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Kolonialbesitz und Volkswirtschaft.

kömmliche Existenz wünschen sollten. Einem Unternehmen, gleichgültig, ob Handel, Industrie oder Landwirtschaft, dem durch ewige Erbteilung immer nur Mittel entzogen wer­den, dem kann kein Gesetzgeber, fein Bund der Landwirte helfen, es muß zugrunde gehen."

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das deutsche Kronprinzenpaar ist am Montag mittag nach einer guten Ueberfahrt zu den Krönungsfeierlichkei­ten in London eingetroffen. Nach einer herzlichen Begrü­hung durch Mitglieder des Königshauses fuhren sie nach dem Buckingham- Palast, wo sie vom König und der Kö­nigin empfangen wurden. Auch Prinz Heinrich von Preu­Ben ist zu den Feierlichkeiten in London eingetroffen.

Die Kolonialfrage hängt mit der Machtstellung des Deutschen Reiches in der Welt und mit seiner eigenen wirtschaftlichen Wohlfahrt auf das engste zu Jammen. Das Deutsche Reich braucht Kolonten um seiner eigenen Volkswirtschaft willen, und wenn es noch keine hätte, so müßte es sich aus Rücksicht auf seinen eigenen Wirtschaftsstand solche schaffen. Deutschland ist bekanntlich ein dicht bevölkertes Land, und seine Einwohnerzahl wächst stetig. Die Tatsache, daß alljährlich Tausende das deutsche Vaterland mit dem Auslande vertauschen und auswandern, beweist, daß das Deutsche Reich ständig einen ansehnlichen Ueberschuß an nußbringender Arbeitskraft an das Ausland abgibt. Denn altersschwache oder nicht arbeitsfähige Leute nimmt uns das Ausland nicht ab. Was aber dahin geht, bleibt im allgemeinen auch dort und kehrt nur in den sel­tensten Fällen wieder heim. Diesen Ueberschuß an Ar­beitskraft kann das Deutsche Reich und Volk aber auf das Beste zum eigenen Nußen verwerten, wenn es seinem Zuge die Richtung nach solchem Auslande geben kann, das doch auch Inland ist, nämlich nach Kolonien, die Besitz und darum ein Teil des Reiches sind. So lange wir keine Kolonien hatten, mußte, was dabeim keinen Platz fand, notwendig unter fremder Herrschaft sich ansiedeln. Jetzt ist das nicht mehr nötig. Jetzt ist vielmehr das Deutsche Reich im Stande, allen, denen es zu Hause zu eng wird, eine weitere Welt zu bieten. Jetzt kann es ihnen sagen: Gehet in unsere Kolonien, da bleibt Ihr Deutsche. Das Vater­land hat nach wie vor den ihm gebührenden Nußen von seinen Söhnen und Töchtern und sie den Schutz und die Förderung, die sie von dem Stamme wohl erwarten kön­nen, dessen Frucht sie sind. Was für einen besonderen Ein­fluß Kolonien auf Handel und Industrie ihres Heimat­landes haben, das zeigt ein Blick auf England. Eng­lands glänzender Volksreichtum stammt aus seinem Welt­handel, das auf seiner Industrie und auf seinen Kolonien gegründet ist. Das sind die beiden Hauptquellen, die dem Mutterlande Handelsgegenstände, Erzeugnisse des Gewerbe­fleißes oder Rohstoffe lieferten und immer noch liefern. Das Deutsche Reich hat ebenfalls solche Kolonien, mögen sie auch nicht so wertvoll sein wie Indien oder Südafrika. Sie brauchen nur richtig bewirtschaftet zu werden, so wer­den Handel und Industrie und auch die Landwirtschaft bald merken, daß ihnen Gewinn daraus erwächst, weil neue Absatzgebiete sich erschließen und Rohstoffe, die die ganze Welt braucht zum Verschicken sich darbieten.

Austausch zwischen Industrie und Landwirtschaft.

