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Geldgeschäfte von Kavalieren.

Aus Berlin schreibt man uns: Der abgebrochene Brozeß gegen den Grafen Wolff- Metternich und der Brozeß ichthofen haben wieder einmal wenig erfreu­Itche Zustände beleuchtet, die in gewissen Kreisen der Lebewelt herrschen. Das Geld bildete beide Male den Hintergrund des Dramas. Aber dieses Thema wurde betde Male recht verschieden abgewandelt. Dort hieß es: Wie fommt ein Ravalier zu Geld? und hier: Wte hilft ein Kavalier einem anderen aus der Geloverlegen­hett? Die Antworten, die die Prozesse auf diese Fragen erteilten, sind aber in beiden Fällen recht beschämend, das elue Mal für das Bürgertum, das andere Mal für den Adel. Im Falle Wolff- Metternich sahen wir, wie der Stlang des gräflichen Namens überall den Kredit und die Börsen von Kaufleuten und Lieferanten öffnete, die sich durch die gräfliche Kundschaft hochge­ehrt fühlten. Jeder Graf erhält bei mir Kredit", so erflärte ein Beuge, und so denken und handeln noch viele andere staufleute. Es braucht auch nicht immer ein hochtönender Name zu sein: auch die Uniform ge­nügte schon. Bet dem Einjährigen fängt es an, der in allen Geschäften in der Umgebung der Kaserne einen beschränkten Kredit genießt. In noch höherem Maße genießt natürlich der Offizier diesen Kredit, und beson­ders wenn zu der Uniform auch noch der Name hinzu­tritt.

schließe. Seiner Ansicht nach seien die Hausbefizer nicht berufen, den Streit zwischen Industrie und Hansabund zu kritisieren. Eine Reihe von anderen Rednern da gegen sprach gegen den Hansabund; der Beitritt zum Hansabund beeinträchtige die Geschlossenheit der Haus­befizerorganisationen. Es wurde schließlich von einer Beschlußfassung über die vorgeschlagene Entschließung abgesehen.

Ueber die Entwicklung des Preisniveaus der wich­tigsten Nahrungs- und Gebrauchsmittel veröffentlichen die Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" eine Untersuchung, in der eine allgemeine Steigerung des Preisniveaus bestritten und auf Grund der deut­schen Reichsstatistik für 1910 u. a. ausgeführt wird: Die Getreidepreise sind in diesem Jahre bedeutend zurück­gegangen, und zwar für alle Hauptarten. Nur Weizen steht noch über dem Durchschnitt von 1904/08, während Roggen und Gerste erhellich darunter gefallen sind Jedenfalls kann man daraus entnehmen, daß wir uns noch nicht in einer Phase nachhaltiger Preissteigerung des Getreides befinden, wie man vielfach nach den vor­hergehenden Jahren annehmen zu können meinte. Die Kolonialwaren haben 1910 den Durchschnittsstand von 1904/08 eingenommen, während das Rohmaterial der Textilindustrie den hohen Stand von 1907 erreicht hat und damit erheblich über die früheren Durchschnitte hinausgekommen ist. Die Metalle sind gegen die beiden Vorjahre gestiegen, bleiben aber hinter 1906 und 1907 zurück." Bei den tierischen Produkten hat dagegen eine Preissteigerung festgestellt werden können.

