Ein englisches Urteil über den Kaiser.
I." auf über die Frage, wann die laufende Legislatur: periode des Reichstages gesetzlich ihr Ende nehmen müsse. Das B. T." vertritt den Standpunkt, daß das Ende am 13. Dezember d. J., also am Tage der Auflösung des Reichstages im Jahre 1906 einzutreten habe. Die„, Deutsche Tagesztg." bemerkt demgegenüber, im Jahre 1903 seien die Neuwahlen beispielsweise auf denselben Tag anberaumt worden, an dem fünf Jahre vorher der frühere Reichstag gewählt wurde. Es sei also sehr wohl möglich, die Legislaturperiode vom Tage der Neuwahlen an zu rechnen. Selbst wenn die Reichsregierung sich neuerdings auf den Standpunkt des„ B. T." stellen wollte, würde sie das durchaus nicht hindern, den Reichstag zu einer Herbsttagung einzuberufen und die Neuwahlen im Januar vorzunehmen. Der Reichstag brauche in diesem Falle nur bis zum 11. oder 12. Dezember zu tagen, um dann formell aufgelöst zu werden. Auch in Regierungstreisen ist die Frage, wann dieser Reichstag sein gesetzliches Ende erreicht, noch offen. Sie wird also wohl entschieden werden je nach Bedürfnis.
In London tft foeben ein umfassendes Werk über die Hohenzollern erschienen, das von Braylay Hodgetts verfaßt ist und den englischen Lesern ein lebendiges Bild von den Charaktereigentümlichkeiten der Hohenzollern und von den in dem Geschlechte waltenden historischen Traditionen vermitteln will. Der Verfasser, der einen großen Teil setner Kindheit in Deutschland zugebracht hat und auch im Lauf seiner späteren Laufbahn wieder nach Berlin zurückgefehrt ist, zeigt in seinem Werfe ein Streben zur freundAtchen Objektivität, das gerade in diesen Tagen willkommen geheißen werden muß. Von dem Buche, das eine großangelegte Charakteristik Friedrichs des Großen aufwetst, mag bte Gegenwart wohl am meisten das Ürteil über Wilhelm II. interessieren. Hodgetts ist ein Bewunderer des Katsers; nachdem er sich eifrig mit der Persönlichkeit Katfer Friedrichs beschäftigt hat, fährt er fort: Sein Sohn und Nachfolger, der gegenwärtige Kaiser, ist ein viel Tomplizierterer Charakter. Von seiner Mutter erbte er Jene fünstlerischen Anlagen, die bei ihr so ausgeprägt waren, und auch jenes Feingefühl, das dem Gente gleichkommt und das sein Onkel Eduard in so außerordentlichem Maße besessen hat. Der Katser ist vielseitig, beredt, weise und be= gabt, aber er ist auch fleißig, arbettsam, gewissenhaft, pflichtgetreu und vor allen Dingen: er ist Soldat. Hohenzoller bis zu den Fingerspißen, ist er in seinem Wesen ein Mann der Gegenwart, er ist modern, und er versteht es, die pittoresten Wesenszüge des Mittelalters mit den neuesten Entdeckungen der Elektrizität und der Chemie in Einklang zu bringen. Es ist nicht zuviel gesagt, daß er für die deutsche Nation in ihrem gegenwärtigen tritischen Moment threr Entwickelung der ideale Herrscher ist. Während er die fonservativen Instinkte der bet wettem größten Mehrheit seines Volkes wachruft, tst er selbst für den Fortschritt und die Beichen einer neuen Zeit nicht blind und weiß ihre Bedeutung voll zu würdigen." Der britische Beurteiler hebt dann hervor, daß nur Ignoranz und Unwissenheit die Wurzel fenes englischen Glaubens sein können, nach dem der Kaiser nach einem Kampfe lechzt, und„ ungeduldig eine Gelegenheit erwartet, die Kraft seiner gepanzerten Faust zu erproben." Hodgetts wetst nachdrücklich darauf hin, daß der Kaiser seinem ganzen Wesen und seinen Anschauungen nach niemals dazu geneigt sein würde, im Falle europäischer Verwicklungen den Angreifer abzugeben; er würde sich darauf beschränken, im Falle eines Angriffs sein Land zu verteidigen und auf das Recht seiner guten Sache bauen.
