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zustande begangen habe, nach der Jrrenanstalt in Neustadt zur Untersuchung seines Geisteszustandes gebracht worden war, wegen Raubmordes zum Tode verurteilt.

Im Deußer Landfriedensprozeß wurde am Sonnabend bas Urteil gesprochen. Bei den Deuzer Streiffrawallen, bie in vielem den Moabiter Unruhen ähneln, wurden zahl­reiche Personen von der Polizei verlegt und auch mehrere Schußleute verwundet. Einer von ihnen starb an den er­littenen Verletzungen. Die Geschworenen billigten allen Angeklagten mildernde Umstände zu, so daß nur Gefäng= nisstrafen verhängt wurden. Der Angeklagte Düpper, dem der Tod eines Schußmannes zur Last gelegt wird, er­hielt fünf Jahre, der Gewerkschaftssekretär Fröhlich, der als Rädelsführer angeklagt war, zwei Jahre sieben Monate, die übrigen Angeklagten sechs Monate bis zu einem Jahre Gefängnis.

Telephon und Gerichtsbarkeit. Ein Landwirt hatte beim Landgericht Bochum im letzten Augenblick auf telepho­nischem Wege gegen ein Urteil Berufung eingelegt. Das Gericht verwarf jedoch die Berufung mit der Begründung, de telephonische Uebermittlung sei unzulässig, da durch fie die Identität des Einlegers nicht festgestellt werden könnte.

Vermischtes.

Kämpfe um die bayerischen Jubiläumsmünzen. Die Szenen, die sich am Sonnabend in München bei der Aus­gabe der Jubiläums- 3weimartstücke abspielten, spotten je= der Beschreibung. Um drei Uhr morgens standen schon die Menschen vor dem Tor der Zentralstaatskasse, von Stunde zu Stunde wuchs die Menge, die die ganze Straße füllte und jeden Verkehr unmöglich machte, die Schuyleute wurden beiseite geschoben und die Menge drückte und schrie. Als endlich die Tore der Kasse geöffnet wurden, wurde das Drängen noch schlimmer, bis dann kaum eine halbe Stunde nach der Eröffnung der Kasse verkündet wurde, daß keine Jubiläumsmünzen mehr vorhanden seien, da alles ausverkauft war. Schreiend und fluchend blieben die Leute noch eine Stunde lang auf der Straße; Händler aus Norddeutschland hatten ganze Scharen so zeitig vor dem Tor der Kasse aufgestellt, daß für die Münchener keine Münzen mehr übrig blieben. Jetzt werden bereits für die Zweimarkstücke 8, 10 und sogar 15 Mark geboten.

Die Reisepläne des russischen Zaren. Der Zar wird mit seiner Gemahlin in diesem Jahre nicht nach dem Som­merschloß Peterhof übersiedeln. Geplant ist eine furze Fahrt durch die finnländischen Schären und dann ein Be­such in Deutschland, wo die Zarin im Juni und Juli die Bäder in Homburg zu nehmen beabsichtigt, da ihr die Nau­heimer Bäder nicht so gut bekommen sind, wie die Aerzte angenommen hatten. Nach der Homburger Kur geht die Familie des Zaren für den ganzen Herbst nach Livadia, wo das neue Kaiserschloß in der Zwischenzeit fertig ge­baut und eingerichtet wird. Augenbliatich has sierhune dert Arbeiter mit der prunkvollen Inneneinrichtung be= Schäftigt.

Jagd auf einen Walfisch in der Ostsee. Die Flens­burger Fischer hatten fich fürzlich mit der Bitte an die Marine gewandt, einen Walfisch, der seit einigen Wochen in der Flensburger Außenförte sein Unwesen trieb und den Fischern ihre Beute verringerte, einzufangen. Darauf Jandte das Schulschiff Württemberg" einige Torpedos, die bas Tier an Land trieben, wo es erschossen wurde. Der Walfisch ist etwa 20 000 Pfund schwer und 20 Meter lang. Er ist noch nicht abgeschleppt worden.