Ueber die Kanonenfirma Krupp bringt der Jahresbericht der Effener Handeistammer eine Menge interessanten Materials. Nach der Aufnah­me am 1. Mai 1911 betrug die Gesamtzahl der auf den Struppschen Werfen beschäftigten Personent 69 292, davon waren 8023 Beamte. Die Gesamtleistung der Firma an Bersicherungs- und Kassenbeiträgen, Unter­jiuzungen und Zuschüssen betrug im Jahre 1909 nicht weniger als 9,3 Millionen Mark. Auf der Gußstahlfa­brit in Essen waren im Jahre 1910 in etwa 60 Betrie­ben u. a. in Tätigkeit: 7500 Werkzeug- und Arbeitsma­schinen, 19 Walzwerke, 170 Dampfhämmer, 128 hydrau­lische Breffen, 435 Dampffessel, 554 Dampfmaschinen und 2952 Elettromotoren. Die Werte, soweit sie von der Gußstahlfabrik Essen versorgt werden, verbrauchten 2,9 Millionen Tonnen Kohlen, davon förderten die eigenen Zechen 2,4 Millionen Tonnen. Für die Was­serversorgung wurden aus vier eigenen Werten 14,2 Millionen Stubikmeter Wasser gefördert und 2,8 Millionen Kubikmeter aus der Wasserleitung der Stadt Effen entnommen. Das Gaswerk der Gußstahlfa­brit hat im Jahre 1910 im ganzen 18,8 Millionen Ku­bifmeter Gas geliefert; diefes Gaswerk nimmt in der Erzeugung die 11. Stelle im Deutsajen Reiche ein. Die Stadt Elberfeld hat in derselben Zeit 18,7 Millionen Kubikmeter verbraucht. Das Fernsprechnetz der Guß­stahlfabrik umfaßte 626 Anschlüsse und 568 Kilometer Leitung; täglich werden 8000-9000 Gespräche geführt. Das Telegraphennes der Gußstahlfabrik enthält 22 Stationen mit 34 Morse- Apparaten und 90 Kilometer Leitung; in der Verbindung mit dem kaiserlichen Tele­graphenamt Essen wurden 26 500 Depeschen gegeben und angenommen. Zur Konsumanstalt der Guß­stahlfabrik gehören 95 Verkaufsstellen für Fleisch, Brot, Wein, Kolonial-, Manufattur, Kurz, Schuh-, Eisen= waren und Hausgeräte, 32 Ausgabestellen für Kartof= feln, Kohlen, Stroh, Eis usw., 11 Bierhallen, 13 Kan­Hnen, 3 Kaffeefchenten, awet Schlächtereten, je eine Dampfbäckeret, Mühle, Eisfabrit, Birstenfabrit, Tit­tenfabrik, Kaffeebrenneret, Schuhmacherwerkstatt und Blättanstalt und zwei Schuelberwertstätten. Am 1. Ja­nuar 1911 waren in der stonsumanstalt allein 1378 Ber­sonen beschäftigt. Diese wenigen Zahlen geben ein Bild von der gewaltigen Vielseitigkeit in der Organt­fation des Kruppschen Werkes.

Auch der Frhr. v. Richthofen, der sich wegen des Duells, bet dem sein Gegner v. Gaffron den Tod fand, vor dem Kriegsgericht zu verantworten hatte, hat ficherlich die Erfahrung gemacht, wie leicht ein Garde­Ulanenoffizier Stredit erhält. Bald aber zeigte sich die Kehrseite der Medaille. Die fleinen Böstchen unbezahl­ter Rechnungen und sonstiger Verbindlichkeiten schwol­len allmählich zu der stattlichen Summe von 25 000 M. an. So weit war das die normale Entwickelung, wie wir fie in allen Offizterstragödien sehen. Nun aber schiebt sich hier eine Gestalt ein, die hoffentlich als eine Ausnahme zu gelten hat: der Kavalier als Helfer in der Not. Um sich seine drückenden Schulden mit einem Male vom Halfe zu schaffen, nahm Frhr. v. Richthofen die Hilfe eines Standesgenossen in Anspruch, des Ma­lers Wilhelm v. Gaffron. Es fonnte diesem weder dte Ulanenuniform noch der freiherrliche Name als Sicher­helt genügen. Das wird ihm niemand übel nehmen; es wäre im Gegenteil besser, wenn auch im Bürgertum allgemein der Grundsaß zum Durchbruch fäme, daß auch ein Offizier auf seine Kreditwürdigkeit geprüft werden muß. Auch fitr das Offizierforps felbft wäre es besser, da dann manches leichtsinnige Schuldenmachen unter­bleiben würde. Daß sich also Herr v. Gaffron für das Darlehen, daß er seinem jungen Freunde gab, eine St­cherheit geben ließ, war nur in der Ordnung. Bedenk­Ich war dabet aber, daß er sich für die 25 000 M, die er gab, 40 000. verschreiben ließ. Durch die am Mittwoch stattgefundene Verhandlung vor dem Kriegsgericht muß als festgestellt gelten, daß Herr v. Gaffron in der Tat ursprünglich die Absicht gehabt hatte, bei dem Geschäft 15 000 zu verdienen. Wenn er sich später dazu be­quemte, sich mit den landesüblichen Zinsen zu begnu­gen, so geschah dies nur unter starfem äußeren Druck.

