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en Distreflon geschehen, und daß die Deffentlastett von solchen Fällen nichts erfahren dürfe.

" Drum prüfe, wer fich ewig bindet." Ein vorsich tiger Ehefandidat, ein überaus forrefter Staatsbürger und zugleich für feinen Erzieherberuf entflammter Pä­dagoge fcheint ein Volksschullehrer in Sofia zu sein, der, wte ote" Voffische Zeitung" berichtet, dieser Tage dem dortigen Polizeipräsidium die Mitteilung machte, daß er heute mit einem 18jährigen Fräulein X. gemein= famen Haushalt beginne, bis ich ihren Charakter ge= prüft haben werde." Damit wollte er aber nicht ge= fagt haben, daß er den gemeinsamen Haushalt mit dem Prüfling aufgeben werde, sowie er sich über dessen Cha­rafter flargeworden set; er fügte vielmehr die Versiche rung bet, daß er mit dem Fräulein eine gesetzliche Ehe eingehen werde, falls thm ihr Charakter zusagen würde! Der Polizeipräsident hatte aber für diese Art von= dagogisch- freier Liebe kein Verständnis, sondern ver­fügte furz und bündig: Hochzeit machen oder ausein­andergehen!"

Der entlarvte Krüppel. Eine des Humors nicht entbehrende Szene spielte sich in der Straße Unter den Linden in Berlin ab. Ein den Berlinern wohlbekannter alter Straßenhändler, der ein Schild auf der Brust trug, auf dem zu lesen war:" Blind, gelähmt und start ner­venleidend!" und sich von einem Führer begleiten Ileẞ, erhielt von einer Dame ein Almosen. Ein Konturrent" fah dies und beschuldigte in seinemNeide den gelähmten Blinden" der Verstellung. Dieser vergaß darüber sein Gebrechen völlig, rannte dem Lästerer hurtig nach und verprügelte ihn aus Leibeskräften. Dabei verlor der " Blinde" seine Brille, und man konnte die Wahrneh= mung machen, daß es mit der Sehkraft des Blinden" ebenso gut bestellt ist wie mit seinen Nerven. Den ren­tablen Lindenplatz wird der aus der Rolle gefallene St­mulant nunmehr schwerlich wieder einnehmen können.

Kriminalbeamte als Liebespärchen. Spanner" und Lauscher" treiben wie alljährlich abends in dem bewaldeten Teil der Berliner Hafenheide wieder ärger als je ihr Unwesen und verüben an Liebespärchen Er­preffungen. Da wegen des starten Unterholzes in der Hasenheide den gefährlichen Burschen nur schwer beizus fommen ist, verfielen zwet Rixdorfer Kriminalbeamte auf den Gedanken, in der Maste eines Liebespaares den Erpressern auf die Spur zu kommen. Sie verklet­deten sich und wandelten, eng aneinander geschmiegt, in ihrer leichten, hellen Tracht durch die Helde. G dauerte nicht lange, da tam tn langen Säßen ein Span­ner" aus dem Gebüsch herausgesprungen, stellte das Pärchen und forderte es auf, ihm nach der Wache zu folgen. Unbeschreiblich aber war sein Gesicht, als sich fetzt die Beamten zu erkennen gaben, thn am Kragen nahmen und abführten. Auf der Wache wurde der Ver­haftete als der Händler Weigelt aus der Jahnstraße festgestellt und dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Eine schwache Stelle bei Turnern glaubt Profes­for Bayer in Prag gefunden zu haben. Er glaubt aus verschiedenen Beobachtungen an ertranften Turnern entnehmen zu können, daß bei verschiedenen Uebungen, bie eine starte Streckung der Bauchwand notwendig machen, die Organe, welche im oberen Teile der Bauch­höhle liegen, zu stark gedrückt werden. Es sind vornehms Itch das Gefröse und die darin liegenden Lymphdrüsen, die bet solchen Uebungen gezerrt werden und entzünd Itch erkranken, dann glaubt Bayer, daß vielleicht manche Formen von Geschwüren des Zwölffingerdarms auf diesem Wege entstanden sind.

