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Reichstag und Zuwachssteuer.

geber, die 50% zusteuern müssen. Dieser Zwang wird auf die Gehaltsgestaltung einen wesentlichen Einfluß ausüben, da er den Etat eines großen Hauses schwer belastet. Der Entwurf wirò einer gründlichen Umarbeitung bedürfen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Neichstanzler und seine Gattin gaben am Mon­tag abend in Berlin ein Essen, zu dem das Präsidium des Reichstags, die Fraktionsvorstände der bürgerlichen Par­teien und zahlreiche hohe Staatsbeamte Einladungen er­halten hatten. Der Abend erhielt sein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des kaiserlichen Statthalters in El­saß- Lothringen Grafen v. Wedel. Das Gespräch drehte sich sowohl während der Tafel wie auch später in der Haupt­sache um den neuen vom Reichskanzler eingebrachten elsaß­lothringischen Gesezentwurf, wie auch um die Reichswert­zuwachssteuer. Der Reichskanzler ließ in Gesprächen mit den Abgeordneten erkennen, daß er großen Wert auf das Zustandekommen der beiden Gesetzentwürfe legt.

Der frühere Staatssekretär Dernburg beharrt auf seiner Weigerung, ein Reichstagsmandat bei den nächsten Wahlen anzunehmen, obwohl ihm Kandidaturen aus den verschiedensten Teilen des Reiches fortwährend angeboten werden. Er ist gegenwärtig mit dem Abschluß der Nieder­schrift seiner Eindrücke und Erfahrungen auf der Ostasien­reise beschäftigt. Die Nachricht, daß er noch einmal nach China gehen werde, namentlich um Kiautschou zu besuchen, entbehrt der Begründung.

Die Beratung der Zuwachssteuervorlage ist auch am Dienstag nicht vom Fleck gekommen. Es kam zunächst die Reichspartei zum Wort, die durch den Abg. Dirksen thre Zustimmung zur Vorlage im Interesse der Veteranen er­tlären ließ. Es sei nicht richtig, daß die Vorlage einseitig agrarisch set, aber man könne den ländlichen Grundbesiz nicht genau so behandeln wie den städtischen. Der Pole Seyda erklärte, daß seine Freunde der Vorlage mit ge­mischten Gefühlen gegenüberständen. Die Scheidung des unverdienten Wertzuwachses von dem durch redliche Arbeit verdienten werde sich nicht durchführen lassen. Abg. Raab von der Wirtschaftlichen Vereinigung stimmte der Vorlage ihrer sozialen Gerechtigkeit wegen zu, ebenso der Abgeord. Werner von der Reformpartei. Der Abg. Südefum( Soz.) erflärte, die Veteranenfürsorge dürfe nicht vom Zustande­kommen der Zuwachssteuer abhängig gemacht werden. Wenn der schwarzblaue Block" für die Wahlagitation eine Be­fitzsteuer brauche, dann solle er eine wirkliche machen. Lieber gar feine als eine solche Steuer! Nach ihm warnte Staats­sekretär Wermuth nochmals vor Annahme von weiteren Ab­schwächungsanträgen, da sowieso beispielsweise in Preußen von über 6 Millionen steuerpflichtigen Personen reichlich 4 Millionen nicht unter das Gesetz fallen und es nicht angängig sei wenn das Gesetz überhaupt noch Wert behal= ten soilte, weitere 600 000 in das goldene Reservat der Steu­erfreiheit hinüber zu schieben. Der fortschrittliche Abgeord­nete Neumann- Hofer ist erfreut darüber, daß der Gedanke der Wertzuwachssteuer Allgemeingut geworden ist. Die wirkliche Besitzsteuer sei aber die Erbschaftssteuer. Bei den vielen Abschwächungsanträgen sei Gefahr vorhanden, daß die Steuer überhaupt keinen nennenswerten Ertrag bringt. Als Vertreter der Bergbauinteressen tritt Herr Vogel von den Nationalliberalen auf. Die Bergwerksanteile sollten allgemein frei bleiben, denn gerade die Bergwerke unter­Itegen sehr oft starken Wertminderungen, z. B. durch Na­turereignisse. Was hat, so erklärt der Redner, nicht schon alles der Bergbau an Lasten zu tragen! Wollen Sie ihn ganz ruinieren? Kommen Sie uns bloß nicht mit der Scha­blone! Dann holt Herr Arendt von der Reichspartei noch einmal zu einer großen Rede aus, in der er alle seine Be­denken zusammenfaßt. Er fürchtet, daß die eigentlichen Millionenspekulanten, die man treffen will, sich drücken, und daß schließlich der kleinere und mittlere Grundbesitz die ganzen Kosten zu zahlen hat. Noch schärfer freilich ist das Urteil, das er über die Technik des Gesetzes fällt; noch niemals sei ihm ein so schlecht ausgearbeitetes Gesetz vor­gekommen, und er glaubt dem Reichstag nicht zu nahe zu treten, wenn er behauptet, daß kein halbes Dutzend Abgeord= neter in alle Einzelheiten eingedrungen sind. Die meisten hätten sogar zugegeben, daß sie nur bis§ 4 gekommen seien, dann aber ihre Auffassungsgabe versagt habe. Er hält es deshalb für das Zweckmäßigste, das Gesetz jetzt nochmals an eine besondere Kommission zu verweisen, die es aus dem Unverständlichen ins Deutsche überträgt. Die sachlichen Be­denken, die er geltend macht, entkräftet der Schazsekretär. Er stellt fest, daß Herr Arendt 1909 für die damals in der Kommission ausgearbeitete Vorlage gestimmt habe, obwohl lie dreimal so scharf gewesen sei, wie die jetzige. Wenn also, so meint Herr. Wermuth mit feinem Spott, die Vorlage wirklich so ruinos war, dann hätte doch Herr Arendt schon damals das Wort nehmen müssen, um unsern Grundbesitz zu schüßen. Und dann wiederholt der Schatzsekretär die Warn­ung, nicht zu weichherzig zu sein, und nichts von den Er­trägen des Gesetzes abzustreichen. Nachdem schließlich noch Graf Westarp sich für die Vorlage geäußert und der Zen­trumsabgeordnete von Savigny eine Erhöhung der stener= freien Grenzen beim Werte des Objekts von 20 000 auf 30 000 M und von 5000 auf 10 000 M gefordert hatte, vertagte sich das Haus auf Mittwoch.

