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geändert, weil er, obendrein irrigerweise, annahm, die Gül­Hotelt der Karte fet erloschen. Er wollte anscheinend da­burg der Mühe entgehen, ein Formular für eine neue Rarte aus Weißenfels au holen und zum Amtsvorsteher fragen zu müssen, auch wohl die Kosten dieses Formulars m Betrage von 10 Pfennig ersparen. Sein Vorgehen Brachte ihn vor das Schwurgericht in Naumburg unter der Antlage der Fälschung einer öffentlichen Urkunde, unter­nommen zu dem Zweck, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen(§ 268 des Strafgesetzbuches), worauf selbst bei Annahme mildernder Umstände als Mindeststrafmaß dret Monate Gefängnis stehen. Der Vertreter der Staatsan­waltschaft beantragte Schuldigsprechung unter Bewilligung mildernder Umstände, wobei er übrigens die Befürwortung eines Begnadigungsgesuches in Aussicht stellte. Der Vertei diger erklärte, fich nur den Ausführungen der Staatsan­waltschaft anschließen zu können. Die Geschworenen kehr­ten nach kurzer Beratung zurück und beantragten die Stellung einer weiteren Frage auf Fälschung eines Legi= timationspapiers zwecks besseren Fortkommens( worauf nach§ 363 Haft oder Geldstrafe bis zu 150 Mark steht). Der Gerichtshof gab diesem Antrage statt. Der Staats­anwalt führte hierauf aus,§ 363 fönne hier nicht in Be­tracht kommen, denn nach einer Entscheidung des Reichsge= richts müsse es sich dabei um besseres Fortkommen im all­gemeinen handeln, nicht zu einem speziellen Zweck wie Radfahren. Auch der Verteidiger erklärte, von seinem Standpunkt als Jurist aus nicht für die Anwendung von 363 auf den vorliegenden Fall eintreten zu können. Die Geschworenen verneinten die Frage auf Urkundenfälschung und bejahten die Frage auf Fälschung eines Legitimations­papiers. Der Gerichtshof erkannte auf 30 Mart Geld­Strafe.

Vermischtes.

Der Kaiser und der Berliner Zierpart. Der Kaiser besuchte gestern den Hagenbeckschen Tiergarten in Stellin­gen und begab sich dann mit dem Inhaber Karl Hagenbed und seinen Söhnen in das Kontor, wo ihm das Projekt des Berliner Tierpartes vorgelegt und eingehend bespro chen wurde. Der Kaiser, der erklärte, daß er diesem Pros jeft sehr sympathisch gegenüberstehe, betonte noch, wie das B. T." zu melden weiß, daß der Berliner Tiergarten in der Jungfernheide gerade das sei, was er sich für sein Volf wünsche. Der Arbeiter geniere sich, in den Berliner Zoologischen Garten zu gehen, weil ihm der zu vornehm fet. Sie wissen gar nicht, entgegnete er Karl Hagenbed, wie man mich bearbeitet und gegen Ihr Projekt einzu­nehmen versucht hat. Aber schließlich weiß ich ja selber doch am besten, was ich will und vor allem, was der breiten Masse des Volkes fehlt. Der Kaiser, der wiederholt ein liberaus reges Interesse an der Berliner Schöpfung fund gab, sagte, daß er sich ganz energisch für das Zustande= lommen ins Zeug legen werde. Für den Fall, daß Karl Hagenbeck nach Berlin kommen werde, solle er zu ihm, dem Kaiser, kommen und ein paar Tage bei ihm bleiben.

