Blumentag und Heimarbeiterelend.
In vielen deutschen Städten haben in den letzten WoHen sog Blumentage für die Kriegsveteranen stattgefunden. Es waren Tage fröhlichen und, wie die Erfolge zeigen, fruchtbaren Wohltuns. Woher kommt sie alle, die leichte Ware dieser Tage, dieses zierlichen Verkaufes, óteses heiteren Kaufes, dieses ganzen fröhlichen Handels? Die Frage weist täh weg von dem Itchten Spiel des Blumentages auf eines der düstersten unseres sozialen Lebens. Nur die saure Arbeit und die schmalen Löhne der Heimarbett, hier insbesondere der weiblichen Heimarbeit, ermöglichen den so fast wunderbar reichen Erfolg dieser Blumentage. Nicht als ob die Blumentage das Elend der Heimarbeiterinnen erst erzeugten, oder auch nur förderten. Wohl aber läge es nahe, aus Anlaß dieser heiteren Tage vor allem einmal auch ber Aermsten zu gedenken, die in dem ewigen Dunkel lauern, daraus diese Tage und ihr Spiel flüchtig aufleuchten.
Frau Gnaud- Kühne, eine Mitkämpferin in dem mühevollen Ringen um die Linderung des Heimarbeiterfammers, gibt, wie wir in der„ Tgl. Rdsch." lesen, eben in einem Artikel über die Arbeit und Entlöhnung der Blumenmacherinnen für die Blumentage ein paar Tatsachen und Zahlen, die Jeden, der nicht überhaupt einigermaßen die Zustände in der Hausindustrie kennt, jäh erschrecken müssen. Welches krasse Gegenspiel. Die Verkäuferin am Blumentage„ verdient" mit einer freundlichen Handbewegung einen Groschen. In einer Minute verkauft sie, wenn das fröhliche Geschäft geht, zwölf Blumen für hundertzwanzig Pfennige. Und nun ein Blick in eine der Dachkammern, wo ihnen die Ware geItefert wird. Frau Gnauck- Kühne gibt aus einem Besuch dort diese Szene:
wenn noch hinzukommt, was Frau Gnaud- Kühne fordert: Die Aufwendung eines billigen Teils vom Gewinn dieser Tage zugunsten der Heimarbeiterinnen. Unter allen darf man sie am wenigsten einfach auf den Weg der Selbsthilfe verweisen wollen, unter allen bedürfen sie am meisten noch der werktätigen Hilfe.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Der letzte Abschnitt der diesjährigen Tagung des An preußischen Landtages hat am Freitag begonnen. diesem Tage nahm das Herrenhaus, das mit der Beratung noch weit zurück ist, seine Sigungen wieder auf; am Montag oder Dienstag wird wohl das Abgeordnetenhaus folgen. Hier hofft man bis zum 22. Juni mit allem gesetzgeberischen Stoff, der beide Häuser angeht, aufzuräumen und bis zum 30. Juni gedenkt man in beiden Häusern fertig zu werden. Das wird wahrscheinlich nur möglich sein, wenn auf die eine oder andere strittige Vorlage für diese Session verzichtet wird. Man glaubt, daß z. B. das Pflichtfortbildungsschulgesetz zu diesen Vorlagen gehören wird.
,, Wie lange haben Sie denn an dem Vorrat dort gearbettet?" fragit du.„ Zwei Stunden," antwortet sie. Und wieviel sind es?"" Das dort sind zwölf Dußend." Zwölf Duhend in zwet Stunden, das ist fa enorm!"" Ja," meint fte, ich mache immer Kornblumen und hab's zu großer Gechicklichkeit gebracht."" Und wieviel bekommen Sie für diese Arbeit?"" Sieben Pfennig. Meine Freundin kriegt acht Pfennig, die arbettet für ein anderes Geschäft, meine Schwefter friegt sogar zehn Pfennic. Aber Hei solch guten Geschäften ist schwer ankommen, die sins überlaufen." Sieben Pfennigacht Pfennig- zehn Pfennig," wiederholst du ungläubig. Dann schüttelst du mit dem Kopfe:„ Ich meine für das ganze Gros?"" Sieben Pfennig", wiederholt ste und nickt dabei bekräftigend mit dem Kopfe. Jezt sprichst du laut und trennst jedes Wort in der Meinung, daß ste bekommen Ste · fürfalsch verstehe:" Wieviel Ihre zwölf- Dußend?"" Sieben Pfennig," wiederholt fie ebenso fräftig, zuckt die Achseln uni seufzt: Ich verdiene ote Stunde 8% Pfennig, ich habe es ja auf sechs Duzend In der Stunde gebracht."