Ein Student als Juwelenmarder. In München wurde ein Student verhaftet, der seit Wochen in raffinierter Weise bei der Auswahl von Juwelen in verschiedenen Ge­schäften kostbare Stüde gegen minderwertige vertauschte. Seine Kühnheit ging so weit, wieder in Geschäfte zu gehen, in denen er solche Tricks schon ausgeführt hatte, obwohl feine Personalbeschreibung in den Zeitungen stand. In einem Laden, den er wieder betrat, erkannte ihn eine Ver­fäuferin und veranlaßte seine Verhaftung. Der Student, der in ganz guten Verhältnissen lebt, hat nichts von den Juwelen verkauft, sondern sie alle in der Wohnung ver­stedt. Deshalb hat auch das Amtsgericht in Berücksichti­gung seines zweifellos psychopathischen Zustandes den Haft­befehl aufgehoben.

Juristisaje Auskünfte im Käseladen. In einem neu eröffneten Räseladen in Mannheim prangt, wie die Neue Badische Landeszeitung" mitteilt, folgendes Plakat: Mei­ner werten Kundschaft wird unentgeltlich Auskunft in allen Rechtsangelegenheiten erteilt." Es wäre zu empfeh­Ten, die Spezialität dieses Geschäftes auch bildlich darzu­Stellen. Vielleicht läßt sich der Ladeninhaber ein Schild malen, worauf die olympische Staatsanwältin Themis ab­gebildet ist, sie dürfte aber nicht Schwert und Wage in den Sänden halten, sondern ein langes Käsemesser und einen Laib Enimenthaler.

Drei Schlachthauswächter beim Diebstahl überrascht. Seit langer Zeit wurden Diebstähle in großer Zahl auf bem städtischen Schlachthof in Berlin ausgeführt, ohne daß mant auch nur eine Spur der Täter finden konnte. Endlich haben jetzt die Diebstähle eine unerwartete Aufklärung ge= funden. Zu den schwer geschädigten Meistern gehörte auch der Fleischermeister Traugott Becker, der die Kriminal­polizei um Hilfe anrief. In der Nacht zum Sonnabend ließ ich ein Kriminalbeamter in die Schlachtkammer Beckers einschließen. Plötzlich sah er von seinem Versteck aus, daß brei Männer den Raum betraten, eine Gasflamme an­zündeten, mit einer gewissen Sachkenntnis Umschau unter Den großen Fleischvorräten hielten und sich dann mit größ­ter Ruhe die besten Stücke aneigneten. Als sie im Begriff standen, die Kammer zu verlassen, trat der Kriminalbe­amte mit gespanntem Revolver den Dieben entgegen. Ei­ner von ihnen ergriff die Flucht. Die Ertappten wurden als angestellte Wächter entlarvt. Die größte Entrüstung herrscht über den groben Vertrauensbruch dieser drei Wäch­ter, der um so schwerer ist, als den Wächtern sämtliche Shlüssel zu den einzelnen Schlachtkammern anvertraut And.

über die Hungersnot in China veröffentlicht die Köln. Boltsztg. ein Schreiben des Bischofs in Schanghai, in dem mitgeteilt wird, daß seit 5Monaten von 40 000 Christen 85000 nichts mehr zu essen haben und daß sie im allerelen­pesten Bustande von Blättern, Wurzeln der Bäume und albverwesten Tieren ihre Nahrung suchten. In einer

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Stadt in Südchina wurden täglich zwölf Tote gezählt, die por Hunger gestorben sind. In Nanking strömen Hungern­De aus den umliegenden Provinzen zusammen. Die Lage äußerst fritisch. Mehr als hundert Personen hielten einen Zug der Nanting- Schanghai- Eisenbahn an. Derzweifelten Gebärden baten sie, man möge ste mitneh­men oder überfahren, da sie sonst Hungers sterben müßten. Dan schätzt die Zahl der zurzeit Hungerleidenden auf drei Millionen Menschen.