Zu dem Rücktritt des Botschafters Sill erklärt die Neue polit. Korresp.", daß die Namen, die bisher als Nachfolger für Hill genannt werden, lediglich auf Kombinationen beruhen. Die amerikanische Regierung habe in der Frage bisher noch keine Entscheidung getroffen. Auch an Berliner amtlichen Stellen wird diese Nachricht bestätigt. Man hat noch keinerlei Orientierung über die Person des Nachfolgers, desgleichen nicht über die Gründe, die Hill zum Rüdtritt bewogen haben.
Ueber die Festlegung des Osterfestes werden demnächst unverbindliche Verhandlungen zwischen den verbündeten Regierungen einerseits und den in Betracht kommenden Instanzen anderseits eröffnet werden. Soweit bekannt ist, haben die kirchlichen Behörden gegen eine Festlegung des Osterfestes im allgemeinen nichts einzuwenden. Auch Handel und Industrie haben sich mit diesem Gedanken befreundet. Wie aus Regierungsfreisen verlautet, soll der Vorschlag gemacht werden, Ostern auf den zweiten Sonntag im April festzulegen, damit die Karwoche in allen Fällen noch in den April fällt. Es soll zunächst die Meinungsäußerung der größeren Bundesstaaten zu dieser Frage eingeholt werden.
Eine Leuchtpistole für unser Heer. Vor kurzer Zeit ist, wie der Korrespondenz„ Heer und Politik" von militärischer Seite mitgeteilt wird, eine " Leuchtpistole" eingeführt worden, durch die eine Beleuch= tung des Schlachtfeldes zur Nachtzeit möglich ist. Durch cine Art großer Pistole werden Leuchtgranaten in die Höhe geschleudert, die 8 bis 10 Sefunden lang leuchten und einen Lichtschein von 3000 Kerzen über einen Umkreis von 500 Meter verbreiten. Es ist dadurch den Schüßen die Mög= lichkeit gegeben, die Stellung der feindlichen Truppen auch zur Nachtzeit gut zu erkennen und das Zielobjekt zu tref= fen. Eine ähnliche Leuchtkanone" ist gleicherweise bei der Marine erprobt worden. Hier handelt es sich um Acetylengranaten, die vom Schiff aus ins Wasser geschleudert werden. Das Geschoß enthält eine Kammer, die mit Calciumfarbid gefüllt ist, und die so eingerichtet ist, daß das Wasser in sie eindringen kann. Die Granate wird nun in das Wasfer geschleudert, wodurch sich das Wasser mit dem Karbid chemisch verbindet und bekanntlich das Azeinlengas hervorbringt. Die Granate steigt wieder an die Wasseroberfläche, und bildt so die Lichtquelle. Diese Azetylengranaten haben, da sie sich gut bewährt haben, mehrere Vorzüge aufzuweisen. Erstens haben sie eine Leuchtstärke von ungefähr 3000 Kerzen und brennen mindestens 3 Stunden. Sie gestatten also der Besatzung des Kriegsschiffes, die gesamte Uebung auf der Wasseroberfläche bis in die genauesten Einzelheiten zu beobachten. Was aber noch von größerer Bedeutung ist, ist der Umstand, daß sie von dem eigenen Kriegsschiff weit weggeschleudert werden. Zum Absuchen des Wassers dienten bis jetzt im allgemeinen Scheinweifer, die z. B. als Schutz gegen das unbemerkte Herannahen von Torpedobooten zur Nachtzeit gebraucht werden.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Auf die Reichsfinanzreform wird von der„ Nordd. Allgemeinen 3tg." noch einmal bei ihren Wochenrückblicken hingewiesen. Es sei durch sie ermöglicht worden, daß das Reich zum erstenmal seit vielen Jahren ohne eine neue Anleihe auskommen werde.„ Darin liegt eine Bestättgung und Betätigung der Reichsfinanzreform, an der eine noch so geläufige Kritik nicht mehr gut rütteln kann." Und noch einmal wird der Hinweis des Kanzlers wiederholt, daß die Folgen der neuen Steuern gesunde Finanzen bilden.