Der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Ge­heimer Kommerzienrat Ravenee, hat sich in bemerkenswer fer Weise über einen zweckmäßigen gegenseitigen Aus­tausch der jüngeren Söhne in Industrie und Landwirt­schaft ausgesprochen. Er sagte im einzelnen:

Zu dem Besuche des Königs von Sachsen in München wird der Voss. 3tg." von dorther gemeldet: Die Unter­haltung des Königs mit dem Prinzregenten hat ziemlich lange gedauert. Daß der Besuch des sächsischen Königs nicht lediglich ein Höflichkeitsaft war, darf man mit ziem­licher Sicherheit annehmen, da infolge des hohen Alters des Prinzregenten noch in der letzten Zeit wiederholt auch fürstliche Besuche abgedankt waren. Vermutlich hängt die Reise mit der Absicht der früheren Kronprinzessin von Sachsen zusammen, sich von ihrem gegenwärtigen Gatten scheiden zu lassen und nach Lindau Lindau ist baye­risches Gebiet überzusiedeln. Darauf würde dann auch deuten, daß der König von Sachsen heute zum Besuche näherer Verwandten seiner früheren Gattin, der Gräfin Montignoso, nach Lindau fährt. Es scheint so, als ob der König von Sachsen die Erlaubnis des Prinzregenten zu dauerndem Aufenthalt der früheren Kronprinzessin auf bayerischem Gebiet hätte erwirken wollen.

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Kabinetten von Paris und Madrid über die marokkanische Angelegenheit eine gewisse Schärfe erhalten, durch welche die diplomatische Lage etwas heifel gestaltet wird. Man faßt in Paris die Möglichkeit einer langen Dauer diplo matischer Schwierigkeiten ins Auge, wofür der spanischen Regierung alle Verantwortung zugeschoben wird. Ein Pariser Blatt läßt sich aus Madrid melden, man hege dort die Besorgnis, daß Frankreich die spanisch- marokkanische Aktion mit 3ollrepressalien beantworten und die bisherige strenge Ueberwachung der spanischen Anarchisten und Karlisten an der Grenze einstellen könne, was für den inneren Frieden Spaniens sehr gefährlich wäre.

Die Protlamierung der Republit Portugal. In Lissa bon trat am Montag die gesetzgebende Nationalversamm lung zusammen und erließ ein Dekret, in dem es heißt: Die Versammlung proklamiert und dekretiert, daß erstens die Monarchie für immer abgeschafft und die Dynastie Bra ganza verbannt ist. Zweitens, die Regierungsform Por tugals ist die demokratische Republik. Die gleiche Pro flamation wurde vom Fenster aus dem Volk vorgelesen. Großer Jubel herrschte in und vor der Kammer. Der Tag der Proklamation soll als Nationalfeiertag gelten.

Auf der Suche nach Castro. Das sich trotz aller Des mentis haltende Gerücht, der frühere venezolanische Prä­sident Castro weile gegenwärtig auf Haiti, hat bisher noch teine Bestätigung gefunden. Der nordamerikanische Kon sul in Port- au- Prince, sowie der Kapitän des in den hai tianischen Gewässern kreuzenden amerikanischen Kriegs Schiffes ,, Birmingham" haben gemeldet, daß ihre Nachfor: schungen nach dem Aufenthalt Castros bisher erfolglos gewesen sind. In Washington hat man von diesen Mel­dungen zwar Kenntnis genommen, doch glaubt man noch immer, daß Castro sich in Port- au- Prince verborgen hält,

Kleine Nachrichten.

Von der deutsch- chinesischen Hochschule in Tsingtau. Nach einem Telegramm der Deutschen Kabeltelegrammgesell­schaft", ist die medizinische Fakultät der deutsch- chinesischen Hochschule mit 12 Schülern eröffnet worden. Weitere Söhne aus angesehenen chinesischen Familien sind angemeldet.

