Ausgabe 
20.3.1911 Zweites Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

Darlegungen des Peuple" verdient hauptsächlich folgende Stelle, die von den Bildungs- und den Lohnverhältnissen in Deutschland und Belgien handelt, wiedergegeben zu werden: Unser armes Volk lebt in tiefster Unwissenheit und Dummheit; man bedenke, daß unter den Refruten in der Provinz noch immer 10 bis 14 Prozent Analphabeten sich befinden. Was die Löhne anbelangt, so sei nur da­rauf verwiesen, daß nach einer Enquete über die Arbeits­löhne in Brüssel wo die Existenzbedingungen annä hernd die gleichen sind wie in Berlin foum 15 Prozent der Arbeiter einen regelmäßigen Verdienst von 4 Frank ( 3,20 Mt.) pro Tag erreichen." Also 85 Prozent aller Brüsseler Arbeiter verdienen weniger als 3,20 Mt. pro Tag! Damit vergleiche man die Verhältnisse in Berlin.

In der italienischen Kammer verlas der Präsident am Freitag eine Glückwunschdepesche des Präsidenten des Deutschen Reichstags aus Anlaß des 50. Jahrestages der Vereinigung des Königreichs Jtalien. Der Präsident und alle Abgeordneten erhoben sich von ihren Sitzen. Die Ver­lesung wurde mit wiederholtem enthusiastischem Beifall begleitet. Der Präsident erklärte im Anschluß an die Ver­lesung des Telegramms, nach dieser Kundgebung, die Zeug­nis dafür ablege, wie das italienische Parlament und ganz Italien des Bandes gedächten, das Italien mit der edlen deutschen Nation verknüpft, erachte er sich ohne weiteres beauftragt, dem Reichstag durch ein Telegramm die Ge­fühle der Freundschaft Italiens auszudrücken.( Lebhafter andauernder Beifall.) Unterstaatssekretär Fürst Discalea schloß sich im Namen der Regierung den erhebenden Wor­ten des Präsidenten und der ergreifenden Kundgebung an, mit der die italienische Kammer den Gruß des großen be= freundeten verbündeten Volkes erwidere.

