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Deutscher Reichstag.

Die Beratung der Reichsversicherungsordnung geht seht tm flotten Tempo vorwärts. Am Mittwoch ist in sieben Stunden die gesamte Gewerbeunfallversicherung, die man Dienstag abend noch begonnen hatte, erledigt worden. Da­bei wurden stellenweise ganze Abschnitte für angenommen erklärt und ein neuer Rekord geschlagen, indem 344 Para­graphen erledigt wurden. Im übrigen war das Bild das gleiche wie an den früheren Tagen: Die sozialdemokrati­schen Anträge wurden meist niedergestimmt. Angenommen wurde in der Hauptsache nur ein Kompromißantrag Schulz, wonach der Bundesrat dem Reichstag die geseßlichen Vor­schriften über die Rücklagen der Berufsgenossenschaften zu erneuter Beschlußfassung schon im Jahre 1913 vorlegen soll, nicht wie die Regierungsvorlage wollte, erst im Jahre 1921, ferner ein sozialdemokratischer Antrag Frank, wonach die Möglichkeit zugelassen wird, zivilrechtlich gegen solche Un­ternehmer vorzugehen, die sich ihrer Haftpflicht entziehen. Eine längere Auseinandersetzung entspann sich über die Verwendung der Gelder der Berufsgenossenschaften. Von Sozialdemokratischer Seite wurde behauptet, daß von man­chen Berufsgenossenschaften für den Wahlfonds des Zentral­verbandes der Industriellen gesteuert worden set. Ueber diesen Punkt hat man sich bis zur dritten Lesung Aufklä rung von der Regierung erbeten. Am Donnerstag be ginnt die landwirtschaftliche Unfallversicherung.

Ein peinlicher Zwischenfall.

Kurz nach Beginn der Sizung verursachte eine Dame, die sich bei Empfang ihrer Einlaßkarte als eine Frau A. Milower aus Berlin ausgegeben hatte, durch Zwischenrufe von der Tribüne aus große Erregung. Die etwa 40jährige Frau, in deren Begleitung sich ihre 14jährige Tochter be­fand, rief schon bei den einleitenden Worten des Präsiden­ten wiederholt mit durchdringender Stimme: Cauter!" Als bald darauf der sozialdemokratische Abg. Albrecht zur Begründung seines Antrages das Wort ergriff und auf der Tribüne nicht deutlich vernehmbar war, rief die Frau: Er soll lauter reden. Leute mit schwacher Stimme gehören nicht in den Reichstag!" Auch sonst benahm sich die Ruhe­störerin sehr auffällig, winkte verschiedenen Abgeordneten zu, unterhielt sich laut mit ihren Nachbarn und versuchte auch die Herren auf der angrenzenden Journalistentribüne in ein Gespräch zu verwickeln. Nunmehr wurde das Haus auf den Vorfall aufmerksam, und der Präsident veranlaßte die Entfernung der Frau. Das war aber ein schweres Stück Arbeit. Als man der Erzedentin einzureden ver suchte, es wolle ste jemand auf dem Korridor sprechen, er widerte sie, daß solle man einem anderen vorreden. Im Saale sei es viel interessanter. Als alles gütliche Zureden fruchtlos blieb, brachten die Hausbeamten die Ruhestörerin mit Gewalt aus dem Saale. Sie wehrte sich mit aller Kraft und stieß gellende Schreie aus. Auf dem Korridor verftel fie in Schreikrampf. Dem Abg. Dr. Mugdan gelang es schließlich, die anscheinend sehr hysterische Frau zum Fort­gehen zu veranlassen.

Die Londoner Kaisertage.

