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Nr. 6435.
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
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Erscheint Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter ... Manuskripte wird nicht garantiert... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 165.
Telephon: Nr. 362.
Die„ Kulturarbeit“
sozialdemokratischer Bildungsausschüsse".
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der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.
In einem Dortmunder Verlage ist in sozialdemokratischem Auftrage eine Sammlung„ Gedichte" von Dr. R. Franz unter dem geistreichen Titel erschienen:„ Abrech= nung, politische Versfußtritte". Um den Geist, der in der neuen„ Kulturpartei" herrscht, zu kennzeichnen, seien einige Proben weitergegeben:" Sätt' einer wenigstens die Schnauze- Und sagt es frei: Macht geht vor Recht! Doch dies Gegirre und Gegauze Pfui, Kerls! Wird euch denn gar nicht schlecht.? Wie nur die edlen Mägen trotzen- So ekelhaftem Redebrei! Normale Menschen müssen k...., So würde ihnen schlecht dabei." Gegen die, welche sich bei Streifexzessen und Straßenunruhen des„ Lumpenproletariats" der ihre Pflicht erfüllenden Schutzmannschaft angenommen und ihren Dienst verteidigt haben, donnert folgendes wohlriechende poetische Erzeugnis:„ Hast Du den Patron, Der da lumpig lockgespitzelt Für den k. Achtgroschenlohn- An der Nase rum gefizelt, Haust Du dem zivilen Schuft Gar eins in die Spizzelfresse, Ach dann schreien die Vetteln: Luft!- Polizei, wenn sie doch schösse! Roheit! Rote Hezzerei! Hört man es verzweifelt meckern, Und die ganze Volkspartei- Sieht man in die Hose kleckern."
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Zum Schluß noch das„ schöne" Gedicht„ Deutscher Rat" gegen die Kriegerveretne:„ Und wenn die Zeit erfüllet ward,.. Wirst kriegerisch Du eingescharrt Es freu'n sich Kameraden- Und treue deutsche Maden. O, welche Lust( tritt bei uns ein!) - Ge= wesener Soldat zu sein.... Tod Euch, ihr roten Riecher, Hoch der Verein der Krieger!" Die sozialdemokratische Parteileitung pflegt derartige Schmutzproduktionen heruntergekommener Genossen gern von sich abzuschütteln. Doch geht das auch in diesem Falle nicht an. Denn die hier auszugsweise vorgetragene Kaschemmenpoesie hat direkt parteioffiziellen Charafter: Die„ politischen Versfußtritte" sind nämlich von der Zentralfommission der sozialdemo= fratischen Bildungsausschüsse von Rhein land und Westfalen in Auftrag gegeben, weil es bei festlichen Veranstaltungen der Arbeiterschaft an geeignetem Vortragsmaterial auf dem Gebiete politisch- sozialer Satire bisher fast völlig fehlt." Nun, man kann den um die„ Bildung" der Arbeiterschaft bemühten verantwortlichen Parteikreisen der Sozialdemokratie zu dieser Selbstkennzeichnung nur gratulieren. Wer zu dem traurigen Los bestimmt ist, der„ Kulturpartei" bei Gelegenheit entgegenzutreten, versäume nicht, die„ Politischen Versfußtritte" des Herrn Dr. Franz jederzeit zur Hand zu haben!
