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schäftsfreunde der Bank aushilfsweise Geld für die Bank geltehen. Die Feststellung ist noch erschwert, da bte Bucher und Stripturen der Bank von der schwin belhaften Transaktion nicht berührt sind. Die Kunden­bepots sowie die eigenen Effekten und Kassenbestände ber Bant find vollständig in Ordnung. Die ganze Schwindelet ist zum Schaden von Geschäftsfreunden der Bant erfolgt. Die Affäre Hößner bekommt eine neue Wendung durch eine Privatmeldung aus Brüssel, daß bort ein auf seinen Namen lautendes Privatdepot von einer halben Million Mark beschlagnahmt worden set. Danach hat er also auch Geld ins Ausland geschafft und nicht nur verspekuliert.

Als ein Zeichen der Zeit wird einem Berliner Blatte folgendes mitgeteilt: Ueber die in einer Ge richtsverhandlung zur Sprache gelangte Tatsache, daß ein Student einen Monatswechsel von 2000 Mart be= zieht, werden sich vielleicht selbst diejenigen ein bißchen wundern, die sich das Wundern längst abgewöhnt zu haben glaubten. Die im Allgemeinen Deutschen Kom­mersbuch so oft und ergreifend behandelte momentane Geldverlegenheit des Bruders Studio mag der mit 24 000 Mart jährlich dotterten Bude" woh! erspart ge­blieben sein aber was sagen andere Musenföhne zu diesem Krösus unter den Kommilitonen? Und wenn

in Rovenbagen die zuverläffiae Nachricht eingegangen ist, daß die" Alabama", das Schiff der Expedition Miffellen, nicht in Bas Rod, einer an der Ofifüfte Grönlands gelegenen Infel­gruppe, eingetroffen ift, muß die Expedition als verunglückt angefeben werden. Der Könia bat den Veranstaltern der " Alabama"-Ervedition fofort telegraphisch sein Beileid ausge drückt. Der Grönländerforscher Mittellen, war wie man fich erinnern wird, vor mehr als zwei Jahren als Fübrer der fogenannten" Alabama"-Expedition nach Grönland abaereift, um die Leichen der verunglückten Mitglieder der Ervedition Mylius- Erichsens au fuchen und au beerdigen und etwaige Papiere und Aufzeichnungen nach Dänemarf zu bringen.

Im Kampf mit Verbrechern. Aus Loda in Rußland wird gemeldet: Als beute eine Abteilung Schußleute init einem Kapitän an der Sviße vor einem Saufe der Rzaovski­ftraße erschien, um dort eine Saussuchung vorzunehmen, wur de sie aus dem Innern des Gebäudes mit Revolverschüssen empfangen. Der Vförtner und ein Schußmann wurden ge­tötet, ein Schutzmann schwer, der Kapitan, ein Unteroffizier und ein Schuẞinann leicht verlegt. Einer der Verbrecher wurde bei dem Versuche, über das Dach au flüchten, getötet, awei andere wurden festgenommen, die übrigen entfamen in der Dunkel beit.

Der Wunsch nach Verständigung.

Nach einer Pariser halbamtlichen Meldung bergab Staatssekretär von Kiderlen- Wächter dem Botschafter Cambon am Montag feine schriftliche Antwort auf die französischen Vorschläge. Der Staatssekretär glaubte zweifellos, daß vorläufig zum mindesten die Schnellig­feit der Unterbandlungen gewinnen würde, wenn häu fige Unterredungen an die Stelle des Dokumen­tenaustausches gesetzt würden, dessen Formalitäten, Herstellung und Uebermittlung an die beiden Regierun gen viel Zeit wegnehmen. Der Staatssekretär und der Botschafter nahmen am Montag die Diskussion über die strittigen Punkte wieder auf und faßten bestimmte Hypothesen und gewisse redaktionelle Abänderungen ins Auge. Es scheint, daß diese Unterredung mit dem wahrhaften Wunsche nach einer Verstän= digung geleitet war. Die Besprechungen hätten dem­nach einen neuen Schritt vorwärts getan; die Wahr­scheinlichkeit einer befriedigenden Lösung scheint sich zut verstärken. Dennoch wäre es it beretit, sich zu op= timistisch zu zeigen. Alle Unstimmigkeiten find noch nicht geschwunden; es befinden sich noch prinzipielle Fragen in der Schwebe, in denen Frankreich nicht nach­zwischen dem Botschafter und dem Staatssekretär wird man über die entscheidende Wendung Klarbeit gewin nen, die die Unterhandlungen nehmen werden.

