Deutscher Reichstag.
In der Sitzung vom Donnerstag wurden bei der Weterberatung des Marineetats zunächst Resolutionen betref=
Reichsregierung und nächste Reichstagswahlen. In der Presse wird die Nachricht verbrettet, daß die Regierung sich entschlossen habe, den Termin für die nächsten Reichstagswahlen zu einem möglichst späten Zeitpunkt erst im Jahre 1912 festzusehen. Wie die Inf." auf eine Anfrage erfährt, hat aber die Reichsregierung bis jetzt einen Entschluß darüber, wann die nächsten Reichstagswahlen stattfinden sollen, noch nicht gefaßt. Dementsprechend erledigt sich auch die Angabe eines bestimmten Termines für die Wahlen. Vermutlich ist die Meldung als ein Niederschlag von Ansichten aus parlamentarischen Kreisen zu betrachten, die in Anbetracht der noch zu erledigenden gefeggeberischen Aufgaben des Reichstages eine verhältnismäßig lange Dauer der jetzigen Session voraussehen und demgemäß einen sehr späten Wahltermin annehmen.
Der Oberpräsident der Provinz Westfalen von der Rede ist Donnerstag nachmittag in Münster an einem schweren Magen- und Nierenleiden im 64. Lebensjahre gestorben. Freiherr von der Rede, am 2. April 1847 in Berlin geboren, war von 1895 bis 1899 preußischer Minister des Innern. Infolge der Ablehnung des Mittellandkanals im preußischen Abgeordnetenhause trat er am 2.September 1899 von seinem Amte zurück und wurde darauf unter Belassung des Titels und Ranges als Staatsminister zum Oberpräsidenten von Westfalen ernannt. Seit einigen Jahren schon hatte er mit Krantheitssymptomen zu kämpfen, die schließlich so zunahmen, daß er sein Amt nicht mehr wahrnehmen konnte.
die Mitwirkung der Arbetterausschiffe bet der Festseßung von Lohn- und Arbeitsbedingungen angenommen. Dann ging die Debatte über den Werftbetrieb weiter. Es beteiligten sich an thr fast ausschließlich Redner der Linken. Vorweg stellte jedoch Staatssekretär v. Tirpitz durch Verlesung eines Telegramms des Konteradmirals Lans fest, daß an etner vom Leipziger Tageblatt gebrachten Notiz, von Privatfirmen seien Angebote zur Bergung des untergegangenen Unterseebootes„ U 8" gemacht, die vorteilhafter gewesen seten, als die Hilfe der Marine, fein wahres Wort ist. Dann brachten die Abg. Struve( fortschr. Vp.) und Severing( Soz.) Vorwürfe gegen die Werftverwaltung vor. Sie betrafen die Behandlung der Arbeiter, Besehung der höheren Werftverwaltungsstellen und machten allerlet Vorschläge, den vermeintlichen Uebelständen abzuhelfen. Der Staatssekretär und seine Kommiffare griffen mehrfach in die Debatte ein. Der Staatssekretär wies nach, daß das KoaIitionsrecht der Arbetter nicht angetastet, wohl aber thre Majorisierung durch den sozialdemokratischen Metallarbetterverband hintangehalten werde, daß an der Spizze aller Werften der Welt Offiziere, nicht Techniker, stehen, daß die Werften in erster Linie Mobilmachungsanstalten sind und der Zusammenfassung aller Kräfte zu Reparaturen nach der Schlacht dienen. Dazwischen trat der Süddeutsche Zentrumsabgeordnete Schirmer für Ausgestaltung der Unterftübungskasse der Werftarbeiter zur Pensionskasse und Berücksichtigung