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wahnsinn leidet und bereits einmal in einer Anstalt war, nachdem sie einen Revolveranschlag auf den Pfle= gevater thres Kindes gemacht hatte.

Brandstiftung ants Waterliebe. Aus diesem merkwürdigen Motiv handelte ein 18jähriges Mädchen, das in Reinickendorf bet Berlin bei ihren Eltern wohn­te. Durch Unzuträglichkeiten, die sich zwischen ihrem Vater und der Weiblichkeit der Nachbarschaft ergeben hatten, kam das Mädchen zu der Ueberzeugung, daß nur dadurch Wandel geschaffen werden könne, wenn die Eltern in eine andere Gegend zögen. Da der Vater jedoch gar nicht daran dachte auszuziehen, legte sie in furzen Zwischenräumen zweimal auf dem Boden über der elterlichen Wohnung Feuer an. Die Flammen soll­ten sich durch die Decke hindurchfressen und auf diese Weise den Vater zum Ausziehen zwingen. Beide Male wurde jedoch der Brand noch rechtzeitig entdeckt und . im Reime erstickt.

Der arme Papa. Eine lustige kleine Episode aus bem Familtenleben des Präsidenten Cleveland der Ver­einigten Staaten erzählt eine englische Zeitschrift. Als Clevelands Tochter noch ein kleines Mädchen war, rtef der Präsident telephonisch von Chicago aus das Weiße Haus an und bat im Verlaufe des Gesprächs seine Frau, doch auch einmal fein fleines Töchterchen zum Hörrohr heraufzuheben Lächelnd beobachtete die Mutter den wechselnden Gesichtsausdruck des Kindes, als sie aus dem Instrument ganz deutlich des Vaters Stimme hörte. Die Angst wich grenzenlosem Staunen, dann begann es ängstlich ins Hörrohr zit fchen, und schließ= Ach Itch in ein verzweifeltes Weinen auszubrechen. Mama," schluchzte es, wie bekommen wir nur den armen Papa aus diesem kleinen Loch heraus

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Die

Selbstmord ans Anaft vor dem Hungerlod. Sorge. verhungern aut misfen, hat den 60 Jahre alten Lobeerber Fritz iefelbach in Berlin zum Selbstmord

Getrieben. Rieselbach. der als Tunaoefelle bei einer Witwe in der Pantstraße wohnte, mar feit 20 Jahren in einer Gerberet heimhäftiat. Im vergangenen Montag 20a er sich eine Beinvertering zit, die ihn zwang. zu Hause zu bleiben. Er bilhete sich ein. daß das Leiden nicht zu heilen fet und er deshalb arbeitsunfähig bleiben merde und verhungern mitfie. tefe Anast war umso unbegründeter, als iefeThach fich 3800 Mart erspart hatte, non denen er 400 Mart in barem Gelde bei sich zu Hause hatte, während das übrige auf der Sparkasse fiegt. Troß dieser verhältnismäßta aiinstigen Lage Iteß ihn die Sorce um die Pufunft nicht mehr ruhen und trieb ihn endlich dont feinem Reben ein Ende zu ma chen. Als gestern sein Zimmer nicht geöffnet wurde, fflen seine 23irtin durch das Fenster in feine Stube cin und fand ihn am Fürnfoften erbängt vor.

Die Tragödie eines Krivvels. Am Sonnabend ver­suchte der 35fährtge Arbeiter Otto Feltenau in der Hoch­Straße zu Berlin seinem Leben ein Ende zu machen. J. war vor etwa Jahresfrist überfahren und so schwer verletzt worden, daß ihm beide Beine abgenommen wer­den mußten. Feltenau versuchte nach seiner Genesung vergeblich eine Stellung zu bekommen. So ernährte sich der Unglückliche als Gelegenheitsarbeiter und nächtigte, da er keine Wohnung besaß, meist im Freien. Seit eint­gen Tagen hatte er keine Arbeit mehr gefunden und irrte hungernd in den Straßen Berlins umber. Zuletzt faßte den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Er warf sich vor eine Droschke, deren eines Rad über ihn hin= wegging. Man schaffte den Krüppel nach dem Rudolf= Virchow- Krankenhaus.