man sich die Sache mit allem Drum und Dran bebent, Fürft Eulenburg vor dem Schwurgericht? eben fann. Erst nach einer weiteren Unterredung

dann tommt man auch auf das Thema des Taschengel des unserer Schüler. Jeder Pädagoge an den höheren Lehranstalten Berlins weiß zu erzählen, daß mancher nicht einmal hoffnungsvolle Primaner mehr Taschen­geld erhält, als sich ein kleinerer Angestellter schwer er­arbeitet. Was die Herren Eltern" der üppigen Jüng= linge sich bei ihrer Generosität eigentlich denken, ist un­bekannt. Aber die Welteren unter uns erinnern sich, wenn sie so etwas hören, der eigenen Jugend, wie sie vernünftig knapp gehalten wurden, mit dem bescheide­nen Taschengeld rechnen lernten und jeden Ertragro­schen mit freudiger Dankbarkeit empfingen. Wir waren eben so schrecklich unmodern damals, wir hatten sogar noch Achtung vor dem Alter, Achtung vor Wissen und Tüchtigkeit. Das nennt man jetzt in gewissen Streifen der Jugend von heute, oben so gut wie unten, Autori­tätsdusel", und eine so unzeitgemäße Empfindung ist natürlich fänzlich ausjeschlossen"."

Die erste Schlacht um Marokko wurde dieser Tage auf dem Heumarkt in Cöln ausgefochten. Saß dort in etner Wirtschaft bei der Gölschen Wieß" eine Gesell schaft, die sich über die Marokkofrage unterhielt, mobet ein junger Mann am Nebentisch sich mit der Bemerkung in die Unterhaltung mischte, Deutschland wolle nur set­nen Profit bet Marotto machen. Dat schingt mer ne Franzos zu finn," bemerkte ein Politiker." Jo", fügte ein anderer hinzu, sprich su verdächtig durch de Naas." Als die Politiker das Lokal verließen, wurde die Unterhaltung fortgesetzt, und der junge Mann ver= ftteg sich zu der Behauptung, Frankreich könne unmög lich die deutschen Vorschläge akzeptieren. Ueberhaupt woher käme es, daß die Unterhandlungen zwischen Cam­bon und Kiderlen- Wächter so furchtbar lange dauerten? Es käme nur daber, daß Cambon nicht ordentlich deutsch und v. Kiderlen- Wächter nicht ordentlich fran­zösisch verstünde. Bloß well v. Kiderlen- Wächter nicht ordentlich französisch könne, deshalb würde es noch zum Kriege kommen. Do häß wal lang kein Knuze mt träg?" lautete darauf die Frage aus dem anderen La­ger. Damit war der Krieg erklärt. Wenige Augenblicke fpäter war das Schlachtfeld mit zerbrochenen Spazter­stöcken und zerbeulten Sitten bedeckt. Das geeinte Deutschland aber war Steger geblieben.

Die Kuh auf den Schienen. In welchem Tempo ge­wiffe französische Eisenbahnen fahren, das illustriert eine Geschichte, die ein Reifender erzählt: Blöblich bleibt der Bug auf freiem Felde fieben, es eilt an die Fenster, man fragt besorgt, was gefcheben fei und hört bereits von einer Eisen­babnfatastrophe fprechen Aber der Zugführer beruhigt uns: ,, Es ist weiter nichts gefchehen, als daß sich auf den Schienen elne Rub gezeiat bat." Man entfernt fie rasch und der Zug jäbrt weiter, ganz langfam, recht langfam, febr lanafam", wie es im Liede beißt. Eine Viertelstunde später neuer Aufenthalt auf freiem Felde...- Sicher noch eine zweite Rub," uter­bricht eine etwas vorlaute Danie den Erzäbler. Nein, gnäsige Frau!" erwidert dieser trocken, es war dieselbe Kub!"