Size und Orgelspiel. Die große Size der letzten Wochen hat auch das elfäffische Dorf Boofzheim nicht vom unheil verschont, wenn es sich auch nicht um Fälle von Hizschlag oder sonstiges fchweres Unglück handelt. An einem der letzten Sonntage sollte die Orgel zum Vorspiel einsetzen. Aber was da aus den großen Pfef= fen herausfam, war nur ein jämmerliches Gequtetsche. Da man dem tebel nicht auf den Grund kommen fonnte, wurden die Sachverständigen geholt; das was ren die Mitglieder des dörflichen Gefangvereins, und diese erkannten sofort, daß die Size an den sonderbaren Qutetschtönen schuld set, dte Orgel hätte sozusagen einen Hizschlag bekommen. Sie wußten auch fofort ein Mit­fel, um die ursprüngliche Reinheit der Töne wieder herzustellen. Wie man Menschen, die vom Hitzschlag be troffen sind, mit faltem Wasser behandelt, so natürlich auch Orgeln. Die Pfeifen wurden also reichlich unter Wasser gestzt und nach dem Trocknen mit einer neuen Probe begonnen. Was den Menschen gut und nützlich tst, scheint aber auf Orgeln mitunter eine andere Wir­fung zu haben. Als der Künstler nach der Kur die Tasten anschlug, war zwar das Qutetschen verschwunden, dafür brummten alle Töne aber im tiefsten Baß. Die Boofzheimer geben seitdem nichts mehr auf das Gut­achten von Sachverständigen, selbst dann nicht, wenn fie einem Männergesangverein angehören.

Eine Wasserleitung für 10 Millionen Menschen. Die Stadt Neuyork legt gegenwärtig gewaltige neue Trinkwasserbehälter an, die nicht nur die gegenwärtt­gen Bedürfnisse, sondern auch alle fünftigen auf we= nigstens 30 Jahre hinaus befriedigen sollen. Neuyork

1)

Wefferwolken.

Roman von M. v. Buch.

( Nachdruck verboten.)

1. Kapitel. Hut hut sausten die Stürme über das Land. Frühlingsstürme waren es, denn der Tag Mariä Licht­meß, nach dem bekanntlich kein Fuchs dem Eisen traut, war längst vorüber. Zwar lag die Landschaft noch im Schnee begraben, aber das war nicht mehr der Schnee, aus dem feder Sonnenstrahl tausend schimmernde Fun­tent weďte. Dieser brettete sich als etne zähe Masse über Wiese und Feld. König Winter lag im Sterben; aber ehe der alte Gebteter nicht tot ist, durfte der junge seine Herrschaft nicht antreten. Das ist uralt heiliges Gesetz, bas befolgt werden mußte. Aber König Lenz war un­geduldig, darum schickte er seine Boten, die Stürme, aus, zu erkunden, ob seine Bett nicht bald gekommen set.

Blauschwarz brettete sich der Himmel über der Stadt Wien. In den Straßen lag etn fahles Licht, es war fast, als set es noch nicht Tag geworden, obgleich bte Uhr am Stephansturme die zehnte Stunde angab. In der tatserlichen Hofburg in threm Ankleidezimmer befand sich die Kaiferin Marta Theresia, eine reise und Apptge Frauengestalt, dte soeben den Händen ihrer ge= schichten Kammerfrau entschlüpft war. Ste trug etit dunkles, mit weißem Schwan verbrämtes Samtkleid, das den schönen weißen Hals und einen Tell der Büste fret Iteß. Das leichtgewellte Haaar war zu einer kunſt­pollen Frisur aufgebaut und der Sitte der Bett ent­prechend gepudert.