Die Ergebnisse der ersten 100 Fahrten der Schwas ben sind, wie der nf." mitgeteilt wird, jetzt aufgestellt worden. Das Luftschiff verließ am 26. Juni zum ersten Mal die Bauhalle und machte am 7. Oktober seinen 100. Ausflug. 89 feiner 100 Fahrten waren für Bassa­giere bestimmt. Das Luftschiff hat in einer Gesamtfahr­zeit von 224 Stunden 12 460 Kilometer zurückgelegt. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Stundenleistung von 55,6 kilometern. Bei den starken Winden von 12 und mehr Metersekunden ist dies eine beträchtliche Leistung. Das Luftschiff bewährte sich auch bei Veran­ferungen auf freiem Felde vortrefflich und hat z. B. von der Badener Luftschiffhalle fenkrecht auftretende Gewtt­terböen von 13 Meterfefunden ohne Schwierigkeit ausgehalten. Auf seinen 100 Fahrten hat die Schwa ben" einschließlich der Besabung 2350 Personen beför­dert, darunter rund 300 Engländer und Amerikaner, fowie 45 Franzosen. Die Mehrzahl der Fahrten waren zweistündige Rundreisen von Baden- Baden und Düs= feldorf aus. Es wurden aber auch mehrere Zielfahrten von Friedrichshafen um den Vierwaldstätter See und den Rigistock, 3 Fahrten über den Schwarzwald hinweg zwischen Friedrichshafen und Baden- Baden, Fahrt von Baden nach Gotha. eine von Gotha nach Ber­lin und zurück, eine von Gotha nach Düsseldorf und eine von Düsseldorf nach Baden- Baden ausgeführt. Auf der Fahrt von Gotha nach Berlin wurde streckenweise etn Gegenwind von mehr als 10 Metersekunden überwun­den. Es verdient dabet hervorgehoben zu werden, daß alle Fahrten pünktlich an meist lange vorher angeseztem Termin ausgeführt wurden. Das Luftschiff, das am 17.

Muß ich das sagen?"

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Ste haben selbstverständlich das Recht, Ihre Aus­fage zu verweigern, wenn Sie meinen, sich dadurch selbst beschuldigen zu müssen. Aber ich gebe Ihnen zu bedenken, daß gerade ein Stillschweigen in diesem Falle die Untersuchung auf Gedanken bringen muß, die nicht gerade vorteilhaft für Sie sein dürften."

Doktor Waldom kämpfte sichtlich mit sich selbst. Dennoch werde ich schweigen!" sagte er schließlich.

,, Schön! Ganz nach Ihrem Belieben!" versetzte Herr von Scharffenstein in bitterem Tone. Dann wäre also unsere Mission hter beendet. Sie müssen sich natür­Itch noch auf Ihre Zeugenaussage vor Gericht gefaßt machen, Herr Doktor. Wenn nicht etwa die Unter­fuchungshaft"

" Erlauben Ste!" ftel der Physikus rasch ein. Wir können ja vielleicht morgen das Verhör hter fortsetzen." Er hatte bemerkt, daß Doktor Waldow bei den letzten Worten des Untersuchungsrichters kreidebleich gewor= den war und sein Gesicht einen eigentümlich entgeistig­ten Ausdruck bekam. Ist Ihnen nicht wohl, Herr Dok­tor?" fragte er.

,, Danke! Es geht vorüber," brachte Waldow mit Anstrengung hervor. Der Hteb scheint doch ernsterer Natur gewesen zu sein, als ich ursprünglich annahm. Die Herren haben mich also nichts mehr zu fragen?" Nur noch ein paar Worte," bat Welde. Sagen Ste, Herr Doftor, wie groß war die Summe, die Ste vorgestern dem Agenten Grulich auszahlten?"