Ein ,, Missionstrust" in Amerika. Viervont Morgan und ein Dußend anderer amerikanischer Millionäre, denen es vor den Sünden ihrer Landsleute angst und bange geworden ift, baben einen Missionstrust" gegründet, um Amerika aründ lich zu befehren und namentlich den Augiasftall volitischer Korruption" au reinicen. Wie aus Neuvorf nemeldet wird, find bereits 400 Geistliche für den Missionstrust" gewonnen worden. Frauen wird fein Anteil an diefem Befebrungswerk ge­ftattet, denn wie sich einer der Jünger der neuen Bewegung ausdrückte: Dieses fentimentale Getue mit den Weibern ist alles Unsinn, fie baben keinen Einfluß auf fündige Männer, nur auf einen ganzen Mann bören sie. Es handelt sich bier um Männeriverk, und Frauen baben nichts dabei zu sagen oder zu tun." Bu gleicher erscheint in Neuyork ein Buch über dientäligen Reichen" Nordamerikas, das an Offenbergigfeit nichts zu wünschen übrig läßt. Der Verfaffer ist selbst der Reichsten einer in Neuyorf und kennt die Verhältnisse, über die er redet. Das Buch stroßzt von grotesken Beispielen von Broßenbaftiakeit in der amerikanischen Gesellschaft. Er erzählt von einer Millionärin in Michigan, die zwölf Diener für ihren Affen hielt, und von einer anderen, die sich mit Goldstücken zu bedecken pflegte. Mikkelsen endgültig verschollen. Nachdem nunmehr

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Da trat der Herrscher an die Bettstatt, und während seine Augen mitleidig und gültig zugleich auf das junge Gesicht blickten, sagte er mit einem Ton, einem wirk­Itchen Herzenstone, der, weil er sich so selten hervor­wagte, desto ergreifender flang:" Armes Kind! Ich bin gekommen, um mich bei Ihr zu bedanken, Made­imoiselle," fuhr er in erhöhtem Tone fort, für den Dienst, den Ste mir, nun, Ste weiß schon, welchen, den Sie mir gestern geleistet hat, trotzdem Ste, wie ich zu meinen Verdruß gehört habe, beretts krank war, wenig­stens sich nicht wohl fühlte. Ich wollte mich Ihr gern erkenntlich zeigen, und da ich nicht wußte, womit oder wodurch, bin ich eben selbst gekommen."

In Beates Augen begann ein Strahlen und Leuch­ten. Malzahn fah wohl, daß es die helle Freude war, die das Feuer darin entzündet hatte. Er sah auch, daß fte sprechen wollte, daß fte die Lippen bewegte..

Ttef beugte er sich zu ihr hinab, um den Hauch threr Worte etnzufangen.

Ste hatte sagen wollen: Ich war nur das Werk­zeug in der Hand der Vorsehung!" Malzahn übermit­telte seinem Herrscher die Worte. Der nichte kurz und erwiderte, während der Herzenston von neuem in set­ner Stimme flang: Ich danke Ihr nochmals, Made­moiselle. Und wenn sie sich schont und pflegt, kann noch alles gut und sie wieder gesund werden. Sie ist noch so jung. Ich wünsche Ihr das Beste für die Zukunft. Und wenn ich Ihr in irgendeiner Weise stenen kann, soll Ste fich meiner erinnern. Vergeff' Ste das nicht, Mademoi­felle.*