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Wahlvorbereitungen. Wie aus Worms gemeldet wird, beabsichtigen nationalliberale Kreise im Wahlkreis Worms= Heppenheim- Wimpfen, dem Reichstagsabgeordneten FreiHerrn von Heyl, der bekanntlich wegen seiner Stellung zur Erbschaftssteuer im Jahre 1909 aus der nationalliberalen Partei ausgetreten ist, bei der nächsten Wahl einen Gegenfandidaten in der Person eines angesehenen Mitglieds der nationalliberalen Partei gegenüberzustellen. Dieses Vorgehen soll nach einer Meldung der Wormser Postzeitung im Einverständnis mit einer größeren Anzahl von Parlamentariern der nationalliberalen Partei erfolgen.
Da schlägst du die Hände vor Schrecken zusammen, ich stehe stumm daneben, und so findet uns eine andere Blumenarbeiterin, die eben eintritt, einen großen Korb voll Bevkojen am Arm. Ste will die Freundin bitten, ihre Tochter zum Abliefern mitzunehmen, oder selbst den Korb für fie Hinzutragen. Unsere Arbeiterir teilt der Eingetretenen mit, wie erstaunt wir über den geringen Verdienst sind. Da öffnet sie den Korb.„ Volle zehn Stunden habe ich mit meinen Kindern an diesem Auftrag gearbeitet, und wenn Ste mitgehen ins Geschäft, werden Sie sehen, was ich dafür erhalte."" Nun, und wieviel ist's?" fragst du gespannt. Fünfatg Pfennig."" Fünfzig Pfennig für zehn Stunden fleißiger und geschickter Arbeit," wiederholst du, als könnteft du es nicht fassen, das wäre ja entsetzlich! Das ist ta unmöglich!"
bens bedarf es für jeden Stand der vollsten Freiheit im Verkehr."
Das vorliegende Gesamtresultat der bisherigen öster. reichischen Reichsratswahlen ergibt für 449 vorgenommene Wahlen 251 endgültig gewählte Abgeordnete, 171 Stich wahlen und 14 zweite Wahlgänge, leztere in Galizien mit zusammen 27 Mandaten. Zur Vervollständigung des Haus fes auf 516 Mandate sind noch 67 Mandate in Galizien und Dalmatien zu besetzen. Der Besitzstand der Parteien stellt sich bisher folgendermaßen: Die Christlich- Sozialen besitzen 68 von 96 im letzten Reichsrat innegehabten Mandaten, die Tschechen 55 von 84, die Deutschfreiheitlichen 47 von 79, die Sozialdemokraten 44 von 87, Südslawen 28 von 37, Polen 14 von 72, Jtaliener 12 von 15, Bukowinaer Ruthenen 5 von 5, Rumänen 5 von 5, Wilde 4 von 13.
Eine Revision der preußisch- hessischen Eisenbahngemeins schaft. Wie der„ Boss. 3tg." aus Darmstadt gemeldet wird, nahm der Finanzausschuß der zweiten hessischen Kammer einen Antrag des Zentrums einstimmig an, wonach die Regierung ersucht werden soll, bei Zusammentritt des nächsten Landtages zur Klärung der seit Jahren über die Revision des Gemeinschaftsvertrages in der Oeffentlichkeit behandelten Frage dem Landtag eine genaue Uebersicht über die auf den hessischen Linien der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft seit Bestehen des Vertrages eingetretenen Betriebssteigerungen und die dadurch bedingte Werterhöhung vorzulegen.