Also auch das weiß man beretts? Es waren zwet­tausend Mart."

" Und Ste haben sonst kein Papiergeld zu Hause?" Nein, nein! Ich schwöre Ihnen bet allem, was mir heilig ist, daß ich sonst nichts von tenem Gelde in meinem Best gehabt habe."

,, Ste geben also zu, daß die beiden Banknoten von dort stammen?"

Oktober nach Berlin fährt, wird dort voraussichtlich eine Woche bleiben.

Im Tode vereint. Ein erschütterndes Drama wird aus Groppendorf in der Provinz Nassau gemeldet: Der dortige Pastor Froböß, der sich wegen eines Lungen­letdens in Arosa( Schwetz) aufhielt, fonnte die erhoffte Heilung nicht finden und starb dort in den Armen fet= ner verzweifelten Gattin. Als die erst 28 Jahre alte Frau mit der Leiche des Verstorbenen nach Groppen­borf zurückgekehrt war, vergiftete sie sich mit Kleefalz, noch ehe der Hügel den so jung dahingerafften Gatten deckte. Jetzt hat das Ehepaar eine gemeinsame Grab­stätte gefunden.

Die Zehngebote für Raucher.

Professor Dr. Breitung in Koburg hat in den Blät­tern für Volksgesundheitspflege" die Hygiene des Rau­chens in zehn Gebote zusammengefaßt, die manche beher­zigenswerte Winte geben. Die größte Quantität, bet welcher noch nicht Vergiftungserscheinungen auftreten, tst die tägliche Konsumierung von 25 Gramm Tabak, die etner Anzahl von fünf Bigarren mittlerer Größe ent­sprechen. Die Qualität des Tabaks spielt eine nicht zu unterschäßende Rolle; es ist trrtümlich, daß die einhet­mischen, sogenannten leichten Sorten, unschädlich sind. Man soll niemals bet leerem Magen rauchen. Das Rau­chen vor dem Frühstück ist verwerflich und ebenso nach­teilig ist das Rauchen vor der Hauptmahlzeit. Auch das Rauchen spät abends, um den Schlaf zu verscheuchen, ist abzuraten. Man soll die 3igarre nicht unnötig tm Munde behalten und auch nicht bis zum äußersten Ende rauchen. Verwerflich ist die Gewohnheit, die 8t= garre zwischen den Zähnen zu kauen. Dadurch wird der obere Teil der Zigarre durchfeuchtet und die schädlichen Substanzen des Tabakblattes werden zum Teil gelöst. Die lokale Reizung der Zunge, der Schleimhaut, der Lippen und der ganzen Mundhöhle ist ebenfalls auf die Wirkung jener durch die Durchfeuchtung gelösten Sub­stanzen zurückzuführen. Der chronische Rachenkatarrh und die Abstumpfung des Geruchssinnes, an welchem ptele Raucher leiden, ist durch die häufige Berührung des Rauches mit der Schleimhaut der Luftröhre und der le aut erffären. Raucher sollten sich daher stets einer gut gereinigten Bigarrenspize bedienen. Dte ersten Vergiftungserscheinungen machen sich in Bezug auf das Herz bemerkbar und bestehen in Beklemmungs­gefühl, welches 1 bis 2 Minuten und länger dauert und nach einigen tiefen Einatmungen von selbst verschwin­bet. Diese Anfälle bedeuten für den Raucher eine ernste Warnung, wenn er nicht von schweren Folgen der Ver­giftung heimgesucht werden will.

Der ferne Often vor dem Sturm?