süddeutscher Gewerbetreibender bei Liefe= rungen ein. Der Abg. Weber( ntl.), der der Studienfommission für den Kieler Werftbetrieb angehört hat, wies auf die Widersprüche in den Ausführungen der sozialdemokratischen Redner hin. An die Spize der Werftleitung gehöre in den einzelnen Ressorts neben dem Offizier und dem Ingenieur ein tüchtiger Kaufmann. Er habe auf der Informationsreise festgestellt, daß die hygienischen Verhältnisse in Werftwerkstätten besser seien, als in den meisten Privatwerften. Daß auch die sonstigen Arbeitsbedingungen nicht so schlecht seien, beweise das große Arbeiterange= bot. Mit vollem Recht erkenne er die Tüchtigkeit des Staatssekretärs an. Im weiteren Verlaufe der Debatte führten die Verkaufsstellen des Wohlfahrtsvereins in Wilhelmshaven außer Ahlhorn( fortschr. Vp.) und Semler( natl.) auch Bebel( Soz.) auf den Plan. Ahlhorn war gegen die Verkaufsstelle, weil die kleinen Geschäftsleute geschädigt würden, ähnlich Semler; Bebel dagegen hielt an dem Ge nossenschaftsprinzip, das dem Wohlfahrtsverein zugrunde liegt, fest, und Schulze- Delitzsch, meinte er, würde es auch tun. Nur soll die Marineverwaltung ihre Finger herauslassen und die Organisation nicht unterstützen. Mit Darlegungen über das Verdingungswesen und Befürwortung von Technikerpetitionen schloß die Beratung des MarineFür Freitag wurde der Bau- und Justizetat auf etats. die Tagesordnung gesetzt.
1000 Reichstagskandidaten.
noch Schonung auferlegt. Die Audienzen werden erst in der nächsten Woche wieder aufgenommen
Ein 82jähriger Lebensretter. In Geroldshausen( Ober bayern) brachen zwet Knaben, Brüder, auf dem Eise etn. Einer von ihnen, der sich herausgearbeitet hatte, dem Bru der aber nicht helfen konnte, lief heim und holte seinen 82jährigen Großvater aus dem Bett, der, bis zum Halfe tm Schlamm und Waffer versinkend, mit eigener Lebensgefahr den Enkel vom Tode des Ertrinkens rettete.
Der Deutsche Landwirtschaftsrat besprach am Donnerstag die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der deutschen Industrie und Landwirtschaft an der Hand von Referaten der Herren Steinmann- Bucher( Berlin), Hofrat Opizz ( Treuen i. Vogtl.) und Direktor Felber( Berlin). Die vorgelegten und im wesentlichen gebilligten Leitsätze gipfeln in dem Gedanken. daß den Inhalt des wirtschaftlichen Lebens der Kulturvölker in erster Linie der Binnenverkehr bilde, demgegenüber der internationale Güteraustausch nur eine untergeordnete Bedeutung habe.
Ein Verein der Lebensretter" hat sich in Rudolstadt gebildet. Er soll sich über ganz Thüringen erstrecken und hat sich zur Aufgabe gemacht, dem Wohltäter Carnegie photographische Aufnahmen von allen bekorterten Lebensret. tern zu übermitteln.
Die Militärbehörde in Halle hat den Soldaten für dte Bett, wo Singers Beerdigung im Bilde vorgeführt wird, den Besuch der Kinematographentheater verboten.
Ein folgenschwerer Gerüsteinsturz hat sich in Dortmund ereignet. Bet den Abbruchsarbetten an einem Hochofen der Dortmunder Union stürzte das Gerüst zusammen. Dret Arbetter wurden getötet und zwet lebensgefährlich verlegt.