Ein peinlicher Zwischenfall beim Posener Concours hippique. Im Weinrestaurant der Ostdeutschen Ausstel­lung in Posen spielte sich nach einer Meldung des Berliner L.- Anz." am Sonntag eine häßliche Szene ab. An diesem Tage fand nachmittags auf dem Rennplage ein vom Po­[ ener Rennverein veranstalteter Concours hippique statt. Leiter der Veranstaltung war der Kommandeur eines Po­sener Regiments. Auf dem Programm stand auch ein Damenreiten. Kurz vor Erefutierung dieses Rennens traten einige Damen der Gesellschaft an den Leiter des Concours hippique heran und erklärten, daß, wenn eine näher bezeichnete Dame am Damenreiten sich beteilige, sie nicht mitreiten würden. Gemeint war eine Dame, die fich vor einigen Jahren in der Deffentlichkeit unliebsam bemerkbar gemacht hatte. Der Leiter der Rennen strich infolgedessen den Namen des Fräuleins von der Teilneh­merliste. Nach beendetem Rennen versammelten sich die Teilnehmer in einem Weinrestaurant. Erschienen war auch das ausgeschlossene Fräulein. In einem ihr geeignet erscheinenden Moment trat sie an den Regimentskomman­deur heran und verlangte Aufklärung, weshalb sie am Damenreiten nicht teilnehmen durfte. Der Offizier er­widerte, er halte den gegenwärtigen Augenblick und Ort nicht für geeignet, die gewünschte Aufklärung zu geben. Darauf attatierte die schlagfertige Dame den Gegner mit einem Schirm. Als dieser unwillkürlich an den Degen griff, zog die Dame eine geladene Pistole und bedrohte damit den Offizier. Rasch dazwischen tretende Zeugen des Vorfalles verhinderten weitere Gewalttätigkeiten.

Verzweiflungstat einer Mutter. Am Mittwoch ver­gangener Woche reiste die Frau des im Norden Berlins wohnenden Steinmetzen Kessel mit ihren beiden Knaben im Alter von drei und fünf Jahren zu ihren Eltern, den Rentiersleuten Marsch in Quedlinburg, um einige Tage dort zu verleben. Frau K. litt seit längerer Zeit an einem Halsübel und stand in ärztlicher Behandlung. Auf Be­treiben ihrer Eltern suchte sie am Sonnabend einen Arzt in Quedlinburg auf, der nach längerer Untersuchung fest­stellte, daß das schwere Leiden der Frau unheilbar sei. Die Frau war darüber so verzweifelt, daß sie gestern gemein­sam mit ihren Kindern den Tod in den Fluten der Bode suchte und fand.

Präsident Tafts Silberhochzeit. Im Weißen Haus zu Washington feiert Präsident Taft im Kreise der Seinen Mancherlei mit seiner Gemahlin die silberne Hochzeit. Ehrungen waren ihm, zugedacht, doch hatte Taft auf sie verzichtet. Trotzdem konnte er nicht verhindern, daß aus allen Teilen des Landes zahlreiche Geschenke, darunter recht wizige Aufmerksamkeiten parlamentarischer Freunde, ein­getroffen sind. Die Regierung wird ihm durch eine Son­derkommission ihre Glückwünsche ausdrücken lassen.

Einen seltenen Jrrgast fann man zurzeit an den Ufern der zahlreichen Fischweiher in der Nähe Frankenthals in der Pfalz beobachten. Es ist ein ausgewachsener Fla­mingo von ungefähr 1,50 Meter Höhe, rosenrot, mit pur­purnen Flügeln, schwarzen Schwingen und roten Füßen. Schon früher zeigten sich in dieser Gegend, am Rhein, sel­tene Vögel, beispielsweise Seeadler und Pelikane, wurden aber von wenig einsichtsvollen Jägern weggeschossen. Hof­fentlich erlebt der rosenrote Gast nicht dasselbe Schicksal. Denn einen Flamingo zu erlegen, ist gewiß ein sehr billiger Ruhm.

Die türkische Studienkommission, die, wie gemeldet, am Sonntag in Berlin eingetroffen ist, besuchte am Montag Dormittag in Automobilen das Gelände des Luftschiffer­bataillons im Norden von Berlin. Gleich nach der Ankunft der Türken rückte eine feldmäßig ausgeführte Fesselballon­abteilung in gestrecktem Galopp auf das Gelände und führte einige feldmäßige Uebungen mit Füllung und Aufstieg des Drachenfesselballons vor. Besonders imponterte den Her­ren die große Geschwindigkeit, mit der die stählernen Gas­wagen anführen und die Füllung des Ballons vor sich aing. Vom Ballon aus wurden Telephon- und Funken=

[ pruchmanöver ausgeführt. Dann begab sich die Gesell­schaft zur großen Ballonhalle, wo ihr der gerade umge­baute Militärluftkreuzer M I" erklärt wurde.