Einige Londoner Blätter wissen allerlei Intimitäten aus dem Buckinghampalast mitzuteilen. Die Söhne König Georgs sollen mit großer Liebe und Bewunde­rung an dem Onkel Kaiser hängen, der sich viel mit ihnen abgibt. Gestern soll er ihnen persönlich den deutschen Parademarsch gezeigt haben. Die Katserin hat sich schnell die Herzen der englischen Hofdamen erobert. Ihr feines, weißes Haar erregt große Bewunderung. Prin­zessin Viktorta Lutse und die Tochter des englischen Königspaares sind bereits intime Freundinnen. Gestern in aller Frühe statteten sie einander in ihren Zimmern Besuche ab und später unternahmen sie gemeinsam eine Forschungsreise durch den Palast. Das Kaiserpaar ließ sich später eine Anzahl Ansichtspostkarten bringen und sandte sie an seine Enkel. Zwischen vier und fünf Tonnen golde­ne Tafelgeschirre kamen bei dem Diner am Dienstag zur Verwendung. Nach seiner Gewohnheit war der Kaiser Mittwoch morgen bereits vor 6 Uhr auf und schlenderte etne Stunde lang im Schloßgarten umber. Als König Georg später zu seinem gewohnten Morgenspazierritt das Schloß verließ, hofften die zahlreichen Neugierigen, die sich um das Schloß versammelt hatten, auch den Kaiser zu Ge­ficht zu bekommen. Sie warteten aber vergeblich, der Kat­fer ritt nicht mit. Als Grund führen die englischen 3et= tungen an, daß der Kaiser kein eigenes Reitpferd mitge­bracht habe und fremde Pferde rette er grundsätzlich nicht.

Dienstag nachmittag war der Katser mit Gemahlin und Tochter einer Einladung zu einer Gartenpartie bei Lord Landsborough gefolgt. Es wurden ihnen eine große An­zahl Personen vorgestellt, und das katserliche Paar schten in der besten Laune zu sein und sich vortrefflich zu unter­halten. Als der Kaiser und die Katserin endlich den Sa­Ion betraten, um sich von ihrem Wirt zu verabschieden, bot sich ihnen ein seltsamer Anblick. In der Mitte eines Kret­ses von Damen und Herren stand in seinen Lumpen ein zehnjähriger Knabe und spielte auf der Geige die Cavalle­rta rusticana". Der kleine Künstler war William Paget, der in einem vor kurzem stattgehabten Wettbewerb von Straßenfünstlern den 1. Preis errungen hatte. Seitdem hat es der Kleine eigentlich nicht mehr nötig, in Lumpen

3wei Kirschen an einem Stengel.

9)

Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.)

aufzutreten, denn er ist inzwischen eine vielgesuchte Attrak­Hon geworden, aber die Lumpen geben seiner Kunst erst die richtige Würze". Der Kaiser belobte den Knaben, und die Kaiserin ließ sich seine Geschichte erzählen.

Am Mittwoch unternahm der Kaiser mit einigen Herren des Gefolges eine Ausfahrt in offenen Automo­bilen und stattete eine Reihe von Besuchen ab. Prinzessin Viktorta Luise und Prinzessin Mary verließen um dieselbe Zeit den Buckinghampalast, um einige Sehenswür digkeiten Londons zu besuchen. Im Laufe des Vormittags besuchte die Kaiserin die Nationalgalerie und stattete dem Kunstgewerbehaus einen Besuch ab. Mittags gab der Botschafter zu Ehren des Kaisers und der Kaiserin ein Frühstück in der Botschaft. Um 29 Uhr begab sich das Königspaar mit den kaiserlichen Gästen und den Mitglie­dern der königlichen Familie zur Vorstellung im Drury Lane- Theater. Enorme Menschenmengen brachten vor dem Theater donnernde Hochs auf die kaiserlichen Gäste aus. Im Innern des Hauses, das bis auf den letzten Platz be­setzt war, Harrte eine glänzende Versammlung der kaiser­Itchen und königlichen Herrschaften. Als sie die königliche Loge betraten, erhob sich das ganze Haus und die Kapelle spielte die deutsche Nationalhymne und das ganze Theater brach in begeisterte Ovationen aus, für die die Herrschaften sichtlich bewegt dankten.

