Deutscher Reichstag.
ten und zwar getrennt ifür die katholischen und evangelischen Abgeordneten. Dann sammelten sich alle Würdenträger und Abgeordneten im Kaiserschlosse zu Berlin, wo der Kaiser selbst den Reichstag eröffnete. Es war ein unvergeßlicher Anblick, als alle die Helden, die heute schon vom Hauch der Sage umwittert sind, ihren Kaiser erwarteten, der mit großem Gefolge einzog. Er verlas mit vor Rührung zitternder Stimme die Thronrede, die er aus den Händen seines Kanzlers entgegennahm. Mit der Verlesung der Thronrede hatte die Eröffnung des Reichstages thren Schluß erreicht. Am Nachmittag um 3 Uhr desselben Tages fanden sich die Abgeordneten zur ersten Sizung im alten prenßischen Abgeordnetenhause zusammen. Am ersten Tage wurden nur die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, sodaß die Stzung schon nach 2 Stunden um 5 Uhr ihren Schluß erreichte. Aber auch die Reichstagsabgeordneten wollten diesen denkwürdigen Tag nicht ohne gemeinschaftliche Feier vorübergehen lassen, und sie vereinigten sich darum zu einem gemeinsamen Abendessen. So wurde dieser Tag beschlossen, der die erste Volksvertretung aller deutschen Stämme ge= feben hatte.
Am Sonnabend, dem siebenten Tage der Etatsdebatte, begann die Sitzung, allerdings bei nur schwach besetztem Hause, zwei Stunden früher als gewöhnlich. Man beschäftigte sich mit dem Reichsgesundheitsamte. Ein Zentrumsmann der Defonom Nanner aus Affelkofen in Oberbayern, begründete eine Resolution auf Ausdehnung der staatlichen Entschädigung für die durch die Maul- und Klauenfeuche entstehenden Verluste und wurde darin von dem Graz fen Kanit( fons.) unterstützt. Von der Veterinärpolizei ge= langte man zur Medizin. Der Sozialdemokrat Zietzsch forderte wirksame Maßregeln zur Bekämpfung der Tuberku= lose, die zum Teil eine Berufs- und Gewerbefrankheit sei. Am schlimmsten sei es in den Glasschleifereten und Porzellanfabriken. Staatssekretär Delbrück meinte, an sich sei die Bekämpfung der Schwindsucht Sache der Einzelstaaten. Das Reich habe nur die wissenschaftliche Prüfung. Der Kampf gegen die Seuche habe schon gute Erfolge gehabt. Die Zahl der Todesfälle gehe konstant zurück. Gerade Deutschland gehe in der Bekämpfung der Seuche allen anderen Län= dern voran. Auf eine Anfrage des Abg. Neuner( natl.) nach der reichsgesetzlichen Regelung des Apothekenwesens erklärte der Staatssekretär, er habe sich nach eingehendem Studium und nach Anhörung von Sachverständigen überzeugt, daß eine Lösung der Apothekenfrage durch Reichsgesetz nicht möglich sei. Jetzt habe die Landesgesetzgebung einzugreifen. Namentlich könne das Reich die Kosten für die Ablösung der Privilegien nicht übernehmen. Der Abg. Mugdan( fortschr. Vp.) bedauerte, daß das Reichsapothekengesetz endgültig geschettert sei. Ehe die Bundesstaaten so weit wären, würde lange Zeit vergehen. Abg. Roeside( ks.) tadelte die in den letzten Monaten in einigen Bundesstaaten erfolgte Einfuhr französischen Vichs als cine Gefahr für die heimische Viehzucht. Der Staatssekretär wies den Vorwurf, daß die Regierung das Reichsseuchengeseh nachlässig behandle, zurück und betonte, daß die jetzigen Vieherkrankungen nicht auf Einschleppung von außen beruhen. Bon der Grenzsperre sprang das Thema des nächsten Redners wieder zum Apothekengesetz, zur Bleikrankheit und anderen Dingen über. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Bumm, ein sächsischer und ein württembergischer Bundesratsvertreter beteiligten sich an der Debatte. Inzwischen hatte noch Graf Kanit im Sinne der Ausführungen seines Parteigenossen Dr. Roesicke eine Resolution über die Einbrufung einer Kommission zur Beratung der Viehseuchengefahr eingebracht, die dann zusammen mit den übrigen angenommen wurde. Nun kam das Patentamt an die Reihe, womit die erste Lesung einer Vorlage über den Patentausführungszwang verbunden wurde. Dieses Rapitel wurde ziemlich schnell erledigt. An das nächste Scapitel, Reichsversicherungsamt, knüpfte sich eine fieine Geschäftsordnungsdebatte. Es ging schon start auf 7 Uhr, als ein von der Linken eingebrachter Vertagungsantrag Dauersizung ein Ende machte.
