Ausgabe 
18.2.1911 Erstes Blatt
 
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Der Roman der Diß Carnegie. Aus London wird tnem Berliner Blatte gemeldet: Miß Nancy Carnegie­Bever, eine Nichte Andrew Carnegies, die 1904 mit dem Rutscher ihrer Mutter entfloh und ihn heiratete, hat sich Jegt von ihrem Gatten getrennt und lebt mit ihren drei Aindern in Pittsburg, während ihr Gatte infolge einer Dperation, der er sich unterziehen mußte, in einem Neu­gorfer Hospital liegt. Wie es heißt, ist eine Scheidung ber Ehe nicht beabsichtigt, sondern nur eine einfache Tren­nung. Miß Nancy Carnegie ist die Tochter eines Bru­bers des bekannten Multimillionärs. Andrew Carnegie gab ihr 80 000 Mark Mitgift und erklärte bei ihrer Ver­hetratung öffentlich es wäre der Familie lieber, daß sie einen einfachen, strebsamen, fleißigen Menschen heirate, wenn er auch fein Vermögen befize, als daß sie sich einem arbeitsscheuen englischen Herzog in die Arme werfe, wie es so viele reiche Amerikanerinnen tun.

Ein Brief des Juwelenräubers Beder. Jm Septem­ber wurde in München, wie erinnerlich, der Juwelier Koch aus Frankfurt a. M von dem ehemaligen merikanischen Gesandtschaftsattachee Elordn und dem Kunstsachverstän= bigen Beder aus Chicago um Juwelen im Betrage von 150 000 Mart beraubt. Der mexikanische Gesandtschafts­attachee wurde später in Neuyork verhaftet. Sein Kom plice fonnte fich jedoch bisher der Festnahme entziehen. Diesen Donnerstag erhielt nun die Reaktion der, Mün­chener Neuesten Nachrichten" einen aus Paris vom 15. batierten Brief von Becker, der psychologisch hochinteressant ift. Becker gibt in dem sechs Seiten langen Brief eine zanz genaue Beschreibung seiner Abenteuer, wie er mit ben ihm folgenden Tetektiven gespielt, gelebt, getrunken habe und bemerkt: Wie gewonnen, so zerronnen." Er sagt ferner in diesem Briefe: Während der ganzen Zeit meiner Flucht hatte ich keine ruhige Minute, hatte also von dem Genuß all dieses Geldes nichts. Stets glaubte Ich mich verfolgt und sah jedermann mit Mißtrauen an. Erstaunlich ist jedoch, daß ich nicht schon früher in Lon­bon, Neuyork oder Chicago verhaftet wurde, da ich stets in ähnlicher Weise gekleidet ging und immer glatt rasiert war. Es ist dies umso verwunderlicher, da von mir noch Photographien vorhanden waren." Die Angaben dieses Briefes sind nach den Mitteilungen der Münchener Po­lizei den Tatsachen entsprechend. Sie decken sich mit den Aeußerungen des verhafteten Gesandtschaftsattachees. Beder dürfte sich seiner Freiheit jetzt nicht mehr lange freuen, da der Münchener Polizei bereits bekannt war, baß er sich wieder nach Europa gewandt hatte und in Paris oder London sich aufhält.

Wie Tolstoi von seiner Gattin behandelt wurde. Mos­fauer Blätter veröffentlichem, wie dem B. T." gemeldet wird, Einzelhetten aus den letzten Monaten von Tolstois Leben, die grelle Streiflichter auf den Unfrieden werfen, der im Hause Tolstois herrschte. Die Bauern famen oft auf Tolstois Gut und klagten über die Härte der Gräfin, die das Weiden des Viehs auf den Gutsweiden und das Stehlen des Holzes aus den Gutswäldern streng rügte. So mußte Tolstot eine Tages zu seinem größten Erstaunen sehen, wie der von der Gräfin zur Bewachung des Guts­forstes angestellte Tscherkeffe am Laffo einen Bauern hinter fich herschleifte, dem er bei einem Forstfrevel ertappte. Der Baner war Tolstois Freund, mit dem er oft Gespräche über Gott geführt hatte. Vergebens bat Tolstoi den Tscherkessen, den Bauern freizugeben der Tscherkesse beschimpfte den alten Tolstoi und nannte ihn im Namen der Gräfin einen Narren. Da begann Tolstot, dem Tscherkessen weinend nachzulaufen, bis er ohnmächtig in den Straßen­staub fiel. Darauf lag er viele Tage frank. Die Gräfin verbot den Bauernkindern auch das Beeren- und Schwäme­suchen und bestrafte sie hart für die Uebertretung des Ver­botes. Alle diese Umstände wirkten deprimterend auf Tol­stot, den seine Frau allmählich vollständig von der Außen­welt zu isolieren suchte.

