Ausgabe 
20.3.1911 Zweites Blatt
 
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Dschungel auf eine Büffelherde, und der eine Jäger brachte auch aus einiger Entfernung zwei Kugelschüsse auf einen Büffelstier an, der dann waidwund mit den übrigen Tie­ten abging. Bei dem unübersichtlichen Gelände war es bet Jägern nicht möglich, die Flucht der Herde richtig und vollkommen zu übersehen. Nach einigen hundert Metern Berfolgung trafen sie die Spur des stark schweißenden Büffels und gingen ihr in den Dornbusch hinein nach. Flöglich wurde der zuvorderst gehende Jäger gewahr, wie der angeschossene Büffel in nächster Nähe aus dem Busche hervorbrach, um die Jagdgesellschaft anzunehmen. Nach­dem der erste Europäer einfach über den Haufen gerannt worden war, spießte der waidwunde Büffel denselben Schützen, der die zwei Kugeln auf ihn angebracht hatte, mit den Hörnern auf und zermalmte in höchster Wut den Körper. Als die Leiche nur noch eine formlose blutig­breiige Masse bildete, ließ das wütende Tier von seinem Opfer ab und folgte der abgegangenen Herde. Der weiße Gefährte des Getöteten und die schwarzen Träger hatten fich auf nahestehende Bäume geflüchtet und waren dort Zeugen des furchtbaren Schauspiels.

Der Sternenhimmel des Zaren. Aus Petersburg wird berichtet: Das vom Zaren Nikolaus 2. in Petersburg gegründete Volkshaus erhält jetzt ein neues Theater, des­sen Zuschauersaal nicht nur der größte der Wel. sein, son­dern sich auch durch eine andere Besonderheit auszeichnen wird. Die Kuppel des Saales wird nämlich den Ster­nenhimmel darstellen, und zwar in der Konstellation der der Geburtsstunde des Kaisers. Mit der Bestimmung Konstellation war Professor Glasenapp, ein Gegner des Gregorianischen Stils, betraut, der die Arbeit jetzt mit hilfe einiger Assistenten beendigt hat. Von den Plane­ten befand sich in der Geburtsstunde des Zaren nur der Saturn am Himmel. An der Kuppel werden die Sterne bis zu denen der vierten Größe dargestellt sein, wobei ihre größere oder geringere Helligkeit durch die verschie dene Größe der Deffnung in der Decke und die verschie dene Lichtstärke der entsprechenden elektrischen Lampen er­zielt werden wird.

schloß der Pesttongreß mit großer Stimmenmehrheit, die Plombierung in jedem notwendigen Falle vorzunehmen. Sie soll allerdings nur bei dem einfachen Volk erfolgen, das sich jeder Maßnahme der Sanitätsbehörde widersetzt. Das Abflauen der Pest ist ausschließlich auf dieses uner­bittliche System der Sanitätsbehörden zurückzuführen. Die Plombierung erfolgt seit dem 28. Februar in allen von der Best bedrohten chinesischen und russischen Städten. besteht in einem kleinen eng um das linke Handgelenk geschmiedeten Nidelkettchen, an dem sich eine Bleiplombe befindet, durch die der betreffende Chinese für gesund er­flärt wird. Die mandschurische Grenze dürfen nur plom­bierte Chinesen überschreiten. u

