Ausgabe 
18.3.1911 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

telen zusammen 9,6-10,8 Millionen, oder rund 10 Millionen Mart.

Das find wohl gemerkt nur die Agitationskosten der Parteien. Was außerdem den Behörden und zahl= reichen Privaten für Vorbereitung und Durchführung der Wahlen an Unfosten entsteht, ist sicher gleichfalls eine er­fleckliche Summe. Man sieht also, daß die Frage der Neu­wahl zum Reichstage nicht nur eine politische, sondern auch eine finanzielle Frage von erheblicher Tragweite ist.

Ob die Millionensumme, die eine Reichstagswahl fostet, eine produktive oder unproduktive Ausgabe ist? Sie gibt zweifellos sehr zahlreichen Menschen Arbeitsmöglichkeit, vielen Papierlieferanten, Druckereien, Fuhrwerksbesitzern, Gastwirten etc. erheblichen Verdienst, Post- und Telegra= phenverwaltung starke Mehreinnahmen und kann deshalb feineswegs unproduktiv genannt werden. Aber auch wenn jemand die aufgewendeten Kosten in keinem Verhältnis zum praktischen Nutzen fände, so muß doch wohl zugestan­den werden, daß es sich hier um so hochgradig ideelle und fulturelle Werte handelt, daß ihnen gegenüber die Frage der Nützlichkeit garnicht in Betracht kommen darf.

In der Spezialdebatte des Etats des Reichsamts des Innern wurde am Donnerstag bei den allgemeinen Fonds für eine Reihe von künstlerischen und kulturellen Bestre­bungen die Förderung durch die Verbündeten Regierun= gen erbeten, teilweise durch Resolutionen beantragt, so für die Nationalfeste für die deutsche Jugend in Weimar ein Beitrag von 10 000 Mark. Diese Resolution, die vom Abg. Graef- Weimar( W. Vg.) begründet wurde, wird in dritter Lesung zur Abstimmung gelangen. Die Schaffung einer Reichsanstalt für Luftschiffahrt in Friedrichshafen wurde erneut vom Abg. Bassermann( ntl.) empfohlen. Abg. Frhr. v. Richthofen( f.) hielt die Subventionierung einer Privat­anstalt für zweckmäßiger. Staatssekretär Delbrück erklärte, eine Zentralstelle zur Förderung der Aviatik für notwen= dig, damit Deutschland auf dem Gebiete der Luftschiffahrt an erster Stelle bleibt. Zu einer nötigen Klärung über die Notwendigkeit einer Reichsanstalt haben die Verhandlun= gen darüber noch nicht geführt; teilweise werde die Arbeit schon von der Industrie, teilweise von den technischen Hoch­schulen geleistet. Daher sei die Errichtung einer Reichs­anstalt nicht wahrscheinlich. Sobald ein definitiver Plan festgestellt ist, wird weiteres erfolgen. Bei dem Fonds für die Förderung der Seefischerei befürwortete Abg. Dröscher ( f.) eine Resolution zu Gunsten der Ostseeküsten- und Hoch­seefischerei. Seinem lebhaften Appell an die Regierungen, den Fonds zu erhöhen, schlossen sich die Abg. Erzberger( 3.), Goerde( ntl.), Hahn( f.) und Spethmann( fortschr. Vp.) an. Ein Regierungsvertreter stellte in Aussicht, daß man mit dem preußischen Ministerium des Innern in Verbindung treten werde, die Eisenbahnbehörden sind einer Herabset= ung der Frachttarife geneigt. Nach Schluß der Fischdebatte wird die Resolution einstimmig angenommen, und nun ging man zur inneren Kolonisation und zur Urbarmachung der Dedländereien über, für die Abg. v. Kaphengst( f.) war­me Worte fand. Die Rettung der Landstreicher aus dem Elend und ihre Erziehung zur Arbeit liegt allen Parteien am Herzen, und dem Verein für soziale und innere Kolo­nisation wird der Reichszuschuß bewilligt. Dieselbe freund­liche Aufnahme fand eine Resolution für Schaffung einer Zentralstelle für die deutsche Textilindustrie und für Förde­rung der Rohstoffprodukton in den Kolonien. Abg. Deser ( fortschr. Vp.) trat zugunsten der Installateure ein, man müsse dafür sorgen, daß dieses durchaus lebensfähige Hand­werk nicht durch Monopolbestrebungen der Großindustrie erdrückt werde. Der Staatssekretär bemerkte, die schwierige Lage der Installateure sei eine Konsequenz der schranken­lofen Gewerbefreiheit. Die verlangte Prüfung sei schließlich nichts anderes als die Einführung des Befähigungsnach­weises. Dann ging das Haus auf die Erörterung von Mit­telstandsfragen ein, woran sich die Rechte und die Linke be­teiligten. Dann wurde die Debatte geschlossen und die Re­solution Schiffer( ntl.) betreffend die Zentralstelle für die Textilindustrie und Baumwollindustrie in den deutschen Schutzgebieten angenommen. Weiterberatung Freitag.