Eine Berliner Korrespondenz verbreitet die Mittet­lung, daß die Meineidsaffäre des Fürsten Eulenburg Mitte oder Ende Oktober wieder vor dem Schwurge richt aufgerollt werden solle, weil geheime Beobachtun= gen ergeben hätten, daß Fürst Eulenburg, sobald er fich unbeobachtet wisse, feinerlei Symptome et­ner ernsten Krankheit zeige. Die Voss. 8ty." schreibt dazu, dem fönigl. Medizinalkollegium set von einer ernstlichen Untersuchung in neuer Zeit. nichts be tannt. Dem Berl. Tagebl." wird die Nachricht der Korrespondenz von autoritativer Sette insofern best ä= tigt, als nicht in Abrede gestellt werde, daß die An­beraumung eines neuen Hauptverhandlungstermins in der Tat in absehbarer Zeit bevorstehe. Dagegen hört das Blatt weiter, in Berliner Kreisen, die dem Fürsten nahestehen, sei von solchen beabsichtigten Maßnahmen nichts bekannt. Man rechnet allerdings mit der Mög= Itchkeit, daß auf Veranlassung des Oberstaatsanwalts In den letzten Tagen eine neue ärztliche Unter­suchung des Fürsten stattgefunden habe, und daß der Fürst von den Aerzten jetzt für verhandlungsfähig er­flärt worden sei. Das Befinden des Fürsten sei bis vor kurzem unverändert schlecht gewesen, wenn auch dann und wann Tage tamen, an denen sich der Fürst wohler fühlte als sonst.

Die letzte Verhandlung gegen den Fürsten Eulen­burg fand, wie erinnerlich, am 7. Juli 1909 vor dem Schwurgericht am Berliner Landgericht I statt. Die Verhandlung wurde aber infolge der Anfälle, die der Fürst im Verhandlungssaal erlitt, auf ungewisse Bett vertagt. Bald nach der Verhandlung hatte sich der Fürst nach einem furzen Aufenthalt in Liebenberg nach Gastein begeben, wo er auf Veranlassung der Ober­staatsanwaltschaft beobachtet wurde. Als der Fürst pon dieser Maßnahme erfuhr, brach er plößlich seine kur in Gastein ab und kehrte nach Berlin zurück. Auf An­trag der Oberstaatsanwaltschaft wurde damals die Kau­tion von 100 000 Mark, gegen die der Fürst aus der Haft entlassen worden war, auf 500 000 Mark erhöht. Auf die dagegen eingelegte Beschwerde der Verteidigung hob das Kammergericht später diesen Beschluß mit der Maßgabe auf, daß nach der Rückkehr des Fürsten die Gründe für eine Erhöhung der Kaution in Fortfall ge­fommen feien. Bald darauf, im August 1910, erfolgte die Sistierung des Verfahrens gegen den Fürsten auf die Dauer von zwei Jahren. Während dieser Zeit sollte der Fürst auch von allen gerichtsärztlichen Untersuchun­gen verschont bleiben.

Bu diefer Mitteilung bemerkt Wolffs Telegr. But reau: Die vorliegende Nachricht entspricht nach unferen Erkundigungen den Tatsachen. Es ist jedoch hinzuzufit­gen, daß auch deutsche Forderungen prinzipieller Natur, auf die von Deutschland nicht veraichtet werden tann, in Frage stehen. Dies ist in dem Herrn Cam bon als Antwort auf einen Brief des Botschafters fibergebenen Schreiben des Staatssekretärs ausaedrückt. Doch haben beide Unterhändler für praktisch befunden, sich mit ndlich über die noch bestehenden Meinungs­verschiedenheiten zu unterhalten und nach einer assung der einzelnen Punkte zu suchen, die geeignet ist, die beiderseitigen Auffassungen, die zum Teil nur in der Form divergierten, etnander anzunähern.

Nach Stolypins Tode.