Die Aussichten auf Annahme des Feuerbestattungs­gesezes im preußischen Herrenhause sind nicht so gut, wie anfangs angenommen wurde. Die konservative Fraktion wird mit 19 Ausnahmen gegen das Gesetz stimmen, des­gleichen die katholischen Mitglieder des Hauses, die neue Fraktion hat sich fast einstimmig für die Annahme des Ge­setzes ausgesprochen. Beide Fraktionen halten sich in der Stärke die Wage. Das Schicksal des Entwurfes wird also von der Besetzung des Hauses abhängen, man rechnet mit einem gutbesetzten Hause bei der Schlußabstimmung. Nicht ausgeschlossen bleibt, daß das Plenum des Herrenhauses am Entwurfe noch Abänderungen vornimmt, so daß dieser nochmals an das Abgeordnetenhaus zurückgehen müßte. Der 12. deutsch- nationale Sandlungsgehilfentag in Breslau befaßte sich mit der Frage des einheitlichen Pri­vatangestelltenrechts und der Angestelltenversicherung. In den dazu angenommenen Resolutionen lehnte der Hand­lungsgehilfentag es ab, die Entwicklung des Handlungs­gehilfenrechts und die Hebung der Handlungsgehilfenschaft dadurch hemmen zu lassen, daß die Handlungsgehilfenbe­wegung als Vorspann für Vereinheitlichung der Privat­angestelltenbewegung benugt wird. Der Handlungsgehil­fentag war entschieden dagegen, die Handlungsgehilfen aus der bestehenden sozialen und Rechtsgemeinschaft mit dem gesamten Handelsstande herauszureißen und in eine solche mit den übrigen Privatangestellten hineinzwängen zu lassen. Den Entwurf eines Versicherungsgesetzes für Angestellte erkannte der Handlungsgehilfentag dankbar an, er bedauerte aber, daß wichtige Forderungen des Haupt­ausschusses( Versicherungsgrenze, Anrechnung der Stellen­losigkeit, Beiträge und Leistungen, Ausdehnung der Ver­sicherungspflicht u. a.) für die staatliche Pensionsversiche rung noch nicht verwirklicht wurden. An den Reichstag und den Bundesrat richtete der Handlungsgehilfentag das Ersuchen, alles daranzusetzen, die nach seinen Forderungen verbesserte Angestelltenversicherung noch vom gegenwärti­gen Reichstag verabschieden zu lassen.

Wenn viele Familien auf dem Lande klagen, so ist dieser Umstand nicht zu suchen in Bevorzugungen, die von dem Gesetzgeber in den letzten Jahren nach Ansicht des Bundes der Landwirte Handel, Gewerbe und Industrie gemacht worden sein sollen; der Grund liegt viel tiefer. Eine außerordentlich große Anzahl dieser Familien hat sich nicht dazu verstehen können, einen Teil ihrer Söhne in Berufsklassen zu lenken, in denen die Möglichkeit gege­ben wird, neues Geld zu erwerben. So, wie wir gern den zweiten und dritten Sohn zur Verfügung stellen, um das ausgezeichnete Beamtentum, über das wir in unserem Vaterlande verfügen, mit zu ergänzen, so, wie wir den lebhaften Wunsch haben, daß einige unserer Söhne sich dem Offiziersstande widmen, so sollten diese Familien auf dem Lande unter Ueberwindung veralteter Vorurteile endlich zu dem Resultat kommen, daß es nicht unvornehm ist, sich einem Stande zu widmen, der es ihnen ermöglicht, auf eigenen Füßen zu stehen, und so die heimische Scholle zu entlasten. Soweit wie wir Industrielle und Kaufleute dabei in Frage kommen, können diese Familien überzeugt sein, daß wir, wenn sie uns ihre Söhne anvertrauen werden, dieselben mit der gleichen Liebe ausbilden und für ihren späteren Beruf erziehen werden, wie wir das mit unseren eigenen Kindern zu tun pflegen. Hierdurch würde sich auch naturgemäß in den Kreisen der Landwirtschaft ein besseres Verständnis herausbilden für die ungeheuren Schwierig­feiten, die Handel, Gewerbe und Industrie tagtäglich zu überwinden haben. Man würde in agrarischen Kreisen kennen lernen, was es heißt, Kapital- und Konjunktur­verluste zu erleiden; man würde aber auch bald zu der Erkenntnis gelangen, daß es angenehmer ist, in den Som­mermonaten in Gottes freier Natur zu arbeiten und im Winter, in Zeiten, wo durch die Witterung eine natürliche Ruhepause in der Arbeit eintreten muß, sich den Freuden der Jagd hinzugeben, als Winter und Sommer von mor= gens bis Abends Werkstatts- und Kontorluft zu atmen. Geschieht das nicht, so werden viele Familien auf dem Lande in Schwierigkeiten geraten müssen, eine Tatsache, dte auch wir bedauern würden; denn ich benutze diese Gelegen­heit, dem Wahnsinn entgegenzutreten, der uns von gewisser Seite angedichtet werden soll, als wenn wir Feinde der Landwirtschaft wären. Wir haben viel zu viel Respekt vor der ehrlichen Arbeit einer ganzen Berufsklasse, als daß wir nicht unseren deutschen Brüdern auf dem Lande eine aus­