Die Kosten der nächsten Reichstagswahlen.

daraus zur Ergänzung der bereits bekannten Tatsache fol gendes: Wenn auch das die nationalliberale Partet schwer beleidigende Verhalten des Herrn Werner bei der früheren Reichstagswahl, und die von antisemitischer Seite auch in diesem Wahlkampfe gegen unseren Kandi­daten, unseren Parteiführer und unsere Partei gerichte­ten verlegenden Angriffe es uns schwer machen, für Wer­ner einzutreten, so halten wir es doch für unsere nationale Pflicht, unter Ausschaltung der persönlichen Momente alles zu tun, was zur Verhinderung der Wahl des So­zialdemokraten beitragen kann. Zum Schluß bemerken wir, daß Herr Werner die seinerzeit gegen unsere Partei geäußerten Beleidigungen in einem Schreiben vom 14. März d. J. mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückge nommen hat."

Unstimmigkeiten in den Parteien, die natürlich zu allen Zeiten vorkommen, erregen natur= gemäß kurz vor den Wahlen besondere Beachtung bei Freund und Feind. Die Angriffe, die der Zentrumsab­geordnete Heim gegen seine eigenen Fraktionsgenossen in der Budgetfommission des Reichstages gerichtet hat, haben die Sonderstellung dieses bayerischen Zentrumsführers in seiner Partei beleuchtet. Es heißt, daß Dr. Heim, falls er wiedergewählt werden sollte, sich der Zentrumsfraktion nicht. wieder anschließen wird. Auch dem Zentrumsabgeordneten Hensler werden durch den Abg. Erzberger und durch Geg­ner in seinem Wahlkreise besondere Schwierigkeiten ge­macht, weil er angeblich für seine Abstimmung bei der Militärvorlage keinerlei militärische Gesichtspunkte ins Feld geführt habe. Stärker aber als beim Zentrum treten die Differenzen in der nationalliberalen Partei hervor. Die Auseinandersetzungen zwischen rechtem und linkem Flügel, zwischen der Richtung des Frhr. v. Heyl und der Bassermannschen Richtung sind schon alt und haben bekannt­lich vor zwei Jahren zum Austritt des Wormser Frei­Herrn v. Heyl aus der nationalliberalen Fraktion geführt. Aber inzwischen haben sie sich soweit zugespitzt, daß am Mittwoch der Abg. Stresemann im Auftrage des Zen­tralausschusses der nationalliberalen Partet sich gegen Frhr. v. Heyl und seine Richtung in Mainz in öffentlicher Ver­sammlung gewandt hat. Er erklärte, die Heranziehung des Abg. Diederich Hahn, des Führers des Bundes der Land­wirte, als Redner der Wormser nationalliberalen Richtung sei bei dem feindseligen Verhalten gerade dieses führenden Agitators gegen die Nationalliberalen ein Beweis für die geringe Selbstachtung der Wormser Nationalliberalen. Diese Auseinanderseßung wird sicherlich noch weiter fort­schreiten. Den Verhandlunges nationalliberalen Zen­tralausschusses, welcher nächsten Sonntag in Berlin zu­sammentritt, dürfte es aber gelingen, noch einmal vor den Wahlen die taktische Einigkeit in der Partei herzustellen.