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Die erste Luftbriefpost. Die Flugmaschine, die bis vor furzem in der Hauptsache nur sportlichen Zwecken und In­teressen diente, gewinnt neuerdings auch als praktisches Ver­fehrsmittel immer erhöhtere und umfassendere Bedeutung. So befanden sich, wie aus London gemeldet wird, unter den Sendungen, die mit der indischen Post aus Bombay in England eintrafen, auch mehrere Briefe, die den Post­stempel der Hauptstadt der indobritischen Nordwestprovin= zen Allahabad und eine neue Postmarke trugen, die ein nicht gewöhnliches historisches Interesse beanspruchen darf. Be­fagte Marke zeigt das Bild eines über eine Gebirgskette fliegenden Aeroplans mit der Aufschrift: Ausstellung der Vereinigten Provinzen Allahabad 1911." Die eigenartige Marke verdankt ihr Entstehen der von der indischen Post­behörde dem Kapitän Windham erteilten Erlaubnis, mit der Ausstellung in Allahabad einen Luftpostdienst einzurich­ten, der die Möglichkeit der Briefbeförderung aus einer be= lagerten Stadt durch Flugmaschinen praktisch demonstrier­ren soll. Die Luftpost untersteht der persönlichen Aufsicht des Generalpostmeisters der Vereinigten Provinzen und dient ausschließlich der Auflieferung von Briefen und Post­farten. Die Postbehörde wollte im übrigen feine Erhöhung der Portokosten eintreten lassen, sondern die für die Be­förderung durch Aeroplane bestimmten Sendungen wurden in einem Separatkouvert nach Allahabad geschickt unter Be­rechnung einer geringen Zuschlagsgebühr. Die Post wurde dann auf dem Ausstellungsplate in die Aeroplane verla= den, um von hter auf dem Luftwege nach dem Postamt von Allahabad transportiert, um dann postmäßig weiterbeför­dert zu werden. Zum Gedächtnis des denkwürdigen Er­eignisses wurden in der postalischen Druckerei die Spezial­marken hergestellt.

Die Rache des Chauffeurs. Ein lustiger Vorfall, ier zeigt, daß Theorie und Praxis oder daß die Bestimmungen des Strafgesetzbuches und die Anforderungen des täg­lichen Lebens sich nicht immer decken, ereignete sich vor furzem in Hamburg. Ein bekannter Landrichter, so er­zählt die ,, Nationalzeitung", hatte etwas lange in Mor­pheus Armen gelegen und wollte nun eiligst nach seinem Amtszimmer im Strafjustizgebäude, da er eine wichtige Gizung wahrzunehmen hatte. Er stürzt auf die Straße, winkt einen vorbeifahrenden freien Kraftwagen heran und ruft dem Lenke: zu ihn nach dem Strafjustizgebäude zu fahren, und zwar so rasch wie möglich. Das Auto setzt sich in Berregung, jedoch mit einer Geschwindigkeit", daß die elektrischen Straßenbahnen, die Pferdedroschken und selbst die Fußgänger den Wagen überholen. Mit Vorsicht wer­den die Straßenkreuzungen befahren, in weitem Bogen wird allen Schutzleuten ausgewichen, und vorschriftsmäßig hält der Chauffeur hinter einem Straßenbahnwagen, des­sen Passagiere im Aussteigen begriffen ni. Der Herr Landrichter stampft nervös mit den Füßen und wütet in hinein. Endlich mit großer Verspätun angekommen und den Fahrpreis bezahlend, fragt er den Chauffeur, wa­rum er denn in aller Welt so langsam gefahren sei. Da erwidert dieser treuherzig: Ja, wissen Sie, Herr Land­richter, Sie haben mich erst gestern in fünfzig Mark Geld­Strafe wegen Uebertretung der Straßenordnung für Kraft­wagen genommen, da wollte ich heute ganz genau nach Dieser Morschriften fahren."

Lamas auf der Lüneburger Heide. Die preußische Staatsregierung beabsichtigt auf wenig brauchbaren Län­dereien Versuche mit südamerikanischen Lamas anzustel­len. Als erstes Versuchsfeld ist die Lüneburger Heide ausersehen. Das Lama ist das genügsamste Tier der Art und außerordentlich nüzlich. Es wird als Zieh,- Reit­und Schlachttier verwendet. Das Fleisch besitzt einen sehr zarten Geschmad. Von großem Wert sind auch Wolle und Fett. Die Einführung dieser Tiere verdient die Beach­tung aller, die sich für den Aufschwung der deutschen Vieh­Bucht interessieren.

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Aus den Geriebissälen.