Auf einen Umschwung in Deutschlands Marokkopolitit rechnet man jetzt in Paris, in der Annahme, daß die politischen Stimmungen in Berlin ebenso rasch wechseln könnten wie anderwärts. Das Pariser Kabinett soll nach dem ,, Echo de Paris" der deutschen Regierung mitgeteilt haben, es werde seinen früheren Erklärungen treu bleiben, das heißt, die Franzosen würden Fez räumen, sobald es die Ereignisse irgend gestatteten. Frankreich würde freilich immer die Stunde, die ihm richtig schiene, sich vorbehalten und sich nicht eher zurückziehen, als bis es volle Gewißheit habe, daß die Ereignisse, die sein Eingreifen veranlaßten, sich nicht wiederholen würden. Diese Versicherungen hätten in Berlin eine sehr günstige Aufnahme gefunden. In der Auslegung des Verhaltens der deutschen Regierung bei Entgegennahme dieser Mitteilungen, hat das franzö sische Blatt sich von seiner Neigung zum Optimismus vielleicht allzu sehr hinreißen lassen. Für Deutschland liegt zurzeit gar fein Grund vor, seinen abzuwartenden Standpunkt in der marokkanischen Frage zu verlassen, und daran fönnen bloße Erklärungen der Pariser Regierung nichts ändern.
Zu den angeblichen Regierungsverhandlungen mit der Sozialdemokratie über die elsah- lothringische Verfassungsreform schreiben die" Berl. Polit. Nachr.“:„ Nachdem bereits vor einiger Zeit kategorisch in Abrede gestellt ist, daß der Reichskanzler den sozialdemokratischen Abgeordneten Dr.Frank zu sich beschieden habe, um mit ihm über die elsaßLothringische Verfassungsfrage zu verhandeln, taucht jetzt die Nachricht auf, der Reichskanzler habe den Unterstaatssekretär Wahnschaffe zu Dr. Frank in dieser Angelegenheit gesandt. Auch diese Version trifft, wie uns von parlamentarischer Seite mitgeteilt wird, nicht zu. Richtig ist, daß der Unterstaatssekretär Wahnschaffe wenige Minuten einer Unterredung beigewohnt hat, die der Staatssekretär des Reichsamtes des Innern Dr. Delbrück mit Dr. Frank hatte gelegentlich einer Besprechung mit Mitgliedern der verschiedenen Parteien, die gewillt waren, den Gesezentwurf betreffend die elsaß- lothringische Verfassung zustande zu bringen."
Ste steht und zuckt dtc Achseln wie die andern und Jeufzt wie fie. Dann horcht sie auf-- wir hören Kinder weinen. Meine Kleinen sind es", sagt sie ruhig und geht htnüber. Wir folgen. An einem Tische siten zwei kleine blondköpfige Mädchen, vor sich Haufen von Levkojen, die bis auf die Stiele fertig sind. Die kleinen Kinderfinger brehen Streifen um die Stiele... Als die Mutter eintritt, hört das Kleine auf zu weinen. Die Mutter wischt thr mit der Schürze das Gesicht und sagt entschuldigend zu uns:„ Es ist kein schlechtes Kind, aber nun sibt es hier fchon fett Mittag und ist müde gelt?" Das Kind weint still wetter und birgt das müde blasse Köpfchen im Kleid der Mutter. Die Mutter richtet es auf: Bald komm ich wieder, aber bis ich zurück bin, mußt du noch dem Bärberí helfen, sonst haben wir morgen nichts zu essen." Das Kind fchluchzt auf der kleine Körper zuckt noch einmal, die Händ= chen zittern, dann wischt es sie an des Mutters Schürze ab und greift zu Blumenstiel und Streifen...
Man mag ein weniges an melodramatischer Stimmung hiervon abziehen. Die nackten wirtschaftlichen Tatsachen, bte toten Bahlen, die sich hier mitteilen, sind immer noch ein Stück ergreifenden Elends. Ist das nicht Grund genug, an diesen Tagen einmal dieser Blumenmacherinnen, vor allem ihrer einmal zu gedenken? In München hat der Ausschuß für die Veranstaltung der Blumentage unter Vorsitz des Oberstleutnants Rtes für seine Massenaufträge das Vierfache des ortsüblichen Lohnes bezahlt. Statt 5 Pfg. hat die Arbeiterin 20 Pfg. für 144 Stick Margeriten erhalten. Wird dieses Beispiel befolgt, so wird auch der nachbenklichere Mensch an: Blumentag seine Groschen mit une getrübterer Hetterkett ausgeben, als bisher, namentlich
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Und dennoch.