Das Mißgeschid eines Schlangenjägers. Der als Bhlangenjäger auf Rügen bekannte Arbeiter Brandt ging n den letzten warmen Tagen mit bestem Erfolge in dem

Gingster Forst dem Kreuzoiternfang nach. Bereits neun Reptile hatte er getötet und die Köpfe in Ermangelung eines Behälters unter der Mütze auf dem Kopfe angesam= melt. Kaum hatte er den Kopf einer soeben erst getöteten Giftschlange wieder dem sonderbaren Aufbewahrungsort einverleibt, da verspürte er einen stechenden Schmerz. Er wurde schließlich gewahr, daß der letzte Otternkopf sich fest­gebissen hatte! Brandt riß den Kopf los und versuchte, die Wunde auszuschneiden, was aber mißlang. Erst nach lan ger Zeit fonnte er einen Arzt auffinden. Der Zustand des Verletzten ist bedenklich.

Eifersuchtsszene im Löwenkäfig. Hinter den Kulissen des Zirkus Sarrasani in Stuttgart gab es fürzlich eine furchtbare Eifersuchtsszene im Löwenkäfig. Der Dompteur Haupt sieht sich bereits seit einigen Tagen einem bedeutend gesteigerten Temperamente seiner 21 Pfleglinge gegenüber. Nun sind die beiden Löwenmännchen Lux und Anton schon längst erbitterte Rivalen der schönen jungen Löwin Kleo­patra gegenüber. Während der Vorführung der Gruppe am Mittwochabend kam es bereits zu einer kleinen Plän­telei vor versammelten Publikum. Aber kaum hatte Herr Haupt eine Nummer beendet und die Löwen in die Gitter­wagen zurüdgetrieben, da stürzte Anton auf Lux los. Die beiden riesigen Löwenleiber ballten sich zu einem Knäuel zusammen. Herr Haupt sprang, besorgt um die beiden Postbarsten Löwen, mit Todesverachtung in die Gitterzelle und riß die beiden Tiere mit Riesenträften auseinander. Seine Paradeuniform ging dabei in tausend Fezzen. Ein Schwerverwundeter lag auf dem engen Schlachtfelde. Es war der Löwe Lux, dem das Blut mitten aus der Brust aus einer zerrissenen Schlagader hervorspritzte. Man alar­mierte sofort die Aerzte. Dem armen Tiere vergingen schon die Kräfte, als es gelang, den Blutstrom einzudäm­men. Jezt liegt Lur in der Refonvaleszentenstube.

Die schwarzen Soldaten in Frankreich. Ein französi­scher, eben aus Marokko heimgekehrter Kolonialoffizier spricht sich über die militärischen Eigenschaften der schwar­zen Senegalschützen, aus denen das schwarze Heer Frank­reichs gebildet werden soll, etwas skeptisch aus. Er erklärt die Resultate mit der Truppe für ermutigend, sagte aber, die Leute seien schwer in der Hand zu halten. Sie kämpften wie die Wilden unter völliger Mißachtung des Terrains und ohne auf die Weisungen der Offiziere im geringsten zu achten. Bald sind sie aufrecht, bald knieend, bald tanzen sie herausfordernde Kriegstänze vor dem Feind, um ihren Mut zu beweisen. Sie bedürfen noch einer sorgfältigen militärischen Schulung, zumal die Offiziere ihre Sprache nicht verstehen. Die Schwarzen sind auch minder nüchtern und marschfähig als die algerischen Schüßen und die Le­gionäre.

Die Krawattennadet in der Sigarré. In Freyung im bayrischen Wald rauchte ein Vermessungsbeamter abends im Wirtshause seine Zigarre, aus der sich eine unversehrt gebliebene juwelenbesetzte Krawattennadel herausschälte. Ihr Eigentümer dürfte durch Rückfrage beim Fabrikanten, bei dem die Nadel im Widelsaal verloren gegangen sein mag, unschwer zu ermitteln sein. Immerhin sieht die Sache sehr romantisch aus; denn so kostbare Nadeln besitzen 3i­garrenarbeiterinnen nicht und würden sie auch nicht in Zigarren einwideln.

Die Tagesration der Heere Europas. In einer engli­schen Zeitschrift berechnet jemand, was für den täglichen Unterhalt der großen europäischen Heere erforderlich ist. Danach verzehren die Heere der sechs europäischen Groß­mächte, die in Friedenszeiten mehr als drei Millionen Krieger unterhalten, jeden Tag: 45 000 3tr. Brot, 30 000 Zentner Fleisch, 15 000 3entner Konserven, 6000 3entner Reis, 1800 Zentner Speck, 1200 Zentner Salz, 1860 3ent­ner Buder, 1440 Zentner Kaffee und 7500 Hektoliter Wein. Dazu kommen noch die Kartoffeln und Gemüse. Ein euro­päischer Krieg würde den sechs beteiligten Großmächten zu­sammen eine tägliche Ausgabe von mehr als 150 Mill. Mark auferlegen.