Teil der deutschen Truppen seinen Abmarsch in die Heimat und zwar am 2. August 1873. Nur noch ein Teil, nämlich 1000 Mann, die zur Besetzung der Festung Verdun zurüd gelassen worden waren, blieb auch jetzt noch in Frankreich zurüd, bis auch die 5. Milliarde der festgesetzten Kriegs­fostenentschädigung abgezahlt worden war. Diese 5. Mil­liarde sollte nach zwischen Deutschland und Frankreich ge= troffenen Abmachungen in vier Zahlungen erfolgen. Die erste Zahlung von 250 Millionen Mark hatte einen Mo­nat nach der Bezahlung der 4. Milliarde, also am 5. Juni 1873, Frankreich an Deutschland zu bezahlen. Vier Wo­chen später war die zweite Rate von 250 Millionen Mark fällig, und die beiden letzten Raten von je 250 Millionen Mark mußten am 5. August und 5. September 1873 ge= zahlt werden. Die Zahlung erfolgte pünktlich. So ver­ließen denn die 1000 Mann der Besatzung von Verdun am 13. Eeptember Frankreich und am 16. September des selben Jahres verließ General von Manteuffel mit dem letzten deutschen Soldaten das besiegte Land.

Wegen Veleidigung einer Telephonistin wurde ein Münchener Kaufmann, der die Telephonistin ein Rind­vieh" nannte, weil sie ihm angeblich nicht sofort gesagt hatte, daß eine von ihm verlangte Anschlußnummer besetzt sei, vom Schöffengericht zu fünfundzwanzig Mark Geld­Strafe verurteilt. Der Amtsanwalt hatte zehn Tage Ge­fängnis beantragt. Die vorgesetzte Behörde hat auf An­zeige der Telephonistin hin den Strafantrag gestellt. Die Dame bekundete unter ihrem Eid, daß sie dem Angeklagten gleich beim ersten Anruf die Auskunft gegeben habe, daß die betr. Nummer besetzt sei.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Jin Anschluß hieran sei das Friedenstelegramm Kaiser Wilhelms an seine Gemahlin mitgeteilt. Es lautete fol­gendermaßen: Versailles, den 2. März. Der Kaiserin­Königin in Berlin! Soeben habe ich den Friedensschluß ratifiziert, nachdem er schon gestern in Bordeaux von der Nationalversammlung angenommen worden ist. Soweit ist also das große Werk vollendet, das durch 7monatliche siegreiche Kämpfe errungen wurde, dank der Tapferkeit, Hingebung und Ausdauer des unvergleichlichen Heeres in allen seinen Teilen und der Opferfreudigkeit des Va­terlandes. Der Herr der Heerscharen hat überall unsere Unternehmungen sichtlich gesegnet und daher diesen ehren­vollen Frieden in seiner Gnade gelingen lassen. Ihm sei die Ehre! Der Armee und dem Vaterlande mit tiefbe­wegtem Herzen meinen Dank! Wilhelm.

Ein Gastspiel der Frankfurter Oper in Paris. Wie der Frtf. G.- Anz. meldet, sind zwet der bekanntesten Theater­agenturen an die Frankfurter Neue Theater- Aktiengesell­schaft mit der Einladung herangetreten, den Rosenkavalier" von Richard Strauß in Paris aufzuführen. Zur praktischen Ausführung dieses Planes wollen die beiden Unternehmer eine Gesellschaft zur Aufbringung des nötigen Kapitals gründen. Mit dieser würde dann die Frankfurter Neue Theater- Aktiengesellschaft einen Vertrag abschließen, nach welchem das gesamte an der Frankfurter Aufführung des " Rosenkavalier" beteiligte Personal nach Paris kommen und eine sechsmalige Aufführung der Oper, entweder in der Großen Oper oder im Theater Chatelet veranstalten würde.. Die Aufführungen sollen im Juni dieses Jahres stattfinden, und zwar einen Tag um den anderen. Wenn es den Unternehmern gelingt, das Kapital zusammenzu­bringen, so wird die Neue Theater- Aktiengesellschaft vor­aussichtlich dem Projekt näher treten. Der eine der Unter­nehmer hat die Aufführungen des Rosenkavalier" an sämt­lichen größeren Theatern in Deutschland gesehen und von ihnen die Frankfurter Aufführung als die beste ausgewählt. Die Angelegenheit befindet sich naturgemäß noch im Sta­dium der ersten Vorbereitungen.

