man im unteren Turm einen kleinen Feuerschein und gegen 9 Uhr brannte bereits der Gte­bel des Turmes lichterloh. Durch Funkenwurf wurden dret Häuser in der Nachbarschaft eingeäschert. Gegen 10 Uhr stürzte das Turmgebält mit den Glocken in fich zusammen. Die Aufgabe der Feuerwehr und des Militärs bestand darin, das Kircheninnere zu retten was nach großer Anstrengung auch gelang.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der Kaiser auf der Reise nach Baden. Berlin, 20. November. Der Kaiser ist gestern abend 10 Uhr 55 Minuten nach Baden und Donau­eschingen abgereist.

Termin für die bayerischen Landtagswahlen. 0 München, 20. November. Die Landtagswahlen sind auf den 5. Februar anberaumt worden.

Anshebung eines Verbrechernestes.

0 Göln, 20. November. In der Nähe von Borken stöberte die Polizei eine fünstliche, 25 Meter lange Höhle auf, die in einen 30 Quadratmeter großen Raum endete. Hier hatten eine Anzahl Straßenräuber Un­terschlupf gefunden. Als die Polizei fam, feuerten die Verbrecher mehrere Schüsse auf die Beamten ab, von denen einer schwer verletzt wurde. Hierauf gaben die Polizisten Feuer, wodurch drei Verbrecher fampfunfä­hig gemacht wurden. Dann ergaben sich die Diebe. Unter ihnen befand sich der langgesuchte Mörder des Polizisten Ellermann in Herzebrock sowie fener Stra Benräuber, der jüngst einen Holländer niederschlug und ihn beraubte.

Massenvergiftung durch Pilze.

- Paris, 20. November. In Trevaur erkrankt eine Gesellschaft von 27 Personen nach dem Genusse gif= tiger Pilze, die sie in einem Hotel zu sich genommen An hatten. Sieben Personen sind bereits gestorben. dem Aufkommen von 13 anderen wird gezweifelt.

Präsident Taft leicht erkrankt.

Washington, 20. November. Präsident Taft ist durch eine starfe Erkältung an das Zimmer gefesselt. Die Aerzte erklären den Zustand als ungefährlich, ha­ben aber Vorsicht empfohlen.

und zwar an der Seite seiner Felicia. Er war nichts we­niger als sentimental, Itebte keine Ueberschwenglich­keiten und schien deshalb, wenn er mit ihr zusammen war, dem oberflächlichen Beobachter ziemlich fühl. In Wahrheit liebte er sie tief und malte sich die Zukunft, wo sie immer in seiner Nähe sein würde, rosig aus. Ste waren sich beide gleich innig zugetan und paßten ausge­zeichnet zueinander. Er hatte eine glänzende Stellung und sie ein großes Vermögen, kein Wölfchen trübte thren fernen Lebensweg wenn es nicht dieser dunkle Schatten war, den man jetzt auf den Charakter seines Vaters werfen wollte. Nein, das fonnte nicht so bleiben! Er mußte das Geheimnis noch ergründen, ehe er wieder hinüberfuhr. Und er vergegenwärtigte sich den stolzen Wahlspruch der Stadt Chikago Ich will!" Ja, ich will Licht in die Sache bringen, sagte er sich und ballte die Fäuste.

-

Plötzlich hörte er von einem durch eine Holzwand von seinem Sig getrennten Tisch eine laute unter­haltung, die ihn unwillkürlich fesselte. Kein Zweifel, man hatte seinen Namen genannt.

Er lauschte aufmerksam hin und erkannte, daß von der Mordtat gesprochen wurde. Und es waren jedenfalls Juristen, die dort den Fall erörterten, denn man erwog thn sachlich von allen Seiten und nach allen Richtungen. Die frischen, jugendlichen Stimmen ertönten furz und bestimmt, über allen aber schwebte eine, die ihm sehr be­kannt war. War das nicht die des Assessors Mallmiz? Die gleich darauf gebrauchte Anrede bestätigte seine Ver­mutung.

,, Sie meinen also, Mallmiz", fragte einer der Her­ren, daß der Alte da selbst seine Hand im Spiele gehabt habe?"

( Fortsetzung folgt.)