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Die Eröffnungsfeier des ersten Deutschen Reichstags.
Rundschau vom Cage. Politisches.
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Budget des Landesverteidigungsministeriums angenom men. Der Landesverteidigungsminister erwiderte auf die vorgebrachten Anregungen, die Aeußerungen über den Weltfrieden und die Abrüstung hätten seine volle Zustim mung gefunden. Jeder Vernünftige müsse zugeben, daß ein ewiger Friede in volkswirtschaftlicher Beziehung der ideale Zustand für die Völker wäre. Die Erfahrung in der Geschichte zeige aber, daß dieser Zustand unerreichbar sei. Gegenüber dem Hinweis auf die Friedensbestrebun gen Englands und Nordamerikas weise er auf die kolossa len Schiffsbauten Englands hin, das den Schiffsbau der anderen Staaten genau verfolge und sofort überbiete, ferner auf das Modernisierungsbestreben der englischen Armee, um die Armeen des Festlandes einzuholen, schließlich auf die Rede Roosevelts in der Berliner Universität im Mai 1910, sowie darauf, wie energisch gerade jetzt die Union Teile ihrer Wehrmacht mobilisiere.
Das deutsche Kaiserpaar trifft am 22. März in Kiel ein zum Stapellauf des Linienschiffes„ Ersaz Hildebrand". Die Kaiserin wird im föniglichen Schloß Wohnung nehmen, während der Kaiser an Bord der„ Deutschland" bleibt. An die Taufhandlung, bei der, wie bereits ge= meldet, der Reichskanzler die Rede halten und die Kaiserin die Taufe vollziehen wird, schließt sich eine Festlichfeit im föniglichen Schlosse an. Bei seinem Besuche in Wien wird das Kaiserpaar auch von den drei Söhnen des Kronprinzenpaares begleitet sein, die dem Kaiser Franz Josef von Cesterreich vorgestellt werden sollen. Die Stadt Wien bewilligte 6000 Kronen für die Ausschmückung des Plazzes an der Schönbrunner Schloßbrücke anläßlich der Ankunft des deutschen Kaiserpaares.
In der italienischen Deputiertenkammer brachten die radikalen Sozialisten den Antrag ein, der mit der Beratung des Wahlreformentwurfs befaßten Kommission einen Termin für die Ueberreichung ihres Berichtes zu bestimmen. Die Kammer beschloß, über den Antrag, der ein verkapptes Mißtrauensvotum gegen das Kabinett darstellt, zur Tagesordnung überzugehen. Die radikalen Mitglieder des Kabinetts wollen nunmehr ausscheiden, um sich nicht zu ihrer Partei in Gegensatz zu setzen. Infolgedessen hat der Ministerrat einstimmig zu demissionieren beschlossen. Das Kabinett, das vorläufig noch die laufenden Geschäfte erledigt, wird heute dem Senat und der Deputiertenfammer seine Demission mitteilen.