Die Einnahmen von Oberammergau. Interessante Einblide in die finanziellen Verhältnisse der Oberammer­gauer Passionsspiele gewährt die soeben erschienene Ab­rechnung für die verflossene Spielzeit. Die Gesamtein­nahmen beliefen sich auf 1704 735, die Ausgaben ein­[ hließlich der Honorare an die Mitspielenden auf 1 142 426 Mark, so daß sich ein Ueberschuß von 562 308 M ergibt. Von diesem Ueberschuß sind bereits 126 523 M für den Schlachthausneubau, für den Leichenhausneubau und die Ammerkorrektion ausgegeben worden. Der Rest soll wie folgt Verwendung finden: für kirchliche Zwede 48 000 M, für Zwecke der Erziehung und Bildung 23 000 M, für Wohl­tätigkeitszwede 25 500 M. Für die Anlage einer weiteren Wasserleitung sind 40 000 M angesetzt, zur Fortsetzung und Vergrößerung der Kanalisation 30 000 M. Der Fonds zur Förderung und Unterstützung der Industrie erhält 20000 M, der Fonds zur Hebung der Landwirtschaft da­gegen nur 16 000 M. Dafür sind aber noch 5000 M zur Förderung der gemeindlichen Lindenkultur und 4000 M für Obstbau und Bienenzucht eingestellt. Dem Verschöne rungs- und Fremdenverkehrsverein sind 25 000 M zuge­bacht. Eine ganze Anzahl von Vereinen erhielten kleinere Beiträge, große dagegen fließen in den gemeindlichen Pen­fonsfonds. So sind bestimmt weitere 65 000 M für die Ammerkorrektion, je 30'000 M zur Erhaltung der Ge­meindegebäude und als Hilfsfonds für außergewöhnliche Fälle, 25 000 M für Wildbachverbauungen. Angesichts der Tatsache, daß die Lichtverhältnisse auf der Passions= bühne mitunter zu wünschen übrig lassen, sind auch noch 5000 At für eine bessere Lichtwirkung bestimmt. liche Steuerzahler von Oberammergau.

Glück

Aus dem Reiche der Technik.

Drabtnachrichten und neuestes.

Maßnahmen gegen die Eisenbahnattentäter. Berlin, 18. März. Die Zahl der Fälle, in denen auf Eisenbahnzüge gefchoffen oder geworfen wird, hat sich in der letzten Zeit verdoppelt, ohne daß es gelungen ist, der Täter habhaft zu werden. Die Verwaltung hat sich entschlossen, die auf die Ermittlung der Täter ausgesetzte Belohnung zu erhöhen.

Verurteilung eines Leutnants zur See. Wilhelmshaven, 18. März. Das Rencontre im Re­staurant Rheingold, bei dem Leutnant zur See Opolski gegen einen Handlungsreisenden, mit dem er in Wort­wechsel geraten war, mehrere Schüsse abfeuerte, ohne ihn zu treffen, fand gestern seine Sühne vor dem hiesigen Kriegsgericht. Das Gericht verurteilte Opolski wegen ver­suchten Totschlags zu drei Monaten Gefängnis.

Die größte Wasserturbine der Welt. Für die Pacific Coast Power Company ist, wie wir dem Prometheus" ent­nehmen, vor kurzem einer Fabrik in Milwaukee der Auf­trag zum Bau von zwei Francis- Turbinen von je 20 400 PS Leistung erteilt worden, welche für ein Wasserkraft­Elektrizitätswerk am White River bestimmt sind. Dieses Werk soll im vollen Ausbau sechs solche Turbinen erhalten. Das verfügbare Gefälle beträgt 146,3 m, ist also nicht ein­mal das größte Gefälle, bei welchem Francis- Turbinen be­retts angewendet worden sind. Die Turbinen werden mit 360 Umdrehungen in der Minute laufen und mit Dreh­stromoynamos von 6600 Volt gekuppelt werden. Mit dem Bau dieser Turbinen haben die Vereinigten Staaten ge= genüber Europa hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Grö­ße threr Maschineneinheiten einen bedeutenden Vorsprung erlangt. Die größten Turbinen für europäische Wasserkraft­anlagen sind zurzeit im Bau befindlichen Turbinen für das Werk in Rjukanfos in der norwegischen Landschaft Telemarken, die ungefähr 14 000 PS letften sollen. Von der Größe der hier in Rede stehenden Leistungen kann man sich annähernd einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß der Schnelldampfer Kaiser Wilhelm II." nur zwei Dampf­maschinen von je 20 000 PS Leistungen besitzt.