Die Fürstin schten mit ihrem Aussehen zufrieden. Ste betrachtete sich in dem großen venezianischen Spte= gel, der liber threm reichvergoldeten Toilettentische hing, mtt freundlichen Augen. Ja, te länger sie schaute, te ftrahlender wurden ihre Blicke, und ein reizendes, lie­Benswürdiges Lächeln umspielte den vollen Mund, der

zählt heute über 4 700 000 Einwohner und wächst fähr lich um 3 Prozent. Die gegenwärtigen Arbeiten sichern der Stadt eine Wafferzufuhr, die für mehr als 10 Min. Menschen ausreicht. Die Anlagen kommen über 6% Millionen Mart; es sind beinahe 3000 Arbeiter und mehr als 1700 Beamte daran beschäftigt. Es werden die Gewässer der Catskill- Berge, die etwa 100 Kilometer von Neuyork entfernt sind, dorthin geleitet. Vier Ric senbassins werden von nun an der Wasserversorgung der amerikanischen Hauptstadt dienen. Diese vier Bef fen werden durch gewaltige Aquädukte mit der Stadt verbunden. Das größte der Becken, das seit 1907 im Bau ist und im nächsten Jahre vollendet sein wird, faßt 590 Millionen Kubikmeter Wasser; der zu ihm ge= hörige Aquädukt erhält eine Länge von 176 Kilometern.

Krankheit nnd Jahreszeit. Obwohl der Einfluß der Jahreszeit auf das Entstehen von Krankheiten wohl nie geleugnet worden ist, so interesstert es doch, aus einer umfangreichen Statistit im Archiv für soziale Hy­giene genaueres über die Verteilung einzelner Krank­heiten auf die verschiedenen Monate zu erfahren. Diph= therte, Rotlauf, eitrige Entzündungen und Halsentzün dungen sind ausgesprochene Winterkrankheiten, wohl Infolge Kälte und Feuchtigkeit, schlechterer Hautpflege und mangelhafter Hygiene. Rheumatismus ist dagegen merkwürdigerweise feine ausgesprochene Winterfrank­heit; die meisten Erkrankungen fallen in das Frühjahr, die wenigsten in den Herbst. Ebenso verhält es sich mit dem Podagra.

Der Sack- Hut. Nachdem die Damen schon so ziem­lich alles auf dem Kopf getragen haben, was sonst am wenigsten dorthin gehört, Kochtöpfe, Lampenschirme, Kinderwiegen und homerische Schilde, tommt im näch= sten Herbst noch etwas besseres dran. In England hat man den Sack- Hut erfunden. Er sieht so aus wie eine über den Kopf gestitipte Gretchentasche", wie man sie bis jest an langen Schnüren über den Arm trug. Die­fer Hut enthält aber tatsächlich mehrere verborgene Ta= schen, worin feine Trägerin ihr Portemonnate, Puder­büchschen, Taschentuch, Spiegel und andere wichtige Kleinigkeiten aufbewahren kann.

Der Klub der Totenbrüder". Vier junge Leute in Berlin im Alter von 18 bis 21 Jahren begründeten fürzlich in feierlicher Weise den Klub der Totenbritder. Auf ihr Panier schrieben sie: Pünktlichkeit, unbedingte Verschwiegenheit und Ehrlichkeit unter sich. Falls ein Präsident gewählt werden sollte, sei ihm blinder Gehor­fam zu leisten. Zu ihrer Spezialität erwählten sie Geldschrankeinbrüche. Da sie aber beretts bet dem ersten Versuch ein klägliches Fiasto machten, wählten sie als neues Arbeitsfeld Erpressungen, die ihnen bequemer zu sein schtenen. Es war ihnen zu Ohren gekommen, daß ein Berliner Kaufmann mit der Filialvorsteherin eines Konfektionsgeschäftes ein Verhältnis unterhielt. Sie schrieben an die junge Dame, verlangten Geld und drohten, wie üblich, mit dem Revolver. Die Empfän­gerin der Briefe war aber nicht so ängstlich und benach­richtigte die Poltzet, der es auch bald gelang, das vier­blättrige leeblatt hinter Schloß und Riegel zu brin­gen. Alle geleisteten Gidschmitre sind nunmehr verges­fen, und einer beschuldigt den anderen der Anstiftung und sucht sich möglichst rein zu waschen.