Neue englische Spionageversuche sind in Hamburg und Bremen entdeckt worden, nachdem die Borkumer Spionageaffäre erst vor wenigen Monaten mit der Verurteilung der beiden englischen Offiziere zu längeren Strafen ihr Ende fand. Die Hamburger Kriminalpolizei hat einen Engländer, der angeblich in Southampton wohnt, und vier einheimische Personen verhaftet, die dringend verdächtig sind, in landesverräterischer Absicht genaue Angaben und Zusammenstellungen über die auf Hamburger und Bremer Werften im Bau befindlichen Kriegsschiffe an England zu liefern. Durch das beschlagnahmte Material sind die Verhafteten schwer belastet.
Zur Wahlbewegung wird aus Cöln gemeldet: Die Verhandlungen zwischen der nationalliberalen und der fortschrittlichen Volkspartei zweds gemeinsamen Vorgehens bei den nächsten Reichstagswahlen in der Rheinprovinz sind gescheitert. Die nationalliberale Partei hat nunmehr der Volkspartei Vorschläge überreicht, die die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten fordern, soweit es möglich ist, und die Erwartung aussprechen, daß der Kampf zwischen Nationalliberalen und der Volkspartei überall in Formen geführt wird, die ein Zusammengehen in der Stichwahl nicht erschweren.
Der Geburtstag des Deutschen Reichstages am 21. März 1871 wird noch allen, die ihn in Berlin erlebt haben, und die durch einen glücklichen Zufall dem größten Teil der Feierlichkeiten beiwohnen konnten, in lebendiger Erinnerung sein, als wäre er heute gefeiert worden. Dabei sind schon 40 Jahre politischer Kämpfe darüber hinweggegangen. Es war damals eine sehr bewegte Zeit. Auf den Straßen Berlins, besonders Unter den Linden, wogte eine festliche Menge, der die Freude über die errungenen Siege vom Geficht leuchtete. Wenige Tage vorher, nämlich am 16. März, hatte Berlin sein schönstes Festkleid angelegt, denn der greise Kaiser Wilhelm I. war vom Kriegsschauplaße heimgekehrt und unter dem Jubel der Bevölkerung durch Deutschlands Gaue gezogen. Die Begeisterung hallte noch In den Gemütern nach. Am 3. März hatten die Wahlen zu dem ersten Reichstag stattgefunden. Die begeisterte nationale Stimmung hatte also immerfort Nahrung gefunden. Nun war der große Tag der Eröffnung des ersten deutschen Reichstages, der ganz anders geartet war, als die früher unter dem Namen Deutscher Reichstag zusammengetretenen Körperschaften, herangekommen. Schon frühzeitig sammelte fich das Volk auf der Straße Unter den Linden, um etwas von dem festlichen Schauspiel zu sehen. Eine bisher ungefannte Anzahl Fremder war aus allen Teilen Deutschlands in Berlin zusammengeströmt, da jeder Zeuge des denkwürdigen Tages sein wollte. Unter den Linden stand schon um 9 Uhr frühmorgens das Volk Kopf an Kopf und begrüßte jede Equipage mit Freudenjubel. Endlich begann die Auffahrt der Würdenträger und Generäle. Ein brausendes, nicht endenwollendes Hurra erschütterte plötzlich die Luft und pflanzte sich von dem Brandenburger Tor nach dem Schlosse zu fort. Bismarck fuhr vorüber, der Schöpfer des Reiches, dem alle Herzen entgegenzitterten. Ernst dankte der eiserne Kanzler für die Ovationen, die ihm dargebracht wurden. Nicht lange darauf erneute sich die Begeisterung, da der zweite Paladin des Reiches, Moltke, in die Kissen seines Wagens zurückgelehnt, sich zu der Eröff= nung des Reichstages begab. Nun folgten die Wagen, welche die Fürsten und Großen des Reiches ihrem Ziele zuführten, in ununterbrochener Reihenfolge. Roon, Bundesfürsten, Diplomaten, Minister, Generäle. Zuerst wurde für die Reichstagsabgeordneten ein Gottesdienst abgehal
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Das Familiengeheimnis.
Roman von L. Walter.
Kleine Nachrichten.