Zu Beginn der Stzung vom Freitag gedachte Präft dent Graf v. Schwerin- Löwiß des 50jährigen Jubiläums des Königreichs Italien und brachte das von ihm aus die­sem Anlaß an den Präsidenten der italienischen Deputter­fenkammer gesandte Glückwunschtelegramm zur Kenntnis des Reichstags. Sodann wurde bei ziemlich mäßig besetztem Hause und sehr geteilter Aufmerksamkeit die Einzelberatung des Etats für das Reichsamt des Innern weitergeführt. Den Titel: Beitrag für den Verband deutscher Arbeits­nachweise benußte der Abg. Severing( Soz.), um sich für pa­ritätische Arbeitsnachweise einzusetzen. Er lockte den Abg. Giesberts( Str.) dadurch auf den Plan, der sich dagegen verwahrte, die öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweise angegriffen zu haben; er begrüßte im Gegenteil deren fort­gesetzt gute Entwickelung. Nach weiterer Zwiesprache zwi­schen beiden Herren über dieses Thema folgte bald eine längere Rede des Hamburger Abg. Megger( Soz.). Er suchte nachzuweisen, daß die Seeberufsgenossenschaft eine Vereinigung von Interessenten sei, die in ihren eigenen Reedereibetrieben die Vorschriften der Berufsgenossenschaft nicht beachten. Sie trage die Schuld an dem Untergange einiger Frachtdampfer und an anderen Unglücksfällen, die mit dem Verlust an Menschenleben verbunden gewesen seien. Der Regierungsvertreter trat den Ausführungen des sozialistischen Redners sehr lebhaft entgegen. Er stellte fest, daß der Seeberufsgenossenschaft nur die laufende Kon­trolle über die Seetüchtigkeit der Schiffe obliegt, daß für die Ausrüstung im einzelnen Falle aber der Schiffsführer verantwortlich ist. Die Ausdehnung der Verpflichtung der Reichskommiffare, die Auswandererschiffe mit den Hunder­ten und Tausenden von Passagieren vor der Abfahrt zu be­fichtigen, auch alle Frachtdampfer sei eine Unmöglichkeit; sie würde den gesamten Schiffsverkehr lahm legen. Die Seeberufsgenossenschaft erfülle ihre gesetzlichen Aufgaben in vorzüglicher Weise. Im übrigen fet die Seeschiffahrt ein Gewerbe, das unter dem Gesichtspunkt der ausländischen Konkurrenz betrieben werden müsse.. Hinsichtlich des Al­ters unserer Kauffahrteischiffe ständen wir selbst der ersten seefahrenden Nation, England, gegenüber außerordentlich günstig da. Nach Ausführungen des Abg. Schwarz- Lübeck ( Soz.), eines früheren Schiffsfochs, traten mehrere Redner, wie die Abgg. Kirsch( 3tr.), Raab( W. Vg.), der ein Reichs­schiffahrtsamt forderte, und Heckscher( fortschr. Vp.) dem Ver­treter der Verbündeten Regierungen zur Seite. Bei dem statistischen Amt verlangte Freiherr v. Gamp( Rp.) Verein­fachung durch besseres Zusammenarbeiten der Aemter der Einzelstaaten mi idem des Reiches. Abg. Röside( fons.) for= derte eine industrielle Produktionsstatistik, von dem er sich den Erweis erhoffte, daß die Landwirtschaft die Haupter­zeugerin von Gütern sei. Doormann( fortschr. Volksp.) meinte skeptisch, daß gegenüber jeder Produktionsstatistik Vorsicht geboten sei. Der Staatssekretär sprach sich gegen eine Zusammenlegung der statistischen Arbeiten des Reiches und der einzelnen Bundesstaaten aus. Dann ging die De­batte noch einige Zeit ziemlich eintönig weiter, bis schließlich Vertagung auf Sonnabend erfolgte.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Zum Besuch des Kaiserpaares in Wien erfährt die offiziös bediente Wiener Korrespondenz Wilhelm": Die Ankunft des deutschen Kaisers, der Kaiserin sowie der Prinzessin Biktoria Luise und des Prinzen Joachim er­folgt am 24. März auf dem Bahnhofe um 10% Uhr vor­mittags. Kaiser Franz Josef wird voraussichtlich hier feine Gäste empfangen und begrüßen. Nach einem Aufent­halt von wenigen Minuten wird die Fahrt nach Station Benzing fortgesetzt, wo die Begrüßung durch die Erzher­zöge und Erzherzoginnen und die Würdenträger erfolgt. Von dort wird die Fahrt zu Wagen nach Schönbrunn fort­gesezt. Mittags findet im Schönbrunner Schloß Frühstück, abends Tafel statt. Hierauf setzt das deutsche Kaiserpaar mit der Prinzessin und dem Prinzen die Reise nach Benedig fort.

Russische Probemobilmachungen an der chinesischen Grenze haben nach Petersburger Meldungen begonnen. Zweifellos will Rußland damit zunächst seiner letzten Note an China jeden nur möglichen Nachdruck verleihen. Man tann auch annehmen, daß die chinesische Regierung die Verhandlungen jetzt rascher und mit größerer Nachgiebig­feit führen wird. Immerhin ist die Lage äußerst gespannt, zumal da, namentlich auf chinesischer Seite, die Stimmung der Grenzbevölkerung sehr erregt ist.