Cousinchen, wie fann man's so eilig haben," warf er ihr vor und fächelte sich mit dem Tuch, als er sie er­reicht hatte. Ich habe mir fast die Lunge aus dem Leibe gelaufen."

Warum bist denn so spät tumme? Häst so lang schlafe?"

Bewahre, schön gemacht habe ich mich noch, damit ich dem Cousinchen gefalle," antwortete er und glättete sein Bärtchen.

Sie überhörte seine letzten Worte, denn ihre Auf­merksamkeit wurde durch etwas anderes gefesselt. Einige Schritte vor ihr stand Hans mit einem jungen Kurschen und einem Mädchen, die sie beide nicht tannte. Er sprach eben lebhaft, schüttelte dem Mädchen die Hand und sah erfreut aus.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber das elsaß- lothringische Reformgesez haben am Mittwoch neue Verhandlungen des Staatssekretärs Del­brück mit den Parteiführern stattgefunden. Sie drehten sich in der Hauptsache um die Wahlrechtsfrage, und zwar erwägt man, ob das Pluralwahlrecht nicht vielleicht aus der Wahlrechtsvorlage überhaupt herauszulassen wäre. Wenn sich die Regierung mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht begnügte, dürfte sich für den Entwurf eine Mehrheit finden. Die elsaß- lothringischen Reichstagsab­geordneten haben sich mit Ausnahme von Hoen und Von­derscheer an die anderen dem Zentrum angehörenden Mit­glieder der elsaß- lothringischen Verfassungskommission mit der Bitte gewandt, der Verfassungsreviston für Elsaß­Lothringen die Zustimmung zu versagen.

Kathi grübelte, wer diese Kirmesgäste sein könnten. Sie wandte sich an den Vetter. Da, schau Dir mal den an, da vor uns, den Groten! Den häst gestern zu mir Strolch" namst. Gelt, nun sieht er nobel ut in sin Sünn­tagsstaate. Hättest ihn wohl gar nit fännt?"

,, Doch, doch," versicherte er, und ist das Mädchen da sein Schatz?" Er sah Kathi von der Seite an.

, Beileibe nit," platzte sie heraus und war ganz rot geworden ,,, was Du of allens rede tust. Das Mädel is a Kirmesgast, und der Bursche, das is, wie ich Dirs schon­sten seggen tät, de Hans Ruland, min beste Fründ." Better Julius schmunzelte. Ich verstehe, und weil Ich meinem Cousinchen gern gefallen möchte, so werde ich auch ihren besten Freund mit einem Gruße beehren."

Die sozialdemokratische Fraktion beabsichtigt keine Ver­schleppung der Reichsversicherungsordnung. Wenn nichts besonderes passiere, könne die zweite Lesung der Reichs­versicherungsordnung noch im Laufe dieser Woche erledigt werden. Diese Erklärung gab gestern ein sozialdemokra­tisches Mitglied der Reichsversicherungskommission des Reichstags ab. Damit ist die Hoffnung gestiegen, das Ge­setz noch vor Pfingsten zu verabschieden.

Sie waren in diesem Augenblick an die kleine Gruppe herangekommen. Der Stadtherr lüftete mit einer gerisien Auffälligkeit seinen eleganten Hut, streifte die beiden Burschen mit einem Blick und ließ die Augen dann et­

Aus dem neuen österreichisch- ungarischen Wehrgesetz werden folgende Erleichterungen für den einjährig- frei­willigen Dienst bekannt: Es dienen die Einjährigen mit Ausnahme derjenigen der Kavallerie, reitenden Artillerie und des Trains auf Staatskosten, können jedoch auf Wunsch den Dienst auch auf eigene Kosten ableisten. Doch werden weder diejenigen, die auf eigene Kosten dienen, noch die, welche auf Staatskosten dienen, verpflichtet sein, in der Kaserne zu wohnen, und auch die Selbstverpflegung wird allen zugestanden werden. Mediziner dienen nur noch dret Monate mit der Waffe. Der Dienstantritt fann auch über das 24. Lebensjahr hinausgeschoben werden.