Plombierte Chinesen. Um die Verbreitung der Pest durch pestkranke Chinesen zu verhindern, ist der Pestion­greß zu Irkutsk, der am 25. Februar stattfand, auf ein ei­genartiges Mittel gekommen. Zwei Aerzte schlugen als einzigen Ausweg vor, jeden Chinesen zu plombieren", d. jeder Chinese sollte an einem unlöslichen Armband eine Blombe erhalten, die er nicht nachzumachen imstande sei. Nur auf diesem Wege könne man dem Betrug und der Fälschung vorbeugen. Von seiten einzelner Mitglieder des Best tongresses wurde dem zwar anfangs widersprochen, da fie es für menschenunwürdig hielten, Leute mit Plomben zu belegen. Dieses Vorgehen sei mittelalterlich zu nen­nen und nicht besser, als die Anlegung eines eisernen Ringes, den jeder Galeerensträfling in früheren Jahrhun­derten erhielt. Auf den Hinweis, daß es sich hier um eine brutale und grausame Wirklichkeit handle, und um einen 3wang, der aus Rücksicht auf die Gesundheit der ganzen Welt sentimentale Erwägungen nicht zulasse, be=

Die Heimkehr auferer Truppen aus Frankreich.

Tödlicher Sturz in den Keller.

Erfurt, 18. März. In einem Hause der Augustiner­straße rutschte heute der Schuhmacher Meyer auf der Keller­treppe aus und stürzte hinab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und starb bald darauf im Krankenhause.

Der Erlös aus den bayerischen Jubiläumsmarken. München, 18. März. Die Postverwaltung löste in fünf Tagen über 1% Millionen Mark aus dem Verkauf der neuen bayerischen Briefmarken.

Selbstmord eines Pfarrers. Würzburg, 18. März. In einem Anfall geistiger Stö­rung erschoß sich der protestantische Pfarrer Sichelftiel. Die französische Winzerbewegung.

Paris, 18. März. Die Aufregung im ganzen Wein= baugebiet der Champagne nimmt immer mehr zu. Allent­halben legen die Gemeindebehörden thre Aemter nieder. Die Winzer entfalten rote Fahnen und läuten in den Dör­fern die Sturmglocken. Für Sonntag planen die Winzer eine große Kundgebung.

Die Kriegsgefahr im fernen Osten. Petersburg, 18. März. Trotzdem China Rußlands For derungen anerkannt hat, scheinen die hiesigen politischen Kreise diesem augenblicklichen Erfolg nicht zu trauen, denn eine starke Heeresmacht soll in der Mongolei und im chine­fisch- turkestantschen Grenzgebiet bereit gehalten werden. Das chinesische Nationalgefühl, einmal erwacht, könnte manche Ueberraschungen bringen. In Peking finden patriotische Versammlungen statt, in denen die Schwäche der Regierung getadelt und sie aufgefordert wird zur schleunigen Einbe­rufung der Volksvertretung. Die Mongolei ist mit chine­fischen Proklamationen überschwemmt, furz, die Gefahr ist nicht geschwunden, sondern erst im Anzuge. Die russische Bahnverwaltung hat 7 Waggons mit Gewehren beschlag­nahmt, die an den Gouverneur von Zizikal bestimmt waren.