Vorbildliche Veteranenfürsorge am Vionville- Tage. Am Tage der 41. Wiederkehr der Schlacht von Vion­ville ist das Infanterieregiment von Alvensleben( 6. Brandenburgisches) Nr. 52 in die hocherfreuliche Lage versezt worden, an 10 würdige und bedürftige Vetera­nen aus dem großen Kriege Ehrenspenden in Höhe von je 150 Mark fabersenden zu können. Die Mittel hierzu sind in hochherziger Weise von der betagten Mutter ei­nes Regimentskameraden zur Verfügung gestellt wor­den, der tm rtege 1870/71 in den Rethen des Regi­ments als Fähnrich tapfer fämpfend sich das Eiserne Kreuz erwarb und fürzlich als General verstorben tst. Bekanntlich ist dem Infanterieregiment 52 als Ehren­name der feines Hervorragenden kommandierenden Ge­nerals aus der großen Bett verstehen worden, weil es am größten Ehrentage des märkischen Armeekorps, bet Vionville, wo es die blutigsten Opfer gebracht( Gefamt= verlust an Toten und Verwundeten 52 Offiziere und 1200 Mann), mtt hervorragender Hingebung gefochten hat, Von den zehn in Frage kommenden Veteranen find dret im Besitz der 2. Klasse und einer im Besitz der an Nichtofftztere überaus selten verliehenen 1. Klasse des Eisernen Kreuzes.

Edison als Prophet.

Der berühmte amerikanische Erfinder weilt gegen­wärtig in Europa und wird demnächst, wie schon gemel­bet, auch Berlin besuchen, das er seit 1884 nicht mehr gesehen hat. Viel hat die Welt dem Amerikaner zu ver­danken und wie es scheint, arbettet sein rastloser Geist fortgesetzt an neuen Erfindungen, die der Zukunft un­geahnte Perspektiven eröffnen. Einen Blick in diese

das Charakteristische der Habsburger, die stark ent= wickelte Unterlippe, zeigte.

" Es ist gut," sagte sie zu der Kammerfrau, die einige Schritte von ihrer kaiserlichen Herrin stand. Nun das letzte," und damit schleuderte sie die roten Saffian­pantoffelchen von den mit weißsetdenen Strümpfen um­spannten Füßchen. 8teh mtr dte Schuhe an."

Die Kammerfrau gehorchte schwelgend. Die hohen Stöckelschuhe wurden der Kaiserin angezogen. End­Itch, Mirzi," plauderte die lebensfrohe Fürstin, end­Itch, lang genug hast mich drangfaltert. Wie glücklich könnte doch unseretner sein, wenn ihm die Mühe des Toilettemachens erspart bliebe! Und Du, schlechte Seele, fannst mir in dieser Beziehung nimmer genug tun. Immer schöner willst Du mich haben. Schäm Dich was! Eine alte Frau, wie ich bin!"

Das lezte kam lächelnd heraus. Die Kaiserin wollte alles andere fetn, und war es auch in der Tat, denn eine alte Frau.

Schon gut," meinte ste, als die Dienerin, leicht vernetnend, den Kopf schüttelte und vorwurfsvoll zu threr schönen Herrin auffah, schon gut, ich weiß ja, wie Du es meinst."

Die Kammerfrau sagte nichts. Ste war ein schweig­fames Wesen, und diese thre Eigenschaft machte sie der Katserin besonders wertvoll. Mirzl wußte, daß sie zwet Ohren und einen Mund besaß, daß sie also mehr hören als sagen sollte, und das war eine Kenntnis, deren Be­folgung für jeden Menschen und besonders für den, der an Fürstenhöfen weilt, wertvoll ist.

Mirzl hörte vieles und konnte darüber schweigen. Am Hofe gab es freilich manch einen, dem die schweig­fame Kammerfrau gefährlich schten; allein niemand wagte, sie auf unsicheren Verdacht hin anzuklagen, denn das Vertrauen, das ste bet der Kaisertn genoß, schten nicht zu erschüttern.