Im fernen Osten vollzieht sich jetzt in einem Lande, das nicht weniger als die Türket schon lange der Ge­genstand liebevollster Aufmerksamkett settens der Groß­mächte ist, etne Revolution. Auch der gelbe Drache ist schon lange krank und um sein Lager sfehen noch mehr besorgte Aerzte als je bas Stechbett des franken Man­nes am Bosporus umstanden haben. Denn außer dem alten Europa sind auch Japan und die Vereinigten Staaten an dem Schicksal Chinas lebhaft interessiert. Und wie über Europa schon lange das Damoklesschwert eines Waffenganges zwischen Dreibund und Tripolis­entente schwebt, so besteht im fernen Osten die Gefahr eines blutigen Zusammenstoßes zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. Sollte etwa, was der Umwälzung in der Türfet fitr Europa nicht gelun= gen ist, die chinesische Revolution für Ostasien zustande bringen?

Es läßt sich nicht leugnen, daß durch den Aufstand in China die Gefahr eines japanisch- amerikanischen Bu­fammenstoßes gestiegen ist. Es unterliegt kaum einem Bweifel, daß die chinesische Revolution von Amerika aus in Szene gesetzt ist. Dr.Sunyatsen, der Führer der Revo­lutionäre, hat sich das für die Revolution erforderliche Kleingeld in Amerika besorgt, nachdem er zuerst mit Londoner Bantiers verhandelt hatte. Den Engländern tst das Geschäft aber diesmal entgangen, da man in Amerika im Finanzteren von Revolutionen eine grö­Bere Geschäftsgewandtheit befibt. Das amtliche Amerika hat natürlich mit diefer finanziellen Unterstützung des Aufstandes zunächst nichts zu tun. Die chinesische Revo­Intion ist für die amerikanischen Banken ein einfaches Geschäft wie fie es alle Tage machen. Die amerikant­fche Reateruna ist indessen von dem Großkapital in so hohem Maße abhängig, daß man doch annehmen kann, daß beide bet diesem Geschäft im Einvernehmen mit ein­ander stehen. Darauf läßt fedenfalls auch die vor etnt­gen Tagen gemeldete plötzliche Mobilisierung der ge­samten amerikanischen Flotte schließen. Diese Maß­nahme richtet sich offenbar an die Adresse Japan 8. Es ist eine direkte Drohung für den Fall, daß es sich die Japaner einfallen lassen könnten, den Amerikanern durch eine Intervention in China das Geschäft zu ver­berben. Es fragt sich nur, ob Japan auf diesen Wink

Das tst fa doch wohl bewtesen?"

Sehr richtig! Fehlt nur noch die Angabe, wte Ste In den Besitz gelangten."

Der Doktor machte ein verzweifeltes Gesicht. Das Geständnis schten auf seiner Zunge zu schweben, dann rief er: Nein, ich kann es nicht!" Und die Hände aus­gestreckt faltend, fügte er in flehentlichem Ton hinzu: " Quälen Sie mich nicht! Schonen Sie mich, bitte!"

Die Sache schien ihn immer mehr aufzuregen. Setn Atem ging feuchend, eine fieberhafte Röte flog über seine Wangen, dann grub er sich tief in die Kissen ein und schloß die Augen.

,, Leben Sie wohl und erholen Sie sich!" sagte der Untersuchungsrichter. Er erhielt keine Antwort.

Der Physikus beugte sich über den Kranken. Eine Ohnmacht!" erklärte er, die wohl einige Zeit anhalten wird."

Er gab der Wärterin noch einige Verhaltungsmaß­regeln, und dann entfernten sich die Herren, nachdem Weide noch in ein kleines betsette stehendes Spind ge= guckt und die dort stehenden Stiefel des Doktors einer genauen Besichtigung unterworfen hatte.

Die Fußspuren, die dort waren, stammten wohl nicht von ihm," sagte er beim Hinausgehen zum Unter­fuchungsrichter. Er hat Schuhgröße Nummer 42, und

es ist nicht glaublich, daß er sich dazu ausdrücklich etn Paar größere Stiefel gekauft haben sollte. Auch war bei thm zu Hause nichts von solchen zu sehen."

