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Defraudationen aus Dividendenhunger. In Stendal wurde der Direktor Depper der Stendaler Malzfabrik A. G. unter dem Verdacht der Bilanzverschleierung, Wechselfäl= schung und Unterschlagung verhaftet. Depper, der im An­fehen eines soliden Geschäftsmannes stand und ein sehr bescheidenes Leben führte, gestand die ihm zur Last gelegten Bergehen zu und erklärte, daß er die Betrügereien nur deshalb verübt habe, um für seine Fabrik, deren Mitbe­fiber er war, höhere Dividenden zu erzielen. Wie hoch sich bie Unterschlagungen belaufen, fonnte vorläufig noch nicht festgestellt werden, da wahrscheinlich noch zahlreiche ge­fälschte Wechsel im Umlauf sind. Die bisherigen Ermitte­lungen haben ein Defizit von 75 000 Mart ergeben. Die Verhaftung erregt in Stendal großes Aufsehen.

Tunnelbrand auf der Berliner Untergrundbahn. Jm Tunnel der im Bau befindlichen Untergrundbahn am Ho­henzollerndamm in Berlin brach gestern durch Umfallen und Explodieren einer Benzinlampe Feuer aus, dem die über den Tunnel führende Brücke zum Opfer fiel. Der Tun­nel selbst brannte in einer Ausdehnung von etwa 600 Metern aus, so daß ein großer Materialschaden entstanden ist. Aus dem Tunnel schlugen meterhohe Flammen heraus. Dann ertönte eine starke Detonation, da das im Tunnel llegende Hauptgasrohr geplakt war und das ausströmende Gas sich entzündet hatte.

Neue Zeppelinluftschiffe. Die Zeppelinbaugesellschaft wird die Herstellung des im Bau begriffenen Luftschiffes so beschleunigen, daß es Ende Juni fahrbereit sein dürfte. Es soll zunächst in Friedrichshafen Passagierfahrten unterneh­men und dann nach Baden- Baden übergeführt werden. In­zwischen will man in Friedrichshafen an die Reparatur der Deutschland" herantreten. Von dem zerstörten Luft­Schiff ist ein größerer Teil gut erhalten und zu verwenden, als man anfangs annahm. Die Wiederherstellung soll bis Ende August oder Anfang September vollendet werden. Bu gleicher Zeit soll die Düsseldorfer Halle nach den Wün­schen der Fahrleitung umgebaut werden. Man hofft, spä testens im September wieder ein Luftschiff in Düsseldorf zu haben.

Die neue Mode der kurzen Röde. Nachdem der Hosen­rod so gründlich Fiasko gemacht hat, daß ihn jetzt sogar Seine eigenen Väter er hat deren nämlich mehrere, aber es will es jetzt keiner gewesen sein verleugnen, sucht man von Paris aus mit bewundernswerter Beharrlichkeit eine neue, aber mindestens ebenso unschöne Mode zu lan­sieren: die Mode der ganz kurzen Röde. Gegen einen fur­zen Frauenrod wäre an und für sich gar nichts einzu­wenden, es fommt aber auf das Wie an. Im großen und ganzen handelt es sich bei dem neuen Rod um nichts an­beres als um eine Metamorphose des Humpelrods un­feligen Angedenkens: man hat alles, was sich beim Hum­pelrod unterhalb der nedischen Verengerung befand, ein­fach weggeschnitten. Das Kleidungsstück fällt also in to­mischer Form auf die Beine, zieht sich über den Schien­beinen sadartig zusammen und zeigt außer den hochmo­dernen niedrigen Schnallenschuhen die ganze untere Par­tie des Fußes. Das furze Kleid hat sicherlich auch Vorzüge; die Damen, die es tragen, fegen nicht den Staub von den Straßen und bringen weniger Mikroben heim. Daß der Rock aber schön aussieht, wird trotzdem kein Mensch be­haupten wollen.

