Deutscher Reichstag.
Marokkoabkommen haben im In- und Auslande das größte Aufsehen erregt. Auf Befehl von höchster Stelle fst nun von amtswegen nach der Quelle der IndiskreHonen geforscht worden, und die eingeleiteten Erhebungen haben zu einem überraschenden Resultat geführt. Der Schuldige ist Telegraphenbeamter in einem Danziger Postamt. Durch seine Hand find die in der Presse schon erwähnten Telegramme des Kronprinzen an feine Brüder gegangen. Der Beamte benutzte seine Kenntnis des Inhalles der Telegramme zu Mitteilungen an mehrere Bekannte, und auf diese Weise sind die Indiskretionen in der Deffentlichkeit erfolgt. Gegen den schuldigen Beamten dürfte voraussichtlich die Untersuchung wegen Verlegung der amtlichen Schweigepflicht eingeleitet werden.
Freitag wurde die Beratung des Schiffahrtsabgas bengefeßes fortgesetzt. Die Paragraphen 1 bts 7 wurden unter Ablehnung aller Zusazanträge in der Kom miffionsfaffung angenommen. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um die Saar- und Moselkanalisierung, die schließlich in namentlicher Abstimmung abgelehnt wurde. Staatsminister von Breitenbach lehnte auch die moralische Verpflichtung Preußens, die Mofel später zu fanalisieren, ab, während die süddeutschen Regierungspertreter unbedingt threrseits die moralische Verpflich tung für den späteren Ausbau von Main und Neckar übernahmen. Am Sonnabend wurde die zweite Lesung des Schiffahrtsabgabengesebes beendet. Hierauf folgte bie zweite Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung. Etwas lebhafter war die Debatte nur beim 114 6, der dem Bundesrate unter gewissen Voransseau ngent die Befugnts gibt, zu bestimmen, daß die Lohnbacher in den Betriebsstätten zu verbleiben haben. Die Sozialdemokraten verlangten die Streichung dieser Bestimmung, während die Redner der bürgerlichen Barteten sich dafür erklärten. Der Widerspruch der Sozialdemokraten blieb erfolglos. Der übrige Teil der Vorlage wurde häufig gegen die Stimmen der Soztaldemofraten, im wesentlichen nach den Kommissionsbeschluf fen, angenommen. Dann verlagte sich das Haus auf Montag.
Die überwundene Kriegsgefahr.
Ein ungeratener Sohn. Der Sohn einer wohlha benden Familie in Cöln verkaufte ohne Wiffen der Eltern die Einrichtung der väterlichen Villa, für die ev etwa 30 000 M. erzielte. Er reiste mit dem Gelde nach Nizza und hatte nach kurzer Zeit das Geld verspielt. Darauf erschoß er sich in Montecarlo.
Eine Verstärkung unserer Flottenrüstung? Den vomFlottenverein und neuerdings während der Besprechung des Marokko- Abkommens auch im Reichstag ge= äußerten Wünschen nach einer verstärkten Flottenrüstung steht die Reichsmarineverwaltung, wie die Militärpolitische Korrespondenz" wissen will, jest durchaus sympathisch gegenüber. Allerdings dürfte sie das Entgegenkommen faum in der Einbringung einer neuen Flottenvorlage befunden. Man ist in Marinefreisen der Meinung, daß sich diese Wünsche auch ohne nenes Flottengesez erfüllen lassen, und zwar auf verfchiedene Arten. Welchen Weg man wählen wird, daraber find die Erwägungen noch im Gange. Es kommt der Marineverwaltung in erster Linie darauf an, bet möglichst großer Effektivwirtung der geplanten Maßregeln das Reichsbudget so wenig wie möglich zu be= laften.
Eine Rede, die sowohl in England als auch in Deutschland bemerkt zu werden verdient, hat der konservative englische Parlamentarier Faber gelegentlich eines offiziellen Festmahles in Andover gehalten. In schonungsloser Weise riß der Redner den Schleter von den Ereignissen, die sich im Hochsommer auf der internationalen Bühne und insbesondere hinter deren KuItsfen absptelte. Der Redner scheute sich nicht, klipp und flar zu sagen, daß England einen Ueberfall auf Deutschland geplant hatte, um dem verbündeten Frankreich zu helfen. Wenn es nicht dazu ge= tommen fet, so set das hauptsächlich der unbereitschaft der englischen Flotte und Armee zu danken gewesen.