Eine Hanjabundtandidatur soll in dem pommerschen Reichstagswahlkreise Ueckermünde- Usedom- Wollin geschaf fen werden. Für den verschwundenen Bürgermeister Troemel von Usedom wollen nämlich die Liberalen des Wahlkreises jetzt den Vorsitzenden des Hansabundes für Pommern, Fabrikbesitzer Dr. Toepfer als gemeinsamen li­beralen Kandidaten aufstellen. Verhandlungen, an denen auch hervorragende Parlamentarier beider liberaler Par­teien teilgenommen haben, sind zu einem günstigen Ab­schluß geführt worden und die Proklamation dieser neuen Hansabundkandidatur steht unmittelbar bevor.

tiv warf sich der Mann zur Erde, längs der Schtenen, und der Zug rasselte über ihn hinweg, ohne thm jedoch mehr als einige kleine Hautabschürfungen zuzufügen. Den her beieilenden Augenzeugen erzählte der Gerettete, die Bett, die er unter dem Zuge zugebracht, habe ihm wie eine Ewig­feit geschienen. Dabei fuhr der Zug mit 70 Kilometer Geschwindigkeit.

Die Wahlvorschriften für die bevorstehende Wahl der Gesetzgebenden Versammlung" in Portugal, die jetzt ver­öffentlicht werden, sind recht interessant. Die gesamte männliche Bevölkerung über 21 Jahre, die imstande ist zu lesen und zu schreiben, und ihren eigenen Lebensunter­halt zu erwerben, wird zur Wahl zugelassen. Sämtliche Soldaten, Zivilgouverneure und andere Staatsbeamte ha­ben kein Wahlrecht. Richter, Geistliche, katholische wie protestantische, fönnen nicht als Abgeordnete gewählt wer­den. Der Tag der Wahl, der auf den 30. April festgelegt waz, ist bis zum 14. Mai verschoben worden.

Wir haben es bei Euch in Deutschland besser gefunden als bei uns" das ist das Endurteil, in das der belgische Sozialdemokrat Fischer, Redakteur an der Brüsseler Zei­tung Le Peuple", die Ergebnisse und Eindrücke des Stu­dienaufenthaltes der belgischen Arbeiterdelegationen in Berlin und Leipzig zusammenfaßt. Aus den ausführlichen

19)

Das Familiengeheimnis.

Roman von 2. Walter.

( Nachdruck verboten.)

Zwei gefährliche Einbrecher wurden in der Kirche zu Burtscheid bei Aachen verhaftet, die nach der Auffassung der Polizei Mitglieder einer Verbrecherbande sein sollen, die zahlreiche Kirchendiebstähle in West- und Mitteldeutschland ausgeführt hat. Der eine der Spitzbuben sprang von dem zehn Meter hohen Orgelchor herunter und brach dabei beide Beine. Von Aachen aus wollten die Spitzbuben nach Ber­lin und Leipzig weiter reisen.

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Zwei jugendliche Erpresser wurden in Krumbach bayerisch Schwaben verhaftet. Es sind zwei 17jährige Schlosserlehrlinge, die unter Drohungen von der Frau et­nes Oekonomierats 500 Mark verlangt hatten, die an et= nem bestimmten Plaz niedergelegt werden sollten.

In der Wäschmangel den Kopf zerquetscht hat sich in Saalfeld das Kind einer Arbeiterfamilie. Es war von der Mutter mit in die Rollstube genommen worden, wo es beim Spielen in einem unbewachten Augenblicke zwischen Rollkasten und Wand geriet, so daß der Kopf zerquetscht wurde. Das Kind war sofort tot.

Ein seltsames Licht auf die Lage in Merito wirst die Wieldung eines angesehenen japanischen Blattes, die der Londoner Daily Expreß" anführt. Danach hat die meri­tanische Regierung die Entsendung eines Sonderbevoll­mächtigten nach Japan bis zum September verschoben. Es wurde in der nach Japan gelangten Meldung hinzugefügt, daß das Gefolge des Sondergesandten aus 5 Personen be­stehen würde und daß die Gesandtschaft etwa 14 Tage in Tokio bleiben würde. Der Daily Expreß" fügt ganz rich­tig hinzu, daß es schwer ist, sich einen vernünftigen Grund für die Entsendung einer mexikanischen Sondergesandtschaft nach Japan zu erklären, außer, wenn diese Sondergesandt­schaft Dinge betreiben will, die mit den amerikanischen Befürchtungen über den Abschluß eines mexikanisch- japa­nischen Geheimvertrages zusammenhängen.