Ein Lehrer und sicben Schüler ertrunken. Ein schweres Unglück hat sich beim Baden in der zwischen Lüdinghausen und Seppenrade bet Dortmund befindlichen, mit Wasser an­gefüllten Lehmgrube der dortigen Ziegelet zugetragen. Der 55jährige Lehrer Johannes Flötgen war mit 13 Schülern der Oberklasse dorthin baden gegangen, ohne zu wissen, daß im der Mitte des Teiches sich ein tiefes Loch befand. Plötzlich verschwanden sieben Schüler nebst dem Lehrer lautlos in der Tiefe; fie fonnten nur als Leichen geborgen werden. Zu dem Unglück erfährt das Berl. Tabl." noch: Bu ihrem Ent­seben sahen die am Rande der Grube stehenden Knaben, daß der Lehre und ihre sieben Kameraden nicht wieder an die Oberfläche zurückkamen. Nach einigen bangen Augen­blicken entspann sich in der Grube ein verzweifelter Kampf. Der Lehrer war der Meinung gewesen, daß die Grube nur ein Meter tief set. In Wirklichkeit befand sich aber in der Mitte ein etwa sechs Meter tiefes Loch. Da keiner der Unglücklichen des Schimmens kundig war, so gingen der Lehrer und die Schüler nach kurzer Zeit sämtlich unter und extranten. Die anderen Knaben waren völlig fassungs­Ios und wußten in ihrer Verzweiflung nicht, was sie tun sollten. Einer von ihnen lief splitternacht wie er war, in das Dorf hinein und meldete die Schreckensbotschaft. Bald da= rauf umstanden die Grube klagende Frauen und Mädchen, die feine Rettung mehr bringen konnten. Inzwischen traf die Ortsfeuerwehr an der Unglücksstelle ein und begann sofort mit der Bergung der Leichen. Mit unendlicher Mühe gelang es nach stundenlanger Arbeit, die Leichen ans Land zu bringen. Die ertrunkenen Schüler waren meist Söhne von Gutsbesitzern.

Panik bei einer Kinematographenvorstellung in einer Kirche. Eine schwere Explosion erfolgte in einer Kirche zu Toulon. Die Kinematographenfirma Pathee Freres gab eine Aufführung lebender Bilder aus der Geschichte der Jungfrau von Orleans. Während der Vorstellung explo­bierte eine Lampe. Der Priester, der bet der Aufführung ugegen war, wurde schwer verletzt. Unter den Zuschauerit entstand eine furchtbare Panik, alles drängte dem Ausgang zt und Männer und Frauen gebärdeten sich wie Frauen wurden zu Boden gerissen und schrieen lauf un Silfe. Eine junge Frau, die in dem Gedränge zurückge toßen war befam Schreifrämpfe, aber niemand bekümmerte fich um sie. Das entstandene Feuer konnte bald gelöscht werden. Zwei Schwerverletzte wurden in das Hospital ge= bracht, ihr Zustand ist hoffnungslos.

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Die Bekämpfung der Mänseplage. Hierzu schreibt ein Landwirt aus dem Hildesheimschen dem Hannov. Cour.": Den besten Erfolg habe ich mit Auslegen der kleinen Holz= fallen erzielt, die zur Verhinderung des Wegschleppens durch Krähen usw. an einem Pfählchen festgemacht wurden, nud bet gleichzeitigem regelmäßigen Zutreten der Löcher. Statt des zutretens hat sich bei Vorhandensein zahlreicher Mäuselöcher noch besser bewährt das Budrücken mit einem fräftigen Spazierstock, an dessen Zwinge ich jedesmal zu dem Zwecke eine dicke Eisenschraube aufgedreht habe. Bet jedem Gange aufs Feld begleitet mich das einfache Ge­tät und wird an Ort und Stelle zum Gebrauch zurecht ge macht. In unserem schweren Boden genügt ein ein- oder weimaliges festes Bustampfen mit dem Stock auf jedes lwch, um alsdann die im Bau sitzenden Mäuse mit Jungen erstiden. Von dem Erfolge habe ich mich auf späteren Gängen immer überzeugen können, sowohl davon, daß die licher nicht wieder geöffnet waren, wie davon, daß ich tm­meer weniger Mäuse beobachtete und die Fraßschäden offen­fichtlich abnahmen trot Zulauf von Nachbargrundstücken. Die Feldgänge sin dso wie so nicht zu entbehren und loh­pen fich in vieler Beztehung; wer Radfahrer ist, hat's ui o beffer.