Ein Hageltorn von 44 Millimeter Dide ist während des großen Unwetters, dessen Mittelpunkt Triest war, in Mailand bei einem Hagelsturme gefallen. Es sind Hagel­förner von 10, 20, ja selbst 32 Gramm beobachtet worden, und dieses größte hatte einen Durchmesser von 4,4 3enti­metern. Dieses Riesentorn ist genau untersucht worden. In einem Querschnitte zeigte sich, daß die äußerste Schicht an der unregelmäßig gestalteten Oberfläche aus hartem, durchsichtigen Eise bestand, dann folgte nach innen eine etwas weichere Eisschicht von strahligem Bau, die etwa 8 Millimeter dick war. Weiter nach innen lag eine ganz weiche, 2 Millimeter dice Schicht, hierauf folgte wieder eine ganz harte, weiße, undurchsichtige Schicht von glei­cher Stärke. Es tam wieder eine weiche, noch dünnere Schicht, bis man schließlich zu dem eigentlichen Kern ge­langte, der wieder hart war. Das Hagelforn war übrigens nicht fugelförmig gebaut, sondern näherte sich der Walzen­form.

Berichte über wilde Auftritte des Aberglaubens fom­men aus Palermo. Da sich in der letzten Zeit mehrere Fälle von Pocken ereignet hatten, schrieb der Bürgermeister die Neuimpfung aller Schulkinder vor. Die Amtsärzte wurden beauftragt, von Haus zu Haus zu gehen und den Befehl auszuführen, da sonst die vielen Kinder, die der Schulpflicht nicht genügen, ohne Impfung geblieben wä­ren. Nun verbreitete sich auf unerklärliche Weise das Ge­rücht, die Regierung habe sich mit den städtischen Behörden verschworen, das arme sizilianische Volk auszurotten und zu diesem Zwecke werde den Kindern die Cholera einge­impft. Schon im letzten Herbst, als einige Cholerafälle in Palermo die Desinfektion der Straßen nötig machten, beschuldigte der Pöbel die Sanitätsleute, sie streuten die Pestkeime aus. Diesmal sand das Gerücht leider allge­mein Glauben. Die Eltern der bedrohten Kinder rotteten sich zusammen, die Amtsärzte wurden schwer bedroht, und einer fonnte sich nur durch schleunige Flucht einem sicheren Tod entziehen. Mehrere Schulhäuser wurden belagert und nachdem die Fenster und Türen eingeschlagen waren, er­stürmt und die Kinder herausgeholt. Da die Volkszählung mit dem Beginn dieser Auftritte, die noch weiterdauern, zusammenfiel, wandte sich die Volkswut auch gegen die Zählbeamten, die als pestbringende Herenmeister verschrie­en wurden und mehrfach ihr Amt nicht ausüben konnten.

Englischer Reichtum. Der Reichtum einiger Lords, so schreibt man einer Londoner Zeitschrift, läßt sich nur mit den Riesenvermögen gewisser Patrizier im alten Rom ver­gleichen. Vor mehreren Jahren schon hatten die Herzöge von Richmond, Bedfort und Southerland ein Jahresein­tommen von vier bis sechs Millionen Mark, und man sagte, daß der Marquis von Bredalbane in gerader Linie zu Pferde dreiunddreißig Stunden lang galoppieren konnte, ohne die Grenzen seines Besitzes zu verlassen! Lord Nort­hampton besitzt in London 250 Acer Landes, und der Her­zog von Westminster fast 400. Die Besizungen des Her­zogs von Norfolk aber warfen jährlich mehr als eine Mil­lion Lstr.( 20 Mill. Mark) ab.

Beilegung des Berliner Zeitungsstreifs. Zwischen den Firmen Mosse, Scherl und Ulstein und den betreffenden Buchdruckeretarbeiterverbänden ist es zu einer Einigung gekommen. Von den vor der Arbeitseinstellung tätigen 37 Maschinenmeistern sollen 30 wieder eingestellt werden, und zwar ist einer freiwillig zurückgetreten, dret andere werden vom Personal und drei andere von der Firma bezeichnet werden. Die Forderung einer Sühnegebühr von 100 Mt., die im Einigungsvorschlag enthalten war, zog die Firma Scherl zurück, nachdem die Gehilfenvertreter erklärt hat= ten, seitens der Organisation die Haftung für die Zahlung der Kontraktbruchstrafen zu übernehmen, die den 39 Ma­schinenmeistern nach dem Urteil des Schiedsgerichts aufer­legt wurden.

