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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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oierteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter ... Manuskripte wird nicht garantiert... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.

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Telephon: Nr. 362.

der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag, den 18. Juli 1911.

Die mecklenburgische Uertaffungstrage. gemeldet. In Offenbach a. M. iſt in einer Gummija­

In Rostock waren dieser Tage die Angehörigen der medlenburgischen Ritterschaft zusammengetreten, um sich mit der Verfassungsfrage zu beschäftigen. Schon meh­rere Jahre tobi im Lande der Obotriten der Kampf um die Verfassung, ohne daß die Dinge inzwischen auch nur einen Schritt vorwärts gekommen wären. Mehr als einmal ist die staatsrechtliche Situation in Mecklenburg auch im Reichstage zur Sprache gekommen. Die Unhalt­barkeit der Verhältnisse wurde aber auch in mecklenbur­gischen Regierungsfreisen selbst empfunden, und so kam jener Erlaß der beiden Großherzöge zustande, in dem das Versprechen gegeben wurde, den beiden Ländern baldigst eine Verfassung zu geben, der Landtag sollte sich, wenigstens zu einem Teil, aus Vertretern zusam­mensetzen, die aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen sind. Man hatte aber die Rechnung ohne die Ritter- schaft gemacht, die seit Jahrhunderten weitgehende Rechte besitzt, und die in ihren Privilegien keine zurücksetzung wollte. Jm großen und ganzen war das, was gewährt wurde, nicht allzuviel, man hatte bei Aufstellung der Vorlage auf den Standpunkt der Ritter in weitestem Maße Rücksicht genommen, aber von dieser Seite wurde dem ganzen Plane der allerschärfste Widerstand entge­gengesetzt; die Vorlage scheiterte, ebenso ein späterer neuer Versuch, die von den besten Absichten beseelte Re­gierung war unter diesen Umständen machtlos, zumal sie aus begreiflichen Gründen von einer Aufoktroierung der Verfassung Abstand nehmen zu müssen glaubte; gleichwohl aber ruhte die Regierung nicht, in ihren Be­mühungen etwas zustande zu bringen, und auch neuer­dings hörte man von der Absicht, es noch einmal zu wagen. Die Ritter sind aber in ihrem Widerstande kei­neswegs erlahmt. Man berief einen Konvent nach Ro­stock, und daß man in diesen Kreisen durchaus nicht mürbe geworden ist, beweisen die in jener Versamm lung gefaßten Beschlüsse. Diese bezeugen auf das Deut­lichste, daß man seitens der mecklenburgischen Ritter= schaft eine Volksvertretung überhaupt nicht will, denn ein Punkt der angenommenen Resolution verlangt aus­drücklich Ausschluß allgemeiner Wahlen, zu welchen die breite Masse der Bevölkerung hinzugezogen wird. Ebenso ist es eine seltsame Forderung, wenn die Herren ver­langen, daß irgendwelche Verfassungsänderungen nicht vorgenommen werden dürfen, wenn auch nur eine drei im Landtage vorhandenen Gruppen ihr Veto ein­legt. Diese und die übrigen Punkte erinnern fast an die Zeiten des Feudalismus, und man sollte nicht glauben, daß etwas derartiges im Jahre 1911 möglich wäre. Mit einem solchen Auftreten schaden sich die Herren nur selbst, und es könnte vielleicht eines Tages doch dahin kommen, daß die maßgebenden Kreise von einem Ra­dikalschritt nicht mehr zurückschrecken. Auch in Mecklen­burg kann man sich schließlich den neuen Zeiten auf die Dauer nicht entgegenstellen.

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Die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen und Hessen Daffau im Juni 1911.