Selbsthilfe der Schmargendörfer. Der Kampf gegen die Beerfeuerung der notwendigsten Lebensbedürfnisse wird in Schmargendorf bet Berlin fett praktisch aufgenommen. Doer dortige Bürgerverein beschloß nämlich unlängst die Gründung eines Wirtschaftsausschusses zum gemeinsamen

Bezug von Lebensmitteln usw. von außerhalb. Darauf er­hoben die Gewerbetreibenden des Ortes Einspruch. Der Bürgerverein beschäftigte sich dann noch einmal mit der Frage und kam zu folgendem Beschluß: Es bleibt bei dem gemeinsamen Warenbezug durch den Wirtschaftsausschuß, doch wird der Einkauf auf Fleisch, Kartoffeln und Kohlen beschränkt. Alljährlich werden die örtlichen Gewerbetrei­benden zur Einreichung von Angeboten aufgefordert und, falls sie nicht mehr fordern als die auswärtigen Lieferan­ten, vor diesen bevorzugt. An Nichtmitglieder darf nicht geliefert und aus der Vereinskaffe zu dem Wareneinkauf fein Zuschuß geleistet werden.

Wieviel Geld steht Morgan zur Verfügung? Ein Neu­yorker Börsenjournalist hat sich den Spaß geleistet, Mor­gans finanziellen Machtbereich zu berechnen; er hat dabei herausgebracht, daß Pierpont Morgan etwa 9 300 000 000 Dollars, also rund 40 Milliarden Mark besitzt bezw. seinem Einfluß untertänig zu machen wußte. In erster Linie " kontrolliert( d. h. beherrscht) er vier Nationalbanken in Neuyork, die mit Kapital und Depositen über mehr als 450 Millionen Dollars verfügen. Weiter unterstehen ihm fleben Trustkompagnten, deren Kapitalien sich auf 436 Mil­Itonen Dollars belaufen. Dann folgt die Equitable- Ver­ficherungs- Gesellschaft mit einem Ripital von 486 Millionen Dollars. Diese Summen zusammengerechnet ergeben 1872 Millionen Dollars. Dazu kommt die direkte Kontrolle über Eisenbahnen im Werte von 1164 Millionen Dollars. Außerdem kontrolliert er Industrien, die zusammen einen Wert von 3336 Millionen Dollars repräsentieren. Und bet alledem find nicht die Summen mitgerechnet, die Mor­gan und die" Morgansche Gruppe" auf anderen Gebieten in Amerika und in anderen Ländern besitzen und kontrol­lieren. Werden alle Riesensummen zusammengerechnet, so ergibt sich die oben genannte Totalsumme. Ein einziger Mann besitzt also soviel Geld, daß er zum Beispiel die französische Kriegskosten entschädigung an Deutschland im Betrage von vier Milliarden Mark zehnmal bequem aus seiner Tasche zahlen könnte. Er besitzt zehnmal soviel Gelb, als die Deutsche Reichsbank und die Banque de France und um an seinen Kapitalbesitz heranzureichen, müßten sich zweihundert Privatbanken von der finanziellen Tragfähig­feit unserer Großbanken( Deutsche Bank, Bank für Han­del und Industrie, Nationalbank, Dresdener Bank 2c.) zu­zusammenschließen!

Der historische Rabe im Merseburger Schloßhof. Im Schloßhof zu Merseburg wird nach einem uralten Brauche ein Rabe im Käfig gefangen gehalten, und zwar zur Er­innerung an die Geschichte vom Merseburger Schloßherrn, der einst seinen alten Diener hinrichten Iteß, weil er ihm einen Ring gestohlen haben sollte, und der ihn nach seinem Tode als schuldlos erkannte, als man den Ring im Neste etnes Raben fand. Der Merseburger Tierschutzverein pe= titioniert bereits seit einiger Zeit bei den Stadtvätern we gen Abschaffung dieser Sitte, da es eine Grausamkeit ſet, ein Tier in einem engen Käfig gefangen zu halten, wo doch ein ausgestopfter Rabe dieselben Dienste leisten würde. Die Merseburger Stadtbehörde hat nun die Petition an die Regierung weitergegeben, da sie darüber nicht allein verfügen dürfe.