Fürsorgezöglinge für den Seemannsberuf. Auf Anregung des Landeshauptmanns von Westfalen hat der BerItner Waisenrat beschloffen, die Berliner Fürsorgezöglinge auf den in Emden liegenden Schulschiffen zur seemänni schen Ausbildung unterzubringen.
Die Justizunterbeamten Preußens haben an den Justizminister eine Petition gerichtet, in der sie u. a. ihre Gleichstellung mit den Sicherheitsbeamten erbitten, ferner Aenderung der Titel und Uniform, Verkürzung der Dienststunden, Regelung des Ferienurlaubs, Erhöhung der Entschädigung für Bedienung der Gefangenen von 3 auf 10 und Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses bis zu% Höhe der den mittleren Beamten gezahlten Zulagen.
Wann läuft die Legislaturperiode des Reichstags ab? Die„ Deutsche Tageszeitung" nimmt die Polemik des„, B.
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Des Rätsels Lösung.
Roman von Ludwig Blümce. ( Nachdruck verboten.)
Eine Ballonfahrt über die Alpen. Der Ballon„ Gotthard", der am Freitag abend mit drei Herren von Augsburg abfuhr und seine Route über Salzburg- Triest nahm, landete am nächsten Abend glatt am Trafimenischen See. Das ist die zweite Alpenüberquerung im Luftballon.
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Das Schicksal der Sultansjuwelen. Der türkische Sultan genehmigte den Beschluß der Kammer, die in der Ottomanischen Bant aufbewahrten Juwelen und Brillanten des Sultans Abdul Hamid zu verkaufen und den Erlös dem türkischen Fottenverein zu überwetsen.
Zum bevorstehenden Zarenbesuch in Deutschland erfährt die„ Frantf. 3tg." aus zuverlässiger Quelle, daß das Zarenpaar in Friedberg bereits im Juli zu längerem Aufenthalt eintrifft. Während desselben wird der Bar nach einem Besuch des Kaisers in Friedberg einen Besuch bei Kaiser Wilhelm auf Schloß Wilhelmshöhe abstatten, um dort auch mit dem Oheim des Königs von England, dem Prinzen Arthur von Connaught, zusammenzutreffen.
Mit Abscheu wandte Hardi sich in seinem Groll von diesem Menschen ab, der ihm eine größliche Karikatur seines Geschlechts schien. Warum diese Lüge noch obenbrein?
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Nene Goldfelder in Deutsch- Südwest. Im Kuibistal ( Südwestafrika) sind, wie die Lüderizer Zeitung" meldet, Mitte März 50 Goldfelder abgesteckt. Die Bohrkolonne sol bet Wafferbohrungen das Vorhandensein eines Goldriffs festgestellt haben. Ein Teil der abgesteckten Felder ist von Dr. Range im Namen des Schutzgebietsfiskus belegt.
König Alfons von Spanien ist in Bordeaux eingetroffen, um einen Spezialarzt für Nasen- und Halskrankheiten zu konsultieren, der ihn schon wiederholt behandelt hat. Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt des Königs wurde ein Anarchist namens Fernandez Franzesko verhaftet. Der König ist am Dienstag wieder nach Madrid abgereist.
Während des Osterschießens sind in Luttenberg bei Graz ( Steiermark) 12 Häuser abgebrannt. Ein Kind wurde als Leiche aufgefunden. Das Feuer war durch fliegende Fun ten entstanden.
