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Eine ergögliche Schlachtepisode wird der Londoner Daily Mail" aus Tetuan über Tanger gemeldet. Vor eintgen Tagen berichtete der spanische Konsul nach Madrid, bte unweit Tetuan verschanzten spanischen Truppen seien bes Nachts von den Andschera- Mauren angegriffen wor­ben, hätten diese aber nach hartnädigem Kampfe in die Flucht geschlagen. Der Konsul hat sich jetzt gezwungen gefühlt, alles zurückzunehmen und erklärt, daß die And­heras die spanischen Soldaten nicht angegriffen haben. Der Feind bestand in Wirklichkeit aus einer Schweineherde von 500 Tieren, die durch das heftige Artillerie- und In­fanteriefeuer in die Flucht geschlagen wurden. Ein Maure hatte seine 500 Schweine weggeführt, damit der Platz für bie anrüdenden spanischen Truppen als Lagerplay fret würde. Nachts brachen die Schweine aber wieder aus und lehrten nach dem alten Lagerplatz zurüd. Als die Spa­nier das Gegrunze der Tiere hörten, glaubten sie den Feind In der Nähe und entwidelten ein heftiges Infanteriefeuer gegen ihn. Schließlich trat die Artillerie in Aktion. Die Tiere ergriffen darauf schleunigst die Flucht und der Kom mandeur beglückwünschte die Truppen zu dem herrlichen Stege".

" Der Schlag soll Sie treffen." In Wien war ein Zahnarzt wegen Beleidigung durch das Telephon von einer Patientin verklagt worden. Er hatte ihr zugerufen: ,, Der Schlag soll Sie treffen!" Bei der Verhandlung vor dem Bezirksrichter vertrat die Verteidigung den Standpunkt, daß der Zuruf: Der Schlag soll Sie treffen!" nicht als Ehrenbeleidigung qualifiziert werden könne. Der Klage­vertreter beantragte, einen Sachverständigen aus dem Jar­gonfach über die Bedeutung des inkriminierten Fluches zu vernehmen. Der Richter lehnte den Antrag ab und Sprach den Angeklagten frei. Der Richter nahm zwar an, daß der Angeklagte die inkriminierte Aeußerung gemacht habe, betonte aber, daß nach Ansicht des Gerichts die Aeu­herung weder als Beschimpfung noch als Verspottung qua lifiziert werden könne, der Zuruf, der Schlag solle jeman­ben treffen, sei eine ungehörige, halb ärgerlich, halb scherz­haft gemachte jargonartige Phrase, eine gedankenlos ge= machte Redensart, ein Fluch, der nicht als Ehrenbeleidi­gung im Sinne des Strafgesetzes angesehen werden kann.

Gräfin Pfeil verzichtet auf die Herausgabe ihrer Kin­dez. Die Gräfin Stephanie v. Pfeil, geb. Heim, die mit ihrem ehemaligen Gatten, dem Grafen Hans v. Pfeil, jahrelang um die Herausgabe der diesem im Ehescheidungs­verfahren zugesprochenen beiden Kinder Stanislaus und Sella prozessiert hat, hat sich mit einem Schreiben an das Amtsgericht Graudenz gewandt, in dem es heißt: Nach­dem ich nunmehr seit sieben Jahren um den Besit meiner Kinder prozessiert habe, ziehe ich meine sämtlichen ge­stellten und noch nicht zur Entscheidung gebrachten An­träge auf Auslieferung meiner Kinder an mich zurück. Be­teits am 6. Mai 1911 habe ich dem Standesamt in Berlin mitgeteilt, daß ich aus freier Entschließung den Namen einer Gräfin Pfeil abgelegt habe, den ich mit Rücksicht auf meine Kinder all die Jahre beizubehalten gezwungen war. Mein schwer geschädigter Gesundheitszustand erlaubt es mir nicht, weiter zu prozesieren. Auch sind mir meine Kinder durch die langjährige Entziehung entfremdet wor ben. Vor einem höheren Richter mögen diejenigen sich verantworten, die daran mitgewirkt haben, zugunsten ei­nes Grafen Hans Pfeil meinen Kindern ihre Mutter zu tau ben und ein Mutterherz in den Schmuh zu treten." Die letzten Prozesse, die in Sachen des Grafen und der ge­schiedenen Gräfin Pfeil geführt wurden, nahmen, wie be­tichtet, einen dem Grafen Pfeil sehr günstigen Verlauf. Ueber Die Königin von Italien als Photographin. die Königin Helena von Italien kursiert neuerdings in Rom eine reizende kleine Anekdote. Die Königin empfing Hirzlich mit gewohnter Liebenswürdigkeit eine piemonte fische Gräfin aus altem militärischen Adelsgeschlecht. Die Gräfin gab sich jedoch merkwürdig kühl und firierte in we­nig höflicher Weise fortwährend die Hände der Königin, deren äußerste Fingerspitzen in seltsam verdächtiger röt­lich schwarzer Färbung erglänzten, als ob Ihre Majestät beim Schreiben die Finger statt der Feder ins Tintenfaß getaucht hätte. Schließlich mußte der Königin Helena das Benehmen der Gräfin natürlich auffallen, und lächelnd meinte sie: Echauffieren Sie sich nicht, Gräfin, die Spu­ten, die Sie sehen, rühren von Chemikalien her, dte ich beim Entwickeln von Photographten gebrauchte, und alles Wa­hen hilft vorläufig nichts." Worauf die Gräfin die so­eben erhaltene Lektion natürlich tief verwirrt einsteckte und im Augenblick wünschte, rasch einige Klafter tief in die Erde versinken zu können.