Ein Vortrag über den Panamakanal vor dem Kaiser hat am Sonnabend im Ministerium des Innern in Berlin stattgefunden. Dem Vortrage wohnten bet die Minister Breitenbach, Endow, von Heeringen und die Staatssekre= täre Kraetke, v. Kiderlen- Waechter und v. Lindequist. Der Vortrag wurde von dem Geheimen Baurat Tincauzer achalten, der Mitglied der vom Präsidenten Roosevelt im Jahre 1905 berufenen internationalen Kommission war, welche dte Frage, ob der Kanal im Niveau des Meeres anzulegen oder als Schleusenkanal zu erbauen set, zu begutachten hatte.
Bürgerlicher Offiziersersatz. Die durch eine Kaiserliche Kabinettsorder befohlene Verteilung der Abiturienten der Hauptfadettenanstalt Lichterfelde auf die Armee zeigt sichtlich und erheblich mehr noch als im Vorjahre das Bestreben des Militärkabinetts, die Adelserklusivität_ge= wisser Truppenteile zu beseitigen. Bei verschiedenen Grenadierregimentern und Jägerbataillonen, darunter den Gardejägern, die sämtlich seit Jahren eigentlich ausschließlich adligen Ersatz gehabt haben und fast nur adlige Offiziere in ihren Reihen zählen, sind Kadetten mit bürgerlichem Namen als Fähnriche angestellt worden.
( Nachdruck verboten.) „ Du bist Kaufmann, brauchst Betriebskapital... 0, Ich weiß schon, was Du mir erwidern willst... lassen wir diese Seite der Angelegenheit außer Acht und fassen wir die ernste, materielle ins Auge. Es handelt sich um Deine ganze Zukunft..."
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Die übliche Feier auf dem Friedhofe der Märzgefallenen im Berliner Friedrichshain spielte sich am Sonnabend in dem bekannten Rahmen ab. Bei dem schönen Wetter Hats ten sich zahlreiche Arbeiterdeputationen und Besucher, darunter viele Frauen, eingefunden. Das Publikum verhielt sich sehr ruhig.
Die Luftschiffe„ P. 5“ und„ V. 6" sind durch Kauf in den Besitz der Luftverkehrsaesellschaft zu Berlin übergegangen. Die Gesellschaft beabsichtigt nunmehr regelmäßige Paffagier- und Reklamefahrten auszuführen. Beide Schiffe werden in Johannistal bet Berlin stationiert.
Ein Schuhnägelfreffer ist im Sulzbacher Knappschaftslazarett bei Saarbrücken operiert worden. Es ist ein Bergmann, der vor einiger Zeit schon einmal operiert werden mußte, weil er damals zu viel Hut- und Haarnadeln verschluckt hatte. Der Mann ist total verrückt und will immer wieder derartige Mahlzeiten einnehmen.
Gegen die Forderungen der Elsässer zur reichsländischen Verfassungsfrage, die weit über das hinausgehen, was den Reichslanden von Regierung und Reichstag zugebilligt wird, wendet sich die Norddeutsche Allgemeine Zeitung. Sie führt aus, daß sich der Landesausschuß wohl selbst keinem Zweifel über die Unannehmbarkeit dieser Forderun= gen hingeben dürtte. Das offiziöse Blatt fügt hinzu:„ Wenn die elsaß- lothringischen Elemente, welche dem Lande die Unzufriedenheit und sich den Agi= tationsstoff erhalten wollen, diesen Radikalismus nach Kräften schüren, um die Vorlage zu Fall zu bringen, so mag das taktisch verständlich sein. Allen denen, die prinzipiell mit dem von der Regierung vorgeschlagenen Weg einverstanden sind, wird aber die Gefahr einer solchen Taktik nicht verborgen bleiben können."
Um das Glüd meines Lebens!" rief eifrig der junge Mann, Auguste ist jung, schön und fein gebildet, sie bringt mir alles, was zu einer glücklichen Ehe nötig." Nur kein Geld!" meinte seufzend die Tante. „ Ich bedarf des Geldes nicht."