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Das Arbeitsverhältnis der Eisenbahner. Der Reichstag hat bekanntlich eine Resolution genommen, in der die Eisenbahnverwaltung ersucht wird, Arbeitern, die länger als 10 Jahre in ihrem Dienste stehen, ein gesichertes Arbeitsverhältnis zuzubilligen. Diese Resolution wurde angenommen, nachdem sich herausgestellt hat, daß die weitergehenden Wünsche der Eisenbahnarbeiter und Handwerker auf Verleihung der Beamteneigenschaft unerfüllbar sind. Es ist nunmehr zunächst für die preußischen Staatseisenbahnen in Aussicht genommen, ein gesichertes Arbeits= verhältnis nach 10jähriger einwandfreier Dienstzeit durchzuführen. Dies wird in der Form geschehen, daß nach Ablauf eines bestimmten Zeitraumes der Arbeiter nur entlassen werden darf, wenn die Eisenbahndirektion seine Entlassung bestätigt. Gegenwärtig kann jeder Arbeiter, der von seinem Amt entlassen wird, Beschwerde bei der Direktion gegen die Entlassung einlegen. Diese Beschwerdeinstanz soll beibehalten werden, und es soll die Entlassung nur ausgesprochen werden dürfen, wenn ein Arbeiter die ihm obliegenden Pflichten gröblich vernachlässigt hat, oder wenn er nicht mehr arbeitsfähig ist. In letzterem Falle treten dann die geletzlichen und außergesetzlichen Wohlfahrtseinrichtungen ein. Durch die Erhöhung der Leistungen der Pensionskasse für die Arbeiter der preußischen Staatseisenbahnverwaltung sind die Arbeiter in ihren Pensionsbezügen denen der Beamten nahezu gleichgestellt.
Reichstagswahlvorbereitungen.
Verschiedene Berliner Blätter hatten die Nachricht gebracht, daß Freiherr von Hey! zu Herrns= heim sich vom politischen Leben zurückziehen und nicht
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag, den 17. Juli 1911.
mehr kandidieren wolle. Die„ Tägl. Rundschau" erhält nun jetzt vom Freiherrn von Heyl ein Telegramm, daß diese Mitteilung völlig unzutreffend sei. Der als sein Nachfolger genannte Dr. Stephan kandidiere lediglich für den hessischen Landtag.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 17. Jult.
von
* Ordensverleihung. Der König Preußen hat dem Generalmajor 3. D. v. Dertzen, bisherigem Kommandeur der 25. Kavalleriebrigade( Gr. Hessischen), den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen.
Flugtag. Dem Sportverein 1900 ist es gelungen, den Gradpiloten Kahnt aus Leipzig für den nächsten Sonntag, 23. Juli, zu gewinnen. Die Flüge finden auf dem Trieb in der Nähe der Kaserne statt.
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* Für Jath o. Unter der evangelischen Geistlichkeit Hessens beabsichtigt man, Protest gegen die Absetzung Jathos zu erheben. Gegenwärtig zirkuliert eine Rundgebung, die schon zahlreiche Unterschristen angesehener Geistlichen trägt. In diesem Protest heißt es u. a.: Wir bedauern die gänzliche Verständntslosigkeit, die das Spruchkollegium gegenüber dem Versuch Jathos, Menschen unserer Zeit zu predigen, bewiesen hat. sind nicht die schwächsten, nicht die Ungläubigen, die neue Worte für das alte Evangelium suchen. Gegen diesen Versuch zu dekretieren, daß innerhalb der evangelischen Kirche nur die herkömmliche Weise gelten dürfe, und daß Gott ihr keine Prediger erwecken darf, die neue Wege suchen, erheben wir den allerschärfsten Protest, denn er ist Gottlosigkeit. Wir sind erschrocken, daß man wagt, einer Gemeinde den Seelsorger zu nehmen, den sie liebt und verehrt. Als Diener unserer evangelischen Kirche wehren wir uns gegen das Beschreiten dieses Weges und hoffen auf den Tag, da Jatho kraft des höheren Rechtes des Glaubens in das Amt der evangelischen Kirche zurückgerufen wird, das ihm nach einem von menschlicher Kurzsichtigkeit und Unglauben diffierten Rechte genommen wurde.
