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Fischer.
In Gießen.
Gießener Beifung
( Neueste Nachrichten)
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jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 16.
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Der Verlag.
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Donnerstag den 19. Januar 1911
wissen"; und dann in Zornesaufwallung darüber aufbrauste:„ Donnerwetter, wenn es so weiter geht, dann ist das die alte Sozialdemokratie nicht mehr, dann werden wir zum Gespött der Gegner, dann ist es wirklich sehr weit gekommen." Es ist wirklich wahr, daß es mit dem Agitationskomödienspiel der Sozialdemokraten sehr weit gekommen ist. Und dieses Komödienspiel geht auf Kosten der Arbeiter, die in politischer Unaufgeklärtheit den falschen Sirenengesängen der sozialdemokratischen Agitatoren Glauben schenken.
Franz Behrens, Mitglied des Reichstages.
Reichstagswahlvorbereitungen.
(*) Gießen, 17. Jan. Gestern abend fand hier eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der nationalliberalen und der freisinnigen Partei statt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, der Vertrauensmännerversammlung der Nationalliberalen vorzuschlagen, die Kandidatur Gisevius zurück=
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33iehen und als Kandidaten den Professor Bi e r- mann aufzustellen, für den dann auch die Freisinni gen eintreten würden. Jetzt ist die Marschroute für Bund der Landwirte, dessen Mitglieder zum Teil für die anderen bürgerlichen Parteien nun gegeben. Der Gisevius eintreten wollten, wird jetzt geschlossen treten. für den deutsch- sozialen Oberlehrer Dr. Werner ein
* Worms. Die Nationalliberalen haben wieder den Freiherr v. Heyl v. Herrnsheim als Reichstagskandidaten aufgestellt.
Volkspartei für den Reichstagswahlkreis Homberg- Friz3iegenhain. Als Kandidat der Fortschrittl. Göttingen ausersehen. lar- Ziegenhain ist Handelskammersyndikus Dr. Laporte
(*) Bensheim. Die Sozialdemokraten haben aufgestellt. Da die Nationalliberalen wahrscheinlich ihren wieder ihren früheren Reichstagskandidaten Hasenzahl Geheimrat Haas aufstellen, während von christlich- ſozialer Seite Stadtv. Rippel- Hagen zum Kandidaten
selben Gegner wieder wie 1907.
Lokal- Nachrichten.
Gießen, den 19. Januar.
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(*) Gießen. Die Vorbereitungen für die Haupttagung der Allgemeinen evangelisch- lutherischen Konferenz in Upsala sind soweit diehen, daß demnächst das Programm der Verhandlun= gen bekannt gegeben werden kann. Der Zusammen= schluß der Lutheraner, früher ein ferngerücktes Jdeal, ist, wenn auch noch nicht vollendet, so doch bereits zu einer realen Tatsache geworden. Alle Anfragen oder Anmel dungen zur Teilnahme an der Konferenz in Upsala sind zu richten an das Sekretariat der Allgem. ev.- luth. Konferenz in Miltiz bei Meißen.
Die Revolution im Schlatrock. Der Wortführer der Sozialdemokraten in der Du= tenhofener christlich- sozialen Versammlung am letzten Sonntag, Herr Habicht- Frankfurt a. M.( Kandidat für Limburg), behauptete, daß sich die von den Sozialdemokraten angestrebte Revolution sehr fried lich vollziehen solle. Niemand dächte dabei an Ge= walt. Also es solle so eine Art Revolution werden, die sich gemütlich im Schlafrock und bei langer Pfeife vollzieht. Dieser Sozialdemokrat scheint, trotzdem Reichstagskandidat ist, nicht recht zu wissen, wo in der Sozialdemokratie„ Batelt den Most holt". In den m a ß- gebenden Kreisen der Sozialdemokratie denkt man erheblich anders darüber. Der s03.- dem. Abgeordnete Dr. Liebknecht ließ 1910 seine New- Yorker Rede in dem Ausspruch gipfeln:" Die Kaiserkrone wird in Deutschland bald weggeblasen, wie in Portugal." Die Revolution in Portugal vollzog sich bekanntlich mit Gewalt und Blutvergießen und ist noch nicht überwunden. Abg. Bebel sagte 1903 auf dem Parteitage:„ Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und dieser Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbe= wählt wurde, treffen sich bei der kommenden Wahl diedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen. Unsere ganze Tätig= feit geht darauf hinaus, die Entwicklungsphasen abzukürzen, um die sozialistische Gesellschaft herbeizuführen". Der Herausgeber der nachgelassenen Schriften von Karl Marx, der sozialdemokratische Führer Franz Mehring schreibt:„ Die deutsche Sozialdemokratie nährt und schürt in den Herzen und Köpfen der Arbeiter die Revolution. In jedem feier= lichen Augenblick seines Lebens hat Marx an die Ge= walt appelliert; so im Kommunistischen Manifest: „ Unsere Zwecke können nur erreicht werden durch den gewaltsamen Umsturz der bisherigen Gesellschafts= ordnung"; so im Kapital:„ Die Gewalt ist die Geburtshelferin jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht"; so auf den Haager Kongresse der Jn ternationalen Arbeiterassoziation: An die Gewalt wird man appellieren müssen, um die Herrschaft der Arbeiter zu etablieren". Ein Führer der Frankfurter Genossen, Herr Wendel, hat am 1. September 1910 eine„, historisch e" Rede in Frankfurt a. M. gehalten, worin er die schändliche Mörderei der französischen Revolutionäre 1789, bei der es einfach hieß Kopf ab!", als„ richtig" lobend hervorhob, sodaß im Lande naheliegende Konsequenzen daraus geschlossen wurden. Ferner am 24. August 1910 schrieb das 3entralorg an der soz.- dem. Partei gegenüber dem Revisionisten Kolb:„ Seinen sonderbaren. Marxismus, der ihn nur die eine Seite der Marxschen Lehre, den großen Gedanken der gesetzmäßigen Entwickelung sehen läßt, während er blind vorübergeht an den Stellen, wo von der Gewalt als der Geburts= helferin jeder neuen Gesellschafts ordnung die Rede ist, wollen wir beiseite lassen."- Das sind doch sehr deutliche Beweise für den Willen zur blutigen Revolution. Wenn sich die Sozialdemokraten im Lande so lammfriedlich stellen, so ist es neben der blassen Furcht vor den Kleinkalibrigen der heutigen die Staatsordnung schützenden Regierungsgewalt, vor allen, um mit Bebel zu reden, das„ Komödienspiel der Sozialdemokrati e", mit dem„ das Ge= wissen des Volkes getäuscht werde n" ( nach Vollmar) soll. Eine Partei, die in so unaufrichtiger Weise die Wähler über ihr eigentliches Wesen, Wollen und Ziele täuscht, kann keinen Bestand ha-(*) Wetzlar. Der Taunusklub hat eine ben. Der alte Bebel hat recht, wenn er die Methode der Touren- Aenderung beschlossen und zwar wird im Fe politischen Roßtäuscherei so charakterisierte:„ Nur Ruhe, bruar eine Tour in den Schöffengrund und im April Ruhe! Kein Geräusch gemacht, bei Tage nicht und je eine Tour in das Weschnitztal und in den Hütten nicht bei der Nacht! Wir mogeln hinter verschlosberg unternommen. Der Verein zählt jetzt über 150 senen Türen, wir werden die Sache schon zu deichseln Mitglieder.
(*) Gießen. Die Fabrik Bäninger hat gegen die zu hohe Heranziehung zu den Kanalgebüh= ren beim Kreisamt Rekurs erhoben, da sie der Ansicht ist, daß nur von dem Flächeninhalt der Gebäude zuzüglich Einfahrt und Anschlußgleis Gebühren zu erheben seien. Am letzten Samstag beschäftigte sich der Provinzialausschuß mit der Angelegenheit, der zu Recht erkannte, daß die Firma für 1910 nur insoweit zur Kanalgebühr heranzuziehen sei, als der ihr gehörige Grundbesitz als Fabrikhofreite in Betracht kommt. Die Kosten des Verfahrens sowie eine Verhandlungsgebühr 25 Mark hat die Stadt Gießen zu tragen.
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Friedberg, 15. Jan. In der gestrigen Kreistagssigung wurde Rechtsanwalt Dr. v. Holmolt= Friedberg zum Kreisausschußmitglied gewählt, anstelle des verstorbenen Freiherrn von Leonhardi- Großkarben.
* Nieder- Seemen. Die Gemeinde, die im vorigen Jahr ein neues Schulhaus erbaut hat, hat nun auch den Bau einer Wasserleitung beschlossen. Die Arbeiten werden durch den Bauunternehmer Hardt aus Lauterbach ausgeführt..
* Wetzlar. Von Seiten des Dombauvereins ist dem bei der Baufirma Robert Schneider hierselbst beschäftigten Polier Walter Thorn als Erinnerung die Einweihung des Domes eine goldene Uhr mit Kette übergeben worden.
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23. Jahrg.
(*) Wetzlar. Unser neuer Bahnhof fostet insgesamt 3 940 000 Mark. Für 1911 sind außer den von 1906-1910 bewilligten 2 500 000 Mark weitere 500 000 Mark im Etat eingesetzt.
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Wetzlar. Bis morgen müssen die Steuererklärungen von Einkommen von mehr als 3000 Mark eingereicht sein.
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Wetzlar. Schon jetzt werden Vorarbeiten un= ternommen, um die in 1915 stattfindende 100jährige Zugehörigkeit der Rheinprovinz zu Preußen festlich zu be= gehen. In unserer Stadt wird das Jahr auch nicht so flanglos vorübergehen.