Wärest Du ein Beamter, der festen Gehalt bezieht, so würde ich Dir beipflichten, oder ein Rentier, der seine Kapitalien gut angelegt hat... nach dem Stande der Dinge aber muß ich Dir doch zu bedenken geben, daß das Geld eine sehr wichtige Rolle spielt. Du bist Kaufmann, darfst nicht geringschäßend auf den sogenannten Mammon blicken, der Dein Wagen und Pflug ist."
Der ewige Friede und die Wirklichkeit. Der Budgetausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat das
,, Dies alles, liebe Tante, habe ich bedacht, und ich verfahre wahrlich nicht wie eir unbesonnener Knabe. Nach der Jahresbilanz liefert mein Geschäft einen Ertrag, der mir erlaubt, ein anständiges Haus zu machen. Mehr fordere ich nicht, und Auguste, die an Einfachheit gewöhnt, ist damit zufrieden. Außerdem bin ich jung und rüstig und werde bemüht sein, mein Geschäft auf verständige Weise auszudehnen. Du siehst also, daß ich des Geldes nicht bedarf."
91 Stück Bich verbrannt sind bei einem Feuer auf dem mecklenburgischen Gute Maßlow bei Lübow. Durch den Brand, der, wie man vermutet, böswillig angelegt worden tst, sind das Viehhaus und eine Scheune vollständig eingeäschert worden. Hierbei famen 54 Milchfühe, 2 Zuchtstiere, 19 Starken, 16 Kälber und sämtliches Federvieh in den Flammen um.
ich habe die beste Wahl getroffen, die für mich überhaupt möglich ist. Meine Brart ist in jeder Beziehung liebenswürdig, sie ist ein Enge!! Da sie einer achtbaren Familie angehört... ihr Vater war mein Lehrer so läßt die Partie nichts zu wünschen übrig."
Karl, der sich des Rates Horns erinnerte, hatte so ruhig gesprochen, als ob er von dem Inhalte des Geheimbuches gar keine Kenntnis hätte, ob das letzte Bekenntnis des Vaters gar nicht existierte.
Ein Frauenmord wird wieder einmal aus Berlin ge= meldet. In der Sonntagnacht wurde die von ihrem Manne getrennt lebende Frau Martha Schramm in ihrer Wohnung in der Boyenstraße ermordet aufgefunden. Auf die Ergreifung des Täters hat die Polizei eine Belohnung von 1000 Mart ausgefeßt.
Traurige Familienverhältnisse werden durch folgende Meldung aus Berlin enthüllt. Als der 36jährige in der Koloniestraße wohnende Stellmacher Balda, der als arbeitsscheuer roher Gefelle und Trinker bekannt ist, in der Nacht zum Sonntag wieder schwer betrunken nach Hause fam, mißhandelte er seine Frau in fürchterlicher Weise. Die schwache Frau suchte sich zu wehren und versette dem Rasenden, als er sie würgte, einen Fußtritt und flüchtete dann mit ihren Kindern zu Verwandten. Als sie Sonntag früh in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie ihren Mann dort tot auf. Wahrscheinlich wurde ihm durch den Fußtritt eine Krampfader verletzt, so daß er verblutet ist.
Er erhob sich und wollte das Zimmer verlassen. Bleibe noch, Rarl!" rief Selma.„ Es wäre töricht, wollte ich gegen Deine Wahl eifern und einen Entschluß schwanken machen, den die Liebe, wie es scheint, längst festgestellt... Ich habe ja kein Recht, Dir Vorschriften zu machen und eben so wenig einen Grund, Dir Hindernisse in den Weg zu legen; aber die Pflicht gebietet mir, über einen Punkt mit Dir zu sprechen, den Du längst hättest in Anregung bringen müssen."
Jah danke Dir, liebe Tante, für den guten Willen, mir nützlich zu sein," fügte er hinzu.„ Du wirst Auguste fennen lernen und mir beipflichten, wenn ich behaupte:
,, Was für einen Punkt meinst Du, liebe Tante?"