Novelle von Ernst Busolt.
Nachdruck verboten.
Die Arbeiterversicherung in Frankreich. In Beantwortung einiger Interpellationen betr. die Alterspensionen der Arbeiter erklärte der Finanzminister, die Regierung lehne es ab, an dem Gesetz irgendeine Aenderung vorzunehmen. Die Regierung werde jedoch im Oktober einen Gesezentwurf vorlegen, der den Versicherten die Möglichfeit gibt, im Alter von 60 Jahren die Alterspension zu erreichen.
Der mehrfach angekündigte Wechsel in den preußischen Oberpräsidentenstehen soll nun, wie eine Berliner Korrespondenz von angeblich unbedingt zuverlässiger Seite" hört, sich im Herbst vollziehen. Der Posener Oberpräs sident v. Waldow suche wegen seines förperlichen Befindens ein weniger aufregendes Amt, er werde deshalb als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Freiherrn von Malzahn nach Stettin übersiedeln. Auch noch ein drittes Oberpräsidium soll frei werden, denn der Oberpräsident der Provinz Sachsen in Magdeburg, Herr v. Hegel sei zum Präsidenten der Oberrechnungskammer ausersehen.
Kleine Nachrichten.
Die türkische Studienreise nach Deutschland ist gestern abend in Konstantinopel von 57 Personen mit Extrazug angetreten worden. Hunderte von Personen erschienen zur Verabschiedung am Bahnhof.
Im Deutschen Rundfluge haben gestern Büchner und Lindpaintner trop starken Nebels die dritte Strecke Schwe rin Hamburg durchflogen. Beide Flieger haben damit alle drei Tagesstrecken, zusammen 444 Kilometer, zurückgelegt. Am Freitag sind Schauflüge in Hamburg, am Sonnabend Hamburg- Kiel. 83 Kilometer.
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Glückliches Cöln. Der Oberbürgermeister von Cöln teilte in der letzten Stadtverordnetensizung mit, daß der diesjährige Etat von Cöln einen Ueberschuß von 1600 000 Mark aufweist; das sei ein Abschluß, wie man ihn seit 30 Jahren nicht erzielt habe.
Gegen die Lustbarkeitssteuern hat der Deutsche Gastwirtetag in Braunschweig in einer Resolution Stellung genommen. Es heißt darin:„ Nach dem Kommunalabgabengesetz ist den Kommunen die Befugnis gegeben zur Erhebung von Lustbarkeitssteuern. Im Laufe der Zeit has ben sich diese Steuern nicht als indirekte für die Allgemeinhelt, vielmehr als Sondersteuern für den Gastwirtestand herausgebildet. Die heute in Braunschweig zum 38. Deutschen Gastwirtstag versammelten Vertreter des deutschen Gastwirtsgewerbes erheben hiermit gegen eine derartige Sonderbelastung energischen Protest, da das Gastwirtsges werbe ohnehin schon übermäßig mit Sondersteuern beTastet ist. Zur Förderung unseres volkswirtschaftlichen Le=
In der tiefen Fensternische des großen altväterisch eins gerichteten Wohnzimmers saßen an einem Augustnachmit tage zwei Personen einander gegenüber. Eine ältere Dame, wohl konserviert, mit ruhigen festen gleichmäßigen 8ügen, und ein Mann in der Sommerblüte des Lebens, thr Sohn. Der lettere, in einen niedrigen Schaufelstuhl gelehnt, schien seinen Gedanken nachzuhängen. So verfieft hatte er seiner Mutter geantwortet, ausweichend, ohne auf ihren ernsten Ton einzugehen, und mußte nun hören:„ Du scheinst alles, was ich gesagt, wieder leicht zu nehmen, Adrian. Es ist dies eine ernste Angelegenheit. Und dennoch- das leugne ich keinesfalls- ich bin ein Opferlamm comme il faut; im Besitz all meiner Zähne, Solltest guter Haare sowie noch ein paar Justonen. Du nicht schon lange seit jener romantischen Geschichte in Spa eingesehen haben, daß der Hang zum Fremden, Abenteuerlichen unter Umständen lächerlich werden kann?" Und als der Sohn die weiße Stirn fraus zog und es in seinen Augen wie 3orn aufleuchten wollte, fügte sie begütigend hinzu: Dent nur an die Situation, Adrian! Du warst damals ein Student und ste-"
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Bäckerstreik in Dresden. Die Dresdener Bäcker haben gestern den Ausstand beschlossen. Es sind annähernd 800 Bäcker daran beteiligt.