Für eine Viertelmillion Belze gestohlen. In dem großen Pelzwarengeschäft von Revillon in der Regents streat in London ist nachts ein Einbruch verübt worden, wobei den Dieben viele wertvolle Pelze im Gesamtwerte von etwa einer viertel Million in die Hände ftelen.
Ein Bataillonskommandeur verschwunden. Seit etwa drei Wochen ist, wie aus Gotha geschrieben wird, der Kommandeur des 1. Bataillons des dort garnisonierenden Infanterieregiments Nr. 95, Major v. Wurmb verschwunden. Wie man hört, hat er bis zum 1. Januar Urlaub genommen und sich ohne Angabe seines fünftigen Aufenthaltsorts entfernt.
Snm ersten deutschen Unterbeamtentag waren_am Sonntag in der Hasenheide zu Berlin mehr als 7000 im Reichs-, Staats- und Kommunaldienst stehende Unterbeamte versammelt, um anläßlich der herrschenden Teuerung gemeinsam die Wünsche der Unterbeamten zum Ausdruck zu bringen. Wie andere Behörden, so hatten auch das Kriegsministerium und das Polizeipräfidium thren Beamten den Besuch der Versammlung streng, verboten.
Bostraub in Rumänien. In Buschtenart überfielen acht Räuber das Postami, ermordeten den Postmeister sowie dessen Frau und raubten 129 000 Fr. aus der Postkasse. Den Räubern gelang es, zu entkommen.
Ein Ultimatum der französischen Arsenalarbeiter. Wie aus Lorient gemeldet wird, haben die Führer des Syndikats der Arsenalarbeiter erklärt, daß es sehr ernste Folgen haben werde, falls die Regierung wirkItch Strafmaßnahmen ergreifen wolle, weil an Bord des Panzerkreuzers Courbet" eine rote Fahne gehißt und die Internationale gesungen wurde. Die Arbeit ist von den Arbeitern nur unter der Bedingung wieder aufge= nommen worden, daß niemand bestraft werden würde.
Da wird die Regierung wohl wieder gute Miene zum bösen Spiel machen müssen.
Drei französische Forscher in China niedergemeßelt. Nach einem dem französischen Kolonialministerium zugegangenen Telegramm sind ein französischer Militärarzt und zwei Offiziere, die feit einem Jahre auf einer mit Unterstützung der französischen Regierung unternommenen Forschungsreise im südlichen China begriffen waren, im Lologebiet niedergemekelt worden.
Zu dem russischen Vorgehen in Persien schreiben Londoner Blätter, der Entschluß Rußlands, viertausend Mann über die russische Grenze zu senden, bedeute ste tatsächliche Besetzung von Nordpersien. Mit einer Macht von dieser Stärke in so großer Nähe von Teheran set Rußland in eine sehr starke Lage gekommen und der Besizer von Persien. Die Teilung Persiens unter die Großmächte habe damit begonnen.
Kapitän Faber erklärte von vornherein, daß ein guter Tell dessen, was er zu sagen habe, dementiert werden dürfte. Nichtsdestoweniger set es die Wahrheit, so wie er sie von höchsten oder nächsthöchsten Stellen erfahren habe. Er kenne die Namen der Kabinettsmitglieder, die für Frankreich und die Namen derer, die nicht für Frankreich waren, aber er werde nur das Gute sagen und das Böse verschweigen. Die Minister Lloyd George und Winston Churchill stellten sich ehrlich auf die Seite Frankreichs. Diese beiden Männer feien überzeugt gewesen, daß England seinem Vertrag gemäß Frankreich unterstützen müsse. Im kritischen Augenblick hätte es sich gezeigt, daß die englische Flotte in drei Tette aufgebrochen war, von denen einer südlich von England, der andere in der Nähe von England und der dritte im Norden von Schottland weilte. Die deutsche Flotte hätte man ganz aus den Augen verloren. Niemand hätte gewußt, wo fie war. Die größte Gefahr habe darin bestanden, daß das Kabinett nicht wußte, was vor sich ging und daß die deutsche Flotte die drei Teile unserer Flotte überfallen und sie einzeln schlagen konnte. Aber es ſeten auch noch andere Gefahren vorhanden gewesen. Mag man sie auch morgen verleugnen. Auf Grund bester Informationen könne er ferner sagen, daß die Armee beffer vorbereitet gewesen set, als die Flotte. Man habe sich während der jüngsten Krise mit der Idee getragen, sechs Divisionen der regulären Armee auf dem Kontinent zu landen, um dem verbündeten Frankreich zu helfen. Aber wären diese sechs Divisionen entsandt worden, so wären keine regulären Truppen mehr im Lande gewesen, um die Küste zu schützen, und die Verteidigung hätte dann vollständig in den Händen der Flotte gelegen.
