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Volkswirtschaftliches.

Die deutschen Sparkassen. Der Februar brachte den deutschen Sparkassen eine Enttäuschung, ebenso wie im vorigen Jahre. Auch damals folgte auf den reichen Ja­nuarzufluß ein plöblicher Rückgang. Der vergangene Februar ist aber noch hinter dem des Vorjahres zurückge­blteben. Die Sparkassen, welche ihre Geschäftsergebnisse der Zeitschrift" Sparkasse" mitgeteilt haben, hatten diesmal einen Ueberschuß der Einzahlungen über die Rückzahlun= gen von 16 Millionen Mark gegen 17,7 Millionen Mark Im Vorjahre aufzuweisen. Das bedeutet für die gesamten deutschen Sparkassen einen Zuwachs von 50 bis 55 Mil­Tionen Mart, während der Januar einen solchen von fast 200 Millionen Mark gebracht hatte. Die Einzahlungen hat­ten im Januar den Betrag von 123, die Rückzahlungen von 107 Millionn erreicht. Auf je 100 Sparkassenbücher ent= fielen je 14 Einzahlungsposten von durchschnittlich je 181 Mart, und 6 Rüdzahlungsposten von je 262 Mark. Kleine Einzahlungen", d. h. solche von höchstens 20 Mart, famen diesmal je auf je 100 Sparkassenbücher gegen 9 im Ja

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Vermischtes.

Altar vordringen, was ihm die Chormitglieder zu wehren fuchten. Nun fam es zu einer Prügelei, während die Kir­che von dem Kriegsruf Schande über den Götzendienst!" widerhallte. Andere schrien: Werft die Ruheftörer hinaus!" Den Ministranten wurden die Gewänder zerrissen; der Vi­far versuchte sich des Kreuzes zu bemächtigen, aber jemand entwand es seinen Händen und zerschmetterte es auf dem Fußboden. Alles schien den Kopf verloren zu haben, nur der Organist blieb ruhig und spielte einen Choral nach dem anderen, bis endlich die Polizei kam und den Prediger Ken= fit mit seinem Anhang aus der Kirche entfernte.

Eine aufregende Szene spielte sich am Sonnabend früh auf einem Berliner Bahnhof ab. Als dort der Eisenbahn­schaffner Forster aus Rummelsburg mit einigen Reisenden an einem Fahrplan stand, um die Abfahrtszeit eines 3uges nachzusehen, stürzte sich von hinten plötzlich ein junger Mann ohne jede Veranlassung auf den Beamten und brachte ihm einen Messerstich in den Hals bei. Der Ueberfallene blieb trotz der schweren Verletzung und des starken Blut­verlustes bei Besinnung und wurde von den anderen Ver­sonen nach der Unfallstation in den Koppenstraße geschafft. Nachdem er hier einen Notverband erhalten hatte, erfolgte seine Ueberführung nach dem Krankenhaus am Friedrichs­hain. Der Täter konnte festgehalten und der Polizei über­geben werden. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen aus Ungarn gebürtigen, 27jährigen Lederarbeiter Mecker, der erst vor acht Tagen aus Amerika zugereist tst. Auf der Polizeiwache führte er derartig wirre Reden, daß er durch den Kreisarzt untersucht wurde. Der Kreisarzt bezeichnete ihn als einen gemeingefährlichen Geistesfran­fen und ließ ihn sofort der Irrenanstalt Herzberge zu­führen.