Stolypin liegt mit einer weißen Uniform bekleidet im Sarge. Heute soll die Leiche vom Krankenhause nach derLawra- Kirche überführt werden und wird am Freitag nach dem Willen des Verstorbenen auf dem Petfchersf­Friedhofe bet Stew beigesetzt. Alle Aemter, Schulen und Theater sind geschlossen. Es wird jetzt bekannt, daß Stolypin in Gegenwart seiner Gemahlin zu den Aerzten fagte: Lassen Sie das, meine Herren, ich weiß, daß ich dies nicht überlebe."

Ferner meldet uns der Draht heute zum Tode Stolypins:

Petersburg, 20. September. Zahlreiche einge­gangene Meldungen beweisen, daß das tragische Ende des Ministerpräsidenten Stolypin überall eine erschitt­ternde Wirkung hervorgerufen hat. In den Kirchen werden Bittgottesdienste zelebriert. Nach Stew reisen zahlreiche Deputationen, um Kränze am Sarge Stoly­pins niederzulegen. Die Witwe des Ermordeten er­hält fortwährend Beileidstelegramme. Der Kaiser Iteß am Sarge Stolypins ein Kreuz aus weißen Blumen niederlegen.

Petersburg, 20. September. Heute fand eine Versammlung der vier national- monarchischen Organt­fationen statt, in der folgende Resolution angenommen wurde: Eine Abweichung von den russisch- nationalen Prinzipien hieße gegenwärtig den Terror aufmuntern. Petersburg, 20. September. Der Tod Stoln­vins machte auf das Zarenpaar, besonders auf die Barin, einen erschlitternden Eindruck. Der Zar wollte anfangs der Beifebung Stolypins beiwohnen, doch die hochgradige Nervosität der Zarin machte die schleunige

Die Reimstagserfazwahl in Düsseldorf. Abreise nach Livadia nötig.

Am Dienstag fand in Düsseldorf etne Reichstags= erfazwahl für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Dr. Kirsch statt. Es erhtelten Haberland( Soz.) 83 812, Dr. Friedrich( Bentr.) 29 076 Stimmen. Hertenrath( nationale Vereinigung) 3138, Dr. Brettschetot( demokratische Vereinigung) 3510 und Choztszewski( Pole) 271 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen Haberland und Dr. Friedrich statt.

Der Wahlkreis ist fett 1871 ununterbrochen im Be­fiz des Zentrums gewesen. Bei den Wahlen des Jah­res 1907 näherte sich die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen denen des Zentrums erheblich. Im Haupt­gange erhielt der Sozialdemokrat 25 389, der Bentrums­fandidat 29 259 Stimmen, während auf den National­Itberalen 14 664, auf die freisinnige Vereinigung 593, auf den Polen 268 Stimmen entfielen. In der Stich­wahl stegte das Zentrum mit 33 317 gegen 25 233 Stim­men. Der zu 69,5 v. H. fatholische Wahlkrets zählt jetzt 102 993 Wahlberechtigte gegen 84 244 im Jahre 1907. Die Liberalen wollten diesmal von eigenen Kandida­turen absehen. Die demokratische Vereinigung, die Po­len und ein deutsch- nationaler Wahlausschuß waren zwar mit eigenen Nominierungen vorgegangen, doch waren diese lediglich zähltandidaten, so daß der etgent­liche Wahlkampf sich zwischen dem Zentrumsmann Bankdirektor Dr. Friedrich und dem fozialdemokratt­schen Parteisekretär Haberland abspielte. Der Beschluß der Liberalen wurde von der etnen Seite als Unter­stützung des Sozialdemokraten, von der anderen als folche des Zentrums aufgefaßt.

Die Kranke nickte stumm, dann schied der König. Beate war jung, thre Lebenskraft noch immer groß. Noch einmal sah ste den Morgen tagen und darauf den Tag in Dunkelheit versinken. Dann war auch ihr schwaches Lebensflämmchen ausgebrannt, das Licht mußte erlöschen. In der folgenden Nacht starb Beate von Brühl. Malzahn hielt sie während des Todes= kampfes in den Armen, empfing ihr letztes Lächeln, th= ren lezlen Seufzer.