,, und der Gärtner Mary? Haben Ste den schon berücksichtigt?"

Allerdings, Herr Rat! Er hat die Größe Nr. 45, und es ist ausgeschlossen, daß er diese großen Füße in fleinere Stiefel hineingezwängt. haben kann. Außer= dem konnte er sein Altbt für jene Zeit vollständig über­zeugend nachweisen."

Dann verzichte ich vielleicht überhaupt auf seine Aussage in der Voruntersuchung. Die Diakonissin

mit dem Zanupfahl in der gewünschten Wetse reagle­ren wird. Es läßt sich annehmen, daß Japan bemitht sein wird, die durch die chinesische Revolution geschaffene Lage nach Kräften für sich auszunußen. Dabel kann es aber jeden Tag in einen scharfen Gegensatz zu Ame rifa geraten. Der Ernst der Lage wird in Japan voll erfannt. Die tapantsche Presse hält die Unruhen in China für ein Ereignis, das unerwartete Folgen für die Politik des ganzen Ostens herbeiführen könne, Nachrichten aus dem Anfstandsgebiet.

Beringer Depeschen zufolge nimmt die Revolution in China einen derartigen Umfang an, daß das Schicksal der Mandschudynastie fast besiegelt ist. Man bestätigt, daß die Bewegung einen demokratisch- republikantschen Charakter trägt. Sunyatsen will sich als Präsident etner chinesischen Republik proklamieren. Die revolutionäre Regterung hat den Konsuln mitge­tetlt, fte fet an die Stelle der früheren Regterung ge­treten. Der die republikanischen Streitkräfte befehlt­gende General hat den fremden Konsuln in Hankau mit­geteilt, daß seine Partet bereit fet, die Anleiheverpflich= fungen und anderen Verbindlichkeiten der chinesischen Regterung anzuerkennen. Der Telegraph befindet sich in den Händen der Revolutionäre, die chinesischen Tele­gramme der Zensur unterwerfen, während die Tele­gramme der Fremden der Zensur nicht unterliegen. Die Europäer führen ein Lagerleben.

Die Regierung in Peking hat der chinesischen Presse verboten, Meldungen aus dem Aufstandsgebiet zu ver­breiten. Der Verkehr der Personenzüge ist eingestellt worden, damit Truppen nach dem Süden befördert werden können. In Wutschana haben die Aufrührer aroße Kriegsvorräte und bares Silber erbeutet. Die Arsenale und Pulverfabriken arbeiten unter Aufsicht der Aufrührer. Aus Schanghai sind zwei Kreuzer und ein Kanonenboot nach Wutschang entfandt worden. Der Draht meldet heute über die revolutionäre Ve­wegung: Beting, 16. Oktober. Die chinesischen Banken werden gestürmt und das Geld wird nach den aus­ländischen Banken gebracht. Die Theater in Beking sind geschlossen. Die ganze Division der kaiserlichen Garde ist hierher zurückgekehrt. In Hankau liefert das in den Händen der Rebellen befindliche Arsenal täglich 25 000 Patronen. 140 Feldgeschüße stehen berett. Der Tele­graph ist in den Händen der Aufständischen.

Der heilige Krieg.

Aus Benghaft wird türkischen Blättern gemeldet, daß der Scheich der Senusst bei allen Stämmen durch Sendboten den heiligen Krieg gegen Italien erkläre. Wenn sich die unter dem Einfluß der Senusst stehenden anderen Stämme in Bewegung setzen, würden über 150 000 bewaffnete Männer ins Feld ritcken können und die Lage der Italiener in einiger Entfernung von der Küste ernstlich gefährden. Für die Verteidigung von Tripolis spielen die angrenzenden Bezirke von Beng­hast die wichtigste Rolle, da der Scheich daselbst eine fast unangefochtene Autorität besitzt.

Drahtnachrichten und Deuestes.