Der Kraftwagen als Forschungsmittel in Afrika. Ver­fuche und Beobachtungen auf dem Geblete des Kraftwagen­verkehrs in unwegsamen Bezirken Afrikas hat sich das deutsche Forschungsunternehmen Katro- Kapstadt zur Auf­gabe gemacht, dessen Plan von dem Leutnant im Fußartille­rieregiment Nr. 4, Detlef Schmude, während seiner Kom­mandierung zur militärtechnischen Akademie entworfen und seither im Verein mit dem Geologen Dr. Ludwig Müller­Halle im einzelnen ausgearbeitet worden ist. Das Forsch­ungsunternehmen beabsichtigt, Afrika von Kairo bis Kap­stadt in zwei Kraftwagen zu durchmessen, vor allem aber in Deutsch- Ostafrika durch systematische Fahrversuche die notwendigsten Bedingungen der Personen- und Lastenbe­förderung zu prüfen. Ferner sollen Funkenspruchversuche stattfinden, sowie Forschungen auf geologischem, minera­logischem, morphologischem und klimatologischem Gebiet an= gestellt, insbesondere ein geologisches Profil Kairo- Kap­stadt gewonnen werden.

Der Papierverbrauch der Kulturvölker wächst in einer die Wälder aufs schlimmste bedrohendem Weise weiter. Die Vereinigten Staaten allein verbrauchen, nach dem Prome­theus", im Jahre 2,73 Millionen Tonnen Papier, d. h. etwa 32,5 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung. Deutsch­land folgt in sehr weitem Abstande mit einem Verbrauch von 987 000 Tonnen, d. h. etwa 14,5 Kilogramm auf den Ropf. Etwas größer als in Deutschland ist der Papierver­brauch auf den Kopf der Bevölkerung in England, wo er etwa 16,3 Kilogramm beträgt. Der Franzose verbraucht da= gegen nur 10,5 Kilogramm Papier im Jahre, der Italiener 7,6 Kilogramm und der Desterreicher 7 Kilogramm.

Der Trauring um den Hals. Aus der Oranjefluß- Ko­Ionie läßt sich eine englische Zeitschrift von einer seltsamen Sitte berichten, die auch durch ein Bild bestätigt wird: die Basutofrauen tragen Trauringe, aber nicht Fingerringe, sondern Trauringe um den Hals. Es handelt sich dabei nun nicht etwa um schmale, also einigermaßen erträgliche Ringe, sondern um dicke, handbreite und deshalb sehr schwere Ringe aus einer messingähnlichen Regierung. Außer der Gewichtigkeit haben diese Ringe noch einen weiteren Uebel= stand: in der prallen Sonne erhitzen sie sich sehr stark. Die verheirateten Basutofrauen müssen deshalb ihre Trauringe bedecken, um die unangenehme Wirkung der Sonne zu mildern.

Englische Postfarten. In England verkauft die Post­behörde Postkarten nur mit Aufgeld, und es ist daher der Brauch, beim Papierhändler ein Bündel unfrantierter Post­farten zu kaufen und Marken darauf zu kleben. Nunmehr beabsichtigt die Post jedoch, wie auf dem Kontinent, eine Postkarte mit eingedruckter Marke für einen Penny abzu­geben, wogegen die Papierhändler energisch Einspruch er­heben, mit der Begründung, daß dies unlauterer Wettbe= werb sei. Eine Umfrage unter ihnen hat ergeben, daß von 2300 Mitgliedern nur 23 zugunsten der neuen Verordnung gestimmt haben. Die ganze Angelegenheit soll dem Unter­Hause unterbreitet werden.