Ein Notschrei des gefangenen Ingenieurs Richter. Der Gouverneur von Glassona erhielt einen Brief, in dem der gefangene Ingenieur Richter fleht: Sendet keine Trup­pen, sondern Lösegeld. Ich leide schwer und werde sicher getötet, wenn meine jebigen Herren nicht folgendes erhal­ten: 50 000 fund( über 900 000 Mark), eine große und sechs kleine goldene Ketten, zwölf Brillantringe und fünf sie­benläufige Revolver. In einem Beglettbrief fordern die Banditenchefs das Lösegeld in Pfund Sterling, Napoleon= dors und türkischen Pfund und drohen, den Kopf Richters zu schicken, falls die Verfolgung andauern sollte. Der tür­fische Kriegsminister sagte einem Korrespondenten, alle Sorgen seien grundlos, da die griechischen Räuber noch feinen Fremden getötet hatten, solange sie hoffen konnten, Geld zu erpressen.

Blutige Wahlunruhen in Galizien. Aus Drohobycz in Galizien wird über einen Zusammenstoß zwischen der Bevölkerung und Militär gemeldet: Auf das Gerücht, daß für den Kandidaten Löwenstein eine große Anzahl gefälsch= ter Stimmzettel abgegeben worden sei, erfolgte nachmittags von zionistischer Seite ein Sturm auf dessen Agitations­lokal. Polizei, Gendarmerie und Kavallerie waren ohn­mächtig gegen die aufgeregte Menge, die Steine, Stühle, Biergläser und andere Gegenstände auf sie schleuderte. Herbeieilende Infanterie wurde ebenfalls mit einem Hagel von Steinen empfangen. Als die Menge trotz der Auf­forderung sich nicht zerstreute, sondern mit Steinwürfen antwortete, wurden fünf Salven auf eine Entfernung von 15-20 Schritt abgegeben. 18 Personen wurden getötet und 87 schwer verletzt, darunter mehrere Frauen. Zwei Per­sonen sind ihren Verlegungen erlegen.

Der verschwenderische Millionärssohn. Großes Aufsehen erregt in Leipzig die vor kurzem in Karlsruhe erfolgte Ver­Haftung des 21fährigen John William Hue. Dieser, der Sohn eines verstorbenen Leibarztes des Königs von Eng­land, kam vor etwa Jahresfrist nach Leipzig, um hier Ju­risprudenz zu studieren und verheiratete sich bald darauf mit der 17jährigen Tochter eines Gutspächters aus Roß­leben. Das junge Paar richtete sich dann einen geradezu fürstlichen Haushalt ein, und Hue verstand es, innerhalb weniger Monate sein etwa 4 Million Mark betragendes Vermögen in der geradezu unsinnigsten Weise zu vergeuden und außerdem noch Schulden zu machen, die nahezu 3 Million Mark ausmachen sollen. Auf Veranlassung seiner jeti in Dresden lebenden und dort wieder verheirateten Mutter wurde er schließlich unter Kuratel gestellt, aber lei= der zu spät. Als die Bank von England die hohen, von Hue in Zahlung gegebenen Schecks nicht mehr wie im An­fang honorierte, wandten sich die Gläubiger an die Gerichte. Dem jungen Pärchen wurde darauf der Boden zu heiß und es startete in seinem Privatauto nach dem sonnigen Italien. In Karlsruhe ereilte sie jedoch schon das Verhängnis. Sie wurden auf Antrag benachteiligter Gläubiger in Haft ge­

nommen.

entdeckt. Die Entdeckung ist das Ergebnis von Untersu chungen, die in Amerika und im Solinger Distrikt, woher die meisten Waren stammten, von Geheimagenten veran staltet worden waren.