Bei Flugversuchen schwer verunglückt ist in Mannheim der Brauereibefizer Hübner aus Moosbach. Hübner, der mit einem Doppeldecker Versuche unternahm, wurde durch das allzustarke Andrängen des Publikums behindert. Bet einer Kurve rannte er infolgedessen mit voller Wucht gegen einen Baum. Er erlitt einen doppelten Knöchelbruch. Der Propeller zersplitterte, auch der Motor wurde erheblich beschädigt.
Präsident Diaz gibt nach. Das von den Aufständischen in Mexiko verlangte Gesetz über die allgemeinen Neuwahlen ist gestern nachmittag im merikanischen Kongreß eingebracht worden, ebenso der Inhalt der Friedensvorschläge, die Präsident Diaz den Aufständischen gemacht hat. Diaz hat jetzt erkannt, daß ein Kompromiß ohne das Zustandekommen der Neuwahlen unmöglich ist.
Zu Bett fam er nicht mehr. Sein Bursche, der, als er heimkam, bereits aufgestanden war, mußte ihm eine Tasse Tee fertig machen und eine Stunde später saß er im Sattel, nachdem er zuvor noch im Hotel zum„ blauen Stern" ein Brieflein an die Komtesse abgegeben. Darin schrieb er kurz und klar, aus welchen Gründen es ihm nicht möglich gewesen, die 2000 Mark zu beschaffen. Zu langen Auseinandersetzungen war keine Zeit. Kein Mensch sah Ihm die durchwachte Nacht an und, daß er bange Sorgen auf dem Herzen hatte. Im Dienst war er immer der Gleiche, schneidig, flott, mit ganzer Seele dabei. Auch in der Residenz zu zeit des tollsten Sumpflebens hatte ihm feiner seiner Vorgesetzten den Vorwurf machen können, daß er als Soldat im Dienst seine Pflicht nicht erfüllte.
Kleine Nachrichten.
Die Königin von Rumänien( Carmen Sylva) ist, wie aus Bukarest gemeldet wird, leicht erkrankt und muß das Bett hüten; ihr Zustand ist jedoch nicht besorgniserregend.
Von einem Steinblock erschlagen. In seinem Kalksteinbruch bei Artern im Bezirk Merseburg wurde der 50jährige Gutsbesitzer Koch und der 67jährige Arbeiter Schmidt von einem 30 Zentner schweren Steinblock erschlagen. Die beiden Leichen wurden als formlose Masse unter dem Gestetn hervorgeholt.
Beim Spiel mit einem Gewehr erschossen. In Berga am Kyffhäuser wurde der 8jährige Sohn des Weichenstellers Ludwig auf dem Grundstück seines Vaters von dem 12jährigen Sohne des Handelsmannes Herzberg, der in der Laube ein geladenes Gewehr gefunden hatte, beim Spiel cr= schossen.
Das Schloß Jägerhof bei Düsseldorf, das vor kurzem aus dem Besitz der Krone in den der Stadt Düsseldorf übergegangen ist, wird mit einem Kostenaufwand von 350 000 M umgebaut werden. Es ist als Dienstwohnung für den Ober= bürgermeister vorgesehen und wird außerdem städtische Repräsentationsräume und Fremdenwohnungen hervorragender Gäste erhalten.
Eine rohe Tat. In Breslau stieß gestern ein Tischlergeselle aus reinem Mutwillen einen 13jährigen Schüler unter eine fahrende Dampfwalze. Der Knabe war sofort tot. Der Täter wurde verhaftet.
Während des Gottesdienstes vergiftet hat sich am Ostersonntag in der Darmstädter Martinskirche ein in Bessungen wohnender Schreiner namens Heeger. Er hatte plötzlich eine starke Dosis Blausäure zu sich genommen und verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhause.