§ Kirtorf. Nachdem unsere Gemeinde nachgewiesen hat, daß laut Quittung an die Gemeinde Ober= Gleen die zuerkannte Entschädigung bezahlt worden ist, wurde letzten Samstag vom Provinzialausschuß die Enteignung des Rechts der Röhrenverlegung in der Gemartung Ober- Gleen ausgesprochen.
Marburg, 17. Jan. Die Marburger und die nachmittag anläßlich des 40jährigen Gedenktages der Gießener Burschenschaften veranstalteten heute Gründung des Deutschen Reiches im Anschluß an einen sälen. Umzug durch die Stadt einen Festkommers in den Stadtstadt verletzte Frau Keßler ist in der hiesigen Klinik geDie bei dem Familienzwist in Neustorben.
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überfiel der Maurer Keßler in der Wohnung seinen Neustadt( b. Marburg), 16. Jan. Heute nacht verheirateten Sohn und seine Schwiegertochter im Bett und gab mehrere Revolverschüsse auf beide ab. Der junge Keßler erhielt einen Schuß in den Kopf und in das eine Schulterblatt, während die Frau einen Schuß in den Unterleib davontrug. Beide wurden schwerverletzt in das Marburger Krankenhaus gebracht. Der Täter ist flüchtig gegangen. Man glaubt, daß er in angetrunkenem Zustand gehandelt hat.
Weiterbau der Kreisbahn Marburg- Dreihausen hat beMarburg. Das Eisenbahnkomitee für den schlossen, die Fortführung nach der Station Mücke an der oberhessischen Eisenbahn energisch zu betreiben. Die neu zu bauende Strecke ist ungefähr 25 Kilometer lang. § Jlbenstadt. Ein in unserer Gemeinde wohnhafter Arbeiter Lucas war nur einige Tage zu Bruchenbrücken in Arbeit, wurde dann krank und mußte im Bürgerhospital zu Friedberg verpflegt werden. Die Verpflegungskosten belaufen sich auf 219,80 Mt. Da unsere Gemeindeverwaltung der Ansicht war, daß die Krankenkasse zu Bruchenbrücken die Verpflegungskosten zu vinzialausschuß verhandelt. Derselbe hat nun in seiner zahlen habe, wurde die Angelegenheit vor dem Proam letzten Samstag stattgefundenen Sitzung beschlossen, daß Jlbenstadt doch diese Verpflegungsgelder zu zahlen hat.
* Darmstadt. Der frühere langjährige Direktor der Kgl. Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau zu Geisenheim a. Rh., Landesökonomie rat Goethe ist hier nach kurzem, schweren Leiden im 68. Lebensjahre gestorben. Der deutsche Obstbau verliert in dem Verstorbenen einen seiner eifrigsten und verdienst= vollsten Förderer.
Darmstadt, 17. Jan. Ermordet aufgefunden wurde heute früh im Hauſe Bessungerstraße 86 die achtjährige Susanne Traub. Diese wurde seit Montag vermißt und heute früh durch einen Polizeihund in einem Sack auf dem Boden des Hauses gefunden.
Mainz. Die beiden Präsidenten des Mainzer Karnevals, die Herren Dr. Reen und Glotzbach, hatten ihn gestern eine Audienz beim Großherzog, um zu einer Herrensizung sowie zum Rosenmontags- Zuge einzuladen. Der Großherzog hat sein Erscheinen in Aussicht gestellt.
§ Hungen. Der hiesige Schlossermeister Otto Ebersohn hatte einen Lehrling nach 2½ jähriger Lehrzeit. H. entlassen und die Ausstellung eines ordnungsmäßigen Zeugnisses verweigert. Der Vater des Lehrlings wandte sich an die Handwerkskammer nach Darmstadt und nun stellte sich heraus, daß Ebersohn überhaupt keinen Lehrvertrag abgeschlossen hatte. Auf eine Anfrage der Kammer, warum er den Lehrling entlassen habe, gab er keine Antwort, so daß diese schließlich sich genötigt sah, bei Gr. Kreisamt Gießen Antrag auf Entziehung der Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen zu stellen. Das Kreisamt entsprach diesem Antrag auf Grund von Ermittelungen, die insbesondere auch ergaben, daß der fragliche Lehrling sehr viel zu Hausarbeiten, landwirtschaftlichen Verrichtungen 2c., verwendet worden war. Ebersohn verfolgte Rekurs an den Provinzial- Ausschuß, der zwar von einer Entziehung der fraglichen Befugnis absah, aber die Erwartung aussprach, daß Ebersohn für die Folge seinen gesetzlichen Verpflichtungen mehr wie seither nachkomme. Die Ko( Fortsetzung folgt auf der 4. Seite.)