Er war es auch, der dem Könige die Todesnachricht überbrachte...

Im Palais Mocyinsti ging es lebhaft her. Adjutanten kamen und gingen, Kuriere wurden ab­gefertigt, vor der großen Pforte schnoben gesattelte Roffe...

Der König befand sich im Aufbruch. Er rüstete zum neuen Feldzuge. Vier Heeressäulen, von denen er eine zu führen gedachte, sollten gen Böhmen vorge­schoben werden. Prag hieß die Losung. Die alte Kö­nigstadt sollte genommen, auf den Toren des Hrad­schins die preußische Flagge gehtßt werden.

Malzahn, der soeben aus einer Kammer getreten war, wo er nur ersterbende Seufzer von zitternden Lip­pen gehört, wo nur die geheimnisvollen Flügel des Todes gerauscht, fühlte sich hier wieder vom Strome des Lebens umbraust. Der flutete vorwärts. Vorwärts hieß die Losung.

Er ließ sich beim Könige melden, und dieser gab Befehl, ihn sofort vorzulassen.

Drahtnachrichten und Deuestes.

Der nationalliberale Parteitag verschoben. Goburg, 20. September. Der für den 8. Of­tober hier anberaumte nationalliberale Partettag ist verschoben worden, weil der Reichstagsabgeordnete Baffermann verhindert ist, den angekündigten Vortrag über die politische Lage zu halten.

Englische Spione in Emden?

Emden, 20. September. Gestern abend wurden von der Kriminalpolizei im hiesigen Außenhafen zwet Personen verhaftet, die den Verdacht der Beamten er= regten. Wie verlautet, handelt es sich um zwet englische Offiziere, die auch ihre Namen angegeben haben sollen. Ihre Jacht liegt in einem holländischen Hafen. In threm Besitz befand sich ein Photographenapparat mit drei entwickelten Blatten, die drei Aufnahmen vom Emdener Hafen darstellen. Der Apparat und die Plat­ten wurden beschlagnahmt.

Tod in der Sommerfrische. Hirschberg, 20. September. In Hermsdorf stürzte der dort in der Sommerfrische wellende Gerichts­affiffent Grunow aus Graudenz vom Dache des Hauses in einen Graben. Er war sofort tot.

Reserve- Polizeibeamte in London.

London, 20. September. Das Ministerium des Innern hat an die höheren Polizeibeamten eine Ver­fügung erlassen, einen genauen Plan zur Einschreibung von Personen anzufertigen, die willens find, im Falle der Not als Spezialpolizeibeamte zu dienen.

Mit Teilnahme vernahm Friedrich die Nachricht von dem Hinscheiden der jungen Gräfin. Eine weiche Regung bemächtigte sich seiner. Eine kurze Pause ent­stand.

,, Malzahn," begann der König, ich sehe es Ihm an, es ist Ihm bitter weh ums Herz. Ich kann Ihn nicht trösten, wenn ich auch wollte. Jeder muß mit fetnem Schmerz allein fertig werden, das ist Schicksals= gebot, dem man sich fügen muß. Nun habe ich Ihn be= reits neulich gefragt, ob Er eine Bitte hätte, die ich Ihm erfüllen könnte. Ich würde Ihm gern zu Willen sein. Sprech Er frei heraus, Malzahn, ich höre."

Malzahn aber entgegnete: Majestät, hätte ich eine Bitte gehabt, so ist diese durch das Hinscheiden der jun= gen Gräfin hinfällig geworden. Majestät mögen sich mir in feiner Weise verpflichtet fühlen. Ich spreche wie fie, die jetzt den himmlischen Frieden gewonnen hat: Ich war nur ein Werkzeug in der Hand höherer Mächte."

Der König maß ihn mit einem ernsten Blicke. " Wohl gesprochen, Malzahn! Und weiß Er was? Ich glaube, jeder von uns Menschen sollte das denken und danach handeln. Das ist mein Regierungsgrundsaz, und ich denke, Preußen steht sich gut dabet....

Ende.