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Im Gefängnis verbrannt. In Scharley im Kreise Oppeln hat die Witwe Lasi, die wegen Schulversäumnis threr Kinder einer Tag Haft abzubüßen qualvollen Verbrennungstod gefunden. Da sie den Betrag von 1 Mark, zu dessen Zahlung ste von der Schulbehörde aufgefordert worden war, nicht zahlen konnte, hat man, so schreibt das„ Berliner Tageblatt", über die Frau einen Tag Haft verhängt und sie auch zur Verbüßung dieser Haftstrafe eingezogen. In der einsamen Gefängniszelle hatte sie den Strohsad an den geheizten Ofen herangerüdt, und ein unerklärlicher Zufall wollte es, daß der Strohsad Feuer fing. Die Hilferufe der von den Flam men bedrohten Frau blieben ungehört. Sie ist erstickt und verbrannt. Das Vorkommnis erregt in ganz Oberschleften allgemeines Aufsehen. Ueber das Schicksal der neun threr Mutter und Ernährerin beraubten Kinder ist noch nichts bestimmt, fest steht bisher nur, daß sich der waisten Kinder zunächst die Gemeinde Scharley wird an-, nehmen müssen.
Bei der Weiterberatung des Militäretats in der Budgetfommission des Reichstags erklärte am Donnerstag der Kriegsminister hinsichtlich der Anfertigung von Bekletdungsstücken durch Zivilhandwerker und Dekonomiehandwerker, daß die Kosten durch den Uebergang zu den Zivilhandwerkern höher werden. Die verschiedenartige Gestaltung der vorhandenen Bekleidungsämter ist sehr ungünstig. Im Mobilmachungsfalle müssen wir mit Großbetrieb anfangen; dazu brauchen wir eingarbeitete Fabriken. Es wird angestrebt, daß jedes Armeekorps ein Bekleidungsamt hat. Im Mobilmachungsfalle wird mit einer vollen Ausnutzung der Strafanstalten gerechnet; im Frieden werden sie nicht voll beschäftigt, weil auch die Kleinindustrie beschäftigt werden muß.
Die Wahlprüfungstommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat die Wahl des fortschrittlichen Abg. Kreitling im 4. Berliner Wahlkreise auf Grund eines sozialdemokratischen Wahlprotestes einstimmig für ungiltig erklärt. In dem Wahlprotest war ausgeführt, daß die Wählerlisten aus dem gleichen Grunde ungiltig seten, der seinerzeit zur Ungiltigkeitserklärung der Wahlen von vier sozialdemokratischen Abgeordneten in Berlin geführt hatte. Die Kommission schloß sich dieser Auffassung an.
Der Aufmarsch der Parteien zu den nächsten Reichstagswahlen ist nahezu vollendet. Die Organisationen im Lande haben ihre Kandidaten ernannt und die Pareilettungen veröffentlichen bereits die offiziellem Listen. Schon fetzt bewerben fich an 800 Männer um Size im nächsten Reichstag. Da jedoch kaum 400 Plätze zu vergeben sind, wird manche Hoffnung zertrümmert werden. Am eifrigsten find die Sozialdemokraten bei der Arbeit der Wahlvorbe= reitungen. Sie haben bereits 250 Kandidaten aufgestellt. Die übrigen Parteien folgen im weiten Abstande. Da ist das Bentrum mit 115 Kandidaten, da sind die Fortschrittler mit 103 und die Konservativen mit 85 Mandatbewerbern. Die Nationalliberalen beabsichtigen, in 78 Kreisen zu kämpfen, die Antisemiten aller Schattierungen in 50, während die Reichspartet sich auf 30 Wahlkreise vorläufig beschränkt und die Polen sich damit begnügen, vorläufig ihre 20 sicheren Mandate zu behaupten. Elsässer, Lothringer, Welfen, Dänen und Littauer kämpfen um insgesamt 15 Kreise. Der Bund der Landwirte ringt in 10 Kreisen gesondert von anderen Gruppen der Rechten um den Erfolg und die neugegründete demokratische Vereinigung will ihr Glück in 6 Wahlkreisen versuchen. Nun haben aber die Parteien thre Wünsche noch nicht überall zum Ausdruck gebracht. Daher wächst die Zahl der Kandidaten täglich und wird sicherlich die Zahl 1000 erreichen, trotzdem es diesmal zwischen den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartet in vielen Bezirken schon zu einer Verständigung gekommen ist. Nur in ganz wenigen Kreisen ist überhaupt noch kein Kandidat aufgestellt. Meist rechnet man dort auf den bisherigen Inhaber des Mandates. Andererseits kämpfen in mehr als 100 Kreisen drei Bewerber gegeneinander. daher zahlreiche Nachwahlen geben.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Es dürfte
Die Erkältung des Kaisers scheint völlig gewichen zu sein. Am Donnerstag nadmittag machte er im Automobil eine Ausfahrt in den Grunewald.