Alle Eventualitäten der kommenden Reichstagswahl werden schon lebhaft erörtert. Auch die Kostenfrage wird bereits hefnenchen. Wie teuer merden die nächsten Reichs­tagswahlen für die einzelnen Parteien sein? Fabelhafte Summen werden genannt. Man weist auf die letzten Er­fahwahlen mit dem riesigen Aufgebot von Rednern, Flug­schriften und anderen Agitationsmitteln hin und berechnet danach die Gesamtkosten der nächsten Wahlen. Natürlich find die so erhaltenen Ziffern glatte Uebertreibungen. Es ist ja ohne weiteres klar, daß die Parteien bei allgemeinen Wahlen bei weitem nicht dieselben Kosten für die einzelne Kandidatur aufwenden können wie bei Ersatzwahlen. Auch sind die Gerüchte über die Kosten einzelner Ersatzwahlen, die angeblich aus einem sagenhaften Riesenportemonnate des Hansabundes gezahlt worden sein sollen. übertrieben. Will man die Frage nach den Kosten der nächsten Reichs­tagswahl halbwegs richtig beantworten, so muß man fol= gende Berechnung anstellen:

Wir hatten bei den letzten Reichstagswahlen insgesamt 1600 Kandidaten. Nehmen wir auf Grund der gegenwär­tigen Parteifonstellation an, daß sich diese Zahl das nächste Mal starf vermindert, und vielleicht im Durchschnitt nur 1200 beträgt. Die Kosten, die auf jeden dieser 1200 Kandi­daten entfallen, werden natürlich stark beeinflußt durch die vorhandene Finanzkraft der einzelnen Partei, durch die Persönlichkeit des Kandidaten, durch den Fleiß der Gegner im Wahlkreis und durch die Aussichten auf Erfolg. Von einer aufgestellten Zählkandidatur bis zu einer hoffnungs­vollen, aussichtsreichen, ist auch finanziell ein großer Grad­unterschied. Immerhin darf man bei der heutigen starken Konkurrenz, welche sich die Parteien untereinander machen, auch für die geringste Zählkandidatur nicht weniger als 3000 Mart rechnen. Nach oben hin mag die Grenze für gewinnbare Wahlkreise auf 12-15000 Mark für die Partet festgesetzt werden, obwohl zweifellos zahlreiche Kandidaten erheblich mehr verbrauchen und zahlreiche andere ihre Wahl­Freise mit viel weniger Geld gewinnen. Hiernach wären die durchschnittlichen Normalfosten für jeden Kandidaten auf etwa 8000 bis 9000 Mark anzuseßen. Insgesamt ver­ursachte danach also die nächste Wahlbewegung für die Par­

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Das Familiengeheimnis.

Roman von 2. Walter. ( Nachdruck verboten.) ,, Bleiben Sie hier! Es ist besser, glauben Sie mir!" Ich werde Ihnen gehorchen, Doktor; aber retten Sie, retten Sie meine Frau!"

Der Arzt drückte ihm tröstend die Hand und trat dann in das Krankenzimmer. Cäcilie schlief nicht; sie hatte das Kommen dessen schon gehört, den sie mit Sehnsucht er­vartete.

,, Bringen Sie das Dokument, Doktor?" ,, Nein!"

Rundschau vom Tage.

Dalitisches

Doch eine Monarchenbegegnung in Venedig? Die Wiener Neue Freie Presse" meldet aus Rom: Zwischen den Höfen von Berlin und Rom hat dieser Tage ein reger Depeschenwechsel stattgefunden, der, wie man vermuten darf, der bevorstehenden Fahrt Kaiser Wilhelms über Ve­nedig nach Korfu galt.