Privatbeamtenversicherung und Reichstagsparteien.

Deputiertenkammer mißt man dem Revolverattentat teine politische Bedeutung bei.

Kleine Nachrichten.

Papst Pius hat am Dienstag einen Gichtanfall erlitten. Im Laufe des Tages hat sich das Befinden des Patienten zwar gebessert, doch wurden auf Anordnung der Aerzte alle Empfänge und Audienzen abgesagt.

Ein brennender Schlafwagen. In dem Frühschnellzuge Zürich- München geriet gestern nacht unterwegs ein Schlaf­wagen in Brand. 3wet Abteile sind vollständig ausge brannt. Die Retsenden konnten rechtzeitig in Sicherheit ge­bracht werden. Der Brand ist darauf zurückzuführen, daß am Bahnhof Lindau die eingefrorene Dampfheizung mit Fackeln aufgetaut worden war.

Die Reichsversicherungskommission ist vor eine folgen­schwere Entscheidung bei dem von ihr in erster Lesung ab­gelehnten§ 343 der Reichsversicherungsordnung gestellt. Nach diesem Paragraphen der Regierungsvorlage soll der Vorstand der Landkrankenkassen nicht wie bei den Orts­frankenkassen aus einer Wahl hervorgehen, sondern durch den Gemeindeverband bestellt werden. Der Staatssekre= tär des Innern verlangt die Wiederherstellung dieses Pa­ragraphen und erklärte amDienstag im Auftrag der Ver­bündeten Regierungen, daß die ganze Reichsversicherungs­ordnung ohne den§ 343 unannehmbar sei. Auch eine we­sentliche Abänderung dieser Bestimmung der Regierungs­vorlage könne nicht angenommen werden. Es komme auch nicht etwa die Verabschiedung eines Teiles der Versiche­rungsordnung in Frage, denn die Verbündeten Regierun= gen müßten auf das Ganze verzichten, wenn auch nur ein­zelne Teile aus der Versicherungsordnung in Wegfall fämen.