Die Tragödie in Kamerun.

Am 17. Februar hat sich, wie unsern Lesern noch in Erinnerung sein dürfte, in Buea, dem Hauptsitz unserer Kolonie Kamerun, ein Drama abgespielt, dem zwet ver­diente Kolonialbeamte zum Opfer fielen. Dem B. T." wird der Bericht eines Augenzeugen übermittelt, der um so größeres Interesse erwecken dürfte, als bisher nur spär= liche Einzelheiten über die Tragödie bekannt geworden sind. Der stille Gebirgsort Buea, so heißt es in dem Bericht, wurde heute der Schauplatz einer grauenhaften Tat. Es mochte 10% Uhr vormittags sein, als man aus dem Dienst­gebäude des kaiserlichen Gouvernements schnell hinterein­anderfolgende Schüsse einer Browningpistole und Rufe hörte. Die Beamten suchten zum Teil durch die Fenster und vom Balkon das Frete zu erreichen und rtefen nach Lettern und Waffen. Die Eingeborenen, die zum heutigen Gerichtstage gekommen waren, suchten in größterBestürzung und Etle den Ort hinter sich zu bringen, ohne daß zunächst einer hätte sagen können, was sich ereignet hatte. Nach­dem sich die Aufregung gelegt hatte, erfuhr man den gan= zen Umfang der gräßlichen Vorgänge.

Der kommissarische Gouvernementssekretär Kerner war der Täter. Er hatte sich zunächst nach dem Stationsgebäude begeben, wo der Bezirksleiter Biernatky Eingeborenen­gericht abhtelt. Er ging auf diesen zu und schoß dem Be­amten zwet Schüsse aus seiner verborgen gehaltenen Pi­stole in den Kopf. Biernatky brach ohne weiteres tot zu= sammen. Mit der Waffe in der Hand lief Kerner zu dem zirka 100 Schritte entfernten Dienstgebäude, öffnete die Tür zum ersten Zimmer, in dem er gearbeitet hatte, und schoß feinem Kollegen, dem Sekretär Gniß, eine Kugel in die Brust. Dieser stürzte davon und brach vor dem Gebäude tot zusammen. Der Sekretär Schnaebele griff und schlug dem Kerner mit der Faust auf den Arm, wobei ihn selbst ein Schuß in den Arm traf. Der Täter sprang zurück und traf Schnaebele nochmals am Kinn. Die Kugel zerschmet­terte den Unterkiefer und blieb wahrscheinlich darin fizen. Der Getroffene flüchtete duch das Fenster hinaus. Jezt eilte Kerner in das nächste Zimmer, in welchem der Sefre­tär Nagel arbeitete. Nach einigen Worten schoß er auf ihn, der sich unwillkürlich zur Seite bon und dadurch mit einem Streifschuß an der rechten Kopffcite davonkam. Der Ge­troffene drängte den Täter, der wohl keine Patrone mehr im Lauf hatte, hinaus und rettete sich durch das Fenster. Mittlerweile waren durch die Schüsse und Rufe die Beam­ten im oberen Stockwerk des Gebäudes gewarnt. Kerner etite hinauf, feuerte zweimal auf eine Gruppe von Set­retären, die in der offenen Tür der Kalkulatur standen, und versuchte, in das Zimmer des Regierungsrats Adae einzudringen. Dieser drängte ihn aber schnell entschlossen hinaus und kam so mit dem Schrecken davon. Kerner ver­suchte dann, in die Zimmer des Geheimrats Hansen und einiger anderer Herren einzudringen, fand aber überall verschlossene Türen. Er verließ nun das Gebäude und feuerte noch von draußen auf einige Herren und fehlte dabei den Zollvorstand Bötefür nur um wenige Handbreit. Er ging dann in den wenige Schritte entfernten Messeraum der Sekretärmesse und erschoß sich selbst durch einen Schuß in die Schlöfe.