" Um Gotteswillen.. Wie benahm sich Rudolphi?" Der Arzt mußte zur Unwahrheit seine Zuflucht neh­men, um die Patientin zu schonen.

Er geht auf Ihren Vorschlag ein," antwortete er. Aber das Dokument?"

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"

Er führt es nicht bei sich..."

Der Vorsitz in den Kriegervereinen. In Kreuznach soll ein ,, Geheimerlaß" des Bezirkskommandeurs Aufsehen erregen, wonach den Offizieren der Eintritt in solche Krie­gervereine verboten wird, an deren Spitze nicht Offiziere stehen. Man darf das für ganz unglaubwürdig halten. Es wird von den Bezirkskommandos in ganz Preußen im Gegenteil seit Jahren den Offizieren empfohlen, in die Kriegervereine einzutreten, ohne Vorstandsämter anzu streben, die am besten den Leuten selbst überlassen würden. Geheimerlasse" sind übrigens in dergleichen Dingen nicht üblich.

Die Ernennung des Kronprinzen zum Regiments­tommandeur der Totenkopf- Husaren in Danzig ist der Post" zufolge auf seinen eigenen Wunsch zurückzuführen, den er vor seiner Abreise nach Indien ausgedrückt hat, als es sich darum handelte, die weitere militärische Tätigkeit des Kronprinzen nach der Rückkehr von seiner geplanten Weltreise festzusetzen.

Auch das hat er mir gesagt; es war wohl nur eine Ausrede. Gegen den Schein jedoch wird er sich nicht wei­

gern

Rudolphi hat mir versprochen, das Papier in den nächsten Tagen abzuliefern."

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Wenn ihn der Tod daran hindert?"

Er wird nicht sterben, ich finde seinen Zustand nicht gefährlich, verlassen Sie sich auf mich."

Die Osterferien des Reichstags. Jm Reichstag be= steht die Absicht, die zweite Etatsberatung bis zum 24. März zu beenden und die dritte Lesung in der letzten Märzwoche vorzunehmen. Die Osterferien werden am 6. April beginnen und wahrscheinlich ebenfalls wie im Ab­geordnetenhaus erst am 2. Mai ihr Ende erreichen.

Zum Etat des Reichsgesundheitsamts beantragt das Zentrum, die verbündeten Regierungen um Einbringung eines Gesetzentwurfs zur Abänderung des Gesetzes über das Viehseuchengesetz vom 26. Juni 1909 zu ersuchen, in dem die Entschädigungspflicht des Staats ausgedehnt wird auf Viehverluste, die durch die Maul- und Klauenseuche und deren Folgen herbeigeführt werden.

Der britische Flottenverein hat die Regierung aufge­fordert, nicht 5, sondern 12 Schlachtschiffe in Bau zu geben. Es müsse unbedingt daran festgehalten werden, daß Eng­land für jedes eine Schiff der zweitstärksten Seemacht zwei baue. In den Jahren 1911/12 aber werde Deutschland pregrammäßig 6 Schiffe auf Kiel legen und folglich müsse England mit 12 antworten. Das sei um so notwendiger, als nach Ablauf des englisch- japanischen Bündnisses im Jahre 1915 einer neuen Lage im Stillen Ozean Rechnung zu tragen sei.

Die Petitionskommission des Reichstags beantragte zu den Petitionen betreffend die Festlegung des Oster­festes folgende Resolution: Den Reichskanzler zu ersu­chen, durch geeignete Maßnahmen dahin zu wirken, daß entsprechend den Beschlüssen des Handwerker- und Gewer­betammertages und des deutschen Handelstages die gro= Ben zeitlichen Schwankungen des Osterfestes beseitigt und das Osterfest auf einen bestimmten Sonntag festgelegt werde.