Die Pantschwiese. Auf der allgemeinen Städtebauaus­ftellung in Berlin, die im vorigen Jahre so großes Inter­esse fand, erregten u. a.auch die Bilder der großen Volks­parks von Boston, Philadelphia und anderen nordameri­tanischen Städten Aufsehen. Man sah da nicht nur schöne, zweckmäßige Baumanlagen, sondern auch neue Einrichtun= gen, wie sie in Deutschland bisher in städtischen Parks nicht bekannt waren. Dazu gehörten in erster Reihe die soge= nannten Pantschwiesen: flache Bassins, die bis zu etwa 20 Bentimeter Höhe mit Wasser gefüllt sind und in denen die

Kinder des Sommers mit nadien Füßen lustig verumpant­schen können. Eine solche Pantschwiese will der Berliner Magistrat auch in dem neuen Schillerpark anlegen, für den der Magistrat bei den Stadtverordneten um die Nachbewilli­gung von 388,300 Mark ersucht.

Eine japanische Heiratsannonce. Nicht nur modische Kleider, auch die Hetratsannonce haben die Europäer nach Japan importiert. In einer in Yokohama erscheinenden Beitung ist folgende Anzeige einer Japanerin zu lesen, die auf den romantisch klingenden Namen Hosuijoschi hört: Ich bin eine sehr hübsche Frau mit dichten Haaren, die wie Wolfen wogen; mein Gesicht hat den Seidenglanz der Blumen, mein Körper ist schmieg- und biegsam wie die Weide, und meine Augenbrauen haben die Krümmung des zunehmenden Mondes. Mein Vermögen reicht hin, um Hand in Hand mit dem Geliebten durch das Leben schlendern, indem ich tagsüber die Blumen betrachte und nachts den Mond. Wenn es einen netten, feinen Herrn gibt, der gebildet, klug, hübsch, geschickt und von gutem Ge= schmat tft, will ich mich mit ihm für dieses Leben verbin= den und mit ihm das Vermögen teilen, um später in einem Grabmal aus rosenrotem Marmor zu ruhen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Eine kaiserliche Schenkung für wissenschaftliche Zwecke. Jm naturwissenschaftlichen Berein zu Greifswald machte Professor Jaekel die Mitteilung, daß der Kaiser zur Ber­gung der bei Halberstadt gemachten Funde von Dino­faurieren 30 000 Mart aus seinem Dispositionsfonds be­willigt hat. Es wurden bisher 23 außerordentlich wert­volle Funde gemacht, die für den preußischen Staat ange­touft und dem Museum für Naturkunde in Berlin über­wiesen wurden.

Die Suche nach dem Grab Karls des Großen. Die Ausgrabungen im altehrwürdigen Münster von Aachen gehen demnächst zu Ende. Ihr Hauptziel, die Auffindung des Grabes Karls des Großen, haben sie nicht erreicht. Sie hatten auch sent fein geschichtlich außergewöhnlich wertvolles Ergebnis. Die Ausschmückung der Oberkirche mit Mosaiken ist beendigt. In den nächsten zwei Jahren hofft man die Kaiserloge und die Unterkirche wiederher­stellen zu fönnen. Die zugunsten der Arbeiten bewilligte Lotterie hat 470 000 Mart eingebracht.

Das Ende der weißen Völker.

Von Norden nach Süden läuft die Richtung der Kul­turentwicklung, im Süden suchen die Kulturstaaten der nördlichen Hemisphäre neue Gebiete der Arbeit, in öte Tropen dringt der Europäer ein, und die südlichen Länder sind es, die dem Ueberschuß der nördlichen Bevölkerung ein neues Heim und ein neues Lebensfeld bieten sollen. Die Praxis und die Wissenschaft haben bewiesen, daß die Abkömmlinge der weißen Raffe auch in den Tropen leben können, vorausgesetzt, daß sie ihren Lebenswandel dem Kli­ma anpassen und alle Exzesse, insbesondere ein Uebermaß von Alkohol, vermeiden. Aber es ist ein Irrtum zu glau­ben, daß die Weißen, die in südlichere Landstriche über­siedeln, als Weiße fortleben werden. In einem intereffan­ten Aufsatz, den Professor Lyde in einer englischen Beit­schrift veröffentlicht, versucht der Gelehrte den Nachweis, daß die Afklimatisierung an die Tropen mit einer Ver­wandlung der Hautfarbe verbunden sein wird, und daß die weißen Bewohner der Tropen nach Generationen sich der Hautfarbe der Eingeborenen affimilteren müssen.