Zwei Millionen Mark Erbschaftsstener. Der Gesamtbetrag des in Großbritannien befindlichen Nachlasses des Barons Albert pon Rothschild beläuft sich auf 735 027 Pfund Sterling. Dafür sind in England 96 242 Pfund, also fast zwet Millionen Mark Nachlaßstener zu entrichten. Die Manl- und Klauensenche herrscht zurzeit in über 800 Gehöften der Pfalz. Am meisten ist der Bezirk Germersheim verseucht. Die Besitzer erleiden großen Schaden. Bei einem Waldbrand in der Nähe von Crefeld brannten kürzlich 3000 Morgen Waldbestand ab. Man vermutete, daß Brandstiftung vorliege. In der Tat ist jetzt der Brandstifter, ein früheres Mitglied einer Arbeiterfolonte, festgenommen worden.
Neue Erderschütterungen in Mexiko haben schweren Schaden verursacht. Es fielen der Katastrophe 122 Personen zum Opfer darunter mehrere Personen, die von dem früheren Erdbeben her verwundet in den Hospitälern lagen. Eine amtliche Mitteilung gibt die Anzahl der Opfer der damaligen Katastrophe auf 1450 bis 1500 an.
Ein großer Juwelendiebstahl ist in Wien verübt wor den. Unbekannte Täter drangen in das Geschäftslokal des Juweliers Mahrispl in der Währinger Straße und haben Schmuck im Werte von über 100 000 kronen gestohlen. Ein starker Wettersturz in der Schweiz hat in den hohen Berglagen eine Menge Neuschnee gebracht. Die Temperatur ist in den Höhen von 2000 Metern bis auf fünf Grad unter Null gesunken. Die Neuschneemenge beträgt gegen 40 Zentimeter.
wesen, das fröhliche Spa hatte Siesta gehalten, als Adrian mit Mappe, Feldstuhl und Schirm matt und erhitzt von einem Ausflug in die weitere Umgegend heimgekehrt. Jm Schatten der Kurhauspromenaden hatte er wenige Minuten ausruhen wollen. Auf einer der Ruhebänke, über welche die schönsten, duftigsten hochstämmigen Rosen herüberntaten, hatte er wie ein müdes Kind die Augen ge= schlossen. Fremde Stimmen in nächster Nähe drangen durch seinen Schlaf. Verwirrt die Augen aufschlagend, sah er einen alten Mann und ein junges Mädchen vor sich. Die Hand leicht an den Hut gelegt, machte der Alte mit ziemlich hochmütiger Miene Anstalt, Plaz zu nehmen. Adrian sprang höflich auf und bat die Herrschaften, sich nicht stören zu lassen, und setzte sich, sein Feldstühlchen aufstellend, zu ihnen. Man dankte thm, fragte ihn, ob er Maler sei, was er verneinte; er erzählte, daß er in Heidelberg Jura studiere, während eines Teiles der Ferien mit der Mutter hier verweile, es aber leider nicht lassen könne, der Kunst ein wenig ins Handwerk zu pfuschen. Indem er so sprach, blickte er unwillkürlich nach dem jungen Mädchen hin. Es war eine Erscheinuna, wie man sie im Gewühl der Straße nicht so leicht trifft. Ein dunkelblauseidenes einfaches Kleid umspannte ihre noch sehr jugendliche Gestalt; Hände und Füße schienen wunderbar geformt. Augenscheinlich dachte sie nicht daran, wie reizend sie im Helldunkel der sommergrünen Bäume aussah.