Tödlicher Jagdunfall.

Wittenberg, 16. Oktober. Als der Dekonomie­rat Sernau in Brehnen gestern mit seinem 18jährigen Sohne über die Felder fuhr, um auf Rebhithner zit schteßen, entlud sich infolge Schüttelns des Wagens das Gewehr und der Schuß drang dem Sohne in den Un­terleib. Schwer verletzt wurde er in die elterliche Woh­nung geschafft, wo er bald darauf seinen Wunden erlag. Verzweiflungstat einer Mutter.

o Halle a. S., 16. Oktober. Aus Gram über den Tod ihres vor drei Wochen verstorbenen Kindes ver­fuchte heute nacht die Witwe Sorferer sich und ihre drei Kinder dadurch zu töten, daß sie den Gashahn öffnete. 3wet Kinder wurden tot aufgefunden, das dritte hofft man am Leben zu erhalten.

Eine ganze Familie veraiftet.

Breslatt, 16. Oktober. In Sosnowice tst die aus acht Personen bestehende Familie eines Kaufmanns nach dem Genuß von Nudeln unter Vergiftungserschei­nungen schwer erkrankt. Das Dienstmädchen hatte ver­sehentlich anstelle der Mehldüte eine Düte mit Zink­weiß zur Bereitung der Nudeln genommen.

Folgenschweres Straßenbahnunglück.

München, 16. Oftober. Gestern abend stießen in Grünewald zwei Straßenbahnwagen anscheinend in­folge Versagens der Bremse zusammen. 3wet Personen wurden schwer, sechzehn andere durch Glassplitter leich= ter verlegt.

Die Opfer des jüngsten Erdbebens in Italien. Rom, 16. Oktober. Nach den bis jetzt vorlie­genden Meldungen sind bei dem Erdbeben in der Pro­vinz Catania in der Ortschaft Giarro vierzehn Perso= nen getötet worden. Ein Advokat wurde mit seiner ganzen Familie unter den Trümmern seiner eingestürz= fen Villa begraben. Die Zahl der Verletzten wird auf 40 geschäßt.

Magdalene habe ich mir für heute mittag bestellt. Ich bitte Ste, sich dann in der Nähe aufzuhalten, Herr Kom­missar!"

Weide verbeugte sich, und die Herren verabschiede­ten sich von einander.

Herr von Scharffenstein fuhr nach seinem Bureau und vertiefte sich bald in seine Aften. Er war Jung­geselle, sein Beruf ging ihm über alles und war zu einer förmlichen Manie bei ihm geworden. Selbst zu Hause faß er oft bis spät in die Nacht über den Gerichtspa­pieren und studierte.

Auf seinem großen Bureautisch lag unter anderem etn Bettel, auf dem die Stunden für die Zeugenaus­fagen notiert waren. Um zwölf zog er seine Uhr, sah sorgfältig auf den Zettel und brummte etwas von wetb= licher Unpünktlichkeit vor sich hin, als die Tür vorsich­tig aufgemacht wurde und eine weibliche Person letse hereinkam oder vielmehr hereinglitt. Sie hatte die schwarze Diakonissentracht an und blieb schüchtern an der Tür stehen.

,, Bitte sehr, meine Dame, treten Ste näher!" sagte Herr von Scharffenstein höflich und fügte mit einer ein­ladenden Handbewegung nach einem Stuhl hinzu: Neh­men Sie, bitte, Plaz! Schwester Fräulein Magdalene, wenn ich nicht trre?"

Ste holte das Schriftstück, durch das sie zur Zeugen­aussage aufgefordert worden war, aus einer kleinen Handtasche, faltete es auseinander und sagte: Jawohl, mein Herr. Aber ich begreife gar nicht, was ich eigent= Itch hier soll!"

Sie sind Schwester am Beatricenheim, nicht wahr, mein Fräulein?" fragte der Beamte lächelnd.

( Fortsetzung folgt.)