Ein sonderbares Duell. Aus Japan werden die Ein­zelheiten eines Duells berichtet, das minder grausam als die europäischen Formen des 3wetkampfes erscheint und audem einer gewissen Komik nicht ermangelt. Die in dem Inselreich erscheinende Tageszeitung Eastern World" er­zählt, daß zwei Barbiere von Osaka in Streit gerieten und, da sie zu erregt waren, ihn selbst zu schlichten, einen ge­meinsamen Freund als Schiedsrichter wählten. Dieser ent­schied nach reiflicher Ueberlegung, daß die beiden Gegner sich mit Kinnstößen bekämpfen sollten. Und derjenige, dem es gelingen würde, den Gegner auf diese Art zu Fall zu bringen, sollte als Sieger angesehen werden. Man band den Duellanten" die Hände auf dem Rüden, und um sie am Gebrauch der Zähne während des Kampfes zu verhin­dern, verband man ihnen den Mund mit einem starfen Knebel. In diesem Zustande stürzten die Barbiere auf­einander und erregten bei dem zahlreich erschienenen Publi­fum der Zweikampf ward abends außerhalb der Stadt ausgetragen- große Heiterfeit. Zur Entscheidung ge= langte das Duell" nicht; denn die Gegner bekamen nach furzer Zeit einen Kinnbadenkrampf, der ihnen jede Lust nahm, den Streit auf diese Weise zu Ende zu führen. Die Verlegungen waren ganz geringfügig, aber außer dem Kinnbadenkrampf holten sich die Barbiere noch einen stei­fen Hals, den sie lange behielten.

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Die Hochzeitsgeschente einer Minionärsbraut. In Baltimore wurde unlängst die Hochzeit von Frl. Harriet Stewart Brown mit Thomas Suffern Tailor aus Neuyork gefeiert, die beide der Dollararistokratie Amerikas ange­hören. Die Trauungszeremonie im Ballsaale des Brown­schen Hauses war eine der glänzendsten Veranstaltungen der Saison, ein Fest, bei dem aller Lurus entfaltet wurde, den Millionenvermögen hervorzaubern können. Nach der Trauung, zu der die Braut ein wundervolles Seidenkleid, mit alten Spigen garniert, trug, wurde den Gästen, deren 3af1 400 betrug, ein Frühstück serviert, zu dem die erle= sensten Delikatessen aus der ganzen Welt zusammengetra gen maren. Das junge Paar trat dann im Automobil, einem auf 15 000 Dollar geschätzten Hochzeitsgeschenk, die Hochzeitsreise an. Die anderen Hochzeitsgeschenke waren in einem besonderen Saal ausgestellt, wo für die Gegen­stände cus Gold zwei besondere Tische reserviert waren. Der Br utigam hatte der Braut eine herrliche Diamant­tiara und einen reich mit Brillanten gezierten Schildpatt­famm geschenkt. Die Eltern der Braut überreichten der Tochter einen Shed über 100 000 Dollar und außerdem eine künstlerisch wertvolle Einrichtung. Die vier Gesell­schafter des Bräutigams schenkten der Braut eine in Gold gefaßte Kette aus Diamanten, die eine Elle lang ist und 25 ausgesucht schöne Steine enthält. Von anderen Freun­den und Verwandten des Hauses rührten folgende Kost­barkeiten her: ein herrliches Perlenkollier, eine große Per­lenriviere, ein Duhend großer goldener Schüsseln, eine goldene Handtasche mit Diamanten besetzt, Nadeln aus Gold mit Diamanttöpfen, ein zarter, alter Fächer mit goldenen Rippen, seltene Sevresvasen, ein fomplettes gol­denes Dessertservice, Meißener und englische Porzellanft­guren und vieles andere.

Der Kaiser als Gutsbesitzer.