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Wie Dir mit der Verlobung, so geht es mir mit dieser Angelegenheit ich habe in den Tagen der ersten Trauer darüber geschwiegen, zumal ich es für selbstverständlich hielt, daß Du sie bei passender Gelegenheit ordnen würdest Ich bin Mitbesitzerin des Geschäfts Selma schwieg und sah den Neffen forschend an. „ Mitbesizerin?" fragte Karl verwundert. „ Ja!"
,, Du sagst mir das erste Wort von einem Verhältnisse, das ich für unmöglich gehalten..."
"
Aus den Gerichtssälen.
Todesurteil im Prozeß van de Velde. Nach fünftägiger Verhandlung vor dem Danziger Schwurgericht wurde am Sonnabend der Wirtschaftseleve van de Velde, der am 21. Februar 1909 den 68jährigen Rechnungsführer der Domäne Ratsstube, Ehlert, im Eisenbahnzuge zwischen Subkau und Dirschau ermordete und beraubte und bereits im Oktober 1909 vom Schwurgericht abgeurteilt werden sollte, aber, da angenommen wurde, daß er die Tat im Dämmer
,, Hat Dir Dein Vater nie von einer Summe gesagt, die ich ihm geliehen?"
,, Nie!" versicherte Kari, der sich bewußt war, die Wahrheit zu sagen.
,, Das wundert mich!"
,, Wie hoch beläuft sich die Summe?" „ Fünfundsiebzigtausend Taler." ,, Das ist viel."
geschafft hätte... mit meiner Hülfe konnte sie die schweren Schläge überstehen. da die Schwester dem Bruder lieh, vermieden wir alle Weitläufigkeiten; auch sollte niemand drum wissen... Halling stand in den Augen der Handelswelt auf eigenen Füßen... dieser Umstand befestigte seinen Kredit, wie Du wohl einsehen wirst.. da ich mein Kapital gut angelegt glaubte, forderte ich es nicht zurück der Bruder nannte mich stets Mitbefizerin des Geschäfts und versprach, mir die Zinsen gutzuschreiben..
" Ich gab sie meinem Bruder vor acht Jahren, als die allgemeine Geldkrists so viele Geschäfte ruinierte. Häuser in Neuvork und Hamburg stellten die Zahlungen ein die Firma Halling würde gestürzt sein, wenn ich nicht Rat
trägt.
Ich habe kein Konto gefunden, das Deinen Namen " Unbegreiflich! Unbegreiflich! rief Selma erschreckt. „ Sollte der plötzliche Tod den Bruder verhindert haben, mir meine Rechte zu sichern? Ich konnte nicht mit ihm sprechen, er litt unsägliche Schmerzen, war bewußtlos... es würde grausam gewesen sein, hätte ich den Leidenden mit Geschäften gemartert..
Karl der auf diese Unterredung vorbereitet war, ent gegnete ruhig:
„ Du wirst nicht voraussetzen, liebe Tante, daß auch nur der Gedanke an eine Uebervorteilung in mir auftauchen kann."
,, Gewiß nicht!" rief sie hastig.„ Aber auch Du wirst nicht glauben..." „ Ich glaube nichts, denn ich bin Geschäftsmann, der das geschriebene Wort achtet."
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„ So willst Du nur anerkennen, was. ,, Bitte, laß mich ausreden. Der Stand meines Geschäfts ist nicht der, den ich erwartet habe und den die Handelswelt bisher vermutet hat. Der Vater muß sich an Unternehmungen beteiligt haben, die völlig mißglüdt sind. Das Stammkapital ist gering und wird völlig illusorisch, wenn ich nicht mit geschickter Hand manipuliere. Jch gestehe offen, daß der Ruin da ist, wenn das Darlehen, das Du geleistet haben willst, konstatiert wird. Fünfund Rebzigtausend Taler! Es ist eine große Summel"(&. f.)
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