Das Bild des Angeklagten v. Richthofen hat sich durch die Kriegsgerichtsverhandlungen zu seinen Gun­sten verändert. Wenn unmittelbar nach dem Duell die Sache so dargestellt wurde, als ob Frhr. v. Richthofen seinen väterlichen Freund zuerst unter Bruch seines Ehrenwortes verleumdet und dann über den Haufen geschossen habe, so fällt diese Anklage in sich zusammen. Was übrig bleibt, ist die alte Geschichte: ein flotter junger Offister, der Schulden macht und der für seine Ehre in der in seinen Seretsen üblichen Weise mit der Pistole in der Hand eintritt.

Das Urteil gegen Richthofen.

Die Legionäre in Marokko.

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" Kompensationen, die keine find". Unter diesem Titel widmet die Nationalliberale Korrespondenz" dem mehrfach erwähnten Artikel der Kölnischen Zeitung" über die Deutschland von Frankreich einzuräumenden Kompensationen in Afrika eine längere Erörterung, die zu folgendem Schluß gelangt: Wir stehen allerdings auf dem Standpunkte, daß wirkliche Gegenwerte in diesem Fall schwer denkbar sind und daß Maroffo nur durch und in Marokko selbst kompensiert werden kann. Uns mit einer Gebietserweiterung im Hinterlande von Ka­merun und am Tschadsee abfinden zu wollen, kann doch nur als ein schlechter und bei dem Ernst der Situation ungehöriger Scherz gelten. Aber dem Verlangen, zu­nächst einmal Ort und Umfang der anderweitigen Ent­schädigung abzuwarten, kann die Berechtigung nicht ab­gesprochen werden. Wappnen wir uns also mit Ge­duld. Wir sind die letzten, ein Vergnügen darin zu finden, wenn wieder einmal ein deutsches Zurückweichen den Respekt vor uns mindert. Indessen hat Herr von Kiderlen die Mittel an der Hand, es dazu nicht kommen zu lassen."

In der Kreuzzeitung" schreibt Dr. von Paven= Algier über die Fremdenlegion: Die Fremdenlegion, die erst in letzter Zeit Gegenstand des öffentlichen Inter­esses gewesen ist, hat durch die Rolle, die sie augenblick­lich in den marokkanischen Wirren spielt, wiederum die Augen Europas, vor allem Deutschlands, auf sich gelenkt, weiß man doch, daß eine große Anzahl Deut­scher sich in ihren Reihen befinden, die jetzt, den Fahnen Frankreichs folgend, die ganze Schwere eines traurigen Schrittes büßen müssen. Kurz vor dem Abmarsch der beiden Regimenter Etrangères in den Krieg habe ich sie in ihren Garnisonen im Departement Oran und in der Sahara aufgesucht. Btele, sehr viele deut­sche Legionäre habe ich dabet kennen gelernt, denn wfe groß der Prozentsatz der Deutschen in der Legion ist, das ist mir erst bet dieser Gelegenheit so recht zum Bewußtsein gekommen; gibt es doch Kompanien, in denen sich 90 v. H. Deutsche befinden! Jetzt sind sie alle hinausgezogen in den Krieg, um dort als Kanonen­futter verwendet zu werden. Bei dem ersten ernst­haften Gefecht, das die französischen Truppen zu be­stehen hatten, war nur die Legion engagiert, und von den 31 Toten oder ihren Verlegungen Erlegenen waren 12 Deutsche. Frankreich weiß wohl den Mut und die Pflichttreue der Legionäre zu schätzen, und um seine eigenen Landesfinder zu schonen, überläßt es den Etran­gères den schlimmsten Teil.

Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen Leutnant von Richthofen wegen Tötung des Wealers v. Gaffron tm Duell hat am Mittwoch in Berlin stattgefunden. Richthofen wurde zu einer Festungshaft von awet Jahren verurteilt. In der Begründeng heißt es: Es fet durch die Verhandlung als festgestellt anzu­seben, daß das Verhalten des Herrn v. Gaffron nicht einwandfret gewesen set. Er habe nicht als Kavalier gehandelt, als er dem Herrn v. Richthofen 25,000 Mart Iteh und dafür 40 000 Wiart zurückverlangte. Seine Be­hauptung, daß ein Geheimvertrag zwischen ihm und dem Angeklagten bestanden habe, und daß er den noch feh­lenden Rest des Geldes zu einem späteren Termin zahlen würde, set nicht als glaubhaft anzusehen. Das gegen fet es als erwiesen zu betrachten, daß Freiherr v. Richthofen nicht sein Ehrenwort gebrochen und auch nicht daran schuld gewesen set, daß der Ruf des Herrn v. Gaffron gelitten habe. Daran fet in erster Linie der Verstorbene selbst schuld durch seine Handlungsweise. Der Verfitch, die Bedingungen des Zwetkampfes zit er Teichtern, fel auch an dem Widerspruch des Herrn von Gaffron und nicht an dem Richthofens gescheitert. Aus allen diesen Gründen habe das Gericht das obener­wähnte, nelinde Urteil gefällt.

20)

Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

( Nachdruck verboten.)

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Französische Phantasien. Unter der Ueberschrift " Eine neue Kolonie in Agadir" bringt, wie wir dem " B. T." entnehmen, das Echo de Paris" folgende Nach­richt aus Mogador: Der deutsche Konsularagent Maur unternahm bet 45 Grad Hitze im Schatten eine Reise nach Agadir. Handlungsreisende und deutsche Jour­nalisten haben sich seit einigen Tagen in Agadir nieder­gelassen. Sie sind drei Unternehmern der Mannes­manngesellschaft gefolgt, die dort unten auf einem wei­ten, vollständig leeren Gebiet eine deutsche Kolonie ge­gründet haben. Die Offiziere der Berlin" haben im Hafen von Agadir Lotungen vorgenommen und fertigen eine Seekarte an." Die Nachricht von der Gründung einer neuen deutschen Kolonie bei Agadir ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen.

Hausbesitzer und Hansabund. Im Rahmen des zurzeit in Chemnitz tagenden 33. Deutschen Hausbe­fizertages kam es auf einer am Dienstag abend abge= haltenen Versammlung des neugegründeten Deutschen Hausbesitzerbundes zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Frage, ob die Hausbefizer sich dem Hansabund anschließen sollen oder nicht. Syndifus Dr. Tille- Saar­brücken machte wiederholt Angriffe auf den Hansabund und legte der Versammlung eine Entschließung vor, in der es heißt: Der Bund Deutscher Hausbesitzer begrüßt den Austritt der Industrie aus dem Hansabund und ote Schaffung eines neuen politischen Berufſtandbundes des Gewerbes und Handelstandes durch dieselbe." Die­sen Ausführungen trat Rechtsanwalt Weingart- Mann­Heim entgegen und bestritt auch, daß der Hansabund die Hausbesitzer aus seinen lettenden Stellungen aus=

Ob Frau Uchatscheff den Blick Alfreds fühlte? Ihre Augen trafen die seinen nur während einer Sekunde, dann sah sie wieder auf die Bühne. Er glaubte kaum, daß sie ihn erkannt hatte; viele Jahre lagen ja zwischen dem Einst und Jeßt. Alfred dachte an ihren fleinen Streit am Tage vor ihrer Abreise.