Der Rüdtransport der siegreichen deutschen Truppen aus Frankreich, der in diesen Tagen sein vierzigjähriges Jubiläum feiern kann, war nicht so leicht, wie es den An­schein haben mag. Kaiser Wilhelm I. fehrte schon am 16. März nach Berlin zurück, und der Einzug der ersten ftegreichen Truppen in Berlin fand am 17. Juni 1871 statt. Dies sind die beiden markantesten Zahlen. Der Rücktransport der gesamten anderen Armee nahm natür­lich längere Zeit in Anspruch. Es wurden bekanntlich in Frankreich größere deutsche Truppenmassen noch längere Zeit zurüdgelassen, bis die Kriegsentschädigung Frank­Um reichs an Deutschland völlig gezahlt worden war. welche Truppenmassen es sich handelte, kann man erken­nen, wenn man die einzelnen Körper nennt, die für diesen 3wed unter dem Oberbefehle des Generals der Kavallerie von Manteuffel in Frankreich zurückgeblieben waren. Von der ersten Armee war es das 1. Korps; die zweite Armee stellie dazu die 4., 6., 19. und 24. Division und die dritte Armee stellte die 11., 22. und 2. bayrische Division. Die Offupationsarmee rückte laut Abmachung nach der 2. Ra­tenzahlung ab. Die zweite Ratenzahlung mußte bis zum 5. Mai 1873 erfolgen. 3 Monate später begann der größte

Schwerer Unfall in einer englischen Reitbahn. London, 18. März. In der Reitschule von Aldershot stürzte ein Artillerieleutnant. Beim Sprung vom Pferde blieb er im Steigbügel hängen und wurde von dem scheu gewordenen Tier 300 Meter weit geschleift. An der Stall­tür schlug er mit dem Kopf gegen einen Stein. Er wurde lebensgefährlich verletzt nach dem Hospital gebracht.

Schiffsbrand auf hoher See.

Neuyort, 18. März. Der Dampfer Murces steht einer drahtlosen Meldung aus Galveston zufolge auf hoher See in Flammen und versucht, den Hafen zu erreichen. Dem Schiff, das 50 Passagiere an Bord hat, find Schlepper ent­gegengefahren.

Antijapanische Demonstration in den Vereinigten Staaten. Neuyort, 18. März. In Denver im Staate Co­lorado wurde das Haus eines japanischen Kaufmannes vom Pöbel angegriffen und zerstört. Es ist dies die erste antijapanische Demonstration in Colorado.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 17. März. Viehmarktpreise vom 16. März: Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M 00-00,( Schlachtgewicht) M 00-00, 6) feinste Mast( Vollm.- Mast) und beste Saugkälber( Lebendge­wicht) M 58-62,( Schlachtgewicht) M 96-103, c) mittlere Mast und beste Saugfälber( Lebendgewicht) M 52-57, ( Schlachtgewicht) M 88-97, d) geringere Saugfälber( Le= bendgewicht) M 46-51,( Schlachtgewicht) 78-86. Schafe: 1. Stallmastschafe: a) Mastlämmer, jüngere Masthämmel( Le­bendgewicht) M 40,( Echlachtgewicht) M 84, 6) ältere Mast­hämmel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgewicht) M 34-35,( Schlachtgewicht) M 82-83, c) mäßig genährte Hämmel und Schafe( Merzschafe)( Le= bendgewicht) M 00-00,( Schlachtgew.) 00-00, 5) Marsch­schafe oder Niederungsschafe( Lebendgewicht) M-,( Schlacht­gewicht) M, 2. Weideschafe:- Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kilogramm Lebendgewicht( Lebend­gewicht). 48-51,( Schlachtgewicht) M 63-65, 6) vollflet­schige Schweine unter 80 kilogramm Lebendgew.( Lebend­gewicht) M 48½- 50%,( Schlachtgewicht) M 62-65, c) voll­fleischige Schweine von 100-120 Kilogramm Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 49-50,( Schlachtgewicht) M 61-63, 5) vollfleischige Schweine von 120-150 Kilogramm Lebendge wicht( Lebendgewicht) M 49-51.( Schlachtgewicht) M 61-64