Die streikenden Transportarbeiter der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft in Berlin hielten Dienstag mittag eine Versammlung ab, in der 442 Arbeiter für Fortsetzung des Streifs, 350 für Wiederaufnahme der Arbeit stimmten. Da damit die erforderliche Zweidrittelmajorität für die Fortsetzung des Streiks nicht erreicht worden war, wurde beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen.
Edelgard war außer sich vor Enttäuschung und Wut, wie man ihr im„ blauen Stern" des Leutnants Brief übergab. Aber nur wenige Gefunden besann sie sich. Dann war ein neuer Entschluß gefaßt.. Hatte Hardi nicht helfen Lönnen, so würde ihr anderer Verehrer, der Assessor von Renther, es zweifellos können. Lieber wäre es ihr ja zwar gewesen, jenem zu Dank verpflichtet zu sein. Aber schließ= fich, ein hübscher Kerl war dieser ja auch, namentlich in feiner Reserveoffizieruniform. und mehr Kavalier als dieser„ Leutnant vom Lande" schien er ihr zudem schon längst.
Sie begab sich also direkt in des Assessors Wohnung. Und der Zufall fügte es, daß sie ihn gerade noch zu Hause antraf.
Von Briganten ermordet. Bei Sassari( Sardinien) überfielen Briganten eine Villa, erschlugen die Besiberin, plünderten das Landhaus und marterten das Dienstmädchen zu Tode. Karabiniere sowie Freiwillige aus der Bürgerschaft setzten den Räubern nach.
Dolkswirtschaftliches.
Der Ruf nach einer ununterbrochenen Sonntagsruhe geht bekanntlich schon seit Jahren von der deutschen Geschäftswelt aus. Bereits in 25 deutschen Städten ist eine volle Sonntagsruhe eingeführt, und in 92 Städten darf an den Sonntagen nur während 2-3 Vormittagsstunden ein Verkauf stattfinden. Namentlich wird die durch die Gottesdienststunden unterbrochene fünfstündige Verkaufszeit an Sonn- und Festtagen von vielen Geschäftsinhabern und Angestellten als eine Last und Plage und als eine Beeinträchtigung des Familienlebens betrachtet. Da indessen gegen die Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe sich Strömungen geltend machen und ein allgemeines Ruhen der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe verhindern, so haben jezt, veranlaßt durch die Regelung der Sonntagsverkaufszeit in Berlin, die Geschäftsleute in zahlreichen deutschen Ortschaften zur Selbsthilfe gegriffen Die örtlichen Vereine der Gewerbetreibenden wollen die verkürzte Sonntagsarbeit privatim einführen und haben sich vielfach erboten, den Versuch zur Einführung einer ununterbrochenen und verkürzten Verkaufszeit zu unternehmen. Die allgemei= nen Verkaufsstunden von 12--2 Uhr mittags werden ganz aufgehoben, nur die Verkaufszeit von 7-10 Uhr vormittags bleibt bestehen. Durch diese Selbsthilfe will man eine endItche gesetzliche Regelung der Verkaufszeit an den Sonnund Festtagen, d. H. eine vollständige Sonntagsruhe herbetführen.
Alles andere hätte v. Renther erwartet als das! Aber seine Verwunderung sollte noch weit größer werden. Ihn, der sich in letzter Zeit von ihr zurückgesetzt fühlte, nannte sie den einzigen Menschen auf Erden, zu dem sie unbedingtes Vertrauen hätte. Dann kam sie ihm mit ihrem Anliegen, genau in derselben Weise wie gestern Hardi. Und sie hatte Glück! Der Assessor beschaffte ihr innerhalb einer Stunde ohne irgendwelche Schwierigkeiten die gewünschte Summe und erntete dafür ihren wärmsten Dank.