" Dein Bruder ist ein recht unangenehmer Mensch," hatte sie zu Eva gesagt. Grotenbach mußte lächeln, so deutlich sah er Karla vor sich, den hübschen, troßigen Mädchenkopf mit dem langen Zopf, die ganze sterliche, anmutige Erschtenung.

Wie wenig war davon übrig geblieben!

Das Konzert war zu Ende, das Haus Teerte sich, Grotenbach stand am Ausgang des Theaters, da schritt Karla, in thren prächtigen Fuchspela gehüllt, an ihm vorbet, sie schien otel größer au sein als das Kind, an das er eben dachte.

Kleine Nachrichten.

Der Dampfer Kronprinzessin Gecille" hat auf fets ner letzten Jahr nach Neuport einen neuen Reford aufgestellt. Er hat für die Fahrt von Bremerhaven über Southampton und Cherbourg nur 5 Tage 14 Stunden und 15 Minuten gebraucht und damit bei einer Durch­schnittsgeschwindigkeit 23,37 Knoten alle deutschen Ozeanrekorde geschlagen.

feine Mutter ist sehr häuslich und verläßt den Kleinen nur ungern, sie ist in der russischen Gesellschaft beinahe fremd geblieben, thre Interessen gehen auch zu weit aus­etnander. Wissen Sie übrigens, daß Frau Uchatscheff sehr schön die Geige spielt?"

" Der Schliffent für Frau Uchatscheff," rief der sie begleitende Diener.

Ein feuriges Dreigespann brauste heran, im näch sten Augenblick eilten die Rappen schellenklingend über den Schnee.

" Seltsam," dachte Grotenbach, warum ist thr Mann nicht bet thr, um mit ihr heim zu fahren?"

Alfred bejahte. Er sah im Geiste den Musiksaal im Strandhof, Eva saß am Klavier und Klara steht da­neben, den Kopf zur geliebten Geige geneigt, der sie eine fitße Melodie entlockte.

Reichstagsabgeordneter Liebermann von Sonnens berg ist in Hamburg schwer erfrankt. Er wird nach Berlin gebracht werden.

Frau Uchatscheff ist schon lange zu Hause angefom­men in dem großen, schönen Palast am Newakat; sie hat im Vorzimmer schnell die warmen Hüllen abgelegt und fragt den herbeleilenden Diener:

Eine halbe Stunde später saßen der Advokat Rein­hard, ein Balte, und Alfred Grotenbach an einem Tisch­chen in einem feinen Restaurant; die Rede kam wieder auf die Uchatscheffs. Was der junge Arzt hörte, be­stätigte seine Vermutung, daß Karla in ihrer Ehe eine Nete gezogen hatte.

" Haben Uchatscheffs Familie?" fragte Grotenbach. " Ja, ein zweijähriges Kind, etn kränklicher Knabe;

" Wie geht es Nicolat?"

Der erfte Ueberlandflug in Südafrika wurde gestern von dem Schweizer Luftschiffer Spelterini angetreten. Er wird bet seinem Fluge von Automobilen und Gen­darmerie verfolgt. Allerorts sind die Behörden beauf­tragt, bei einer Landung Hilfe zu leisten.