Der Arzt beschäftigte sich nun mit der Kranken selbst, tief die Wärterin, erteilte Befehle und ging zu Wilhelm Junker, der in höchster Abspannnung auf dem Sofa saß. Der arme Mann sah recht bleich aus.

Nun, Doktor?" rief er, erschreckt auffahrend. " Ich bin zufrieden mit dem Zustande Ihrer Frau.. Schlafen Sie, auch ich werde mich der Ruhe für einige Stunden hingeben."

Der Arzt nahm Abschied und verließ das Haus. Wil­helm schlich in das angrenzende Zimmer und trat leise an das Krankenbett. Cäcilie schlief. Auch der Gatte ging nun zur Ruhe.

5.

Kleine nadridhten.

Das Beispiel seines Lehrers hat einen zwölfjährigen Volksschüler in Ludwigshafen zum Selbstmörder werden lassen. Er erhängte sich, nachdem er erfahren hatte, daß sein Lehrer sich ebenfalls durch Erhängen das Leben ge­nommen hatte.

Während eines Faustwettkampfes, der von einem Lon­doner Sportklub veranstaltet worden war, wurde plötzlich einer der Teilnehmer ohnmächtig und starb wenige Minu ten später. Die ärztliche Untersuchung der Leiche ergab, daß ein Herzschlag infolge der großen Aufregung den Tod des Unglücklichen herbeigeführt hatte.

Vom Dache abgestürzt ist in Bamberg ein Klempner­meister, als er an einem 25 Meter hohen Neubau die Ab­flußrohre anbrachte. Er war sofort tot.

Ein Mädchen als leidenschaftliche Raucherin dürfte zu den Seltenheiten gehören. Vor einigen Tagen entfernte sich die 16jährige Tochter des Besizers Samuel in Kos­ziol( Ostpreußen) heimlich vom Gehöft, weil ihr verboten wurde, beständig Tabak zu rauchen oder zu kauen. In diesen Tagen wurde das Mädchen in dem Kruge eines ent­fernten Dorfes, als Junge verkleidet, aufgefunden. Sie hatte sich, um dem Tabaksgenuß nicht entsagen zu müssen, die Haare abschneiden lassen, Knabenkleider angelegt und fich als Hüterjunge verdingt.

Nach einigen Tagen schon hatte Karl das Geschäft des verstorbenen Vaters vollständig fennen gelernt. Die auf­genommene Inventur zeigte klar den Bestand. Horn, der alte Rassierer, schüttelte den Kopf und der junge Chef sah traurig den Kassierer an. Man hatte ein anderes, ein günstigeres Resultat erwartet. 3og Selma die fünf­undsiebzigtausend Taler zurück, die ihr laut Geheimabuch gebührten, so stand es sehr übel. Ich lasse mir es nicht nehmen," sagte in einer vertraulichen Besprechung der Alte, es muß durchaus ein Geheimnis obwalten, denn wie wir das Geschäft gefunden, kann es nicht immer ge­wesen sein. Bedeutende Verluste hat das Haus nicht er­Hitten, ich müßte sonst darum wissen."

,, Haben Sie seine Vermutung?" fragte Karl.

"

Vermischtes.