Der Familienschmuck der Wallutjeffs.
Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)
35)
ver=
Für 1 Million Mart Waren erschwindelt. Der 35 fährige Agent Georg Keim aus Wilmersdorf, der in der Schüßenstraße in Berlin sein Bureau hatte, ist gestern in Saft genommen worden. Keim, der eine Anzahl auswär tiger Häuser vertrat, wird beschuldigt, Waren, die ihm auf Grund gefälschter Orders geliefert wurden, insbesons dere wertvolle Kleiderstoffe, für eigene Rechnung vers fauft, und den Erlös für sich verbraucht zu haben. Die Höhe der veruntreuten Summe wird auf eine Million M. geschätzt.
Mängel der englischen Panzer? Ein Londoner Blatt bringt ein aufsehenerregendes Interview mit dem Direktor einer großen Schiffswerft, in dem nachgewiesen ist, daß der ganze Bau der großen englischen Panzer fich auf falscher Bahn bewege, und daß diese für den Schlachtenzwed fast vollständig unbrauchbar sind. Ein großer Fehler set es, daß das Vorder- und Achterded ungepanzert geblieben sei. Der Schnelligkeit dürften größere Opfer an Raum und Feuerungsmaterial, Kesseln und Maschinen nicht mehr gebracht werden.
China ergänzt sein Waffenarsenal. Der chinesische Kriegsminister ordnete eine wesentliche Vergrößerung des Arsenals von Schanghai an. Mit Rücksicht auf die schlechten Erfahrungen, die man mit der bisherigen Lieferung alter Gewehre( besonders aus Japan) gemacht hat, lehnt der Minister es ab, weiter im Auslande zu kaufen. In Zukunft soll alles im Lande hergestellt werden.
Die übrige Vorstellung nahm ihren gewöhnlichen Verlauf. Monpierre war in die Garderobe Alicens getreten. Zahlreiche kostbare Blumenspenden dufteten in dem mit großem Lurus ausgestattetem Raum. Es war bekannt, daß die Schulreiterin niemals andere Geschenke annahm, daß ihr guter Ruf über jede Verleumdung erhaben war. Wirst Du Dich denn nie entschließen können, Deine Laufbahn als Zirkuskünstlerin aufzugeben?" fragte Montpierre in sanftem Vorwurf. So lange Du bei Deinem Berufe bleibst, wollen meine Eltern ihre Einwilligung zu unserer Verheiratung nicht geben."
Noch kann ich nicht in das Privatleben zurücktreten," antwortete Miß Rower leidenschaftlich,„ mit Leib und Seele liebe ich meine Kunst. Habe Geduld, wir sind beide noch jung und können warten."
Kleine Nachrichten.
Bon einem Hund gerettet. Bei Selb( Oberfranken) brach sich ein Bauer auf dem Glatteis bei der nächtlichen Heimkehr ein Bein und blieb hilflos liegen. Seine Hil ferufe verhalten ungehöri. Schon glaubte der Veruns glückte, nach mehreren Stunden erfrteren zu müssen, als' doch noch Hilfe fam. Ein Hofhund hatte die Hilferufe ge hört und zwei Stunden lang mit Bellen teine Ruhe ges geben, bis die Bäuerin herausfam. Sofort begehrte das fluge Tier jeht ganz ins Freie und führte die Frau bis an die Unglücksstelle.