75 in Halle, den Ballon durch Reißen der Reißbahn schnell zu entleeren und zur Landung zu bringen. Das Gas ent­wich jedoch zu langsam, und der Ballon wurde gegen das Gebände der Gasanstalt geschleudert. Bei dem Anprall stürzte der Fabrikbefizer Korn aus 14 Meter Höhe herab und trug einen Beinbruch davon. Der Ballon trieb so­dann gegen einen Blizableiter, wobei das entweichende Gas sich an den Funken der Gasanstaltsesse entzündete. Der Korb stürzte mit den vier Insassen herab, durchschlug zum Teil das Dach der Gasanstalt und blieb in der Erde stecken. Hauptmann von Didtmann erlitt einen schweren Schä delbruch und liegt zurzeit noch besinnungslos; die übrigen Insassen sind ebenfalls mehr oder weniger schwer verletzt. Es sind dies die Herren Zahnarzt Dr. Bodmann- Leipzig, Dr. Nörte- Leipzig und Referendar Urban- Leipzig. Sämtliche Verletzte wurden in das Johannstädter Krankenhaus ge­bracht.

Heldenmut eines Seekadetten. Vor einigen Monaten befanden sich englische Marineoffiziere in der Nähe von Madras in Ostindien bei einem fröhlichen Mahl, das sie sich in Gesellschaft einiger Seefadetten auf offenem Felde in ei= ner freien Hütte hergestellt hatten. Zu ihrem Schrecken sprang plötzlich ein Tiger, von dessen Anwesenheit sie nichts geahnt hatten, in die Hütte und ergriff einen Kadetten und warf ihn auf den Rücken, wie die Wölfe ein Lamm über ben Rücken werfen. Der Tiger hatte anscheinend noch die Absicht, sich ein zweites Opfer auszusuchen, da sie sonst, wenn fie einen Menschen lebendig packen, ihm zuerst mit der Taße den Schädel einschlagen. Knurrend zog er sich langsam bis zum Eingang der Hütte zurück, während alle Offiziere vor Schreck erstarrt waren. Nur ein Leutnant, der am Ende des Tisches saß, stand langsam auf, um seine Büchse zu holen und durch einen wohlgeztelten Schuß den Kadetten aus den Pranken des Tigers zu retten. Der Tiger verfolgte fnur­rend alle Bewegungen des Leutnants mit angespanntester Aufmerksamkeit. Bevor noch der Leutnant einen Schuß ab­feuern konnte, hatte sich der Tiger so gedreht, daß der Kadett die Bewegungen des Offiziers beobachten konnte. Sprechen durfte er nicht, um nicht den Tiger zu reizen. Aber er hob seinen Arm und zeigte, daß er einen blanken Dolch in der Hand hatte. Mit dem Dolch winkte er dem Leutnant ab, feinerlei Bewegung mehr zu machen. Einen Augenblick hielt der Leutnant still und ließ sein Gewehr auf dem Bo­den stehen. Alle Offiziere erfolgten mit gespanntester Er­wartung, was der Kadett, der sich nicht rührte, vorhatte. Dies alles war das Werk eines Augenblickes, als sie plötz lich sahen, wie der Kadett blitzschnell seinen Dolch erhob und ihn mit furchtbarer Wucht dem Tiger in die Seite stieß. Der Dolch hatte das Herz getroffen und in breitem Strome floß dunkelrotes Blut aus der klaffenden Wunde, die der Kadett mit seinem Dolch noch gewaltsam vergrößerte. Der Tiger brüllte noch einmal furchbar auf, dann stürzte er zu­sammen, den Kadetten abwerfend, der jetzt wegen seiner Geistesgegenwart und seines Heldenmutes von seinen Offi­zieren mit Recht als ein Held gefeiert wurde. Der Dolch­stoß hatte so gut getroffen, daß das Tier auf der Stelle ver­endete. Das Fell nahm der junge Kadett als Stegestrophäe mit.