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M. A. Frankfurt, 18. Juli. In der Metallindustrie ist die Beschäfti­gungsgelegenheit eine gute gewesen, doch waren Verbandsgebiet meheere Streiks und Lohndifferenzen zu verzeichnen. Das Schmiedehandwerk war besonders gut beschäftigt und konnten nur die Hälfte der offenen Stel­len besetzt werden. Der Hauptort der Portefeuil leindustrie Offenbach a. M. meldete einen besseren Geschäftsgang, der teilweise Verlängerung der Arbeits­zeit brachte. Aus der Industrie der Holz- und Schnitzstoffe sind, mit wenigen Ausnahmen, nur günstige Berichte eingelaufen. Die 3igarrenindu­strie hat sich von der Tabaksteuer immer noch erholt. In Gießen wurden 2 Fabriken geschlossen, und die meisten anderen Fabriken arbeiten mit Ver= türzung von 12-16 Stunden pro Woche. Bei den Metz­gern konnten besonders in den großen Städten verhält­nismäßig viele offene Stellen nicht besetzt werden, was auf die alljährlich in den Sommermonaten eintretende Die rege Wanderlust der Gesellen zurückgeführt wird. Konservenfabriken stellten, wie alljährlich um diese Zeit, viele weibliche Arbeitskräfte ein. Die Schuhfabri= ten waren auch im Berichtsmonat sehr gut beschäftigt und mußten z. B. in Offenbach a. M. teilweise Ueber­stunden gemacht werden. Die Kunstseidefabriken in der Umgegend von Frankfurt stellten Arbeiterinnen ein, wie Langen berichtet. Bei den Friseuren und Barbieren wurden in Frankfurt a. M. für Samstags und Sonn­tags zahlreiche Aushilfen verlangt. Nur aus Mainz

wird ein Abflauen im Bekleidungsgewerbe gemeldet. In Offenbach a. M. ist in einer Gummifa­brik Streif wegen Lohndifferenzen ausgebrochen.

Aus dem Baugewerbe lauten die Nachrichten, besonders aus den Kleinstädten, wie Bingen, Rüdes­heim a. Rh., ungünstig. Jm Buch drucker- Ge= werbe war der Geschäftsgang noch weiter flau. Die Lage im G a st- und Schankwirtschafts- Ge werbe wurde durch die ungünstige Witterung im Berichtsmonat sehr beeinträchtigt. Sowohl vom platten Lande wie von den Klein, Mittel- und Großstädten wird eine rege Vermittlungstätigkeit I a n dwirtsch. Arbeiter gemeldet. Es wird immer noch geklagt, daß viel mehr Stellen hätten besetzt werden können, daß aber die Arbeitsuchenden sehr oft nicht zu vermitteln wären, teils weil ihnen die nötigen Kleider fehlten, teils weil sie die verlangte Arbeit nicht leisten können. Aus den Weinbau gegenden wird sehr gute Arbeitsgelegenheit, hauptsächlich für weibliche Personen, gemeldet, da zur Zeit das Absuchen des Heu- und Sauerwurmes vorgenommen wird. Auf dem weib­lichen Dienstbotenmarkt übersteigt nach wie vor Nachfrage das Angebot, nur in Wiesbaden machte sich ein ueberangebot von jungen Mädchen bemerkbar, die infolge der Reisesaison nicht alle untergebracht werden

fonnten.

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Aus Stadt und Land.

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Gießen, den 18. Juli. Erledigte Lehrerstellen. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obbornhofen, Kr. Gießen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Solms- Braunfels steht das Präsentations recht zu. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu Ulrichstein.

Bei der 5. Regatta des Lahn- Regat ta Verbandes siegte die Gießener Rudergesell­schaft im Junior- Vierer und Lahn- Vierer. Gegner wa­ren in beiden Rennen der Limburger- und Weilburger Ruderverein.

Die Prüfung im Hufbeschlag haben bestanden Wilh. Lu h- Großen- Linden, Ludwig Doll Steinheim, Wilhelm Gör I a ch- Eberstadt und Wilhelm Reyschmidt- Lumda.