Im Flammentode vereint. Auf erschütternde, heroische Weise hat sich in dem italienischen Dorfe Agrara San Mar tino, unweit Bergano( Lombardei), eine Mutter freiwillig dem Flammentode geweiht. In einem Hause des Vertchens führten zwei Schwestern mit ihren Familien gemeinschaft­lichen Haushalt. Gestern in tiefster Nacht bemerkte die eine der Schwestern plötzlich, daß ihr Zimmer voll Rauch war. Sie fonnte ihre beiden eigenen Kinder nicht mehr ins Freie bringen. Als sie ihre Schwester, die im oberen Stock wohnte, rufen wollte, bemerkte sie zu ihrem Schrecken, daß die Treppe bereits vom Feuer zerstört war. Sie suchte nun den Kindern von außea Rettung zu bringen, doch wider­stand das vergitterte Fenster allen Bemühungen. Nur der Säugling fonnte durch die Eisenstäbe gezwängt werden. Als die vom Feuer umringle Mutter sah, daß die Kinder nicht mehr zu retten waren, eilte sie durch die Flammen zu ihnen und sagte: Nun kommen wir alle ins Paradies." Erst morgens fand man die drei verkohlten Leichen in enger Umarmung.

Aus dem Reiche der Technik.

Ein 2240 Meter tiefes Bohrloch. Ein Bohrloch von der außerordentlichen Tiefe von 2240 Meter wurde bei Czuchow in Oberschlefien in der Zeit von 982 Tagen angelegt. Ueber die Ausführung dieser Arbeiten und die dabei angestellten Messungen entnehmen wir der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure" die folgenden interessanten Angaben: Von der gesamien Bauzeit sind 169 Sonn- und Festtage ab­zuziehen, so daß 694 reine Arbeitstage und 119 Tage für Nebenarbeiten übrig bleiben. Die ersten 53 Meter wur­den mit der Schappe gebohrt( einem Eisenblechzylinder, der an der Seite etwas aufgeschnitten und dessen geschärfter Rand als Schneide nach außen umgebogen ist). die folgenden 523 Meter mit dem Meißelbohrer und der Nest mit Dia­mantkronen von wechselnder Breite. Es sind dabei über 700 Karat Diamanten verbraucht worden. Die Gesamt­kosten der Bohrung betragen über 300 000 Mart, und für 1 Meter ergibt sich eine Ausgabe von 144.05 Mr. Der Zweck des Bohrens war, die Lagerverhältnisse des Stein­fohlengebirges bis zu den Sattelflözen zu untersuchen, die man bereits in 1500 Meter Teufe zu erreichen hoffte. Als Gestänge für den Vortrieb der Bohrer wurden Mannes mannrohre von verschiedenem Durchmesser verwendet; fic hatten bei 2200 Meter Länge ein Gewicht von 14 200 g. In das Bohrloch wurden Rohrstränge eingepreßt, die ein Gesamtgewicht von 127 000 Kg. hatten. Von besonderem Interesse sind die Temperaturmessungen, die in dem Bohr­loch in verschiedener Tiefe vorgenommen wurden: Wäh­rend in 500 Meter Tiefe 26 Grad und in 1000 Meter Tiefe 40 Grad herrschten, stieg die Temperatur bei 1500 Meter Tiefe auf 69 Grad und bei 2221 Meter sogar bis auf 83,4 Grad Celsius.

Die ,, Laft der Kleidung.

Wenn die moderne Fran ihren großen blumen- oder schleifengeschmückten Sommerhut endlich mit Hilfe blizen­der Hutnadeln befestigt hat und zur Promenade bereit ist, wird der auf zielbewußte Zweckmäßigkeit in der Kleidung stolze Mann vielleicht den Kopf schütteln und sich darüber wundern, wie man in den Sommermonaten sich mit so um= ständlichen und umfangreichen Kleidungsstücken beschweren mag. Der Aberglaube, nach dem die Sommerkleidung des Mannes bequemer und vor allem leichter sein soll als die der modernen Frau, wird jetzt durch einen Londoner Mode­fachmann zerstört. der als ein leidenschaftlicher Freund aller statistischen Berechnungen sich das Ziel gesetzt hat, das Durchschnittsgewicht männlicher und weiblicher Sommer­kleidung festzustellen. Das Ergebnis ist, daß es die Frau im Sommer erheblich leichter hat" als der Mann, wobei natürlich stillschweigend vorausgesetzt wird, daß die schöne Frau auch das nötige Geld besitzt, um nur die besten, die leichtesten und damit die teuersten Seidengewebe zu tragen. Die Nachforschungen des englischen Spezialisten über das Gewicht der Kleidung haben ergeben, daß die elegante Frau im Sommer mit folgendem Gewicht belastet ist: Hut 225 Gramm, Schuhe 435 Gramm, seidene Strümpfe 42 Gramm, seidene Unterkleidung 100 Gram, Leinenwäsche 298 Gramm, Korsett 510 Gramm, Sommerkleid 495 Gramm, Sonnen­schirm 365 Gramm. lange Handschuhe 45 Gramm, Handtasche 390 Gramm, sodaß die Modedame an Kleidung genau 2 Kilogramm und 905 Gramm zu tragen hat.