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Für 40 000 Mark Haare wurden in einem Düsseldorfer Friseurgeschäft gestohlen. Die Diebe sind unerkannt ent­kommen. Man vermutet jedoch, daß es sich um dieselben Verbrecher handelt, die, wie wir meldeten, in der Nacht zum 14. d. Mits. in Frankfurt a. M. ebenfalls in ein Fri­seurgeschäft einbrachen.

Immer mehr Opfer der Rodelei. Auf der Rodelbahn in Haynau in Schlesien erlitten eine junge Dame und ein Weißgerber schwere Verletzungen beim Rodeln, ferner brach ein Schulmädchen ein Bein. Bei Zobten verunglückten sechs Personen. Auch aus Striegau, Goldberg, Ratibor und an= deren Orten werden Rodelunfälle gemeldet.

Eine Doppelhinrichtung hat Dienstag früh in Inster­burg stattgefunden. Die Delinquenten waren zwei vom Schwurgericht in Insterburg verurteilte russisch- polnische Landarbeiter, die ihren Arbeitskollegen im August vorigen Jahres getötet und beraubt hatten.

Die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft hat jetzt eine gesamte Schienenlänge von 36,923,000 Kilometern, also 800 Kilometer mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Stationen ist um 189, im ganzen auf 17,102 gestiegen. Die Betriebseinnahmen beziffern sich auf 2,029,594,986 M, dies sind 119,357,965 M mehr als im Vorjahre. Die Stei­gerung beträgt also 6,25 Prozent. Der Betriebsüberschuß von 629,321,670 M gegen 484,839,585 M im Jahre 1908 ist um 144,482,085 M, also 29,80 Prozent gestiegen. Das ist eine außerordentliche Steigerung, die zum Teil auf den Güterverkehr, zum Teil auch auf den Personenverkehr zu­rückzuführen ist. An Personen wurden im letzten Jahre befördert 1,039,657,616, was eine Steigerung gegen das Vorjahr um 8,82 Prozent ist.

Eine Berliner Korrespondenz hat Veranlassung nommen. nach der nunmehr erfolgten Veröffentlichung des Entwurfs über die Privatbeamtenversicherung Vertreter der Reichstagsparteien über die Stellungnahme zu diesem Ent­wurfe zu fragen. Im allgemeinen hat dieser enttäuscht, und man glaubt, daß den Wünschen der Angestellten mit diesem Gesetze nicht genügend entgegengekommen wird. Zunächst wird die unklare Fassung des§ 1 getadelt, aus dem nicht klar hervorgehe, welche Angestellten unter das Gesez fallen. Ferner sind die Beitragsleistungen für die Minderbemit­telten viel zu hoch bemessen, und die Renten erreichen nicht diejenige Höhe, auf die man in Kreisen der Angestellten ge= rechnet hatte, im Durchschnitt betragen sie nur 30% des Durchschnittgehalts. Dazu kommt, daß die Altersgrenze mit 65 Jahren zu hoch gegriffen ist. Nimmt man an, daß ein Angestellter mit 1500 M Gehalt seine Laufbahn beginnt und allmählich ein Höchstgehalt von 3600 M erreicht, so zahlt er in den ersten Jahren 57, später bei Gehaltssteigerungen 70--80 M, in älteren Semestern 100-120 M. Durchschnitt­lich wird er in 40 Jahren 3500 M gezahlt haben, die gleiche Summe seine Chefs. Hierfür erhält er eine Rente von rund 900-1000 Mim Jahre, und zwar erst nach Erreichung des 65 Lebensjahres. Seine Witwe wird selten mehr als 600 Mim Jahre erhalten können, meistens bedeutend weni­zer. Bedenken erregt auch die hohe Belastung der Arbeit­

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

9)

Vier junge Mädchen vermißt. In Barmen sind seit einigen Tagen vier schulentlassene, hübsche Bürgertöchter verschwunden. Es wird ein Verbrechen vermutet. Die Be­hörden haben eingehende Nachforschungen angestellt. Ein

Vater und Sohn im Straßengraben erfroren. blinder wandernder Korbmacher legte sich mit seinem zwölf­jährigen Sohne, von Müdigkeit überwältigt, bei Biringen unweit Trier in einen Straßengraben. Beide wurden ge­stern erfroren aufgefunden.