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50. Jubiläums- Ausstellung der ober hessischen Bienenzüchter. Der Verein wurde im Jahre 1860 in Gießen gegründet. Ihm ge­hören heute 24 3weigvereine an und zwar Alsfeld, Lumdathal, Vilbel, Gießen, Friedberg, Butzbach, Mücke, Bad- Nauheim, Hungen, Büdingen, Kirtorf, Altenstadt, Reichelsheim i. W., Gedern, Grünberg, Hizkirchen, Lau­terbach, Engelrod, Nieder- Moos, Homberg, Nidda, Schlitz, Schotten und Heldenbergen. Die Zahl der im Vereinsgebiet vorhandenen Bienen betrug nach der Sta­tistik von 1907 10 654 Völker. Die Prämiierung hatte hatte folgendes Ergebnis: Für Honig wurden geben an den Verband des Schlitzer- Landes der Ehren­preis, ferner erhielten 2. Preise Pfeiffer- Launsbach, H.

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Roth- Langgöns, Runt- Ofarben, Runkel- Oppenrod und Bauer 2.- Gießen. 3. Preise wurden zuerkannt: Köhler­Pohl- Göns, Renter- Grebenheim, Klein- Eschenrod, Buß­Wetzlar, Kraft- Gießen, Döll- Wieseck und Weitz- Schotten. Es wurden noch für Honig 10 vierte Preise und 12 Anerkennungen verliehen. Für Bienenvölker wur­den verliehen: 1. Preise Schmidt- Gießen und Köhler= Pohlgöns, 2. Preise Pfeiffer- Launsbach und Kraft in Gießen, 3. Preise Handloser- Gießen, Kelf- Gedern, Rahn­Rudingshain und Kumpf- Gießen; ferner wurden fünf Anerkennungen verliehen. Für Königinnen­

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3 ucht erhielt Kumpf- Grünberg 1. Preis, Pfeiffer in Launsbach 2. Preis, Hübner- Nidda und Noll- Gießen je 3. Preis. Für Bienenwirtschaftliche Ge­räte 2c. erhielten Ehrenpreise Schminke- Sachsenbug, L. Hübner- Nidda; Medaillen: Keek- Gedern, Seibert­Gözen, Weinert- Butzbach, Buß- Wetzlar, Karl Neeß Nachf- Frankfurt a. M. und Bolle- Treißa. Für beste Für beste Gesamtleistungen wurden Ehrenpreise zuerkannt Noll Schotten, Gießen( Großherzogspreis), Bezirksverein Ilmsel- Hirzenhain, Kraft- Gießen, Pfeiffer- Launsbach, Schminke- Sachsenbug, Kumpf- Gießen, Hübner- Nidda und Waitz- Schotten für eine Gruppe ausgestopfter Tiere ( Bienenfeinde und Bienenfreunde).

Gegenseitige Anerkennung preu­ßischer und hessischer Prüfungszeug nisse. Nach einem mit der Kgl. Preußischen Regie­rung getroffenen Uebereinkommen hat die Großherzog­liche Regierung sich bereit erklärt, die von den Königl.

( Gießener Tageblatt)

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23. Jahrg.

Preußischen Wissenschaftlichen Prüfungskommissionen ausgestellten Zeugnisse für das Lehramt an höheren Schulen in gleicher Weise anzuerkennen, wie die auf Grund der Hessischen Prüfungsordnung vom 8. Jan. 1908 ausgestellten Prüfungszeugnisse. Die Königlich Preußische Regierung hat dagegen die Erklärung ab­gegeben, daß die von der Großh. Hessischen Prüfungs­fommission für das höhere Lehramt in Gießen aus­gestellten Prüfungszeugnisse für das Lehramt an höhe ren Schulen preußischerseits in gleicher Weise werden anerkannt werden, wie die auf Grund der preußischen Prüfungsordnung vom 12. September 1898 von den Preuß. Wissenschaftlichen Prüfungskommissionen ausge­stellten Prüfungszeugnisse.