Nur glücklichen Umständen ist es zuzuschreiben, daß der Täter nicht noch mehr Opfer den Toten zugefellte. Denn es geht ein Gerücht um, daß er eine Liste von fünfzehn Beamten angefertigt haben soll, welche den Abend nicht er leben sollten. Tatsache ist jedenfalls, daß er nicht wahllos geschoffen hat. Es sind ihm einige Europäer begegnet, auf die er nicht zielte. Er hat die Personen gekannt, und das läßt auf die Gründe der grauenhaften Tat schließen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Täter an Verfol­gungswahn gelitten hat. Er glaubte sich stets beobachtet, gehänselt, zurückgesetzt. Nichts davon entspricht den Tat sachen. Es bekümmerte sich niemand um den Sonderling. der fast immer allein die Umgegend durchstreifte und jeder gemütlichen Geselligkeit abhold war. Es wird jetzt ferner bekannt, daß er sich vom ersten Tage seines Eintreffens im Schutzgebiete an über jedes Gespräch Notizen gemacht hat. Dann erfährt man auch, daß er in der letzten Zeit die Häuser der Europäer umschlichen hat, um zu horchen. So ist wohl in dem zersetzten Gehirn der unsinnige Gedan­te entstanden, sich an seinen Verfolgern und Peinigern zu rächen. Jeder, der irgend etwas mit ihm zu tun gehabt hatte, seien es dienstliche Vorkommnisse oder persönliche Neckereien, wie sie unter Kollegen üblich, kam auf die " Liste."

Die gerichtlichen Feststellungen find zurzeit noch nicht abgeschlossen, doch erscheint es zweifellos, daß sie für irgend jemand etwas Belastendes nicht ergeben werden.

Drabinachrichten und neuestes.

Aus der nationalliberalen Partei.

Berlin, 20. März. Im Reichstagsgebäude fand gestern eine zahlreich besuchte Sibung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei statt. Nach einem Begrüßungs­wort des Abg. Baffermann, in dem er der im letzten Jahr Verstorbenen gedachte, wurde eine Anzahl Herren in den Zentralvorstand gewählt. Im Anschluß an ein Referat des Abg. Bassermann über die Vorbereitung zu den nächsten Reichstagswahlen fand eine eingehende Aussprache statt, in der Abg. Friedberg die Erklärung abgab, daß die Frage des Enteignungsgesetzes demnächst im Abgeordnetenhause nach der Richtung hin erörtert werden würde, ob oie Fortsetzung des Ansiedlungsgesetzes ohne Anwendung des Enteignungs­gesetzes möglich sei.

Sozialdemokratische Demonstrationen für das Frauen­stimmrecht.

Berlin, 20. März. 41 sozialdemokratische Volksver fammlungen fanden gestern nachmittag um 2 Uhr in Groß­Berlin statt, um eine Demonstration für das Frauenwahl­recht herbeizuführen. Die Redner erklärten das politische Frauenwahlrecht als die Hauptforderung des sozialdemo­fratischen Programms. Von 25 000 Personen, die an den Versammlungen teilnahmen, waren drei Viertel Frauen. Von jeder Straßendemonstration wurde Abstand genom men. In einer Bersammlung sollte eine Blislichtaufnahme gemacht werden. Als das Pulver mit lautem stnall und un ter starker Rauchentwicklung aufflammte, stürzten die Frauen mit lautem Geschrei in wilder Haft dem Ausgang zu. Die sofort alarmierte Feuerwehr eilte mit vier Zügen herbei. Da sich inzwischen die Harmlosigkeit des Vorganges ergeben hatte. zogen Feuerwehr und Polizet unter allset­tiger Heiterfeit wieder ab.

Der Revolverheld in der Animiertneipe. Berlin, 20. März. In einer Animierkneipe schoß ge­stern ein Arbeiter auf die Kellnerin und Wirtin. Diese Tiefen zur Polizei, um einen Schuhmann zu holen. Als sie wiederkehrten, fanden sie den Täter verwundet vor dem Schanktisch liegen. Er hatte sich eine Kugel in den Kopf gejagt und ließ nur schwache Lebenszeichen erkennen. Unfälle auf einer Rennbahn.