Eine echt amerikanische Heirat. Ein Ehebund, wie er in all seinen Einzelheiten und Begleitumständen wohl nur in Amerika geschlossen wird, ist die vor kurzem erfolgte Serheiratung der Wechselmaklerin Anna Wilson aus Pht­ladelphia mit Thomas King, dem Besitzer ge= waltiger Minen in Kolorado. Bevor sie sich die Hand zur Bereinigung fürs Leben reichten, hatten die beiden einan­ler nie gesehen, aber Thomas King machte seit vier Mo­tat en der Wechselmaklerin, deren Geschäftstüchtigkeit ihm gemein imponierte, brteflich den Hof. Die ersten Be Hehungen zu ihrem jetzigen Ehegatten waren rein geschäft­licher Natur, es handelte sich um eine Mine, über die ste ling um verschiedene Aufklärungen bat. Schließlich wußte fe sogar den Gouverneur von Kolorado für die Unterneh­mungen Kings zu interessieren, und nun kannte die Be­geisterung des Hüttenbesizers keine Grenzen mehr. Eine Frau, die solches vollbracht hat", schrieb er ihr, verdient meine Bewunderung." Und zur Bewunderung gesellte bald die Liebe, er hielt um die Hand der Wechselmak­kerin an, die ihm sogleich ein ganzes Heer von Detektivs auf die Fersen hetzte, um sich über seinen Charakter und kine Vermögensverhältnisse aufs genaueste zu orientieren. Die Auskünfte waren günstig. Ste telegraphterte Komm." Im Sombrero und Khakianzug sprang King in den näch­fer Schnellzug, furz nach seiner Ankunft wurde die Ehe hne alle Beremonten geschloffen. Dieser aus solch geschäft­lichen Beziehungen erblühte und von zwet so ausgezeich­telen Geschäftsleuten gefchloffene Herzensbund wird in ana Amerika vtel besprochen.

Wie muß ein Theaterbericht beschaffen sein? Um dte Beantwortung btefer Frage, fo lesen wir in den Mün­hener Neuesten Nachrichten, haben sich schon viele geift­elche Köpfe bemüht. Aber was nutzen die besten Gedan­len über das Referteren und Kritisteren, wenn sie nicht Ett angewandt werden? Da tst es doch besser, man lilt fich an ein leuchtendes Vorbild, an einen Theaterbe­it ber das Muster aller Berichte ist und deshalb als Rosell für Theaterkritiker btenen kann. Wo findet man ber einen solchen Jdealbericht? Antwort: In einem Blächen, daß in Deggendorf an der Donau, im gesegneten ederbayern, erscheint. Die Nummer dieses vorbildlichen Blattes vom 2. Mat 1911 enthält folgenden Artikel: Theater