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Und dennoch.

Novelle von Ernst Busolt.

Nachdruck verboten.

Die Trauer kleidet Sie gut, meine liebe Konstanze, in der Tat, sehr gut." Mit diesem Troste führte Frau van der Landen den Gast zum Sofa, wonach die junge Dame nun ihrerseits ihre Reiseerlebnisse mitteilte, deren Erzäh­lung aufmerksam angehört wurde. Adrian blickte zur Decke empor, trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und sah äußerst gelangweilt aus, als er fortwährend von Te­stamenten und Advokaten, von Staatsapapieren und Grundbesitz vernahm.

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Der ehemalige Rennfahrer Brener, der wegen Ermor­dung des Mühlenbesizers Mattonet zum Tode verurteilt worden war, vom Kaiser jedoch zu lebenslänglichem Zucht­haus begnadigt wurde, ist zu dauerndem Aufenthalt in das Zuchthaus zu Diez in Baden übergeführt worden.

Entschädigung eines unschuldig Bestraften. Der im Effener Meineidsprozeß Schröder zu drei Jahren Zucht­haus verurteilte, im Wiederaufnahmeverfahren jedoch frei­gesprochene Bergrann Wilfing aus Scharnhorst erhält laut Gerichtsbeschluß für die unschuldig erlittene Strafe 4000 Mark Entschädigung. Wilking verlangte 7162 Mark.

Der Papst und die Feuerbestattung. Wie die Köln. 3tg." aus Rom meldet, erklärte der Papst gegenüber ei­ner Behauptung des schweizerischen Oberst Hueber, er sei ein Freund der Leichenverbrennung, daß diese Meldung unzutreffend sei. Der Papst habe im Gegenteil befohlen, daß seine Leiche im Todesfalle nicht einbalsamiert werde, sondern alsbald der Erde zu übergeben sei.

Als ein Feind der Schreibmaschine hat sich Prinzregent Luitpold von Bayern erklärt. Er hat Befehl erteilt, daß thm keine rit der Schreibmaschine hergestellten Aktenstücke mehr vorgelegt werden. Deren Lesen sei ihm unangenehm. Alte und neue Zeit wollen sich nicht recht ineinander schicken.

Der französische Kriegsminister gegen die Antimilita riften. Der französische Kriegsminister hat die Korpskom­mandeure durch einen Erlaß aufgefordert, antimilitaristi­sche Umtriebe in der Armee unnachsichtlich zu unterdrücken und jeden Soldaten, welcher sich zweimal einer antimili­taristischen Kundgebung schuldig mache, in die Strafkom­panie zu versetzen.

Nach kurzer Zeit trat, wie oft nach lebhaftem Ge­spräch, eine plötzliche Pause ein, und schon fürchtete Adrian den Augenblick gekommen, wo die Mutter ihre Hilfstrup­pen bei stockender Konversation stets dieselben gegen den übertriebenen Lurus unserer Zeit und über den im­mer fühlbarer werdenden Mangel an echtem patriarchali­schen Familienleben ins Feuer senden würde, als dieselbe fragte, ob Professor Moser schon seine Aufwartung ge­macht.