Im österreichischen Abgeordnetenhause verlas Mini­sterpräsident Freiherr von Bienerth unter großer Unruhe seitens der Tschechisch- Radikalen das Programm der neuen Regierung. Er erklärte, daß der Kurs der neuen Regie­rung der alte bleibe, und daß das wichtigste Prinzip der neuen Regierung das Festhalten an der allen Einflüssen entrückten Objektivität und Unparteilichkeit der Verwal­tung bilde. Ihr Hauptaugenmerk werde die Regierung auf die Lösung der böhmischen Frage lenken, die trot aller Mißerfolge immer von neuem versucht werden müsse.

Stumm legten sie den Weg zur russischen Kapelle zu= tüd, denn die Tote durfte nicht in dem von Gästen über­füllten Hotel bleiben, weil der Wirt dadurch geschädigt zu werden fürchtete.

Erstickt sind in Magdeburg infolge eines durch einen Kanonenofen ausgebrochenen Brandes zwei allein gelassene kleine Kinder eines Arbeiters.

Infolge Explosion einer Lampe in der Wohnung eines Arbeiters in Hagenau verbrannten drei Kinder desselben in Abwesenheit der Eltern. Zwet starben bald darauf im Krankenhause, das dritte liegt bedenklich verbrannt dar­nieder.

Ein Familiendrama hat sich gestern in Zeulenroda bet Greiz abgespielt. Dort erschoß der Hilfsarbeiter Weber seine 16jährige Stieftochter, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, ferner deren 2 Monate altes Kind und schließ­lich sich selbst.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Eine kostbare Büchersammlung unter dem Hammer. Die bedeutsamste Bücherauktion, die je in Amerika abgehalten wurde, wird im Frühjahr dieses Jahr stattfinden, wenn die berühmte Sammlung der Bibliophilen Robert Hoe in Neu­york bei Andesson unter den Hammer kommt. Sachver ständige schätzen bereits heute den Erlös der Bibliothek Hoe auf wenigstens 4 Millionen Mark. Die Versteigerung wird nicht weniger als 2 Monate in Anspruch nehmen, da die Bibliothek nicht im ganzen, sondern in einzelnen Partien ausgeboten wird. Hoe hat fünfzig Jahre gebraucht, um seine kostbare Bibliothek zusammenzubringen, und nach den Schäzungen seiner Freunde hat er wohl gegen 2 Millionen Mark für seine Bücher angelegt. Aber darunter befindet sich eine lange Reihe kostbarer Raritäten, die zum Teil für gewaltige Summen bereits unter der Hand verkauft wor= den sind. Besonders reichhaltig ist die Sammlung alter englischer Drucke aus dem 17. Jahrhundert wie auch der illustrierten Manuskripte, für die Hoe eine besondere Net­gung hatte. Mit Ausnahme von Pierpont Morgan ver­fügt teine amerikanische Bibliothek über so seltene Schätze, und man sieht voraus, daß um den Kauf im Frühjahr heiße Kämpfe entbrennen werden. Noch vor einigen Jahren ließ Hoe einen Katalog ausarbeiten, der zwar nicht zu Ende ge­führt wurde, in dem aber trotz seines fragmentarischen Zu­standes über 21,000 alte Bücher aufgeführt sind.