Berlin, 20. März. Bet der Eröffnung der Rennsaison in Strausberg ereigneten sich zahlreiche Stürze, bei denen mehrere Jockeis schwere Verlegungen davontrugen.

In einer Badeanstalt verbrüht.

Berlin, 20. März. In einer Privatbadeanstalt erschien gestern ein etwa 30jähriger Mann, der sich ein Wannenbad bestellte. Das Bad wurde ihm durch den Bademeister zube­reitet und der Mann begab sich in die Zelle. Als einer der Bediensteten etwa eine Viertelstunde später an der Zelle vorbeiging, hörte er ein leichtes Stöhnen und Aechzen. Er öffnete die Tür und fand den Badegast über und über ver­brüht bewußtlos am Boden liegen. Der Mann wurde schwer verletzt ins Krankenhaus geschafft.

Großer Fabrikbrand.

Chemnitz, 20. März. Die Firma Häberl in Witt­gendorf, die größte Trifotagenfabrik Sachsens, ist gestern vollständig niedergebrannt. Von 800 Arbeitern sind 400 brotlos.

Die neue Spionageaffäre.

Bremen, 20. März. Außer dem verhafteten Engländer wurde in der Spionageangelegenheit ein Vorarbeiter oder Meister, der mit der inneren Einrichtung der Panzer be= schäftigt ist, festgenommen. Beamte der Hamburger Polizei fuhren hierauf hierher und nahmen noch zwei Arbeiter und eine Frau in Haft, die dann einzeln nach Hamburg über­führt und in das dortige Untersuchungsgefängnis einge­Itefert wurden. Der Hamburger Oberstaatsanwalt führt selbst die Untersuchung, die mit größter Heimlichkeit vor sich geht, so daß nur wenige Personen über die Angelegen­heit unterrichtet sind. Der Hauptschuldige, ein anderer Eng­länder, ist noch nicht ermittelt. Dieser ist schleunigst nach England abgereist. Es sind verschiedene Zeichnungen und Schriften beschlagnahmt worden.

Ein deutscher Ballon verunglückt.

Crefeld, 20. März. Der von hier aufgestiegene Ballon Düsseldorf 4" ist in der Zuidersee gelandet. Der Ballonführer, Metallwarenfabrikant Paul Kayser aus Cre­feld, hat wahrscheinlich den Tod in den Wellen gefunden. Ein Mitfahrer, der Kaufmann Otto Schröder, wurde schwer verletzt aufgefunden. Die Nachricht von dem Unglück wurde in Crefeld durch ein Telegramm an die Familie Kaysers bekannt.

Ein blinder Passagier.

Brüssel, 20. März. Eine recht gefährliche Reise hat ein rumänischer Deserteur gemacht, der von Bukarest bta Ostende als blinder Passagier gefahren ist. Der Mann hatte die Reise zurückgelegt, indem er sich unterhalb eines Zuges an Hafen und Balken anklammerte. Er erklärte, daß er aus seinem Vaterlande geflohen sei, um sich den Mißhand­lungen seiner Vorgesetzten zu entziehen.. Er hatte als Reisegeld ein 20 Franksstück bei sich, das ihm aber unter= wegs aus der Tasche geschüttelt worden ist.

Ein Riesenstreik der Seeleute.

Hull, 20. März. In einer gestern von den Transport arbeitern veranstalteten Rundgebung erklärte der Sekretär des Seemannverbandes, daß die Seeleute und Heizer von Großbrittanien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland und Belgien sowie der atlantischen Küste Amerikas sich be reits über Tag und Stunde geeinigt hätten, wo gleichzeitig die Arbeit eingestellt werden solle.

Chinas Antwort an Rußland.

London, 20. März. Wie die Times aus Peking meldet, hat China gestern seine Antwort auf die russische Note vom 14. März erteilt. Sie ist in durchaus freund­lichem und versöhnlichem Tone gehalten und gewährt Ruß­land das Recht, einen Konsul in Koda zu ernennen. Die Note räumt ferner den russischen Untertanen das Recht auf Freihandel in der Mongolei und anderen Orten außerhalb der großen Mauer ein