In Knabenkleidern durchgebrannt. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof wurde ein 15jähriger, feck aussehender Junge angehalten und wegen Betrugs der Polizei übergeben. Er hatte eine Fahrkarte, die bis Hamburg gültig war, nann­te sich Albert Kirchbach, wollte sechzehn Jahre alt sein, seine Eltern 1910 verloren haben und in einem Berliner Restau= rant als Arbeitsbursche beschäftigt gewesen sein. Von dort sei er nach Hannover gewandert und dann nach Hamburg gefommen. Im Januar habe er sich in Hannover als Ge­päckträger ernährt. In seinem Besitz befand sich aber ein Dienstbuch der Berliner Polizeibehörde auf den Namen Hedwig Nerlich, geboren 11. November 1894 zu Willschau. Das Dienstbuch wollte der Knabe in Berlin gefunden haben. Da aber darin verschiedene Berliner Dienststellen und als lette eine verzeichnet stand, die bis zum 16. Januar d. J. währte, so wurde ihm das vorgehalten, und er gab an, daß dies Dienstbuch das seiner Schwester set. Schließlich aber gab er, immer mehr in die Enge getrieben, zu, daß er selbst diese Hedwig Nerlich set. Ihr Vormund sei im vorigen Jahre nach Amerika ausgewandert, wohin sie ihm folgen wollte, und um beffer fortzukommen und ohne Geld nach Amerika zu gelangen, habe sie sich enabenkleider verschafft.

Nach den neuesten Erfundigungen schwebt Hauptmann von Didtmann noch immer in Lebensgefahr. Er hat außer einem schweren Schädelbruch noch einen Fußbruch erlitten. Das Befinden von Zahnarzt Bodmann und Referendar Urban aus Leipzig, die beide nur leichte Oberschenkelbrüche und Quetschwunden davongetragen haben, ist verhältnis­mäßig befriedigend. Dr. Körte- Leipzig konnte bereits wie­der nach Leipzig zurückreisen, während Fabrikbesitzer Korn in einigen Tagen wiederhergestellt sein dürfte.

Drabtnachrichten und neuestes.

Revolveranschlag auf die eigene Mutter.

Berlin, 18. April. Ein Revolveranschlag auf die eigene Mutter verübte am Ostersonntag ein 16jähriger Arbeits­bursche, weil die Mutter ihm kein Geld zum Besuch von Rummelplätzen geben wollte. Die 45jährige Frau wurde schwer, wenn auch glücklicherweise nicht lebensgefährlich verlegt. Ein Feuerwehrmann in großer Gefahr.

Apachen in einem französischen Jägerbataillon. Eine mehrköpfige Einbrecherbande, die schon seit langem eine ganze Reihe großer Diebstähle ausführte, ist jetzt unter den Soldaten des 28. französischen Jägerbataillons fest= gestellt und verhaftet worden. Seit einiger Zeit wurden die großen Kaufhäuser Grenobles durch immer wieder­fehrende Diebstähle beunruhigt, bis es endlich gelang, zwei Soldaten festzunehmen, als sie gerade eine Auslage plünderten. Die Soldaten gehörten den Jägern an, und die sofort in den Mannschaftsräumen angestellte Unter­suchung förderte in den Koffern mehrerer Soldaten Wa­ren zutage, die aus den Diebstählen der jüngsten Zeit her­rührten. Einige andere Soldaten des Regiments waren so vorsichtig gewesen, ihre Kosser bei den Wirten verschie dener Kneipen zu hinterlegen. Die ganze Einbrecherbande wurde verhaftet.

Ein ehemaliger Leutnant als Spion. Ein ungarisches Blatt berichtet von der in Wien erfolgten Verhaftung eines sehr gefährlichen Spions, des ehemaligen ungarischen Land­wehrleutnants Edmund Simonides. Der erst 29jährige verabschiedete Leutnant entstammt einer vornehmen sächsis schen Famile in Stebenbürgen und galt als ein außeror=. dentlich tüchtiger Offizier. Vor zwei Jahren lernte er eine Tänzerin kennen und geriet in Schulden. Er fälschte zu­letzt Wechsel im Betrage von rund 34 000 kronen auf die Namen von Kameraden und flüchtete mit der Geliebten nach London. Im vorigen Jahre kehrte er gänzlich mittellos nach Ungarn zurück und wurde zu neun Monaten Kerfer und zur Degradation verurteilt. Als er die Strafe verbüßt hatte, bot er dem italienischen Militärattachee in Wien seine Dienste al 8Spion an. Er wurde vom italienischen Gene= ralstab reichlich mit Geld versehen, reiste aber damit nach Monte Carlo, wo er an der Spielbank das Geld bis auf den letzten Pfennig verlor. An der Riviera zog er einen Landsmann ins Vertrauen, der ihn jedoch dem österreichi­schen Konsul in Nizza verriet. Simonides wurde nun nach Wien gelockt, wo er vor einigen Tagen in einem Nacht­cafee verhaftet wurde.