Aufmerksam wie immer, lächelte Fräulein von Grim­men. ,, Er hat mir herrliche Blumen in Form einer Lyra gesandt und ließ mir sagen, er würde noch heute abend vorsprechen. Wenn er mich nicht findet, wollte er, mit Ihrer gütigen Erlaubnis, hierher kommen."

Der spanisch- französische Gegensatz wegen Marokko hat durch die Einstellung des Meinungsaustausches zwischen den

,, Bitte, bitte," meinte der Vater; ist uns stets ein Vergnügen, Ihre Freunde bei uns zu sehen, metne Gnä­dige. Sie wissen es: das Haus hier ist Ihre zweite Hei­mat."

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Ueber eine Familientragödie wird aus Berlin gemel­det: Montag vormittag wurden der Konfitürenhändler Schulz und Frau, die in der Schönhauser Allee ein gut­gehendes Geschäft betrieben, tot in der über ihrem Laden befindlichen Wohnung aufgefunden, ebenso ihr Hund. Man nimmt an, daß die Ehefrau, die am Abend vorher einen heftigen Streit mit ihrem Manne hatte, sich und ihren Mann mit Leuchtgas vergiftete.

Es wäre allerdings nicht sehr schwer gewesen, passende Worte zu finden, die dies Gespinst weiter gebracht; es waren aber der Fäden schon genug vorhanden, die dem Konsul den Hals einzuschnüren drohten. Es ist uns selbstverständlich die größte Ehre!" murmelte er.

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Schwerer Baunnfall. Auf einem Neubau in Spandau stürzten gestern drei Volkons mit einem Teil der Front­mauer zusammen. Ein Maurer und ein Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben und konnten erst nach lan­gen Bemühungen aus ihrer schwierigen Lage befreit wer­den. Einer von ihnen hat so schwere Verletzungen erlit­ten, daß er nach dem Krankenhaus überführt werden mußte. Ein Opfer seines Bernfes. In Nürnberg starb der Assistenzarzt am städtischer Krankenhaus Eduard Fritsch im Alter von 27 Jahren. Fritsch hatte sich vor einigen Wochen durch Tnphusbazillen infiziert, wurde krank und starb nach qualvollem Leiden.

Das Fräulein sah ihn mit ihren hellen blauen Augen so spöttisch und überlegen an, daß es ihm wirklich un­heimlich zu werden begann.

Die harten Züge des alten Mannes verzogen sich zu einem freundlichen breiten Grinsen gewisse Physiogno­mten fönnen nicht lächeln, als er, sich Adrian zuwen­dend, meinte: Bring es in hübsche Worte, Adrian! Habe Dich start im Verdacht, auch ein heimlicher Reimschmied Ju sein."

Mitternacht hatte geschlagen, als Adrian sich zur Ruhe begab. Noch gellten ihm die scharfen Töne des unter Mosers Händen ächzenden Flügels in die Ohren. Nach dem Walkürenritt hatte Moser Auszüge aus einer soeben von ihm vollendeten Oper vorgetragen, mündlich erläuternd: Jezt naht der König, Chor der Barden, Chor der Recken, Hilderichs Klage, Minonas Gesang."

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115 Häuser durch einen Erdrutsch zerstört. Aus Belluno ( Italien) wird gemeldet, daß ein schwerer Erdrutsch sich in der Nähe von Agordo ereignet hat. Eine ganze Ortschaft von 115 Häusern, die zu den Füßen eines Berges liegt, tst zerstört worden. Die Bewohner waren so rechtzeitig geweckt worden, daß sie ihre Wohnungen verlassen konnten. Troßdem sind drei Personen getötet worden.

Ein Zyklon hat gestern in der Gegend von Locle am Genfersee gewütet. Ein kinematographentheater wurde vollständig zerstört. Der sonst angerichtete Schaden ist be­deutend.

Aus den Gerichtssälen.