,, Doktor! ich bin verloren!" jammerte die junge Frau. " Und ich sage Ihnen, da ßIhr Wunsch in Erfüllung geht, daß Sie nichts, gar nichts zu fürchten haben. Fra gen Sie weiter nicht... Sie wissen ja, daß Sie sich auf mich verlassen können. Ich habe alle Vorbereitungen getroffen, die mir in Ihrem Interesse geboten schienen. Das Dokument gelangt richtig in Ihre Hände." Cäcilie wollte den Worten ihres Arztes nicht glau= ,, Sagen Sie es nur, Rudolphi ist tot!"

¡ ben.

Der nationalliberale Wahlkreisvorstand des Wahl­freises Gießen- Nidda gibt über die Stellung der National­liberalen zu der bevorstehenden Stichwahl den Be­schluß über die Stichwahlparole bekannt. Wir entnehmen

,, Nein, nein! Beruhigen Sie sich, ich schaffe das Do= fument."

Kleine Nachrichten.

Die Errichtung eines Bismarckturmes plant dte Stadt Leipzig. Der Turm soll am 1. April 1815, dem 100jährigen Geburtstag des Kanzlers, enthüllt werden. Unten soll eine einfache überwölbte Gedächtnishalle geschaffen werden, dann in 30 Meter Höhe eine Plattform, auf der sich die große eiserne Feuerschale erheben wird. Die Baukosten sollen nicht über 80 000 M betragen.

Es gelang dem Arzte, Ausreden und Vorwände zu finden, die der Kranken glaubhaft erschienen. Ihm lag ja alles daran, Gemütserregungen zu vermeiden, die ei­nen nachteiligen Einfluß auf Cäcilie ausübten. Die Wich­tigkeit des fraglichen Dokuments stellte er nicht in Zwei­fel, wohl aber sprach er die Ansicht aus, daß der hab­gierige Rudolphi den Handel nicht abweisen würde, da das Papier für eine dritte Person keinen Wert habe.

Die Zahl der Einäscherungen in den deutschen Krema: torien wächst beständig. Wenn sie sich im Monat Februar nicht ganz so hoch stellt wie im Monat Januar, so ist ste doch um 43 Prozent höher als in demselben Monat des vergangenen Jahres. Unter den 24 Krematorien mit 615 Verbrennungen steht Chemniß mit 70 an der Spize, es folgen dann Leipzig und Gotha mit je 55 Leichenbestat= tungen.

" Und doch! Und doch!" stöhnte die junge Frau. Es gibt eine Mann in der Stadt, der eben so viel zahlt, als ich geboten... Ihm liegt daran... Wenn Rudolphi zu thm geht, wie er gedroht

"

,, Er wird nicht gehen!" versicherte der Arzt. D, es wäre schrecklich!"

Wer ist der Mann?" Cäcilie antwortete nicht.

Ein großer Zigarrenschmuggel an der deutsch- hollän= dischen Grenze ist abermals aufgedeckt worden. Bei Her­zogenrath wurde von preußischen Grenzbeamten ein Mö­belwagen mit alten Möblen angehalten, die angeblich einem den Wagen begleitenden Ehepaar gehörten, das nach Preu­ßen verziehen wollte. Bei einer genauen Durchsuchung wurden über 40 000 Zigarren und über 10 000 Zigaretten versteckt aufgefunden.

,, Vertrauen Sie sich mir ganz an, damit ich Sie be­ruhigen kann," bat er leise. Sie sind an das Bett_ge= fesselt, können nicht wirken. Ich werde für Sie tätig sein, werde Ihre Interessen vertreten, als ob es die mei­nigen wären... erleichtern Sie Ihr Herz, und es wird alles gut werden! Wer ist der Mann, den Sie fürchten zu müssen glauben?"

Die Türkei versorgt sich mit Aeroplanen. Sie hat in Frankreich und Deutschland eine Anzahl von Flugmascht­nen in Auftrag gegeben. Sie sollen zunächst im arabischen Aufstandsgebiet Verwendung finden.