Ein Attentat auf den französischen Ministerpräsidenten wurde während der gestrigen Sigung der Deputierten­fammer verübt. Von der Zuschauertribüne herab wurden zwei Revolverschüsse auf den Ministerpräsidenten Briand, der auf der Ministerbank saß, abgefeuert. Briand blieb unverletzt. Der Direktor des Armenwesens, Mirman, wurde an der Wade verwundet. Der Angreifer wurde fest­genommen. Er ist ein ehemaliger Gerichtssekretär namens Gizolme. Er befand sich vor wenigen Tagen in einem Irrenhause in Paris. Er wurde seiner Familie zurück­gegeben, da die Aerzte, welche ihn als Neurasthenifer an­sahen, ihm möglichst viel Zerstreuung zu bieten empfahlen. Zu diesem Zweck hatte man ihm auch eine Karte zu der Kammersizung gegeben. Er soll erklärt haben, er werde sich nun amüsieren können. Mit derselben Motivierung hat er vor mehreren Jahren zwei Revolverschüsse auf einen Konsul in San Sebastian abgefeuert. In den Kreisen der

Es ist zwei Stunden später. Der Sohn hat am Sarg der Mutter gebetet, jetzt sitzt er im ernsten Gespräch mit dem Juwelier da. Noch ein anderer Herr ist da, derselbe, der mit einem Regenschirm in Häuserlings Laden trat, gerade in dem Augenblide, als Andrei am Abend des 24. Oktobers im Auftrage der verstorbenen Gräfin den Schmuck der Wallutjeffs abholte. Die durchdringenden Augen des fremden Herrn blickten Jegor scharf an, dann stellte er sich dem Grafen vor.

Mein Name ist Henri Clairon! Ich bin der Neffe des Juweliers Häuserling, Geheimpolizist von Profession. Darf ich mich Ihnen zur Verfügung stellen?"

Ich glaube, Sie können niemand finden, der geeig= neter wäre, das düstere Geheimnis zu klären," warf Häu­serling ein ,,, mir sind verzweifelte Kriminalfälle bekannt, bei denen Henri in anscheinend undurchdringliches Dun­fel Licht brachte. Sie glauben nicht, welchen Spürsinn er besitzt."

Ueber das glatt rasierte Gesicht des also Gelobten glitt ein spöttisches Lächeln, es hieß soviel als: Was euch unentwirrbar scheint, ist mir möglich."

Clairon schüttelte sie herzhaft.

Das wäre also abgemacht," sagte Häuserling zufrie= den. Jetzt gestatten Sie wohl, daß mein Neffe Sie mit den Begleitumständen des an Ihrem Diener verübten Mordes befannt macht."

,, Gut, ich engagiere Sie," sagte Wallutjeff ,,, ich biete Ihnen fünftausend Rubel Honorar, wenn Sie mir zu dem Schmucke verhelfen und den Mörder fangen. Selbstredend stelle ich Ihren unbegrenzten Kredit für Ihre Reisen und alles, was Sie brauchen, zur Verfügung, damit Ihre Nach­forschungen mit Erfolg gekrönt werden."

Ich bitte darum. Aber können Sie mir nicht erklä­ren, wodurch man die Persönlichkeit des Ermordeten fest­stellte?" fragte der Graf.

Mit einem bittenden Blick hielt Wallutjeff dem Ge= heimpolizisten die Hand hin.

Sehr einfach. Man fand ein Taschentuch bei ihm, das seinen vollen Namen trug. Außerdem kannte ihn der Schaffner aus Luzern her, da Andrei öfters kleine Fahr­ten für seine Herrin auf der Eisenbahn machen mußte. Seinen Paß fand man später in der Brusttasche seines Ueberziehers. Die grausige Tat muß bald hinter Zürich geschehen sein. In dem Abteil erster Klasse war eine besondere Abteilung mit einer langen gepolsterten Bank. Der Schaffner sagte aus, daß Andrei ihm ein reichliches Trinkgeld gab, um die Nacht allein bleiben zu dürfen.

Aus den Gerichtssälen.