Für den Mann aber stellt sich das Verhältnis weitaus ungünstiger: der elegante Herr muß im Sommer tragen: leichten Sommeranzug 1815 Gramm, Schuhe 705 Gramm, Seidenhemd 210 Gramm, seidene Unterwäsche 365 Gramm, Hosenträger 45 Gramm. Handschuhe 50 Gramm, Spazier­stock 170 Gramm, Strohhut 100 Gramm, Socken 85 Gramm, Kragen und Krawatte 85 Gramm. Der Mann trägt also im Sommer, immer vorausgesetzt, daß auch er nur die zartesten und besten Gewebe für seine Kleidung auswählt, im günstigsten Falle ein Gewicht von 3630 Gramm mit sich, er hat also nahezu Pfund mehr zu tragen als die Frau. Das Bild ändert sich freilich sofort, wenn die elegante Dame viel Sviben trägt, die verhältnismäßig schwer wie­gen. Im allgemeinen aber hat sich das Gewicht der som­merlichen Kleidung der Frauen gegen frühere Zeiten ganz außerordentlich verringert, man trägt viel weniger Unter­wäsche als in früheren Zeiten, und die Gewebe sind zugleich erheblich zarter und leichter geworden. Der gestärkte weiße Jupon, der früher ein fast unentbehrlicher Bestandteil der Sommerkleidung war, ist völlig verschwunden. Nur in einem Punkte trägt die Frau eine größere Last als der Mann: auf dem Kopfe. Wie sehr die elegante Frau auch darauf besteht, ihre Sommerhüte möglichst leicht gearbeitet zu bekommen, sie sind doch erheblich schwerer als der Stroh­hut des Mannes, ja, sogar noch schwerer als der oft ange­feindete Zylinder, der bei wirklich guter Qualität 170 Gramm wiegen darf und nicht mehr.

Drabtnachrichten und neuestes.

Selbstmord eines Artillerie- Sergeanten. Kiel, 20. Juni. In der Artilleriefaserne zu Jhe­hoe hat sich der Sergeant Kluge mit seinem Dienstgewehr erschossen. Das Motiv der Tat ist unbekannt.

Ein Kind verbrannt.

Löwenberg i. Schl., 20. Junt. In Sirgwiz ist gestern das Besiktum des Häuslers Friedrich niederge­brannt. Ein vierjähriges Kind tam dabei in den Flam­men um, die beiden anderen Kinder des Besitzers konnten gerettet werden.

Die Krönungsfeierlichkeiten in London.

London, 20. Juni. Im Buckinghampalast fand ge­stern abend ein Festmahl zu Ehren der fremden Fürſt­lichkeiten und der Vertreter der fremden Staaten statt. Die Generale Lord Methuen und Nicholsen sind aus An­laß der Krönungsfeierlichkeiten zu Feldmarschällen ernannt

worden. Man rechnet übrigens damit, daß die als sehr reich geltende Mutter des jungen Hue dem leichtsinnigen Pärchen noch einmal unter die Arme greifen und den Gläu= bigern zu ihrem Gelde verhelfen wird.

Enorme Zolldefraudationen. Geheimagenten der ame­rikantschen Zollverwaltung haben Zollbetrügereien in Höhe von mehreren Millionen Dollars, die bei der Einfuhr von Messerschmiedewaren in den letzten Jahren verübt wurden.

Ansteckende Krankheiten in den italienischen Häfen.

Rom, 20. Juni. Nach einer Meldung der Deut­schen Tageszeitung benachrichtigte der Minister des Aeu­Bern die Konsulate, daß in den Häfen Neapel, Salerno, Palermo und Venedig Fälle schwerer Infektions- Krant­heiten vorgekommen sind. Die Regierung tut alles zur raschen Einschränkung und Unterdrückung der Krankheit.