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50. Jubiläums Wander- Versammlung des Oberhess. Bienenzüchterver= eins. Die gestern Vormittag vom Ehrenvorsitzenden, Provinzialdirektor Dr. Usinger eröffnete Ausste I I ung im großen Saale der Liebigshöhe, gibt ein flares Bild über alle Zweige der Imkerei. An den Wänden entlang und durch die Mitte des Saales stehen in schöner Anordnung zwischen Blumen und frischem Grün die Erzeugnisse der Bienenzucht: Honig, Wachs und Waben. Vor der Bühne ist von Gießener Züchtern eine Felsgrotte errichtet, auf der die Hauptfeinde der Biene dargestellt sind. Vor dieser breitet sich eine sorgBiene dargestellt sind. Vor dieser breitet sich eine sorgzahl= fältig ausgewählte Bienenweide aus, die von reichen Jmfern aus allen Teilen Oberhessens zusammengestellt ist. Verschiedene Zweigvereine haben ihre Erzeugnisse in besonderen Pavillons geschmackvoll zusammengestellt. Draußen im Freien befinden sich die Bienenvölker in Körben und Häusern der verschieden sten Systeme. Hier ist auch die Geräteausstellung, in der sämtliche in der Bienenzucht nötigen Geräte Werkzeuge, Stöde, Rörbe, Schleudermaschinen zu sehen sind. Auch im Freien haben Gießener Jmker recht nette Ausstellungsgruppen hergestellt. Da steht eine Königinzuchtstation in Gestalt eines Bienendorfes mit Kirche, Mühle und dergl. Ein großer moderner Damenhut hat einen Schwarm Bienen aufgenommen. Zwei Wegweiser zeigen dem Besucher den Weg nach der Honig mühle und nach dem Bienendorf. Schön geschmückt ist außer dem Eingang der große Ausstellungssaal, der den edlen Bienenhonig in allen möglichen Farben und von den verschiedensten Blüten darbietet. Ein Besuch der interessanten Ausstellung ist sehr zu empfehlen.
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* Gewerbliche Revisionen im 2. Quartal 1911. Jn den Monaten April, Mai und Juni wurden in Gießen revidiert: 1. Die Geschäftsbücher der Güterhändler; 2. Pfandleiher und Trödler; 3. Obst- u. Backwarenverkauf auf Privatplätzen an Sonntagen nach Ladenschluß; 4. Die Mineralwasserfabriken inbezug auf Einrichtung und Beschaffenheit der Gerätschaften; 5. Verfauf von bleihaltigen Haarfärbemitteln bei Gewerbetreibenden; 6. Die Steinhauereien und Steinbrüche inbezug auf Einrichtung und den Betrieb; 7. Die Gräbereien u. Steinbrüche( in einem Falle wurde wegen Uebertretung des§ 27 der Verordnung Anzeige erhoben); 8. Gummiwarenfabriken; 9. Die Petroleumtankwagen und ver
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( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
schiedene Petroleumlager; 10. Bierhändler bezüglich der Führung von Biere unter dem Namen„ Malzbier"; 11. Die Unterkunftsräume und Aborte auf Baustellen; 12. Dampskesselanlage der Molkerei wegen Aufstellung eines neuen Kessels an Stelle des alten; 13. Sitzgelegenheit für Bedienstete in den offenen Verkaufsstellen; 14. Die Bandagisten inbezug auf Anfertigung von Präservativs; 15. Die Carbidlager bei den Gewerbetreibenden; 16. Lagerung und Aufbewahrung von giftartigen Farben bei den Gewerbetreibenden; 17. Die Bäckereien und damit verbundene Konditoreien auf Grund der Bundes= ratsverordnung; 18. Verschiedene Benzin- und Benzollager; 19. Die Warenhäuser inbezug auf Feuersicherheit; 20. Verschiedene Dampskesselanlagen; 21. Die Badsteinbrennereien inbezug auf Einrichtung und Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen; 22. Die Borstenzurichtereien bezüglich Desinfektion ausländischer Borsten und Jmpfung ausländischer Arbeiter; 23. Die Kleider und Wäschekonfektionen, sowie Putzmachereien; 24. Die Fruchteishändler inbezug auf Reinlichkeit der Geräte und des Materials; 25. Weißgerbereien; 26. Häute und Fellager; 27. Die Barbier- und Friseurgeschäfte; 28. Biographen und Kinematographen; 29. Babeanstalten inbezug auf Beschäftigung von Personal an Sonntagen; 30. 