Der neue Militär- Zeppelin" wird in Cöln stattoniert werden, so daß damit das dortige Luftschiffgeschwader vollzählig sein wird. Die Heeresverwaltung verhandelt auch mit der Cölner Firma Clouth wegen Ankaufs eines Luftschiffes dieses Systems.
,, Das sagst Du immer," grollte der Baron.„ Weißt Du denn so bestimmt, daß ich nicht eines Tages des langen Wartens müde werden und Dir aus dem Wege gehen fönnte?"
Wann der nächste Zug abgeht." Jm Mainzer Hauptbahnhof ereignete sich folgendes drollige Geschichtchen: Ein älterer, sehr beweglicher Herr, ein Oberschulrat aus Heis delberg, wollte heimwärts fahren. Er hatte bereits seine Fahrkarte, als es noch volle 10 Minuten bis zum Abgang Jetnes 3uges waren. Er las auf dem Fahrplanbrett, daß der Zug 7.41 Uhr fahre, stellte dann aber in seinem eigenen Kursbuch fest, daß dort 7.42 Uhr angegeben war. Nur eines von beiden könne richtig sein, meinte der OberSchulrat, und er hielt deshalb einen vorübergehenden Eisenbahner an. Der empfahl, dem bahnamtlichen Brett mehr zu glauben als dem badischen Kursbuch, aber der Schulrat gedachte dieses erst nach genauer Erforschung der Wahrheit zu berichtigen, weil die„ Preußen- Hessen" so gut Fehler machen wie die Badenser. Der Oberschulrat hielt noch mehrere Eisenbahner an, aber keiner konnte thm ganz Genaues sagen, bis er einen traf, der wenig stens mal Interesse für die Sache zeigte.„ Also wegem Kursbuch und wege de Fahrplantafel meenen der Herr," sagte der Eisenbahner ,,, wissen Se, des fummt manchmol druff an um wellen Zug hannelt sich's dann, wann ich frage derf?"- Der Oberschulrat gab den nächsten Zug nach Heidelberg als Gegenstand seines Forschens an, der Eisenbahner fonnte ihm darauf ganz genau sagen, daß er bis dahin noch gemütlich einen trinken könne, denn der nächste Zug nach Heidelberg gehe- 9.32 Uhr. Der, Herr Oberschulrat erschrat fast zu Tode: es war inzwi schen aber wirklich 7.43 Uhr, und der Zug fuhr bereits ab.
Ueber die Erkältung des Papstes wird aus Rom gemeldet: Der Papst ist fieberfrei und verließ am Donnerstag das Bett auf einige Stunden. Doch hat ihm der Arzt
Tödlich erschrocken sah die Schulreiterin Montpierre an. Das sagt Du doch wohl nicht im Ernst? Erkläre mir, daß es nicht so ist," flehte sie erbleichend.
Aber der Baron schüttelte ärgerlich den Kopf und ver= ließ die Garderobe, seine Geduld war zu Ende. Von Land zu Land, und von Stadt zu Stadt war er der Schulreiterin gefolgt. Er hatte immer gehofft, ihren Starrsinn zu erweichen. War es ein Wunder, daß er schließlich die Geduld verlor und an der Liebe seiner Braut zu zweifeln anfing? Vielleicht änderte sie ihren Entschluß eher, wenn er sich seinerseits weniger nachgiebiger zeigte. Seine Eltern wollten die Heirat ihres Sohnes mit Alice Rower nur unter der Bedingung ihres Rücktrittes vom Zirkus zugeben.
Unmutig und ohne die erwünschte Erklärung abzu= geben, wandte er sich ab.
Es flopste an die Tür.
„ Serein!" rief die Schulreiterin.
Es war die Dienerin, welche meldete: Miß Rower, es ist die höchste Zeit für Sie, sich umzukleiden, Sie müs fen eilen, um für Ihr Auftreten fertig zu werden." Gleich."