In letter Beit haben mehrere Güter Aufsehen erregt, dte mit dem Kaiser in Verbindung zu bringen sind. Es ist Bekannt, daß die angeblichen Erben von Cadinen eine Klage wegen des Gutes einreichen wollen. Jetzt wird die Schen­fung des Klosters Behnin in der Mark Brandenburg an den Kaiser mitgeteilt. Es wird darum von Interesse sein, zu erfahren, wieviel Güter der Kaiser besitzt, der der größte Grundbefizer Deutschlands ist. Mit dem neuen Gute Lehnin verfügt der Kaiser insgesamt über 84 Güter. Die Größe des Lehniner Gutes ist amtlich noch nicht be= fannt geworden. Die bisherigen 83 Güter, zu denen auch Cadinen und das Gut Bornstedt bei Potsdam gehören, umfaffen insgesamt 98 746 Hefter und liefern einen Grund­fteuerreinertrag in Höhe von 651 631 Mark Zum Vergleich

sei angeführt, daß der zweitgrößte Grundbesitzer in Deutsch land der Fürst von Plek 75 Güter mit 51 112 Hektar Um fang und 325 000 Mart Reinertrag besitzt. Der drittgrößte Grundbesitzer ist der Herzog von Ujest. Er hat 52 Güter mit rund 40 000 Hektar und 250 000 Mark Reinertrag. Der viertgrößte Grundbesitzer ist der Herzog von Ratibor mit 51 Gütern von 33 000 Heftar Größe und 275 000 Mark Reinertrag. Ihm folgt der König von Sachsen, der über 50 Güter in Gesamtgröße von 30 000 Hektar verfügt. Von den 83 Gütern des Kaisers gehören die meisten zu den bekannten faiserlichen Schlössern. Man muß, wenn man die Güter des Kaisers betrachtet, zwischen den Kron­gütern und den Gütern unterscheiden, die Privat­eigentum des Kaisers find. Wenn man die Krongüter hinzurechnet, dann würde sich die Zahl von 83 Gütern um 7 erhöhen, sodaß es 90 Güter wären, die als Besitz des Kaisers in Betracht kämen. Die einzelnen fleineren Güter aufzuführen, würde zu weit führen. Es seien hier nur noch die Schlösser erwähnt, die dem Kaiser gehören, und die zumteil über recht bedeutende Rittergüter verfügen. Das Königsschloß in Berlin zu dem ein Gut nicht gehört, ist ein Krongut, dagegen sind die beiden anderen Schlösser, nämlich das Schloß Bellevue und das Schloß Monbijou Privateigentum des Kaisers. In Potsdam sind 13 Paläste Privateigentum des Kaisers mit dem ganzen dazu gehö­rigen Grundbesitz. Folgende Güter und Schlösser gehören ferner dem Kaiser: Hannover hat ein Residenzschloß, das aber nicht Privateigentum des Kaisers ist. Ebensowenig wie das Stadtschloß in Stettin und das Stadtschloß in Cassel. Dagegen sind die Schlösser Wilhelmshöhe und die Löwenburg, die sich auch bei Cassel befinden, wohl dem Kaiser persönlich zugehörig. Er hat ferner Privateigentum noch in Breslau, das Schloß am Ererzierplatz, in Char­lottenburg, Wiesbaden, Freienwalde an der Oder, Königs­berg, Celle, Straßburg im Elsaß, Königswusterhausen, O8­nabrück, Trouville, Rominten, Schönhausen bei Berlin, Schwedt an der Oder, Homburg v. d. H., Oliva, Coblenz; ferner gehören ihm noch mehrere Jagdschlösser.

Drabtnachrichten und neuestes.

Das Kaiserpaar in London.

London, 19. Mat. Der Kaiser legte gestern in Windsor im Mausoleum einen Kranz auf das Grab der Königin Viktoria. Darauf nahm das Kaiserpaar mit dem englischen Königspaar im Weißen Zimmer des Schlosses ben Tee. Kurz nach 6 Uhr gingen die Herrschaften nach der St. Georgs- Kapelle, wo sie in das Totengemach traten. Hier legte der Kaiser einen prachtvollen Kranz von Lilien und Orchideen und die Kaiserin einen Strauß Maiglöckchen auf das Grab König Eduards. Dann kehrten die Herr schaften per Automobil nach London zurück.

Das Kronprinzenpaar am Zarenhofe. Petersburg, 19. Mai. Die Kronprinzessin besuchte gestern nachmittag ihren Onkel, den Großfürsten Nikolat Michailowitsch. Zu Ehren des Kronprinzenpaares fand abends beim deutschen Botschafter ein Diner statt. Heute morgen besuchte der Kronprinz den erkrankten russischen Minister des Aeußern und gab seine Karte und einen Blumenstrauß ab.