Die Mutter schwieg und nahm thre Tapisseriearbeit auf. Der Sohn blidte träumerisch in die bläulichen Rauchwolten seiner Bigarette, die als dünne geschnörkelte Linien aufstiegen. Er war wieder in Gedanken versunken, als fttege in diesen blauen Rauchwolfen thr Bild vor ihm auf. Trug fie nicht damals Blau, ein Kleid von dunkelveilchenblauer Setbe? Wo sie jetzt nur sein mochte? Ob noch fo schön, so bezwingend schön wie damals? Wie lange es boch schon her war, settdem er sie zum ersten Male gesehen? Fünf Jahre! Er gedachte seiner ersten Begegnung mit hr.
Es war an einem sonnenburchglühten Sommertage ge=
dieser Erde. Die slawische Abstammung war wohl das einzig Gemeinsame zwischen dem ältlichen Herrn und ihr Der mit ausgesuchtester Eleganz gekleidete Mann hatte eine unangenehme Physiognomie. Seine ausdrucksvollen dunklen Augen funkelten scharf und durchdringend, ein lauernder Zug lag um seinen Mund. Die Nase war flein und schmal. Der Schnurrbart und das graue, sehr sorgfältig frisierte Haar auffallend dünn.
Vereinzelte goldig aufblizende Sonnenfünfchen leuch= teten in dem reichen braunen Haar, das zu der matten Farbe des Gesichts einen belebenden Gegensatz bildete. Die Stirn war niedrig, aber edel gebildet, die Augen groß, sammetschwarz, stest im Ausdruck wechselnd. Und doch schwebte ein Schatten über dem jungen Antlitz, den nicht einmal das liebliche Lächeln ganz zu verscheuchen vermochte, das von Zeit zu Zeit um den Mund spielte. Dieser Ausdruck von Trauer lag sogar im Licht ihrer wunderbaren Augen und schien zu sagen: Sorge und Gram habe ich kennen gelernt, und sie weichen nicht mehr von mir auf
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In das Anschauen des jungen Mädchens vertieft, hatte Adrian die Unterhaltung ganz ins Stoden geraten lassen. Er fühlte es, und indem ein eleichte Röte auf seine Stirn) trat, erkundigte er sich, ob die Herrschaften während der ganzen Saison hier seien. Ein neugierig listiger Blid des unheimlichen Alten streifte ihn, als er Adrian erwiderte, er treffe nie lange vorher Reisedispositionen, würde aber schon in nächster Zeit Spa verlassen. Das Spiel hier sek ihm unangenehm, es bringe Elemente in di eBadegesell schaft, mit denen es fatal set, in Berührung zu kommen. Da lobe er sich die deutschen Bäder, in denen man endlich mit dem Spiel aufgeräumt habe. Der Alte bemühte sich sichtlich, einen wohlwollenden Ton anzuschlagen, und fragte, ob Adrian auch schon sein Glück versucht? Nein? Das nehme ihn wunder. Es sei das ein Zeichen von Charakter: festigkeit. Er solle sich dieselbe nur fernerhin bewahren. Spielsäle seien brennende Kerzen. Die Opfer die Schmetterlinge... Wie, Virginie?
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Beide erhoben sich und schritten, nach leichter Verneigung gegen Adrian, dem Kurhause zu. Den ganzen Tag über und in der Nacht träumte der junge Student pon jenem schönen Mädchenantlik. Adrian van der Landen war ein ernstangelegter Charakter, der viel von der starren holländischen Willensfestigkeit seines Vaters in sich aufgenommen hatte. Die Mutter, eine streng und in flöſter= licher Stille erzogene Norddeutsche, würde sein Wesen sicherlich nicht zu mildern vermocht haben, hätte nicht die Phantasie, jene goldene Tochter des Himmels, sich lächelnd über seine Wiege geneigt. ( Fortlekung folat.)
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