Der französische Marsch nach Fez. Die französische Re­gierung gibt zu, daß ihr Marokkounternehmen nicht in den Rahmen wird eingeschränkt bleiben können, den ste ihm ursprünglich bestimmte, und sie trifft Vorbereitungen, weis tere 10 000 Mann Verstärkungen nach Marokko zu schicken. Man wiegt sich in Paris nicht mehr in der Selbsttäuschung, daß man einen militärischen Spaziergang nach Fez unter­nommen habe, sondern erkennt, daß es sich um einen rech­ten und echten Krieg gegen sämtliche Stämme des nörd­lichen Marokko handelt.

Die Abdantungsurkunde von Diaz unterzeichnet? Wie der Newyork Times" aus der Stadt Meriko gemeldet wird, soll die Abdankungsurkunde des Präsidenten Diaz bereits unterzeichnet sein. Wie das Blatt weiter meldet, hat der deutsche Gesandte an das Ministerium des Aeuße­ren einen Protest gesandt, in dem erklärt wird, Eigentum und Leben der Deutschen würde ungenügend beschützt. Die Mitglieder der deutschen Kolonte hätten eine in demselben Sinne gehaltene Petition unterzeichnet.

Kleine Nachrichten.

Das Luftschiff P. 2", das sich im Besitz des Luftschiffer­bataillons befindet und auf der Luftschiffwerft in Bitter­feld montiert wird, unternahm gestern seine erste Probe­fahrt. Im Begriff zu landen, wurde es gegen die Halle ge­trieben. Die Hülle stieß an die Halle und erhielt einen Riß, wodurch das Schiff auf den Boden fiel. Die Gondel

was länger auf dem großen brünetten Mädchen haften, das auffallend schöne dunkle Augen hatte.

Alle drei erwiderten, wenn auch erstaunt, den Gruß, auch Rathi nichte. Die beiden Mädchen sahen einander neugierig, fast. forschend an.

Vor der Kirchtüre blieb Kathi stehen. Du mußt nun hier obe' nufgehe zu de Mannslüt," wies ste den Better an ,,, ich size unte bi di Wiber."

kam dabei zu Schaden. Von den sechs Insassen erlitten zwet leichte Fußverstauchungen.

" Ich begleite Dich," meinte er, hier unten wird mir's entschieden besser gefallen."

Ein Beispiel enormer Preissteigerung von Grund und Boden durch den Einfluß der Industrie ist aus dem Orte Hülsen bei Verden a. d. Aller zu berichten: Ein Schäfer hat te vor einigen Jahren einige Morgen unfruchtbares Land, auf dem gar nichts wachsen wollte, für 600 bis 800 Mart gekauft. Die dortige Kali- Bergwerksgesellschaft hatte das Land für ihre Zwecke nötig und zahlte dafür den geforder ten Preis von 45 000 M.

Sie wurde ungeduldig, denn es gab einen Aufent­halt in der Kirchentür, wo sie so wie so schon manch cites Weiblein, das hineinging, verwundert ansah.

10 000 Schulkinder werden an den Freiübungen am 17. Juni bei der Jahnfeier in Berlin teilnehmen. Zur Jahn gedenkfeier werden auch Abordnungen deutsch- amerikants scher Turnvereine nach Berlin kommen.

Ein großer Hotelbrand hat in der Nacht zum Mittwoch in Swinemünde gewütet. Das bekannte Hotel Zum Luft dichten" ist niedergebrannt. Die Bewohner konnten geret tet werden. Die Offiziere und Mannschaften des im Hafen Itegenden Torpedobootes V 186" beteiligten sich neben der Feuerwehr hervorragend an den Löscharbeiten und an der Aufräumung der Brandstätte.

,, Ein jedes hat hier sin Play, und was Mannsvolt is, das wird nit hier unte gelitte," erklärte sie und wollte an ihm vorbei in das Kirchenschiff.