Großer Hotelbrand im Harz. Sonnabend nachmittag ge­gen 6 Uhr brach in dem Grand- Hotel Kurhaus zu Hahnen­flee bei Goslar, Besitzer A. Lies, Feuer aus, das in dem in Holzfachwerk errichteten Gebäude so rasch um sich griff, daß das ganze dreistöckige Gebäude binnen kurzer Zeit über und über in Flammen stand. Das Feuer war im Dachgeschoß auf bisher unaufgeklärte Weise ausgebrochen. Es gelang den Geldschrank und wenige wertvolle Sachen zu retten, das ganze Mobiliar ist mitverbrannt. Das Hotel Kurhaus ist im Anfang der neunziger Jahre erbaut. Menschenleben find nicht zu Schaden gekommen. Ein bei der Brandstätte als Zuschauer weilender Einwohner Hahnenflees erlitt, als die ohnmächtig gewordene Frau des Besizers Ltes von Männern aus dem Hause getragen wurde, beim Anblick der Frau einen Herzschlag und starb auf der Stelle.

Berlin, 18. April. Als bei einem Brande in der Nacht vom Sonntag zum Montag ein Feuerwehrmann ein völlig verqualmtes Zimmer betrat und die Balkontür öffnete, um dem Rauch Abzug zu verschaffen, entwickelte sich durch Zug luft das Feuer derartig, daß ihm der Rückzug abgeschnitten wurde. Er mußte sich mit einer Fangleine vom Balkon auf die Straße herablassen.

Unschädlichmachung einer Schwindlerbande.

Berlin, 18. April. Eine fünfköpfige Schwindlerbande, die es besonders auf Offiziere abgesehen hatte, ist unschädlich gemacht worden. Die Diebesgesellschaft verschaffte sich die Adressen von Offizieren, die ihre Pferde veräußern wollten, gab ungültige Schecks und verkaufte die Pferde zu Schleu­derpreisen.

Bei einer, Segelpartic ertrunken.

Hamburg, 18. April. Gestern abend ist auf der Elbe bei der Teufelsbrücke ein Segelboot mit drei Insassen geken= tert. Zwei davon sind ertrunken, der dritte wurde gerettet. Oberleutnant Erler verunglückt.

Ein wunderbares Mittel gegen die Maul- und Klauen­senche hat, wie Hannoversche Zeitungen schreiben, ein Land­wirt in einem Dorfe bei Wolfenbüttel angewandt. Er ging zu einem Wunderdoktor, der die im Dorfe herrschende Seuche von seinem Viehbestand entfernt halten soll. Der fluge Mann ging sofort an die Arbeit, ging im Stall flü­sternd auf und ab und machte allerlei geheime Zeichen und Gesten. Zu seinem Mittel gehörte, daß der Hofbesizer ei­genhändig ein Bund Stroh vom Boden holen, dieses an einer vom Doktor bezeichneten Stelle des Düngerhaufens auf dem Hofe niederlegen und hierauf sechsmal um den Dunghaufen marschieren mußte, und zwar dreimal rechts und dreimal links herum, wobei er dann beim Vorbeikom­men an der Stelle, an der das frische Bund Stroh liegt, mehrere Male laut und deutlich ,, muh" und die folgenden Male Kuh" sagten sollte. Auch diese Vorschrift wurde genau und gewissenhaft befolgt. Der Arzt" wurde gut honoriert und der Erfolg war, daß zwei Tage später das Vieh von der gefürchteten Seuche befallen wurde.