In dem Schwurgerichtsprozeß wegen der Moabiter Kra: walle wurde die Zeugenverr hmung auch am Dienstag noch fortgesetzt. Man hofft zuversichtlich, den Prozeß noch in dieser Woche zu Ende zu führen. Die Zeugenvernehmung bringt im allgemeinen eine Wiederholung der Aussagen, die die Zeugen bereits vor der Straffammer gemacht haben. Die Tragödie eines höheren Postbeamten. Ein bis vor furzem hochangesehener höherer Beamter der Post namens Kämmerer, der sich im Oktober v. J. der Staatsanwalt­schaft selbst gestellt hatte mit der Angabe, daß er seit Jahren der ihm unterstellten Kasse bedeutende Beträge entnommen und für sich verwendet habe, stand nunmehr vor dem Schwurgericht in Nürnberg. Der Angeklagte war sett 1867, also seit 43 Jahren im Postdienst tätig und seit 1903 Kas­

., und hat der Schaffner keinen anderen Reisenden in dem Wagen bemerkt?"

,, Doch, eine alte Dame, die sehr gebrechlich schien und um gehen konnte; ste tommt nicht in Betracht." ,, Was haben Sie sonst noch erfahren?" forschte der Graf weiter.

Der Mord muß verübt worden sein, als Andrei schlief. An der Leiche waren die Spuren von Fingern zu sehen, welche ihm die Kehle zugeschnürt hatten, ein Knebel ver­schloß den Mund. Der Mord ein tödlicher Stich-- war durch ein scharfes Instrument ausgeführt; gerade ins Herz hat die Waffe getroffen. Ob es ein Dolch oder ein spizzes Messer war, ließ sich nicht feststellen."

Nach allem zu schließen, war der Mörder gut unterrich­tet," sagte Graf Wallutjeff.

Jrinja versicherte, daß weder Andrei noch sie mit ir­gend jemand über den Schmuck und den Zweck der Reise des Dieners gesprochen hätten. Noch während sie dies er­klärte, durchzuckte ein Gedanke ihr Hirn.

Und die nebenan sitzende Dame hat nichts gehört?" ,, Sie konnte es nicht, denn sie war stoctaub, wie der Schaffner mir sagte, und sie schlief während der Fahrt. Sie fiel fast um, so schwach war sie auf den Füßen."

Ich will die Kammerfrau meiner Mutter fragen, ob sie nicht Verdacht auf einen Dienstboten des Hotels hat.

Jegor Alexejewitsch, es ist nur eine Möglichkeit vor Handen," sagte die Zofe. ,, Eben erst fällt es miz ein, daß meine selige Herrin und ich am Abend des Tages vor Andreis Abreise eingehend über seinen Auftrag redeten und zwar am Ende der Seepromenade auf einer Bank." Irinja erzählte nun genau alles, wie es sich zugetra= gen. Sie sprach auch über das Geräsch hinter der Bank in dem dichten Buschwerk, und daß sie geglaubt, es sei eine Kaze gewesen.

Ich bin überzeugt, daß Sie belanscht wurde," mein­te Clairon. Salt!" rief er nach einer Weile scharfen Nachdenkens, ich bin auf der Spur, wie ich hoffe. Mor­gen u mdiese Zeit werde ich Ihnen mehr sagen können. Ich muß zu den Redaktionen eilen, die Zeitungen sollen mir helfen."

,, Was werden Sie tun?" rief Wallutjeff gespannt. Warten Sie es ab," lautete die Antwort. Jegor war todmüde und doch blieb ihm noch eine ernste Pflicht übrig, er wollte den Ermordeten sehen. Man hatte Andrei in die Totenkammer des Gerichtsgebäudes gebracht. Erschüttert stand der Graf an der Bahre, auf der die Leiche des treuen Dieners lag. Seine Züge tru­gen einen friedlichen Ausdruck; der Tod mußte ihn tat­sächlich im Schlafe ereilt haben. Nun lag der Hüne lang gestreckt da. Der Mund war stumm, der dem Knaben Ale­rejewitsch alle die schönen Volkslieder vorgesungen hatte, die fräftigen Hände, die den Sohn seiner Herrschaft so oft gelieblost hatten, lagen starr und leblos gefaltet. Lange stand Wallutjeff vor der Leiche. Er betete, daß Gott dem feigen Mörder die aerechte Strafe für sein Verbrechen erleiden lassen möge. ( Fortsetzung folgt.)

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