Deggendorf. ch. Deggendorf. Der samstägige Theaterabend bot ein herrliches Bild vereinter Kunst und Bor stellung. Bei gut besetztem Hause, bas infolge ander­beittiger erklärlicher Verbindlichketten bie Beamtenschaft ermiffen mußte, gaftterte das Solo- Quartett der f. Mün­ben er Hofoper bei der derzeitigen Saisondirektion, die der tteren Pausen mit dem köstlichen Zweiakter Hochzeits­

retse" deckte. Wohl lange nicht mehr mag der Schwarz­mannfaal einen so abenöfüllenden, dankbaren Tag erlebt haben. Die Münchner" waren in ihren einzelnen Ge­fangspartien vollendete Künstler und im Chor flang es in dem von Akustik strotzenden Saal gleich Orgeltönen. Die Mitglieder setzten dem angesichts threr Residenzkollegen al­les ein, und spielten vorzüglich. Unsere Beamtenschaft fann sich von dem vergangenen Abend noch überzeugen: In dieser Woche wird im Vorverkaufslokal bet Herrn Waizin­ger Friseur in den beiden ersten Wochentagen eine Ein­zeichnungsliste aufliegen, von deren Gebrauch die Wieder­holung an einem der Wochentage abhängt. Dieser Appell wird bei unserer Beamtenschaft, die stets die Kunst fördert und unterstützt, wohl nicht verklingen; die Wiederholung des einzig herrlichen Abends wird fie gesammelt finden und befriedigt, vielleicht ungeahnt überrascht, wird jeder Einzelne den Saal verlaffen.

Eine Entschuldigung. Eine Lehrerin einer fleinen Stadt des oberschlesischen Industriebezirks erhielt dieser Tage, wie die Breslauer Bettung" berichtet, etnen Ents schuldigungszettel, der, tn einigermaßen gereinigter und lesbarer Form, lautet: Geehrtes Schulfräulein, meine Tochter Anna tann nicht in die Schule kommen, denn sie ift frant, ba wtrd thr wohl ein Ohrwurm ins Ohr gekro­hen setn und hat sich erkältet. Ste Itegt im Bett und schwist mit Sochachung. Fräulein N. N., Muter."

Wissenschaft, Kunst und Literatur..

Die Chemie des Schlafes. Während eines tiefen Schlafs ist der Mensch ein anderer als tm wachen Zustand. Den Unterschied bedingt nicht nur die fast gänzlich ausge schaltete bewußte Tätigkeit des Gehirns, sondern auch eine wesentlich andere Regelung der Vorgänge in anderen Or. ganen. Insbesondere ist auch der Stoffwechsel während des Schlafs ein anderer, wie Dr. Hirschstein vor dem ärztlichen Verein in Hamburg auf Grund umfangreicher chemischer Untersuchungen nachgewiesen hat. Während der Nacht schet det nämlich die Niere wesentlich mehr Stoffe aus, die als Enderzeugnisse des Stoffwechsels zu betrachten sind, darun­ter hauptsächlich Phosphor- und Schwefelsäure und Stic stoff. Hat nun jemand schlecht geschlafen und sind diese Stoffe somit zum größeren Teil in seinem Körper zurüc geblieben, so dauert es gewöhnlich bis zur nächsten Nacht, bis der Körper sich ihrer entledigen kann. Außerdem wird durch eine Beeinträchtigung der Nachtruhe auch die wich­tige Ausscheidung des Chlor gestört, die sonst während des Tages am stärksten ist, aber nach einer schlaflos verbrachten Nacht unterbunden wird. Es ist gewiß eine für die ärzt­Itche Wissenschaft hochwichtige Erkenntnis, daß Schlafmangel dazu führt, gerade die stärksten Säuren um 24 oder 48 Stunden im Körper zurückzuhalten. Man braucht nur daran zu denken, wie viele Krankheitszustände durch man­gelhafte Ausscheidung solcher Stoffe bedingt werden. Dr. Sirschstein hat durch längere Versuche noch genauer ermit. telt, in welchen Tageszeiten die einzelnen Stoffe am stärk­sten ausgeschieden werden. Für die meisten ist dies in den Stunden von 7 bis 11 Uhr abends und von 3 bis 7 Uhr morgens der Fall, während die Tätigkeit der Nteren wäh­rend der dazwischen liegenden Stunden des ttefften Schla­fes etwas sinft. In welcher Weise das Zustandekommen und der Verlauf des Schlafs vielleicht mit diesen Tatsachen selbst zusammenhängt, kann noch nicht gesagt werden. Da die Entstehung des Schlafs neuerdings mit der Bildung eines Ermüdungsgifts" in Beziehung gebracht wird, kann vielleicht gerade die Chemie zur Aufhellung des Schlaf­rätsels führen.