Die Natur hat die Hautfarbe der einzelnen Völker ge­nau auf die klimatischen Verhältnisse abgestimmt, unter de­nen die Rassen leben, und die Farbe der Haut ist der Kraft der Sonnenstrahlen und den Notwendigketten angepaßt. Die Haut des Negers gewährt einen sichereren Schutz ge­gen die Sonnenstrahlen als die des Indianers, und den gelben Rassen gelingt die Afklimatisierung an die Tropen wiederum leichter als den Weißen. Kein Individuum und auch keine Rasse kann darauf rechnen, sich in einem Lande und in einem Klima fortzuentwickeln, ehe fie auf künstlichem oder natürlichem Wege sich den veränderten Elimatischen Verhältnissen angepakt haben, genau so wie die Pflanze entweder untergeht oder sich allmählich auf die neu­en Verhältnisse abstimmt. Es ist kein Zufall, daß wir die Neger unter den heißesten Erdstrichen finden, und vorwie= gend in Gebieten, in denen nur geringe Waldentwicklun­gen herrschen. Und ebenso finden wir die weiße Haut am stärksten entwickelt in jenen Gegenden, wo die Bodenent­wicklung den feuchten Winden und den Wolken den frete­sten Zugang gewährt: in Europa. Auch die Zwischenstufe, die gelbe Rasse, ist ein Produkt ihres Klimas, der trocken­en Grasebenen einer gemilderten Zone."

Der Gelehrte sucht dann die ursprüngliche natürliche Grenze für die weiße Rasse festzustellen und kommt zu dem Ergebnis, daß die Erdgebiete je 25 Grad nördlich und süd­lich vom Aequator der schwarzen Raffe angehören. Weiße, die sich innerhalb dieser Grenzen ansiedeln wollen, müssen sich künstlich dem Klima anpassen, müssen kohlschwarze Un­terkleidung aus Wolle oder Seide tragen und eine Außen­kleidung von blendendem Weiß und von animalischem Ur­sprung, sei es Baumwolle oder Flachs. Ja, die, welche den größten Teil des Tages im Freien verbringen, sollten Brillen tragen und verschleiert gehen. Die Schlußfolgerun­gen des Gelehrten gipfeln in dem trüben Ausblick, daß die ganz blonden Rassen sich zur Ansiedlung in den Tropen überhaupt nicht eignen und nur die gebräunten Weißen in Betracht kommen. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach ist nur der gelbe Mann zur Ansiedlung in den Tropen befähigt, und der blonde Weiße ist verurteilt, von der Erd­oberfläche zu verschwinden. Das Farbenpigment der Haut ist keine Gefahr, schadet bei der Uebersiedlung nach Nor­den nicht, während die hellen Rassen, die nach Süden drän­gen, durch ihre Hautfarbe dem Verderben preisgegeben find. Daher kommt es auch, daß die Dunklen gefahrlos in das Reich der Weißen eindringen können, jedenfalls er­folgreicher, als es der Blonde auf seinem Zug nach dem Süden vermag."

Der russisch- chinesische Konflikt

hat sich bedeutend verschärft. Die russische Regierung hat einer telegraphischen Meldung aus London zufolge die Re­gierungen von England, Frankreich und Japan davon ver­ständigt, daß sie beabsichtige, cin ultimatum an die chinesische Regierung zu richten, da China die Bedingungen des Han­delsvertrages von 1881 neuerdings verlebt habe. Die rus­fische Regierung droht, falls China ihren Wünschen nicht nachkommt, mit der Besetzung von Turkestan.