Kleine Nachrichten.
An der südchinesischen iste schetterte der Flens burger Dampfer Ilfe" im Taifun. Zwei Kinder des Kapitäns, ein japanisches Kindermädchen sowie 15 Mann der Besaßung sollen ertrunken sein.
Erdbeben in Italien. Das Observatorium in Catanta meldete gestern früh eine starke Tätigkeit des Strombolt. Es fanden zwet heftige Explosionen mit starter Rauchentwicklung und starkem Steinregen statt,
Aus den Gerichtssälen.
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Bub oder Mädel? Eine nicht alltägliche Sache beschäftigte soeben das Berliner Amtsgericht, nämlich etn Antrag auf Geschlechtsumwandlung zweier Schwestern. Die Angelegenheit hat folgende Borgeschichte: 3wet Kinder eines Kaufmanns in Magdeburg, die 16 Jahre alte Luise und die 15 Jahre alte Gertrud T. fühlten sich feit längerer Zeit in ihrer weiblichen Kleidung sehr unbehaglich und hatten die Empfindung, daß ihre Erziehhung ihrem wahren Wesen nicht entspreche. Als sie den Eltern ihr Leid klagten, wurden sie anfangs verlacht. Schließlich faßten sie den Entschluß, freiwillig ihr Leben von sich zu werfen. In lezter Stunde erfuhren die Eltern hiervon, und als das Entsetzliche abgewendet war, wandten sie sich an zwet Aerzte, um sich durch ein Gutachten Klarheit über den wahren Zustand der beiden jungen Menschenkinder zu verschaffen. Die Aerzte gaben thr Gutachten dahin ab, daß hier eine irrtümliche Geschlechtsbestimmung vorliege und befürworteten drin= gend ein sofortiges Einschreiten. Nunmehr stellten die Eltern beim Regierungspräsidenten den Antrag, die Umwandlung der Namen ihrer Kinder ins Geburtsregister vornehmen zu wollen. Der Regierungspräsident gab den Antrag an das Amtsgericht weiter und auf dessen Anordnung ist jetzt im Geburtsregister vermerkt worden, daß Luise T. von jetzt ab Ludwig T. und Gertrude von feßt ab Gerhard T. heißt.
In der Tabakarbeiterbewegung in Westfalen ist noch keine Wendung eingetreten, die auf eine Beilegung des nun 5 Wochen dauernden Kampfes schließen läßt. In manchen Fabriken ruht die Arbeit ganz, in vielen werden aber die nicht organisierten Arbeiter wetter beschäftigt. Da das Weihnachtsgeschäft für die Fabrikanten beinahe erledigt ist, wird bald eine stille Zeit eintreten, so daß die Aussichten für die Arbeiter noch schlechter werden. Es verlautet auch, daß eine Anzahl westfälischer Firmen einen Teil ihrer Betriebe nach anderen Bezirken verlegen will.
Sowett der Kapitän, oder besser, der konservative Parteimann Faber. Was er da im Kreise seiner Gesinnungsgenossen vorgetragen hat, ist weniger um seines Inhalts willen interessant, der ja, sofern es sich um Gerüchte handelt, kaum etwas neues bringt, als vielmehr um der Tatsache willen, daß ein englischer Barlamentarter unter dem Beifall seiner Bartelgenossen eine derartige von Haß gegen Deutschland und frtegerischem Verlangen erfüllte Rede gehalten hat. Sie ist jedenfalls recht lehrreich für den Wert der Freundschaftsund Friedensversicherungen, die uns jetzt so fretgebig von der anderen Sette des Kanals gespendet werden.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Zum Kronprinzen- Telegramm schreibt der Berl. Börsen- Courier": Die in die Presse gelangten Mittetlungen über die Stellungnahme des Kronprinzen zum
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Aus Eifersucht.
Roman von Mar Hoffmann.
Ueber drei Millionen für soziale Zwecke. Rat und Stadtverordnete von Dresden haben eine Vorlage angenommen, nach der 3 500 000 M. zur Vermehrung der fleinen Wohnungen in Dresden, 100 000 M. zur Linderung der Not dürftiger Familien, 50 000 M. zur Spetsung armer Schulkinder und 75 000 M. Teuerungszulagen für finderreiche Beamte, die nicht mehr als 2500 Mr. fährliches Einkommen haben, bewilligt werden.