Noch immer blieb er ihr zur Seite. Hätt' ich das gewußt, so wär ich gar nicht mitgekommen," murrte er nun auch ärgerlich geworden. Es ist eine ganz vermale­deite Einrichtung das."

Ein folgenschweres Unglück ereignete sich unweit Beh dorf bei Cöln, wo zwet Knaben sich auf ein Motorrad schwangen und das Rad zum Fahren brachten. Da betde sich in der Handhabung der Maschine nicht auskannten, fuhr sie gegen einen Telegraphenmast, wobei die Knaben schwere Verlegungen davontrugen. Das Benzin kam durch den Anprall zur Explosion und brachte außerdem dem einen Knaben noch schwere Brandwunden bet.

,, s ist halt so und dagegen häst nit aufzumude," war ihre rasche Antwort, und dabei trat sie in das Kirchen­Schiff.

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Tödlicher Absturz eines Fliegers. In Los Angeles in Kalifornien stürzte gestern der Flieger Hardlee mit seinent Apparat so unglücklich ab, daß er auf der Stelle getötet wurde.

Better Julius, der noch immer Miene machte, ihr zu folgen, fühlte sich am Arme zurückgehalten. Hier könnes nit' nein, bestes Herrche, man immer da obe' ruf," be= lehrte ihn der alte Kirchendiener, aber federns a bissel, sonst is da kein Platz nit mehr."

Durch einen Bajonettstich in die Brust getötet wurde bet einer Felddienstübung in der Nähe von Wien ein Ser­geant des 25. Jägerbataillons von einem Soldaten. Der Sergeant hatte mit letterem einen Wortwechsel, worauf der Soldat die Tat vollführte. Er wurde verhaftet.

Das beste Herrchen hätte am liebsten linksum fehrt gemacht, aber es überlegte, daß es doch flüger sei, sich dem Cousinchen gefügig zu erweisen, als sich ihr gegen­über in verstimmter Laune zu zeigen.

Aus den Gerichtssälen.

Das eigene Kind zu Tode gemartert. Wegen Körper­verletzung mit tödlichem Ausgange verurteilte das Dres­dener Schwurgericht nach mehrstündiger Verhandlung die 27 Jahre alte Arbeiterehefrau Große aus Meißen zu fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Die Frau hat thren vier Jahre alten, vor der Ehe geborenen Sohn fortgesetzt förperlich so mißhandelt, daß dadurch der Tod des Kindes verursacht worden ist.

Eine Klage A. O. Webers gegen seine Frau. Der Schriftsteller A. O. Weber und Gatte der einstigen Frau von Schoenebeck hatte im Januar d. J. gegen seine Gattin geklagt, daß sie die am 1. Januar dieses Jahres fällig gewesenen Zinsen aus dem Kapital von 50 000 Mark, das als Kaution in Allenstein bei Gericht depontert ist, im Interesse des mit ihm gemeinschaftlich geführten Haus­standes verwenden sollte. Er begründete diese Forderung in seinem Alageantrage damit, daß er kein genügendes Einkommen habe, und daß die Verlagsanstalt Weberhaus" für seine Gattin keine Erträge abwerfe. Vom Berliner Landgericht wurde dieser Tage in der Sache verhandelt. Als Vormund der Frau Weber trat Rechtsanwalt Braun auf und erreichte, daß Weber mit seiner Klage abgewiesen wurde.

So trollte er denn nach oben und beschäftigte sich damit, die unten sigenden Mädchen zu mustern; eine Er­bauung nahm er nicht mit nach Hause, die hatte er dort auch nicht gesucht. Was er aber gewollt, erreichte er, denn er konnte das Cousinchen nach Hause begleiten. Doch da­

Vermischtes.