Aus der Welt der Schieber".

Das Schwurgericht am Berliner Landgericht I beschäf­ttgt gegenwärtig der große Hypotheken- Fälschungsprozeß Ollendorf und Genoffen. Die Sache, bet der es sich um die Düpterung eines Notars wie in der Affäre Mar­golin handelt, geht inbezug auf Umfang, Kühnheit und System der Schwindelet wett über den Rahmen hinaus, den bisher selbst groß angelegte Schwindelmanöver zu haben pflegten. Es wird daher so tief wie nie vorher in jene Welt der Schteber" hineingeleuchtet, deren zweifelhafte Elemente sich besonders auf dem Hypothekenmarkt in einer noch nicht gekannten Weise bet ihrer dunklen Arbett betättg­ten. Angeklagt find: der Kaufmann Sigismund Ollendorf, feine Ehefrau Ottilte Ollendorf, der Kaufmann Hugo Mar­schall, der Kaufmann Paul Födchenhauer, der Bilderhänd­ler Hermann Dallner, der Agent Eugen Jaffe, der kauf­mann Hugo Winnstädt, der Bureauvorsteher Karl Schulz, der Reisende Paul Krüger und der Pferdehändler Her­mann Krüger.

Ollendorf betrteb in der Mitterstraße zu Berlin ein gutgehendes Geschäft für Damengebrauchsgegenstände, ge rtet aber, da er auf sehr großem Fuße lebte, Anfang des Sommers 1910 in Geldverlegenheit. In dieser Situation tam er, wie die Anklage sagt, zusammen mit seinem Freun­de Dallner auf die Idee, sich durch eine gefälschte Hy­pothet flüssige Mittel zu verschaffen. Dallner zog den Agenten Jaffe, der allerlet Vermittelungsgeschäfte betreibt, ins Vertrauen und Jaffe wieder interessierte dte Angeklag­ten Marschall und Födchenhauer für die Sache. Marschall und Födchenhauer sollen früher schon einmal öte Absicht ge­habt haben, den bekannten Geldverlether Heinrich Partfer mit einer gefälschten Hypothek hereinzulegen. Ste spetu­Iterten darauf, daß Pariser, wenn der Schwindel heraus­komme, aus Scheu vor gerichtlichen Erörterungen die Straf­anzeige unterlassen werde. Die Ausführung scheiterte fe­doch an der Unmöglichkeit die erforderlichen Formulare und Stempel zu verschaffen. Jaffe hatte nun von diesem Plan der beiden Kenntnis erhalten und htelt sie für einen zu inszenierenden Hypothekenschwindel für hervorragend ge­etgnet. Der wegen Münzverbrechens vorbestrafte, fezt aber getsteskranke Graveur Dünkel verfertigte ein vorschrifts­mäßiges Formular, einen Stempel Königliches Amtsge­richt" und einen anderen mit der Inschrift Notar Dr. Gelpce", sowie mehrere Klischees. Auf diese Weise kam ein tadelloser Hypothekenbrief über 125000 Mark zustande. Is Gläubiger der gefälschten Hypothek war im Grundbuchamte ein Oberamtmann Tölde eingetragen. Das Konforttum begab sich nun zum Notar Sprenkmann, wo Krüger als Oberamtmann Tölde auftrat und vorgab, er wolle die Hypothek an Ollendorf abtreten. Mit der da­raufhin ausgefertigten Abtretungsurkunde ging Ollendorf zu einem anderen Notar, und dort wurde ein Teilbetrag der Hypothet in Höhe von 60 000 Mark an einen Rentier abgetreten, der dafür 50 000 M bar auszahlte. Schon kurze Bett darauf wurde der Schwindel entdeckt und Anzeige bet der Staatsanwaltschaft erstattet. Die Beute war aber be= reits geteilt und der Hauptschuldige befand sich schon auf der Flucht nach Amerika, wo er am 19. Oktober vorigen Jahres verhaftet wurde. Die Verhandlung dürfte 4-5 Tage dau­ern und intereffante Einblide in das Treiben der Schte­Ber" gestatten.

Das Kronprinzenpaar in Rußland.