Professor Varseval. Major a. D. Dr.- Ing. August von Parseval hat soeben eine besondere Auszeichnung erhalten: Durch Erlaß des preußischen Kultusministers wurde ihm in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen das Prädikat„ Professor" verliehen.
Der Berliner Viehhof aufs nene gesperrt. Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche ist der Berliner Viehhof am Sonnabend aufs neue für die Ausfuhr gesperrt worden, nachdem erst am 11. November die Aufhebung der Sperre erfolgt war.
( Nachdruck verboten.) „ Krank bin ich nicht," versicherte der Doktor. „ Aber ganz gefund auch nicht, das habe ich ja eben erst gesehen. Es steckt bet Ihnen freilich nicht in den Gliedern oder im Magen, aber Ihre Nerven sind bedenklich angegriffen. Und die sind doch schließlich die Hauptsache beim Wohlbefinden. Also reisen Ste, und zwar je früher, je besser!"
Der Streit um den inngen Grafen Kwilecki end gültig beigelegt. Wie aus Posen gemeldet wird, hat die Bahnwärtersfrau Cäcilie Meyer thre Klage bet dem Posener Ober- Landesgericht gegen die inzwischen verstorbene Gräfin Kwileckt auf Kinderherausgabe zurückgezogen. Damit ist der bekannte wileckt- Prozeß, der sich durch mehr als acht Jahre hindurchgeschleppt hat, endgültig aus der Welt geschafft, und der funge, vtelum strittene Graf bleibt der Familie Kwilecki erhalten.
Einen Aeroplanflug von Wien nach Berlin absolntert gegenwärtig der österreichische Flieger Holt. Der Pilot, der seinen Flug in Hohenau unterbrechen mußte, hat seinen Apparat wieder repariert. Es wurde ein neuer Propeller angebracht, und Sonntag früh gedachte Holt seinen Flug nach Berlin fortzusetzen. Er will in Troppau und Breslau Zwischenlandungen machen.
Vermischtes.
Marktleute im Automobil. Wir lesen in der„ Augemeinen Automobil- Zeitung": Marktleute im Automobil find die neueste Erscheinung im Verkehrsleben der Berliner Straßen. Die im Norden und in den angrenzenden Vororten wohnenden Marktleute pflegen nämlich die Wochenmärkte zu besuchen, die namentlich in den westlichen Vororten noch abgehalten werden. Da sie einen sehr weiten Weg zurücklegen müssen, so haben sich einige ein Geschäftsautomobil angeschafft, auf dem sie mit ihrem ganzen Kram schnell zum Markte fahren und ebenso schnell in ihre Wohnung zurückkehren können. Auch die Besitzer der Wäschereien in dem Nachbarort Köpenick haben sich für ihren Verkehr mit Berlin zum Teil Automobile angelegt.
Und dabet habe ich auch Ihr Bestes im Auge. Denn Felicia und ich, wtr drängen jetzt die maßgebenden Herren zur höchsten Anspannung ihrer Kräfte, und wenn Ste dann noch hier sind, dann werden Ste immer wieder herangezogen werden. Also überlegen Ste sichs reiflich!"
Der Doktor starrte in die blauen Rauchringe setner Zigarre„ Ich werde mit meiner Braut darüber sprechen", sagte er endlich.
" Meine Braut verlassen?" wandte der Doktor ein. " Du lieber Himmel! Es handelt sich ja höchstens um etn paar Monate. War ich nicht von meiner Braut, als sie nach London gefahren war, ein ganzes Vierteljahr getrennt? Und wir haben's doch ertragen. Ich halte solche zeitweise Trennung sogar für außerordentlich vorteilhaft. Betde Tetle können sich dann für sich allein prüfen, können ohne die bestehende Nähe des geltebten Menschen über manche Eigenschaften bet thm nachdenken und sich so gewissermaßen entgegenretfen. Passen sie beide nicht recht zusammen, so werden ste sich allmählich abfühlen, und dann ist es noch Bett, thren Irrtum durch dauernde Trennung wieder gut zu machen, passen sie aber zusammen, so werden fte sich nur noch inniger Iteben lernen und aus der gegenseitigen Treue den Schluß ziehen, daß sie durch nichts von einander gerissen werden können. Ach, tch werde fast zum Prediger Ihnen gegenüber und habe so viel gesprochen, wie sett langer Zeit nicht."
„ Mir ist immer noch nicht klar, warum Ste das tun."
,, Vortrefflich! Ich bin überzeugt, daß das, was sie Ihnen raten wird, das Passendste sein wird."