Gegen Abend kehrte die Schwadron nach einer sehr anstrengenden Uebung erschöpft in die Garnison zurück. Sardi saß stolz und fest wie aus Erz gegossen auf seinem stattlichen, schaumbedeckten Braunen. Ihm merkte auch jetzt niemand etwas von Müdigkeit an. Er galt eben für unverwüstlich, sein eiserner Körper war zäh und widerstandsfähig auch bei den größten Anforderungen.
Nachdem er sich schnell umgekleidet und in aller Eile ein wenig gegessen, spazierte er nach dem Jagdschloß hin= aus, um Edelgard mündlich alles näher zu erklären und sie zu fragen, ob sie wünschte, daß er heute noch einmal nach Wedelstein reiste, um mit dem Vater, der inzwischen angelangt sein müßte, zu sprechen.
Kaum ist er im Walde angelangt, da sieht er den Assessor von Reyther mit heiterster Miene in Edelgards und ihrer Schwester Begleitung des Weges daher kommen.
Am liebsten hätte er Kehrt gemacht, denn seines Nebenbuhlers Miene verrät ihm, daß der Zweck seines heutigen Besuches völlig verfehlt ist. Aber zu spät! Die Gräfin hat ihn bereits gesehen und winkt ihm freudig zu. Da geht es also nicht anders.
Aus den Gerichtssälen.
Ein freigesprochener Kurpfuscher. Ein nicht uninter effantes Kulturbild aus Ostpreußen entrollte eine Verhandlung gegen den Ziegeleiarbeiter Otto Sauer, der sich vor dem Königsberger Schöffengericht wegen Betruges zu ver= antworten hatte. Sauer, der vor einigen Wochen verhaftet wurde, galt bei vielen Leuten als Wunderdoktor, der imstande sei, durch Handauflegen und Besprechen die schwer= sten Krankheiten zu heilen. Bei seiner Vernehmung gab
Ah, nach einer solchen Uebung noch Lust zum Spazieren?" schnarrte der Assessor nach etwas steifer BegrüBung.
Nimmt mich auch Wunder!" fügte Edelgard mit so spöttischem Lächeln hinzu, daß Hardi in gereiztem Ton, aber stolz wie ein Spanier erwiderte:„ Wir können eben
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mehr als schwächliche Stubenhocker, wir von der KavalIerie!"
,, So war es recht!" rief die Gräfin aus, der er heute ganz besonders zu imponieren schien.
Da er gar zu deutlich herausmerkte, daß seine Gegenwart nur dieser angenehm, den beiden anderen aber durchaus nicht erwünscht war, so empfahl er sich sehr bald an= geblich, um dem Oberförster einen lange schon versproche= nen Besuch abzustatten.
„ Also auch das war nur ein Traum?" stöhnte er, sich fest an eine Buche lehnend. Und ingrimmig fügte er hinzu:„ Aber diesen Traum werde ich bald vergessen haben! Hierbei war das Herz nicht beteiligt!"
7. Kapitel.
Als Hardi am nächsten Vormittag auf dem Kasernenhof erschien, kam ihm der Rittmeister sehr erregt entgegen, begrüßte ihn freundschaftlich, was er sonst Untergebenen gegenüber nicht zu tun pflegte, und rief aus:„ Eschenholdt, Sie haben Glück! Sie sind begnadigt! Lesen Sie hier, was der Oberst schreibt: Müssen noch heute abreisen. Oberleutnant von Wolffen im Duell erschossen, als Ersay nur Sie zu gebrauchen, da erste Schwadron sonst verlottert. Lesen Sie, sehr schmeichelhaft für Sie und recht bedauerlich für mich. Gratuliere Ihnen aber herzlich." Ja, da stand allerdings recht schmeichelhaftes für Sardi in dem lakonisch kurz verfaßten Schriftstück des Obersten. Man mußte ihm seine Sünden verziehen haben. Aber sofort abreisen? Nicht einmal nach Wedelstein fahren?. Es half nichts! So lautete nun einmal der Befehl, und der mußte erfüllt werden.
( Fortsekuna folgt.)
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