Die abgeänderte Radfahrkarte. Ein Arbeiter aus el­nem Dorfe bei Weißenfels hatte auf seiner Radfahrkarte die Jahreszahl des Ausstellungsdatums 1910 in 1911 um­

blatt, die nicht die Natur betrachten mag, die von allem gelangweilt wird, was Kunst anbelangt, der das innerste Denken ihres Mannes entgeht, entgehen muß,- unmög lich! Adrian sehnte sich nach einer Häuslichkeit; gerade seine Stellung ließ ihn die Hausfrau gar sehr vermissen, aber er träumte sich seine Frau anders, ganz anders, als Konstanze von Grimmen!

Dank einem gütigen Geschick, der Abend ist vorüber! Adrian öffnet die Fenster. Süßer Duft von verblühenden Nachtviolen strömt aus der dämmerschwülenSommernachts­stille des Gartens zu ihm herauf; der dunkle, sternfun­telnde Himmel schimmert zwischen den großen Bäumen hervor. Jm Winde flackern die blau- gelben Flammen der Kerzen. Adrian blidt gedankenvoll hinaus. Vor seinem geistigen Auge zeigt sich mit silhouettenartiger Schärfe das Bild der ihm bestimmten Braut. Er sieht ihr feines Pro­fil, den ernsten Blick, er atmet gleichsam jene Atmosphäre fühler Gelassenheit, die sie umgibt. Er weiß es, daß wenig Frauen mit so vielen vortrefflichen Eigenschaften ausge stattet sind, wie Konstanze, wenige beständiger in der Freundschaft, aufrichtiger Tugend und Sittenreinheit. Und dennoch! Würde jenes mitleidige, strenge Lächeln, mit dem sie heute abend Mosers Vorträgen gelauscht, nicht auch um ihre Lippen spielen, wenn Adrian ihr die Verse eines Petrarka und Chateaubriand, eines Byron und Heine vor­lesen, seine Bilder und Skizzenmappen vor ihr ausbreiten, seine so mühsam gesammelten Kunstschäze ihr zeigen wür­de? Und mit einer Frau leben, an der die goldenen Worte der Poesie abgleiten wie die Tautropfen an einem Efeu­

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Ein frischer Wind strich am folgenden Morgen über den schon herbstlich werdenden Garten. Leise spielte er in dem Laub und brachte Leben und Bewegung in die Natur, ohne sie zu beruhigen. Als Adrian seine Eltern begrüßte, saßen beide am geöffneten Erkerfenster in dem großen, eichengetäfelten Wohnzimmer, das mit den in alten schwar­zen Holzrahmen gefaßten Bildern der holländischen Eltern, Groß- und Urgroßeltern geschmückt war. Und steif und starr sahen die Mynheers in ihren Röcken von dunklem Ut­rechter Sammet, papageigrünen, blumengestickten Westen, die Myfrows in ihren mandel- oder in ihren amethyst­farbigen Seidenkleidern, Brabanter Kanten um den Mie­derausschnitt, Tulpen in den weißen, wohlgepflegten Hän­den auf die junge Generation herab. Diese, durch Adrians Eltern vertreten, stand ihnen an förmlichem Wesen nicht nach. Beide hatten, ohne sich anzulehnen, einander gegen­über Platz genommen; die Mutter, obschon es kaum 8 Uhr war, ihre Tapisseriearbeit in der Hand.

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Ihr Gatte las ihr mit monotoner, flangloser Stimme einen politischen Bericht vor. Hast die Sache gestern nicht in Ordnung gebracht und hattest doch die beste Gelegen heit," meinte er, das Blatt pedantisch zusammenfaltend und fortlegend, indes die Mutter mit jener feierlichen Langsamkeit, die alle ihre Bewegungen charakterisierte, Adrians Tasse aus der spiegelhell glänzenden, fupfernen Teemaschine füllte.

Man muß nichts übereilen," wendete sie ein. Gestern wäre ein derartiges Vorgehen wenig angebracht gewesen; Konstanze war ja in Trauer."

( Fortsetzung folgt.)

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