126 Werkstätten des Handwerks mit Motorbetrieb, in denen jugendliche Arbeiter und Arbeiwirtschaften bezüglich Beschäftigung des fremden Perterinnen beschäftigt werden; 31. Die Gast- und Schanksonals, Einhaltung und Eintrag der Ruhezeiten in das zu führende Buch; 32. Dampfmolkerei inbezug auf Beschäftigung von Arbeiterinnen; 33. 55 Metzgereien; 34. Die hiesigen und auswärtigen Bäcker und Brothändler auf Gewicht des Brotes und auf Namenszeichen; 35. 193 Milchhändler auf spezifisches Gewicht der Milch, Reinlichkeit der Gefäße und Wagen; 36. Außerdem wurden 69 Nahrungs- und Genußmittelproben erhoben, darunter 46 Milchproben, und dem chemischen Untersuchungsamt übergeben. Bei zwei Milchproben wurde Wasserzusaiz festgestellt und Anzeige gegen die Beschuldigten wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz erhoben. In einem Falle entsprach die Milch nicht den Bestimmungen der Milchverkaufsordnung inbezug auf Fettgehalt.
)=( Schotten, 17. Juli. Ein sonderbarer Kauz ist ein hiesiger Obstbaumbesizer. Derselbe besitzt einen prachtvollen Baum Kirschen, die er nicht pflücken will. Ein anderer Mann bot ihm 15 Mark für die Früchte des Baumes, doch wollte er sie lieber zukommen lassen. Er ist ein sehr frommer Mann und hegt die Ansicht, daß man diese Gottesgabe nicht so vom Baum nehmen dürfe, um sie Menschen zuzuführen. Bei einem Neubau fiel der Maurerlehrling durch das ungenügend verschalte Gebälk des dritten Stockes in den Keller. Er trug eine Gehirnerschütterung und eine schwere Verletzung an einem
Bein davon.
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Darmstadt, 17. Juli. Jm Alter von 72 Jahren starb hier die Freifrau Adele von Dalwigt zu Lichtenfels, die Gattin des bekannten früheren hessischen Ministerpräsidenten, der in den 60er Jahren die hessische Politik leitete.
* Worms, 17. Juli. Ein Verkaufstag der Großherzogin wird im nächsten Jahre hier stattfinden.
* Aus dem Kreise Marburg. Die schon zur Kalamität. Die Landwirte sind noch vielfach mit seit etwa 8 Wochen anhaltende Dürre wird geradezu dem Pflanzensetzen im Rückstande und wo gesetzt ist, gewähren die Felder einen traurigen Anblick. In den Gärten sieht es nicht besser aus, das wenige Obst fällt unreif ab und die Beerenfrüchte vertrocknen. Vielfach wird über Mangel an Grünfutter geklagt, die Wiesen sind ja auch total ausgedorrt und sehen fuchsrot aus. Das Korn hat Notreife erlangt und deshalb wird auch schon allenthalben mit dem Schnitt begonnen.
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* Marburg, 17. Juli. Zwischen Marburg und dem Dorfe Bürgeln brach ein Waldbrand Außer der Feuerwehr wurden zur Bekämpfung des gefährlichen Brandes zwei Jägerbataillone herangezogen, die schließlich das Feuer unterdrückten. Da die Brandstätte mehrere 100 Morgen umfaßt, ist der Schaden bedeutend. Mehrere Personen sollen bei dem Brande teils Verlegungen erlitten haben, teils infolge der Hize und der riesigen Rauchentwidelung bewußtlos geworden sein.