Ein weiteres Telegramin meldet uns: Petersburg, 17. Februar. Die russische Regierung hat gestern durch ihren Gesandten in Pefing der chinesischen Regierung eine sehr scharf gehaltene Note überreichen lassen, in der es heißt, daß die Abmachungen des Handelsvertrages von 1881 von der chinesischen Regierung und ihren Beam­ten vollständig unbeachtet gelassen werden. Die russische Regierung sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Fort­dauer der bisher bestandenen freundschaftlichen Beziehun­gen zwischen Rußland und China bei einem solchen Ver­halten der chinesischen Regierung unmöglich ist. In der Note beansprucht dann weiter im einzelnen die russische Regierung das Recht, selbständige Einfuhr- und Ausfuhr­tarife an der chinesischen Grenze festzusetzen. Die uffischen

Unterianen julen im ganzen chinesischen Reich das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit genießen. Für die Mongolet verlangt Rußland für seine Untertanen das Recht der Frei zügigkeit, des Aufenthalts und des zollfreien Handels und Grundstückserwerbs. Darüber hinaus soll die russische Re gierung berechtigt fein, Konsulate zu errichten, die von China anzuerkennen sind. In der Note heißt es am Schluß, daß es Nußland für seine Pflicht halte, die chinesische Re gierung davon zu benachrichtigen, daß es die Weigerung die von Rußland gestellten Forderungen zu erfüllen, als einen Beweis der Abneigung betrachten wird, mit Rußland freundschaftliche, auf Vertrauen begründete Beziehungen zu - unterhalten. In einem solchen Falle behält sich Rußland vor, zur Wiederherstellung der von China verletzten Ver tragsrechte, die von ihm hterfür notwendig befundenen Maßnahmen zu ergreifen find.

Drabtnachrichten und neuestes.

Aus schwerer Gefahr gerettet.

Darmstadt, 17. Februar. Als der Eilzug Heidel berg- Frankfurt gestern abend in voller Fahrt die Station Darmstadt- Süd passierte, wollte ein älterer Herr, der im Glauben war, der Zug werde halten, aussteigen. Er glitt, wahrscheinlich durch den heftigen Luftzug, ab und hielt sich trampfhaft an seinem Echirm fest, der an einer Eisen­stange des Wagens hing. Mitfahrende bemerkten vom Fenster aus den in höchster Lebensgefahr Schwebenden und zogen den schon halb Besinnungslosen auf die Platt­form. Er hat nur leichte Hautabschürfungen davon ges trugen, obwohl er schon mit dem Unterkörper während der rasenden Fahrt auf dem Boden schleifte.

Einsturz eines Kalischachtes.

Halle, 17. Februar. Ein im Bau begriffener auf 30 Meter abgeteufter Echacht der Kaligewerkschaft Bernsdorf in der Gemarkung Kahlwinkel brach völlig zu­sammen. Menschen sind nicht verunglückt.

Verhaftung eines Scheckschwindlers.

Hamborn, 17. Februar. Ein Scheckschwindler wurde hier in der Person eines jungen Mannes, der bei der Filiale der Essener Kreditanstalt einen Scheck über 2800 Mark einzulösen suchte, verhafiet. Der junge Mann wurde zuerst abgewiesen, kam dann mit einer gefälschten Voll­macht wieder und ersuchte um Ausstellung eines neuen Scheckbuches anstelle des angeblich verloren gegangeren. Nunmehr wurde ein Scheckbuch ausgehändigt. Als der Mann dann am anderen Tage mit einem mit der Quit­tung des Unternehmens versehenen Scheck über 2800 Mark erschien, kam die Fälschung zutage. Bei näherer Unter­suchung stellte es sich heraus, daß die Mülheimer Bans dem Fälscher vergangene Woche auf einen Scheck 900 Mark ausbezahlte.

Passive Resistenz in Triest.

Triest, 17. Februar. Infolge der hier ausgebrochenen pasiven Resistenz der Staatsbeamten ist der Betrieb der Postämter behindert. Der Paketverkehr erleidet Verzöge­rungen, ebenso der Telegrammverkehr bis zu 1% Stunden. Auch der Eisenbahnverkehr verzögert sich infolge der Re­sistenz der Bollbeamten. Im übrigen widelt sich der Diensts betrieb normal ab.

Schwerer Reitunfall.