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Das angenähte Augenlid. In der fürzlich stattge habten Stzung der Berliner medizinischen Gesellschaft wurde von dem Augenarzt Dr. Hamburger ein kleines vierjähriges Mädchen vorgestellt, das eine merkwürdige Verlegung erlitten und eine noch merkwürdigere Operation durchgemacht hat. Bet einem Sturz auf einen harten Gegenstand war dem Kinde das rechte obere Lid Justizrat, der neben Marleben schritt, während die Damen voran gingen, auf und sagte, sichtlich erleichtert: ,, Gott sei Dant, daß er weg ist!"
Damit empfahl sich Fritz von Marleben und ließ den Doktor mit seinen Gedanken allein. An demselben Tage ging dieser zum Justizrat und hatte dort einen langen Familienrat. Das Endergebnis war, daß er beschloß, schon am nächsten Tag nach Italten abzuretsen. Es wurde festgesetzt, gleich darauf eine kleine Nottz in eine Zeitung zu lancieren, daß sich der Doktor aus Gesundheitsrücksichten auf einige Beit nach dem Süden begeben hatte. Auf diese Weise sollte aller üblen Nachrede von Anfang an dte Spize abgebrochen werden.
„ Warum? Nunt, ich will's Ihnen gestehen: Es ist etne gute Portion Egoismus dabet. Ich will nicht immer wieder von diesem Bardetow mit seinen Grübeleten hetmgesucht werden. Das wird nicht eher aufhören, ehe Ste nicht seinem Gesichtskreise entzogen sind.
Gegen Abend des folgenden Tages fand sich eine fleine Gesellschaft auf dem Bahnhof ein, um dem Doktor Waldow bis zum Nord- Süderpreßzug das Geleit zu geben. Es war die Familie Heinroth und Frtz und Felicia.
Frizz blickte ihn verwundert an:" Das kommt ja ge= rade so heraus, als wenn der Doktor einer Gefahr entronnen ist, Herr Justizrat."
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" Das ist ja auch tatsächlich der Fall", versetzte der Justizrat letse.„ Ich kann Ihnen im Vertrauen mittel-, len, daß das Damoklesschwert des Gesetzes schon wieder einmal über seinem Haupte schwebte."
Der Doktor war sehr ernst, man merkte es thm an, welcher Kraftanstrengung es von seiner Sette bedurfte, um sich den Trennungsschmerz nicht zu sehr merken zu lassen. Emmt teilte seine Empfindungen, und nur die übrigen suchten durch Scherz und Heiterkeit eine ver= gnügte Stimmung hervorzubringen.
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Also hat man ihn immer noch im Verdacht?" " Immer noch ist nicht ganz richttg. Es ist vielmehr ein neuer Verdacht. Und Ste wissen, daß schon oft Leute, dte man aus der Untersuchungshaft entlassen hatte, zum zweiten Male verhaftet worden sind. Es ist da eine gewisse Strömung von Beamten, von denen Herr von Bardekow nur ein einziges Mitglied ist, die durchaus dem Doktor etwas am Zeuge flicken möchten. Er hat sich eben durch sein damaliges Verhalten zu verdächtig gemacht. Unter uns gesagt, glaube ich auch, daß er uns noch etwas verschweigt. Ich habe ihn deshalb schon ein paarmal vorsichtig sondtert, aber es ist nichts aus ihm herauszukriegen, er bewahrt es fest in seinem Busen. Wir müssen uns hier ganz auf den weiteren Gang der Untersuchung verlassen."
Dann tamen die letzten Abschiedsworte, einige Küsse des Brautpaares, nochmaliges, allseitiges Händedrücken, Tücherschwenken und ruhig rollte der glänzende Zug zur Bahnhofshalle hinaus Als er ihren Blicken entschwunden war, atmete der
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Frizz erzählte dem Justizrat von den neuesten Mutmaßungen Bardekoms. Der alte Herr hörte aufmerksam zu und sagte, als der Bericht beendet war, entrüstet:„ Das ist doch geradezu eine Gemeinheit! Nur ein oberflächlicher Beobachter kann zu diesem verleumderischen Schluß kommen. Wobet allerdings als Entschuldigungsmoment für diese Menschen hinzukommt, daß sie Ihren Herrn Vater nicht gekannt haben. Da kann es ja den Anschein haben, als wenn der Herr Kommissar hier auf der richtigen Spur tst. In Wahrheit zeigt er aber sich recht unfindig. Nach meiner Meinung ist die Sache mit dem Zettel weiter nichts als eine sehr schlaue Finte."
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