Alice trat zu ihrem Verlobten.„ Alphonse," bat ste weich, nimm das grausame Wort zurück. Es raubt mir bte Ruhe, ich kann nicht daran glauben."
In namenloser Aufregung kleidete sich die Schulreiterin an. Ihre Händet beb en, ihre Tränen drängten sich ihr gewaltsam in die Augen. Aber sie durfte sich jetzt nicht ihrem Schmerz hingeben. Sie mußte dem Publifum mit dem gewohnten Lächeln gegenübertreten, und sie mußte ruhig sein, um ihr Pferd sicher zu führen, um den gefährlichen Sprung über die meterhohe Hürde wagen zu tönnen.
blonde Haar des schönen Mädchens bedeckte, wurde durch wundervoll blizende Edelsteine gehalten. Es waren drei Diamantsterne. Das scharfe Auge des Detektivs hatte, Sie sofort erkannt. Es mußten die von Meyer gestohlenen Juwelen sein, die zu dem Familienschmud der Grafen' Wallutjeff gehörten, ihre eigentümliche Form, die sich White genau eingeprägt hatte, als sie im Atelier seines Onkels Häuserling umgefaßt wurden, war nicht zu vertennen.
„ Ich kann diesen Zwiespalt nicht länger ertragen," dachte Alice,„ heute nach der Vorstellung will ich Alphonse sagen, daß ich auf den Beifall der Menge und auf Künstlerruhm verzichte. Ich will in das Privatleben zurücktreten und nur noch sein liebendes Weib sein. Dieser Entschluß gab ihr wieder etwas Ruhe. Sie bestieg den nach spanischer Art gesattelten Hengst und ritt in den Zirkus. Miß Rower trug ein andalusisches Kostüm aus gelber Seide, das mit Gold gestickt und mit schwerzen Spizen garniert war. Bei ihrem Erscheinen flatschte man ihr Beifall zu. Sie warf einen schnellen Blick nach der Loge Montpierres hinüber. Er saß still da, eine unmutige Falte zwischen den Brauen. Da senfte es sich wie ein Alp auf die Schulreiterin nieder.
Eine stürmische Musik wurde jetzt vom Orchester des Birkus gespielt.
White musterte ebenfalls die reizende Erscheinung Alicens. Langsam ritt sie an seinem Plaz vorbei. Der Geheimpolizist unterdrückte einen Ausruf. Der lang herabwallende Spitzenschleier. der das gold
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Alice Rower begann ihre Produktionen. Der Araber tanzte graziös durch die Arena; er gehorchte dem leisesten Zügeldruck, dem leisesten Schlag der Reitpeitsche auf seinen schlanken Hals. Aber seine Reiterin war heute nicht wie sonst bei ihrer Arbeit", das Pferd mußte es wohl spüren; es machte einige kleine Fehler, die das Blut in die Wangen Miß Rowers trieben. Beim Vorbeireiten an Montpierres Roge sab sie zu ihm hin. Las er denn nicht die stumme Abbitte in ihren Augen? Wollte er. sie nicht verstehen?
-
Die hohe Hürde wurde aufgestellt.
Lautlose Stille herrschte im Zirkus. Selbst das Or chester schwieg. Etwas Feierliches schien durch den wets ten Raum zu schweben.
White hatte sich vorgebeugt; mit gespannter Erwartung verfolgte er alles. Wie die Diamantsterne im schwarzen Schleier blitten: ein dämonischer Glanz schien ihnen bunte Funfen zu verleihen.
Der Geheimpolizist dachte an die Familiensage, daß denen, die den Schmuck trugen und nicht den Namen Wallutjeff führten, Unglück drohe. Hatte sie sich nicht schon. an Mrs. Brook erfüllt? Sollte Alice Rower demselben düsteren Schicksal verfallen sein?
( Fortsetzung folgt.)
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