Dresden, 18. April. Oberleutnant Erler, der zusam men mit Leutnant Mackenthun den großen militärischen Ueberlandflug ausführte, ist bei einem Ausflug nach der Sächsischen Schweiz schwer zu Schaden gekommen. Erler stürzte vom Stumpfen Turm" im Bielatal und erlitt einen schweren Beinbruch.

Tödlicher Wagenunfall.

Würzburg, 18. April. In der Nähe von Würzburg unternahm gestern der Weingroßhändler Simon Selig und sein Schwiegersohn Zahnarzt Stettenheimer mit ihren Frauen eine Droschtenfahrt. Der Wagen stürzte einen Ab­Hang hinunter und tippte um. Selig war sofort tot, Stet­tenheimer erlitt tödliche Verlegungen. Die Frauen famen mit leichteren Hautabschürfungen und Quetschungen davon. Ein Rathaus durch Fener zerstört.

Britssel, 18. April. Das Rathaus in der Vorstadt Schärbeck wurde gestern abend durch Feuer zerstört. Eine Person wurde verwundet. Das Fener soll böswillig ange­legt worden sein.

Abermals ein französischer Aviatiker verunglückt. Paris, 18. April. In Mourmelon- le- Grand ist ge­stern um 7 Uhr morgens der Militäraviatiker Leutnant Cougères mit seinem Apparat aufgestiegen, um einen Trai­nterflug zu unternehmen. Als er die Flugbahn in einer Höhe von 20 Metern umkreiste, überschlug sich plötzlich der Apparat und stürzte mit furchtbarer Gewalt zu Boden. Als man den verunglückten Offizier von den Trümmern des Apparates befreite, zeigte es sich, daß thn die Drahtverstei­fung den einen Oberschenkel vollkommen durchtrennt hatte. Sein Zustand gibt zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß. Russische Polizisten im Kampf mit Raubmördern. Lodz, 18. April. Die Polizei umzingelte am Sonntag ein Haus in der Wydsewastraße, weil sie die Nachricht er= halten hatte, daß dort Raubmörder, die sie suchte, versam= melt seien. Die Polizei wurde mit Schüssen empfangen, weshalb Militär zu Hilfe gerufen wurde, das jedoch am Kampfe nicht teilnahm. Die Uebeltäter ergaben sich nicht, sondern zündeten das Haus an. Im Kampfe mit der Polt­zet wurden drei Raubmörder getötet und einer schwer ver­wundet und später verhaftet. Der Kampf dauerte zwölf Stunden.

Der Spizbube und das Niespulver. Auf originelle Art wurde in Halle a. S. ein Spitzbube eingefangen, der in der Nacht vom Sonntag zum Montag durch das Fenster in die Schlafstube eines jungen Chemikers eingestiegen war. Bei der Suche nach Beute stieß der Einbrecher auf ein ge­heimnisvolles, schön verziertes Kästchen, das Chemikalien enthielt, u. a. auch Niespulver. Wahrscheinlich war er mit dieser Schachtel nicht vorsichtig genug umgegangen; denn plöblich machte sich bei ihm das Bedürfnis geltend, sich or­dentlich auszuntesen. Anfangs gelang es ihm, das Ntesen zu unterdrücken. Dann versagte ihm aber die Kraft, und er plagte los". Dadurch wurde der junge Chemiker, der in dem Zimmer schlief, munter. Er schaltete sofort das elek­trische Licht ein, erhielt aber gleichzeitig eine tüchtige Prise Niespulver ins Gesicht geworfen, so daß ihn ebenfalls die Nase juckte, und so stimmten schließlich beide ein Niesduett an. Der Spitzbube wollte eben entweichen, als der junge Mann etwas Luft bekam, um Hilfe rufen zu können. So wurde denn der Dieb festgenommen. Er entpuppte sich als ein früher in dem Hause angestellter Hausdiener, der so viel Galgenhumor besaß, sich über seinen Reinfall noch Iustig zu machen.