Während Miral die filberne Schnalle am Schuh

Geisteswerkstatt hat ein Mitarbeiter des Cosmopolitan Magazin" geworfen, der die aus Edisons Munde em pfangenen Prophezeiungen in seiner Beitschrift veröf fentlicht. Danach ist der Erfinder fest davon überzeugt, daß der lugapparat das Hauptsächlichste, wenn nicht einzige Verkehrsmittel der zukünftigen Genera Hon sein wird. Aber die Aviatiker werden nur dann mit einiger Sicherheit 160 Kilometer in der Stunde zu ritcklegen können, wenn die Konstrukteure ihrer Appa rate vor allen Dingen den Mechanismus gewisser t sektenflügel anwenden und nicht mehr nuplos Zeit verschwenden werden, den Vogelflug nachzuahmen. Nur von den Hautflüglern und vor allen den Hummeln kön nen die Menschen lernen, schnell und sicher zu fliegen.

Edison glaubt ferner, daß das 20. Jahrhundert das Zettalter der Metalle sein wird. In einigen Jahren werde man Gold zum Preise von 100 Mark(!) fitr die Tonne fabrizieren können. Stahl werde nur zur Herstellung von Möbeln verwandt und die Häuser witr­den nur aus Beton konstruiert werden. Das Papter werde durch feingewalzte Nickelblätter ersetzt werden. Dieses Metall kann so präpariert werden, daß es Drufs ferschwärze annimmt. Ein Buch aus Nickelpapler, zwel Daumen dick, wird 40 000 Seiten haben und nicht mehr als ein Pfund wiegen. Ich traue mir zu," fügte Edis fon hinzu, ein Pfund dieser Nickelblätter für fituf Mark zu fabrizieren."

Großes Vertrauen hat der berühmte Erfinder zur Vervollkommnung und Ausgestaltung unserer Maschinen. Bis jetzt", sagt er," baben die Maschi nen nur zur Vorbereitung des Materials gedient, und erst die menschliche Hand hat die Vollendung der Fab­rifate bewerkstelligen können. Das wird in der Zut funft anders sein. An einem Ende der Maschine wird man den Stoff, 3wirn, Knöpfe 2c. Hineinwerfen und am anderen Ende ein vollständiges, verpacktes und ver­faufsbereites Kleid herausnehmen können. In den Buchdruckereien werden nicht nur, wie es jetzt geschieht, einzelne Bogen, sondern fertige und gebundene Butcher die Bresse verlassen."

Man kann es ruhig dahingestellt sein laffen, ob diese Erfindungen im Laufe unserer technischen Entwicklung verwirklicht werden können. Wenn aber Edison, hinzu­fügt, daß der Krieg in fitnfzig Jahren nur eine böse Erinnerung und die Armut vollständig verschwunden sein werde, so ist ein wenig Sfeptizismus wohl erlaubt. Das sind Probleme, deren Lösung nicht von der fort­schreitenden Entwicklung der Technik zu erwarten ist.

Drabtuachrichten und Deuestes.

Prinz Heinrich XVIII. von Neuß einem Schlaganfall erlegen.

Witzburg, 16. August. Prinz Heinrich XVIII. Reuß 1. Linte wurde gestern abend im Eisenbahnabteil zwischen Schweinfurt und Würzburg vom Schlage ge­troffen und war fofort tot.

Eine Tatarennachricht der ausländischen Presse. Berlin, 16. August. In der ausländischen Presse ist die Nachricht verbreitet, das Kanonenboot Panther" Itege in Blissingen fest, weil die Hälfte der Mannschaft defertiert ist. Die Nachricht ist absolut falsch. Es ist fein Mann deserttert.