Potsdam, 17. Februar. Während eines Dienstrittes auf dem Bornstedter Felde verunglückte gestern Oberleutnant v. Bülow vom dritten Gardeulamenregiment. Das Pferd wurde plötzlich scheu und warf den Reiter zu Boden. Mit inneren Verlegungen wurde der Offizier nach seiner Woh nung gebracht. Erkrankung der Frau Cosima Wagner. Rom, 17. Februar. Aus Rapallo wird gemeldet, Frau Cosima Wagner habe einen bedrohlichen Anfall vom Herzschwäche gehabt, so daß Professor Schönburg drahtlich an das Krankenbett der Herzleidenden berufen worden sei. Auf eine Anfrage in Bayreuth wurde geantwortet, Nach­richten von gestern vormittag aus Santa Margherita zu­folge gebe das Befinden der Patientin zu Besorgnissen feinen Anlaß.

Die Pest in Rußland.

Moskau, 17. Februar. In der Kirgisensteppe_im Gouvernement Astrachan und in sechs Ortschaften zwischen der Wolga und dem Uralfluß sind vom 4.- 8. Februar 30 Personen an der Pest gestorben.

Berliner Getreide und Schlachtviehmarktbericht.

Eine Klärung der Verhältnisse am Getreidemarkt hat auch die am 15. Februar beendete Berichtswoche nicht ge­bracht. Infolgedessen ist eine wesentliche Preisänderung in dieser Zeit nicht eingetreten. Die allem Anschein nach vollkommen ausreichende Weltversorgung mit Weizen läßt eine nachhaltige Preisbesserung dieser wichtigsten Brotfrucht zurzeit nicht aufkommen. Das Lieferungsgeschäft war da­her am Berliner Markt sehr still, die Preise haben sich nur wenig verändert. Eine festere Haltung hat Roggen ge= habt, da ansehnliche Mengen ausgeführt wurden und Ruß­land mit seinen Offerten durchaus keine Nachgiebigkeit er­fennen läßt. Auch hält man die jeßige Preislage im Ver­gleich zu den Durchschnittspreisen in der gleichen Zeit der vier Vorjahre für niedrig. Für diesen Artikel herrscht hier ein starkes Deckungsbedürfnis gegen vorverkaufte Ware; Rußlands Angebot ist in letzter Zeit wesentlich geringer ge­worden, und der heimische Bedarf an ruffischer Futtergerste ist sehr bedeutend. Hafer ist gleichfalls sehr fest gewesen. Schlesien hielt die Preise sehr hoch, und auch Rußland er­höhte seine Forderungen. Mais war bei ruhigem Geschäft gut behauptet. Die Lieferungspreise für den Maitermin stellten sich schließlich wie folgt: Weizen 204,50 M, Roggen 159,75 M, Hafer 158,75 M, Mais 136,00 M.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. I. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, unge­jocht 76 bis 81 M, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 76 bis 80 M, c) mäßig genährte, junge und gut genährte ältere 70 b. 77 M, 8) gering genährte jeden Alters- bis- M. II. Bullen: a) vollfleischige, höch­sten Schlachtwertes 76 bis 80 M, b) vollfleischige jüngere 71 bis 79 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66 bis 74 M, d) gering genährte- M. III. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bis M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 67 bis 74 M, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwidelte jüngere Kühe 66 bis 73 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 56 bis 67 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 58 M, f).gering genährtes Jungvieh( resser) 64 bis 70 Mart. IV. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 111 bis 133 A, 6) feinste Mastfälber 97 bis 105 M, c) mittlere Maste und gute Saugfälber 86 bis 95 M, d) geringere Mast- und gute Sangfälber 84 bis 89 M, e) geringe Saugfälber 65 618, 85 M. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mastham­mel 78 bis 85 M, b) ältere Masthammel, geringere Mast­lämmer und gut genährte jüngere Schafe 70 bis 75 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe) 60 bis 70 M. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht 60 bis 61 M. b) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über Zentner Lebendge­wicht 59 bis 60 M, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis 2% Zentner Lebendgewicht 58 bis 60 Mark, d) fleischige Schweine 56 bis 58 M, e) gering ent­wickelte Schweine 55 618 58 M. f) auen 55 bis 56 M.

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