Ein Paradies der Damen. In einem schönen Hochtau­nusort, in Seelenberg, ist, wie der Frkf. 3tg." geschrieben wird, die Gleichberechtigung der Frau nicht nur durchge­führt, die Frau spielt dort im öffentlichen Leben die wich­tigste Rolle. Die Bewohner dieses Ortes bestehen nämlich zum größten Teil aus Maurern und Weißbindern und sind in der Woche in den Städten Frankfurt, Offenbach und Mainz beschäftigt. So ist es ganz natürlich, daß die Land­wirtschaft, das Ein- und Verkaufen von landwirtschaftlichen und anderen Produkten ganz den Frauen überlassen bleibt. Die Seelenberger Frauen haben schon oft bewiesen, daß ste thre Männer darin vollständig ersetzen können. So wird auch schon seit vielen Jahren die Stelle des Ortsdieners durch eine Frau vertreten. Wenn man die Vertreterin der öffentlichen Ordnung beobachtet, wie dieselbe, die Orts­schelle in der Hand, mit weitschallender, deutlicher Stimme ihren Geschlechtsgenossinnen die Wichtigkeit der Anschaff= ung eines Gemeindebocks oder die Zahlung der noch rück­ständigen Steuern ans Herz legt, so muß man staunen über dte Vielseitigkeit der Frau. Das wichtige Amt des Nacht­wächters wird, wie in vielen Gemeinden, von allen Ein­wohnern abwechselnd besorgt, natürlich den Umständen ge­mäß meist von Frauen, und wehe dem Nacht- und Tagedieb, der einem Nachtwächter im Unterrock in die Hände fällt. Kein Ehemann wagt es, über die Polizeistunde auszublei­ben oder sogar mit einem Spit" heimzukehren.

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Prügelszene in einer englischen Kirche. In der Hei­Itgen- Dreieinigkeits- Kirche" von Horton bet London kam es am Sonnabend während des Gottesdienstes zu einer Schlä­geret. Dabei wurden mehrere Personen übel zugerichtet und ein Kruzifir zerschlagen. Der Vikar Henrick hatte eben das Kreuz enthüllt, und die Mitglieder des Chors aogen vorüber, um es zu küssen, als der Prediger Kensit fich erhob und mit lauter Stimme rief: Dieser Gößendienst in der englischen Kirche muß aufhören!" Da erhob sich die ganze Gemeinde wie ein Mann und begann laut gegen den Störer des Gottesdienstes zu protestieren. Dieser aber, ge­folgt von einer kleinen Anhängerschar, wollte gegen den

Verunglückte Ballonfahrer.

Der Flugsport hat in der Osterwoche wieder einige Opfer gefordert. Der Freiballon Lübeck" vom Lübecker Verein für Luftschiffahrt ist auf einer am Karfreitag unter­nommenen Fahrt bei der Landung in der Nähe von Fried­land in Mecklenburg verunglückt. Der Führer Di­rektor Maret aus Harburg erlitt einen Beinbruch. Zwei Mitfahrende famen mit leichteren Verlegungen davon.