Die Kolonne Frankenberg nicht niedergemezelt. Saptadt, 16. Auguft. Aus Livingstone wird gemeldet: Ein besonderer Eilbote ist in Sefhefe ein­getroffen mit der Nachricht, daß der Distriktschef Fran­kenberg und die Eingeborenenkolonne, deren Nieder­megelung am 19. Juni gemeldet wurde, wohlauf sind und nach Schuckmannsberg zurückkehrten.

Geheimnisvolle Diebstahlsaffäre.

6 Berlin, 16. August. Eine Diebstahlsaffäre im preußischen Finanzministerium beschäftigt seit gestern nachmittag die Kriminalpolizet. Gegen 1 Uhr nach­mittags wurde im Finanzministerium durch den Ka­stellan und den Silverdiener in der Nähe der Silber­fammer ett fremder Mann angehalten, der sich durch fein Benehmen verdächtig gemacht hatte. Bur Rede ge­stellt, gab der Mann an, ein Angestellter der Firma Israel zu sein. Er set geschickt, um Rücksprache wegen eines Teppichs zu nehmen. Der Kastellan glaubte ihm und ließ ihn gehen, worauf sich der Mann entfernte. Erst später entdeckte man, daß man offenbar einen Dieb hatte laufen lassen. Es stellte sich heraus, daß das Tür­schloß zur Silberfammer erbrochen war. Außerdem meldete sich ein Dienstmädchen, dem aus seinem ver­schlossenen Spind 120 Mart gestohlen worden waren. Das Spind war gleichfalls gewaltsam geöffnet worden. Aus der Silberfämmer ist nichts entwendet. Bisher hat man noch keinen Anhaltspunkt von dem Diebe. Feuer auf dem Truppenfibungsplatz Elfenborn. Trier, 16. August. Auf dem Truppenübungs­platz Elsenborn ist gesternt die Heide in Brand geraten. Um das gewaltige Feuer zu unterdrücken, wurden von Trier 300 Mann sowie eine Kompante des Infanterie­regiments Nr. 69 in Elsenborn nach dem Uebungsplatz gesandt.

schloß, blickte die Fürstin auf das leichtgeneigte Haupt. Etwas in der Haltung der Frau fiel ihr auf. Diese hatte etwas Mattes und Müdes, ja es schien fast, als set ste über Nacht alt geworden. Was war das? Mirzl Iniete noch immer vor ihrer Herrin. Maria Theresia sah, was sie vorher wahrscheinlich übersehen hatte, deren rotgemeinte Augenlider.

Miral, was ist Dtr, was ist geschehen, Du hast ge= weint?" fragte sie erschreckt.

Miral schlittelte den Kopf.

Halten zu Gnaden, Majestät, ein bißchen Kopf­

weh."

Die Kaiserin lächelte glitig.

Nun, Mirzl, das Kopfweh ist immer Entschuldt­gung, auch wenn das Herz weh tut. Ich kenne das. Hab' Vertrauen, sag mir, was Dich quält. Und vor allem sag, kann ich Dir helfen?"

,, Majestät sind sehr gütig

Die Kaiserin, die leicht ungeduldig werden konnte, stampfte mit dem Fuß. Ob ich Dir helfen kann, sollst mir sagen."

Mirzl schüttelte den Kopf. Nein, Majestät."

" Geh, Du bist langweilig mit Deinem Nein, Ma­jestät!" Wenn ich nur wüßte, was Dir fehlt.

И

Endlich kam es heraus, stockend und zagend. ,, Mein Sohn macht mtr Sorge," gestand Mirzl, ,, tch gräme mich halt um den Franzl."

" Nun, nun," tröstete die Fürstin, mit den jungen Leuten muß man Geduld haben. Jugend hat keine Tugend. Ist er in Stebesaffären verwickelt? Was hat der Schlingel denn Böses angerichtet?"

Böses grad nit, er sagt sogar, daß ihm Gutes ge­schehen ist. Er geht nach Dresden, wo er durch Ver­mittlung seines jebigen Herrn, des Grafen Kaunis, etne Stelle bet etnem vornehmen Herrn angenommen hat." ( Fortsetzung folgt.)