Die Kranke kämpfte einige Augenblicke mit sich selbst, dann flüsterte sie:

,, Der Kaufmann Friedrich Halling." ,, Salling?"

Ueber den Unfall eines französischen Unterseebootes wird aus Rochefort gemeldet: Das Unterseeboot Loutre", das auf der Höhe von La Callisle getaucht hatte, wurde von einem Fischerboot gerammt und leck gestoßen. Es kam an die Oberfläche des Wassers und lief an der Küste auf Grund. Die Mannschaft blieb unversehrt.

" Ja, er stand zu meinem Vater in Beziehungen, die ich nicht näher bezeichnen kann... Beide waren erbit­terte Feinde... er wird das Dokument verwenden, um sich zu rächen

Eine internationale Diebesbande, die lange von den Staatsanwaltschaften in Paris, Brüssel, Mailand und Ber­lin gesucht wurde, ist in Paris festgenommen worden. Der Jührer der Bande, ein gewisser Brook, besaß eine ganze Falschmünzerwerkstatt. Die Bande hatte im Auslande, na­mentlich in der Rheinprovinz, bedeutende Diebstähle ausge­führt und die erbeuteten Wertgegenstände durch ihre Ge­nossen in Frankreich verkaufen lassen.

Der Arzt ergriff dann die Hand der Kranken und sagte mild:

,, Sehen Sie, wie unbegründet Ihre Befürchtungen find! Salling ist während Ihrer Abwesenheit aestorben!"

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Ueber cinc Hungersnot laufen aus China traurige Nachrichten ein. Besonders trostlos ist die Lage in der Schandunprovinz, wo die Bewohner ihre Frauen und Halb­Die Regierung wüchsigen Töchter aus Not verkaufen. fürchtet, daß eine Hungersnot eine antidynastische Bewegung hervorrufen wird. Aus vielen Provinzen melden die Gou verneure Revolten des hungernden Volkes.

,, Doktor, wissen Sie das genau?"

,, Wer kann Ihnen denn sicherere Auskunft erteilen, als der Hausarzt Hallings? Ich habe ihm die Augen zu­gedrückt... Halling ist tot, er kann Ihnen nicht mehr schaden!"

Ein schwerer Seufzer entrang sich der Brust Cäci­liens.

, Ach, ich wünsche keinem Menschen in der Welt Bö­ses," flüsterte fie; es möge jedem so wohl gehen, als er es verdient... Doktor," fragte sie rasch ,,, Sie sind bekannt in dem Hause Hallings?"

" Wie in dem Jhrigen."

Wo ist Tante Selma, die Schwester des Kauf­manns?"

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,, So viel ich weiß, führt sie die Wirtschaft." " Mein Gott, wenn Rudolphi sich an diese wendete! Das Weib ist böse und tückisch... Ich fürchte diese Selma nicht minder als ihren Bruder Doktor, die Gefahr ist nicht vorüber! Nein, mir scheint, sie hat sich noch vergrö­Bert."

,, Und ich sage Ihnen, daß keine Gefahr vorhanden ist; sollte sie sich einstellen, so werde ich sie zu beseitigen wis sen, wie es meine Pflicht ist. Von nun an werde ich täglich das Haus Hallings besuchen. ich wache und wirke für Sie. Da Sie mich kennen, werden Sie mir Ver­trauen schenken und sich ruhig verhalten, daß mein Heil­verfahren nicht nutzlos ist. Ich bin Ihr Bevollmächtigter und als solcher handle ich. Ihre Angelegenheit ist in gu­ten Händen." ,, Doktor!"

" Haben Sie mir noch etwas mitzuteilen?" Beobachten Sie Selma Halling, verhindern Sie, daß Rudolphi fich thr nähert... und mein Mann, mein ar­mer Mann, er darf nichts erfahren..."

,, Sie sehen mich bald wieder!"

( Fortsekung folgt.)

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