Der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin sind am Mittwoch nachmittag im Zarenpalast zu Barskoje Selo eingetroffen. Bevor der Hofzug in die Station einlief, erfchtenen das Gefolge des Kaisers, die Hofwürdenträger, bte Spizen der Behörden und die Generalität, viele Groß­fürsten und Großfürstinnen. Fünf Minuten vor Eintref= fen des Zuges fuhren der Kaiser und die Kaiserin vor dem Bahnhof vor. Der Kaiser und die Kronprinzessin be­grüßten sich wie nahe Verwandte. Darauf füßte die Kron­

prinzeffin auch die Katfertn. Auch der Kronprins und der Raifer begrüßten fich auf das herzlichste. Es erfolgte so­dann die Vorstellung der betderfettigen Gefolge. Der Kat ser und der Kronprinz schritten sodann durch den Bahnhof zum Wagen, um zum Schloß zu fahren. Die Kaiserin und die Kronprinzeffin folgten. Auf dem ganzen Wege wurden dem Kronprinzenpaar begeisterte Kundgebungen dargebracht.

Zarskoje Selo,

wo der russische Katser und die Kaiserin am Mittwoch unser Kronprinzenpaar empfangen haben, ist das ruffische Potsdam. Es liegt etwa ebenso weit von Petersburg wte dies von Berlin und die dortigen Schlöffer und Parks ver danken ebenso wie die Potsdamer früheren Herrschern thr Entstehen. Barffoje Selo selbst heißt atferdorf". Auch feiner Größe nach entspricht es etwa unserem Potsdam, und ebenso wie in Preußen die erste Eisenbahn diese Stadt mit Berlin verband, so auch Barskoje Selo mit Petersburg. Nur ein Unterschted besteht zwischen diesen beiden Residen zen. Potsdam wird vom Kaiser und den Prinzen zur schönen Jahreszeit als Wohnsitz benutzt, fenes ist Winter­residenz. Die ersten Anlagen verdankt es Peter dem, Großen. In dem großen Park erbaute dann Kaiserin Eli-' sabeth, die erbitterte Feindin unseres alten Friß, das fo­genannte große Schloß. Katharina II. erwählte es zu threm Lieblingsaufenthalt und verwendete große Mittel für den Ausbau. Da gibt es den kostbaren Bernstein-, ben Lazur- und den Silbernen Saal und die mit fünf ver­goldeten Kuppeln gekrönte, innen aufs reichste geschmückte Kapelle, ferner die prachtvolle zweistöckige Marmorgalerie, mit Bronzebüsten und Nachbildungen römischer Herrscher und griechischer Philosophen. Von thr aus gelangt man in den auf gewölbtem Unterbau angelegten schwebenden Garten". Außer diesem Park, in dem ein Schloß Itegt, gibt es noch einen oberen Park mit dem Sommerpalais. Alexander I. erbaute und schmückte es mit Gemälden der berühmtesten russischen Meister. Im Park wurde im Ge schmack der Zeit die künstliche Ruine einer gotischen Schloß­burg angelegt, deren Kapelle öte berühmte, 1824 von der Kaiferin Maria Feodorowna, der Tochter Friedrich Wil helms III, angekaufte Danneckersche Christusstatue enthält. Wetter befindet sich dort ein chinesisches Dörfchen, eine Brücke von blauem, sibirischem Marmor, eine Eremitage, Säulen und Obelisken zum Andenken an russische Siege. In diesem Sommerpalais wird unser Kronprinzenpaar wohnen.

Ueber den Aufenthalt des Kronprinzenpaares in Zars­toje Selo wird weiter gemeldet:

Zarskoje Selo, 18. Mat. Gestern abend 8 Uhr fand im Hauptsaal des Palais ein Galadiner statt. Der Kronprinzessin wurde der Orden der heiligen Katharina verliehen.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Der amerikanische Schiedsvertrag.

Washington, 18. Mat. Das Staatsdepartement hat der britischen und französischen Regierung den Entwurf eines Schiedsgerichtsvertrages unterbreitet. Fragen, welche bie nationale Ehre und vitale Interessen berühren, sollen ebenfalls dem Schiedsgericht unterliegen. Im allgemeinen soll der Haager Schiedsgerichtshof in Streitsachen entschet­den. In besonderen Fällen wird eine Spezialkommission mit der Entscheidung betraut werden.