Schwere Kämpfe an der amerikanischen Grenze. Douglas( Arizona), 18. April. Etwa 1600 Mann megi­fanischer Bundestruppen haben Aguaprieta angegriffen. Auf beiden Seiten wurde sehr hartnäckig gekämpft. Die Scharf­schützen der Rebellen, die hinter Schanzwerfen standen, war­fen den linken Flügel des Angreifers zurück. Zeitweise verstummten die Maschinengewehre der Angreifenden, da die Mannschaft niedergeschossen war. Der dichte Kugelregen wühlte die Erde im ganzen südlichen Teile von Douglas auf. Die Bewohner von Douglas blieben, um ihr Leben nicht zu gefährden, in den Häusern. Eine Kompanie der Stadtmiliz von Arizona hat Befehl erhalten, sich hierher zu begeben. Nach in Chihuasia eingetroffenen Meldungen von vertrauenswürdiger Seite, find die Eisenbahnverbindungen zwischen wichtigen Plähen zerstört worden. Tausende von Einwohnern, die an den Kämpfen ganz unbeteiligt sind, sind dadurch vom Verkehr abgeschnitten. Viele verlassen ihre Familien, um sich den Aufständischen anzuschließen. Hier herrscht die Anschauung, daß die Revolution im Süden ständig an Ausdehnung gewinnt.

Schwerer in seinen Folgen war ein zweites Unglück, das sich am Ostersonntag in Dresden ereignete. Darü­ber meldet uns der Draht: Das am Sonntag auf der Renn­bahn in Reich bei Dresden von dem königlich sächsischen Verein für Luftschiffahrt in Dresden abgehaltene nationale Ballonwettfliegen hatte unter starkem Winde, der sich zum Sturm steigerte, zu leiden. Vier Ballons mußten entleert werden, weil sich ihr Netzwerk für so starken Wind nicht start genug erwies. Eine plötzlich einsehende Böe erfaßte den Ballon Nordhausen" in dem Augenblick, als das Kommando: Los!" erfolgen sollte und warf eine Anzahl Soldaten zu Boden. Der Rest der Bedienungsmannschaft fonnte den Ballon nicht mehr halten. Der Vorsitzende des Fahrtausschusses, Fabritbesitzer Otto Korn aus Dresden, hielt sich mit aller Kraft am Korbrande des Ballons fest, In der Hoffnung, den Ballon doch noch zu halten, und wurde, am Korbrande hängend, vom Ballon mit empor gezogen. Da die Möglichkeit, Korn in den Korb herein zu ziehen, für die Balloninsassen unmöglich erschien, suchte der Führer, Hauptmann von Didtmann vom Feldartillerieregiment Nr.

Ein weiteres Telegramm besagt: In der Schlacht bei Aguaprieta haben die Aufständischen den ersten Angriff der Bundestruppen erfolgreich abgeschlagen. Später warfen sie neue Verschanzungen auf. Es heißt, der Verlust sei gering, während die Bundestruppen schwere Verluste erlitten hät= ten. Das amerikanische Zollhaus ist mehrere Male von den Kugeln getroffen worden. Auch zwei amerikanische Soldaten wurden verletzt. Den Aufständischen wurde von den Amerikanern Trinkwasser über die Grenzlinie gereicht. Washington, 18. April. Präsident Taft wird dem Repräsentantenhaus eine Sonderbotschaft über die Lage an der mexikanischen Grenze zugehen lassen. Der Präsident hat es abgelehnt, den amerikanischen Truppen den Befehl zu erteilen, die Grenze zu überschreiten, da er die Befürch­tung hegt, daß ein Ueberschreiten der Grenze die merika­nische Grenzbevölkerung gegen die Amerikaner erbittern würde. Bet dem Kampfe Lei Aguaprieta sind sechs Ameri­kaner durch abirrende Kugeln getötet worden.

Handel und Verkebr.

Cassel, 15. April. Weizen( 100 Kilogramm) 19,00 bis 19,50 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15,50 bis 16,25 M. Gerste ( 100 Kilogramm) 16,00 bis 17,50 M. Hafer( 100 Kilogramm) 17,00 bis 18,50 M. Seit( 3entner) 2,50 618 3,80 M. Stroh ( Bentner) 1,60 Fis 2,40 M.