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Bettenhausen, 17. Juli. Das Oberh. Volks- und Bauernfest, das gestern in unserem reich geschmückten Orte gefeiert wurde, hat wieder ein­mal seine Anziehungskraft bewährt, freilich nicht in dem Maße, wie man es erwartet hatte. Denn mancher Freund, manche Ortschaft mußten wegen der überall spufenden Maul- und Klauenseuche daheim bleiben. Trotzdem ist die Zahl der Festgäste mit rund 3000 Per­sonen als nicht zu hoch angegeben. Wie in Reichels= heim, so wurde auch hier die ganze Veranstaltung mit einem farbenheiterem Festzuge durch den Ort nach dem schön gelegenen weithin sichtbaren Festplatze begonnen. Nachdem die Schuljugend ein hübsches Heimatlied ge= sungen hatte, begrüßte Landtagsabgeordneter Fenchel­Oberhörgern die Festgemeinde im Namen des Bundes, für den Festort sprach Lehrer Diez- Bettenhausen. Im bunten Wechsel folgten nun Ansprachen, gemeinsame Ge­sänge, prächtige Aufführungen. Dann hielten Reden die Reichstagsabgeordneten Dr. Werner- Butzbach), Behrens­Essen und Bindewald- Wilmersdorf, die Landtagsabge­ordneten Wolf- Stadecken, Breidenbach- Dorheim u. Wolf­Stuttgart, der die Festrede hielt, ferner Beigeordn. Ei­fer- Muschenheim, Redakteur Hirschel- Friedberg, Pfarrer Fritsch- Ruppertsburg und Acker- Berstadt. Während einer Pause führte die Schnittergruppe von Ober- Widders­heim einen prächtigen Schnittertanz auf.

== Butzbach, 18. Juli. Dem Pfarrer Ad. Loos, der bereits seit mehr als 20 Jahren die hiesige zweite Pfarrstelle versieht, wurde die durch die Pensionierung des Defans Schrimpf freigewordene Pfarrstelle über­tragen.

Hungen, 17. Juli. Als der 15jährige Otto Koch aus Trais- Horloff mit einem Einspänner- Fuhr= werk den Bahnübergang bei Bellersheim passierte, wur­de das Gespann von dem Personenzug Hungen- Fried­berg erfaßt. Der Fuhrmann wurde herausgeschleudert und der Wagen zertrümmert. R. erlitt erhebliche Ver­letzungen und er wurde mit dem Zuge sofort nach Fried­berg ins Krankenhaus transportiert. Das Pferd blieb unverletzt.

-0- Grünberg, 18. Juli. Das diesjährige Krie­gerbezirksfest des Hassiabezirks Grünberg wurde im nahen Reinhards hain abgehalten. In Verbindung da­mit feierte der Kriegerverein Reinhardshain sein& a h- nenweihfe st.

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Bad Nauheim, 17. Juli. Das Verkehrs­fest hat einen sehr guten Verlauf genommen. Der Schau­fensterwettbewerb zeigte eine Fülle wohlgelungener, ge­schmackvoller Dekorationen. Der Nachmittag brachte den Blumentorso, für den die vornehme Kurhausterrasse den Zentralpunkt darstellte. Hier hatten die Preisrichter, zu und Ge­denen auch Herzog Paul von Mecklenburg mahlin zählten, Posto gefaßt, um mit kritischem Auge die lange Reihe der an der Konkurrenz teilnehmenden Gefährte zu mustern. Aus dem Gruppenwettbewerb gin­gen als Sieger hervor die Postunterbeamten und die Schützengilde. Am Abend war die Terrasse und ihre Umgebung von einem mehrtausendköpfigen Publikum gefüllt. Gegen 9 Uhr flammten an der Fassade des Kurhauses 5000 elektrische Lampen auf.

*) Friedberg, 18. Juli. Das 6. Verbands= fest der Oberhessischen Posaunenchöre findet Sonntag, 23. Juli, zu Wetterfeld statt.

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Offenbach, 18. Juli. Der Stadtverordnete Louis Feistmann hat sein Mandat als Stadtverordne­ter niedergelegt. In einem Schreiben an den Bürger­meister Dullo gibt er als Grund seiner Mandatsmüdig­keit an, daß der Bürgermeister ihn im Stadtparlament, namentlich in der letzten Stadtverordnetenjigung bei der Frage der Verstaatlichung der Polizei und der Debatte über den Polizeiinspektor gegen pöbelhafte Ausfälle" nicht in Schutz genommen habe. F. war der Führer der nationalliberalen Partei.