Die Friedensverhandlungen in Mexiko. Merifo, 18. Mat. In den Friedensbedingungen der Insurgenten ist neben dem Rücktritt des Präsidenten Diaz die Abdankung des Vizepräsidenten Corral enthalten Wie aus Juarez gemeldet wird, ist ein fünftägiger Waffen­stilstand abgeschlossen worden, der sofort für die ganze Republik Geltung haben soll.

Blutige Liebestragödie.

Frankfurt a. M., 18. Mat. Gestern abend gegen neun Uhr geriet in der Kleinen Fischergasse der Arbeiter Martin Dingler mit seiner Geliebten in Streit. Er brachte thr einen Stich in den Hals bei, der die Speise- und Luft­röhre verletzte, und flüchtete dann. Jedoch gelang seine Verhaftung, nachdem er vorher einen seiner Verfolger in die Hand gestochen hatte. Die Schwerverletzte fand Auf­nahme im Heiliggeisthospital.

Der Unfall des Parseval 2.

Bitterfeld, 18. Mat. Der Sturz des P. 2 mit der Gondel und ihren Insassen erfolgte aus einer Höhe von etwa zehn Metern. Dret Personen haben Verletzun­gen erlitten; schwer verletzt wurde niemand. Die fort­währenden Unfälle an und in den Hallen scheinen darzu­tun, daß diese Bauwerke eine stete Gefahr für die Luftschiffe find, sobald ein Windstoß sich einstellt. Auch Graf Zeppelin, der gestern in Düsseldorf die Trümmer der Deutschland be sichtigte, erklärte die Halle in ihrer gegenwärtigen Kon struktion für verfehlt.

Drohender Bäckerstreik in Berlin.

Berlin, 18. Mai. Die Mehrzahl der Bäckerinnun­gen Groß- Berlins hat gestern den Schiedsspruch des Eint gungsamtes, dem die Gesellenschaft am Dienstag mit gro­Ber Mehrheit zugestimmt hatte, in zahlreichen stark besuch ten Generalversammlungen abgelehnt. Ein Bäckerstreik in der Reichshauptstadt erscheint infolgedessen als unver meidlich.

Eine russische Ortschaft durch Feuer zerstört. Petersburg, 18. Mai. In dem Orte Dywin_im Bezirke Kobrin wurden durch eine Feuersbrunst über sechshundert Häuser zerstört, darunter die Volksschule und das Hospital. Der Schaden ist groß. 3wei Menschen sind in den Flammen umgekommen.

Bandel und Verkehr.

Cassel, 16. Mat. Schlachtviehpreise: 1. Rinder. A. Och­fen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht 88-90 M, 6) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bts 7 Jahren 81-85 M, c) junge fleischige, nicht ausge mästete und ältere ausgemästete 76-78 M, d) mäßig ge­nährte jüngere, gut genährte ältere- M. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 82-85 M, b) vollfletschige junge 80-82 M, c) mäßig genährte jüngere, gut genährte ältere M. C. Färsen und Nühe: a) voll­fletschtge ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 83-85 Mart, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlacht­werts bis zu 7 Jahren 79-82 M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 75-78 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 75-78 M, e) gering genährte Küthe und Färsen 65-69 M. 2. Kälber. a) Doppellender, fetnster Mast M, b) feinste Mastkälber M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 52-55 M, d) geringere Mast- und Saugkälber 48-50 M, e) geringere Saugfälber 42-45 M.( Lebendgewicht). 3. Schafe. a) Mast­lämmer und füngere Masthammel Schlachtgewicht 88-90 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut ge= nährte funge Schafe 85-87 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe) 80-83 M. 4. Schweine. a) Jett­schweine über 150 g. Schlachtgewicht M, b) vollfleischige von 120-150 g. 58-59 M, c) vollfleischige von 100-120 Ag. 57-58 A, d) vollfleischige von 80-100 g. 55-56 M, e) vollfleischige unter 80 g. M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber 54-55 M.

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Caffel, 16. Mat. Weizen( 100 Kilogramm) 19.75 bis 20.25 M. Roggen( 100 Kilogramm) 17.00 bis 17.75 M. Gerste( 100 Kilogramm)- M, Hafer( 100 Kilogramm) 18.50 bis 20.00 M. Heu( 3entner) M, Stroh( 3entner)

M.

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