Die elsaß- lothringische Verfassungsreform in der

Kommission.

Berlin, 19. Mat. Die Reichstagskommission für die elsaß- lothringische Verfassungsreform erledigte heute die zweite Lesung des Wahlgesetzes und beschloß, in eine sofortige fünfte Lesung des Verfassungsentwurfs einzu treten. Zwet von der Reichspartet beantragte Paragraphen über die Freiheit des religiösen Bekenntnisses und die Sprachenfrage wurden mit 19 Stimmen der Reichspartei, des Zentrums, der Nationalliberalen, der Volkspartei und der Sozialdemokraten angenommen.

Folgenschweres Brandunglück.

Marienberg( Erzgebirge), 19. Mai. In der ver­gangenen Nacht ist im gelobten Land ein kleines Wohn­haus durch Feuer zerstört worden. Dabei sind drei Kin­der des Fabrikarbeiters Panhans im Alter von neun, zehn und acht Jahren in den Flammen umgefommen. Die Mutter und eine siebenjährige Tochter trugen schwere Brandwunden davon.

Schredenstat eines Negers.

Neunort, 19. Mai. Ein Neger, der einen Streit mit einem Weißen gehabt hatte, verfiel in Raserei. Er lief mit einem Revolver und Messer bewaffnet durch die Straßen, wobei er wie wild um sich feuerte. Drei Per­sonen wurden durch Schüsse getötet, mehrere verwundet. Schließlich stredte ihn ein Polizist durch einen Schuß zu Boden. Die wütende Volksmenge stürzte sich auf den am Boden liegenden Neger und trampelte mit den Füßen auf ihn herum.

Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt.

In der am 17. Mat beendeten Berichtswoche war Nei gung zu einer Abschwächung am Berliner Markte zu beo­bachten Roggen hatte wiederum bei der Preisbewegung die Führung. Wie gewöhnlich bei Eintritt eines Rück­gangs wurde auch inländische Ware in größerem Umfange angeboten. Weizen schwankte in fleinen Grenzen nach oben oder unten, je nachdem die Wetterberichte aus Rußland und den Donaugebieten lauteten. Die Mattigkeit des Rog­gens übte zuletzt auch auf Weizen einen Druck aus. Ha­fer hatte sehr ruhiges Geschäft. Sowohl seitens des Non­sums wie der Händler wird äußerste zurückhaltung beo­bachtet, und die Käufer wurden durch einige Nachgiebigkeit der Preisforderungen noch vorsichtiger gemacht. Auch in Gerste hielt sich das Geschäft in mäßigen Grenzen. Ruß­lands Ausfuhr bleibt bedeutend. Am Getreidemarkt wird allgemein mit besonderer Spannung dem nächsten preußt= schen Saatenstandsberichte von Mitte Mai entgegengesehen, die privaten Nachrichten namentlich über die Roggen­felder sich vielfach widersprechen. Am letzten Tage der Be­richtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Jult wie folgt: Weizen 206,00 M, Roggen 167,75 M, Hafer 167,25 Mark, Mais 138,25 M.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, 76 bis 79 M, 6) funge fleischige, nicht ausgemästete und ältere aus-, gemästete 71-76 M, c) mäßig genährte junge und gut ge­nährte ältere 62-72 M; d) gering genährte jeden Alters

M. 2. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 70-75 M, 6) vollfleischige jüngere 68-73 M, c) mäßig ge-, nährte jüngere und gut genährte ältere, 62-68 M, d) gering genährte M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 70-75 M, 6) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 63-68 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere ühe 58-64 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 53-58 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 60 M, f) gering genährtes Jungvieh ( Fresser) 50-72 M. 4. Stälber: a) Doppellender feinster Mast 108-136 M, 6) feinste Mastfälber 100-110 M, c) mitt­Tere Mast- und gute Saugfälber 70-84 M, d) geringe Saug­fälber 55-65 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 70-76 M, 6) ältere Masthammel 66-72 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 64-70 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht -M, 6) vollfleischige über 2% Bentner Lebendgewicht 51-55 M, c) vollfleischige bis Zentner Lebendgewicht 51 bis 55 M, 6) fleischige Schweine 51-55 M, e) gering ent­wickelte Schweine 49-51 M, f) Sauen 46-48 M,