Die 12 Apostel, Altersgenossen des Prinzregenten Luit­pold von Bayern, die am Gründonnerstag in die Mün­chener Residenz zur Fußwaschung kommen, sind zusammen 1188 Jahre alt, die ältesten 95, die jüngsten 92 Jahre. Sie werden neu gekleidet und vom Regenten, dessen Gäste sie sind, nach der Fußwaschung mit 30 Silberlingen be­schenkt, die ihnen in einem weiß- blauen Seidenbeutel um den Hals gehängt werden. Die Zeremonie der Fußwa­schung, als Zeichen der Demut nach Jesu Vorbild, voll­zieht der Regent unter geistlicher Assistenz. Die Leute fizzen auf einer Estrade, damit sich der alte Herr nicht all­zu tief zu bücken braucht. Es wird übrigens nur ein Fuß gewaschen, durch Benegung aus einer Kanne. Der Re­gent wischt mit dem ihm gereichten Handtuche über den Fuß, den dann der Stiftsprobst füssen muß. Die Apostel, meist Austragsbauern, die man in allen Provinzen des Königreichs zusammensucht, werden in München immer sehr gefeiert. Es zählt aber auch zum höchsten Stolze für jeden Hochbetagien Bayern, zur Fußwaschung zu kommen.

Ein Duell zwischen Gymnasiasten ist die neueste Pari­ser Sensation. Es fand zwischen den beiden Jungen zunächst ein Pistolenduell mit zweimaligem Kugelwechses statt. Da­rauf bekämpften sich die Gegner mit dem Degen weiter, bis einer von ihnen am Arm verwundet wurde. Die grimmen Widersacher versöhnten sich, nachdem so der Ehre Genüge geschehen war, durch eine Umarmung und empfingen die Glückwünsche ihrer Kameraden.

" Ich würde an Darlehen denken, die Ihr Vater an= deren gewährt, wenn sich das Geheimbuch nicht vorgefun­den hätte, und dies müßte doch Notizen enthalten. Es ist noch ein Fall möglich, nämlich der, daß Herr Hal­ling den Umfang seines Vermögens größer in den Augen der Welt gemacht. als es in Wirklichkeit ist."

Auf wundersame Weise dem Tode entronnen ist ein französischer Landmann. Er wollte das Gleis einer Bahn überschreiten, als plötzlich ein Zug heranbrauste. Instink­

,, Dies alles erklärt die Schuld an Selma nicht." ,, Freilich, freilich!"

Wozu raten Sie mir Horn: soll ich schweigen oder ein offenes Wort reden? Die Ungewißheit wirkt peinlich auf mich, daß ich fast die schlimmste Gewißheit vorziehen möchte."

,, Nein," rief Horn, Sie dürfen noch nicht reden Ihre erste Pflicht ist, das Geschäft zu erhalten. Lassen Sie die Tante an sich kommen, der ich, unter uns gesagt, nicht recht traue."

Aber der letzte Wille meines Vaters

Was der Hosenrock anrichten tann! Dem täglich wach­senden Sündenkonto des Hosenrocks ist jetzt auch der Bruch einer Verlobung zur Last zu schreiben. In London hat eine junge Dame ihren ehemaligen Bräutigam, einen Landschaftsmaler auf Einhaltung des Eheversprechens ver­tlagt, weil er die Verlobung für aufgehoben erklärte, als sie darauf bestand, die jupe- culotte zur Trauung anzu­ziehen. Der Richter aber hat dem hosenrodfeindlichen Maler Recht gegeben und die Klägerin abgewiesen. O Hosenrock!

Ich wage nicht zu behaupten, daß die Handschrift echt ist. Bleibt es mir auch ein Rätsel, wie ein Fremder zu dem Geheimbuche gekommen, so gebe ich doch so lange meine Zweifel nicht auf, als positive Beweise nicht vor­liegen. Warten Sie, warten Sie! Tante Selma muß sich melden, Sie dürfen nicht anfragen. Ignorieren Sie das Geheimbuch, dies ist mein Rat."

Under der junge Mann befolgte den Rat.

Masernepidemie in England. Nicht weniger als 150 Todesfälle sind in London in der letzten Woche verzeichnet worden. Das bedeutet eine Zunahme von 75 Fällen gegen die Vorwoche. Seit den letzten vier Wochen sind insge­samt 546 Personen der Masernepidemie zum Opfer ge­fallen. Am vergangenen Sonntag allein erkrankten 748 Personen an Masern; sie werden fast alle in den Spitä­lern Londons behandelt. In verschiedenen anderen Ge­genden Englands ist die Krankheit ebenfalls ausgebrochen. In zahlreichen Gemeinden mußten die Schulen wegen der Epidemie geschlossen werden.