Ein japanischer Spion? Auf dem bayrischen Trup­penübungsplaße Hammelburg wurde durch einen Bo­ften ein japanischer Major, der dem Artillerie- Reserve­regiment augeteilt war, dabei betroffen, wie er nachts mit einer Blendlaterne die. neuen Rohrrücklaufgeschlitze untersuchte. Er wurde durch den Posten festgenommen.

Er schläft, gnädige Frau," lautete die Antwort. Niclat heißt Karlas Söhnchen. Sie eilt durch die vielen Zimmer, die so Iugurtös eingerichtet sind, und in denen sie doch friert, wie sie ihrer Mutter im ersten Jahre. threr Ehe schrieb. Nun steht sie am Gitterbett­chen ihres Knaben; sie beugt sich über ihn und legt die Hand auf seine wachsbleiche Stirn. Er scheint nicht mehr zu fiebern," sagte sie leise.

fell laden zum Sthen oder Ausstrecken ein. Ein Kleid aus weicher, cremefarbener Wolle umschließt in weichen Falten die Gestalt der jungen Frau, ihr reiches Haar fließt gelöst in seidiger Fülle fast bis zu den Knien. " Sie können gehen, Katharina, ich brauche Ste nicht mehr," sagte Karla freundlich zu ihrer Kammerfrau.

Sie ist am Bett des Kindes niedergesunken und hat den Kopf an den Rand gelegt; eine weiche Stimmung hält sie umfangen. Ist es die Nachwirkung des Kon­zertes? Jeder Puls in thr vibriert, ihre stolzen Schul­fern zuden, sie weint, hoffnungslos, unhörbar, wie Menschen weinen, die ihr Leid verbergen, weil sie nicht bemitleidet sein wollen.

Diese gütige Herrin wird von allen ihren Unter­gebenen geliebt. Im Nebenzimmer weint der kleine Knabe, kläglich, schwach, so wie solche elende Geschöpf­chen weinen. Karla hebt thr Kind aus dem Bett und hält es auf dem Arm; das abgemagerte Körperchen Kol­fas( Abkürzung für Nicolat) schmiegt sich an sie, er stret­chelt mit den heißen Händen das Geficht seiner Mutter und seine unnatürlich großen Augen lächeln sie freund­lich an. Mein kleiner Junge, mein alles," sagte Karla innig. Ste spricht nur deutsch mit ihm, zum erger thres Mannes, der sie wegen ihres schlechten Russisch aus­lacht. Er ist wieder eingeschlafen, gnädige Frau," ſagt die Wärterin, nachdem Karla das Kind in sein Bettchen zurückgelegt hat. Leise geht Frau Uchatscheff in thr Zimmer, thr Herz bleibt in der matterhellten Stube des Knaben.

" Ich weiß nicht, was mir heute ist," denkt sie auf­stehend und die blauseidene Steppdecke höher fiber den fleinen Schläfer ziehend.

Eine alte Wärterin kommt aus dem Nebenraum. Frau Uchatscheff wechselt einige Worte mit ihr und geht in das Zimmer, das neben der Kinderstube liegt; dort erwartet ihre Kammerfrau sie, ein helles Feuer brennt im Kamin, niedere Sefsel und ein großes, weißes Bären­

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Als Frau Haideck vor zwei Jahren ihre Tochter besuchte, wurde ihr das zur Gewißheit, was sie gefürchtet hatte; sie sab, daß Karla einsam an der Seite fenes Mannes war, der in nichts zu thr paßte, deffen Cha­rafter aus Oberflächlichkeit und Selbstfucht bestand und voll knabenhafter unreife war. Nicht immer fühlte Karla den Schiffbruch ihres Lebens gleich deutlich; es gab Tage, wo sie weniger Ittt; eine dumpfe Gleichgültig­feit bemächtigte sich ihrer und sie glaubte Ergebung in ihr Schicksal zu finden. Uchatscheff legte sich keinen Zwang an, er war sehr heftig und reizbar, betm ge­ringsten Anlaß brauste er auf und ließ sich gehen.(&. f.)

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