Unfall auf der Berliner Hochbahn. Auf dem gefährli­chen Gelände des Gleisdreieckes der Hochbahn, wo sich im September 1908 jene furchtbare Katastrophe zutrug, die 18 Menschenleben forderte, ereignete sich Mittwoch abend kurz nach 7 Uhr infolge vorzeitigen Umstellens einer Weiche ein Unfall, der leicht ernste Folgen hätte haben können und in der Stadt zu übertriebenen Gerüchten Anlaß gab. Ein' Wagen sprang aus dem Gleis und stellte sich quer über die Schienen. Sämtliche Scheiben gingen dabei in Trümmer und die Fahrgäste mußten sich zu Fuß über die sofort strom los gemachte Strecke nach der nächsten Station begeben. Dret Personen erlitten einen leichten Nervenchoc. Der) Betrieb war eine Stunde unterbrochen. Der schuldige Be amte wurde sofort vom Dienst suspendiert. Auch kurz vor 11 Uhr abends verbreitete sich das Gerücht von einem zweiten Unfall auf dem Gleis- Dreieck. Es stellte sich aber. bald heraus, daß es sich nur um einen Kurzschluß handelte, der bald beseitigt war.

Feuersbrunst in einer Filmfabrik. In dem Kinemato graphenfilmgeschäft von Williamson im Londoner Westend brach gestern abend Feuer aus, das bei der Masse des leicht brennbaren Materials in dem Gebäude schnell großen Um fang annahm. Riesige Flammen schossen aus den Fenstern. Das zahlreiche Personal in dem viele Stock hohen Hause befand sich in großer Gefahr. Diejenigen Personen, die fich im ersten Stock befanden, sprangen auf die Straße und wurden von der dort versammelten Volksmenge aufge­fangen. Auch an den höher gelegenen Fenstern sah man Personen, die sich auf die Straße stürzen wollten, jedoch davon abgehalten werden konnten. Sie wurden sämtlich von der Feuerwehr gerettet. Es gelang, den Brand auf die beiden unteren Stockwerke zu beschränken.

bet geschah es, was ihm höchst verwunderlich und unbe quem erschien, daß Kathi ihn fragte, ob er nicht auch meinte, daß der liebe Herr Pastor ganz wunderschön pres digen tät, so richtig, daß man's im Herzen fühlen müßt. Mit einem hastigen" Ja" meinte er die Sache abzutun, aber das Mädchen, noch ganz unter dem Eindruck der Predigt, forderte genauere Rechenschaft und erkundigte sich, was ihm am besten gefallen hätte von der Rede.

Da war er denn rasch entschlossen bei der Hand und sagte: Das Ende!"

Doch die unermüdliche Fragerin gab noch keine Ruhe und meinte: Ja, aberst was denn vom End, das mußt halt sage fönne, bist ja doch so flaug!"

Nun war der Augenblid gekommen, wo er sich in die Enge getrieben fühlte, und zwar von einem simplen Bauernmädchen. Das erschien ihm höchst fatal, denn er war durchaus nicht gesonnen, etwas von seiner imponies renden Stellung dem hübschen Cousinchen gegenüber auf­zugeben; er versuchte daher, sich mit ein paar allgemeinen Redensarten herauszuwinden.

Da fam er aber bei der Kathi schlecht an. Die klaren. Braunaugen sahen thn, während er sprach, mit so ehrlichem Erstaunen an, daß er sich immer mehr in seinen Worten verwickelte, bis das Mädchen die Sache zum raschen Ende brachte, indem sie erklärte: Ach wat, Vetter, rüd man rut damit, Du häst halt a Nicker macht, sonst müßte so a Gescheiter doch wat von der Predigt behalten habe und fünnt nicht solch furioses Zeug rede."

Er hatte nicht übel Lust, dagegen zu sprechen, aber dem Cousinchen konnte man trotz ihrer ländlichen Einfalt nicht so leicht ein für ein U machen. Das hatte er schon ge= merkt und sich vorgenommen, recht vorsichtig zu Werke zu gehen beim Fange dieses quellfrischen Fischleins für die Großstadt.

( Fortsetzung folat.)

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