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Ein schwerer Jagdunfall hat fürzlich im Süden des Schutzgebietes Deutsch- Ostafrika ein Menschenopfer gefor= dert. Nach den mündlichen Mitteilungen eines der Be­teiligten, eines Wildhändlers und Auffäufers der Firma Hagenbeck ging er mit seinem Gefährten im Gebiete des oberen Rufiyflusses im Dezember vorigen Jahres eines Morgens auf die Jagd, um ein Stück Wild für die Lager­küche zu schießen. Der eine Europäer trug eine Schrot­flinte, der andere führte ein kleinkalibriges Kugelgewehr. Nach einer Weile Marsches stießen die beiden im dichten

Die Epidemie, die so rasch aufgetreten, verlor bald an Heftigkeit. Es zog wieder Ruhe in die Gemüter ein und wer nicht den Tod lieber Verwandten oder Freunde zu beklagen hatte, durfte sich dem Genusse des Lebens über­lassen. Am Tage arbeitete Karl mit der ihm eigenen Em­sigkeit und Gewissenhaftigkeit. Abends war er bei seiner Braut, die ihm ein Glück ohne Grenzen bereitete. Hätte er nicht regelmäßig die Abendstunden bei der Geliebten verbracht, so würde er bemerkt haben, daß Selma nicht selten gegen neun Uhr das Haus verließ und um zehn Uhr erst zurückkehrte. Karl, der gegen elf Uhr antam, fand die Lante stets im Negligee, wenn er sie aufsuchte; sie verriet durch kein Wort, durch keine Anspielung, daß sie einen Gang unternommen habe. Eines Mittags bei Tisch sagte er ihr: Heute sind mir vom Handelsgerichte die Papiere zugestellt, wonach ich der Träger der Firma, mit­hin der Besitzer des Geschäfts bin. Es wären demnach alle nötigen Formalitäten erfüllt."

,, Ach," rief Selma lächelnd, ich gratuliere, Herr Karl Halling! Nun wird auch wohl unser Schild eine andere Gestalt erhalten?"

" Ich werde einfach schreiben lassen: Friedrich Hallings Nachfolger. Der Name meines Vaters soll sobald nicht verschwinden, er ist mir zu heilig."

,, Recht so, Karl! Der Name meines Bruders hat ei­nen zu guten Klang, als daß man ihn ohne weiteres aus­löschen könnte. Nun erlaube mir eine Frage im Ver= trauen: wie geht es Deiner Braut?"

Der junge Mann errötete zwar, aber er antwortete doch mit fester Stimme:

"

, Es geht meiner Auguste recht gut!"

,, O, wie freut mich das! Und Dinge dieser Art, die

so wichtig für unsere Familie sind, muß man von fremden Leuten hören!".

Ich begreife nicht, wen mein Verhältnis zu Auguste interessieren fann."

"

,, Mich, Deine Tante!" ,, Natürlich, aber fremde Leute... Karl, hast Du wirklich die Absicht, Dich zu verhel­raten?"

Sobald die Trauerzeit vorüber ist, führe ich Auguste heim; ich habe unter den obwaltenden traurigen Ver­hältnissen meine Herzensangelegenheiten nicht berühren wollen... Du würdest sie jetzt erfahren haben."

Selma legte bedächtig ihre Serviette zusammen. ,, Kar!," sagte sie, Du weißt, daß ich es gut mit Dir meine und daß ich stets auf Dein Wohl bedacht bin. Dein Vater verschmähte es nicht, in schwierigen Fällen mit mir zu beraten... folge aus Du diesem Beispiele."

Gern, recht gern!"

,, Besitzt Deine Braut Vermögen?" Nein!"

Fortsetzung folgt.)

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